Corona-Pandemie gefährdet wichtige Selbsthilfe nach einem Schlaganfall

Gütersloh, 28.10.2022

Am 29. Oktober ist Welt-Schlaganfalltag. Unter dem Motto „Selbsthilfe wirkt! Zurück ins Leben nach Schlaganfall“ weist die 1993 von Liz Mohn gegründete Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mit Sitz in Gütersloh darauf hin, dass die Corona-Pandemie die so wichtige Selbsthilfe gefährdet.

Allein in Deutschland erleiden nach Angaben von Experten rund 270.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Die Volkskrankheit ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. „Neben der medizinischen und therapeutischen Behandlung spielt die Selbsthilfe eine ganz wichtige Rolle für viele Betroffene“, sagt Stefan Stricker, Referent der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. „In der größten Krise ihres Lebens finden viele Menschen in der Gruppe den dringend notwendigen Halt. Und sie erhalten Antworten auf ihre Fragen, die sich auf dem Weg zurück ins Leben stellen.“ 

Alltagsbewältigung im Fokus 

350 Schlaganfall-Selbsthilfegruppen umfasst das bundesweite Netzwerk der Stiftung inzwischen. Häufigstes Thema der Gruppentreffen ist nach einer aktuellen Umfrage der Schlaganfall-Hilfe die Alltagsbewältigung (97 Prozent). „Deshalb ist die Selbsthilfe eine unverzichtbare Säule der Schlaganfall-Nachsorge“, so Stricker. Doch die Pandemie stellte die Gruppen vor große Herausforderungen. Zwei Drittel verloren Mitglieder. Und mehr als die Hälfte der Gruppen sieht die Neugewinnung von Mitgliedern als größte Schwierigkeit. 

Für Stefan Stricker ist dieses Ergebnis nicht verwunderlich. „80 Prozent der Schlaganfall-Betroffenen leiden unter neuropsychologischen Folgen. Eine der häufigsten ist die Antriebsarmut“, fährt er fort. Gerade für diese Menschen sei die Ansprache in der Gruppe so wichtig. „Isolation führt zu mangelnder Therapietreue. Da sind Folgeerkrankungen, wiederholte Schlaganfälle und Depressionen vorprogrammiert.“

Mit ihrem Förderfonds Selbsthilfe will die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe im kommenden Jahr die Gründung neuer Gruppen unterstützen, therapeutische Programme fördern und Gruppenleitungen qualifizieren.  (benet)

„Ein bisschen was geht immer! Bewegung im Alltag wirkt Wunder.“

Das Motto der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe lautete in diesem Jahr: „Ein bisschen was geht immer! Bewegung im Alltag wirkt Wunder.“

Deutschland bewegt sich zu wenig, die Pandemie wirkte zusätzlich wie ein Brandbeschleuniger in Sachen Mangelbewegung. Deutsche Sportvereine haben allein im ersten Jahr der Pandemie 850.000 Mitglieder verloren, ermittelte der Deutsche Olympische Sportbund. Und die Sportstudios verloren nach Angaben ihres Dachverbandes DSSV in zwei Jahren gar 2,4 Millionen Mitglieder.

Bewegung zurück in den Alltag holen

Eines der größten Probleme: Viele verbannen Bewegung zunehmend aus unserem Alltag. „Der Fahrstuhl, die Scooter, die E-Bikes – alles ist automatisiert, dadurch haben wir keine ausreichenden Reize mehr für unseren Körper, die wir brauchen“, sagt Deutschlands bekanntester Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Er unterstützt die Initiative der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Eine neue Studie bringt jetzt gute Nachrichten für alle, die mit dem Sport fremdeln

Durch nur einen Spaziergang pro Woche lässt sich schon sehr viel erreichen, weist die Studie anhand der Gesundheitsdaten von 93.000 Briten nach. Wer sich zuvor gar nicht bewegt hat, erzielt dadurch einen größeren Effekt auf seine Gesundheit als sportlichere Menschen, die ihre Aktivitäten steigern.

Relativ betrachtet heißt das: Inaktive Menschen erzielen mit dem geringsten Aufwand den größten Nutzen. „Es ist in der Tat so, dass Anfänger immer die größten Fortschritte machen“, bestätigt Ingo Froböse. „Es lohnt sich wirklich in jedem Alter, denn wir werden besser, und das sogar ganz schnell.“

150 Minuten Bewegung pro Woche halbieren das Schlaganfall-Risiko

Bewegung ist der Alleskönner in Sachen Prävention, betont die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in ihrer Pressemitteilung. Sie fördert vor allem die Herz-Kreislauf-Gesundheit und ist gut für die Seele. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt pro Woche mindestens 150 Minuten moderate Bewegung. So lässt sich das persönliche Schlaganfall-Risiko um 50 Prozent senken. Doch schon vor der Pandemie haben gerade einmal 45 Prozent der Menschen in Deutschland dieses Ziel erreicht.

Mehr Infos zum Tag gegen den Schlaganfall und zur oben erwähnten Studie sowie den Bewegungsrechner, das Video „Ein bisschen was geht immer“, ein Interview mit Ingo Froböse und weitere Tipps zum Thema Bewegung im Alltag finden Sie unter dem Link Tag gegen den Schlaganfall.

Der Schlaganfall: Symptome und Ursachen

Ein Schlaganfall ist lebensgefährlich und Ärzte müssen ihn sofort behandeln. Hier erfahren Sie mehr zu Symptomen und Ursachen bei einem Hirninfarkt.



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Seite zuletzt aktualisiert am: 28.10.2022
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