A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

T

T, Abk. für Thymin oder Thyroxin.


T3

T3, Abk. für → Trijodthyronin.


T4

T4, Abk. für Tetrajodthyronin, → Thyroxin.


Tabak

Tabak, die getrockneten Blätter der Tabakpflanze (Nicotiana tabacum), die zu Rauchtabak in Zigaretten, Zigarren und zu Pfeifentabak verarbeitet werden. Der Tabakrauch enthält neben → Nikotin, aromatischen Kohlenwasserstoffen und Schwermetallen auch krebserzeugende Stoffe im Tabakteer. Bei langjähriger Inhalation von Tabakrauch kann es daher zu bösartigen Tumoren der Lippen, der Mundhöhle, der Bronchien, des Magen-Darm-Trakts oder der Harnblase kommen. In den Bronchien entwickelt sich durch die ständige Reizung der Schleimhäute häufig eine chronische Bronchitis (Raucherhusten). Das im Tabakrauch enthaltene Kohlenmonoxid setzt die Transportfähigkeit des Blutes für Sauerstoff herab und vermindert die Sauerstoffversorgung des Organismus und dadurch die körperliche Leistungsfähigkeit. Rauchen während der Schwangerschaft kann zu Schäden des ungeborenen Kindes und einer Frühgeburt führen. Tabak gilt als legale → Droge.


Tabakbeutelgesäß

Tabakbeutelgesäß, längsgerichtete Hautfalten am Gesäß von Säuglingen, die durch eine Abnahme des Unterhautfettgewebes entstehen und ein Hinweis auf eine chronische Ernährungsstörung (→ Dystrophie) sind.


Tabes

Tabes, eine veraltete Bezeichnung für → Tuberkulose.


Tabes

Tabes, Tabes dorsalis, das schwere Spätstadium der → Syphilis mit Befall der Rückenmarksnerven, das mit Sensibilitätsstörungen (vor allem an den Füßen), Störungen der Pupillenreaktion, Schmerzen, Gangstörungen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen einhergeht.


Tablette

Tablette, aus pulverförmigen Wirkstoffen in Form gepresstes Arzneimittel mit einheitlicher Dosierung. Durch ihre Form und mechanische Beständigkeit lassen sich Tabletten gut lagern.


Taches bleues

Taches bleues, kleine, blauschwarze Flecken, die an den Einstichstellen von Filzläusen, insbesondere bei einem Filzlausbefall im Genitalbereich (→ Pedikulose) auftreten.


tachy...

tachy..., Wortteil für schnell; z. B. tachykard (beschleunigte Herztätigkeit).


Tachykardie

Tachykardie, Herzjagen, Herzrhythmusstörung mit einer Herzfrequenz über 100 Schläge pro Minute, meist aufgrund einer Störung der Erregungsbildung im Herzen. Diese Störung kann vom Erregungszentrum (→ Sinustachykardie) oder von den Vorhöfen und den Herzkammern selbst ausgehen. Auch bei Herzinsuffizienz und Schockzuständen kommt es zu einer Tachykardie. Eine anfallsartig (meist ohne erkennbare Ursachen) auftretende Tachykardie wird als paroxysmale Tachykardie bezeichnet. Auch →  Herzrhythmusstörungen.


Tachylalie

Tachylalie, eine Bezeichnung für eine stark beschleunigte Sprechweise, die in der Regel auf eine organische Hirnerkrankung zurückzuführen ist.


Tachypnoe

Tachypnoe, beschleunigte Atmung, z. B. bei erhöhtem Sauerstoffbedarf (z. B. bei körperlicher Anstrengung), niedrigem Sauerstoffgehalt der Außenluft oder durch psychische Erregung.


Tacrin

Tacrin, eine Substanz, die den Abbau von Acetylcholin im Organismus hemmt und aufgrund dieser Eigenschaft zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit eingesetzt wird. Durch das Medikament kann eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten des Patienten erreicht werden. Die degenerativen Prozesse, die durch die Erkrankung verursacht werden, können jedoch nicht beeinflusst werden.


Tacrolimus

Tacrolimus, ein Wirkstoff, der aus einem Bakterienstamm der Gattung Streptomyces gewonnen wird. Aufgrund seiner immunsuppressiven Wirkung wird die Substanz überwiegend zur Vorbeugung und Behandlung der Gewebeabstoßung bei Leber- und Nierentransplantationen eingesetzt.


Tadalafil

Tadalafil, Phosphodiesterase-Hemmer zur Behandlung von → Erektionsstörungen. Wirkung nur bei sexueller Stimulation.


Taenia

Taenia, bandförmiges Gebilde, Gewebestreifen, bandförmige Längsstreifen aus glatter Muskulatur, die entlang des Grimmdarms (→ Colon) verlaufen (Taeniae coli).


Taenia

Taenia, Bandwürmer, die im Darm von Säugetieren und Menschen schmarotzen. Zu den wichtigsten gehören der Rinderbandwurm (Taenia saginata) und der Schweinebandwurm (Taenia solium). Auch Taeniasis.


Taeniasis

Taeniasis, Befall mit → Bandwürmern, meist Rinder- oder Schweinebandwurm. Die Infektion erfolgt über den Verzehr von finnenhaltigem rohem Fleisch. Eine Taeniasis kann unbemerkt verlaufen, aber auch mit Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Heißhunger und Veränderungen des Blutbilds einhergehen. Die Behandlung besteht in der Gabe von → Anthelminthika.


Tagesdosis

Tagesdosis, Menge eines Medikaments, die einem Patienten pro Tag verabreicht wird.


Tagesdruckkurve

Tagesdruckkurve, eine zur frühzeitigen Erkennung des Glaukoms durchgeführte Messung des Augeninnendrucks und ihre Dokumentation über einen Zeitraum von 24 Stunden.


Tagesklinik

Tagesklinik, Praxis oder Krankenhausabteilung, in der die Patienten nur tagsüber behandelt und betreut werden; die Nacht verbringen sie zu Hause. Tageskliniken werden vor allem von psychisch kranken und dementen Personen genutzt.


Tagesprofil

Tagesprofil, Bestimmung der Konzentration bestimmter Stoffe im Blut und Harn über einen Zeitraum von 24 Stunden zu festgelegten Zeiten, da die Stoffkonzentrationen in Abhängigkeit vom Tagesrhythmus schwanken. Ein Tagesprofil wird u. a. von den Blutzuckerwerten bei → Diabetes mellitus erstellt, um eine genaue medikamentöse Einstellung des Stoffwechsels zu ermöglichen.


Tagsichtigkeit

Tagsichtigkeit, → Hemeralopie.


Tai-Chi-Chuan

Tai-Chi-Chuan, aus dem alten China stammende Gymnastikform, die vor allem der Stärkung der Körperkräfte und der Gesundheit dient. Umgangssprachlich wird das Tai-Chi-Chuan auch als sog. Schattenboxen bezeichnet. In die fließenden Bewegungen dieser Gymnastikform sollen Bewusstsein, Vorstellung und Atem harmonisch eingegliedert werden, um eine positive Wirkung auf die Körperfunktionen auszuüben. Das Tai-Chi-Chuan kann somit eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung und der Regulation des Hormonhaushalts spielen. Der Schwerpunkt des Körpers wird dabei in die Bauchregion verlagert. Tai-Chi-Chuan wirkt sich z. B. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen günstig aus.


Taille-Hüfte-Verhältnis

Taille-Hüfte-Verhältnis, → Waist-hip-ratio.


taktil

taktil, den Tastsinn, das Tasten betreffend.


Talalgie

Talalgie, auch als »Sprungbeinschmerz« bezeichnete Beschwerden, die infolge von Fehlstellungen des Fußes, aber auch als Symptom z. B. bei Gicht oder Bechterew-Krankheit auftreten können.


Talg

Talg, Sebum, Hauttalg, Sekret aus Fetten, freien Säuren und zerfallenen Zellen, das von den → Talgdrüsen der Haut abgesondert wird, die Haut vor Austrocknung schützt und ihre Geschmeidigkeit erhält.


Talgdrüse

Talgdrüse, Hautdrüse, die meist in der unmittelbaren Nachbarschaft eines Haarbalgs vorkommt und → Talg absondert, der durch seine fettähnliche Zusammensetzung die Geschmeidigkeit der Haut und der Haare erhält.


Talgdrüsenentzündung

Talgdrüsenentzündung, Entzündung einer talgsezernierenden Drüse der Haut. → Follikulitis.


Talgdrüsenhyperplasie

Talgdrüsenhyperplasie, das Auftreten von gelblichen Knötchen mit einer Delle in der Mitte, insbesondere an der Stirn und an den Wangen. Eine Talgdrüsenhyperplasie entwickelt sich besonders bei älteren Männern.


Talkose

Talkose, eine zu den Berufskrankheiten gehörende Lungenerkrankung, die durch das Einatmen von Talkstaub über einen längeren Zeitraum verursacht wird. Es kommt u. a. zur Bildung von Granulomen und zur Verhärtung des Lungengewebes.


Talkum

Talkum, Talcum, mineralische Substanz (Magnesiumsilikat), die sich gut zermahlen lässt und deshalb hauptsächlich als Grundlage für Puder verwendet wird, aber auch als Tablettenzusatzstoff und Gleitsubstanz.


Talus

Talus, Sprungbein; Fußwurzelknochen (→ Tarsus).


Tamarindenbaum

Tamarindenbaum, Tamarindus indica, ein tropischer Baum, aus dessen Früchten das Tamarindenmus (Pulpa tamarindorum) hergestellt wird. Das Mus wird aufgrund seiner abführenden und harntreibenden Wirkung als mildes Abführmittel verwendet.


Tamarindus indica

Tamarindus indica, → Tamarindenbaum.


Tamoxifen

Tamoxifen, dem → Östrogen entgegenwirkende Substanz, die bei der Behandlung eines hormonrezeptorpositiven → Mammakarzinoms eingesetzt wird.


Tampon

Tampon, aus Watte oder Gaze gepresster Bausch, Stopfen oder Streifen, z. B. zur Wundbehandlung oder zur Menstruationshygiene. Auch → Tamponade.


Tamponade

Tamponade, Ausfüllen einer Wundhöhle, eines Hohlorgans oder einer Körperhöhle mit Hilfe eines Watte- oder Gazebausches (Tampon) vor allem zum Zweck der Blutstillung, aber auch im Rahmen einer Drainage von anderen Körperflüssigkeiten und zur lokalen Gabe von Medikamenten.


Tang

Tang, Fucus, Teile verschiedener Algenarten, wie z. B. Blasentang oder Braunalgen, die in der Naturheilkunde in verschiedenen Zubereitungsformen eingesetzt werden. Anwendungsgebiete sind z. B. eine Überfunktion der Schilddrüse, Übergewicht, Verdauungsbeschwerden, Rheuma und Arteriosklerose. Als Zusatz zu Shampoos und Haarwässern wird Tang als Mittel gegen Schuppen verwendet.


Tannin

Tannin, die Gerbsäure, die aus Galläpfeln gewonnen und z. B. beim Gerben von Tierfellen eingesetzt wird. In der Medizin hat sich Tannin aufgrund seiner zusammenziehenden und entzündungshemmenden Wirkung als Mittel zur Wundbehandlung und bei Durchfällen bewährt.


Tape-Verband

Tape-Verband, Stützverband, mit dem in Form von Bändern, Pflastern und anderen Materialien Gelenke, Muskeln und Sehnen ruhig gestellt werden. Vor allem bei Prellungen und Verstauchungen von Gelenken (z. B. Hand- oder Kniegelenk) sowie bei Muskelzerrungen unterstützt ein Tape-Verband die Schonung des betroffenen Körperteils.


Tapotement

Tapotement, Klopfmassage, klassische Massage, bei der durch kurzes, schnelles Klopfen mit den Fingern oder den Handkanten die Durchblutung der Haut und der Muskeln verstärkt wird (→ Massage). Eine als Tapotement bezeichnete Klopfmassage wird auch bei der Atemtherapie zur Sekretlösung in den Bronchien angewendet (z. B. bei chronischer Bronchitis).


Taraxacum officinale

Taraxacum officinale, → Löwenzahn.


tarsal

tarsal, die Fußwurzel (Tarsus) betreffend.


tarsal

tarsal, den Lidknorpel (Tarsus palpebrae) betreffend.


Tarsus

Tarsus, bindegewebige Platte des Augenlids, der sog. Lidknorpel (Tarsus palpebrae).


Tarsus

Tarsus, Fußwurzel, die funktionelle Verbindung von sieben Fußwurzelknochen (Fersenbein, Sprungbein, Kahnbein, Würfelbein und drei Keilbeine). Die Knochen der Fußwurzel liegen zwischen den Mittelfußknochen und dem Sprunggelenk und sind an der Bildung des Fußgewölbes beteiligt.


Taschenklappe

Taschenklappe, halbmondförmige Klappe, die als Ventilverschluss der Aorta bzw. des Truncus pulmonalis (gemeinsamer Stamm der Lungenarterien) zum linken bzw. rechten Herzventrikel dient. Auch → Aortenklappe, → Pulmonalklappe.


Tastblindheit

Tastblindheit, die Unfähigkeit, die Form eines Gegenstandes bei geschlossenen Augen durch Tasten zu erkennen. Die Tastblindheit ist ein Symptom für eine zerebrale Schädigung.


Tastempfindung

Tastempfindung, Wahrnehmung von Berührungen auf der Haut durch kleine, berührungsempfindliche Organe, die → Tastkörperchen. Auch → Tastsinn.


Tastkörperchen

Tastkörperchen, zelluläre Strukturen innerhalb der Lederhaut, die mit Nervenfasern verbunden sind und Berührungsempfindungen aufnehmen.


Tastsinn

Tastsinn, Fähigkeit der Haut, Berührungen durch berührungsempfindliche Endorgane, die sog. Mechanorezeptoren (→ Tastkörperchen) wahrzunehmen. Die Berührungsempfindungen werden einerseits durch eigenes Abtasten von Strukturen hervorgerufen, andererseits durch Berührungen von außen. Die erhaltenen Informationen werden über Nervenbahnen in das Großhirn weitergeleitet und dort ausgewertet.


Tätigkeitssucht

Tätigkeitssucht, nicht stoffgebundene Sucht, Suchtverhalten, das nicht an eine Substanz (z. B. → Drogen, → Alkohol), sondern an ein Verhalten gebunden ist. Dazu zählen die Arbeits-, Fernseh-, Spiel-, Kauf-, Ess- und Sexsucht. Tätigkeitssüchte sind meist nur mithilfe einer → Psychotherapie zu bewältigen.


Taubblindheit

Taubblindheit, Fehlen des Hör- und Sehvermögens. Die Orientierung in der Umwelt ist für Menschen mit Taubblindheit nur über den Tastsinn möglich. Besteht eine Taubblindheit schon vor dem Spacherwerb (d. h. im frühen Kleinkindalter), ist die Sprachentwicklung schwer gestört, da die akustische Kontrolle der geäußerten Laute fehlt, sodass es zu einer Taubstummblindheit kommt.


Taubheit

Taubheit, → Gehörlosigkeit.


Taubnessel

Taubnessel, Lamium album, eine krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler, deren Inhaltsstoffe eine zusammenziehende und schleimlösende Wirkung haben. Daher wird die Taubnessel in verschiedenen Zubereitungen z. B. zur Schleimlösung bei Erkrankungen der oberen Atemwege oder zur lokalen Behandlung von Entzündungen des Mundraums verwendet. Tee aus Taubnesselkraut findet bei Beschwerden im Klimakterium sowie bei Magen-Darm-Störungen Verwendung.


Taubstummheit

Taubstummheit, Unvermögen zu sprechen trotz funktionsfähigen Sprechapparates infolge einer Taubheit. Besteht die Taubheit schon seit dem frühen Kindesalter (z. B. bei angeborener Taubheit), fehlt der spontane Lautspracherwerb ganz, da keine akustische Kontrolle der Lautäußerungen möglich ist. Bei später einsetzender Taubheit kann das zuvor erworbene Sprachvermögen unter Umständen wieder verloren gehen. Der Begriff Taubstummheit wird von vielen Gehörlosen als nicht korrekt empfunden, da sie - auch wenn das Sprechvermögen stark eingeschränkt ist - untereinander durch die → Gebärdensprache kommunizieren.


Taucherkrankheit

Taucherkrankheit, → Caissonkrankheit.


Tausendgüldenkraut

Tausendgüldenkraut, Centaurium erythraea, die in den oberirdischen Pflanzenteilen des Tausendgüldenkrauts enthaltenen Bitterstoffe steigern die Sekretion von Magen- und Gallensäften und regen den Kreislauf und die Darmtätigkeit an. Daher werden Tees aus Tausendgüldenkraut und verschiedene Fertigpräparate bei Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Leber- und Gallenbeschwerden angewendet.


Tawara-Knoten

Tawara-Knoten, → Atrioventrikularknoten.


Tawara-Schenkel

Tawara-Schenkel, der linke und rechte Hauptast des → His-Bündels (Teil des Erregungsleitungssystems des Herzens).


Tbl.

Tbl., Abk. für → Tablette (n).


Tb

Tb, Tbc, Abk. für Tuberculosis; → Tuberkulose.


TCM

TCM, Abk. für traditionelle chinesische → Medizin.


Technetium

Technetium, radioaktives chemisches Element, Schwermetall; das Isotop des Technetiums, Technetium-99, wird vor allem in der → Nuklearmedizin (z. B. bei der Überprüfung eines Organstoffwechsels) angewandt.


Tee

Tee, alle getrockneten Pflanzenteile wie Blätter, Blüten und Rinde, deren Aufguss mit Wasser getrunken wird. Dabei können unterschiedliche Pflanzensorten (z. B. Kamille, Salbei, Fenchel) Grundlage des Tees sein sowie Mischungen aus diesen Pflanzenteilen. Tees werden sowohl als Genussmittel als auch als Heilmittel (z. B. Magen-Darm-Tee, Bronchialtee) verwendet. Schwarz- oder Grüntee besteht aus dem Aufguss der getrockneten Blätter und Blattknospen des Teestrauchs (Camellia sinensis) und enthält neben Aromastoffen u. a. Koffein, ätherische Öle und Gerbstoffe. Schwarztee wirkt (meist nach kurzem Aufbrühen) anregend und hat eine leicht harntreibende Wirkung. Bei empfindlichem Magen kann Schwarztee zu einer Reizung der Magenschleimhaut führen.


Teefasten

Teefasten, vollständiger Verzicht auf feste Nahrung für einen Zeitraum von einem bis acht Tagen, wobei nur Flüssigkeit in Form von Heilkräutertee und Wasser aufgenommen wird. Die aufgenommene Flüssigkeitsmenge beträgt zwei bis drei Liter pro Tag. Beim Teefasten wird der Verdauungstrakt täglich so weit wie möglich entleert.


Teenager-Schwangerschaft

Teenager-Schwangerschaft, Minderjährigen-Schwangerschaft, Schwangerschaft eines Mädchens unter 18 Jahren. Ursachen sind meist ein niedriges Bildungsniveau, falscher oder sorgloser Umgang mit Verhütungsmitteln und Scham oder Angst vor dem Besuch des Frauenarztes. Für das junge Mädchen bedeutet die frühe Schwangerschaft einschneidende Veränderungen. Teenager-Schwangerschaften vor allem bei unter 15-Jährigen neigen zur Frühgeburt, Entwicklungsstörungen und genetischen Veränderungen. Junge Erstgebärende leiden zudem vermehrt unter Schwangerschaftserkrankungen wie der → Präeklampsie. Eine bessere Schulbildung und vermehrte Aufklärung sind wesentliche Faktoren der Prävention.


Teer

Teer, aus Kohle, Holz, Schiefer oder Öl hergestelltes Rohmaterial, das vielseitig verwendbar ist, z. B. zum Straßenbau, in der Farb- und Kunststoffindustrie, als Lösungsmittel usw. In der Medizin findet Teer aufgrund seiner juckreizstillenden, austrocknenden und entzündungshemmenden Wirkung Verwendung bei der Behandlung von Hauterkrankungen, wie z. B. bei Ekzemen oder Schuppenflechte. Abhängig von den Inhaltsstoffen (u. a. Kohlenwasserstoffe, Phenole und harzähnliche Substanzen) und der Art und Dauer des Kontakts kann Teer auch toxisch bzw. karzinogen wirken.


Teerkrebs

Teerkrebs, Teerkarzinom, bösartige Tumoren der Haut und Schleimhäute, die durch den langjährigen Kontakt mit Krebs erregenden Stoffen in Teer, Kohle und Ruß hervorgerufen werden. Besonders bei Teerarbeitern kommt dieser Krebs, der meist die Atemwege und die Lippen, aber auch Harnblase und Hodensack betrifft, häufig vor.


Teerstuhl

Teerstuhl, → Melaena.


Teerzyste

Teerzyste, eine Zyste, die sich im Rahmen einer → Endometriose in der Gebärmutter entwickelt. Die Teerzyste wird aufgrund ihres eingedickten und dunkel gefärbten Inhalts aus Blutabbauprodukten oft auch als Schokoladenzyste bezeichnet.


Teevan-Fraktur

Teevan-Fraktur, eine Bezeichnung für einen durch einen Schlag oder einen Unfall verursachten Schädelbruch. Bei dieser speziellen Form der Fraktur ist nur das innere Schädeldach zersplittert, das äußere ist dagegen intakt.


Teichopsie

Teichopsie, Gesichtsfeldausfall mit zackenförmigen Erscheinungen und Augenflimmern, z. B. bei Migräne.


Teicoplanin

Teicoplanin, ein Glykopeptid-Antibiotikum, das besonders wirksam ist gegen aerobe und anaerobe grampositive Bakterienstämme, wie z. B. Staphylokokken, Streptokokken, Clostridien usw. Aufgrund dieses Wirkungsspektrums wird Teicoplanin bei grampositiven Infekten, wie beispielsweise Endokarditis, Osteomyelitis, Peritonitis, Sepsis usw. verwendet.


Teilleistungsstörung

Teilleistungsstörung, der Ausfall von Teilen eines Organs oder Organsystems, wodurch die Funktionsfähigkeit teilweise beeinträchtigt wird, z. B. Sprachstörungen aufgrund von Schädigungen der Sprachregion im Gehirn. Dabei kann z. B. die Fähigkeit zur Sprachbildung gestört, das Sprachverständnis jedoch unbeeinträchtigt sein.


Tela

Tela, Verbandsstoff (Verbandmull) zur Wundabdeckung in Form von Mullbinden und Tupfern (Tela depurata).


Tela

Tela, unterschiedliche Gewebe (meist Bindegewebe) oder Gewebsschichten des Körpers (z.B. Tela subcutanea, das Unterhautgewebe).


Teleangiektasie

Teleangiektasie, meist erworbene, als Rötung sichtbare Erweiterung von kleinen, oberflächlichen Blutgefäßen der Haut, z. B. witterungsbedingt im Bereich der Wangen. Eine Teleangiektasie kommt aber auch im Zusammenhang mit Hautkrankheiten (z. B. Rosazea) oder anderen organischen Erkrankungen vor, z. B. bei Leberkrankheiten und im Bereich des Rippenbogens bei Lungen- und Herzerkrankungen.


Telefonseelsorge

Telefonseelsorge, meist von kirchlichen Trägern in Großstädten eingerichteter Telefondienst, der Hilfe Suchenden die Möglichkeit eines ausführlichen, beratenden Telefongesprächs unter - wenn erwünscht - anonymen Bedingungen bietet. Die Telefonseelsorge richtet sich an alle Personen in Not seelischer Not, besonders auch an Suizidgefährdete.


Telegrammstil

Telegrammstil, eine Bezeichnung für eine Störung des Sprechens, die nach einer bereits abgeschlossenen Sprachentwicklung auftritt, z. B. durch eine Schädigung der Sprachregion im Gehirn oder im Rahmen einer Schizophrenie. Der Telegrammstil äußert sich in der Bildung von einfachen, fehlerhaften Satzstrukturen, wie z. B. »Essen haben«.


Telemetrie

Telemetrie, eine Methode, die die Übermittlung von gemessenen Daten über eine größere Distanz ermöglicht. Die Telemetrie wird z. B. in der Kardiologie verwendet, um ein EKG über einen längeren Zeitraum hinweg zu registrieren. Die Messdaten werden direkt mittels eines Senders zu einem z. B. in der Klinik lokalisierten Empfänger übertragen und dort ausgewertet.


Telepathie

Telepathie, Wahrnehmung und Aussendung von Gefühlen und Gedanken, umgangssprachlich auch als Gedankenübertragung oder Gedankenlesen bezeichnet, ohne Nutzung der Sinnesorgane wie Augen oder Ohren. Meist wird Kontakt zu nahe stehenden Personen aufgenommen. Da die Telepathie für Außenstehende Personen nicht wahrnehmbar und wissenschaftlich nicht belegbar ist, gilt ihre Existenz als umstritten.


Telmisartan

Telmisartan, ein → Angiotensinrezeptor-Antagonist, der sich bei der Behandlung von leichtem bis mittelschwerem Bluthochdruck bewährt hat.


Temazepam

Temazepam, eine Substanz aus der Gruppe der Benzodiazepine, die als Schlafmittel verwendet wird.


Temperament

Temperament, die Gesamtheit der psychischen Reaktionen, wie z. B. Gefühle, die für ein Individuum charakteristisch sind. Nach der »Säftelehre« der antiken Ärzte Hippokrates und Galen werden dabei vier Temperamente unterschieden: der lebhafte Sanguiniker, der gehemmte, zum Grübeln neigende Melancholiker, der träge Phlegmatiker und der aufbrausende Choleriker.


Temperaturmethode

Temperaturmethode, →  Empfängnisverhütung, bei der die zyklusbedingten Schwankungen der → Basaltemperatur zur Verhütung genutzt werden. Ungefähr 14 Tage nach der letzten Monatsblutung steigt die Basaltemperatur um rund 0,5°C an und verbleibt dann bis zur nächsten Blutung auf diesem Niveau. Der Eisprung erfolgt in der Regel ein bis zwei Tage vor diesem Temperaturanstieg. In der Zeit nach dem Temperaturanstieg ist mit einer Empfängnis (grundsätzlich) nicht zu rechnen. Die Temperaturmethode erfordert tägliches Messen der Basaltemperatur.


Temperatursinn

Temperatursinn, die Fähigkeit der Haut, Temperaturreize wahrzunehmen. Der Temperatursinn wird durch die Wärme- und Kälterezeptoren, die in der Haut lokalisiert sind, ermöglicht.


temporal

temporal, die Schläfe(n) betreffend, zur Schläfe hin gelegen.


Temporallappen

Temporallappen, Schläfenlappen, Schläfenhirn, Teil des Großhirns an der seitlichen Oberfläche der beiden Hirnhälften, in dem u. a. die Nervenzentren für Sprache, Hören und Gedächtnismuster liegen.


temporär

temporär, zeitweilig, eine gewisse Zeit andauernd.


Tenazität

Tenazität, ein Begriff aus der Biologie für die Widerstandsfähigkeit von Mikroorganismen gegen äußere Einflüsse, wie z.B. Chemikalien, Hitze, Kälte oder Strahlung.


Tenazität

Tenazität, In der Psychologie eine Bezeichnung für die geistige Spannkraft bzw. die Fähigkeit, sich über einen längeren Zeitraum auf einen Gegenstand oder eine Tätigkeit zu konzentrieren.


tendineus

tendineus, sehnig, eine Sehne betreffend.


Tendinitis

Tendinitis, Sehnenentzündung, insbesondere die Entzündung der Sehnenansätze (Insertionstendinitis), z. B. im Rahmen rheumatischer Erkrankungen. Auch → Tendopathie.


tendo...

tendo..., Wortteil mit der Bedeutung Sehne.


Tendolyse

Tendolyse, die im Rahmen eines operativen Eingriffs durchgeführte Entfernung von Verwachsungen und Verklebungen einer Sehne mit dem Ziel, ihre Gleitfähigkeit wiederherzustellen.


Tendopathie

Tendopathie, Sehnenerkrankungen durch entzündliche (abakterielle) Prozesse im Bereich von Sehnen und Sehnenansätzen (Tendovaginitis) oder durch Überlastung und degenerative Veränderungen der Sehnen (Tendinose), die bei Bewegung Schmerzen verursachen. Therapeutisch sind je nach Ursache Wärme oder Kälte, entzündungshemmende Medikamente sowie Ruhigstellung der betroffenen Sehnen angezeigt.


Tendoplastik

Tendoplastik, → Sehnentransplantation.


Tendosynoviitis

Tendosynoviitis, → Tendovaginitis.


Tendovaginitis

Tendovaginitis, Tendosynoviitis, Sehnenscheidenentzündung, aseptische Entzündung der Sehnen oder Sehnenscheiden, z. B. durch Überlastung eines Gelenks oder durch eine rheumatische Erkrankung (chronische Polyarthritis), die mit Schmerzen und Schwellungen einhergeht; manchmal ist ein Knirschen (Krepitation) über der Sehnenscheide fühl- oder hörbar. Die Behandlung besteht in der Ruhigstellung des betroffenen Gelenks, Wärme- oder Kälteanwendungen und der Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten.


Tenesmus

Tenesmus, krampfartiger, schmerzhafter Stuhl- bzw. Harndrang infolge entzündlicher Darm- oder Harnblasenprozesse mit Krämpfen der Schließmuskulatur und nur geringer Entleerungsmenge.


Tennisbein

Tennisbein, ein Anriss des Wadenmuskels, der bei untrainierten Tennisspielern durch ruckartiges Aufrichten auf die Zehenspitzen oder Rückwärtslaufen hervorgerufen wird.


Tennisellenbogen

Tennisellenbogen, → Epicondylitis humeri.


Tennisferse

Tennisferse, eine auch als »Black heel« bezeichnete, durch Blutergüsse verfärbte Ferse. Eine Tennisferse ist eine Sportverletzung, die v. a. bei bestimmten Sportarten auftritt, wie z. B. Tennis oder Basketball. Die Hämatome entstehen durch wiederholte kleinere Verletzungen der Fersen.


Tenodese

Tenodese, die im Rahmen eines operativen Eingriffs durchgeführte Verankerung einer Sehne an einem Knochen. Eine Tenodese wird v. a. bei Muskellähmungen der oberen Extremitäten zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit eingesetzt.


Tenonektomie

Tenonektomie, die teilweise Entfernung einer Sehne, um sie zu verkürzen. Eine Tenonektomie wird in der Augenheilkunde z. B. bei Schiel-Operationen durchgeführt.


Tenoxicam

Tenoxicam, entzündungshemmendes Medikament, das hauptsächlich zur Therapie von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt wird. Auch → Antiphlogistikum.


Tension

Tension, Druck, Spannung, z. B. eines Muskels.


Tentorium

Tentorium, im weiteren Sinn zeltförmige Struktur im menschlichen Körper; im engeren Sinn Tentorium cerebelli, das Kleinhirnzelt, ein zeltförmiges, zwischen dem hinteren Teil des Großhirns und dem Kleinhirn ausgespanntes Blatt der harten Hirnhaut. Auch → Dura mater.


Tentoriumriss

Tentoriumriss, der Einriss des → Tentorium cerebelli (Kleinhirnzelle), der v. a. bei Frühgeborenen auftritt und durch starkes Zusammenpressen des Schädels bei der Geburt verursacht wird. Durch den Tentoriumriss kommt es zu Gehirnblutungen, die je nach Stärke und Ausbreitung tödlich sein können.


teratogen

teratogen, eine Fehlbildung hervorrufend.


Teratogenese

Teratogenese, Entstehung von Missbildungen; die Teratogenese beschreibt die Ursachen und den Verlauf von Fehlbildungen an Organen und Organstrukturen.


Teratogenität

Teratogenität, die Fähigkeit von Substanzen oder Umweltfaktoren, angeborene (kongenitalen) Fehlbildungen oder Fehlfunktionen von Organen zu verursachen. Dazu zählen chemische Substanzen (Alkohol, Medikamente etc.), physikalische Ereignisse (ionisierende Strahlung) oder Mikroorganismen und deren Stoffwechselprodukte. Auch → Toxoplasmose, → Röteln.


Teratom

Teratom, gut- oder bösartige Mischgeschwulst aus Zell- und Gewebeanteilen aller drei Keimblätter, die durch (meist örtlich begrenzte) Störungen in der Embryonalentwicklung verursacht wird. Meist tritt ein Teratom im Bereich der Geschlechtsdrüsen auf, gelegentlich aber auch in den Leibeshöhlen oder im Kopfbereich.


Terazosin

Terazosin, Alpha-1-Rezeptorenblocker. Senkt den Blutdruck sowie den Muskeltonus der glatten Muskulatur. Aufgrund dieser Eigenschaften wird das Präparat bei Bluthochdruck und insbesondere zur Behandlung der gutartigen → Prostatahyperplasie eingesetzt.


Terbinafin

Terbinafin, ein orales → Antimykotikum, das bei Pilzinfektionen von Haut und Haaren eingesetzt wird und v. a. gegen Dermatophyten wirksam ist.


Terbutalin

Terbutalin, an den Beta-2-Rezeptoren des sympathischen Nervensystems wirkende Substanz, die den Spannungszustand der glatten Muskulatur in den Bronchien herabsetzt. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Terbutalin häufig bei Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur (z. B. bei Bronchialasthma) eingesetzt. Auch → Sympathomimetikum.


Terconazol

Terconazol, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antimykotika, der insbesondere gegen Hefepilze der Gattung Candida wirksam ist und zur Behandlung von Pilzinfektionen der Scheide verwendet wird.


Terfenadin

Terfenadin, → Antihistaminikum, blockiert die Histamin-Rezeptoren (→ H1-Rezeptorenblocker) und wird daher bei histaminvermittelten allergischen Reaktionen (vor allem bei einer Pollenallergie) eingesetzt. Zahlreiche Nebenwirkungen.


terminal

terminal, das Ende, eine Grenze betreffend; endgültig, Endstadium einer Krankheit.


Terminalhaar

Terminalhaar, ausgereiftes Haar des Erwachsenen, das ab der Pubertät die Dauerbehaarung bildet. Auch → Haar.


Terminologie

Terminologie, Gesamtheit der Fachausdrücke eines Fachgebiets, Fachsprache. Vor allem die Terminologie der Medizin und der systematischen Biologie sind international festgelegt, um die Verständigung von Experten über nationalsprachliche Grenzen hinweg zu ermöglichen.


Terminus

Terminus, die Bezeichnung oder der klar definierte Begriff, z. B. Terminus technicus, der Fachausdruck.


Terpen

Terpen, ein ungesättigter Kohlenwasserstoff, der aus einem oder mehreren Isopren-Molekülen aufgebaut ist. Zu der großen Gruppe der in der Natur vorkommenden Terpene gehören z. B. Kautschuk, Cholesterin, Steroide, Carotinoide usw.


Terpentin

Terpentin, ein aus Kieferstämmen gewonnener Balsam, der u. a. ätherische Öle und Terpene enthält. Innerlich wird Terpentin zur Verringerung der Schleimsekretion bei chronischen Bronchialerkrankungen angewendet, äußerlich in der Therapie von rheumatischen und neuralgischen Beschwerden, aber auch als blutstillendes oder hautreizendes Mittel.


Tertiana

Tertiana, Kurzbezeichnung für Malaria tertiana (sog. Dreitagefieber), durch Plasmodium vivax oder Plasmodium ovale verursachte Malaria, bei der die Fieberanfälle jeden dritten Tag wiederkehren; → Malaria.


tertiär

tertiär, an dritter Stelle (z. B. eines Geschehens), das dritte Stadium (z. B. einer Krankheit) betreffend.


Tertiärstadium

Tertiärstadium, das dritte Stadium einer Krankheit; z. B. der → Syphilis.


Testikel

Testikel, → Hoden.


testikulär

testikulär, den Hoden betreffend, auf den Hoden bezogen.


Testis

Testis, → Hoden.


Testosteron

Testosteron, das wichtigste männliche Geschlechtshormon, das in geringeren Mengen auch von der Frau gebildet wird. Testosteron wird bei beiden Geschlechtern in der Nebennierenrinde und in der Leber produziert, beim Mann zusätzlich vor allem in den Hoden, bei der Frau in den Eierstöcken; es ist entscheidend an der Ausbildung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale beteiligt; beim Mann fördert es die Reifung der Spermien und steuert die sexuelle Aktivität. Ein Testosteronmangel führt u. a. zur → Osteoporose. Auch → Androgen.


Teststreifen

Teststreifen, Streifen aus Zellulose oder Kunststoff mit aufgetragenen reaktionsfähigen Substanzen. Sie werden zu diagnostischen Zwecken mit einer Körperflüssigkeit benetzt, um z. B. den Blutzuckerwert zu bestimmen oder Eiweiß im Urin nachzuweisen. Teststreifen eignen sich gut als Schnelltestverfahren und sind in Apotheken erhältlich (z. B. Schwangerschaftstest).


Tetanie

Tetanie, neuromuskuläre Übererregbarkeit, vor allem durch Kalziummangel (hypokalzämische Tetanien). Alle Situationen und Krankheiten, die mit einer Verminderung des Blutkalziums einhergehen, können eine Tetanie verursachen, z. B. die chronische Niereninsuffizienz, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine verminderte Kalziumaufnahme im Magen-Darm-Trakt. Ferner können ein Magnesiummangel, Arzneimittelvergiftungen und Schädigungen des Zentralnervensystems (normokalzämische Tetanie) und psychische Erregung mit Atembeschleunigung (→ Hyperventilationstetanie) zu einer Tetanie führen. Die Symptome reichen von Empfindungsstörungen an den Gliedmaßen (Kribbeln, Ziehen) über Herzbeschwerden und Taubheitsgefühle im Bereich der Gesichtshaut bis zu anfallsartig auftretenden Muskelkrämpfen (tetanischer Anfall) mit typischer Pfötchenstellung ohne Bewusstseinsverlust. Zur Behandlung der hypokalzämischen Tetanie wird intravenös Kalzium verabreicht.


Tetanus

Tetanus, Wundstarrkrampf, schwere Infektionskrankheit durch das Gift (Toxin) des Bazillus Clostridium tetani. Die Häufigkeit und Verbreitung des Tetanus ist abhängig von den hygienischen Bedingungen und den durchgeführten Impfmaßnahmen. In Ländern mit hoher Durchimpfungsrate ist der Wundstarrkrampf eine Seltenheit geworden. Die im Erdreich vorhandenen Erreger gelangen über offene Wunden in den Körper und scheiden dort Toxin aus. Nach drei bis 21 Tagen Inkubationszeit kommt es zu äußerst schmerzhaften Krämpfen, anfangs nur der Kiefer- und Zungenmuskeln, später auch der Muskeln an Rücken und Bauch. Arme und Beine sind meist nicht beteiligt. Bei akuter Erkrankung wird passiv mit Tetanus-Immunglobulin geimpft. Für einen effektiven Immunschutz muss eine Grundimmunisierung durch drei aktive Schutzimpfungen herbeigeführt werden. Der vollständige Impfschutz ist dann für etwa zehn Jahre wirksam und sollte danach alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Bei verletzten Personen mit unsicherem oder ungenügendem Impfschutz kann eine → Simultanimpfung (aktiv und passiv) durchgeführt werden, die sofortigen Schutz bietet. Auch → Immunisierung.


Tetanusbazillus

Tetanusbazillus, → Clostridium tetani.


Tetanusprophylaxe

Tetanusprophylaxe, Schutzimpfung gegen eine Tetanusinfektion durch aktive → Immunisierung, die in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden muss; nicht oder nur ungenügend geimpften Patienten mit verunreinigten Wunden werden Tetanus-Immunglobuline verabreicht (passive Immunisierung mit Pferde- oder Rinderserum). Der Schutz durch die Passivimpfung hält allerdings nur zwei bis vier Wochen an.


Tetracain

Tetracain, ein Mittel zur örtlichen Betäubung, das in verschiedenen Bereichen der Medizin eingesetzt wird, z. B. in der Augenheilkunde bei Untersuchungen am Augapfel, in der Zahnheilkunde als betäubendes Wund- oder Heilgel sowie allgemein zur begleitenden Behandlung von Erkrankungen des Mund- und Rachenraums.


Tetracyclin

Tetracyclin, Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline, die Bakterien durch Hemmung der Eiweißsynthese in ihrem Wachstum einschränken. Tetracycline werden beispielsweise bei Infektionen im Mund- und Rachenraum, bei Infektionen des Magen-Darm-Trakts (z. B. Cholera und Ruhr) und bei Chlamydieninfektionen eingesetzt.


Tetrajodthyronin

Tetrajodthyronin, → Thyroxin.


Tetraparese

Tetraparese, unvollständige Lähmung aller vier Extremitäten, infolge einer Schädigung von Gehirn- oder Rückenmarkszellen. Die vollständige Lähmung der vier Extremitäten bezeichnet man als → Tetraplegie. Auch → Lähmung.


Tetraplegie

Tetraplegie, vollständige Lähmung aller vier Extremitäten infolge einer Hirn- oder Rückenmarksschädigung. Auch → Lähmung.


Tetrazyklin

Tetrazyklin, → Tetracyclin.


Tetrodotoxin

Tetrodotoxin, das Gift des japanischen Kugelfisches, das zu den stärksten bekannten Giftstoffen zählt. Tetrodotoxin blockiert selektiv die Natrium-Kanäle der Nerven- und Muskelzellen und führt dadurch zu einer vollständigen Hemmung der neuronalen Erregungsleitung.


Tetryzolin

Tetryzolin, eine Substanz aus der Gruppe der Alphasympathomimetika, die infolge ihrer gefäßverengenden und abschwellenden Wirkung beispielsweise in Augen- oder Nasentropfen verwendet wird.


Teufelskralle

Teufelskralle, Harpagophytum procumbens, eine in Südafrika vorkommende Kriechpflanze, deren Inhaltsstoffe als Tee oder in Arzneimittelzubereitungen zur Behandlung von Magenbeschwerden, bei Appetitlosigkeit sowie bei degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparats verwendet werden.


Th

Th, Chemisches Symbol für Thorium.


Th

Th, Abk. für → Thorakalwirbel.


Thalamotomie

Thalamotomie, die operative, gezielte Ausschaltung von bestimmten Gebieten des Thalamus, die z. B. bei schweren, auf andere Weise nicht behandelbaren Schmerzen oder beim Parkinson-Syndrom durchgeführt wird.


Thalamus

Thalamus, Teil des Zwischenhirns, in dem nahezu alle Informationen über Reizempfindungen zusammenlaufen. Die Seh-, Gehör- und Tastempfindungen sowie viele andere, auch aus dem Körperinneren stammende Reize (Eingeweideempfindungen) werden im Thalamus gesammelt und zu den entsprechenden Bereichen der Großhirnrinde und des übrigen Zentralnervensystems weitergeleitet. Da alle Reizinformationen, die vom Gehirn bewusst wahrgenommen werden, den Thalamus passieren müssen, wird dieser Teil des Gehirns auch das Tor zum Bewusstsein genannt. Der Thalamus ist auch an der Ausbildung z. B. von Abwehr- und Fluchtbewegungen bei Schmerzreizen beteiligt.


Thalamussyndrom

Thalamussyndrom, ein Symptomenkomplex, der durch Schädigungen des Thalamus hervorgerufen wird, wie z. B. durch Tumore, Durchblutungsstörungen oder Infarkte. Charakteristisch für das Thalamussyndrom sind Störungen des Seh- und Empfindungsvermögens (z. B. Halbseitenblindheit, teilweise Lähmung und Aufhebung der Berührungsempfindlichkeit in einer Körperhälfte usw.) auf der dem Krankheitsherd gegenüberliegenden Körperseite.


Thalassämie

Thalassämie, Mittelmeeranämie, erblich bedingte Blutkrankheit, die mit einer Bildungsstörung des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) einhergeht. Je nach Art der erblichen Schädigung kann eine schwere (Thalassämie maior) oder eine leichte (Thalassämie minor) Verlaufsform auftreten. Ein hauptsächliches Symptom der Thalassämie ist eine unterschiedlich ausgeprägte Blutarmut (Anämie). Die Thalassämie tritt vor allem in der Bevölkerung des Mittelmeerraumes auf.


Thalassotherapie

Thalassotherapie, Meeresheilkunde, therapeutische Nutzung gesundheitsfördernder Klimafaktoren an Meeresküsten im Rahmen einer Kur. Auch die heilsame Wirkung des Meerwassers (Heilbäder) spielt eine wichtige Rolle. Ferner ist die Luft an Meeresküsten nur gering mit allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) belastet und somit besonders für → Asthmatiker geeignet.


Thalidomid-Embryopathie

Thalidomid-Embryopathie, Contergan-Syndrom, schwere embryonale Fehlbildungen vor allem der Gliedmaßen durch Einnahme des Schlaf- und Beruhigungsmittels Thalidomid (Contergan®) während der Frühschwangerschaft (vierte bis sechste Embryonalwoche). Auch der Kopfbereich und die inneren Organe können betroffen sein. Thalidomidhaltige Schlafmittel wurden Anfang der Sechzigerjahre verboten.


Thanatotherapie

Thanatotherapie, psychotherapeutische Begleitung von Sterbenden. Auch → Sterbebegleitung.


Thein

Thein, mit dem → Koffein chemisch identische Substanz, die u. a. in den Blättern des Teestrauchs (Camellia sinensis) vorkommt und deshalb in Zusammenhang mit Tee(-blättern) früher als Thein oder auch Tein oder Teein bezeichnet wurde.


Thelalgie

Thelalgie, eine Bezeichnung für Schmerzen in den Brustwarzen.


Thelarche

Thelarche, Beginn der weiblichen Brustentwicklung in der Pubertät, die durch den zunehmenden Einfluss der Östrogene gesteuert wird und meist ungefähr zwei Jahre vor der ersten Regelblutung beginnt.


Thelorrhagie

Thelorrhagie, eine Bezeichnung für den Austritt von Blut aus der Brustwarze, der ein Hinweis auf Vorliegen eines Mammakarzinoms sein kann.


Thenar

Thenar, Daumenballen; das am Rand der inneren Handfläche gelegene Muskelpolster.


Theobromin

Theobromin, ein Wirkstoff, der in Kakaobohnen, Cola-Nüssen und Matetee vorkommt und ähnlich wie Koffein harntreibend, schwach anregend und positiv inotrop (die Schlagstärke des Herzmuskels beeinflussend) wirkt.


Theophyllin

Theophyllin, → Purinabkömmling, der zu einer Weitstellung der Blutgefäße und Bronchien führt und in der Medizin vor allem bei → Asthma bronchiale eingesetzt wird.


Therapeutikum

Therapeutikum, alle vom Arzt oder einem anderen Heilkundigen angewendeten Heil- und Hilfsmittel bzw. Medikamente.


therapeutisch

therapeutisch, die Behandlung betreffend, der Heilung von Kranken dienend; z. B. therapeutische Maßnahmen.


therapeutisches Team

therapeutisches Team, Vertreter verschiedener Gesundheitsberufe (Ärzte, Therapeuten, Pfleger, Psychologen, Krankengymnasten), die gemeinsam einen Patienten betreuen. Ein therapeutisches Team ist besonders wichtig bei der Versorgung von Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen, psychiatrischen Patienten oder im Rahmen einer Rehabilitation.


Therapeut / Therapeutin

Therapeut / Therapeutin, Heilkundiger bei seelischen (Psychotherapeut) oder körperlichen (Physiotherapeut im Sinne der Krankengymnastik) Problemen.


Therapie

Therapie, die Behandlung einer Krankheit; die kausale Therapie versucht, die Ursachen einer Krankheit zu beseitigen, die symptomatische (oder palliative) Therapie zielt auf die Bekämpfung der Krankheitssymptome ab. Die spezifische Therapie ist genau auf die jeweilige Krankheit ausgerichtet, die unspezifische Therapie beinhaltet allgemein heilungsfördernde Maßnahmen. Die konservative Therapie arbeitet ohne operative Eingriffe.


Therapie, ausleitende

Therapie, ausleitende, ausleitendes Verfahren, Behandlungsform der → Humoralpathologie, nach der sich die Krankheiten des menschlichen Körpers aus einer ungeeigneten Mischung der vier Körpersäfte (schwarze und gelbe Galle, Blut und Schleim) ergeben. Die Therapie besteht im Ableiten einzelner, übermäßig vorhandener Säfte aus dem Körper, um ein Gleichgewicht der Säfte und damit Gesundheit und Wohlbefinden herzustellen, z. B. durch Aderlass, Blutegeltherapie, Schröpfen und die Anregung der Schweißsekretion. Auch → Humoraltherapie.


therapieresistent

therapieresistent, nicht auf eine Behandlung ansprechend.


Therapieresistenz

Therapieresistenz, Nichtansprechen einer Krankheit auf eine angemessene Therapie.


Thermalbad

Thermalbad, Frei- oder Hallenbad mit (meist) mineralhaltigem Quellwasser einer → Thermalquelle und einer Wassertemperatur über 20°C; eine solche Heilquelle liegt meist in einem Kurort.


Thermalgesie

Thermalgesie, eine Bezeichnung für Schmerzen, die durch extreme Hitze oder Kälte ausgelöst werden.


Thermalquelle

Thermalquelle, Therme, natürliche Quelle, deren Wassertemperatur ständig über 20°C liegt, und die bei therapeutischer Nutzung als Heilquelle bezeichnet wird.


Thermanästhesie

Thermanästhesie, eine Form einer Sensibilitätsstörung, bei der die Empfindlichkeit gegenüber Temperaturreizen reduziert oder völlig ausgefallen ist.


therm...

therm..., thermo..., Wortteil mit der Bedeutung Wärme, Hitze.


Thermografie

Thermografie, die optische Darstellung der Wärmeverteilung an der Körperoberfläche; bei der Telethermografie werden kleinste Temperaturunterschiede mit einer wärmeempfindlichen Infrarotkamera sichtbar gemacht. Die sog. Plattenthermografie arbeitet mit Flüssigkristallen, die sich bei Temperaturunterschieden unterschiedlich verfärben. Die Thermografie wird vor allem zur Diagnostik von Durchblutungsstörungen eingesetzt.


Thermokauter

Thermokauter, ein medizinisches Gerät (z. B. messer-, schlingen- oder lanzettförmig), das elektrisch erhitzt werden kann und im Rahmen der → Elektrokoagulation z. B. zur Blutstillung oder zur gezielten Zerstörung von Gewebe verwendet wird.


Thermokoagulation

Thermokoagulation, therapeutische Zerstörung von Gewebe durch starke Hitzeeinwirkung, verbunden mit gleichzeitiger Blutstillung, z. B. zur Beseitigung von Tumoren. Die Hitze wird durch → Laser oder elektrischen Strom erzeugt. → Elektrokoagulation.


thermolabil

thermolabil, nicht wärme- bzw. hitzebeständig (meist auf chemische Substanzen oder Mikroorganismen bezogen) im Gegensatz zu thermostabil (wärme- bzw. hitzebeständig).


Thermometer

Thermometer, Gerät zur Messung einer Temperatur, in der Medizin sog. Berührungsthermometer, die in Kontakt mit dem Körper gebracht werden und nach dem Prinzip der temperaturabhängigen Ausdehnung von Stoffen arbeiten. Je höher die Temperatur, desto stärker dehnt sich der im Thermometer enthaltene Stoff aus. Verwendet werden u. a. Quecksilber und Alkohole. Andere Thermometer arbeiten nach technisch komplizierteren Prinzipien (z. B. Widerstandsthermometer).


Thermoregulation

Thermoregulation, Wärmeregulation, Regulation des Wärmehaushalts zur Anpassung an die Außentemperatur, also die Steuerung der Wärmebildung und -abgabe zur Aufrechterhaltung einer konstanten Körpertemperatur. Bei Kälte wird im Körper Wärme gebildet durch eine Steigerung des Organ- und Muskulaturstoffwechsels sowie durch das sog. Kältezittern, eine mechanische Muskelaktivität. Gleichzeitig nimmt die Durchblutung der äußeren Körperbereiche ab und verhindert weitere Abkühlung. Bei erhöhter Außentemperatur wird über vermehrte Hautdurchblutung Wärme aus dem Körperinneren an die Oberfläche transportiert und nach außen abgegeben. Auch durch Schweißverdunstung wird die Wärmeabgabe gesteigert (Verdunstungskälte). Die Wärmeregulationszentren liegen im → Hypothalamus.


Thermorezeptor

Thermorezeptor, zelluläre Struktur zur Wahrnehmung von Temperaturen bzw. Temperaturänderungen, die an der Entstehung des Wärme- oder Kältegefühls beteiligt ist. Thermorezeptoren liegen vor allem in der Haut und den Schleimhäuten, wo sie die Umgebungstemperatur registrieren. Aber auch im Zentralnervensystem (Hypothalamus) sind temperaturempfindliche Strukturen vorhanden, die die Bluttemperatur und damit die zentrale Körpertemperatur messen. Auch → Thermoregulation.


Thermorhizolyse, perkutane

Thermorhizolyse, perkutane, eine Bezeichnung für einen operativen Eingriff, der bei extremen, nicht anders zu beeinflussenden Schmerzen angewendet wird. Dabei werden die Spinalnervenwurzeln mithilfe der → Elektrokoagulation zerstört und so die Weiterleitung der durch die sensiblen Nervenfasern vermittelten Schmerzreize unterbunden.


thermostabil

thermostabil, widerstandsfähig gegenüber höheren Temperaturen.


Thesaurismose

Thesaurismose, → Speicherkrankheit.


Thevetin

Thevetin, ein Herzglykosid, das in den Samen des in Mittel- und Südamerika beheimateten Schellenbaums vorkommt. Thevetin gehört zu den Glykosiden der II. Ordnung, die aus anderen Pflanzen als dem Fingerhut stammen.


Thiamin

Thiamin, → Vitamin B1.


Thiamphenicol

Thiamphenicol, ein Antibiotikum mit einem breiten Wirkungsspektrum gegen die am häufigsten auftretenden Keime, das z. B. bei Infektionen des Urogenitaltrakts, der Atemwege, des Darms, der Leber usw. eingesetzt wird.


Thiazid

Thiazid, Thiaziddiuretikum, mittelstarkes harntreibendes Medikament; Thiazide hemmen die Wiederaufnahme der gefilterten Natriumionen in den Gangsystemen der Niere, so das vermehrt Wasser ausgeschieden wird. → Diuretikum.


Thiemann-Syndrom

Thiemann-Syndrom, ein Krankheitsbild, von dem in der Regel Kinder im Wachstumsalter betroffen sind. Dabei bilden sich Knochennekrosen an den Gliedern der Finger und Zehen, die zu Deformierungen und Wachstumsstörungen der betroffenen Glieder führen.


Thiethylperazin

Thiethylperazin, ein Phenothiazinderivat, das sowohl Übelkeit und Erbrechen als auch Schwindel verschiedenen Ursprungs mildert oder verhindert. Daraus ergeben sich Anwendungsmöglichkeiten bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, bei Vergiftungen, nach Bestrahlungen oder Operationen oder bei Erkrankungen, die mit einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans einhergehen.


thio...

thio..., Wortteil mit der Bedeutung Schwefel.


Thiopenthal-Natrium

Thiopenthal-Natrium, ein Wirkstoff aus der Gruppe der rasch wirkenden Barbiturate. Nach intravenöser Verabreichung tritt innerhalb von 30 bis 40 Sekunden eine Betäubung ein, die nach 30 Minuten wieder nachlässt. Aufgrund dieser Eigenschaften wird die Substanz z. B. als Narkosemittel für kurze Eingriffe von weniger als 15 Minuten Dauer oder zur Einleitung einer Narkose angewendet.


Thioridazin

Thioridazin, Substanz mit stimmungsaufhellender Wirkung, die zur Behandlung von Psychosen und psychosomatischen Erkrankungen eingesetzt wird. Auch → Neuroleptikum.


Thiotepa

Thiotepa, ein Zytostatikum, das u. a. zur Behandlung von papillomatösen Harnblasentumoren, Adenokarzinomen der Brust und der Eierstöcke sowie bei Nicht-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt wird.


Thiouracil

Thiouracil, Wirkstoff, der verschiedene Stoffwechselleistungen der Schilddrüse hemmt, z. B. den Einbau von Jod in Thyronin, und daher als Propylthiouracil bei Schilddrüsenüberfunktionen eingesetzt wird. Auch → Thyreostatikum.


Thomayer-Zeichen

Thomayer-Zeichen, die Ansammlung von Wasser (→ Aszites) in der linken Bauchseite und typischer Klopfschall als Zeichen für eine Bauchfelltuberkulose. Der Aszites wird durch das Schrumpfen des → Mesenteriums und die daraus resultierende Rechtsverlagerung des Darms verursacht.


Thompson-Test

Thompson-Test, eine Untersuchungsmethode aus der Orthopädie, die bei Verdacht auf einen Abriss der Achillessehne angewendet wird. Bei unverletzter Achillessehne erzeugt ein kräftiges Zusammenpressen der Wadenmuskulatur beim auf dem Bauch liegenden Patienten eine reflexartige Beugung des Fußes in Richtung Fußsohle. Diese Reaktion kann bei einer Unterbrechung der Sehne nicht ausgelöst werden.


Thomsen-Schiene

Thomsen-Schiene, eine gepolsterte Schiene, die nachts zur Korrektur eines leichten → Hallux valgus (Fehlstellung der Großzehe) angelegt wird.


Thomsen-Syndrom

Thomsen-Syndrom, eine Bezeichnung für eine auch als Myotonia congenita bezeichnete, erbliche Muskelerkrankung. Das Krankheitsbild entwickelt sich meist schon im frühen Kindesalter und ist charakterisiert durch Krampfzustände der Gesichtsmuskulatur und Hemmungen des Bewegungsablaufs infolge von Muskelkrämpfen nach Willkürbewegungen.


thorakal

thorakal, den Brustkorb oder den Brustraum betreffend; der Begriff wird auch auf die im Brustkorb gelegenen Wirbelsäulenabschnitte verwendet, z. B. → Thorakalwirbel.


Thorakalatmung

Thorakalatmung, Ein- und Ausatmen durch Heben und Senken der Rippen, vor allem mit Hilfe der Zwischenrippenmuskulatur. Die Ausatmung, also das Absenken der Rippen erfolgt (meist passiv) durch die elastischen Kräfte der Lunge und des gesamten Brustkorbs. Die Thorakalatmung ist zu einem Drittel am Atemprozess beteiligt, die → Zwerchfellatmung zu zwei Drittel.


Thorakalsyndrom

Thorakalsyndrom, Schmerzen im Bereich des Brustkorbs, z. B. aufgrund krankhafter Knorpel- und Knochenveränderungen in den Gelenken (Osteochondrose), eines Bandscheibenvorfalls oder der Fehlstellung eines oder mehrerer Brustwirbel. Das Thorakalsyndrom geht mit Bewegungseinschränkungen, Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule und Empfindungsstörungen der Zwischenrippennerven einher.


Thorakalwirbel

Thorakalwirbel, die zwölf knöchernen Wirbel der Brustwirbelsäule, die von oben nach unten mit den Abkürzungen Th1 bis Th12 bezeichnet werden. Auch → Brustwirbelsäule.


Thorakoskopie

Thorakoskopie, die mithilfe eines Endoskops durchgeführte Untersuchung der → Pleurahöhle. Dazu wird ein spezielles Endoskop unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose in die Pleurahöhle eingeführt. Eine Thorakoskopie ermöglicht die Entnahme von Gewebe zur weiteren Untersuchung sowie die Durchführung kleinerer chirurgischer Eingriffe.


Thorakotomie

Thorakotomie, operative Eröffnung des Brustkorbs, z. B. im Rahmen einer Herzoperation, entweder über einen Zwischenrippenschnitt oder mit einer Durchtrennung des Brustbeins.


Thorax

Thorax, Brustkorb, Körperhöhle, die von den zwölf Brustwirbeln, den zwölf Rippenpaaren und dem Brustbein umschlossen wird. Die obersten sieben Rippenpaare setzen mit ihren Gelenkflächen direkt am Brustbein an, die folgenden sind über den Rippenbogen verbunden. Im Körperinneren wird der Thorax nach unten hin durch das Zwerchfell, nach oben durch den Halsansatz begrenzt. Im Thorax liegen die beiden Lungen, das Herz, die Hauptschlagadern sowie die Luft- und die Speiseröhre.


Thoraxdrainage

Thoraxdrainage, Ableitung krankhafter Flüssigkeitsansammlungen aus dem Brustkorb durch Einlage eines biegsamen Kunststoffschlauchs in den Raum zwischen den beiden Brustfellblättern, über den die Flüssigkeit abfließt oder vorhandene Luft abgesaugt wird, z. B. bei Ansammlung von Blut, Ergüssen oder Luft (Pneumothorax). Auch → Pleuradrainage.


Thoraxinstabilität

Thoraxinstabilität, die übermäßige Beweglichkeit der knöchernen Anteile des Brustkorbs, die insbesondere nach einem mehrfachen Rippenbruch auf einer Brustseite zu beobachten ist. Als Folge davon kommt es zu einer paradoxen Atmung und daraus resultierender Atemnot.


Thoraxkompression

Thoraxkompression, Brustkorbquetschung durch einen Unfall, die meist mit Verletzungen des äußeren Brustkorbs und der inneren Organe einhergeht.


Thoraxkompression

Thoraxkompression, Ausübung von Druck auf den Brustkorb im Rahmen einer → Reanimation.


Thoraxtrauma

Thoraxtrauma, eine meist durch einen Unfall verursachte Verletzung des Brustkorbs, z. B. in Form von Frakturen der Rippen oder des Brustbeins oder als Pneumothorax oder Lungenprellung usw.


thromb...

thromb..., Wortteil mit der Bedeutung Blutgerinnsel, Blutpfropf, Blutplättchen.


Thrombangiitis

Thrombangiitis, Entzündung einer Arterien- (Thrombarteriitis) oder Venenwand (→ Thrombophlebitis) durch einen → Thrombus oder Thrombenbildung infolge einer vorbestehenden Entzündung.


Thrombangiitis obliterans

Thrombangiitis obliterans, → Endangiitis obliterans.


Thrombarteriektomie

Thrombarteriektomie, → Endarteriektomie.


Thrombektomie

Thrombektomie, operative Entfernung eines Thrombus aus einem Blutgefäß, vor allem bei einer Thrombose der tiefen Bein- und Beckenvenen zur Vermeidung einer → Lungenembolie.


Thrombelastografie

Thrombelastografie, ein spezielles physikalisches Verfahren, mit dessen Hilfe der Ablauf der Blutgerinnung und die Fibrinolyse untersucht werden kann. Durch Aufzeichnung eines sog. Thrombelastogramms ist eine Beurteilung der Zeit bis zum Beginn der Gerinnung, der Gerinnungsgeschwindigkeit und der Festigkeit eines Thrombus möglich.


Thrombembolie

Thrombembolie, → Thromboembolie.


Thrombin

Thrombin, ein für die Blutgerinnung wichtiges Enzym (Faktor II a), das Fibrinogen in Fibrin umwandelt. Thrombin ist Teil eines komplizierten Systems körpereigener → Gerinnungsfaktoren. Auch → Blutgerinnung.


Thrombinzeit

Thrombinzeit, zweite Phase der → Blutgerinnung. Die Thrombinzeit gibt an, wie schnell Citratplasma nach Zugabe einer definierten Menge Thrombinlösung gerinnt und erlaubt Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit einzelner Gerinnungsfaktoren. Mit Thrombinzeitbestimmung werden Heparin- oder Fibrinolytikabehandlungen überwacht.


Thromboembolie

Thromboembolie, durch einen verschleppten Thrombus verursachter Gefäßverschluss (→ Embolie), der aus einer anderen Stelle im Blutkreislauf mit dem Blutstrom weitertransportiert wurde und an einer Engstelle hängen bleibt, z. B. am Rand einer Herzkammer oder eines Herzvorhofs bei Vorhofflimmern oder veränderten Herzklappen. Thromben können sich auch aus einem Aneurysma oder seltener aus Venen herauslösen. Vor allem nach Thrombenbildung in den tiefen Bein- und Beckenvenen besteht die Gefahr einer Thrombusverschleppung in die Lungengefäße (→ Lungenembolie). Dem Ausmaß des Verschlusses entspricht die Schädigung des von diesem Blutgefäß versorgten Gewebes (z. B. Infarkt). Die Thromboembolie ist die häufigste Form der Embolie.


Thrombolyse

Thrombolyse, Auflösung eines → Thrombus durch Gabe eines → Fibrinolytikums, das entweder systemisch verabreicht oder über einen in das Blutgefäß eingeführten Katheter direkt an den Verschluss herangebracht wird, z. B. bei einer Lungenembolie, einem embolisch bedingten Herzinfarkt oder bei arterieller Verschlusskrankheit.


Thrombopathie

Thrombopathie, → Thrombozytopathie.


Thrombopenie

Thrombopenie, → Thrombozytopenie.


Thrombophilie

Thrombophilie, eine erhöhte Tendenz zur Entstehung von Thrombosen, die durch eine vermehrte Gerinnbarkeit des Bluts verursacht wird.


Thrombophlebitis

Thrombophlebitis, → Thrombose meist oberflächlicher Venen mit entzündlichen Veränderungen der Gefäßwände. Eine Thrombophlebitis findet sich oft in Krampfadern (Varikophlebitis). Auch → Varize.


Thromboplastin

Thromboplastin, Bezeichnung für verschiedene Zwischenprodukte der → Blutgerinnung; das Gewebethromboplastin wird aus verletzten Gewebezellen freigesetzt, das Plasmathromboplastin ist ein Komplex aus mehreren Gerinnungsfaktoren, das partielle Thromboplastin eine Substanz, die vor allem in Thrombozyten enthalten ist.


Thromboplastinzeit

Thromboplastinzeit, Prothrombinzeit, Quick-Test, Bezugsgröße zum Nachweis von Störungen im exogenen System der → Blutgerinnung (Faktor II, V, VII und X). Als Thromboplastinzeit wird die Zeit bezeichnet, in der Citratplasma nach Zugabe von Gewebethromboplastin und Kalziumionen gerinnt. Besonders bei Leberschäden, Vitamin-K-Mangel und bei einer Marcumartherapie (Abkömmling des Cumarin) ist die Überprüfung der Thromboplastinzeit angezeigt. Die sog. partielle Thromboplastinzeit (PTT) gibt Auskunft über Störungen im endogenen System der Blutgerinnung.


Thrombopoese

Thrombopoese, Bildung der → Thrombozyten im Knochenmark aus pluripotenten Stammzellen, die zu vielkernigen → Megakaryozyten ausreifen und in einzelne Thrombozyten zerfallen.


Thrombose

Thrombose, der durch einen → Thrombus verursachte, vollständige oder teilweise Verschluss eines Blutgefäßes mit Behinderung des Blutstroms und eingeschränkter Sauerstoffversorgung des Gewebes. Die Gefahr einer Thrombose ist vor allem nach Operationen erhöht. Auch in entzündeten Krampfadern kommt es häufig zu einer Thrombose, ebenso in den tiefen Bein- und Beckenvenen. Die Ursache einer Thrombose liegt vor allem in Schäden an den Innenwänden der Blutgefäße (z. B. durch Entzündungen), niedriger Strömungsgeschwindigkeit des Blutes (z. B. bei Operationen) sowie einer gesteigerten Aggregationsneigung der Thrombozyten. Gefährlich ist die Verschleppung von Thromben in arterielle Gefäße aufgrund des Embolierisikos (Thromboembolie). Auch → Thromboseneigung.


Thromboseneigung

Thromboseneigung, Neigung, eine → Thrombose zu entwickeln, z. B. aufgrund veränderter Bluteigenschaften oder Gefäßwände. Rauchen, erhöhte Blutfette, Bluthochdruck und Krampfadern steigern das Thromboserisiko.


Thromboseprophylaxe

Thromboseprophylaxe, Maßnahmen zur Verhinderung einer → Thrombose, insbesondere bei langer Bettlägerigkeit oder nach Operationen, z. B. durch physikalische Maßnahmen wie Kompressionsverbände (Antithrombosestrümpfe), Hochlagerung der Beine und frühe Bewegungstherapie nach Operationen. Durch eine medikamentöse Thromboseprophylaxe (Heparin, Marcumar, →  Thrombozytenaggregationshemmer) werden die Fließeigenschaften des Blutes verbessert.


thrombotisch

thrombotisch, eine → Thrombose betreffend, durch eine Thrombose verursacht.


Thrombozyt

Thrombozyt, Blutplättchen, kleiner kernloser Blutbestandteil, der eine bedeutende Rolle in der → Blutgerinnung spielt. Thrombozyten werden im Knochenmark gebildet und nach einer durchschnittlichen Lebensdauer von sieben bis zehn Tagen in der Milz abgebaut. Im peripheren Blut zirkulieren 250.000 bis 400.000 pro Kubikmillimeter. Durch die Zusammenlagerung von Thrombozyten (→ Thrombozytenaggregation) kommt es zu einem Blutgerinnsel (→ Thrombus).


Thrombozytämie

Thrombozytämie, dauernde Erhöhung der Thrombozytenzahl im peripheren Blut auf über eine Million Thrombozyten pro Kubikmillimeter Blut, z. B. bei Knochenmarkerkrankungen (myeloproliferatives Syndrom) oder als Begleitsymptom bei anderen, meist bösartigen Erkrankungen. Eine vorübergehende Vermehrung der Thrombozyten wird als → Thrombozytose bezeichnet.


Thrombozytenaggregation

Thrombozytenaggregation, Zusammenballung von → Thrombozyten in einem Gefäß als Voraussetzung für die Blutstillung bei einer Verletzung. Eine krankhaft gesteigerte Thrombozytenaggregation führt zu einer → Thrombose.


Thrombozytenaggregationshemmer

Thrombozytenaggregationshemmer, Medikament, das die → Thrombozytenaggregation verhindert; Thrombozytenaggregationshemmer werden vor allem zur Vorbeugung einer Thrombose eingesetzt, z. B. Acetylsalicylsäure, Ticlopidin und Clopidogrel.


Thrombozytenkonzentrat

Thrombozytenkonzentrat, Thrombozytenkonserve, aus Spenderfrischblut durch Volumenverminderung und Zellseparation gewonnene, thrombozytenreiche Blutkonserve, die bei ausgeprägtem Thrombozytenmangel mit Blutungsneigung transfundiert wird. Auch → Thrombozytensubstitution.


Thrombozytensubstitution

Thrombozytensubstitution, Transfusion einer Thrombozytenkonserve, vor allem bei Blutungen im Rahmen einer schweren → Thrombozytopenie und bei Beeinträchtigung der Thrombozytenbildung infolge einer intensiven Zytostatikatherapie und den damit verbundenen Gerinnungsstörungen. Komplikationen können durch immunologische Abwehrreaktionen des Empfängers gegenüber den körperfremden Thrombozyten entstehen.


Thrombozytopathie

Thrombozytopathie, Thrombopathie, jede krankhafte Veränderung oder Funktionsstörung der → Thrombozyten bei meist normaler Thrombozytenzahl im peripheren Blut; eine Thrombozytopathie ist vor allem erblich bedingt, kann aber auch durch eine chronische Niereninsuffizienz oder durch Medikamente verursacht werden. →  Thrombozytenaggregationshemmer.


Thrombozytopenie

Thrombozytopenie, Thrombopenie, Verminderung der Thrombozyten im peripheren Blut auf unter 150.000 pro Kubikmillimeter Blut als angeborene (Morbus Werlhof) oder erworbene Störung, z. B. bei Knochenmarkerkrankungen mit verminderter Thrombozytenbildung oder durch eine verkürzte Lebensdauer der Thrombozyten. Bei sehr niedrigen Thrombozytenzahlen (unter 30.000 pro Kubikmillimeter Blut) kommt es zu punktförmigen Haut- und Schleimhautblutungen (Petechien) und Blutergüssen, vor allem im Magen-Darm-Trakt. Ca. 4% der Patienten versterben an Hirnblutungen.


Thrombozytose

Thrombozytose, vorübergehende Vermehrung der Thrombozyten im peripheren Blut auf ca. eine Million Thrombozyten pro Kubikmillimeter, meist infolge größerer Blutverluste und Operationen sowie nach operativer Entfernung der Milz. Eine andauernde Thrombozytose, z. B. durch Erkrankungen des Blut bildenden Gewebes, wird dagegen als → Thrombozytämie bezeichnet.


Thrombus

Thrombus, Blutgerinnsel, den Blutgefäßwänden anhaftendes Gerinnsel aus Blutzellen. Thrombozyten lagern sich an verletzte Stellen der Gefäßinnenwände an und führen zur Bildung eines Thrombus (Abscheidungsthrombus). Eine niedrige Fließgeschwindigkeit des Blutes erhöht die Blutgerinnungsneigung und führt zu einem Gerinnungsthrombus. Auch die Zusammensetzung des Blutes selbst (erhöhte Gerinnungsaktivität oder Thrombozytose) kann Ursache eines Thrombus sein. Große Thromben verschließen ein Blutgefäß vollständig und führen zu einem → Infarkt im Versorgungsgebiet. Auch → Thrombose.


Thymian

Thymian, Pflanze aus der Familie der Lippenblütler; die Laubblätter und Blüten des Thymian werden auch als Thymiankraut bezeichnet (Herba thymi). Im Thymiankraut sind ätherische Öle (Thymol und Carvacrol) enthalten, die vor allem Krampfzustände der Bronchien lösen und dem Abhusten dienen. Deshalb wird Thymian z. B. bei chronischer Bronchitis und Keuchhusten eingesetzt, außerdem bei Magenkrämpfen, Unterleibs- und Kopfschmerzen. Thymian wird äußerlich (Umschläge) und innerlich angewendet (Flüssigextrakt).


Thymin

Thymin, natürliche Pyrimidinbase, Baustein der → Desoxyribonucleinsäure. Thymin ist im DNS-Doppelstrang mit der komplementären Base Adenin gepaart.


Thymoleptikum

Thymoleptikum, Medikament mit stimmungsaufhellender Wirkung. Auch → Antidepressivum.


thymoleptisch

thymoleptisch, stimmungshebend.


Thymus

Thymus, Thymusdrüse, hinter dem Brustbein gelegene Drüse, die vor allem bis zur Pubertät eine bedeutende Rolle in der Entwicklung und Prägung der → T-Lymphozyten (thymusabhängige Lymphozyten) spielt. Der Thymus ist in seinem aktiven Zustand mit kleinen Lymphozyten angefüllt, die nach ihrer Reifung Träger der zellvermittelten Immunität sind. Nach ihrer Auswanderung aus dem Thymus siedeln sie sich in den anderen Organen des lymphatischen Systems an (Milz, Lymphknoten u. a.). Außerdem beeinflusst der Thymus das Körperwachstum und den Knochenstoffwechsel. Mit Eintritt der Geschlechtsreife beginnt die Rückbildung des Thymus mit nahezu vollständiger Umwandlung in Fettgewebe.


Thymusaplasie

Thymusaplasie, fehlende Thymusentwicklung, die zu Entwicklungsstörungen und schweren Krankheitsbildern und Immundefekten führt. Auch → DiGeorge-Syndrom.


Thymusfaktor

Thymusfaktor, → Thymushormon.


Thymushormon

Thymushormon, Thymusfaktor, in bestimmten Zellen des → Thymus gebildetes Hormon, das wahrscheinlich die Reifung der → T-Lymphozyten beeinflusst. Ein Mangel an Thymushormonen führt zu Störungen der Immunabwehr.


Thymustherapie

Thymustherapie, → Organotherapie mit Gabe tierischer Thymuszellen (meist von fetalen Schafen und Kälbern) oder Substanzgemischen aus Thymusextrakten (immunaktive Peptide), um die nicht mehr vorhandenen Funktionen des Thymus zu ersetzen und die Abwehrkräfte zu unterstützen. Die Wirksamkeit der Thymustherapie ist - wie die anderer Organotherapien auch - umstritten.


thyreo...

thyreo..., Wortteil mit der Bedeutung Schilddrüse oder Schildknorpel.


thyreogen

thyreogen, von der Schilddrüse ausgehend, durch die (Funktionen der) Schilddrüse verursacht.


Thyreoglobulin

Thyreoglobulin, ein in der Schilddrüse gebildetes Glykoprotein, aus dem die Schilddrüsenhormone in das Blut abgegeben werden. Das Thyreoglobulin enthält etwa 90% des an Eiweißstoffe gebundenen Jods.


Thyroidea

Thyroidea, Thyreoidea, → Schilddrüse.


Thyreoidea-stimulierendes Hormon

Thyreoidea-stimulierendes Hormon, → Thyreotropin.


Thyreoidea

Thyreoidea, Thyroidea, → Schilddrüse.


Thyreoidektomie

Thyreoidektomie, vollständige operative Entfernung der Schilddrüse, meist bei einem Schildrüsenkarzinom. Die operative Entfernung von Schilddrüsenanteilen bei einer vergrößerten Schilddrüse wird als → Strumaresektion bezeichnet.


Thyreoiditis

Thyreoiditis, Schilddrüsenentzündung, akute oder chronische Entzündung der Schilddrüse, z. B. durch Strahleneinwirkungen, virale Infektionen oder Autoimmunerkrankungen. Die begleitenden Funktionsstörungen der Schilddrüse (Hyper- und Hypothyreosen) sowie die Gewebsveränderungen sind je nach Ursache unterschiedlich stark ausgeprägt.


Thyreostatikum

Thyreostatikum, eine Substanz, die einzelne Schilddrüsenfunktionen hemmt, z. B. die Bildung der Schilddrüsenhormone, die Freisetzung oder den Einbau von Jod in die einzelnen Vorstufen der Schilddrüsenhormone. Unterschiedliche Substanzen wirken über sehr unterschiedliche Mechanismen, z. B. Abkömmlinge des Thioharnstoffs, Perchlorate, Jodide und Lithium. Thyreostatika werden bei einer Schilddrüsenüberfunktion (→ Hyperthyreose) eingesetzt.


Thyreotoxikose

Thyreotoxikose, frühere Bezeichnung für → Hyperthyreose.


thyreotoxisch

thyreotoxisch, schädliche Auswirkungen einer → Hyperthyreose auf den Körper, die als thyreotoxische Krise lebensbedrohliche Formen annehmen können, z. B. nach schwerer Krankheit, Operation, der Gabe jodhaltiger Röntgenkontrastmittel oder bei unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion.


Thyreotropin

Thyreotropin, Thyreoidea-stimulierendes Hormon, Abk. TSH, ein im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse gebildetes (Proteo-)Hormon, das Wachstum und die Funktion der Schilddrüse steuert, u. a. die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone und den Einbau von Jod. Die Ausschüttung des Thyreotropins selbst wird vor allem durch ein Hormon aus dem Hypothalamus gesteuert (→  Thyreotropin-releasing-Hormon).


Thyreotropin-releasing-Hormon

Thyreotropin-releasing-Hormon, Abk. TRH, ein im Hypothalamus gebildetes (Peptid-)Hormon, das die Ausschüttung von → Thyreotropin aus dem Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse steuert.


Thyroxin

Thyroxin, Tetrajodthyronin, T4, in der Schilddrüse gebildetes, jodhaltiges Hormon, das allein oder in Kombination mit → Trijodthyronin zur Therapie von Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt wird.


TIA

TIA, Abk. für transitorisch-ischämische → Attacke.


Tibia

Tibia, Schienbein, der dickere der beiden Unterschenkelknochen mit einer großen Gelenkfläche am oberen Teil, die zusammen mit Anteilen des Oberschenkelknochens das Kniegelenk bildet. Das untere Ende der Tibia bildet zusammen mit dem Wadenbein und dem Sprungbein das obere Sprunggelenk.


tibial

tibial, das Schienbein betreffend, auf das Schienbein bezogen.


Tibialislähmung

Tibialislähmung, Lähmung der Waden- und Fußmuskulatur durch eine Schädigung des Nervus tibialis, z. B. nach einer Schienbeinverletzung mit Beteiligung des Nervs oder bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Beugung des Fußes in Richtung der Fußsohle (Plantarflexion) und die Beugung im Kniegelenk sind nur noch eingeschränkt möglich. Meist kommen Sensibilitätsstörungen am äußeren Unterschenkel und an der Fußsohle hinzu.


Tic

Tic, Nervenzucken, plötzlich einsetzende, kurze, selten willentlich beeinflussbare Muskelzuckungen im Rahmen zwanghafter Bewegungsabläufe; ein Tic ist meist Ausdruck einer Zwangserkrankung und damit psychogen bedingt, kommt aber auch bei Erkrankungen des Zentralnervensystems vor, z. B. beim → Gilles-de-la-Tourette-Syndrom. Auch → extrapyramidales System, → Chorea.


Tiefenmuskelentspannung

Tiefenmuskelentspannung, progressive → Relaxation.


Tiefenpsychologie

Tiefenpsychologie, Bezeichnung für psychologische und psychotherapeutische Konzepte, die sich von der → Psychoanalyse ableiten und damit dem Unbewussten eine zentrale Stellung einräumen. Zur Tiefenpsychologie zählen neben der Psychoanalyse die analytische Psychologie und die Individualpsychologie. Auch → Unbewusstes.


Tiefenrausch

Tiefenrausch, beim Tauchen in größerer Tiefe (ab 40 Meter) auftretende Verhaltens-, Bewusstseins- und Koordinationsstörungen infolge des vermehrt im Blut und Gewebe gelösten Stickstoffs durch den erhöhten Umgebungsdruck. Der erhöhte Stickstoffgehalt im Blut führt zu Bewusstseinseinschränkungen, die einem ausgeprägten Alkoholrausch ähneln und mit Euphorie, Überschätzung der eigenen Kräfte, Orientierungslosigkeit einhergehen und meist mit Bewusstlosigkeit und Tod enden.


Tiefenschärfe

Tiefenschärfe, eine optische Größe, die denjenigen Bereich vor und hinter der scharf eingestellten Gegenstandsebene bezeichnet, der ebenfalls scharf abgebildet wird. An der Einstellung der T., die das Auge vermittelt, sind die Weite der Pupille (Blende) und die Brennweite beteiligt. Zudem hängt die Tiefenschärfe von der Entfernung des betrachteten Objektes ab: Je weiter der Gegenstand entfernt ist, desto größer ist die Tiefenschärfe. Im Nahsichtbereich besteht nur eine geringe T.


Tiefensehen

Tiefensehen, räumliches Sehen,
Tiefensehen
Erst die Überlappung der Sehfelder beider Augen ermöglicht das räumliche oder Tiefensehen.
das Vermögen, bei im Raum gestaffelten Gegenständen (z. B. in einer Landschaft) nicht nur die räumliche Tiefe wahrzunehmen, sondern auch die Entfernung der Gegenstände zueinander abzuschätzen. Für das Tiefensehen spielen neben dem Sehen mit beiden Augen u. a. auch die Überdeckungen und perspektivischen Verkürzungen von Gegenständen sowie die Größe bekannter Gegenstände eine wichtige Rolle. Besonders wichtig ist das beidäugige Tiefensehen vor allem bei Handlungen in nächster Umgebung, z. B. beim Greifen nach Gegenständen. Auch → Binokularsehen.


Tiefensensibilität

Tiefensensibilität, → Propriorezeption.


Tiefschlaf

Tiefschlaf, Schlafphase, in der ein besonders starker Weckreiz erforderlich ist; der Tiefschlaf wird auch als Stadium E des Schlafes bezeichnet. Bei der Ableitung von Hirnstromkurven finden sich im → Elektroenzephalogramm langsame → Deltawellen. Die einzelnen Tiefschlafperioden sind über den Gesamtschlaf verteilt und dauern in der ersten Schlafperiode 30 bis 60 Minuten, in der letzten gegen Morgen teilweise nur noch wenige Minuten. Tiefschlafphasen sind grundsätzlich traumlos. Auch → Schlaf.


Tierallergen

Tierallergen, Stoff tierischer Herkunft, der bei entsprechender Empfindlichkeit eine allergische Reaktion des Körpers auslöst. Tierallergene, z. B. Federn, Tierhaare, Milch und Hühnereiweiß, gelangen über Inhalation, Hautkontakt oder Nahrungsaufnahme in den Körper. Auch → Allergie.


Tierhaarallergie

Tierhaarallergie, allergische Reaktion des Körpers nach Kontakt mit Tierhaaren durch die darin enthaltenen → Tierallergene. Die Allergie geht mit geröteten und tränenden Augen, allergischem Schnupfen und Exanthem oder einem Asthmaanfall einhergeht. Auch → Allergie.


Tiffeneau-Test

Tiffeneau-Test, → Atemstoßtest nach Tiffeneau.


Tilia platyphyllos

Tilia platyphyllos, → Linde.


Timolol

Timolol, → Betarezeptorenblocker, der die Aktivität des Sympathikus herabgesetzt und u. a. zur Behandlung eines Glaukoms eingesetzt wird. Auch → Betarezeptorenblocker.


Tinea

Tinea, Pilzinfektion (Dermatophyten) von Haut, Haaren und Nägeln, die nur die Oberhaut betrifft, z. B. als Tinea capitis die behaarte Kopfhaut oder als Tinea pedis vor allem die Zehenzwischenräume. Auch → Dermatomykose, → Onychomykose.


Tinea barbae

Tinea barbae, Bartflechte, oberflächliche Pilzerkrankung (Dermatophyten) im Bartbereich; charakteristisch sind rundliche, gerötete Herde mit → Follikulitis und Krustenbildung.


Tinidazol

Tinidazol, gegen anaerobe Bakterien, Amöben, Lamblien und Trichomonaden eingesetztes Antibiotikum, das die Erreger durch Schädigung ihres Erbguts im Wachstum hemmt.


Tinktur

Tinktur, flüssiger, meist mit Alkohol (Ethanol) versetzter Auszug aus getrockneten Arzneipflanzen, der zur Desinfektion entzündeter Gewebe verwendet wird, z. B. Myrrhentinktur zur Behandlung von Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.


Tinnitus

Tinnitus, Ohrgeräusch,, Ohrensausen, ton- oder geräuschartige Schallempfindungen von unterschiedlicher Dauer (ständig oder anfallsweise), die nur vom Patienten selbst wahrgenommen und als störend bis quälend erlebt werden, z. B. Rauschen, Brummen, Klingeln oder Pfeifen. Diese (endogenen) Geräusche entstehen durch eine nicht von äußeren Schallwellen ausgelöste Reizung der Schallrezeptoren im Innenohr, z. B. infolge einer Störung der Schallleitung (z. B. bei → Otitis ), Erkrankungen des Innenohrs, der Hörnerven oder der Hörzentren des Gehirns sowie aufgrund eines → Hörsturzes. Bei Durchblutungsstörungen vor allem im inneren Kopfbereich kommt es zu pulsatorischen Geräuschen (pulssynchrone Ohrgeräusche).


Titer

Titer, immunologisches Maß für den Antigen- oder Antikörpergehalt einer Lösung, der durch → Titration bestimmt und als Reziprokwert der Serumverdünnung angegeben wird. Ein Antikörpertiter von 1:64 bedeutet, dass bei einer Probenverdünnung von 1:64 noch immer eine positive Testreaktion vorlag.


Titration

Titration, Verfahren zur Bestimmung der Menge einer chemischen oder biologischen Substanz in einer Lösung oder einem anderen Medium durch Herstellung einer Verdünnungsreihe. Auch → Titer.


TK-Zelle

TK-Zelle, → Killerzelle.


T-Lymphozyt

T-Lymphozyt, T-Zelle, in der Thymusdrüse gereifter und geprägter Lymphozyt, auch thymusabhängiger Lymphozyt oder kurz T-Zelle. Die Vorläuferzellen der T-Lymphozyten stammen aus dem Knochenmark, wandern in der frühen Kindheit in den Thymus ein und erhalten dort u. a. ihre Fähigkeit zur Unterscheidung körpereigener und körperfremder Strukturen. Nach dieser Ausdifferenzierung siedeln sie sich in anderen Organen des lymphatischen Systems an, vor allem in der Milz und den Lymphknoten. Ausgereifte T-Lymphozyten sind Träger der zellvermittelten → Immunität und übernehmen im Rahmen der körpereigenen Abwehr unterschiedliche Aufgaben: Die zytotoxischen Zellen ( → Killerzelle ) zerstören körperfremde Zellen; die sog. → Gedächtniszellen speichern Informationen über den Kontakt des Organismus mit körperfremden Stoffen (Antigenen); die → Suppressorzellen regulieren die Immunantwort; die sog. → Helfer-T-Zellen stimulieren die Plasmazellen zur Bildung von → Antikörpern. Zusammen mit den → B-Lymphozyten machen die T-Lymphozyten einen wesentlichen Teil des → Immunsystems aus.


TNF

TNF, → Tumor-Nekrose-Faktor.


TNM-System

TNM-System, TNM-Klassifikation, Schema zur Einteilung bösartiger (maligner) Tumoren unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte einer Tumorerkrankung; zu den wichtigsten zählen die Ausdehnung des Primärtumors (T), Befall der benachbarten (regionalen) Lymphknoten (nodes, N) und das Vorliegen von Fernmetastasen (M). Außerdem werden die Befundsicherung (certainty, C), Rezidive (R) und der Differenzierungsgrad von Tumoren (grading, G) beschrieben. Die verschiedenen Stadien dieser Aspekte werden durch Zahlen weiter unterteilt. Ein Tumor des Stadiums T1, N0, M0 bedeutet den Nachweis eines Primärtumors mit geringer Eindringtiefe ohne Lymphknoten- und Fernmetastasen. → Tumorklassifikation.


Tochtergeschwulst

Tochtergeschwulst, → Metastase.


Tocopherol

Tocopherol, → Vitamin E.


Tod

Tod, Exitus, Versagen lebenswichtiger Körperfunktionen. Man unterscheidet: 1. den klinischen Tod mit Atmungs- und Kreislaufstillstand. In dieser Phase besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer → Wiederbelebung innerhalb von vier bis sechs Minuten; 2. den → Hirntod mit nicht behebbarem Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen, also der eigentliche Zeitpunkt des Todes; 3. den biologischen Tod, der durch Beendigung aller Organ- und Zellfunktionen gekennzeichnet ist. Körperliche Zeichen, die den Eintritt des Todes bestätigen, werden → Todeszeichen genannt.


Todesfeststellung

Todesfeststellung, nach bestimmten Vorschriften durchgeführte, ärztliche Untersuchung zur Feststellung des Todes sowie die schriftliche Dokumentation der Befunde. Zur Todesfeststellung werden sog. unsichere → Todeszeichen wie Blässe, fehlende Atmung und fehlende Herzaktion sowie sog. sichere Todeszeichen wie Totenflecken, Totenstarre und Fäulniserscheinungen herangezogen. Im Rahmen der Todesfeststellung gibt der untersuchende Arzt bei der Leichenschau auch den Zeitpunkt und die Ursache des Todes an, soweit dies möglich ist. Anderenfalls beschreibt er die Ursache als unklar; in solchen Fällen und bei Verdacht auf eine unnatürliche (gewaltsame) Todesursache wird gerichtlich eine Obduktion der Leiche angeordnet. Auch → Autopsie.


Todeskampf

Todeskampf, → Agonie.


Todesursache

Todesursache, die Ursache für den eingetretenen Tod (natürlich, unnatürlich oder unklar), die ein Arzt bei einer Leichenschau zusätzlich zur → Todesfeststellung angeben muss.


Todeszeichen

Todeszeichen, körperliche Anzeichen, die den Eintritt des Todes bestätigen, man unterscheidet zwischen sicheren und unsicheren Todeszeichen. Zu den sicheren Todeszeichen gehören die → Totenstarre, die → Totenflecke sowie Fäulnis- und Verwesungsprozesse. Die unsicheren Todeszeichen sind Erscheinungen an einem leblosen Körper, die sich mit dem Tod vereinbaren lassen, jedoch nicht beweisend sind. Dazu zählen u. a. Blässe der Haut, Leichenkälte, keine erkennbare Atmung, kein tastbarer Puls am Handgelenk oder der Halsschlagader (Karotispuls) sowie keine wahrnehmbaren Herzschläge.


Toilette

Toilette, → Bronchialtoilette, → Wundtoilette.


toko...

toko..., Wortteil mit der Bedeutung Geburt oder Wehen.


Tokografie

Tokografie, Aufzeichnung der Wehentätigkeit. Auch → Kardiotokografie.


Tokogramm

Tokogramm, Wehenschreibung, grafische Darstellung der Wehentätigkeit in Abhängigkeit von der Zeit; mit dem Tokografen werden ähnlich wie bei einem → Elektrokardiogramm Häufigkeit, Dauer und Stärke der Wehen zur Überwachung des Geburtsverlaufs aufgezeichnet. Auch → Tokometrie, → Kardiotokografie.


Tokolyse

Tokolyse, Wehenhemmung, künstliche Schwächung der (vorzeitigen oder übermäßigen) Wehentätigkeit durch Gabe von Medikamenten, die die Gebärmuttermuskulatur erschlaffen lassen (Tokolytikum). Bei frühzeitigen Wehen mit drohender Fehl- oder Frühgeburt wird die Tokolyse längerfristig durchgeführt, bei Unregelmäßigkeiten der Wehentätigkeit, zu häufigen oder zu heftigen Wehen hingegen nur kurzfristig.


Tokolytikum

Tokolytikum, Arzneimittel, das die Wehentätigkeit hemmt. Bei einer drohenden Frühgeburt werden z. B. Beta-2-Sympathomimetika zur Muskelrelaxation der Gebärmutter eingesetzt. Auch → Tokolyse.


Tokometrie

Tokometrie, Wehenregistrierung, Wehenmessung, Untersuchung zur Analyse der Wehentätigkeit; bei einer von außen durchgeführten Tokometrie (externe Tokometrie) wird das Messgerät auf der Bauchdecke platziert und die Druckwertveränderungen der sich zusammenziehenden Gebärmutter sowie die Wandhärte der Bauchdecke gemessen. Bei der intrauterinen Tokometrie wird das Messgerät durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt, um Druckänderungen innerhalb der Gebärmutter zu messen. Als Verlaufskontrolle des Geburtsvorgangs werden neben der Tokometrie die Weite des Muttermundes registriert als Zeichen für die Wirksamkeit der Wehen, ferner das Tiefertreten und die Drehung des kindlichen Kopfes.


Tokopherol

Tokopherol, → Vitamin E.


Tolbutamid

Tolbutamid, Substanz mit blutzuckersenkender Wirkung durch vermehrte Insulinfreisetzung. Auch → Antidiabetikum.


Toleranz

Toleranz, im weiteren Sinne das verminderte Ansprechen auf äußere Reize. Im engeren Sinn: 1. Die verminderte Reaktion des Organismus auf die Wirkung eines Medikaments, die eine Dosiserhöhung erfordert. 2. → Immuntoleranz. 3. Toleranz gegenüber einem Suchtmittel als Merkmal der beginnenden → Abhängigkeit.


Tollkirsche

Tollkirsche, Atropa belladonna, Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse, deren Beerenfrüchte, Blätter und Wurzeln Alkaloide (vor allem Atropin) enthalten. Die Alkaloide hemmen das parasympathische Nervensystem, haben eine dem körpereigenen → Acetylcholin entgegengesetzte Wirkung und werden in der Medizin als krampflösende, gefäß- und pupillenerweiternde Mittel verwendet. Besonders bei kolikartigen Schmerzen im Bereich des Magen-Darm-Trakts und der Gallenwege werden die Wirkstoffe der Tollkirsche eingesetzt. Die Konzentration der Alkaloide vor allem in den Beerenfrüchten ist sehr hoch, sodass die Pflanze als stark giftig eingestuft wird.


Tollwut

Tollwut, Lyssa, Rabies, durch den Biss von infizierten Tieren wie Hunden, seltener Wölfen, Füchsen oder Katzen übertragene, meldepflichtige Infektionskrankheit. Das Lyssa-Virus vermehrt sich zunächst im Bereich der Bisswunde, wandert dann in die graue Substanz des Zentralnervensystems und führt nach einer Inkubationszeit von drei Wochen bis drei Monaten schließlich zu Krämpfen der Schlund-, Kehlkopf- und Atemmuskulatur, die mit Atemnot und Erstickungsgefühl, Schluckbeschwerden, → Hydrophobie, starkem Speichelfluss beim Anblick von Wasser bei quälendem Durst sowie ausgeprägter psychischer Erregbarkeit einhergehen. Eine klinisch manifeste Tollwut führt durch Lähmung der Herz- und Atemmuskulatur immer zum Tode. Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten ist eine aktive Impfung aufgrund der langen Inkubationszeit auch nach erfolgter Infektion noch möglich, die zur Sicherheit mit einer passiven Immunisierung durch spezifische Immunglobuline kombiniert werden sollte. In Gebieten, in denen Tollwut (z. B. bei Wildtieren) aufgetreten ist, sollten sich Haustiere, vor allem Hunde, nicht unbeaufsichtigt im Freien bewegen dürfen.


Tollwut-Virus

Tollwut-Virus, → Lyssa-Virus.


Tolubalsam

Tolubalsam, erhärteter Harzbalsam des Tolubalsambaumes, der vor allem ätherische Öle, Benzoesäure, Zimtsäure sowie Aromastoffe wie Vanillin enthält und in der Medizin als bakterientötendes Mittel in der Wundversorgung und zum Abhusten (z. B. bei Bronchitis) verwendet wird.


Tomatis-Methode

Tomatis-Methode, komplementärmedizinische Heilmethode, bei der den Patienten (meist Kindern) über einen Kopfhörer spezielle Tonfrequenzen und Musikstücke vorgespielt werden. Die Tomatis-Methode soll die Konzentrationsfähigkeit steigern und bei Lernproblemen, nervöser Unruhe, schlaffer Körperhaltung oder Legasthenie helfen.


...tomie

...tomie, Wortteil mit der Bedeutung Schneiden, Schnitt, Abschnitt.


Tomografie

Tomografie, Verfahren der Röntgendiagnostik zur Darstellung einzelner Körperschichten; durch spezielle Bewegungen der Röntgenröhre wird nur eine bestimmte, zuvor eingestellte Ebene des Körpers (bzw. eines Organs) scharf abgebildet. Alle Einzelheiten, die über oder unter der gewählten Ebene gelegen sind, sind unscharf dargestellt. Die Tomografie wird vor allem zur Abklärung von Lungen-, Nieren- und Skelettkrankheiten eingesetzt. Die Tomografie wurde weitgehend durch die → Computertomografie und die → Magnetresonanztomografie ersetzt.


Tonaudiometrie

Tonaudiometrie, Prüfung des Gehörs mit der Messung von Lautstärken unterschiedlich hoher Töne, die gerade noch eine Hörempfindung hervorrufen, und zwar sowohl die notwendigen Lautstärken für die Knochenleitung als auch für die Luftleitung. Die Hörschwelle, die sich bei der Schalleitung über die Schädelknochen ergibt, lässt Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit des Innenohrs zu. Durch Ermittlung der Hörschwelle für die Luftleitung (über die äußeren Gehörgänge) sind Aussagen zur Funktionsfähigkeit des Mittelohrs möglich. Auch → Audiometrie.


Tonerde

Tonerde, auch als Aluminiumoxid bezeichneter Hauptbestandteil des Bauxits, eines erdigen Sedimentgesteins. Tonerde wird als feuerfestes Material, in der Medizin als → essigsaure Tonerde verwendet.


Tonerde, essigsaure

Tonerde, essigsaure, desinfizierend, entzündungshemmend und austrocknend wirkende (Adstringens) Lösung des Aluminiumacetats, die zur Wundbehandlung und in Form von Umschlägen zur Behandlung von Prellungen, Verstauchungen und Insektenstichen eingesetzt wird.


Tonikum

Tonikum, Stärkungsmittel, Heilmittel, das Schwächezuständen des Organismus oder einzelner Organe entgegenwirken soll. Auch → Roborans.


tonisch

tonisch, Stärkend.


tonisch

tonisch, den → Tonus betreffend.


Tonometer

Tonometer, technisches Gerät zur Druckmessung; ein Tonometer wird u. a. zur Messung des Augeninnendrucks oder des Blutdrucks (→ Riva-Rocci-Apparat) verwendet.


tonsillaris

tonsillaris, tonsillär, eine Tonsille betreffend, zu den Tonsillen gehörend.


Tonsille

Tonsille, Mandel, Rachenmandel, kleines, mandelförmiges, am Übergang von Mund- und Rachenraum ringförmig angeordnetes Organ des lymphatischen Systems (lymphatischer Rachenring), das über Mund und Nase eindringende Krankheitserreger bekämpft. Die einzelnen Tonsillen werden nach ihrer Lage unterschieden: Tonsilla palatina, die zwischen den Gaumenbögen liegende, paarige Gaumenmandel; Tonsilla pharyngea, die hinter dem Zäpfchen gelegene, unpaarige Rachenmandel; Tonsilla lingualis, die am Zungengrund liegende, paarige Zungenmandel; Tonsilla tubaria, die Tubenmandel in der Umgebung der Ohrtrompeten. Bei einer Infektion der Tonsillen durch Viren oder bestimmten Bakterien (vor allem → Streptokokken der Gruppe A) kommt es zur Anschwellung der Mandeln, Fieber und starken Schmerzen ( → Tonsillitis ).


Tonsillektomie

Tonsillektomie, Mandeloperation, operative Entfernung der Gaumenmandeln, vor allem bei immer wiederkehrenden, eitrigen Mandelentzündungen oder bei einer → Hyperplasie der Mandeln, die zu einer Beeinträchtigung der Atmung führt. Da die Mandeln aktiver Teil der körpereigenen Abwehr sind, sollte eine Tonsillektomie erst nach dem vierten Lebensjahr durchgeführt werden, sofern keine zwingenden Gründe vorliegen. Als Komplikation einer Tonsillektomie kann es zu Nachblutungen im Bereich der Operationswunde kommen.


Tonsillenbeläge

Tonsillenbeläge, entzündliche Beläge der Gaumen- oder Rachenmandeln aus Bakterien, Fibrinfäden, Zellhaufen und Zelltrümmern, z. B. im Rahmen einer → Tonsillitis.


Tonsillenhyperplasie

Tonsillenhyperplasie, → Gaumenmandelhyperplasie, → Rachenmandelhyperplasie.


Tonsillitis

Tonsillitis, Mandelentzündung, durch Viren oder Bakterien hervorgerufene Entzündung des lymphatischen → Rachenrings, vor allem der Gaumenmandeln. Die akute, meist durch Viren oder Streptokokken bedingte Form wird wegen der Halsverengung durch die Entzündung auch als → Angina bezeichnet; sie beginnt plötzlich mit hohem Fieber, Schwellung, Rötung und Belag der Tonsillen und zum Teil sehr schmerzhaften Schluckbeschwerden sowie Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit der Lymphknoten im Bereich des Unterkiefers. Häufige Rückfälle führen zur chronischen Tonsillitis. Die Therapie besteht in der Gabe von Antibiotika und unter Umständen einer → Tonsillektomie. Bei einer ungenügend behandelten Tonsillitis können sich Komplikationen im Bereich der Tonsillen ergeben, z. B. ein Abszess (Peritonsillarabszess). Treten Bakterien aus dem Entzündungsherd ins Blut über, kommt es zu einer Ansiedlung z. B. im Herzen oder den Nieren mit resultierenden entzündlichen Erkrankungen (Endokarditis, Glomerulonephritis). Auch → Streptokokkenangina.


Tonus

Tonus, Spannungs- oder Erregungszustand eines Gewebes, Organs oder Organteils. Von Tonus spricht man vor allem im Zusammenhang mit Muskeln (Muskeltonus: Spannungszustand der Muskulatur), Blutgefäßen (Gefäßtonus: Spannungszustand Gefäßwände) und dem Nervensystem (Sympathikotonus: Erregungszustand des sympathischen Nervensystems).


Tophus

Tophus, meist mit einer Entzündung einhergehende Knotenbildung innerhalb von Geweben; im engeren Sinn der Tophus arthriticus, → Gichtknoten.


Topik

Topik, Lehre von der örtlichen Lage der Organe im Körper.


topisch

topisch, örtlich, die örtliche Lage betreffend; z. B. topische (lokale) Anwendung eines Heilmittels.


TORCH

TORCH, Infektionen, die beim Feten Erkrankungen und unter Umständen Fehlbildungen hervorrufen können; Toxoplasmose (T), other (O, andere Erkrankungen wie Syphilis oder Listeriose), Röteln (R), Cytomegalie (C), Herpes simplex (H).


Tormentilla

Tormentilla, Potentilla erecta, eine Pflanze aus der Familie der Rosengewächse, deren Wurzelstock zur Zubereitung von Arzneimitteln verwendet wird. Abkochungen aus Tormentilla werden in der Naturheilkunde zur Behandlung von Durchfallerkrankungen und Entzündungen der Mundschleimhaut eingesetzt.


Torsion

Torsion, Drehung, Verwindung; die (meist nicht normale) Drehung eines Organs um seine innere Achse; z. B. Hodentorsion.


Torsionsfraktur

Torsionsfraktur, ein Knochenbruch infolge einer übermäßigen Torsion einer Extremität. Oft entsteht dabei ein Spiralbruch.


Torticollis

Torticollis, Schiefhals, angeborene oder erworbene Schiefhaltung und Seitwärtsdrehung des Kopfes, meist durch die angeborene Verkürzung eines Halsmuskels (Musculus sternocleidomastoideus), aber auch durch eine Fehlstellung der Augen (und dadurch ausgleichende Kopfhaltung: okulärer Torticollis), narbige Veränderungen der Haut im Halsbereich (kutaner Torticollis), spastische Krämpfe der Halsmuskulatur (spastischer Torticollis) sowie Skelettveränderungen der Halswirbelsäule.


Torticollis muscularis

Torticollis muscularis, muskulärer Schiefhals, angeborener Schiefhals, der durch einseitige narbige Veränderungen der seitlichen Halsmuskulatur bedingt ist und nach einer schwierigen Geburt vorkommt. Durch frühzeitige operative Korrektur mit Durchtrennung des verkürzten Halsmuskels können Folgeschäden wie eine Fehlhaltung der Wirbelsäule vermieden werden.


Torticollis ocularis

Torticollis ocularis, okulärer Schiefhals, Schiefhaltung des Kopfes bei Augenmuskellähmungen, vor allem → Trochlearislähmung, zur Vermeidung von Doppelbildern.


Torus

Torus, Wulst; die Bezeichnung für verschiedene anatomische Gebilde, z. B. den Torus tubarius beim Tubenknorpel.


Totalendoprothese

Totalendoprothese, → Totalprothese.


Totalexstirpation

Totalexstirpation, Totaloperation, vollständige operative Entfernung eines Organs oder Organsystems; als → Radikaloperation wird dagegen die operative Entfernung eines erkrankten Organs unter Einbeziehung der umgebenden, in Mitleidenschaft gezogenen Gewebe sowie die Entfernung eines bösartigen Tumors einschließlich der umgebenden Lymphknoten bezeichnet.


Totalkapazität

Totalkapazität, das nach tiefstmöglicher Einatmung in der Lunge vorhandene Luftvolumen. Die Totalkapazität wird im Rahmen einer →  Lungenfunktionsprüfung geprüft und liefert zusammen mit anderen Lungenvolumina Informationen über die Funktionsfähigkeit der Lunge.


Totaloperation

Totaloperation, → Totalexstirpation.


Totalprothese

Totalprothese, Totalendoprothese, Abk. TEP, vollständiger Ersatz eines nicht mehr funktionstüchtigen Gelenks durch ein entsprechend geformtes Ersatzstück aus Metall oder Kunststoff, z. B. des Hüftgelenks, aber auch der Knie-, Fuß- und Fingergelenke. Bei einer Totalprothese werden beide Gelenkanteile (Gelenkpfanne und Gelenkkopf) durch eine Prothese ersetzt. In der Zahnmedizin bestehen Totalprothesen aus künstlichen Nachbildungen der oberen und unteren Zahnreihe mit meist 28 Zähnen.


Totenflecke

Totenflecke, an einer Leiche ca. eine Stunde nach dem Eintritt des Todes auftretende, rötlich bis bläuliche Flecke, die durch das schwerkraftbedingte Absacken des nicht mehr strömenden Blutes in tief gelegene Körperregionen entstehen und sich innerhalb der ersten sechs Stunden nach Todeseintritt noch wegdrücken lassen. Totenflecke werden zusammen mit anderen Hinweisen zur Bestimmung des Todeszeitpunktes herangezogen und zählen zu den sicheren → Todeszeichen.


Totenschein

Totenschein, ärztliche Bestätigung des Todes nach der Untersuchung einer Leiche einschließlich des Todeszeitpunktes und der Todesursache. Damit soll die Möglichkeit eines gewaltsamen Todes oder des Todes durch eine übertragbare Krankheit nach dem Infektionsschutzgesetz ausgeschlossen bzw. angezeigt werden.


Totenstarre

Totenstarre, Erstarrung der Muskulatur nach Eintritt des Todes durch den nach Todeseintritt einsetzenden Abbau von → ATP; die Totenstarre setzt vier bis zwölf Stunden nach Eintritt des Todes ein, betrifft zunächst die Kiefer-, Hals- und Nacken-, später die gesamte Muskulatur, und wird erst nach ein bis sechs Tagen durch die einsetzende Fäulnis aufgehoben. Auch → Todeszeichen.


Totgeburt

Totgeburt, mindestens 500 g schweres Neugeborenes, das nach der vollständigen Trennung von der Mutter keine Lebenszeichen wie Herzschlag, Spontanatmung oder Pulsieren der Nabelschnur zeigt. Für tot geborene Kinder besteht Meldepflicht, für Fehlgeburten (tot geborene Kinder unter 500 g) nicht. Auch → Fehlgeburt.


Totraum

Totraum, Teile der Atemwege, die nicht am Gasaustausch beteiligt sind; man unterscheidet einen anatomischen und einen funktionellen Totraum. Der anatomische Totraum ist der Abschnitt vom Mund bis zu den kleinen Bronchien (Bronchiolen), in dem die Atemluft gereinigt, erwärmt und angefeuchtet wird, und der beim Gesunden dem funktionellen Totraum entspricht. Bei Erkrankungen der Atemorgane dehnt sich der funktionellen Totraum auf das Lungengewebe aus und betrifft Bereiche, die normalerweise am Gasaustausch teilnehmen (Alveolen). Ein krankhafter funktionellen Totraum findet sich z. B. bei Durchblutungsstörungen oder der Schädigung von für den Gasaustausch notwendigem Lungengewebe.


Tourette-Syndrom

Tourette-Syndrom, → Gilles-de-la-Tourette-Syndrom.


Tourista

Tourista, → Reisedurchfall.


Toxämie

Toxämie, Schädigung der Blutzellen durch in das Blut gelangte Gifte.


Toxämie

Toxämie, Toxämie, Blutvergiftung durch bakterielle Giftstoffe (Bakterientoxine), ohne dass die Keime selbst im Blut nachweisbar sein müssen (z.B. bei einer Diphtherie). Auch → Sepsis.


Toxic-shock-Syndrom

Toxic-shock-Syndrom, toxisches → Schocksyndrom.


Toxikologie

Toxikologie, Lehre von den Giften und ihren Wirkungen auf den lebenden Organismus; die Toxikologie ist Teilgebiet der Pharmakologie.


Toxikomanie

Toxikomanie, frühere Bezeichnung für → Abhängigkeit.


Toxikose

Toxikose, eine durch toxische Substanzen verursachte Krankheit.


Toxin

Toxin, Gift, von Mikroorganismen, Tieren oder Pflanzen gebildete Substanz mit starker Giftwirkung vor allem auf den menschlichen Organismus; das Immunsystem bildet Antikörper gegen manche Toxine (→ Antitoxin). Bei den bakteriellen Toxinen unterscheidet man Exotoxine, die von den Erregern ausgeschieden werden und anschließend ihre Giftwirkung entfalten, und Endotoxine, die aus der äußeren Zellmembran gramnegativer Bakterien stammen und erst beim Zerfall der Bakterienzellen in größeren Mengen freigesetzt werden. Wird von einem Toxin die für die Giftwirkung verantwortliche (toxophore), chemische Gruppe entfernt, entsteht ein ungiftiges → Toxoid. Auch → Antidot, → Intoxikation.


toxisch

toxisch, giftig, durch Gift bedingt.


Toxizität

Toxizität, dosisabhängige Giftigkeit oder Schädlichkeit einer chemischen Substanz oder einer physikalischen Einwirkung; die akute Toxizität beschreibt die Giftwirkung einer einmalig verabreichten, hohen, eventuell tödlichen Giftdosis. Von chronischer Toxizität spricht man, wenn eine eher niedrige Giftdosis über längere Zeit den Organismus schädigt. Die chronische Toxizität ist ein wichtiger Parameter in Anwendungsstudien von Medikamenten und Kosmetika, die neben der gewünschten Wirkung auch (giftige) Nebenwirkungen haben können.


tox...

tox..., toxo..., toxiko..., Wortteil mit der Bedeutung Gift.


Toxocariasis

Toxocariasis, eine durch die Larven des Hundespulwurms (Toxocara canis) oder des Katzenspulwurms (Toxocara cati) ausgelöste Krankheit mit Bauchschmerzen, Atembeschwerden und Augensymptomen.


Toxoid

Toxoid, Bakteriengift, das z. B. durch Hitze- oder Formalinbehandlung ungiftig gemacht wurde, aber seine Antigenwirkung behalten hat. Toxoide werden als Impfstoff verabreicht, z. B. gegen Diphtherie und Tetanus, weil sie zwar zur Bildung spezifischer Antikörper führen, aber keine Giftwirkung mehr haben (aktive → Immunisierung).


Toxoplasma

Toxoplasma, Toxoplasma gondii, sichelförmiges, weltweit vorkommendes Sporentierchen, Erreger der → Toxoplasmose bei Mensch und Tier; die Übertragung erfolgt vor allem durch die Aufnahme von nicht genügend erhitzten Nahrungsmitteln (z. B. zystenhaltiges, rohes Fleisch), in denen sich die vermehrungsfähigen Toxoplasmen befinden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer Schmierinfektion durch den Kontakt mit infizierten oder erkrankten Tieren (auch bei Kontakt mit Katzenkot).


Toxoplasmose

Toxoplasmose, durch → Toxoplasma gondii hervorgerufene, weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die von Vögeln und Säugetieren auf den Menschen übertragen wird, entweder durch den Verzehr nicht ausreichend gegarten, infizierten Fleisches oder durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Die von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erworbene Toxoplasmose verläuft meist unkompliziert und geht u. a. mit einer leichten Lymphknotenschwellung, einer Halsentzündung und grippeähnlichen Symptomen einher. Problematisch ist der Kontakt mit Toxoplasmen während der Schwangerschaft, weil die Erreger die Plazentaschranke durchdringen und zu schweren Schädigungen des Ungeborenen (u. a. Entzündung des → Chorion, Befall von Leber und Milz, Gelbsucht) und unter Umständen sogar zu einer Früh- oder Totgeburt führen. Deshalb ist vor allem in der Schwangerschaft die Zubereitung und der Verzehr von rohem Fleisch sowie der Kontakt mit Katzen (auch Katzenkot) zu vermeiden. Bei einer Immunschwäche (z. B. AIDS) kann eine Toxoplasmose zu einer potenziell tödlichen → Enzephalitis führen.


TPHA-Test

TPHA-Test, Abk. für Treponema-pallidum-Hämagglutinationstest zum Nachweis von Antikörpern gegen → Treponema pallidum (Erreger der Syphilis) mit antigentragenden Schaferythrozyten. Nach Zugabe eines Reizserums (Exsudat des Primäraffektes bei Syphilis) kommt es zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion mit Verklumpung der roten Blutkörperchen. Diese Agglutination ist der Nachweis für eine Infektion mit Treponema pallidum.


Trabeculum

Trabeculum, Bälkchen; kleine, balkenförmige Gewebestruktur; z. B. die in die Herzkammer vorragenden Muskelbälkchen (Trabeculae carneae) oder die Knochenbälkchen.


Trachea

Trachea, Luftröhre,
Trachea
Der Querschnitt durch die Trachea zeigt die hufeisenförmige, die Luftröhre stabilisierende Knorpelspange.
der etwa zwölf Zentimeter lange, aus ca. 20 hufeisenförmigen Knorpelspangen aufgebauter Abschnitt der Atemwege; die Knorpelspangen sind durch Bindegewebsmembranen und Muskelzüge untereinander verbunden. Die Trachea beginnt unterhalb des Ringknorpels und endet an der Aufzweigung in die beiden Hauptbronchien (Bifurcatio tracheae). Die Innenwand der Trachea ist mit Schleimhaut ausgekleidet, in der sich u. a. schleimproduzierende Drüsen befinden. Das auf der Schleimhaut gelegene Flimmerepithel sorgt für den Transport von Schleim und eingeatmetem Staub zum Rachen hin. Durch die versteifte Konstruktion der Knorpelspangen gewährleistet die Trachea die durchgängige Luftleitung vom Nasen-Rachen-Raum zu den Lungen.


tracheal

tracheal, die Trachea betreffend, zur Trachea gehörend.


Trachealkanüle

Trachealkanüle, dünnes Rohr aus Kunststoff oder Metall für eine → Tracheotomie bzw. ein → Tracheostoma, das durch einen Schnitt in die Luftröhre eingelegt wird; über die Trachealkanüle kann der Patient beatmet werden oder selbst atmen. Mit Hilfe spezieller Trachealkanülen können spontan atmende Patienten, deren Kehlkopf entfernt wurde, sogar sprechen (Sprechkanüle).


Trachealruptur

Trachealruptur, das Einreißen der Luftröhre, z. B. durch ein heftiges äußeres Trauma oder als Komplikation einer Intubation. Eine Trachealruptur muss sofort operativ versorgt werden.


Trachealsekret

Trachealsekret, durchsichtige, schleimige Flüssigkeit, die von den Schleimdrüsen der Luftröhre abgesondert wird.


Trachealstenose

Trachealstenose, angeborene oder erworbene Verengung der Luftröhre. Die angeborene Trachealstenose kann auf Fehlbildungen der Knorpelspangen oder vergrößertem Schleimhautfalten beruhen. Der erworbenen Trachealstenose liegen z. B. raumfordernde Prozesse wie Tumoren außerhalb oder innerhalb der Luftröhre zugrunde und führen zu Reizhusten und Atemnot. Die Trachealstenose muss operativ oder endoskopisch korrigiert werden.


Trachealtubus

Trachealtubus, Trachealkanüle aus Kunststoff zum Anschluss an ein Beatmungsgerät.


Tracheitis

Tracheitis, Entzündung der Luftröhrenschleimhaut; eine akute Tracheitis ist meist viral bedingt und äußert sich durch Husten und retrosternale Schmerzen. Eine chronische Tracheitis entwickelt sich infolge langfristiger Schleimhautreizung (bei Rauchern) oder eines mechanischen Hindernisses. Eine Tracheitis ist meist mit einer Bronchitis kombiniert (→ Tracheobronchitis).


Tracheobronchitis

Tracheobronchitis, Schleimhautentzündung der Luftröhre und großen Bronchien, vor allem als Begleiterkrankung von Infektionen im Bereich des Nasen-Rachen-Raums (→ Rhinitis, → Sinusitis, → Angina und bei grippalen Infekten), die mit verschlechtertem Allgemeinbefinden, Fieber und Reizhusten einhergeht. Auch physikalische und chemische Einflüsse von außen, z. B. Staub oder Gase, können zu einer Tracheobronchitis führen. Auch → Bronchitis, → Tracheitis.


Tracheomalazie

Tracheomalazie, die Erweichung der Knorpel in der Luftröhre. Als Folge einer Tracheomalazie kann es zu Atembeschwerden und Stridor kommen.


Tracheostoma

Tracheostoma, operative Eröffnung der Luftröhre, vor allem um bei Atemnot eine → Trachealkanüle von außen in die Luftröhre einzuführen und die Lungenbelüftung zu gewährleisten, z. B. bei Verlegung der natürlichen Luftwege. → Tracheotomie.


Tracheostomie

Tracheostomie, → Tracheotomie.


Tracheotomie

Tracheotomie, Luftröhrenschnitt, operative Eröffnung der Luftröhrenvorderwand im oberen Drittel, um z. B. für eine längere Intubation eine Trachealkanüle einzuführen, über die der Patient künstlich beatmet werden kann. Auch in Notsituationen mit Verlegung der oberen Luftwege, z. B. bei plötzlicher, allergisch bedingter Verengung oder → Epiglottitis, wird eine Tracheotomie oder eine → Koniotomie durchgeführt. Auch → Tracheostoma.


Trachom

Trachom, Augeninfektion durch → Chlamydia trachomatis, die vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten mit schlechten hygienischen Bedingungen vorkommt und bei Nichtbehandlung zur Erblindung führt. Das Trachom geht mit teils akuten, teils immer wiederkehrenden Bindehautentzündungen mit Bildung typischer Einschlusskörper einher, die aufplatzen und narbig abheilen. Bei Vernarbung der Hornhaut erblindet der Patient. Zur Behandlung werden antibiotikahaltige Augensalben eingesetzt. Das Trachom ist weltweit die häufigste Ursache für Erblindungen.


Tractus

Tractus, Trakt, Zug, Strang, Faserzug; besonders die Nervenbahnen im Gehirn, z. B. Tractus opticus, ein Abschnitt der → Sehbahn.


Tragus

Tragus, knorplige, mit Haut überzogene Erhebung der Ohrmuschel direkt vor der äußeren Gehörgangsöffnung.


Tragusdruckschmerz

Tragusdruckschmerz, Schmerz beim Druck auf den → Tragus, z. B. bei einer akuten Mittelohrentzündung oder einer eitrigen Entzündung des äußeren Gehörgangs.


Tragzeit

Tragzeit, Schwangerschaftsdauer, die beim Menschen entweder vom Zeitpunkt des zur Empfängnis führenden Geschlechtsverkehrs oder von der letzten Monatsblutung an gerechnet wird. Die Tragzeit endet mit der Geburt und dauert in der Regel 273-281 Tage.


Training

Training, planmäßige Übungen zur Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Durch intensives Training lassen sich individuelle Bestleistungen erreichen. Das im sportlichen Bereich durchgeführte Konditionstraining dient z. B. der Verbesserung von Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit. Mit entsprechenden Trainingsmethoden lassen sich auch geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis und Konzentration verbessern.


Training, autogenes

Training, autogenes, → autogenes Training.


Trakt

Trakt, → Tractus.


Traktionsreaktion

Traktionsreaktion, eine Lagereaktion, die beim Säugling etwa ab der sechsten Lebenswoche zu beobachten ist: Wird das Kind an beiden Händen hochgezogen, so kann es seinen Kopf stabilisieren. Die Traktionsreaktion wird überprüft, um den Entwicklungsstand eines Säuglings festzustellen.


Tramadol

Tramadol, starkes Schmerzmittel mit einer ähnlichen Wirkweise wie → Morphin, aber schwächerer schmerzstillender Wirkung.


Trance

Trance, schlafähnlicher Bewusstseinszustand mit Einschränkung von Bewusstsein und Handlungsfreiheit, z.B. bei der → Hypnose, durch Meditation oder beim Schlafwandeln.


Trance

Trance, frühere Bezeichnung für → Dämmerzustand.


Tränendrüse

Tränendrüse, Drüse oberhalb des seitlichen Lidwinkels im Auge, deren Ausführungsgänge in den oberen Bindehautsack münden. Die Tränendrüse produziert die →  Tränen.


Tränendrüsenentzündung

Tränendrüsenentzündung, → Dakryoadenitis.


Tränengangstenose

Tränengangstenose, angeborene oder erworbene Verengung des Tränennasengangs mit chronischem Tränenträufeln, meist infolge einer Entzündung. Die Behandlung besteht in einer operativen Eröffnung des Tränengangs.


Tränensack

Tränensack, Saccus lacrimalis, Einmündungsstelle der Tränenkanälchen und Auffangbecken der Tränenflüssigkeit, die von hier aus über den Tränennasengang in den unteren Nasengang abfließt. Umgangssprachlich werden als Tränensäcke auch Bindegewebserschlaffungen im Bereich der unteren Augenlider bezeichnet, die meist erst im höheren Alter auftreten.


Tränensekretion

Tränensekretion, Absonderung von →  Tränenflüssigkeit aus der → Tränendrüse. Durch die Tränensekretion werden Hornhaut und Bindehäute des Auges vor der Austrocknung geschützt, auf dem Auge befindliche Fremdkörper ausgewaschen und eindringende Bakterien durch das Lysozym abgetötet.


Tränen

Tränen, Tränenflüssigkeit, aus den Tränendrüsen abgesonderte, klare, leicht basische Flüssigkeit, die Eiweiß, Kochsalz, Traubenzucker und bakterientötendes Lysozym enthält, das bakteriellen Infektionen des Auges vorgebeugt. Außerdem befeuchtet und reinigt die Tränenflüssigkeit die Bindehäute und die Hornhaut des Auges.


Tränenträufeln

Tränenträufeln, → Epiphora.


Tränenwege

Tränenwege, bis zu zwölf kleine Gänge für die Tränenflüssigkeit, die von der Tränendrüse bis in die Nase führen; von der Tränendrüse fließt die Tränenflüssigkeit auf die Bindehaut, von dort in die medialen Augenwinkel, wird von den Tränenkanälchen in den Tränensee (Lacus lacrimalis) gesaugt und gelangt von dort in den → Tränensack und durch den Ductus nasolacrimalis (Tränennasengang) in die Nase.


Tranquilizer

Tranquilizer, → Sedativum.


trans...

trans..., Wortteil mit der Bedeutung hindurch, hinüber.


Transaminase

Transaminase, Aminotransferase, Enzym, das im Zellstoffwechsel Aminogruppen von einem Molekül auf ein anderes überträgt (Transaminierung). Bei Zellschäden, z. B. im Rahmen eines entzündlichen Prozesses wie einer Leberentzündung, treten Transaminasen vermehrt im Blut auf und geben Aufschluss über das Ausmaß des Zelluntergangs.


transdermal

transdermal, transkutan, perkutan, durch die Haut hindurch; z. B. die transdermale Gabe von Medikamenten mit Hilfe von Salben oder Wirkstoffpflastern.


Transduktion

Transduktion, Transfer von genetischem Material aus einem Bakterium (Donor) in das Genom eines Empfängerbakteriums mit Hilfe von Viren (Bakteriophagen). Die Viren dienen dabei als Trägerorganismus; sie nehmen das DNS-Stück des Donors auf, werden freigesetzt und übertragen es durch Infektion eines anderen Bakteriums. Das DNS-Bruchstück kann in das genetische Material der neuen Bakterienzelle eingebaut werden und neue Eigenschaften hervorrufen. In der Gentechnologie werden vor allem Resistenzgene mit Hilfe der Transduktion übertragen.


Transferase

Transferase, ein Enzym, das ein Molekül von einer Substanz auf die andere übertragen kann.


Transfer-Ribonukleinsäure

Transfer-Ribonukleinsäure, → t-RNS.


Transferrin

Transferrin, in der Leber gebildete Eiweiß-Zucker-Verbindung (Plasmaprotein), das Eisenionen im Blut bindet und transportiert; normalerweise ist nur ein Drittel der Eisenbindungskapazität ausgelastet; der Rest wird als freie Eisenbindungskapazität bezeichnet. Die im Blut nachweisbare Menge an Transferrin ist u. a. bei Eisenmangel und in der Schwangerschaft erhöht, bei Lebererkrankungen, Infektionen und Tumorleiden vermindert.


Transfer-RNS

Transfer-RNS, → t-RNS.


Transformation

Transformation, Übertragung von gereinigten DNS-Stücken auf Bakterien oder höhere Zellen. Die Transformation wird in der Gentechnologie genutzt, um Zellen genetisch zu verändern.


Transformation

Transformation, Die durch Gestagene bedingte Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut während der → Sekretionsphase.


Transformation

Transformation, →  Lymphozytentransformation.


Transformation

Transformation, Entartung von Zellen durch chemische oder physikalische Einflüsse oder einen → Tumorvirus im Reagenzglas unter Laborbedingungen; dabei verliert die Zelle ihre natürliche Wachstum- und Teilungshemmung und verliert (meist) ihre typische Form. Auch → Onkogenese.


Transfusion

Transfusion, → Bluttransfusion.


Transfusionssiderose

Transfusionssiderose, eine Anhäufung von Eisen im Organismus infolge von vielen Bluttransfusionen, z. B. bei Patienten mit einer → Thalassämie. Auch → Hämochromatose.


Transfusionszwischenfall

Transfusionszwischenfall, Komplikation im Rahmen einer → Bluttransfusion auf Seiten des Empfängers, meist weil das Spenderblut mit dem Blut des Empfängers in wichtigen Merkmalen nicht übereinstimmt. Bei Unterschieden in den Blutgruppen (Blutgruppeninkompatibilität) sowie bei Abwehrreaktionen gegen weiße Blutkörperchen oder Plasmabestandteile des Spenderblutes kommt es zu Fieber, Herz-Kreislauf-Störungen, → Hämolyse, Nierenversagen und einem → anaphylaktischen Schock. Ein Transfusionszwischenfall kann aber auch durch Bakteriengifte und Luftblasen (→ Luftembolie) verursacht werden, die bei der Bluttransfusion in das Kreislaufsystem des Empfängers gelangen. Um Transfusionszwischenfälle zu vermeiden, müssen Blutkonserven sachgerecht hergestellt und kontrolliert werden; vor einer Bluttransfusion sind Verträglichkeitstests erforderlich, z. B. die Kreuzprobe, um die Übereinstimmung der Blutgruppen von Spender und Empfänger sicherzustellen.


transient

transient, transitorisch, vorübergehend, kurzdauernd.


Transit

Transit, → Passage.


Transkriptase

Transkriptase, ein Enzym, das an einer → DNS eine → m-RNA als Kopie herstellt.


Transkriptase, reverse

Transkriptase, reverse, ein Enzym, das anhand einer viralen RNA ein Stück DNA bilden kann und dieses in die DNA der Wirtszelle einbaut (»umgekehrte Transkription«). Die reverse Transkriptase ist für die Vermehrung von → Retroviren notwendig.


Transkription

Transkription, der erste Schritt bei der Bildung von Eiweißen innerhalb der Zelle. Dabei wird im Zellkern an der DNS, die die genetischen Informationen für die Bildung von Eiweißen beinhaltet, eine sog. Messenger-Ribonucleinsäure (m-RNS) gebildet, die dem Spiegelbild dieser DNS entspricht. Die m-RNS "trägt" die genetische Information eines DNS-Bereichs aus dem Zellkern zu den Ribosomen im Zellplasma. Dort wird die Information der m-RNA anschließend in einem zweiten Schritt, im Rahmen der → Translation, in die Aminosäurensequenz des Eiweißes überführt. Auch → Proteinbiosynthese.


transkutan

transkutan, transdermal.


Translation

Translation, zweiter Schritt der Eiweißbildung innerhalb der Zelle. An kleinen Zellstrukturen, den Ribosomen, wird die bei der → Transkription gebildete Messenger-Ribonukleinsäure in die Abfolge von Aminosäuren "übersetzt". Durch die Verknüpfung dieser Aminosäuren entsteht das ursprünglich auf der DNS kodierte Eiweiß. Die benötigten Aminosäuren werden dabei durch die sog. → Transfer-RNS zur Verfügung gestellt. Auch → Proteinbiosynthese.


Translokation

Translokation, genetische Veränderung, bei der sich aus einem Chromosom ein Bruchstück löst und entweder an einer anderen Stelle desselben Chromosoms oder in ein anderes Chromosom einfügt. Durch diese Vorgänge kann es zu einer fehlerhaften Verteilung des genetischen Materials und damit zu genetischen Erkrankungen kommen. Auch → Chromosomenaberration, → Mutation.


Transmigration

Transmigration, das Auswandern von Blutzellen aus den Gefäßen ins umliegende Gewebe.


Transmission

Transmission, Durchlässigkeit, Durchgang, Übertragung (z. B. von Krankheitserregern).


Transmitter

Transmitter, körpereigene chemische Substanz, die an einer → Synapse oder einer motorischen → Endplatte Nervenimpulse umwandelt und überträgt. Auch → Neurotransmitter.


transmural

transmural, durch eine Wand hindurch; bei einem transmuralen Herzinfarkt wird der Herzmuskel in seiner gesamten Dicke geschädigt.


Transpiration

Transpiration, Schwitzen; durch die Absonderung von Schweiß aus den → Schweißdrüsen entsteht auf der Haut ein dünner Flüssigkeitsfilm, bei dessen Verdunstung Wärme abgeführt wird (Verdunstungskühle). Die Transpiration ist somit an der Regulation der Körpertemperatur beteiligt.


Transplantat

Transplantat, Zellen, Gewebe oder Organe, die von einem Spenderorganismus auf einen Empfängerorganismus übertragen werden, z. B. bei völligem Funktionsausfall eines Organs im Körper des Empfängers. → Transplantation.


Transplantatabstoßung

Transplantatabstoßung, Host-versus-Graft-Reaktion, Abstoßung eines → Transplantats durch den Empfängerorganismus aufgrund von Immunreaktionen (Wirt-Transplantat-Reaktion). Zur Abstoßungsreaktion kommt es, wenn die genetisch festgelegten Oberflächenstrukturen auf den Zellen des Spenderorgans (→  Histokompatibilitätsantigen) nicht ausreichend mit denen des Empfängers übereinstimmen. Sie werden dann vom Immunsystem des Empfängers als fremd erkannt und im Rahmen einer zellulären und humoralen → Immunantwort zerstört. Um einer solchen Reaktion vorzubeugen, wird das Immunsystem des Empfängers vor und nach der Transplantation mit Medikamenten und/oder Bestrahlung künstlich geschwächt (→ Immunsuppression). Auch → Transplantation, →  Graft-versus-Host-Reaktion


Transplantation

Transplantation,
Transplantation
Die Zahl notwendiger Spenderorgane und realisierter Transplantationen steigt jährlich an.
Übertragung von Zellen, Geweben oder Organen eines Spenders auf einen Empfänger (allogene Transplantation) oder an andere Stellen des eigenen Körpers (autogene Transplantation) Durch eine Transplantation werden erkrankte, nicht mehr funktionstüchtige oder schwer verletze Organe ersetzt. Man unterscheidet:1. die autogene Transplantation (Spender und Empfänger sind identisch). 2. die allogene oder homologe Transplantation (Empfänger und Spender sind genetisch unterschiedlich, jedoch von der gleichen Spezies).3. die xenogene Transplantation (Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen). Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse, insulinproduzierende Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, Herz, Lunge, Blutgefäße, Knochen, Knochenmark, Haut sowie die Hornhaut des Auges werden heute mit einigem Erfolg transplantiert. Mögliche → Abstoßungsreaktionen hängen mit der Übereinstimmung des körperfremden Gewebes mit dem Gewebe des Empfängers zusammen, der → Histokompatibilität. Bei gravierenden Abweichungen der Leukozytenoberflächenstrukturen (→  Histokompatibilitätsantigene) von Spender und Empfänger wird das Transplantat vom Immunsystem des Empfängers zerstört. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Abstoßung ist um so geringer, je enger Spender und Empfänger genetisch verwandt sind. Um bei genetisch nicht identischen Geweben eine Abstoßung zu vermeiden, wird das Immunsystem des Empfängers vor und nach der Transplantation medikamentös künstlich geschwächt (→ Immunsuppression).


Transplantationsgesetz

Transplantationsgesetz, 1997 verabschiedetes Gesetz, das die Entnahme, Verpflanzung und die Verteilung von Geweben oder Organen zur → Transplantation rechtlich regelt. Das Gesetz legt fest, dass eine Organentnahme nur dann zulässig ist, wenn der Tod des Organspenders nach Regeln, die dem Erkenntnisstand der medizinischen Wissenschaft entsprechen, durch zwei Ärzte festgestellt wurde. Mindestvoraussetzung für eine Organentnahme ist die Diagnose des Hirntods des Spenders. Hat er zu Lebzeiten keine Entscheidung über eine Organspende getroffen, können auch Angehörige einer Organentnahme zustimmen. Das Transplantationsgesetz enthält außerdem umfassende Bestimmungen zur Organvermittlung und ein Verbot des Organhandels.


Transplantat-Wirt-Reaktion

Transplantat-Wirt-Reaktion, →  Graft-versus-Host-Reaktion.


transplazentar

transplazentar, durch die Plazenta hindurch.


Transportgriff

Transportgriff, für den Transport von verletzten oder bewusstlosen Personen geeigneter Griff. Die einzelnen Transportgriffe richten sich nach der Art der Verletzung sowie nach der Umgebung, in der der Transportgriff angewendet werden soll. So dient z. B. der → Rautek-Griff dem Transport von bewusstlosen Patienten an Land.


Transposition

Transposition, Angeborene Lageabweichung von Organen oder Geweben im Körper. Bei einer Transposition der großen Arterien, z.B. der Lungenarterie, spricht man von der "Transposition der großen Arterien".


Transposition

Transposition, Die Verschiebung genetischen Material innerhalb eines Chromosoms oder die Übertragung auf ein anderes Chromosom, z.B. auf verwandte Bakterien. Die Transposition eines solchen auch als Transposon bezeichneten DNS-Abschnitts ist die Ursache der Resistenzentwicklung von Bakterien gegen Antibiotika.


Transposition der großen Arterien

Transposition der großen Arterien, einer der häufigsten angeborenen Herzfehler, bei dem die Lungenarterie aus dem linken Ventrikel, die Aorta aus dem rechten Ventrikel des Herzens entspringt. Bei den betroffenen Kindern fällt eine deutliche → Zyanose auf. Es kommt zu Atemnot, einer Tachykardie und einer Herzinsuffizienz mit kardialem Schock. Das Überleben ist nur möglich, wenn nach der Geburt Shuntverbindungen offen bleiben, d. h. der Ductus arteriosus Botalli und evtl. auch der Vorhofseptumdefekt. Die Behandlung besteht in einer operativen Korrektur der falschen Gefäßabgänge. Relativ häufig kommt die Transposition der großen Arterien auch als inkomplette Form evtl. in Kombination mit anderen Herzfehlern vor.


Transsexualität

Transsexualität, psychisch absolute Identifizierung mit dem anderen Geschlecht; transsexuelle Männer sind physisch eindeutig Männer, empfinden sich aber hundertprozentig als Frau und zählen sich damit nicht zu den homosexuellen Männern. Das gleiche gilt umgekehrt für transsexuelle Frauen. Daraus resultiert der Wunsch nach einer operativen → Geschlechtsumwandlung. Die Überzeugung Transsexueller, im falschen Körper zu leben, geht mit erheblichem psychischem Leidensdruck einher. Im Gegensatz zum → Transvestismus ist das Tragen von Frauenkleidern bei transsexuellen Männern nicht mit sexueller Erregung verbunden.


Transsexuellengesetz

Transsexuellengesetz, → Geschlechtsumwandlung.


Transsudat

Transsudat, nicht entzündlich bedingter Erguss von Flüssigkeit in Körperhöhlen und Geweben; ein Transsudat entsteht durch Stauungen im Blutgefäßsystem, die zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Kapillaren führen. Auch eine fehlerhafte Zusammensetzung des Blutes (Eiweißmangel) oder der Gewebskolloide kann zu einer Transsudatbildung führen. Das Transsudat ist typischerweise zellarm und enthält wenig Eiweiß.


Transsudation

Transsudation, die Befeuchtung der Vagina bei sexueller Erregung infolge der Produktion von Gleitsubstanz durch die Epithelzellen der Scheide.


Transversalebene

Transversalebene, gedachte Ebene durch den Körper, die beim stehenden Menschen waagerecht verläuft. → Frontalebene, → Sagittalebene.


Transversion

Transversion, genetische Veränderung, bei der innerhalb der DNS-Sequenz eine Purinbase gegen eine Pyrimidinbase (oder umgekehrt) ausgetauscht wird. Auch → Mutation.


transversus

transversus, quer verlaufend, z. B. das Colon t., der im oberen Teil der Bauchhöhle von rechts nach links verlaufende Abschnitt des Dickdarms.


transvesikal

transvesikal, durch die Blase hindurch (z. B. bei einem operativen Eingriff).


Transvestismus

Transvestismus, Transvestitismus, mit sexueller Erregung verbundene Neigung, Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen. Transvestismus ist bei Männern sehr viel häufiger als bei Frauen. Die meisten Transvestiten sind heterosexuell. Transvestismus ist von → Transsexualität zu unterscheiden.


Trapezius

Trapezius, die Kurzbezeichnung für den Trapeziusmuskel, der vom Hinterhaupt und den Halswirbeln bis zum Schulterblatt und dem Schlüsselbein verläuft. Der Trapezius hebt und dreht das Schulterblatt und ermöglicht dadurch die Hebung des Arms über die Waagerechte. Außerdem dreht der Trapezius den Kopf nach rechts und links.


Traubensilberkerze

Traubensilberkerze, Hahnenfußgewächs, dessen Wirkstoff aus Wurzelstock und Wurzeln homöopathische Verwendung bei klimakterischen Beschwerden, Menstruationsstörungen und Muskelschmerzen findet.


Traubenzucker

Traubenzucker, → Glucose.


Traum

Traum, meist visuelles Erlebnis während des Schlafs, an das man sich nach dem Erwachen manchmal erinnert. Träume treten vor allem während des → REM-Schlafs auf und dienen der psychischen Verarbeitung von Ereignissen des Tages, die im Traum allerdings nicht in nachvollziehbare Zusammenhänge gebracht werden. Das Fehlen oder den Entzug von Traumphasen kann zu psychischen Störungen führen. In der Psychoanalyse ist der Traum Ausdruck einer unbewussten Fantasie oder Triebregung. Durch die psychoanalytische Traumdeutung soll der Zugang zum Unbewussten ermöglicht werden.


Trauma

Trauma, jegliche Verletzung oder Gewalteinwirkung von außen, die zu körperlichen oder psychischen Schäden führt. Ein körperliches Trauma wird durch physikalische oder chemische Einflüsse verursacht, z. B. im Rahmen eines Unfalls. Einem psychischen Trauma liegen negative oder erschreckende Ereignisse (z. B. in der Kindheit, in der Sexualität) zugrunde, die von der betroffenen Person psychisch allein nicht verarbeitet werden konnten und daher seelische Schäden zurückgelassen haben. Auch → Polytrauma


traumatisch

traumatisch, durch ein Trauma verursacht, ein Trauma betreffend.


Traumatisierung

Traumatisierung, physikalische, chemische oder auch psychische Einflüsse, die zu einem → Trauma führen.


Traumatologie

Traumatologie, Unfallheilkunde, Unfallchirurgie, Teilgebiet der Chirurgie, die Lehre von der Entstehung, Verhütung und Behandlung von körperlicher Traumata. Auch → Trauma, → Polytrauma.


Treibgas

Treibgas, im weiteren Sinn brennbares Gas (z. B. Flüssiggas, Generatorgas) für den Antrieb von Verbrennungsmotoren; im engeren Sinn das Gas, das - heute nur noch selten - in Spraydosen oder Schaumstoffen verwendet wird, im Wesentlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (→ FCKW), die in die Atmosphäre gelangen und die Ozonschicht zerstören, sodass kurzwellige UV-Strahlen bis auf die Erdoberfläche vordringen und das Risiko für Hautkrebs steigern.


Trematode

Trematode, Saugwurm, parasitischer Wurm der Gattung Plathelminthes, der über zwei Saugnäpfe verfügt und sich als Zwitter (außer → Schistosoma) vermehrt. Aus den Eiern der erwachsenen Würmer schlüpfen Larven (Zerkarien), die sich in einem ersten Wirt weiterentwickeln und sich anschließend entweder durch die Haut des zweiten Wirts bohren oder mit der Nahrung oder dem Trinkwasser aufgenommen werden. Für den Menschen sind vor allem die → Leberegel und die → Schistosoma von Bedeutung.


Tremor

Tremor, Zittern, Bewegungsstörung, bei der es zu rhythmischen Zuckungen von gegensinnig wirkenden Muskeln oder Muskelgruppen und damit zum Zittern der jeweiligen Körperteile kommt. Nach der Stärke und Frequenz der Muskelzuckungen werden ein grob-, mittel- und feinschlägiger Tremor unterschieden. Ein Tremor tritt - abgesehen von dem sog. physiologischen Tremor, vor allem bei Kälte und Erregung - als Symptom sehr unterschiedlicher Grunderkrankungen auf, u. a. bei Erkrankungen des Nervensystems (z. B. Parkinson-Krankheit), bei Vergiftungen, Schilddrüsenüberfunktion oder Alkoholkrankheit. Im höheren Alter kommt der sog. idiopathische Tremor vor, der vor allem mit unwillkürlichen Nickbewegungen des Kopfes einhergeht.


Trendelenburg-Hinken

Trendelenburg-Hinken, Trendelenburg-Zeichen, Absinken des Beckens auf der gesunden Seite, wenn die gegenüberliegenden, für die Abwinklung des Oberschenkels bzw. das Aufrichten des Beckens verantwortlichen Muskeln gelähmt oder geschwächt sind. Auch bei einer angeborenen Hüftgelenkluxation entwickelt sich das Trendelenburg-Hinken.


Trendelenburg-Lagerung

Trendelenburg-Lagerung, die Schräglagerung eines Patienten mit dem Kopf und Oberkörper nach unten.


Trendelenburg-Versuch

Trendelenburg-Versuch, Funktionsprüfung der großen Vene (Vena saphena magna) am inneren Fuß- und Beinrand einschließlich der Seitenäste. Dazu wird das Bein hochgelagert, bis das Blut aus den Venen abgeflossen ist. Bei der anschließenden, abrupten Senkung des Beins füllen sich die Venen nur dann wieder schnell mit Blut, wenn die Venen krampfaderartig erweitert und die Venenklappen, die den Rückstrom des Blutes verhindern sollen, nicht mehr funktionstüchtig sind. Auch → Varize.


Trendelenburg-Zeichen

Trendelenburg-Zeichen, → Trendelenburg-Hinken


Trennkost

Trennkost, → Hay-Trennkost.


Trepanation

Trepanation, operative Eröffnung des Schädels mit Hilfe eines speziellen Bohrgeräts, dem Trepan, um neurochirurgische Eingriffe am Gehirn vorzunehmen oder als Entlastungstrepanation bei Hirndrucksteigerung.


Treponema

Treponema, gramnegative, anaerobe Stäbchenbakterien, die vor allem im Mund, Magen-Darm-Trakt und im Bereich der Geschlechtsorgane vorkommen; die medizinisch wichtigste Art ist Treponema pallidum, der Erreger der → Syphilis. Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt mit infizierten Personen.


Tretinoin

Tretinoin, → Vitamin-A-Säure.


TRH

TRH, Abk. für →  Thyreotropin-releasing-Hormon.


TRH-Stimulationstest

TRH-Stimulationstest, Schilddrüsenfunktionstest mit Prüfung der TSH-Konzentration (Thyroidea-stimulierendes-Hormon) im Serum vor und 30 Minuten nach Gabe von TRH (Thyreotropin-releasing-Hormon); bei normal funktionierender Schilddrüse steigt die TSH-Konzentration nach TRH-Injektion um mehr als 2,5 mU/l an, bei Schilddrüsenüberfunktion findet sich ein geringerer oder gar kein Anstieg aufgrund der Suppression der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse); bei Schilddrüsenunterfunktion ist bereits die TSH-Konzentration vor Stimulation erhöht.


tri...

tri..., Wortteil mit der Bedeutung drei, dreifach.


Triade

Triade, → Trias (Syndrom), → Trias (Anatomie).


Triage

Triage, Einteilung von Verletzten im Rahmen einer Katastrophe nach der Schwere der Verletzungen, um bei nicht ausreichender medizinischer Versorgung diejenigen Patienten (meist chirurgisch) zu versorgen, bei denen die Überlebenswahrscheinlichkeit durch die Behandlung am größten ist.


Triamteren

Triamteren, kaliumsparendes → Diuretikum.


Trias

Trias, drei gleichzeitig auftretende, für eine Krankheit oder ein → Syndrom charakteristische Symptome, z.B. bei der Reiterkrankheit die Trias aus Arthritis, besonders der Fuß- und Kniegelenke, unspezifische Harnröhrenentzündung und Bindehautentzündung.


Trias

Trias, aus drei unterschiedlichen Teilen bestehende, funktionelle oder strukturelle Baueinheit eines Gewebe oder Organs, z.B. die Glisson-Trias der → Leberläppchen. → Arthritis, juvenile.


Triazolam

Triazolam, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine, der v. a. als Schlafmittel eingesetzt wird.


triceps

triceps, mit drei »Köpfen« versehen (z. B. Muskeln). Auch → Trizeps.


Trichiasis

Trichiasis, Trichosis, einwärts wachsende Augenwimpern mit Scheuern der Wimpern auf der Hornhaut und konsekutiver Hornhaut- und Bindehautentzündung, meist durch ein → Entropium.


Trichinella

Trichinella, Fadenwurmart, die in Mensch und Tier parasitisch lebt, weltweit vorkommt und durch den Verzehr von Fleisch mit eingekapselten Larven übertragen wird. Die Larven entwickeln sich im Darm zu Fadenwürmern, nisten sich in der Darmschleimhaut ein (sog. Darmtrichinen) und bringen wiederum Larven hervor, die über Lymphbahnen und Blutgefäße in das Muskelgewebe einwandern, vom Gewebe eingekapselt werden und über mehrere Jahre überlebensfähig bleiben. Diese Muskeltrichine führen beim Menschen zur → Trichinose. Durch die kontrollierte Fleischbeschau ist die Infektion mit Trichinella in den Industrieländern selten geworden.


Trichinose

Trichinose, Wurmbefall; meldepflichtige Infektionskrankheit mit → Trichinella (spiralis) durch den Verzehr infizierten, ungenügend erhitzten Fleisches; die Trichinen wachsen im Darm zu Fadenwürmern heran und bringen neue Larven hervor, die über Lymph- und Blutgefäße in das Muskelgewebe einwandern und sich einkapseln. Die Fadenwürmer im Darm führen u. a. zu Durchfällen, Leibschmerzen und Erbrechen. Die in das Muskelgewebe eingewanderten Larven verursachen Fieber, Muskelschmerzen und -schwellungen, aber auch schwere allergische Reaktionen mit Atem- und Schluckstörungen, Kreislaufbeteiligung, Ödemen im Bereich des Gesichts (Lidödem), der Hand- und Fußrücken und bei Befall der Zwischenrippen- und Zwerchfellmuskulatur häufig → Myokarditis und Tod. Die Therapie besteht in der Gabe von Thiabendazol oder Mebendazol.


Trichloräthylen

Trichloräthylen, ein Halogenkohlenwasserstoff, der hauptsächlich als Lösungsmittel eingesetzt wird. Trichloräthylen bildet unter der Einwirkung von Hitze und Licht → Phosgen. Beim Einatmen von Trichloräthylen kommt es zu akuten Vergiftungserscheinungen (Rausch, Bewusstseinsverlust). Eine chronische Trichloäthylenexposition kann zu Organschäden hauptsächlich in den Nieren und in der Leber führen.


Trichlormethan

Trichlormethan, → Chloroform.


Trichlormethiazid

Trichlormethiazid, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Thiaziddiuretika.


trich(o)...

trich(o)..., Wortteil mit der Bedeutung Haar(e), Körperbehaarung, haarförmig.


trich...

trich..., tricho..., Wortteil mit der Bedeutung Haar.


Trichogramm

Trichogramm, Untersuchung der Haarwurzeln bei Störungen des Haarwuchses unter Berücksichtigung der einzelnen Stadien der Haarentwicklung. Bei normalem Haarwachstum finden sich rund 80% Anagenhaare (Haare in der Wachstumsphase), rund 1% Katagenhaare (Haare in der Übergangsphase) und bis zu 19% Telogenhaare (Haare in der Ruhephase); Abweichungen von diesem Verhältnis lassen Rückschlüsse auf Haarbildungsstörungen zu, z. B. durch Stoffwechselstörungen oder verschiedene Gifte.


Trichoklasie

Trichoklasie, das Abbrechen von Haaren. Auch → Haarveränderungen.


Trichomonaden

Trichomonaden, → Trichomonas.


Trichomonas

Trichomonas, Trichomonaden, Geißeltierchen, die zum Teil physiologisch in Körperhöhlen vorkommen (z. B. im Darm), zum Teil Krankheitserreger sind. Von medizinischer Bedeutung ist vor allem Trichomonas vaginalis, die zur → Trichomoniasis führt.


Trichomoniasis

Trichomoniasis, sexuell übertragbare Infektionskrankheit durch → Trichomonas vaginalis; bei Männern kommt es zu Entzündungen der Harnblase, der Harnröhre und der Prostata, bei Frauen vor allem zu einer Scheidenentzündung mit eitrigem, schaumigen und übel riechenden Ausfluss und starkem Juckreiz. Die Behandlung schließt grundsätzlich den Partner mit ein, um einen Ping-Pong-Effekt oder eine Weiterverbreitung der Infektion zu vermeiden.


Trichophyt

Trichophyt, Hautpilz, Erreger der → Trichophytie. Auch → Dermatophyt.


Trichophytie

Trichophytie, durch → Trichophyten verursachte Hauterkrankungen, die entweder oberflächlich mit Bildung ringförmiger, entzündlicher Läsionen verlaufen, oder - vor allem im Bereich der Kopf- und Barthaare - in die Tiefe dringen und zu Knoten und Abszessen führen (→ Tinea barbae).


Trichorrhexis

Trichorrhexis, Brüchigkeit der Langhaare mit Aufsplitterungen der Kopf- und Barthaare, entweder durch falsche Haarpflege oder erblich bedingt. Auch → Haarveränderungen.


Trichoschisis

Trichoschisis, das Aufsplittern der Haare. Auch → Haarveränderungen.


Trichosis

Trichosis, → Trichiasis.


Trichosis

Trichosis, Veränderung der Haardichte am Körper. Auch → Hypertrichosis.


Trichosporon

Trichosporon, Gruppe von Sprosspilzen, die u. a. im Bereich des Magen-Darm-Trakts, der Lunge und an Haut und Haaren Erkrankungen hervorrufen.


Trichotillomanie

Trichotillomanie, Zwangskrankheit, bei der das zwanghafte Ausreißen von Haaren im Vordergrund steht.


Trichromasie

Trichromasie, normales → Farbsehen.


Trichterbecken

Trichterbecken, ein trichterförmiges Becken, bei dem der Beckenausgang verengt ist. Ein Trichterbecken bei einer Frau kann eine normale Geburt erschweren oder unmöglich machen.


Trichterbrust

Trichterbrust, bogenförmige Eindellung des (unteren) Brustbeins, meist durch erbliche Fehlbildungen; in seltenen Fällen sind Knochenerkrankungen, z. B. eine Rachitis die Ursache.


Trichuriasis

Trichuriasis, Infektion des Darms mit dem Peitschenwurm → Trichuris trichiura durch Aufnahme von Eiern des Peitschenwurms an rohen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Nach der Aufnahme bilden sich aus den Eiern erwachsene Peitschenwürmer, die sich vorzugsweise im Blind- und Dickdarm ansiedeln. Die Erkrankung verläuft meist ohne Symptome, kann aber (vor allem bei Kindern) bei starkem Befall auch mit Durchfällen, Bauchschmerzen und entzündlichen Prozessen im Dickdarm einhergehen, z. B. einer → Appendizitis.


Trichuris trichiura

Trichuris trichiura, Peitschenwurm, nach der Aufnahme von Wurmeiern parasitisch im Darmtrakt des Menschen lebender Wurm. → Trichuriasis.


Triclosan

Triclosan, desinfizierendes Mittel, das besonders zur Hautreinigung bei Akne eingesetzt wird.


tricuspidalis

tricuspidalis, dreizackig, mit drei Zipfeln versehen; z. B. die Valvula tricuspidalis (Segelklappen im Herz).


Trifluridin

Trifluridin, ein → Virustatikum, das zur lokalen Behandlung von Herpesinfektionen am Auge eingesetzt wird.


Trigeminie

Trigeminie, eine Herzrhythmusstörung mit Extrasystolen, bei der auf eine normale Herzaktion jeweils zwei Extrasystolen folgen.


Trigeminus

Trigeminus, Kurzbezeichnung für den paarig angelegten Trigeminusnerv, der sich noch innerhalb des Schädels im Ganglion trigeminale in drei Endäste aufteilt, den Nervus ophthalmicus, der den Stirn-, Augen- und Nasenbereich sensibel versorgt, den Nervus maxillaris, der den Bereich der Wangenknochen und des Oberkiefers versorgt, und den Nervus mandibularis, der einen Teilbereich des seitlichen Kopfes sowie den gesamten Unterkiefer versorgt. Ein kleinerer, motorischer Anteil des Trigeminus innerviert die Kaumuskulatur.


Trigeminusneuralgie

Trigeminusneuralgie, anfallsartige, oft nur einseitig auftretende Gesichtsschmerzen im Innervationsgebiet der Trigeminusäste, die mit Kontraktionen der Gesichtsmuskulatur, Gesichtsrötung und Tränenfluss verbunden sind und häufig durch äußere Einflüsse (Temperaturwechsel, Niesen, Sprechen) ausgelöst werden. Die idiopathische Trigeminusneuralgie tritt vor allem bei Frauen nach dem 50. Lebensjahr auf und betrifft vor allem die beiden unteren Äste des Trigeminus. Als symptomatische Trigeminusneuralgie wird eine Schmerzsymptomatik im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung bezeichnet. Dazu gehören vor allem Erkrankungen der Augen (z. B. → Glaukom), der Stirn- und Kieferhöhlen sowie der Zähne und des Zahnfleisches. Auch bei Stoffwechselerkrankungen wie dem Diabetes mellitus und bei Vergiftungen kann es zu einer Trigeminusneuralgie kommen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und ist entweder medikamentös (Schmerzmittel) oder chirurgisch. Auch → Gesichtsneuralgie.


Trigger

Trigger, Auslöser, auslösendes Signal; ein Mechanismus (z. B. eine Substanz oder ein Reiz), der einen Vorgang auslöst.


Trigger-Punkt

Trigger-Punkt, ein sog. Reizpunkt, der bei Berührung Schmerzen auslöst.


Triglyceride

Triglyceride, Triglyzeride, Neutralfette, Verbindung von Glycerin und drei Fettsäuren; Triglyceride werden mit der Nahrung aufgenommen, aber auch in Leber, Niere und Herzmuskel gebildet und spielen eine wesentliche Rolle als Energielieferant sowie als Speicherform für Fettsäuren, vor allem bei Nahrungsüberschuss. Die Triglyceride sind Bestandteil der → Blutfette; ihr Gehalt im Blut gibt zusammen mit anderen Lipiden (z. B. Fettsäuren, Cholesterin) Auskunft über Störungen des → Fettstoffwechsels. Auch → Lipide.


Triglyceridlipase

Triglyceridlipase, ein Enzym, das Triglyceride spaltet. Triglyceridlipasen spielen in der Verdauung und im Fettstoffwechsel der Zellen eine wichtige Rolle.


Trigonum

Trigonum, Dreieck; in der Anatomie Bezeichnung für verschiedene Körperregionen, z. B. das Trigonum caroticum, ein Dreieck am Hals in der Region der Karotisarterie, oder das Trigonum inguinale im Bereich des Leistenbandes.


Trijodthyronin

Trijodthyronin, Abk. T3, Schilddrüsenhormon, das vor allem an Eiweiß gebunden in den Schilddrüsenfollikeln gespeichert oder in das Blut abgegeben wird. Wirksam ist nur das freie, ungebundene T3. Im Gegensatz zum → Thyroxin wirkt T3 schneller und stärker.


Trikuspidalklappe

Trikuspidalklappe, Valva tricuspidalis, Valva atrioventricularis dextra, das aus drei Segelklappen bestehende Ventilsystem zwischen dem rechten Herzvorhof und der rechten Herzkammer. Die Trikuspidalklappe öffnet sich mit Beginn der → Diastole, schließt sich in der → Systole und verhindert somit den Rückfluss von Blut aus dem rechten Ventrikel in den rechten Vorhof während der Systole. Auch → Herzklappe, → Herzklappenfehler.


Trikuspidalklappenatresie

Trikuspidalklappenatresie, ein angeborener Herzfehler, bei dem die Trikuspidalklappe nicht oder nur verkümmert angelegt ist und das Foramen ovale zwischen den Vorhöfen nach der Geburt offen bleibt. Relativ häufig treten gleichzeitig noch weitere Fehlbildungen am Herzen auf, z.B. ein → Ventrikelseptumdefekt oder eine → Transposition der großen Arterien. Die betroffenen Kinder fallen durch eine deutliche → Zyanose auf (infolge des Rechts-Links-Shunts). Eine Trikuspidalklappenatresie muss operativ korrigiert werden.


Trikuspidalklappeninsuffizienz

Trikuspidalklappeninsuffizienz, mangelhafter Schluss der → Trikuspidalklappe. Eine Trikuspidalklappeninsuffizienz ist selten angeboren; viel häufiger tritt sie als Folge anderer Grunderkrankungen auf, z. B. nach rheumatischen oder bakteriellen Erkrankungen, v. a. aber bei ständiger Überlastung des rechten Herzens. Durch eine chronische Rechtsherzüberlastung wird der Klappenring der Trikuspidalklappe geweitet, so dass sie nicht mehr dicht schließt und das Blut aus der rechten Herzkammer in den rechten Vorhof zurückfließt, was zu Stauungen in den Hohlvenen und der Leber sowie zu einem → Lungenödem führt. Die Behandlung besteht in einer operativen Korrektur. Auch → Herzklappenfehler.


Trikuspidalinsuffizienz

Trikuspidalinsuffizienz, Trikuspidalklappeninsuffizienz, mangelhafter Schluss der → Trikuspidalklappe. Eine Trikuspidalinsuffizienz ist selten angeboren; viel häufiger tritt sie als Folge anderer Grunderkrankungen auf, z. B. nach rheumatischen oder bakteriellen Erkrankungen, vor allem aber bei ständiger Überlastung des rechten Herzens. Durch eine chronische Rechtsherzüberlastung wird der Klappenring der Trikuspidalklappe geweitet, sodass sie nicht mehr dicht schließt und das Blut aus der rechten Herzkammer in den rechten Vorhof zurückfließt und zu Stauungen in den Hohlvenen und der Leber sowie zu einem → Lungenödem führt. Die Behandlung besteht in einer operativen Korrektur. Auch → Herzklappenfehler.


Trikuspidalstenose

Trikuspidalstenose, Trikuspidalklappenstenose, Verengung der → Trikuspidalklappe, meist nach rheumatischen oder bakteriellen Erkrankungen des Herzens (Endokarditis). Durch die Verengung des Durchgangs vom rechten Vorhof zur rechten Herzkammer kommt es zum Rückstau von Blut in die Hohlvenen, einer Vergrößerung des rechten Vorhofs, Leberstauungen, → Ödem, → Aszites und Atemnot bei Belastung. Auch → Herzklappenfehler.


Trimenon

Trimenon, Zeitraum von drei Monaten; eine Schwangerschaft wird in ein erstes, zweites und drittes Trimenon eingeteilt.


Trimethoprim

Trimethoprim, in den Stoffwechsel von Bakterien eingreifender, die Vermehrung hemmender Wirkstoff, der oft in Verbindung mit dem Sulfonamid Sulfamethoxazol gegeben wird, da die Erreger gegen Trimethoprim allein schnell unempfindlich werden. Auch → Cotrimoxazol.


Trimipramin

Trimipramin, ein Wirkstoff aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva mit beruhigenden Eigenschaften.


Trinkkur

Trinkkur, Trinken von Heil- oder Mineralwässern im Rahmen einer Kur zur Entschlackung des Körpers und Verbesserung des Stoffwechsels, besonders bei Leber-, Nieren- und Blasenerkrankungen.


Trinkschwäche

Trinkschwäche, schwache oder fehlende Saug- und Schluckreflexe beim Neugeborenen, z. B. durch eine bei der Geburt erworbene Schädigungen des Zentralnervensystems oder durch Infektionen. Auch wenn die Mutter während der Stillzeit Medikamente einnimmt, kann es zu einer Trinkschwäche kommen.


Trinkwasserfluoridierung

Trinkwasserfluoridierung, Zusatz von Fluor zum Trinkwasser, eine in einigen Ländern durchgeführte Maßnahme zur → Kariesprophylaxe.


Trinkwasserverordnung

Trinkwasserverordnung, im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes festgelegte Vorschriften zur Qualitätssicherung des Trinkwassers, z. B. die hygienischen Bedingungen der Wassergewinnung, -versorgung und -aufbereitung, um sicherzustellen, dass durch Trinkwasser keine Schäden, insbesondere keine durch Mikroorganismen bedingten Erkrankungen auftreten.


Trip

Trip, Rauschzustand nach dem Genuss von halluzinogenen Rauschgiften, z. B. LSD.


tripel...

tripel..., Wortteil mit der Bedeutung dreifach.


Tripelanastomose

Tripelanastomose, dreifache Verbindung von Aorta und Herzkranzgefäßen im Rahmen einer aortokoronaren Bypass-Operation bei mehrfachem Verschluss der Herzkranzgefäße. Auch → Bypass.


Tripelarthrodese

Tripelarthrodese, die Versteifung der drei Gelenke, die an der Bildung des Fußgelenks beteiligt sind, z. B. bei schmerzhaften Arthrosen.


Tripel-Diagnostik

Tripel-Diagnostik, im weiteren Sinn eine Untersuchung unter Einbeziehung von drei Kerngrößen. Im engeren Sinn: 1. die Berücksichtigung der klinischen Untersuchung, der → Mammografie und der feingeweblichen Untersuchung bei der Diagnose eines bösartigen Tumors der weiblichen Brust. 2. die Untersuchung des ungeborenen Kindes in Bezug auf Fehlbildungen des Neuralrohrs. Dazu werden die im Blutserum der Schwangeren enthaltenen Substanzen Alphafetoprotein (AFP), Humanchoriongonadotropin (HCG) und Östriol bestimmt.


Tripelvakzin

Tripelvakzin, Kombination von drei verschiedenen Impfstoffen in einem Präparat, z. B. für die gleichzeitige Impfung gegen Diphtherie, Poliomyelitis und Tetanus (DPT). Auch → Dreifachimpfung.


Tripeptid

Tripeptid, Verbindung aus drei → Aminosäuren.


Triplegie

Triplegie, gleichzeitige Lähmung von drei Gliedmaßen. Auch → Paraplegie.


Triple-X-Syndrom

Triple-X-Syndrom, eine → Trisomie, bei der in jeder Körperzelle das weibliche Geschlechtschromosom X dreifach vorliegt. Die betroffenen Frauen weisen oft gar keine Auffälligkeiten auf,es können aber auch verminderte Intelligenz, Unterentwicklung der Geschlechtsdrüsen mit herabgesetzter Fruchtbarkeit, Verhaltensstörungen und psychiatrische Erkrankungen auftreten.


Tripper

Tripper, umgangssprachliche Bezeichnung für → Gonorrhö.


Triptorelin

Triptorelin, ein synthetisch hergestelltes Gonadotropin-Releasing-Hormon. Triptorelin wird in der Fortpflanzungsmedizin zur Regulierung des Hormonstoffwechsels eingesetzt.


Trismus

Trismus, tonischer Krampf der Kaumuskulatur in Verbindung mit eingeschränkter Mundöffnung (Kieferklemme), z. B. bei Kälte, als Folge einer Allgemeinerkrankung wie Tetanus, bei entzündlichen Prozessen im Bereich des Kiefergelenks oder nach dem Genuss von → Ecstasy.


Trisomie

Trisomie, → Chromosomenaberration, bei der neben dem normalen zweifachen (diploiden) Chromosomensatz eines oder mehrere Chromosomen dreifach vorhanden sind. Diese Veränderungen kommen durch eine fehlerhafte Reifeteilung der Eizelle oder des Spermiums zu Stande: Es entstehen Keimzellen, die ein Chromosom doppelt besitzen, und Keimzellen, die das entsprechende Chromosom nicht besitzen. Nach der Verschmelzung einer Keimzelle mit überzähligem Chromosom und einer Keimzelle mit normalem (haploiden) Chromosomensatz liegen drei Chromosomen einer Art vor. Je nachdem, welches Chromosom von der Trisomie betroffen ist, entstehen unterschiedliche → Trisomiesyndrome.


Trisomie 13

Trisomie 13, → Patau-Syndrom.


Trisomie 18

Trisomie 18, → Edwards-Syndrom.


Trisomie 21

Trisomie 21, → Down-Syndrom.


Trisomie 47

Trisomie 47, → Klinefelter-Syndrom.


Trisomiesyndrom

Trisomiesyndrom, durch eine Trisomie (drei gleiche Chromosomen im Erbgut) verursachte Auffälligkeiten bzw. Symptome; Trisomien, die ein Autosom betreffen, führen meist früh zum Fruchttod. Die wichtigsten Trisomien von Neugeborenen sind die Trisomie 21 (→ Down-Syndrom), die Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) und die Trisomie 13 (Patau-Syndrom). Eine Gonosomentrisomie besteht beim → Klinefelter-Syndrom mit zwei weiblichen und einem männlichen Geschlechtschromosom (XXY).


Tris-Puffer

Tris-Puffer, → Trometamol.


Tritanomalie

Tritanomalie, eine seltene Form angeborener Farbenfehlsichtigkeit, bei der die Empfindung für die Farbe Blau herabgesetzt ist.


Tritanopie

Tritanopie, eine Form der Farbenfehlsichtigkeit, bei der die Farbe Blau nicht wahrgenommen werden kann (Blaublindheit).


trivalvulär

trivalvulär, mit drei Klappen ausgestattet.


Trizeps

Trizeps, Kurzform für Musculus triceps, einen dreigeteilten (dreiköpfigen) Muskel. Der Musculus triceps brachii liegt an der Rückseite des Oberarms und ist mit seinen unterschiedlichen Anteilen für die Streckung des Unterarms sowie für das Rückheben des Oberarmes verantwortlich. Der Musculus triceps surae liegt in der Wade und beugt den Fuß im oberen Sprunggelenk zur Fußsohle hin.


Trizepssehnenreflex

Trizepssehnenreflex, Abk. TSR, Muskeldehnungsreflex, der durch einen leichten Schlag auf die Sehne des Musculus triceps brachii oberhalb des Olecranon (Ellenbogenspitze) ausgelöst wird. Dabei ist der Oberarm abgewinkelt, der Unterarm angewinkelt. Bei normalem Trizepssehnenreflex streckt sich das Ellenbogengelenk reflektorisch. Da dieser → Eigenreflex über Segmente des Rückenmarks C6, C7, C8 sowie Th1 gesteuert wird, dient der Trizepssehnenreflex zu ihrer Überprüfung.


TRK

TRK, Abk. für technische Richtkonzentration; Grenzwerte für die Konzentrationen schädlicher (z. B. krebserzeugender) Arbeitsstoffe, z. B. Gase, Dämpfe und Schwebstoffe, die noch nicht durch unbedenkliche ersetzt werden können. Auch →  Arbeitsplatzkonzentration, maximale.


t-RNS, t-RNA

t-RNS, t-RNA, Transfer-Ribonucleinsäure, → Ribonucleinsäure, die bei der → Proteinbiosynthese jeweils eine Aminosäure überträgt. Für jede benötigte Aminosäure gibt es mindestens eine eigene t-RNS. Die t-RNS-Moleküle sind charakteristischerweise kleeblattförmig strukturiert. Eine bestimmte Region auf dem Kleeblatt, die Matrizen-Erkennungsregion (Anticodon), gewährleistet, dass die Aminosäuren an den Ribosomen nur entsprechend der vorgegebenen mRNA-Codes zusammengebaut werden können. Die "Basensprache" geht in eine "Aminosäuresprache" über (→ Translation).


Trochanter

Trochanter, Rollhügel;, zwei knöcherne Ausbuchtungen am oberen Ende des Oberschenkelknochens unterhalb des Hüftkopfs, Trochanter maior und Trochanter minor. An den beiden Trochanteren setzen verschiedene Muskeln an.


Trochlea

Trochlea, ein walzen- oder rollenförmiges Gebilde. In der Anatomie werden verschiedene Strukturen mit dem Begriff Trochlea bezeichnet, z. B. die Trochlea humeri, eine walzenförmige Knochenstruktur am unteren Ende des Oberarmknochens, die mit der Elle in Verbindung steht.


Trochlearislähmung

Trochlearislähmung, Lähmung des vom Nervus trochlearis (IV. Hirnnerv) versorgten Augenmuskels (Musculus obliquus superior), der mit einwärts und aufwärts gerichteten Augenstand und schrägen Doppelbildern einhergeht, z. B. aufgrund einer direkten Nervenschädigung durch Trauma oder bei Erkrankungen im Bereich der Schädelbasis oder des Hirnstamms.


Trochlearisnerv

Trochlearisnerv, der IV. Hirnnerv, welcher den Musculus obliquus superior im Auge versorgt. Bei einer Schädigung des Trochlearisnervs kann es zur → Trochlearislähmung kommen.


Trockenblutmuster-Test

Trockenblutmuster-Test, ein komplementärmedizinisches Diagnoseverfahren, bei dem ein Tropfen Blut auf einem Objektträger getrocknet wird. Das entstehende Muster soll Hinweise auf das Vorliegen eines Tumors geben. Der Trockenblutmuster-Test ist wissenschaftlich nicht haltbar.


Trockenbürsten

Trockenbürsten, Bürsten der trockenen Haut zur stärkeren Durchblutung und Massage der Haut und der oberen Muskelschichten.


Trockeneis

Trockeneis, Kohlensäureschnee, feste, weißliche Substanz, die bei etwa minus 70°C aus Kohlendioxid entsteht und zur Kältebehandlung verschiedener Hauterkrankungen genutzt wird, z. B. bei → Hämangiomen.


Trockengewicht

Trockengewicht, → Trockensubstanz.


Trockenmilch

Trockenmilch, aus Voll- oder Magermilch hergestellte, pulverförmige Milchkonserve (Milchpulver), die mit Wasser wieder eine milchähnliche Flüssigkeit ergibt. Bei der Ernährung von Säuglingen mit Trockenmilch ist darauf zu achten, dass beim Ansetzen der Milch ausreichend Flüssigkeit verwendet wird, damit es nicht zum sog. Trockenmilchfieber aufgrund zu geringer Flüssigkeitszufuhr kommt.


Trockensubstanz

Trockensubstanz, Trockengewicht, Trockenmasse, Substanzmenge, die nach Entzug des gesamten, nicht chemisch gebundenen Wassers durch Trocknen oder Verdampfen zurückbleibt. Der Begriff wird vor allem in der Lebensmitteltechnik verwendet.


Tromantadin

Tromantadin, ein Virustatikum, das zur lokalen Behandlung einer Infektion mit Herpes simplex eingesetzt wird.


Trometamol

Trometamol, Tris-Puffer, eine organische Aminbase, die im Organismus Kohlensäure neutralisieren kann. Intravenöse Infusionen mit Trometamol werden zur Behandlung von schweren → Azidosen verabreicht.


Trommelbauch

Trommelbauch, die umgangssprachliche Bezeichnung für einen Bauch, der infolge starker Gasbildung im Darm gebläht ist.


Trommelfell

Trommelfell, sehnige, leicht trichterförmige Membran, die den äußeren Gehörgang von der Paukenhöhle trennt. Das Trommelfell ist Teil des → Schallleitungsapparats und überträgt die akustischen Schwingungen auf die Gehörknöchelchen.


Trommelfellentzündung

Trommelfellentzündung, die Entzündung des Trommelfells mit Rötung und Schwellung. Eine Trommelfellentzündung kommt selten isoliert vor, meistens tritt sie im Rahmen einer Ohrenentzündung (Otitis externa oder Otitis media) auf.


Trommelfellinzision

Trommelfellinzision, → Parazentese.


Trommelfellperforation

Trommelfellperforation, Defekt des zentralen Trommelfells mit kleiner rundlicher oder nierenförmiger Öffnung, z. B. bei akuter oder chronischer Mittelohrentzündung, der mit Schallleitungsschwerhörigkeit und eitrig-blutigem Ausfluss aus dem Ohr einhergeht, jedoch meist ohne Schmerzen. Die Therapie besteht in der Behandlung der Mittelohrentzündung sowie gegebenenfalls in der Wiederherstellung des Trommelfells (Tympanoplastik). Auch → Trommelfellruptur.


Trommelfellreflex

Trommelfellreflex, ein bei der Otoskopie (Ohrenspiegelung) sichtbarer Lichtreflex auf dem Trommelfell (vorderer unterer Quadrant). Der Trommelfellreflex ist typisch für ein gesundes T.; sein Verschwinden kann auf eine Erkrankung des Trommelfells hindeuten.


Trommelfellruptur

Trommelfellruptur, Trommelfellriss vor allem durch Fremdkörper von außen oder ein sog. Barotrauma, bei dem starke Luftdruckänderungen das Trommelfell schädigen (z. B. bei Detonationen, bei fehlendem Druckausgleich während des Fliegens oder Tauchens oder durch einen Schlag auf das Ohr). Nach einer Trommelfellruptur können leichte Blutungen, Schmerzen sowie eine Schallleitungsschwerhörigkeit auftreten. Auch → Trommelfellperforation.


Trommelschlegelfinger

Trommelschlegelfinger, kolbenförmige Auftreibung der Fingerendglieder, oft mit Verdickung der Weichteile und sog. → Uhrglasnägeln, meist infolge einer langfristigen Minderversorgung mit Sauerstoff, z. B. im Rahmen eines angeborenen Herzfehlers oder eines Lungenemphysems.


Trömner-Reflex

Trömner-Reflex, ein Muskeleigenreflex, der durch leichte, rasche Schläge des Untersuchers gegen die Fingerbeeren des Patienten ausgelöst wird. Bei einer normalen Funktion des Medianusnervs und des Ulnarisnervs sowie der Cervikalsegmente C7 und C8 ist eine leichte Beugung der Finger des Patienten zu beobachten.


Tropaeolum majus

Tropaeolum majus, → Kapuzinerkresse.


Tropenkrankheit

Tropenkrankheit, Krankheit, die hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gebieten der Erde vorkommt, weil die Erreger der Tropenkrankheiten oder deren Überträger nur in wärmeren Gebieten überlebensfähig sind. Auch soziale und hygienische Verhältnisse spielen eine Rolle, z. B. Mangelernährung oder Düngung mit Exkrementen. Unter Umständen können Tropenkrankheiten aber auch in gemäßigten Klimazonen auftreten, z. B. Flughafenmalaria. Zu den häufigsten Tropenkrankheiten gehören → Malaria, → Gelbfieber, → Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) und verschiedene → Filariosen. Auch → Tropenmedizin.


Tropenmedizin

Tropenmedizin, Teilgebiet der Medizin, Lehre von den → Tropenkrankheiten, vor allem tropische Parasitologie und Tropenhygiene.


tropenmedizinisches Institut

tropenmedizinisches Institut, Einrichtung, die häufig einer Hochschule angehört und sich mit der Erforschung und Behandlung von Krankheiten beschäftigt, die besonders in tropischen Gebieten verbreitet sind. In tropenmedizinischen Instituten können sich Reisende über krankheitsvorbeugende Maßnahmen für bestimmte Länder informieren. Auch → Malariaprophylaxe.


Tropf

Tropf, umgangssprachliche Bezeichnung für eine Dauertropfinfusion. Auch → Infusion.


Tröpfcheninfektion

Tröpfcheninfektion, unmittelbare Übertragung von Krankheitserregern über feine Speichel- und Schleimtröpfchen von einer infizierten Person auf eine andere, z. B. beim Sprechen, Husten und Niesen. Grippe, Keuchhusten, Masern und Tuberkulose werden beispielsweise durch Tröpfcheninfektion übertragen.


Tropfen

Tropfen, Arzneimittelzubereitung in flüssiger Form (z.B. Augentropfen).


Tropfen

Tropfen, → dicker Tropfen.


Tropfenherz

Tropfenherz, eine Herzform, bei der das Herz vertikal in der Mittellinie des Thorax gelegen ist. Die Diagnose eines Tropfenherzens wird mit einem Röntgenbild gestellt (Thoraxaufnahme). Ein Tropfenherz kann z. B. bei einem starken Tiefstand des Zwerchfells infolge einer Überblähung der Lunge bei Lungenemphysem auftreten.


troph...

troph..., Wortteil mit der Bedeutung Ernährung, Nahrung.


Trophik

Trophik, Ernährungszustand eines Gewebes, Organs oder des gesamten Organismus, der auch die Funktion und das Wachstum beeinflusst.


trophisch

trophisch, die Ernährung betreffend. Auch → Trophik.


Trophoblast

Trophoblast, äußerste Zellschicht der sog. Blastozyste, einem frühen Entwicklungsstadium des Embryos. Der Trophoblast gräbt sich bei der Einnistung in die Schleimhaut der Gebärmutter ein und teilt sich in den sog. Synzytiotrophoblasten und den Zytotrophoblasten.


Trophoblasttumor

Trophoblasttumor, ein Tumor, der aus dem Trophoblast (d. h. der Plazenta) hervorgeht (z. B. Blasenmole oder Chorionephitheliom). Im weiteren Sinn werden mit dem Begriff Trophoblasttumor auch Keimzelltumoren bezeichnet.


Tropicamid

Tropicamid, ein Wirkstoff, der in der Augenheilkunde als pupillenerweiterndes Mittel eingesetzt wird.


tropisch

tropisch, in den Tropen vorkommend.


Tropisetron

Tropisetron, eine Substanz, die als Antagonist bestimmter Serotoninrezeptoren wirkt und zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird (z. B. nach Operationen oder bei einer Zytostatikatherapie).


Troponin

Troponin, ein Protein, das in den Filamenten der quer gestreiften Muskulatur enthalten ist. Troponin besteht aus drei Untereinheiten; jede dieser Einheiten ist für eine bestimmte Reaktion im Prozess der Muskelkontraktion verantwortlich.


...trop

...trop, ...tropie, Wortteil mit der Bedeutung auf etwas wirkend; z. B. glandotrop, die Bezeichnung für Hypophysenhormone, die auf verschiedene Drüsen (Glandulae) einwirken.


Trospiumchlorid

Trospiumchlorid, ein Wirkstoff, der als krampflösendes Mittel eingesetzt wird.


Trotzalter

Trotzalter, Trotzphase, Phase in der psychosozialen kindlichen Entwicklung zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr, in der das Kind seine Fähigkeit zur eigenen Willensbildung erkennt und versucht, diesen Willen auch durchzusetzen. Die oft als zweite Trotzphase bezeichnete Zeit zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr eines Kindes zeichnet sich durch ähnliche Protesthaltungen aus und hat Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zum Ziel. Auch → Pubertät.


Trousseau-Zeichen

Trousseau-Zeichen, eine typische Handstellung (sog. Pfötchenstellung) bei einer → Tetanie: Die Hand ist im Handgelenk gebeugt, die Finger sind im Grundgelenk ebenfalls gebeugt und in den Fingergliedern gestreckt. Das Trousseau-Zeichen wird durch tonische Spasmen der Muskulatur ausgelöst.


Troxerutin

Troxerutin, ein Wirkstoff, der die Durchlässigkeit von kapillären Gefäßwänden stabilisiert. Troxerutin wird in erster Linie zur Behandlung von venösen Durchblutungsstörungen und Krampfadern eingesetzt.


Trümmerfraktur

Trümmerfraktur, Knochenbruch infolge breitflächiger Gewalteinwirkung, durch die der Knochen in mehr als sechs Teilstücke zerbrochen ist. Auch → Fraktur.


Truncus

Truncus, Rumpf, Stamm, auch Gefäß-, Lymph- oder Nervenstamm, z. B. Truncus pulmonalis, der erste Abschnitt der Lungenarterie, der sich in die rechte und linke Arteria pulmonalis aufzweigt.


Trunksucht

Trunksucht, → Alkoholkrankheit.


Trypanosoma

Trypanosoma, Urtierchen (→ Protozoen), die zu den sog. Flagellaten oder Geißeltierchen gehören, da sie sich außerhalb von Zellen mit einer Geißel fortbewegen. Zu den Trypanosomen, die bei Menschen zu Erkrankungen führen, gehören Trypanosoma brucei gambiense und rhodesiense (Erreger der Schlafkrankheit) und Trypanosoma cruzi (Erreger der Chagas-Krankheit).


Trypanosomiasis

Trypanosomiasis, Schlafkrankheit, durch Trypanosoma brucei gambiense (Westafrika) bzw. rhodesiense (Ostafrika) hervorgerufene Infektionskrankheit, die durch die → Tsetsefliege auf den Menschen übertragen wird. Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen entwickeln sich in einer ersten Phase wiederholte Fieberschübe, Lymphknotenschwellungen sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Während der zweiten Phase Monate oder Jahre nach der Erstinfektion dringen die Erreger über Blut- und Lymphbahnen in das Zentralnervensystem ein und rufen die typischen Symptome der Schlafkrankheit hervor: Entzündung des Zentralnervensystems und der umgebenden Teile (→ Meningoenzephalitis, → Meningomyelitis), Schlafsucht oder Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen sowie Empfindungs- und Bewegungsstörungen. Die ostafrikanische Form verläuft aggressiver als die westafrikanische und betrifft früher das Herz (→ Myokarditis). Die auf Südamerika beschränkte Trypanosomiasis wird durch eine andere Trypanosomenart (Trypanosoma cruzi) verursacht und als → Chagas-Krankheit bezeichnet.


Trypsin

Trypsin, Verdauungsenzym, das im Pankreas aus Trypsinogen gebildet wird und Proteine im Dünndarm spaltet.


Tryptophan

Tryptophan, essenzielle Aminosäure, die am Stoffwechsel der Vitamine B 1, B 2 und B 6 beteiligt ist; Ausgangssubstanz für verschiedene Stoffwechselprodukte (z. B. Serotonin, Melatonin).


Tsetsefliege

Tsetsefliege, Gruppe echter Fliegen, die im tropischen Afrika vorkommen; Blut saugende Insekten, die durch ihre Stiche Krankheiten übertragen, vor allem die afrikanische → Trypanosomiasis (Schlafkrankheit).


TSH

TSH, Abk. für →  Thyreoidea-stimulierendes Hormon.


TSH-Stimulations-Test

TSH-Stimulations-Test, Untersuchung zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion. Dabei wird nach der Gabe von Thyreotropin die Aufnahme von radioaktiv markiertem Jod in die Schilddrüse kontrolliert. Die Stärke der Jodaufnahme gibt Auskunft über verschiedene Formen der → Hypothyreose.


TSR

TSR, Abk. für → Trizepssehnenreflex.


TSS

TSS, Abk. für toxisches → Schocksyndrom.


TTS

TTS, Abk. für transdermales therapeutisches System, eine spezielle Medikamentenzubereitung zur transdermalen (durch die Haut durch) Gabe von Wirksubstanzen: Ein Pflaster, welches das Arzneimittel enthält, wird auf die Haut geklebt; danach diffundiert der Wirkstoff über mehrere Stunden oder Tage über die Haut in den Körper. U. a. werden Hormone oder Nikotinpräparate zur Raucherentwöhnung mithilfe von TTS verabreicht.


Tuba

Tuba, Tube, Trompete, röhrenförmiges Gebilde; im engeren Sinn unterscheidet man die Tuba auditiva, die das Mittelohr und den Nasen-Rachen-Raum verbindende → Ohrtrompete, und die Tuba uterina (der → Eileiter).


Tubargravidität

Tubargravidität, Tubenschwangerschaft, Eileiterschwangerschaft, die Einnistung der befruchteten Eizelle im Eileiter; in den ersten vier Wochen der Tubargravidität treten periodisch einseitige Schmerzen auf. Unabhängig davon, in welchem Teil des Eileiters sich die Eizelle einnistet, kommt es bei zunehmendem Wachstum zu gefährlichen Komplikationen. Entweder wird die Frucht in die freie Bauchhöhle ausgestoßen (Tubarabort) oder es kommt zu einem Riss des Eileiters (→ Tubenruptur) mit heftigen Schmerzen und starken, zum Teil lebensbedrohlichen Blutungen in die Bauchhöhle. Die Therapie besteht in einer (nach Möglichkeit den Eileiter erhaltenden) Operation.


Tubarruptur

Tubarruptur, → Tubenruptur.


tubar..., tubär...

tubar..., tubär..., die Tube betreffend, zur Tube gehörend.


Tube

Tube, → Eileiter.


Tubendurchblasung

Tubendurchblasung, → Pertubation.


Tubenentzündung

Tubenentzündung, → Salpingitis.


Tubenkatarrh

Tubenkatarrh, → Salpingitis.


Tubenkatarrh

Tubenkatarrh, Verschluss der Ohrtrompete durch Anschwellung der Schleimhaut infolge einer aus dem Nasen-Rachen-Raum fortgeleiteten Entzündung mit Druckgefühl im Ohr, Schmerzen und unter Umständen Schwerhörigkeit. Auch → Otitis media.


Tubenligatur

Tubenligatur, operative Unterbindung der Eileiter durch Metall- oder Plastikklemmen im Rahmen einer → Sterilisation der Frau. Auch → Tubensterilisation.


Tubenruptur

Tubenruptur, Tubarruptur, Zerreißen der Eileiterwand durch einen sich ausdehnenden Prozess innerhalb des Eileiters, z. B. bei einem Verschluss des Eileiters im Rahmen einer Entzündung (Salpingitis) oder durch die Einnistung einer befruchteten, wachsenden Eizelle (→ Tubargravidität). Eine Tubenruptur führt zu starken, lebensbedrohlichen Blutungen in die freie Bauchhöhle, einer Reizung des Bauchfells, starken Bauchschmerzen, Schock und Blutarmut. Die Behandlung besteht in einer sofortigen Operation.


Tubenschwangerschaft

Tubenschwangerschaft, → Tubargravidität.


Tubensterilisation

Tubensterilisation, Sterilisation der Frau durch einen Eingriff an den Eileitern, entweder als → Tubenligatur, operative Durchtrennung, vollständige Entfernung (Salpingektomie) oder Fimbriektomie, bei der neben der Unterbindung der freien Eileiterenden auch die Flimmerhaare der Eileiter entfernt werden. Auch → Sterilisation.


Tuber

Tuber, Höcker, Vorsprung, in der Anatomie Bezeichnung für verschiedene Strukturen, z. B. den Tuber ischiadicum, den Sitzbeinhöcker, oder den Tuber frontale, den Stirnhöcker.


Tuberculin

Tuberculin, Tuberkulin, Flüssigkeit, die Zerfalls- und Stoffwechselprodukte der Tuberkelbakterien enthält; bei einer an Tuberkulose erkrankten oder gegen Tuberkulose geimpften Person kommt es nach Tuberculininjektion unter die Haut zu einer typischen immunologischen Reaktion an der Injektionsstelle mit Schwellung, Rötung und Verhärtung. Diese Reaktion wird beim Tuberculin-Test (z. B. Tuberculin-Pflasterprobe) zum Nachweis tuberkulöser Prozesse im Körper genutzt.


Tuberculin-Pflasterprobe

Tuberculin-Pflasterprobe, Aufbringen eines Hautpflasters mit kleinen, → Tuberculin enthaltenden Salbenstücken; das Pflaster verbleibt für 48 Stunden auf der Haut. Bei an Tuberkulose erkrankten oder gegen Tuberkulose geimpften Personen zeigen sich 72 Stunden nach Aufbringen des Pflasters deutlich erhabene, rote Knötchen (→ Tuberculin-Reaktion). Die Tuberculin-Pflasterprobe dient dem Nachweis von tuberkulösen Prozessen im Körper.


Tuberculin-Reaktion

Tuberculin-Reaktion, Hautreaktion nach der Gabe von → Tuberculin bei Personen, die entweder an Tuberkulose erkrankt oder gegen Tuberkulose geimpft sind. Das Tuberculin ruft eine zellvermittelte Überempfindlichkeitsreaktion vom verzögerten Typ hervor, die sich in Rötung und Schwellung der jeweiligen Hautregion mit örtlicher Infiltratbildung äußert. Die Tuberculin-Reaktion beginnt etwa 24 Stunden nach der Tuberculingabe und erreicht nach insgesamt 48-72 Stunden ihre stärkste Ausprägung. Unter Umständen kann es zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Fieber kommen.


Tuberculin-Test

Tuberculin-Test, → Mantoux-Probe, → Tuberculin-Pflasterprobe.


Tuberculosis cutis

Tuberculosis cutis, die → Tuberkulose der Haut. Ein Befall der Haut mit Tuberkulosebakterien kann sehr unterschiedliche Hautveränderungen zur Folge haben, z. B. Geschwürbildungen der Schleimhäute, Papeln, blaurote und einschmelzende Knoten (Skrofuloderm), Verhornungsstörungen oder warzenförmige Veränderungen. Die Behandlung besteht in der Gabe von Tuberkulostatika.


Tuberculostaticum

Tuberculostaticum, → Tuberkulostatikum.


Tuberculum

Tuberculum, Hautknötchen.


Tuberculum

Tuberculum, Knoten, z.B. ein Hautknötchen oder ein Höcker am Knochen, z.B. Tuberculum majus und Tuberculum minus des Oberarmknochens.


Tuberkel

Tuberkel, → Tuberculum (Haut), → Tuberculm (Knochen).


Tuberkel

Tuberkel, Knötchenförmige Veränderung eines Gewebes, meist im Rahmen einer Granulomatose; im engeren Sinn knötchenförmige Geschwulst als örtliche Reaktion auf Tuberkelbakterien, die diese Bakterien einkapselt (→ Tuberkulose).


Tuberkelbakterium

Tuberkelbakterium, → Mycobacterium tuberculosis.


Tuberkulin

Tuberkulin, → Tuberculin.


Tuberkulin-Test

Tuberkulin-Test, → Mantoux-Probe, → Tuberculin-Pflasterprobe.


Tuberkulom

Tuberkulom, ein Granulom im Rahmen einer Tuberkulose.


Tuberkulom

Tuberkulom, ein Rundherd in der Lunge, der im Röngenbild nachgewiesen werden kann und der Ausdruck einer → Tuberkulose ist (oft mit Verkalkung).


tuberkulös

tuberkulös, die Tuberkulose betreffend, mit der Tuberkulose zusammenhängend; an Tuberkulose leidend.


Tuberkulose

Tuberkulose, Abk. Tb, Tbc, Tbk, meldepflichtige, weltweit verbreitete Infektionskrankheit durch Tröpfcheninfektion mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis; eine Tuberkulose betrifft vor allem die Lunge, kann aber grundsätzlich alle Organe befallen. Typischerweise verläuft eine Tuberkulose chronisch und geht mit der Bildung kleiner Knötchen aus Epitheloid- und Riesenzellen im Gewebe einher, den Tuberkeln, die im Zentrum einschmelzen (sog. tuberkulöser Käse). Von der Eintrittsstelle werden die Erreger über Blut- und Lymphgefäße und den Bronchialbaum gestreut. Den ersten Tuberkel in der Lunge bezeichnet man als Primärherd. Von dort aus gelangen die Erreger in die umliegenden Lymphknoten, die ebenfalls einschmelzen. Diese Veränderungen werden als tuberkulöser Primärkomplex bezeichnet. In diesem Stadium kommt es zu allgemeinem Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Husten, Kopf- und Brustschmerzen. Man unterscheidet zwischen einer offenen (mit Aushusten von Tuberkelbakterien) und einer geschlossenen Form. Unter günstigen Umständen (guter Ernährungszustand, normal arbeitendes Immunsystem usw.) heilt die Erkrankung spontan ab; es kann aber auch nach mehreren Jahren noch zu einer Verbreitung der Tuberkelbakterien in andere Organe kommen. Je nach Lage des Primärherdes unterscheidet man eine Darm-, Nieren- oder Knochentuberkulose. Die Behandlung besteht in der Gabe von → Tuberkulostatika über mindestens sechs Monate. Eine Schutzimpfung (→ BCG-Impfung) ist grundsätzlich möglich, wird aber nur noch bei gesteigertem Infektionsrisiko empfohlen.


Tuberkulose-Schutzimpfung

Tuberkulose-Schutzimpfung, → BCG-Impfung.


Tuberkulostatikum

Tuberkulostatikum, Antituberkulotikum, Medikamente zur Behandlung der Tuberkulose, die Tuberkelbazillen in ihrem Wachstum hemmen bzw. abtöten. Zu den Tuberkulostatika, die immer kombiniert über mindestens ein halbes Jahr gegeben werden gehören u. a. Ethambutol, Rifampicin, Streptomycin und Isoniazid.


Tuberositas

Tuberositas, eine raue Stelle, oft auch eine Erhebung auf einem Knochen, an der in der Regel ein Muskel ansetzt.


Tuboovarialabszess

Tuboovarialabszess, ein Abszess, der sich vom Eierstock in den Eileiter oder vom Eileiter auf den Eierstock ausbreitet. Ein Tuboovarialabszess kann bei schweren gynäkologischen Infektionen entstehen.


tubulär

tubulär, röhrenförmig, einen → Tubulus betreffend.


Tubulopathie

Tubulopathie, eine Störung der tubulären Funktion der Niere, ohne dass die Filtration im Glomerulum beeinträchtigt ist.


Tubulus

Tubulus, Röhrchen, Kanälchen; Bezeichnung für kleine, röhrenförmige Zell- oder Gewebestrukturen, z. B. für den → Nierentubulus.


Tubulusnephrose

Tubulusnephrose, Erkrankung der Nieren mit Schädigung der Nierentubuli, z. B. durch Substanzen wie Kalk oder Sulfonamide, die sich an den Innenwänden der Nierentubuli ablagern, oder durch verminderte Sauerstoffversorgung des Nierengewebes, die zum Absterben von Tubuluszellen und damit zu einer Tubulusnephrose führen. Auch → nephrotisches Syndrom, → Nephropathie.


Tubus

Tubus, steifes oder leicht elastisches Rohr zur künstlichen Beatmung. Die sehr unterschiedlich gestalteten Tuben werden über den Mund, die Nase oder ein → Tracheostoma in die Atemwege eingeführt (Intubation).


Tubus

Tubus, In der Strahlentherapie feste, nicht verstellbare Blende, die in einem bestimmten Abstand von der Strahlenquelle das Ausmaß des Strahlenfeldes begrenzt.


Tularämie

Tularämie, eine Infektionskrankeit, die bei Nagetieren auftritt und durch Bisse oder Kratzer (auch von infizierten Haustieren) auf den Menschen übertragen werden kann. Erreger der Tularämie ist das gramnegative Bakterium Francisella tularensis. Man unterscheidet je nach Eintrittsort der Bakterien zwei Formen: Bei einer Infektion über die Haut oder die Schleimhäute kommt es zu einer Anschwellung der Lymphknoten (evtl. mit Abszessbildung) und verschiedenen Organmanifestationen (z. B. Bindehautentzündung, Aphthen auf der Mundschleimhaut, Geschwüre auf der Haut). Bei einer Infektion über Einatmen der Erreger kann sich ein typhusähnliches Krankheitsbild oder eine Lungenentzündung entwickeln. Die Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika.


Tullio-Phänomen

Tullio-Phänomen, eine Gleichgewichtsstörung mit Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Nystagmus (Augenzittern), die durch Lärm ausgelöst wird. Ursache ist eine Infektion des Innenohrs, z. B. im Rahmen einer → Syphilis oder einer → Lyme-Borreliose.


Tulobuterol

Tulobuterol, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Betasympathomimetika.


Tumor

Tumor, Geschwulst, im weiteren Sinn jede umschriebene Anschwellung von Körpergewebe, z. B. ein → Ödem, ein Erguss oder ein Abszess. Eine Schwellung infolge eines entzündlichen Prozesses gehört zu den typischen Zeichen einer → Entzündung. Als Tumor im engeren Sinn werden Neubildungen von Zellen und Geweben bezeichnet, die ihre ursprüngliche Wachstumskontrolle verloren haben, sich dadurch ungehindert vermehren und entweder ausschließlich lokal wachsen (gutartig) oder umgebende Gewebe infiltrieren (bösartig). Mit diesem Überschusswachstum ist meist auch ein Verlust der jeweiligen Zell- und Gewebefunktionen verbunden. Ein solcher Tumor wird auch als → Neoplasie (gut- oder bösartiger Tumor) bezeichnet.


Tumoranämie

Tumoranämie, eine → Anämie bei Patienten mit einem bösartigen Krebsleiden. Die Ursache ist ein verstärkter Abbau der Erythrozyten, ohne dass die Produktion von Erythrozyten im Knochenmark gesteigert würde.


Tumorantigen

Tumorantigen, molekularer Bestandteil einer → Tumorzelle (in Zellkern, Zellplasma oder Zellmembran), der im Organismus als Antigen wirkt, im Blutserum von Tumorpatienten nachgewiesen werden kann und daher als → Tumormarker genutzt wird. Da die Konzentration von Tumorantigenen mit der Größe eines Tumors in Beziehung steht, dient der Nachweis von Tumorantigenen vor allem der Erfolgskontrolle einer Tumortherapie. Allerdings können Tumorantigene auch bei nicht tumorösen Erkrankungen wie z. B. Hepatitis oder Leberzirrhose auftreten und stellen damit nur einen von mehreren Kontrollparametern dar.


Tumorklassifikation

Tumorklassifikation, klinische oder anatomische Einteilung von gutartigen und bösartigen Tumoren, die die Einschätzung der Operabilität, die Empfindlichkeit auf Strahlen oder Chemotherapie aufgrund der feingeweblichen Struktur und eine Verlaufsprognose ermöglicht. Bei der Tumorklassifikation werden u. a. Wachstumsverhalten, Zellveränderungen und Herkunftsgewebe (histogenetische Systematik) des Tumors berücksichtigt. Von den unterschiedlichen Tumorklassifikationen ist klinisch vor allem das → TNM-System von Bedeutung.


Tumormarker

Tumormarker, Stoffe oder zelluläre Veränderungen, deren Nachweis im Körper Rückschlüsse auf das Verhalten (bösartiger) Tumoren zulässt. Besonders die Bestandteile von Krebszellen (→ Tumorantigen) dienen als (zelluläre) Tumormarker. Aber auch von Tumorzellen gebildete und ausgeschüttete oder beim Tumorzerfall freigesetzte Substanzen können zum Nachweis bösartiger Tumoren verwendet werden. Zu diesen sog. humoralen Tumormarkern gehört z. B. das Choriongonadotropin, das natürlicherweise bei schwangeren Frauen vorkommt, aber auch bei bösartigen Erkrankungen des Hodens und des Eierstocks nachweisbar ist.


Tumormetastase

Tumormetastase, → Metastase.


Tumor-Nekrose-Faktor

Tumor-Nekrose-Faktor, Abk. TNF, von Makrophagen, Monozyten, Lymphozyten und Mastzellen gebildete Substanz, die auch gentechnologisch hergestellt und zur Auflösung von Tumorzellen eingesetzt wird. Darüber hinaus greift TNF in den Eiweißstoffwechsel, die Blutbildung und in Entzündungsprozesse ein.


tumorös

tumorös, tumorartig, einen Tumor betreffend.


Tumortherapie, biologische

Tumortherapie, biologische, eine komplementärmedizinische Krebsbehandlungsmethode, die auf der Vorstellung beruht, dass der Körper unter guten Bedingungen selbst in der Lage ist, Tumorzellen anzugreifen und an der Ausbreitung zu hindern. Zur Unterstützung dieses Vorgangs dienen Einläufe, Diäten, Entspannungsmethoden und verschiedene Verfahren, die das Immunsystem stärken und anregen sollen.


Tumorvirus

Tumorvirus, → Onkovirus.


Tumorzelle

Tumorzelle, durch Änderung ihrer genetischen Information entartete Zelle, die unkontrolliert wächst und sich unkontrolliert vermehrt, sodass gut- oder bösartige Tumoren entstehen. Tumorzellen sind von unterschiedlicher Gestalt innerhalb eines Zellverbandes (Zellpolymorphie), haben ein verschobenes Zellkern-Zellplasma-Verhältnis (veränderte Kern-Plasma-Relation) und eine veränderte Chromosomenzahl (Aneuploidie); außerdem sind die einzelnen Zellkerne unterschiedlich groß (Kernpolymorphie). Auch → Karzinogenese.


Tungiasis

Tungiasis, Sandflohbefall, parasitäre Erkrankung, die in tropischen Ländern durch den Sandfloh Tunga penetrans hervorgerufen wird. Die befruchteten Weibchen springen Warmblüter an, bohren sich in die Haut und verschaffen sich Zugang zu einem Blutgefäß. Befallen werden meistens die Zwischenzehenräume und die Haut unter den Fußnägeln. Es entstehen juckende warzenähnliche Knötchen, in denen der Sandfloh lebt und seine Eier heranreifen lässt. Nach etwa drei Wochen stirbt das Sandflohweibchen ab, das Hautknötchen platzt auf und die Eier gelangen an die Hautoberfläche.


Tunica

Tunica, dünne Gewebeschicht, Haut, Hülle; äußere Organhülle oder Auskleidung von Hohlräumen, z. B. Tunica conjunctiva, die Bindehaut des Auges.


Tüpfelnägel

Tüpfelnägel, Grübchennägel, Verhornungsstörung der Finger- und Zehennägel mit Ausbildung kleiner, teilweise zu Gruppen vereinigter Grübchen in der Nagelplatte; die Ursache ist unklar. Tüpfelnägel treten gehäuft bei Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte) und → Alopecia areata (umschriebener Ausfall der Kopfhaare) auf.


Tupfer

Tupfer, → Verbandsmull, der zu kleinen Ballen geformt wurde und durch die Saugfähigkeit des Materials zum Abtupfen (z. B. bei Operationen) oder Aufbringen von Flüssigkeiten (z. B. bei der Wundversorgung) verwendet wird.


Tupfpräparat

Tupfpräparat, die Gewinnung von Zellmaterial (zur histologischen Beurteilung) durch Abtupfen eines Gewebes oder Organs.


TUR

TUR, Abk. für transurethrale Resektion; Operation durch die Harnröhre hindurch, z. B. Einführung einer elektrischen Schlinge, um verändertes Gewebe im Bereich der Blase oder der Prostata zu entfernen, etwa einen Blasentumor oder überschüssiges Prostatagewebe bei →  Prostatahyperplasie.


Turgeszenz

Turgeszenz, Blutreichtum in einem Organ.


Turgor

Turgor, Gewebsspannung, Spannungszustand eines Gewebes, der vom Flüssigkeitsgehalt abhängig ist. Dabei spielen die Verteilung der Flüssigkeiten und der → Elektrolythaushalt innerhalb und außerhalb der einzelnen Zellen eine entscheidende Rolle. Bei normalem Wasser-Elektrolyt-Verhältnis sind die Zellen (und damit auch die Gewebe) in prallem Zustand. Auch → Osmose.


Türkensattel

Türkensattel, → Sella turcica.


Turner-Syndrom

Turner-Syndrom, Ullrich-Turner-Syndrom, Krankheitsbild, das durch das Fehlen eines X-Chromosoms hervorgerufen wird. Die Betroffenen sind weiblichen Geschlechts; da ihr Genom jedoch nur ein X-Chromosom enthält, sind die Eierstöcke unterentwickelt und die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale sowie die Regelblutung bleiben aus. Die Patientinnen sind kleinwüchsig mit kurzem Hals und tiefem Haaransatz. Auch Fehlbildungen im Bereich des Urogenitaltrakts oder der Körperhauptschlagader können hinzukommen. Die Behandlung besteht in der frühen medikamentösen Wachstumsförderung und der Gabe von Geschlechtshormonen zum Ausgleich des Hormonmangels.


Tussis

Tussis, im weiteren Sinn → Husten; im engeren Sinn Tussis convulsiva, → Keuchhusten.


T-Welle

T-Welle, T-Zacke, dem → QRS-Komplex folgender Ausschlag im → Elektrokardiogramm, der durch seine Form Auskunft über die Erregungsrückbildung in den Herzkammern gibt. Den verschiedenen Veränderungen der T-Welle lassen sich wichtige Hinweise auf Herzerkrankungen entnehmen.


Tylom

Tylom, Schwiele.


tympanitischer Klopfschall

tympanitischer Klopfschall, trommel- oder paukentonartiger Schall bei der → Perkussion über glattwandigen, luftgefüllten Hohlräumen, z. B. über der Bauchdecke bei Blähungen.


Tympanogramm

Tympanogramm, die grafische Darstellung der Ergebnisse einer → Tympanometrie (Kurvendiagramm). In einem normalen Tympanogramm stellen sich die Messergebnisse als steile Kurve mit einem spitzen Gipfel dar. Bei einem Unterdruck im Mittelohr (z. B. durch einen Erguss) sind die Kurve und der spitze Gipfel abgeflacht. Eine Nulllinienkurve ergibt sich u. a. bei einer Perforation des Trommelfells oder einer starren → Otosklerose. Eine zu steile Kurve deutet auf eine abnorme Beweglichkeit des Trommelfells oder der Gehörknöchelchen hin (z. B. durch eine Verrenkung oder einen Bruch).


Tympanometrie

Tympanometrie, die Messung der akustischen Impedanz (Widerstand) des Trommelfells. Dabei wird zunächst ein Unterdruck, dann ein Überdruck im äußeren Gehörgang erzeugt. Gleichzeitig ermittelt man die sich ändernden Reflexe eines Prüftons. Die Messergebnisse werden im → Tympanogramm dargestellt. Die Tympanometrie dient der Diagnose von unterschiedlichen Erkrankungen des Trommelfells, des Mittelohrs und der Gehörknöchelchen. Da der Patient nicht mitarbeiten muss (z. B. Töne erkennen), eignet sich die Tympanometrie auch zur Abklärung von Hörstörungen bei Kleinkindern.


Tympanon

Tympanon, Tympanum, → Paukenhöhle.


Tympanoplastik

Tympanoplastik, chirurgische Wiederherstellung eines zerstörten Trommelfells oder der in Mitleidenschaft gezogenen Gehörknöchelchen im Mittelohr. Mit einer Tympanoplastik kann eine →  Schallleitungsschwerhörigkeit behoben werden. Voraussetzung ist allerdings, dass Innenohr und Trompete intakt sind.


Tympanosklerose

Tympanosklerose, Verkalkung der Gehörknöchelchenkette als Folge häufiger Mittelohrentzündungen, die zu →  Schallleitungsschwerhörigkeit und unter Umständen auch zu Innenohrschwerhörigkeit führt.


Typ

Typ, Typus, die einer Gruppe von Menschen oder Dingen gemeinsame Grundform, die einprägsame Gestalt oder deren gemeinsamer Charakter. In der Genetik unterscheidet man den Genotyp (alle Erbanlagen eines Individuums) vom Phänotyp (das äußerliche Erscheinungsbild). In der Psychologie beschreibt man verschiedene Typen mit unterschiedlichem psychischem Erleben und entsprechendem Verhalten, z. B. Intro- und Extroversion. Auch → Charakter, → Persönlichkeit.


Typhlitis

Typhlitis,
Typhlitis
Die Typhlitis - die Entzündung des Blinddarms - ist wegen der Nähe zum Wurmfortsatz von dessen Entzündung (Appendizitis) oft nicht zu unterscheiden.
Entzündung des Blinddarms, häufig in Kombination mit einer → Appendizitis und ähnlichen Schmerzen; die Krankheitsbilder sind nicht identisch, aber diagnostisch meist nicht unterscheidbar.


typhoid

typhoid, typhusähnlich.


Typhom

Typhom, ein für → Typhus abdominalis typisches Granulom. Typhome können in der Leber, in der Milz, in Lymphknoten und Gefäßwänden entstehen.


typhös

typhös, typhusartig, den Typhus betreffend; an Typhus erkrankt.


Typhus

Typhus, im weiteren Sinn allgemeine Bezeichnung für Fiebererkrankungen; im engeren Sinn → Typhus abdominalis.


Typhus abdominalis

Typhus abdominalis, melde- und isolierpflichtige Infektionskrankheit durch Salmonella typhi verursacht, meist nach Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel oder Trinkwasser, vor allem in Entwicklungsländern. Nach einer durchschnittlichen Inkubationszeit von zehn Tagen treten Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen und treppenförmig ansteigendes Fieber auf, das zum Teil über Wochen fortbesteht (40-41°C). Die Milz ist vergrößert, es kommt zu dünnflüssigen bis breiigen Durchfällen im Wechsel mit Verstopfung, einem fleckförmigen Hautausschlag (Roseolen) auf der Bauchhaut, in schweren Verläufen auch zu Darmblutungen und Darmwanddurchbruch mit Bauchfellentzündung. Die Therapie besteht zum einen in einer Behandlung der Symptome (kreislaufunterstützende Maßnahmen, Flüssigkeits- und Elektrolytersatz), zum anderen in der Gabe von Antibiotika, vor allem Chloramphenicol. Nach durchgemachter Erkrankung muss geprüft werden, ob der Patient trotz klinischer Gesundung noch Erreger ausscheidet (Dauerausscheider). Um einer Infektion vorzubeugen, sollten Wasser und Speisen abgekocht werden. Für Reisende in Risikogebiete wird eine Schutzimpfung empfohlen.


Typhusbakterium

Typhusbakterium, der Erreger von → Typhus abdominalis, Salmonella typhi. Auch → Salmonella.


Typhusschluckimpfung

Typhusschluckimpfung, orale Impfung gegen → Typhus abdominalis mit lebenden, abgeschwächten Typhuserregern. Der Impfstoff wird im Abstand von zwei Tagen dreimal eingenommen.


Typing

Typing, Einordnung eines Tumors (Typisierung) in ein System, das ihn mit anderen Tumoren vergleichbar macht. Das geschieht vor allem anhand des Aussehens und der Struktur. Auch → Tumorklassifikation.


Typus

Typus, → Typ.


Tyramin

Tyramin, ein Abbauprodukt von → Tyrosin. Tyramin bewirkt als Gewebehormon die Kontraktion von glatten Muskelzellen, z. B. in den Blutgefäßen und in der Gebärmutter.


Tyrosin

Tyrosin, nicht essenzielle Aminosäure, die in den meisten Eiweißstoffen enthalten ist Tyrosin spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung u. a. von Schilddrüsenhormonen, Melanin und Adrenalin.


Tyrosinämie

Tyrosinämie, eine erhöhte Tyrosinkonzentration im Blut, z. B. bei einer Störung des Leberstoffwechsels oder bei einer → Tyrosinose.


Tyrosinase

Tyrosinase, ein Enzym, das die Bildung von Melanin aus Tyrosin katalysiert. Tyrosinase benötigt Kupfermoleküle als Kofaktor.


Tyrosinose

Tyrosinose, eine erbliche Stoffwechselerkrankung mit einer Störung des Tyrosinabbaus. Man unterscheidet verschiedene Formen. Bei der akuten Form kommt es schon im Säuglingsalter zu Leber- und Nierenversagen. Bei der chronischen Form bilden sich eine Leberzirrhose und eine Rachitis aus. Die Behandlung besteht in einer speziellen, tyrosinarmen Diät, unter Umständen in der Gabe von Medikamenten oder einer Lebertransplantation.


Tyrothricin

Tyrothricin, ein Polypeptid-Antibiotikum, das zur örtlichen Behandlung eingesetzt wird, z. B. bei Infektionen des Mund- und Rachenraums, Aphten, Kehlkopfentzündung, Angina oder bei Infektionen der Haut.


T-Zacke

T-Zacke, → T-Welle.


T-Zelle

T-Zelle, Kurzbezeichnung für → T-Lymphozyt.


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