A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

M

M, Abk. für Musculus (Muskel) oder Morbus (Krankheit).


macro...

macro..., → makro....


Macula

Macula, Haut- oder Schleimhautbezirk mit veränderter Farbe, z.B. Leberfleck.


Macula

Macula, Macula lutea, gelber Fleck, die Stelle des schärfsten Sehens, ovaler Bereich der Netzhaut des Auges mit einem Durchmesser von ca. 2,5 Millimetern, in dem die Sehzapfen auf wenigen Millimetern dicht beieinander stehen. Die Vertiefung in der Mitte entspricht der Fovea centralis mit der Foveola der → Retina.


Madenkrankheit

Madenkrankheit, → Myiasis.


Madenwurm

Madenwurm, → Enterobius vermicularis.


Mädesüß

Mädesüß, Filipendula ulmaria, eine Pflanze aus der Familie der Rosengewächse. Die Blüten und das Kraut werden zur Zubereitung von Heilmitteln verwendet, die in der Naturheilkunde zur Behandlung von Erkältungskrankheiten eingesetzt werden.


Magen

Magen, Gaster,
Salzsäure
Salzsäure zur Eiweiß- und Kohlenhydratverdauung wird in den Belegzellen der Magenschleimhaut produziert.
Magenperistaltik
Die Magenperistaltik beginnt am Magengrund und verstärkt sich immer mehr bis hin zu Antrom und Pförtner.
Antrum
Im Magen befindet sich das Antrum im unteren Bereich vor dem Magenausgang, dem Übergang zum Zwölffingerdarm.
Magen
Der Magen ist ein Nahrungsreservoir. Seine Größe passt sich der jeweiligen Füllung an.
Abschnitt des Verdauungstrakts zwischen Speiseröhre und Dünndarm, in dem die Nahrung vorverdaut und über den → Pylorus kontrolliert an den Zwölffingerdarm weitergegeben wird. Die Magenschleimhaut produziert Salzsäure sowie Verdauungsenzyme und -hormone.


Magenatonie

Magenatonie, eine Lähmung der Magenmuskulatur, so dass der Nahrungsbrei nicht in den Dünndarm weitertransportiert wird. Zu den Ursachen gehören u. a. neurologische oder muskuläre Störungen, Infektionen oder Medikamente. Eine besondere Form der Magenatonie kommt als postoperative Komplikation vor, wenn unabsichtlich der Vagusnerv durchtrennt wurde. Symptome einer Magenatonie sind Übelkeit, Völlegefühl und Erbrechen. Solange die Magenatonie anhält, darf der Patient keine feste Nahrung zu sich nehmen.


Magenausheberung

Magenausheberung, Magenspülung, "Magen auspumpen", forcierte retrograde (rückläufige) Magenentleerung über einen Schlauch unter Einsatz großer Mengen Spülflüssigkeit, z. B. bei einer Vergiftung.


Magenblase

Magenblase, im Röntgenbild sichtbare Luft im Magen, die im Stehen unter die linke Zwerchfellkuppe steigt.


Magenblutung

Magenblutung, venöse oder arterielle Blutung aus einem Magenblutgefäß, die je nach Schwere und Dauer der Blutung zu Anämie, Bluterbrechen, Blutstuhl oder Kreislaufschock führt, oft infolge eines Magengeschwürs.


Magen-Darm-Katarrh

Magen-Darm-Katarrh, → Gastroenteritis.


Magen-Darm-Passage

Magen-Darm-Passage, Abk. MDP, eine Serie von Röntgenaufnahmen nach Einnahme eines Kontrastmittels, mit der innerhalb weniger Stunden der komplette Verdauungstrakt vom Magen bis zum Dickdarm dargestellt werden kann.


Magen-Darm-Trakt

Magen-Darm-Trakt, der Verdauungstrakt, bestehend aus Magen, Dünndarm, Dickdarm und Anus.


Magendivertikel

Magendivertikel, ein → Divertikel der Magenwand. Die meisten Magendivertikel liegen an der Hinterwand des Magens und bereiten keine Beschwerden.


Mageneingang

Mageneingang, → Kardia.


Magenenzyme

Magenenzyme, Sammelbegriff für die verschiedenen im Magen hergestellten Verdauungsenzyme. Auch → Pepsin.


Magenfistel

Magenfistel, eine Verbindung zwischen dem Lumen des Magens und der Körperoberfläche. Eine operativ angelegte Magenfistel dient der künstlichen Ernährung von Patienten, die nicht (mehr) schlucken können, z. B. wegen eines Ösophaguskarzinoms. Auch → Witzel-Fistel.


Magengeschwür

Magengeschwür, → Ulcus ventriculi.


Magenkarzinom

Magenkarzinom, Magenkrebs, bösartiger Tumor des Magens, der häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird und die operative Entfernung des ganzen Magens erforderlich macht. Appetitlosigkeit und Magenschmerzen sowie Magenblutungen können erste Hinweise auf ein Magenkarzinom sein.


Magenkrampf

Magenkrampf, eine Verkrampfung der Magenmuskulatur, was mit heftigen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Ursachen sind u. a. ein Magengeschwür oder eine Magenblutung.


Magenkrebs

Magenkrebs, Magenkarzinom, bösartiger Tumor des Magens, der häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird und die operative Entfernung des ganzen Magens erforderlich macht. Appetitlosigkeit, Magenschmerzen und Magenblutungen können erste Hinweise auf ein Magenkrebs darstellen.


Magenperforation

Magenperforation, Durchbruch des Magens infolge einer Verletzung oder Vorschädigung (z. B. Magengeschwür oder Krebs). Der austretende Mageninhalt kann zu einer Infektion der Bauchhöhle führen.


Magenperistaltik

Magenperistaltik,
Magenperistaltik
Die Magenperistaltik beginnt am Magengrund und verstärkt sich immer mehr bis hin zu Antrom und Pförtner.
knetende und rollende Bewegungen der Magenmuskulatur. Sie dienen zum einen der ständigen Durchmischung des Nahrungsbreis, der mechanischen Zerkleinerung und der Optimierung der Fettverdauung. Zum anderen sorgt die Magenperistaltik für den Weitertransport des Speisebreis in Richtung Magenpförtner.


Magenpolyp

Magenpolyp, gutartiger Tumor des Magens, der je nach Beschaffenheit das Risiko einer Krebsentwicklung erhöht.


Magenresektion

Magenresektion, operative (Teil-)Entfernung des Magens, meist wegen einer Krebserkrankung oder eines hartnäckigen Magengeschwürs. Aufgrund der verminderten Aufnahmefähigkeit des Restmagens sind zahlreiche, kleine, über den Tag verteilte Mahlzeiten zur Vermeidung von Beschwerden erforderlich.


Magenruptur

Magenruptur, das Zerreißen des Magens, z. B. durch eine schwerwiegende Bauchverletzung.


Magensaft

Magensaft, Sekrete der Magenschleimhaut und deren Drüsen (rund zwei Liter pro Tag). Neben Salzsäure enthält der Magensaft proteinspaltende Pepsine, Verdauungshormone wie das Gastrin, Muzin aus den schleimbildenden Drüsen und → Intrinsic Factor.


Magensaftsekretion

Magensaftsekretion, Absonderungen der Magenschleimhaut in den Magen. Die Magensaftsekretion wird durch appetitliche Gerüche, Kauen und Schlucken sowie durch die Füllung des Magens angeregt.


Magensäure

Magensäure, Magensalzsäure, HCl, Die Magensäure wird von den → Belegzellen der Magenschleimhaut in den Magensaft abgegeben, aktiviert die Magenenzyme und tötet alle nicht säurefesten Bakterien ab, die mit der Nahrung in den Magen gelangen. Durch → H2-Rezeptorenblocker und Protonenpumpenhemmer wird die Säureproduktion vermindert.


Magenschlauch

Magenschlauch, → Magensonde.


Magenschleimhaut

Magenschleimhaut,
Salzsäure
Salzsäure zur Eiweiß- und Kohlenhydratverdauung wird in den Belegzellen der Magenschleimhaut produziert.
gefältelte Innenauskleidung des Magens mit zahlreichen Magendrüsen, die Magensaft und Schleim produzieren, um den Magen vor Selbstverdauung zu schützen.


Magenschleimhautentzündung

Magenschleimhautentzündung, → Gastritis.


Magensonde

Magensonde, Magenschlauch, dünner Schlauch, der zur Entnahme von Magensaft oder zur Ernährung bei Schluckbeschwerden und Passagehindernissen über Mund oder Nase in den Magen vorgeschoben wird. Zur kontinuierlichen Aufzeichnung des pH-Wertes im Magen werden Spezialsonden eingesetzt.


Magenspiegelung

Magenspiegelung, → Gastroskopie.


Magenspülung

Magenspülung, wiederholtes Spülen und Auspumpen des Magens mit Wasser, z. B. bei Vergiftungen.


Magentumor

Magentumor, eine gutartige oder bösartige Geschwulst des Magens. Gutartige Magentumoren wie Lipome oder Fibrome sind selten. Am häufigsten kommt das → Magenkarzinom vor.


Magenulkus

Magenulkus, → Ulcus ventriculi.


Magenvolvulus

Magenvolvulus, die Verdrehung des Magens um seine Achse, z. B. bei Vorliegen einer Hiatushernie.


Magersucht

Magersucht, → Anorexia nervosa.


Magnesium

Magnesium, ein lebenswichtiges chemisches Element (Erdalkalimetall), das u. a. im Blattgrün (Chlorophyll) von Pflanzen enthalten ist. Ein Mangel oder Überschuss an Magnesium führt zu Muskelkrämpfen und Nervenfunktionsstörungen, bei starker Überdosierung kommt es zur Magnesiumnarkose durch Blockade der Erregungsüberleitung im Gehirn.


Magnesiumcarbonat

Magnesiumcarbonat, Magnesiumsalz, das als → Antazidum und Abführmittel verwendet wird.


Magnesiummangelsyndrom

Magnesiummangelsyndrom, zusammenfassender Begriff für Symptome wie Zittern, Krämpfe, Muskelzuckungen und Bewusstseinsveränderungen, die durch Magnesiummangel hervorgerufen werden. Ursachen sind z. B. eine Fehlernährung, Alkoholkrankheit oder schwerer Brechdurchfall.


Magnesiumsulfat

Magnesiumsulfat, Bittersalz, Substanz, die früher als Abführmittel verwendet wurde, heute wegen der starken Nebenwirkungen jedoch nicht mehr. Intravenös verabreichtes Magnesiumsulfat kommt in der Therapie von Krampfzuständen, insbesondere im Rahmen einer Eklampsie, und zur Magnesiumsubstitution zum Einsatz.


Magnetfeldtherapie

Magnetfeldtherapie, die therapeutische Verwendung magnetischer Felder (SI-Einheit Tesla), z. B. bei Entzündungen oder Schmerzen.


Magnet-Flüssigkeits-Hyperthermie

Magnet-Flüssigkeits-Hyperthermie, Abk. MFH, neues Therapieverfahren zur Zerstörung von Hirntumorgewebe, wird zurzeit noch erprobt. Die Methode beruht auf der Überhitzung von Tumorzellen in einem Magnetfeld. Unter Narkose werden winzige gelöste Eisenoxidpartikel durch einen Katheter in den Tumor injiziert. Die Partikel sind für den menschlichen Organismus ungefährlich. Tumorgewebe nimmt sie wesentlich besser auf als gesunde Zellen. Ein spezielles Magnet-Wechselfeld-Therapiegerät erzeugt nun ein Magnetfeld, das die Eisenoxidpartikel, und damit die Tumorzellen, auf 45 bis 47 Grad erhitzt (→ Hyperthermie). Die Tumorzellen sterben entweder ab oder werden empfindlicher für eine anschließende Chemo- oder Strahlentherapie. Das benachbarte gesunde Gewebe wird kaum erhitzt.


Magnetic resonance imaging

Magnetic resonance imaging, → Magnetresonanztomografie.


Magnetresonanztomografie

Magnetresonanztomografie, Magnetic resonance imaging, MRI, Kernspinresonanztomografie, NMR-Imaging, Abk. MRT, strahlenfreies Verfahren zur Anfertigung von Schnittbildern des Körperinnern. Dabei werden durch Magnetwellen von außen die Wasserstoffatome der Körperzellen in ihrer Ausrichtung gestört. Bei der Rückkehr in den Normalzustand senden diese Atome ihrerseits Wellen aus, die von einen Detektor registriert werden. Die unterschiedliche Protonendichte der verschiedenen Gewebe lässt sich mittels Computerberechnung darstellen. Besonders geeignet ist eine Magnetresonanztomografie zur Darstellung von Weichteilen oder pathologischen Veränderungen des Zentralnervensystems.


Magnettherapie

Magnettherapie, der Einsatz von Magneten zu Heilzwecken (komplementärmedizinische Methode). Die Magnete werden auf eine schmerzende Stelle gelegt oder in Form von Halsketten oder Armbändern vorbeugend getragen.


Maisonneuve-Fraktur

Maisonneuve-Fraktur, eine besondere Form einer Fraktur des Sprunggelenks: Die Fibula (Wadenbein) ist unterhalb des Fibulaköpfchens gebrochen und die → Syndesmose (die Bandhaft) rupturiert. Eine Maisonneuve-Fraktur muss in der Regel operativ versorgt werden, damit nach der Heilung der Fraktur keine Fehlstellung im Knöchel entsteht.


major

major, größer, der Größere.


Majoran

Majoran, Origanum majorana, eine Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Die Blätter und Blüten enthalten verschiedene ätherische Öle, die zu Heilzwecken und als Speisegewürz eingesetzt werden. Majoranzubereitungen (v. a. Aufgüsse und Tees) werden zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden und Husten verwendet.


Major histocompatibility complex

Major histocompatibility complex, Abk. MHC, proteinkodierende Gene auf dem Chromosom 6, die die immunologische Individualität des Menschen bestimmen. Die Oberflächenproteine (→ HLA-System) spielen eine wichtige Rolle in der Transplantationsmedizin (→ Abstoßungsreaktion).


makro...

makro..., macro..., Wortbestandteil mit der Bedeutung "groß".


Makroangiopathie

Makroangiopathie, krankhafte Veränderung der großen Arterien, meist in Form der → Atherosklerose.


Makrobiotik

Makrobiotik, spezielle Ernährungsweise und Lebenshaltung auf der Grundlage des → Yin-Yang -Prinzips, die weitgehend der Vollwertkost entspricht.


Makroglobulin

Makroglobulin, → Globulin mit hohem Molekulargewicht (> 200.000). Ein Makroglobulin der Klasse → IgM mit einem Molekulargewicht von über 1.000.000 kommt bei der → Makroglobulinämie vor, dem sog. Morbus Waldenström. Dabei handelt es sich um ein malignes → Lymphom der B-Lymphozyten (Immunozytom).


Makroglobulinämie

Makroglobulinämie, Morbus Waldenström, bösartiges Lymphom der B-Lymphozyten und Plasmazellen mit Vermehrung eines monoklonalen Immunglobulins mit hohem Molekulargewicht im Blut (Paraproteinämie).


Makroglossie

Makroglossie, eine Vergrößerung der Zunge, z. B. bei einer Hypothyreose oder Akromegalie. Eine angeborene Makroglossie tritt beim → Down-Syndrom auf.


Makrohämaturie

Makrohämaturie, makroskopische Hämaturie, mit bloßem Auge sichtbare Beimengung von Blut im Urin (Rotverfärbung). Auch → Hämaturie.


Makrolid

Makrolid, Gruppe von Antibiotika, die den bakteriellen Stoffwechsel hemmen und gegen grampositive Bakterien, Mykoplasmen, Legionellen und Chlamydien wirksam sind; Makrolide werden meist ohne Erregernachweis u. a. bei Infektionen der oberen Luftwege eingesetzt.


Makrophagen

Makrophagen, "Fresszellen" des Immunsystems, die aus den Monozyten hervorgehen und ca. 5% der weißen Blutkörperchen ausmachen. Nach ein- bis zweitägigem Aufenthalt als Monozyten im peripheren Blut wandern sie in verschiedene Gewebe ein und differenzieren dort zu ortsständigen, gewebstypischen Makrophagen. Mit ihrer Fähigkeit zur Phagozytose von Krankheitserregern, Zelltrümmern und körperfremden Substanzen und zur Stimulierung anderer Immunzellen spielen sie eine wichtige Rolle in der Immunabwehr.


makroskopisch

makroskopisch, "groß" im Sinne von: mit bloßem Auge erkennbar.


Makrosomie

Makrosomie, → Großwuchs.


Makula

Makula, → Macula.


Makuladegeneration

Makuladegeneration, Erkrankung der → Macula lutea bei alten Menschen, also der Stelle des schärfsten Sehens im Auge, mit erheblicher Beeinträchtigung der Sehschärfe, die meist zu völliger Erblindung führt.


Makuladystrophie

Makuladystrophie, eine erbliche Erkrankung mit einer zunehmenden Degeneration der Macula lutea. Eine Makuladystrophie kann bis zur Erblindung führen.


Makulaödem

Makulaödem, Anschwellung der Makula, z. B. bei Durchblutungsstörungen der Netzhaut. Ein Makulaödem wird durch eine Fundoskopie diagnostiziert.


makulopapulös

makulopapulös, fleckig-knotiger Hautausschlag; ein makulopapulöses Exanthem kommt bei zahlreichen Hauterkrankungen vor.


Makulopathie

Makulopathie, eine Erkrankung der → Macula lutea. Das typische Symptom einer Makulopathie ist die Abnahme der Sehschärfe und des Farbensehens bis hin zur Erblindung. Die häufigsten Formen einer Makulopathie sind Makuladegeneration und Makuladystrophie.


makulös

makulös, mit fleckförmigem Erscheinungsbild (Hautausschlag).


Mal

Mal, → Nävus.


Mal

Mal, Wortteil mit der Bedeutung schlecht, krank.


Mal

Mal, Bezeichnung für die verschiedenen Formen epileptischer Anfälle, → Petit mal und → Grand mal. Auch → Epilepsie.


Malabsorption

Malabsorption, Verdauungsinsuffizienz, mangelhafte Aufnahme von Nahrungsbestandteilen aus dem Darm, z. B. bei Erkrankungen der Dünndarmschleimhaut, angeborenen Störungen wie der → Zöliakie, ausgedehnten Darmresektionen und Darmtumoren.


Maladie

Maladie, französisches Wort für "Krankheit".


Malaria

Malaria, Sumpffieber, Wechselfieber, durch den Stich der Anopheles-Mücke in den Tropen und Subtropen übertragene Plasmodieninfektion. Die Protozoen (Plasmodium falciparum, ovale, malariae und vivax) befallen Erythrozyten, wachsen heran, vermehren sich und werden nach Zerstörung der Erythrozyten ins Blut freigesetzt, wo sie neue Erythrozyten befallen. In dieser Phase der Freisetzung kommt es zu den charakteristischen Fieberschüben im Abstand von drei oder vier Tagen. Im weiteren Verlauf auch zu Milz- und Lebervergrößerung und zu Blutarmut. Plasmodium falciparum ist der gefährlichste Vertreter der Plasmodien und führt zu der potenziell tödlichen Malaria tropica. Vor einer Reise in ein Malariagebiet sollte man sich gründliche über die dort erforderliche → Malariaprophylaxe informieren, sich vor Ort durch körperbedeckende Kleidung und die Verwendung von mückenabweisenden Sprays oder Cremes vor Mückenstichen schützen und grundsätzlich unter einem Moskitonetz schlafen.


Malariamittel

Malariamittel, Medikamente zur Behandlung oder Vorbeugung der Malaria. Chloroquin z. B. wird sowohl therapeutisch als auch prophylaktisch verwendet. Wegen der Resistenz einiger Plasmodien-Typen auf die herkömmlichen Mittel werden auch neuere Substanzen eingesetzt. Die Wahl der Antimalaria-Prophylaxe hängt von verschiedenen Faktoren ab (Art der Plasmodien, Resistenzen, Aufenthaltsdauer im Malariagebiet, medizinische Möglichkeiten vor Ort) und ist Teil einer reisemedizinischen Beratung. Auch → Chinin.


Malariamücke

Malariamücke, Anophelesmücke, Überträger des Malariaerregers. Auch → Anopheles.


Malariaprophylaxe

Malariaprophylaxe, alle Maßnahmen zum Schutz vor einer Malariainfektion; dazu gehören die Expositionsprophylaxe durch Kleidung, die auch Arme und Beine vollständig bedeckt, ein Moskitonetz, mückenabweisende Mittel sowie die Einnahme von Medikamenten bereits vor Reiseantritt. Je nach Reiseziel und dortiger Resistenzsituation kommen Chloroquin, Proguanil, Mefloquin oder Stand-by-Präparate in Betracht, die nur bei Verdacht auf eine Infektion eingenommen werden. Die Wahl der Malariaprophylaxe sollte im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung getroffen werden. Auch → Chinin.


Malas

Malas, in der indischen Heilkunde → Ayurveda die Bezeichnung für Abfallprodukte des menschlichen Körpers wie Stuhl, Urin und Schweiß.


Malassezia furfur

Malassezia furfur, Hautpilz, Erreger der → Pityriasis versicolor.


Malassimilation

Malassimilation, ungenügende Nahrungsverwertung aufgrund einer Verdauungsstörung (→ Maldigestion) oder einer gestörten Aufnahme von Nahrungsbestandteilen (→ Malabsorption), die zu allgemeinem Gewichtsverlust oder zu spezifischen Mangelsyndromen führen kann.


Malazie

Malazie, → Osteomalazie.


Maldescensus testis

Maldescensus testis, → Kryptorchismus.


Maldigestion

Maldigestion, ungenügende Verdauung der Nahrung, z. B. bei einer Magen-, Gallenwegs- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankung. Die nicht gespaltenen Nahrungsbestandteile (z. B. Fett) werden nicht absorbiert und mit dem Stuhl ausgeschieden. Auch → Malassimilation.


Malen, therapeutisches

Malen, therapeutisches, Form der Kunsttherapie in der anthroposophischen Medizin. Im Vordergrund steht die Beschäftigung mit Farben und ihren Wirkungen auf den Menschen.


maligne

maligne, bösartig, Wachstumsverhalten einer → Neoplasie mit Infiltration umliegender Gewebe und der Bildung von Metastasen in den umliegenden Lymphknoten sowie von Fernmetastasen im gesamten Körper. Maligne (Krebs-)Zellen sind durch eine Gewebeuntersuchung (Histologie) oder einen Abstrich (Zytologie) mikroskopisch nachweisbar.


Malignität

Malignität, die Bösartigkeit oder Aggressivität einer Krebserkrankung.


Malignom

Malignom, Oberbegriff für einen bösartigen (malignen) Tumor; Krebs.


Malleolarfraktur

Malleolarfraktur, Knöchelfraktur, Knöchelbruch, relativ häufige Fraktur im Bereich des Fußknöchels, meistens des Außenknöchels. Eine Fraktur des Innenknöchels oder beider Knöchel kommt seltener vor. Die umgebenden Bänder sind immer mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen. Man unterscheidet drei Frakturtypen: Typ A: Fraktur unterhalb der Syndesmose (bandartige Verbindung zwischen Schien- und Wadenbein im Knöchelbereich), Typ B: in Höhe der Syndesmose und Typ C: oberhalb der Syndesmose. Die Diagnose wird radiologisch gestellt, die Therapie besteht meist in einer operativen Korrektur mit anschließender Ruhigstellung in einem Gips.


Malleolus

Malleolus, Hämmerchen, Fußknöchel, seitlich oberhalb des Hackens tastbare Knochenbuckel, die nicht durch Knochen des Fußskeletts, sondern durch die Knochen des Unterschenkels gebildet werden: Der Innenknöchel (Malleolus medialis) vom Schienbein (Tibia), der Außenknöchel (Malleolus lateralis) von der Fibula (Wadenbein).


Malleus

Malleus,
Stapes
Im oberen Raum der Paukenhöhle liegen die Gehörknöchelchen Malleus, Incus und Stapes.
Hammer des Mittelohrs, das Gehörknöchelchen zwischen Trommelfell und Amboss.


Malleus

Malleus, Rotz, eine durch das Bakterium Pseudomonas mallei ausgelöste, auf den Menschen übertragbare Pferdekrankheit, die mit Abszessbildung in der Haut, Schleimhautgeschwüren und einer Lungenentzündung einhergeht. Die Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika.


Mallory-Weiß-Syndrom

Mallory-Weiß-Syndrom, explosionsartiges Erbrechen mit zum Teil starken Blutungen in der unteren Speiseröhre als Folge der plötzlichen Druckerhöhung. Ein Mallory-Weiß-Syndrom kommt häufig bei Alkoholkranken vor.


Malnutrition

Malnutrition, Oberbegriff für →  Mangelernährung und → Fehlernährung.


Malrotation

Malrotation, eine embryonale Entwicklungsstörung des Darmrohrs, bei der die Bauchorgane nicht regelhaft platziert sind und Beschwerden bis hin zum Darmverschluss verursachen. Die Therapie besteht in der operativen Korrektur der Fehllage und Fixierung in anatomischer Position. Beim → Situs inversus sind die Bauchorgane komplett spiegelverkehrt angelegt.


Maltose

Maltose, Malzzucker, ein Disaccharid, das aus zwei Glukosemolekülen zusammengesetzt ist.


Malve, wilde

Malve, wilde, Malva silvestris, eine Heilpflanze aus der Familie der Malvengewächse. Tee aus Malvenblüten wird zur Behandlung von Schleimhautreizungen in Mund und Rachen sowie bei Reizhusten eingesetzt.


Malz

Malz, Name für angekeimte Getreidekörner (Gerste, Weizen), die in der Nahrungsmittelindustrie zum Gären verwendet werden (z. B. beim Bierbrauen). Malz ist reich an Vitaminen.


Malzextrakt

Malzextrakt, Auszug aus gekeimter Gerste, der als Kräftigungsmittel eingenommen wird. Malzextrakt enthält verschiedene Zuckerarten, Proteine und Vitamine.


Mamillarreflex

Mamillarreflex, die reflektorische Erektion der Brustwarze bei einer Reizung des Brustwarzenhofs, z. B. durch Berührung oder Kälte.


Mamille

Mamille, Brustwarze, pigmentierter Bezirk an der Brustspitze, in den die Milchgänge der Brustdrüsen münden. Die unter der Mamille liegenden Muskelzellen ermöglichen die Brustwarzenerektion, die für das Stillen erforderlich ist. Die Mamille ist vom Warzenhof (Areola mammae) umgeben.


Mamille, sezernierende

Mamille, sezernierende, die Entleerung von Sektret aus der Mamille außerhalb der Stillzeit. Eine sezernierende Mamille kann ein Hinweis auf Brustkrebs sein und muss daher abgeklärt werden.


Mamma

Mamma,
Mamma
Die Grafik zeigt die Struktur der weiblichen Mamma, ein sekundäres Geschlechtsmerkmal der Frau.
die weibliche Brust, die sich aus ca. 15 Milchdrüsen, Bindegewebe und Fett zusammensetzt. Das Drüsengewebe wächst hormonabhängig in der Pubertät und wird während einer Schwangerschaft stimuliert.


Mamma, akzessorische

Mamma, akzessorische, eine angeborene, zusätzliche Milchdrüse (neben den zwei normalen Brüsten). Oft tritt eine akzessorische Mamma als sog. aberrierende Mamma auf, d. h., dass nicht eine gesamte überzählige Mamma mit Brustwarze und Warzenhof ausgebildet ist, sondern nur zusätzliches Drüsengewebe. Eine akzessorische Mamma ist in der Regel auf der → Milchleiste lokalisiert und bereitet kaum Beschwerden. In der Schwangerschaft und nach der Geburt, wenn das Drüsengewebe hormonell stimuliert wird, kann das zusätzliche Gewebe jedoch anschwellen und Beschwerden bereiten (Schmerzen, mechanische Behinderung). Meistens wird eine akzessorische Mamma operativ entfernt, um der Entstehung von Brustkrebs in dem überzähligen Gewebe vorzubeugen.


Mammaamputation

Mammaamputation, Ablatio mammae, Brustamputation, die operative Entfernung einer Brust einschließlich des Brustmuskels (Musculus pectoralis), z. B. bei Brustkrebs. Auch → Mastektomie.


Mammaanomalie

Mammaanomalie, eine Fehlbildung der Brustdrüse, z. B. eine → akzessorische Mamma oder eine → Gynäkomastie.


Mammabiopsie

Mammabiopsie, Gewebeentnahme aus der Brust, meist als Feinnadelbiopsie, zur histologischen, zytologischen und histochemischen Abklärung eines tumorverdächtigen Knotens, der beim Abtasten oder in der Mammografie entdeckt wurde.


Mammahypertrophie

Mammahypertrophie, abnorme Vergrößerung der weiblichen Brust.


Mammakarzinom

Mammakarzinom, Brustkrebs,
Mammakarzinom
Schwellungen, Brustwarzeneinziehungen, Hauteinziehungen oder die Orangenhaut der Brust (von l. nach r.) erfordern eine ärztliche Kontrolle.
häufigste bösartige Krebserkrankung der Frau. Heilungschancen von etwa 60 Prozent bei Früherkennung und -behandlung. Der wichtigste Hinweis auf ein Mammakarzinom ist ein Knoten in der Brust, der entweder durch Abtasten oder durch eine → Mammografie festgestellt wird. Familiäre Häufung ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für ein Mammakarzinom verbunden. Die Therapiemöglichkeiten werden ständig weiterentwickelt und umfassen eine wenn möglich brusterhaltende Operation mit Entfernung des Tumorgewebes Bestrahlung, Chemotherapie und Hormontherapie.


Mammaplastik

Mammaplastik, chirurgische Verfahren zur Herstellung einer physiologischen Brustform, als Wiederherstellung nach einer Brustentfernung bzw. aus ästhetischen Gründen. Eine Mammaplastik ist, je nach Methode und individuellen Voraussetzungen, mit oder ohne Implantate möglich.


Mammaprothese

Mammaprothese, Brustprothese, ein äußerlich getragener Brustersatz, z. B. nach vollständiger Brustamputation.


Mammareduktionsplastik

Mammareduktionsplastik, chirurgische Verkleinerung der weiblichen Brust aus kosmetischen oder gesundheitlichen Gründen, z. B. bei Rückenschmerzen durch sehr große Brüste.


Mammatumor

Mammatumor, Oberbegriff für Tumoren der weiblichen Brust. Neben dem bösartigen → Mammakarzinom kommen gutartige Neoplasien wie das → Fibroadenom und das → Papillom vor.


Mammografie

Mammografie,
Mammografie
Bei der Mammografie wird die Brust auf eine Röntgenplatte gelegt. Eine am Röntgengerät befestigte zweite Platte drückt die Brust zusammen.
Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen oder zur Abklärung einer Auffälligkeit.


Managerkrankheit

Managerkrankheit, negative Folgen eines hektischen Lebensstils mit viel Stress, wenig Bewegung und unausgewogener Ernährung. Als typische Managerkrankheit gelten Bluthochdruck und Herzinfarkt.


Mandel

Mandel, → Tonsille.


Mandelentzündung

Mandelentzündung, → Tonsillitis.


Mandelkern

Mandelkern, → Amygdala.


Mandeloperation

Mandeloperation, → Tonsillektomie.


Mandibula

Mandibula, Unterkiefer, Teil des Gesichtsschädels. Die Mandibula bildet mit dem Schädelknochen in der Nähe des Jochbogens das Kiefergelenk.


Mangan

Mangan, ein lebenswichtiges chemisches Element (metallisches Spurenelement). Ausgeprägte Mangelzustände sind selten und führen zu Sterilität und Knochenfehlbildungen. Mangan kommt in Algen, Schalentieren, Mineralwasser, Obst, Spinat, Erd- und Haselnüssen und Reiskleie vor. Eine Manganvergiftung führt zu schweren neurologischen Störungen und Erkrankungen der Luftwege.


Mangelanämie

Mangelanämie, Anämie infolge einer Mangelernährung oder einer Verwertungsstörung mit einem Mangel der für die Blutbildung wichtigen Nahrungsbestandteile wie Eisen, Vitamin B12 und Proteine.


Mangeldurchblutung

Mangeldurchblutung, ungenügende Sauerstoffversorgung des Gewebes, z. B. aufgrund einer Gefäßverengung, mit Funktionsstörungen des betroffenen Organs. Auch → Arteriosklerose, → Infarkt.


Mangelernährung

Mangelernährung, Malnutrition, Mangelkrankheit, unzureichende Nahrungsaufnahme oder -verwertung mit einem Mangel an essenziellen Nahrungsbestandteilen (Vitamine, Aminosäuren, Spurenelemente), die zu Mangelsyndromen wie Hypovitaminosen oder Proteinmangelkrankheiten führt.


Mangelgeborenes

Mangelgeborenes, → Small-for-date-Baby.


Manie

Manie, heftige Erregungszustände bei psychischen Erkrankungen wie Psychosen oder der manisch-depressiven Erkrankung, die mit Euphorie, ausgeprägter Reizbarkeit oder völliger Verwirrung und einer realitätsfremden Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten einhergehen können, die zu einer unabsichtlichen Gefährdung der eigenen oder anderer Personen führen.


Manifestation

Manifestation, äußere Krankheitserscheinungen, die in subjektive Symptome des Patienten (z. B. Schmerz) und objektive Befunde des Arztes (z. B. Schwellung) unterteilt werden.


manisch-depressive Erkrankung

manisch-depressive Erkrankung, bipolare Depression, bipolare affektive Störung, Sonderform der → Depression, bei der depressive und manische Phasen einander abwechseln. Besonders in der manischen Phase kommt es häufiger zu zeitweisem Realitätsverlust.


Mannit

Mannit, Mannitol, natürlicher Zucker, der als Süßstoff, Abführmittel oder zum Ausschwemmen von Wasseransammlungen im Gewebe verwendet wird.


Manometer

Manometer, Druckmessgerät, Apparat zur Ermittlung des physikalischen Drucks in Flüssigkeiten oder Gasen, z. B. als Teil von Blutdruckmessgeräten. Auch → Riva-Rocci-Apparat.


Manschette

Manschette, aufblasbares Kissen, mit dem bei der Blutdruckmessung der Oberarm komprimiert wird.


Mantelfeldbestrahlung

Mantelfeldbestrahlung, die Bestrahlung der Lymphknotenregionen im Oberkörper, wobei die anderen Organe wie Lungen, Herz, Luft- und Speiseröhre möglichst geschont werden.


Mantoux-Probe

Mantoux-Probe, Tuberkulin-Test, Test zur Tuberkulosediagnostik, bei dem Tuberkulin in die Haut des Unterarms gespritzt wird; der Test ist positiv, wenn sich nach zwei Tagen eine Rötung und Erhebung der Haut aufgrund von Tuberkuloseantikörpern zeigt, die auf eine Tuberkuloseinfektion oder eine frühere Tuberkuloseimpfung hinweist.


Manualtherapie

Manualtherapie, manuelle→ Medizin.


Manubrium

Manubrium, der oberste Teil des Brustbeins.


manuell

manuell, von Hand, mit der Hand.


manuelle Medizin

manuelle Medizin, manuelle → Medizin.


Manus

Manus, → Hand.


MAO

MAO, Abk. für. → Monoaminoxidase, ein Enzym, das beim Abbau von Neurohormonen (Monoaminen) eine Rolle spielt.


MAO-Hemmer

MAO-Hemmer, Klasse antidepressiver Medikamente, die Monoaminoxidase hemmen und zu einer Erhöhung der Monoaminkonzentration im Gewebe führen.


Marasmus

Marasmus, Krankheitsbild bei anhaltender Unterernährung, Auszehrung. Bei Säuglingen kann sich ein Marasmus auch aufgrund mangelnder emotionaler Zuwendung entwickeln. Auch → Kachexie.


Marburg-Fieber

Marburg-Fieber, durch ein verhülltes RNA-Virus verursachtes, hämorrhagisches Fieber mit hoher Letalität, das in Europa erstmals im Jahr 1967 in Laboratorien eines Pharmakonzerns in Marburg, später auch beim behandelnden medizinischen Personal auftrat. Die ersten Erkrankten hatten sich durch Kontakt mit Versuchaffen aus Uganda infiziert.


Marfan-Syndrom

Marfan-Syndrom, autosomal dominante Erbkrankheit des Bindegewebes mit hohem, schmalem Wuchs, langen Fingern (Arachnodaktylie, "Spinnenfingrigkeit"), abnormer Beweglichkeit der Gelenke und Zahnfehlstellungen. Herzkrankheiten wie eine schwere → Aorteninsuffizienz oder Herzklappenfehler, Augenerkrankungen mit Linsenfehlstellungen und Blindheit sowie Erkrankungen der Muskulatur führen im Laufe der Jahre zur Invalidität.


marginal

marginal, am Rande gelegen.


Mariendistel

Mariendistel, Silybum marianum, eine Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Zubereitungen aus Mariendistelfrüchten werden zur Behandlung von Lebererkrankungen wie Hepatitis oder Fettleber eingesetzt.


Marihuana

Marihuana, getrocknete Blütenstände der weiblichen Hanfstaude. Auch → Cannabis.


Mariske

Mariske, kleine Hautfalte am After, meist Restzustand einer abgeheilten → Thrombose, die sich beim Pressen im Gegensatz zu Hämorrhoiden nicht füllt. Größere Marisken können zu einem chronischen Analekzem führen.


Mark

Mark, Medulla, allgemein das Innere eines Organs im Gegensatz zu der Rinde, z.B. der Niere.


Mark

Mark, Medulla, das Knochenmark (Blutproduktion).


Mark

Mark, Medulla, das Rückenmark (Nervenbahnen).


Markersubstanz

Markersubstanz, Molekül, das sich an bestimmten Stellen des Körpers anreichert. Die Markersubstanz bindet physikalisch oder immunologisch (als Antikörper) an spezifisches Körpergewebe, seine Verteilung wird über radioaktive Isotope oder Färbungen sichtbar gemacht. Auch → Tumormarker.


Marknagelung

Marknagelung, Form der operativen Versorgung eines Knochenbruchs der Ober- oder Unterschenkel (→ Osteosynthese). Der Marknagel ist ein Metallrohr, das in die Markhöhle des gebrochenen Knochens vorgeschoben wird und diesen (ohne Schrauben) stabilisiert.


Markscheide

Markscheide,
Markscheide
Die Markscheide umhüllt eine Nervenfaser wie die isolierende Kunststoffschicht ein Elektrokabel.
Hülle der markhaltigen Nervenfasern. Jeder Nervenzellfortsatz (Axon) ist von Hüllzellen umgeben. Diese Schicht aus → Myelin dient u. a. der schnelleren Übertragungsgeschwindigkeit der Nervenimpulse.


Markschwammniere

Markschwammniere, angeborene Nierenfehlbildung mit zahlreichen, aber meist lange ohne Beschwerden einhergehenden Zysten im Nierenmark. Erst zwischen dem 40. Und 50. Lebensjahr entwickeln sich häufiger Nierenbeckenentzündungen oder Nierensteine.


Markumarisierung

Markumarisierung, Antikoagulation, Behandlung zur Verminderung der Gerinnungsbereitschaft des Blutes (Blutverdünnung) mit kumarinähnlichen Medikamenten. Auch → Cumarinderivat.


Marmorierung der Haut

Marmorierung der Haut, netzartiges Muster auf der Haut, z. B. bei Kälte oder Hitze oder bei einem chronischen Ekzem.


Marmorknochenkrankheit

Marmorknochenkrankheit, Osteopetrosis, eine Erbkrankheit, bei der der Knochenaufbau den Knochenabbau überwiegt. Dabei wird das Knochenmark in den Markhöhlen der Röhrenknochen allmählich durch Knochensubstanz ersetzt. Man unterscheidet verschiedene Verlaufsformen. Leichte Formen bereiten kaum Beschwerden (evtl. Knochenschmerzen oder ein erhöhtes Risiko für Frakturen), bei den schweren Formen treten bereits im Säuglingsalter Symptome wie eine Anämie, eine Vergrößerung von Milz und Leber, Erblindung, Schwerhörigkeit und Stoffwechselstörungen auf. Bei frühzeitiger Diagnose kann als Behandlung eine Knochenmarktransplantation in Betracht gezogen werden.


Marschfraktur

Marschfraktur, → Ermüdungsfraktur des Fußes, typischerweise nach einem langen Marsch. Meist ist der zweite oder dritte Mittelfußknochen (Metatarsale II oder III) betroffen.


Marschhämaturie

Marschhämaturie, die Ausscheidung von Erythrozyten mit dem Harn bei körperlicher Anstrengung.


Marsupialisation

Marsupialisation, ein operatives Verfahren, bei dem nach der Eröffnung und Entleerung einer Zyste die Zystenwand mit der Haut vernäht wird. Dadurch verhindert man, dass sich die Zyste erneut mit Sekret füllen kann. Die Marsupialisation wird z. B. bei der Behandlung einer → Bartholinitis angewendet.


Martin-Bell-Syndrom

Martin-Bell-Syndrom, → Fragiles-X-Syndrom.


Masern

Masern, Morbilli, Virusinfektion (Inkubation 10-14 Tage) mit grippeartigen Symptomen und einem typischen, makulopapulösen, gesichtsbetonten, meist stark juckenden Ausschlag. Gefürchtete Komplikationen sind die Mitbeteiligung des Gehirns (→ Masernenzephalitis), der Lungen mit sekundärer bakterieller → Pneumonie, der Augen (Retinopathia pigmentosa) und des Kreislaufs (toxische Kreislaufinsuffizienz). Die Masern sind eine Kinderkrankheit, gegen die eine dringend empfohlene Impfung existiert.


Masernenzephalitis

Masernenzephalitis, gefährliche Komplikation der Maserninfektion (Hirnbeteiligung), die in 0,1 Prozent der Masernfälle eintritt. Nach hohem Fieber kommt es zu und Bewusstseinseintrübung und in schweren Fällen zu bleibenden Schäden oder zum Tod. Eine erst Jahre später auftretende, schleichend verlaufende und verkalkende Gehirnentzündung gehört zu den sehr seltenen Komplikationen.


Masernimpfstoff

Masernimpfstoff, Lebendimpfstoff aus abgeschwächten Masernviren zur subkutanen Injektion.


Masernvirus

Masernvirus, Erreger der Masern, ein Paromyxovirus mit einer Hülle (Morbilli-Virus).


Maskengesicht

Maskengesicht, Unbeweglichkeit des Gesichts, fehlende Mimik, z. B. bei der Parkinson-Krankheit.


Maskierung

Maskierung, Verdecken einer Krankheit und ihrer → Manifestationen durch eine andere Krankheit oder durch Medikamente.


Masochismus

Masochismus, sexuelles Verhalten, bei dem sexuelle Erregung nur bei Misshandlungen durch den Sexualpartner möglich ist.


Massage

Massage, Form der Physiotherapie zur Lockerung der Muskulatur mit speziellen Handgriffen, besonders bei Muskelverhärtungen und den daraus resultierenden Beschwerden (Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, funktionelle Störungen). Als Sportmassage dient die Massage der Regeneration nach körperlicher Belastung. Als Massage im weiteren Sinn sind auch die → Akupressur und die → Lymphdrainage anzusehen.


Massagemittel

Massagemittel, ölige Substanz mit Duft- oder Heilmittelzusätzen, um die Geschmeidigkeit der Haut zu erhöhen und den Hautwiderstand bei der Massage zu senken.


Massage, rhythmische

Massage, rhythmische, Massage im Rahmen der anthroposophischen Medizin, bei der mit rhythmischen Massagebewegungen gearbeitet wird.


Massenblutung

Massenblutung, starke Blutung eines Organs, besonders im Gehirn. Auch Hämorrhagie.


Massenverschiebung

Massenverschiebung, die Verschiebung von Teilen des Gehirns innerhalb des Schädels. Ausgelöst wird eine Massenverschiebung z. B. durch einen Gehirntumor, eine intrakranielle Blutung oder ein Gehirnödem. Bei einer Massenverschiebung besteht große Gefahr, dass Teile des Gehirns abgeklemmt werden, was zu schweren Hirnschädigungen bis zur Dezerebration oder dem Tod führen kann.


Masseter

Masseter, der große Kaumuskel, der von der Schläfe an den Unterkiefer reicht und den Kiefer schließt (Musculus masseter).


mast...

mast..., Wortteil mit der Bedeutung Brust.


Mastdarm

Mastdarm, → Rektum.


Mastdarmkrebs

Mastdarmkrebs, → Rektumkarzinom.


Mastdarmvorfall

Mastdarmvorfall, → Rektozele.


Mastektomie

Mastektomie, Entfernung oder Teilentfernung der weiblichen Brustdrüse, meist bei Brustkrebs. Die Mastektomie wird möglichst sparsam durchgeführt, um einen Teil der Brust zu erhalten (brusterhaltende Operation). Bei ausgedehntem Krebsbefall muss allerdings die gesamte Brust entfernt werden. Auch → Mammaamputation.


Mastitis

Mastitis, Milchdrüsenentzündung, meist bakterielle Entzündung der Brustdrüsen während der Stillzeit, die mit Fieber, Schwellung, Rötung und Schmerzen in der Brust. Die Behandlung besteht im Abpumpen der Milch und in der Gabe von Antibiotika. Bei ausgeprägter Mastitis kann sich auch ein Abszess entwickeln.


Mastodynie

Mastodynie, Schmerzen in der weiblichen Brust, in der Regel hormonell bedingt im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms.


Mastoid

Mastoid, Warzenfortsatz des Schläfenbeins, das hinter der Ohrmuschel tastbar ist und Hohlräume enthält, die mit dem Mittelohr in Verbindung stehen.


Mastoidektomie

Mastoidektomie, operative Entfernung der Hohlräume im Mastoid, meist wegen einer bakteriellen Infektion (→ Mastoiditis).


Mastoiditis

Mastoiditis, Entzündung der mit Schleimhaut ausgekleideten Hohlräume des Mastoids durch Ausbreitung einer bakteriellen Infektion des Mittelohrs. Bei Vereiterung kann zusätzlich zur antibiotischen Therapie eine operative Entlastung notwendig werden (→ Mastoidektomie).


Mastopathie

Mastopathie, allgemeine Bezeichnung für eine krankhafte Veränderung (z. B. Zystenbildung) der weiblichen Brust, die im Prinzip harmlos ist. Manche Formen wie das → Fibroadenom gehen jedoch mit einem erhöhten Karzinomrisiko einher.


Mastozyt

Mastozyt, → Mastzelle.


Mastozytose

Mastozytose, eine gut- oder bösartige Vermehrung der → Mastzellen.


Masturbation

Masturbation, Onanie, geschlechtliche Selbstbefriedigung durch Reizen der Geschlechtsteile mit der Hand.


Mastzelle

Mastzelle, Mastozyt, Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die u. a. Histamin enthalten, dessen Freisetzung bei der allergischen Sofortreaktion eine wichtige Rolle spielt.


maternal

maternal, die Mutter betreffend, mütterlich (z. B. in der Schwangerschaft).


maternofetale Inkompatibilität

maternofetale Inkompatibilität, die immunologische Gewebsunverträglichkeit zwischen Mutter und ungeborenem Kind. Auch →  Rhesus-Inkompatibilität.


Mate-Teestrauch

Mate-Teestrauch, Ilex paraguariensis, ein Strauch aus der Familie der Stechapfelgewächse. Aufgüsse aus den Blättern des Mate-Teestrauchs wirken anregend und gegen Ermüdung. Gelegentlich werden Mate-Aufgüsse auch als Diuretikum, bei rheumatischen Beschwerden und gegen Depressionen eingesetzt.


maturus

maturus, reif.


Maul- und Klauenseuche

Maul- und Klauenseuche, meldepflichtige Virusinfektion bei Klauentieren, die mit Ekzemen und Fieber einhergeht. Übertragung auf den Menschen möglich aber sehr selten.


Maus

Maus, freier → Gelenkkörper.


Maxilla

Maxilla, Oberkiefer,
Maxilla
Wegen der beiden luftgefüllten Kieferhöhlen gehört die Maxilla zu den pneumatisierten Knochen.
Knochen des Gesichtsschädels. Die Maxilla ist am Aufbau der Augen-, Nasen- und Kieferhöhlen sowie des Mundhöhlendaches beteiligt, trägt mit dem zahntragenden Fortsatz die Wurzeln der Oberkieferzähne und ist mit dem Unterkiefer durch das Kiefergelenk verbunden. Die Maxilla enthält auch die beiden Kieferhöhlen (Sinus maxillares).


maximal

maximal, sehr groß, sehr hoch, am höchsten oder größten.


Maximaldosis

Maximaldosis, höchste zulässige Medikamenten- oder Strahlendosis, bei deren Überschreiten die unerwünschten Wirkungen unverhältnismäßig zunehmen.


Maximalversorgung

Maximalversorgung, technische und personelle Ausstattung eines Krankenhauses, die eine Behandlung nach den höchsten Anforderungen erlaubt. Die Maximalversorgung ist eine der verschiedenen → Versorgungsstufen von Krankenhäusern neben der Grund-, Regel- und Schwerpunktversorgung.


Mazeration

Mazeration, Aufweichen von Gewebe bei längerem Kontakt mit Flüssigkeiten. In der Pharmazie wird mit Mazeration ein Auszug bei Zimmertemperatur bezeichnet. Eine Mazeration der Haut wird vor allem bei starker Schweißabsonderung beobachtet.


McBurney-Punkt

McBurney-Punkt, typische Schmerzlokalisation bei Appendizitis rechts zwischen dem Bauchnabel und dem vorderen oberen Beckenkammvorsprung (Spina iliaca anterior superior). Der Lanz-Punkt liegt knapp darunter, rechts auf Dritteldistanz zwischen den beiden Beckenkammvorsprüngen.


MCH

MCH, Abk. für mean corpuscular hemoglobin, der durchschnittliche Hämoglobingehalt der Erythrozyten (29 Picogramm).


MCHC

MCHC, Abk. für mean corpuscular hemoglobin concentration; die mittlere Hämoglobinkonzentration des Einzelerythrozyten. Die MCHC wird auch als Sättigungsindex bezeichnet. Der Normbereich liegt bei 30-36%. Eine erhöhte MCHC findet sich z. B. bei einer Kugelzellanämie, eine erniedrigte MCHC u. a. bei Eisenmangel oder einer Thalassämie.


MCS-Syndrom

MCS-Syndrom, Abk. für → Multiple-Chemical-Sensitivity-Syndrom.


MCV

MCV, Abk. für mean corpuscular volume; das durchschnittliche Volumen eines Erythrozyten (90 Femtoliter).


MdE

MdE, Abk. für Minderung der Erwerbsfähigkeit.


MDK

MDK, Abk. für → medizinischer Dienst der Krankenkassen.


MDMA

MDMA, Abk. für Methylendioxyamphetamin, der Wirkstoff von → Ecstasy.


ME

ME, Abk. für → medizinische Einrichtungen.


Meatotomie

Meatotomie, die Eröffnung und Erweiterung eines Gangs, z. B. die Öffnung der Harnröhre bei Vorliegen einer → Meatusstenose.


Meatus

Meatus, Gang, der Meatus acusticus externus (äußerer Gehörgang von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell).


Meatus

Meatus, Gang, der Meatus acusticus internus (innerer Gehörgang, der Verlauf des Hörnervs im Felsenbein).


Meatus

Meatus, Gang, der Meatus nasi superior, inferior und medius (die drei von den Nasenmuscheln gebildeten Nasengänge).


Meatusstenose

Meatusstenose, eine Verengung der Harnröhre nahe der Öffnung nach außen, z. B. als angeborene Fehlbildung oder durch Entzündungen oder Verletzungen der Harnröhre. Eine Meatusstenose führt zu Problemen beim Wasserlassen und in schweren Fällen zu chronischem Harnstau, der operativ behoben werden muss.


Mebendazol

Mebendazol, → Anthelminthikum (Wurmmittel), das in hoher Dosierung auch gegen Echinokokkose eingesetzt wird.


Mechanorezeptor

Mechanorezeptor, Sinneszelle, die mehr oder weniger spezifisch auf mechanische Reize wie Druck, Spannung oder Berührung reagiert. In der Haut gibt es verschiedene Formen von differenzierten Nervenendigungen, z. B. die → Tastkörperchen. Die → Muskelspindel reagiert auf Dehnung der Muskelfasern.


Meckel-Divertikel

Meckel-Divertikel, mehrere Zentimeter lange Ausstülpung im Dünndarm infolge einer unvollständigen Rückbildung des embryonalen Ductus omphaloentericus bei etwa 2% der Menschen. In der Regel verursacht es keine Beschwerden, kann aber zu Infektionen, Blutungen und Darmverschluss führen.


Meconium

Meconium, → Mekonium.


Media

Media, Kurzbezeichnung für die Tunica media, die mittlere Wandschicht der Gefäße.


medial

medial, zur Mitte (des Körpers oder eines Organs) hin gelegen.


median

median, in der Mitte. Auch → Medianebene.


Medianebene

Medianebene, → Sagittalebene.


Medianuslähmung

Medianuslähmung, Schädigung des Nervus medianus, der einen Teil der Armmuskulatur versorgt, mit Beeinträchtigung der Unterarm- und Fingermuskulatur. Durch die Beugeschwäche des Daumens, Zeige- und Ringfingers kommt es zu der sog. → Schwurhand. Die Sensibilität im Bereich dieser Finger ist meist ebenfalls eingeschränkt.


mediastinal

mediastinal, im → Mediastinum gelegen.


Mediastinalemphysem

Mediastinalemphysem, im Mediastinum lokalisiertes → Emphysem (Austritt von Luft aus der Lunge in das umliegende Gewebe), meist infolge eines Traumas der Speise- oder Luftröhre, das mit Schmerzen in der Brust, Schluckstörungen, Atembeschwerden, Emphysem der Halsregion und evtl. Herzbeschwerden einhergeht. Ein Mediastinalemphysem wird möglichst konservativ behandelt; eine operative Versorgung kann aber nötig werden.


Mediastinalflattern

Mediastinalflattern, eine Komplikation bei einem offenen Pneumothorax: Durch die Druckschwankungen in der Brusthöhle bewegt sich das → Mediastinum beim Ein- und Ausatmen nach rechts und links. Ein Mediastinalflattern kann zu Atem- und Kreislaufbeschwerden führen.


Mediastinalraum

Mediastinalraum, → Mediastinum.


Mediastinaltumor

Mediastinaltumor, im → Mediastinum gelegener Tumor unterschiedlicher Herkunft; zu den gutartigen gehören Lipome oder Neurinome, zu den bösartigen Lymphome, Bronchus- oder Ösophaguskarzinome. Auch andere raumfordernde Prozesse im Mediastinum werden als Mediastinaltumor bezeichnet, z. B. eine vergrößerte Schilddrüse oder ein Aortenaneurysma.


Mediastinitis

Mediastinitis, Entzündung des Mediastinums durch Krankheitserreger aus dem Rachen, dem Ösophagus, den Bronchien, der Lunge oder dem Magen, durch Fremdkörper, Karzinomeinbruch oder Verätzungen. Wegen der Nähe zu wichtigen Organen (z. B. Herz) ist eine Mediastinitis gefährlich und muss sofort mit Antibiotika und einer Drainage, evtl. operativ behandelt werden.


Mediastinotomie

Mediastinotomie, die operative Eröffnung des → Mediastinums, z. B. zur Entfernung eines Mediastinaltumors.


Mediastinum

Mediastinum,
Mediastinum
Der Mittelfellraum (Mediastinum) liegt zwischen den beiden Lungenlappen und wird vom Mittelfell umschlossen.
der zwischen den beiden Lungenflügeln gelegene Teil des Brustkorbs mit dem Herzen im unteren Mediastinum sowie den großen Herz- und Lungengefäßen, der Luft- und der Speiseröhre.


Mediator

Mediator, Vermittlersubstanz, Überträger, Botenstoff, allgemeiner Begriff für eine Substanz, die von Zellen gebildet und abgegeben wird und bei der Bindung an oder Aufnahme in andere Zellen eine Reaktion hervorruft. Mediatoren sind im Nervensystem (Neurotransmitter), im Immunsystem (Zytokine) oder als Entzündungsmediatoren aktiv.


Mediaverkalkung

Mediaverkalkung, mikroskopischer Aspekt der Arterien bei → Atherosklerose mit Kalkeinlagerungen in der elastischen Muskelschicht (Tunica media). Zu einer Verkalkung kommt es in der Regel erst im Spätstadium einer Gefäßschädigung und führt zu Elastizitätsverlust der Arterien. In ausgeprägten Fällen ist das kalkhaltige Gefäß im Röntgenbild sichtbar.


medico international

medico international, Organisation, die für das Menschenrecht auf den bestmöglichen Zugang zur Gesundheit streitet. Beruft sich u. a. auf die „Allgemeine Deklaration der Menschenrechte“ von 1948 und die Deklaration der → Weltgesundheitsorganisation für eine Basisgesundheitsversorgung und -förderung von 1978. Arbeitsschwerpunkte sind Nothilfe, Basisgesundheit und Menschenrechte. medico international fördert Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika, ist gemeinnützig und wird hauptsächlich durch Spenden finanziert.


Medicus

Medicus, lateinische Bezeichnung für Arzt.


Medikament

Medikament, Heilmittel, pflanzliches oder synthetisch hergestelltes Präparat zur Diagnostik, häufiger jedoch zur Therapie von Krankheiten. Medikamente werden häufig mit → Arzneimitteln gleichgesetzt.


Medikation

Medikation, verordnete Medikamente einschließlich des Einnahmemodus.


Medikus

Medikus, → Medicus.


Medinawurm

Medinawurm, → Dracunculus medinensis.


Meditation

Meditation, mentale Hinwendung zu sich selbst, sich sammeln und sinnieren über metaphysische Fragen. In der Medizin und Psychologie können sich Meditationsübungen positiv auf verschiedene Beschwerden (z. B. Ängste oder Konzentrationsstörungen) und die Persönlichkeit auswirken, z. B. in Form des → autogenen Trainings. Im weiteren Sinn kann jede Form der bewussten Entspannung als Meditation bezeichnet werden.


Meditation, transzendentale

Meditation, transzendentale, Meditationsform mit dem Ziel, das eigene Bewusstsein zu erweitern und volle Kontrolle über den Körper zu erlangen.


Medium

Medium, Mittel, in der Naturwissenschaft eine Trägersubstanz, in der sich physikalische und biologische Vorgänge abspielen. Zum Nachweis von Infektionserregern werden sog. → Nährmedien verwendet.


Medium

Medium, Mittel, in der Parapsychologie eine Person, die mit jenseitigen Wesen Kontakt aufnehmen kann.


Medizin

Medizin, Heilkunst. Man unterscheidet die Veterinärmedizin (Tierheilkunde), die Zahnmedizin und die Humanmedizin mit ihren diversen Fachrichtungen (Medizin im engeren Sinn). Die naturwissenschaftlich begründete Medizin (Schulmedizin) steht den alternativen Formen gegenüber (→ Medizinsystem). Da neben dem körperlichen Zustand auch die psychische Verfassung und das soziale Umfeld eines Menschen Einfluss auf seine Gesundheit haben, wurde ein biopsychosoziales Konzept in die Schulmedizin integriert.


Medizinalfachberuf

Medizinalfachberuf, medizinischer Beruf mit staatlich anerkannter Ausbildung.


Medizin, anthroposophische

Medizin, anthroposophische, zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Rudolf Steiner begründete Gesundheitslehre, die sich als Ergänzung zur naturwissenschaftlichen Medizin versteht. Aus anthroposophischer Sicht besitzt der Mensch vier Wesensglieder: Stoffleib, Lebensleib, Seele und Geist. Eine Krankheit ist Ausdruck einer Störung in diesem dynamischen System aus. Neben Medikamenten und Naturheilmitteln werden auch gestalterische Therapieformen wie Maltherapie oder Eurhythmie angewendet, während homöopathische Mittel die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen. Der phytotherapeutische Einsatz der Mistel gegen Krebs, ein Kernstück der anthroposophischen Medizin, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich anerkannt.


Medizinethik

Medizinethik, die Lehre von den Pflichten und Rechten im Rahmen der medizinischen Tätigkeit. In etwas abgewandelter Form bildet der → hippokratische Eid heute noch die ethische Grundlage des ärztlichen Handelns. Inhaltliche Schwerpunkte der modernen Medizinethik sind u. a. Intensivmedizin, Gentechnologie, Richtlinien zur Transplantation und zur Sterbehilfe. Moralische, rechtliche und naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden in der Medizinethik vereint. Auch → Ethikkommission.


Medizin, gerichtliche

Medizin, gerichtliche, → Gerichtsmedizin.


Medizin, holistische

Medizin, holistische, → Ganzheitsmedizin.


medizinische Einrichtungen

medizinische Einrichtungen, Abk. ME, Sammelbegriff für verschiedene Einrichtungen von Hochschulen, die der Lehre und Forschung der Medizin sowie der Betreuung und Behandlung von Patienten (Universitätskliniken) dienen. Universitätskliniken sind grundsätzlich ähnlich organisiert wie andere Krankenhäuser (→ Krankenhausstruktur). Verfügt eine Stadt nicht über genügend klinische Ausbildungsplätze, kann die Hochschule Kliniken mit hohem Standard im Sinne akademischer Lehrkrankenhäuser für die Ausbildung nutzen.


medizinischer Dienst der Krankenversicherung

medizinischer Dienst der Krankenversicherung, Abk. MDK, Einrichtung der Spitzenverbände der Krankenkassen sowie der Krankenversicherung der Länder, die seit dem Gesundheitsreformgesetz in ihren Aufgaben den sog. vertrauensärztlichen Dienst der Gesundheitsämter ersetzt. Der MDK ist als öffentlich-rechtliche Körperschaft auf Landesebene organisiert und soll die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung sicherstellen bzw. verbessern helfen. Der MDK ist u. a. zuständig für medizinische Gutachten, die Beurteilung der Notwendigkeit und des Umfangs von Leistungen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, z. B. die Anordnung von Kurzzeitpflege oder Rehabilitationsmaßnahmen, die Feststellung der Pflegebedürftigkeit u. a. Außerdem können die Krankenkassen den MDK auffordern, einzelne Behandlungsfälle in Krankenhäusern unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu prüfen.


Medizinmann

Medizinmann, Heiler der nordamerikanischen Indianer, der mit Heilzeremonien und Naturheilmitteln Krankheiten bekämpft. Auch → Schamane.


Medizin, manuelle

Medizin, manuelle, Heilkunde, bei der diagnostisch und therapeutisch Methoden angewendet werden, die der Therapeut mit seinen Händen ausführt. Im engeren Sinn ist die manuelle Medizin identisch mit der → Chiropraktik, im weiteren Sinn zählen auch die Massage und ähnliche Verfahren dazu.


Medizin, orthomolekulare

Medizin, orthomolekulare, Ernährungstherapie mit einer ausgewogenen Zufuhr von Nahrungsbestandteilen wie Aminosäuren, Spurenelementen und Basen, die als Therapeutika für zahlreiche Beschwerden eingesetzt werden. Naturfremde Produkte werden prinzipiell gemieden.


Medizinpädagogik

Medizinpädagogik, Fachrichtung, die sich vor allem mit den Aufgaben der Gesundheitserziehung und -aufklärung befasst. Medizinpädagogen werden an Universitäten ausgebildet sind im "Verein für Medizin- und Pflegepädagogen des Landes Berlin e. V." organisiert.


Medizinprodukte

Medizinprodukte, Sammelbegriff für medizinische Geräte, Instrumente, Maschinen oder Mittel, die notwendig sind, um Krankheiten zu verhüten, zu erkennen, zu behandeln, die Behandlung zu überwachen, normale Vorgänge oder Strukturen beim Menschen zu untersuchen oder zu verändern oder um eine Schwangerschaft zu verhüten, z. B. Gelenkimplantate, Herzschrittmacher, Hörgeräte, Verbandmaterial usw., nicht jedoch Medikamente oder operative Eingriffe.


Medizinrecht

Medizinrecht, juristisches Spezialgebiet, in dem die Belange des Gesundheitswesens bzw. der Heilkunde rechtlich geregelt werden, z. B. das rechtliche Verhältnis zwischen Arzt und Patient oder Gesetze des Gesundheitswesens. Auch → Behandlungsfreiheit, → Behandlungspflicht.


Medizinsystem

Medizinsystem, theoretisches System zur Erklärung und Behandlung von Krankheiten. Die verschiedenen Medizinsysteme stehen zum Teil in Widerspruch zueinander. Neben der naturwissenschaftlichen oder biologischen Schulmedizin existieren zahlreiche alternative Systeme, die sich teils als Ergänzung zur Schulmedizin verstehen, teils mit völlig anderen Konzepten arbeiten.


Medizintechnik

Medizintechnik, die Lehre, Forschung und Anwendung von technischen Geräten, die im Rahmen der Heilkunde zur Diagnostik, Überwachung und Therapie von Patienten verwendet werden. Dabei handelt es sich meist um Großgeräte wie Beatmungsmaschinen, Kernspintomografen, Dialysegeräte, Bestrahlungsgeräte usw. Für die Medizintechnik sind speziell ausgebildete Medizintechniker zuständig.


Medizin, traditionelle chinesische

Medizin, traditionelle chinesische, TCM, Gesamtheit der diagnostischen und therapeutischen Methoden der traditionellen Medizin in China, die einem bestimmten Welt- und Menschenbild entsprechen. Die ältesten chinesischen Texte mit medizinischem Inhalt stammen von 540 vor Christus. Seit Gründung der Republik China wird die TCM gleichrangig mit der westlichen Medizin praktiziert, die Richtungen vermischen sich zum Teil. Grundlage der TCM ist die "Lehre von den Entsprechungen" oder das System der fünf Elemente, nach dem verschiedenen Bereichen und Organen des Körpers sowie Gefühlen werden verschiedene Merkmale der Außenwelt zugeordnet werden. Die Diagnostik berücksichtigt konstitutionelle Faktoren des Erkrankten (Yin-Yang-Typ, verschiedene Energieformen), eine spezielle Anamnese sowie die Puls- und Zungendiagnostik. Im Westen ist die chinesische → Akupunktur die bekannteste Maßnahme der TCM. Daneben existiert die Behandlung mit verschiedenen Arzneimitteln, Diäten, Massage sowie mit der sog. Moxibustion, dem Auflegen von brennendem Wermut- oder Beifußkraut auf die Haut.


Medizin, traditionelle tibetische

Medizin, traditionelle tibetische, Medizinsystem Tibets, das im siebten Jahrhundert begründet wurde. Dabei wurden u. a. Werke chinesischer, indischer und griechischer Ärzte ins Tibetische übertragen. In der traditionellen tibetischen Medizin gibt es drei Körperenergien: Lung, Tipa und Bäken. Diese Energien setzen sich zusammen aus den fünf Elementen: Erde, Wasser, Luft, Feuer und Raum. Die Wirkung einer Arznei wird in der traditionellen tibetischenMedizin vom Geschmack abgeleitet.


Medulla

Medulla, → Mark (Knochen), → Mark (Nervensystem).


Medulla oblongata

Medulla oblongata, das "verlängerte Mark", Teil des Hirnstamms, der unterste der fünf Abschnitte des Hirns. Die Medulla oblongata enthält vitale Strukturen wie Hirnnervenkerne und das Kreislauf- und Atemzentrum der Formatio reticularis. Außerdem verlaufen alle Nervenbahnen des Rückenmarks durch die Medulla oblongata.


Medulloblastom

Medulloblastom, sehr bösartiger, rasch fortschreitender Hirntumor, der vorzugsweise im Kindesalter mit typischer Lokalisation im Kleinhirn auftritt. Zu den Frühsymptome gehört vor allem morgendliches Erbrechen aufgrund der Hirndrucksteigerung. Die Prognose ist schlecht.


Medusenhaupt

Medusenhaupt, Caput medusae, ein Symptom, das bei einer Druckerhöhung im Pfortaderkreislauf auftritt (z. B. bei Leberzirrhose): Die Hautvenen in der Bauchdecke werden gestaut und treten deutlich hervor, besonders im Bereich um den Nabel herum.


Meeresheilkunde

Meeresheilkunde, → Thalassotherapie.


Meerrettich

Meerrettich, Armoracia rusticana, eine Pflanze, deren Wurzeln als Gewürz oder zu Heilzwecken verwendet werden. Meerrettich hat eine durchblutungsfördernde und antimikrobielle Wirkung und wird zur Behandlung von Atemwegsinfektionen, Harnwegsinfekten und Muskelschmerzen eingesetzt.


Meerzwiebel

Meerzwiebel, Urginea maritima, eine Pflanze aus der Familie der Hyacinthengewächse. Zubereitungen aus der Zwiebel werden zur Behandlung einer leichten Herzinsuffizienz eingesetzt.


Mefloquin

Mefloquin, synthetisches Malariamittel, das zur Prophylaxe und zur Therapie der Malaria eingesetzt wird und auch bei multiresistenten Plasmodium-falciparum-Stämmen wirksam ist. Mefloquin erreicht die Plasmodien im Blut, nicht jedoch die Leberformen.


mega...

mega..., eine Million, millionenfach.


mega...

mega..., Vorsilbe für "sehr groß".


Megacolon

Megacolon, → Megakolon.


Megakaryozyt

Megakaryozyt, Knochenmarkriesenzelle, Vorläuferzelle der Thrombozyten. Ein Megakaryozyt entsteht im Knochenmark durch wiederholte Kernteilung aus einem Megakaryoblasten, der in die kernlosen Thrombozyten zerfällt. Im normalen Blutbild sind keine Megakaryozyten vorhanden.


Megakolon

Megakolon, akute oder chronische angeborene oder erworbene Erweiterung des Dickdarms, die sich durch hartnäckige Verstopfung auszeichnet. Beim kongenitalen oder aganglionären Megakolon (→ Hirschsprung-Krankheit) fehlen die Nervenzellen in der Darmmuskulatur. Es entsteht schwerer Kotstau oberhalb des ganglionfreien, engen Darmsegments, der eine Operation notwendig macht. Beim toxischen Megakolon, einer gefährliche Komplikation bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, kommt es zu einer akuten Weitstellung des Kolons mit fulminanter Kolitis, hohem Fieber, Erbrechen, Bauchfellentzündung und evtl. Schock. Im weiteren Sinn kann jede Erweiterung des Dickdarms (z. B. im Röntgenbild) als Megakolon bezeichnet werden.


Megaloblast

Megaloblast, unreife, abnorme Vorstufe der Erythrozyten im Knochenmark bei Vitamin B12- oder Folsäuremangel oder einer anderen Form der → megaloblastären Anämie.


Megalozyt

Megalozyt, abnormer Erythrozyt, typisch bei → megaloblastärer Anämie.


Megaösophagus

Megaösophagus, eine Erweiterung und Verlängerung der Speiseröhre, z. B. bei einer Verengung des Mageneingangs oder einer → Achalasie.


Megaureter

Megaureter, ein- oder beidseitige, angeborene Erweiterung des Harnleiters infolge einer Verengung der ableitenden Harnwege, die meist operativ behoben werden muss.


Mehrfachbehinderung

Mehrfachbehinderung, gleichzeitiges Vorliegen mehrerer → Behinderungen bei einem Menschen.


Mehrfachimpfung

Mehrfachimpfung, gleichzeitige Immunisierung gegen verschiedene Krankheiten bzw. Antigene, oft mit einem Mehrfachimpfstoff, z. B. Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) oder für Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTP-Impfung). Mehrfachimpfungen wirken sich nicht negativ auf die Qualität der Immunantwort aus.


Mehrfachresistenz

Mehrfachresistenz, → Resistenz eines Krankheitserregers gegen mehrere antibiotische Substanzklassen, die bei einer bakteriellen Infektion in der mikrobiologischen Kultur (Antibiogramm) festgestellt wird und zu ernsthaften Behandlungsproblemen führt.


Mehrfachverletzung

Mehrfachverletzung, → Polytrauma.


Mehrling

Mehrling, Zwillinge, Drillinge, Vierlinge usw. Mehrlingskinder kommen in der Regel früher und mit geringerem Geburtsgewicht zur Welt als "Einlinge". Eine Mehrlingsschwangerschaft ist auch ohne Ultraschall spätestens ab dem siebten Schwangerschaftsmonat erkennbar.


Mehrlingsschwangerschaft

Mehrlingsschwangerschaft, Schwangerschaft, bei der mehr als ein Kind heranreift (Zwillinge, Drillinge, Vierlinge usw.). Eine Mehrlingsschwangerschaft wird im siebten Monat äußerlich erkennbar bzw. tastbar, wird aber in der Regel mittels Ultraschall weit früher festgestellt. Eine Mehrlingsschwangerschaft kann natürlich oder iatrogen durch hormonelle Follikel-Stimulation zur Behandlung der weiblichen Sterilität entstehen und wird grundsätzlich als Risikoschwangerschaft angesehen, sowohl im Hinblick auf die Kinder als auch für die Mutter. Mehrlinge werden meist zu früh geboren und haben daher ein niedrigeres Geburtsgewicht als Reifgeborene.


Meibom-Drüsen

Meibom-Drüsen, Talgdrüsen am Augenlid (Glandulae tarsales), die an der Lidkante münden und der Tränenflüssigkeit Lipide beimischen (Lipidfilm). Sie sind unter der Lidbindehaut als helle Streifen erkennbar. Ein Talgstau bzw. die Entzündung einer Meibom-Drüsen führt zu einem → Hordeolum internum (Gerstenkorn, auch "Meibomitis").


Meigs-Syndrom

Meigs-Syndrom, eine Häufung von Symptomen bei Vorliegen eines meist gutartigen Eierstocktumors: Typisch sind ein Hydrothorax und Aszites.


Meiose

Meiose, Reduktionsteilung,
Meiose
Reduktionsteilung (Meiose)
Zellteilung mit Halbierung des diploiden Chromosomensatzes, die Teilungsform der Keimzellen (Gameten). Bei der Meiose kommt es im Verlauf zweier Reifeteilungen zur Neukombination (Rekombination) des Erbguts: mütterliche und väterliche Chromosomen werden auf die entstehenden Zellen zufällig verteilt; durch Crossing-over können homologe Chromosomen sogar Gene austauschen. Nach dem ersten Teilungsschritt der Meiose folgt stets ein zweiter, normaler Zellteilungsschritt (→ Mitose). So entstehen aus einer Keimzelle durch Meiose bei der Frau eine Eizelle (und drei Polkörperchen) und beim Mann vier Spermien, die je nur einen haploiden Chromosomensatz enthalten.


Mekonium

Mekonium, Kindspech, grünlich-schwarzer Darminhalt des Neugeborenen bzw. sein erster Stuhl. Das Mekonium wird normalerweise innerhalb eines Tages nach der Geburt abgesetzt.


Mekoniumaspiration

Mekoniumaspiration, lebensgefährliche Geburtskomplikation, bei der mekoniumhaltiges Fruchtwasser in die Lungen des Neugeborenen gelangt und zu einer schweren Lungenentzündung führen kann.


Mekoniumileus

Mekoniumileus, Darmverschluss des Neugeborenen infolge zähen Mekoniums bei → Mukoviszidose.


Mekoniumtest

Mekoniumtest, die Untersuchung des Mekoniums auf einen erhöhten Gehalt an Albumin. Ein positives Testresultat weist auf das Vorliegen einer → Mukoviszidose hin.


Melaena

Melaena, Teerstuhl, Blutstuhl, schwärzlich gefärbter Stuhl von teerartiger, klebriger Beschaffenheit als Folge von Blutungen aus dem Magen oder den oberen Darmabschnitten (z. B. bei Magengeschwüren oder einem Magenkarzinom). Die Schwarzfärbung kommt vor allem durch den Abbau des Blutfarbstoffs Hämoglobin innerhalb des Magen-Darm-Trakts zustande. Befinden sich im Stuhl Anteile von noch nicht abgebautem (rötlichem) Hämoglobin, stammt das Blut aus unteren Darmabschnitten (Blutstuhl).


Melancholie

Melancholie, Begriff aus dem Griechischen, wörtlich "schwarze Galle", am ehesten mit Schwermut, Trübsinn oder Depression zu übersetzen.


Melanin

Melanin, braunes bis schwarzes Hautpigment, ein komplexes Polymer aus Tyrosin, das von den Melanozyten gebildet und über Zellausläufer in die Keratinozyten transportiert wird. Melanin wird unter Einfluss von Sonnenlicht vermehrt gebildet und schützt die Hautzellen vor Schäden durch die Sonnenstrahlung. Melanin färbt auch die Haare und die Iris.


melan...

melan..., melano..., Wortteil mit der Bedeutung schwarz, dunkel.


Melanom, malignes

Melanom, malignes, Entartung der Melanozyten, die zu dem relativ häufigen "schwarzen Hautkrebs" führt. Bei frühzeitiger Erkennung (Melanoma → in situ) kann das maligne Melanom durch einen einfachen chirurgischen Eingriff geheilt werden; bei Metastasierung bestehen hingegen nur geringe Überlebenschancen. Die klinische Unterscheidung zwischen einem harmlosen → Nävus und einem malignen Melanom ist nicht immer einfach. Als Kriterien für bösartiges Wachstum gelten ein Durchmesser über sechs Millimeter, aktives Wachstum seitwärts oder in die Tiefe mit deutlicher Größenzunahme, unregelmäßige Farbe und Randkonturen und Blutungen bei leichten Traumen. In Ausnahmefällen enthält ein malignes Melanom kein Melanin (amelanotisches Melanom). Ein tief in der Haut sitzendes malignes Melanom erscheint blau. Risikofaktoren für ein Melanom sind familiäre Belastung, dysplastische Nävi und vor allem ausgiebige Sonnenbäder (UV-Strahlung), insbesondere bei hellem Hauttyp.


Melanosis

Melanosis, eine dunkle Verfärbung der Haut als Symptom verschiedener Erkrankungen, z. B. des Morbus Addison, der Basedow-Krankheit oder in der Schwangerschaft.


Melanozyt

Melanozyt, → Melanin produzierende Hautzelle, die mehrere normale Hautzellen (Keratinozyten) über Zellausläufer mit Melanin versorgt. Durch die Braunfärbung der Epidermis werden die darunter liegenden Hautschichten vor der UV-Sonnenstrahlung geschützt.


Melasma

Melasma, Chloasma, verstärkte Hautpigmentierung durch Hormone, z. B. in der Schwangerschaft, unter der Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva oder bei hormonproduzierenden Tumoren bzw. durch Medikamente wie Hydantoin oder Phenytoin. Das Melasma gravidarum in der Schwangerschaft wird auch als → Chloasma uterinum bezeichnet.


Melatonin

Melatonin, ein von der Epiphyse im Gehirn produziertes Hormon. Die Melatoninausschüttung unterliegt einem 24-Stunden-Rhythmus: Bei Dunkelheit wird Melatonin vermehrt produziert. Melatonin reguliert u. a. den Schlaf-Wach-Rhythmus und wird daher hauptsächlich zur Behandlung von bestimmten Schlafstörungen eingesetzt.


Meldepflicht

Meldepflicht, im Bundesseuchengesetz festgelegte Pflicht des Arztes und des mikrobiologischen Labors, gefährliche Infektionskrankheiten der staatlichen Gesundheitsbehörde zu melden. Auch in der Veterinärmedizin gibt es eine Meldepflicht für bestimmte Krankheiten.


meldepflichtige Krankheit

meldepflichtige Krankheit, der staatlichen → Meldepflicht unterliegende Infektionskrankheiten, deren statistische Erfassung der Kontrolle gefährlicher übertragbarer Krankheiten dient. Dazu gehören z. B. die bakterielle Meningitis, die Geschlechtskrankheiten einschließlich HIV-Infektion, Masern oder Tuberkulose. Nach dem Chemikaliengesetz sind auch Vergiftungen am Arbeitsplatz als meldepflichtig.


Melilotus officinalis

Melilotus officinalis, → Steinklee.


Melissa officinalis

Melissa officinalis, → Zitronenmelisse.


Melisse

Melisse, Melissa officinalis, Zitronenmelisse, eine in der Küche und Naturheilkunde verwendete Pflanze, die in der Zubereitung als Tee bei Einschlafstörungen eingesetzt wird.


Melkerknoten

Melkerknoten, harmlose, juckende, rotviolette Papeln an den Händen, vor allem bei Melkern, die durch das Paravakzinia-Virus verursacht werden. Die Papeln heilen nach einigen Wochen ohne Narbenbildung ab.


mellitus

mellitus, "honigsüß", in der Medizin im Zusammenhang mit → Diabetes mellitus verwendet. Der Begriff bezieht sich auf den süßen Geschmack des Urins bei unbehandeltem Diabetes mellitus aufgrund des hohen Zuckergehalts.


Membran

Membran, → Zellmembran, Lipid-Protein-Hülle der Körperzellen.


Membran

Membran, feinporiger Filter, der für große Biomoleküle undurchlässig ist (Semipermeabilität).


Membran

Membran, Bezeichnung für eine Reihe von anatomischen Strukturen, z.B. Membrana tympani (Trommelfell) oder Basalmembran, eine zwischen Epithel und Bindegewebe liegende Struktur.


Membranpotenzial

Membranpotenzial, elektrische Spannung zwischen Innen- und Außenseite einer erregbaren Zelle, die bis zu 100 Millivolt beträgt. Das Membranpotenzial wird durch spezifische Ionenpermeabilität und Transportmechanismen in der Zellmembran der Zelle aktiv aufgebaut. Die Fähigkeit zur wiederholten Potenzialumkehr (→ Depolarisation), die ebenfalls auf einer Veränderung der Membrandurchlässigkeit beruht, bildet die Grundlage der Reizübertragung im Nervensystem. Die Zellen des → Erregungsleitungssystems im Herz verhalten sich analog.


Memoryzelle

Memoryzelle, → Gedächtniszelle.


Menarche

Menarche, erste Regelblutung (Menstruation) in der Pubertät ca. im 13. Lebensjahr (zwischen 11 und 15 Jahren).


Mendel-Gesetze

Mendel-Gesetze, Gesetzmäßigkeiten der biologischen Vererbung, die G. Mendel 1865 entdeckte. Für seine Beobachtungen an Erbsen konnte erst Jahrzehnte später durch die Fortschritte der Genetik eine Erklärung gefunden werden. Mendel stellte fest, dass die Nachkommen unterschiedlicher, reinrassiger Elternpflanzen alle gleich aussehen (Uniformitätsgesetz), dass aber deren Nachkommen wieder die verschiedenen Merkmale der Eltern zeigen (Spaltungsgesetz). Gemäß dem Rekombinationsgesetz schließlich vererben sich mehrere Merkmale unabhängig voneinander.


Mendelson-Syndrom

Mendelson-Syndrom, die Entstehung einer Aspirationspneumonie infolge der → Aspiration (Einatmung) von Magensaft während einer Bewusstlosigkeit (z. B. einer Narkose).


Menière-Krankheit

Menière-Krankheit, akute Innenohrstörung aufgrund einer drastischen Zunahme der → Endolymphe, die mit der Symptomentrias aus akuten Schwindelanfällen, Übelkeit und Erbrechen sowie einseitiger Schwerhörigkeit insbesondere für tiefe bis mittlere Frequenzen einhergeht. In der Regel bilden sich die Symptome nach einigen Stunden bis Tagen spontan zurück. Bei wiederholten Anfällen kann es zu chronischer Schwerhörigkeit kommen. Die Therapie besteht in der Durchblutungsförderung des Innenohrs und der Korrektur der Endolymphmenge mittels Diuretika.


Meningen

Meningen, Hirnhäute, Hüllen des Zentralnervensystems. Es werden von außen nach innen die harte Hirnhaut (Dura mater oder Pachymeninx), die Arachnoidea und die Pia mater unterschieden. Unter der Arachnoidea liegt der liquorhaltige Subarachnoidalraum. Die Pia mater grenzt direkt an die Hirnoberfläche.


Meningeom

Meningeom, relativ häufiger, in der Regel gutartiger Hirn- oder Rückenmarktumor, der maligne entarten kann. Das Meningeom wächst nur langsam, bereitet aber ab einer bestimmten Größe durch Kompression des Nervengewebes Beschwerden. Bei günstiger Lage kann der Tumor operativ vollständig entfernt werden.


Meningeosis

Meningeosis, die diffuse Metastasierung eines bösartigen Tumors in die Meningen, beispielsweise bei einer akuten Leukämie oder einem Bronchialkarzinom. Eine Meningeosis kann zu Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, zu → Meningismus und psychischen Veränderungen führen. Je nach Tumorart kann eine palliative (die Beschwerden lindernde) Behandlung mit Bestrahlung des Schädels oder Chemotherapie versucht werden.


Meningismus

Meningismus, Genickstarre, wichtiger klinischer Symptomenkomplex bei Reizung der Hirnhäute, vor allem bei bakterieller Meningitis. Die Nackenmuskulatur ist schmerzhaft verspannt, so dass Nickbewegungen nicht möglich sind (Opisthotonus). Hinzu kommen Lichtscheu, Kopfschmerzen, ein positives → Lasègue-Zeichen und Fieber. Bei der Kombination dieser Symptome besteht dringender Verdacht auf eine → Meningitis.


Meningitis

Meningitis, Hirnhautentzündung, meldepflichtige Entzündung der Hirnhäute (Meningen) durch Infektion des Subarachnoidalraums (Bakterien, Viren, selten Pilze oder Protozoen), die sich durch Kopfschmerzen, Fieber, → Meningismus und Bewusstseinseintrübung bemerkbar macht. Die Diagnose wird durch eine → Lumbalpunktion mit laborchemischer und mikroskopischer Untersuchung des → Liquors gestellt. Besonders gefährlich ist die bakterielle, eitrige Meningitis, die zu schweren bis tödlichen Komplikationen wie septischem Schock oder dem Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (abruptes Versagen beider Nebennieren) führen kann. Bei der aseptischen Meningitis handelt es sich um eine nicht infektiös bedingte Hirnhautentzündung, z. B. im Rahmen einer Leukämie oder infolge einer Bestrahlung. Auch → Meningoenzephalitis, → Meningokokkenmeningitis.


Meningoenzephalitis

Meningoenzephalitis, Meningitis mit Übergreifen auf das angrenzende Hirngewebe, meist infektiös bedingt, die zu Bewusstseinsverlust und dem Ausfall von Gehirnfunktionen führt. Überlebt ein Patient diese Erkrankung, bleiben gravierende Hirnschäden zurück, z. B. ein → Hydrocephalus.


Meningokokken

Meningokokken, Neisseria meningitidis, gramnegatives Bakterium, Erreger der epidemischen Meningitis (→ Meningokokkenmeningitis). Auch → Neisseria.


Meningokokkenmeningitis

Meningokokkenmeningitis, meldepflichtige, hochinfektiöse, gefährliche Form der akuten bakteriellen → Meningitis ( → Neisseria). Die Diagnose wird anhand der mikrobiologischen Liquoruntersuchung gestellt (Gram-Färbung und Bakterienkultur). Therapeutisch wird Penizillin eingesetzt. Da die Krankheit äußerst ansteckend ist, werden vorbeugend auch die Kontaktpersonen des Patienten antibiotisch behandelt. Auch → Meningokokkensepsis.


Meningokokkensepsis

Meningokokkensepsis, schwere, generalisierte Meningokokkeninfektion mit hohem Fieber und typischen petechialen (punktförmigen) Blutungen. Bei der fulminanten Meningokokkensepsis (→  Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) kommt es zu massiven Hautblutungen und tödlichem Kreislaufschock.


Meningomyelitis

Meningomyelitis, Entzündung der Rückenmarkshüllen (→ Meningitis) und des Rückenmarks.


Meningomyelozele

Meningomyelozele, Spaltmissbildung des Zentralnervensystems und seiner Hüllen, offene Form der → Spina bifida, bei der ein Teil des Rückenmarks frei an der Körperoberfläche liegt. Bei ungünstiger Lage oder großem Defekt kommt es trotz chirurgischer Versorgung zu neurologischen Ausfällen. Die Meningomyelozele ist häufig mit anderen Organmissbildungen kombiniert, z. B. mit einem → Hydrocephalus.


Meningozele

Meningozele, Spaltmissbildung des Rückenmarks mit Vorwölbung der Rückenmarkshäute aus dem Wirbelkanal bei intaktem Rückenmark. Auch → Meningomyelozele.


Meninx

Meninx Hirnhaut, → Meningen.


Meniskus

Meniskus, halbmondförmige Zwischenscheibe aus Faserknorpel in einem Gelenk, im engeren Sinne im Kniegelenk. Ein Meniskus verbessert die Gelenkmechanik und hat Stoßdämpferfunktion. Ein ringförmiger Meniskus wird als → Diskus bezeichnet. Die Menisken im Kniegelenk bestehen aus dem C-förmigen Innenmeniskus (Meniscus medialis) und dem fast ringförmigen Außenmeniskus (Meniscus lateralis), deren Enden als Vorder- und Hinterhorn bezeichnet werden. Der Innenmeniskus ist mit dem medialen Seitenband des Knies verwachsen und daran fixiert.


Meniskuseinklemmung

Meniskuseinklemmung, Einklemmung eines verletzten Meniskus im Gelenkspalt des Knies mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung und typischer federnder Streckhemmung (Blockade) des Knies.


Meniskusverletzung

Meniskusverletzung, Ein- oder Abriss eines Meniskus infolge chronischer Fehlbelastung des Knies oder Gewalteinwirkung (z. B. Verdrehtrauma, typische Sportverletzung). Der innere (mediale) Meniskus ist wegen seiner Fixierung am medialen Seitenband häufiger betroffen. Die Diagnose einer Meniskusverletzung wird klinisch oder durch eine Arthroskopie bzw. eine Magnetresonanztomographie gestellt. Eine unkomplizierte Meniskusverletzung lässt sich arthroskopisch beheben. Eine unbehandelte Meniskusverletzung führt zu einer Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose).


Menopause

Menopause, Zeit nach der letzten Menstruation, meist um das 50. Lebensjahr. Die Menopause ist Ausdruck der nachlassenden Hormonproduktion und markiert das Ende der natürlichen Empfängnisfähigkeit. Auch → Klimakterium.


Menopausensyndrom

Menopausensyndrom, die Bezeichnung für Beschwerden, die typischerweise während des → Klimakteriums auftreten. Dazu gehören Schweißausbrüche (Wallungen), Schwindel und verschiedene psychische Symptome wie Reizbarkeit, depressive Verstimmung oder Konzentrationsstörungen. Zu den körperlichen Veränderungen beim Menopausensyndrom gehören eine Trockenheit der Schleimhäute im Vaginalbereich und Osteoporose.


Menorrhagie

Menorrhagie, verlängerte Menstruationsblutung bei normalem Monatszyklus. Auch → Hypermenorrhö.


Menschenfloh

Menschenfloh, Pulex irritans, ein Ektoparasit des Menschen, der sich in der Körperbehaarung und im Hausstaub aufhält. Die Flohbisse verursachen Juckreiz und können sich durch Aufkratzen sekundär infizieren. Krankheiten werden durch den Menschenfloh jedoch nicht übertragen. Wegen ihrer Sprungkraft und ihres harten Körpers sind Flöhe schwierig zu fangen und zu töten. Auch → Floh.


Menses

Menses, Abk. für → Menstruation.


Menstruation

Menstruation, Menses, Regelblutung, Periode, monatliche Abstoßung des Endometriums (Uterusschleimhaut) mit ca. 50 ml Blut durchschnittlich alle 28 Tage. Die Menstruation dauert drei bis sieben Tage und kann von Menstruationsbeschwerden begleitet sein (z. B. schmerzhafte Muskelkontraktionen des Uterus). Der Beginn der Menstruation gilt als erster Tag des → Menstruationszyklus.


Menstruationsstörung

Menstruationsstörung, → Zyklusstörung.


Menstruationszyklus

Menstruationszyklus,
Menstruationszyklus
Eireifung und Gebärmutterschleimhautveränderung während des Menstruationszyklus.
der durchschnittlich 28-tägige periodische Auf- und Abbau des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) bei der geschlechtsreifen Frau. Der erste Tag der Menstruation gilt als erster Zyklustag. Bis zum Eisprung (Ovulation) in der Zyklusmitte (um den 14. Zyklustag) wächst das Endometrium unter Östrogeneinfluss heran (Proliferationsphase). Nach der Ovulation bereitet sich das Endometrium unter Einfluss des Progesterons auf die Einnistung (Nidation) einer befruchteten Eizelle vor (Sekretionsphase). Mit Versiegen des Progesterons aus dem Gelbkörper wird das Endometrium ausgestoßen (Menstruation). Der Menstruationszyklus unterliegt einer komplexen Steuerung durch Hormone aus der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und kann medikamentös beeinflusst bzw. verschoben werden (→ Ovulationshemmer). Auch → Zyklusstörung.


mental

mental, das Gemüt oder das Denken betreffend, psychisch; seelisch, geistig. Auch → kognitiv.


Mentaltherapie

Mentaltherapie, das Heilen durch geistige (parapsychologische) Kräfte, auch über räumliche Distanz (Fernheilung). Die in der Mentaltherapie verwendeten Heilmittel wirken ebenfalls kosmisch und nichtmateriell.


Mentha piperita

Mentha piperita, → Pfefferminze.


Menthol

Menthol, Hauptbestandteil des Pfefferminzöls. Menthol wirkt kühlend (Verdunstung bei Zimmertemperatur), leicht lokalanästhetisch, antibakteriell und wird bei Erkältung, Migräne und Insektenstichen sowie in der Aromatherapie eingesetzt.


Meridiane

Meridiane, Begriff für die Leitbahnen oder -gefäße der traditionellen chinesischen Medizin. Neben den zwölf Hauptmeridianen, die im Körperinnern verlaufen, sind rund 50 oberflächliche Nebenmeridiane bekannt, über die Organe mit Blut und → Qi versorgt werden. Durch die Verbindungen zwischen den Meridianen entstehen komplexe Kreisläufe, auf die mittels → Akupunktur Einfluss genommen werden kann. Auch → Medizin, traditionelle chinesische.


Merseburger Trias

Merseburger Trias, die drei Leitsymptome bei einem → Morbus Basedow: Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), Hervortreten der Augäpfel und Herzjagen.


Mesalazin

Mesalazin, Aminosalicylsäure mit entzündungshemmender Wirkung im Dickdarm, die über die Darmschleimhaut kaum resorbiert wird. Mesalazin kommt bei → Colitis ulcerosa therapeutisch und prophylaktisch zum Einsatz.


Mescalin

Mescalin, → Meskalin.


Mesencephalon

Mesencephalon, Abschnitt des Hirnstamms zwischen Pons/Kleinhirn und Zwischenhirn (Diencephalon). Im Mesencephalon liegen Kerne des dritten bis fünften Hirnnervs. Dorsal wölbt sich die Vierhügelplatte (Lamina tecti) vor, in der die Umschaltstelle für die Hörbahn (die beiden unteren Hügel) und für die Sehbahn (die beiden oberen Hügel) liegt. Auch die Substantia nigra (→ Parkinson-Krankheit), der Nucleus ruber und der Nucleus caeruleus gehören zum Mesencephalon.


Mesenchym

Mesenchym, das aus dem mittleren Keimblatt (→ Mesoderm) entstandene Gewebe. Bis auf die Haut, das Nervensystem und die Verdauungsorgane ist der menschliche Körper mesenchymalen Ursprungs (Muskeln, Knochen, Herz und Gefäße, Harnorgane sowie das dazwischenliegende Bindegewebe).


mesenterial

mesenterial, das → Mesenterium oder die darin verlaufenden Gefäße betreffend.


Mesenterialinfarkt

Mesenterialinfarkt, akute Durchblutungsstörung des Dünndarms durch den Verschluss eines Mesenterialgefäßes, der bei entsprechender Infarktausdehnung tödlich verläuft. Ein Mesenterialinfarkt äußert sich als → akutes Abdomen mit heftigen Bauchschmerzen und muss chirurgisch versorgt werden. Bei Atherosklerose wird ein Bypass gelegt.


Mesenterium

Mesenterium, Dünndarmgekröse, die Verbindung zwischen dem Dünndarm und der hinteren Bauchwand. Das Mesenterium enthält die Blutgefäße und die Nerven, die den Dünndarm versorgen und ist beidseitig vom Peritoneum (Bauchfell) bedeckt.


Meshgraft

Meshgraft, freier Hautlappen aus → Spalthaut mit zahlreichen feinen Einschnitten, damit er netzartig auseinander gezogen werden kann, um eine möglichst große Wundfläche zu versorgen, z. B. bei Verbrennungen. Die Zwischenräume im Meshgraft und die offene Entnahmestelle schließen sich bei guten Wundverhältnissen innerhalb weniger Tage von selbst. Der Meshgraft wird mit einem hobelartigen Schneideapparat entnommen. Auch → Hauttransplantation.


Meskalin

Meskalin, illegales Betäubungsmittel aus dem mexikanischen Peyotl-Kaktus, das einen LSD-ähnlichen Rauschzustand erzeugt. Meskalinhaltige Kakteenscheiben werden deshalb in Lateinamerika traditionell eingenommen.


meso...

meso..., das mittlere, in der Mitte gelegen.


Mesoderm

Mesoderm, das dritte oder mittlere Keimblatt (embryologische Zellschicht) zwischen Ektoderm und Entoderm, aus dem der größte Teil des Körpers hervorgeht (→ Mesenchym).


Mesometrium

Mesometrium, eine Duplikatur des Bauchfells, die auf beiden Seiten des Uterus liegt.


Mesosalpinx

Mesosalpinx, eine Duplikatur des Bauchfells um die Eierstöcke und Eileiter herum. Die Mesosalpinx dient als Aufhängevorrichtung der Eileiter.


Mesotheliom

Mesotheliom, bösartiger Tumor des Brustfells, der zunächst in die Lunge einwächst, anschließend Tochtergeschwülste in Knochen, Nieren und Leber bildet. Das Mesotheliom ist ein insgesamt seltener Tumor, der gehäuft bei Asbestarbeitern auftritt und als Berufskrankheit anerkannt ist.


Messenger-Ribonukleinsäure

Messenger-Ribonukleinsäure, → m-RNS.


metabolisch

metabolisch, den Stoffwechsel (→ Metabolismus) betreffend.


Metabolisierung

Metabolisierung, Verstoffwechselung, Aufnahme, Einbau und Abbau von Nährstoffen oder chemischen Substanzen im Körper. Auch → Metabolismus.


Metabolismus

Metabolismus, Stoffwechsel, hormonell und enzymatisch gesteuerte Gesamtheit der biologisch-chemischen Vorgänge im Organismus mit Abbau und Resorption von Nährstoffen sowie Aufbau und der Erhaltung der Körperbestandteile. Man unterscheidet zwischen mehreren Teilstoffwechselvorgängen, z. B. dem Fett-, den Eiweiß- und den Kohlenhydratstoffwechsel. Die zentrale Funktion des Metabolismus ist die Energiegewinnung (→ Citratzyklus) durch die "Verbrennung" von Kohlenhydraten oder Fettsäuren. Der Körper kann auch komplexe Moleküle aus einfacheren Vorläufersubstanzen bilden, z. B. Steroide. Die Stoffwechselvorgänge laufen über verschiedene Zwischenstufen und in verschiedenen Bereichen des Körpers ab, das zentrale Organ für die Stoffumsetzung ist die Leber. Das Fehlen eines Enzyms zieht schwere Krankheiten nach sich, weil ein Metabolit nicht weiter abgebaut werden kann (→ Stoffwechselkrankheiten). Der Aufbau von Körpergewebe wird als Anabolismus, der Abbau als Katabolismus bezeichnet.


Metabolit

Metabolit, chemische Substanz, die im Körper (weiter) verarbeitet wird. Einige Metaboliten können im Blut nachgewiesen werden; ein Fehlen oder ein Überschuss von Metaboliten kommt bei Enzymdefekten vor.


Metacarpus

Metacarpus, Mittelhand, Abschnitt der Hand zwischen Handwurzel (Carpus) und Fingern. Der Metacarpus besteht aus fünf Röhrenknochen, den kleinen Fingermuskeln und den Sehnen der langen Fingermuskeln.


metakarpal

metakarpal, die Mittelhand(knochen) betreffend.


Metalltherapie

Metalltherapie, äußerliche und innerliche (homöopathische) Anwendung von Metallpräparaten in der anthroposophischen Medizin (Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber, Silber Antimon, Arsen und Magnesium), die den Planeten und den Organen zugeordnet sind.


Metamorphose

Metamorphose, Umwandlung, zoologischer Begriff für die Verwandlung bei Amphibien oder Insekten im Verlauf der Entwicklung.


Metamorphose

Metamorphose, Umwandlung, langsame Veränderung von Zellen oder Geweben aufgrund einer Krankheit oder Anpassungsreaktion. Auch → Metaplasie.


Metaphase

Metaphase, mittlere Phase der → Mitose (Zellteilung). In der Metaphase liegen die Chromosomen in der Mittelebene der Zelle, sind durch Spiralbildung maximal verdickt und im Lichtmikroskop gut sichtbar.


Metaphyse

Metaphyse, Epiphysenfuge, Abschnitt an den Enden eines Röhrenknochens zwischen der Diaphyse und der → Epiphyse, der für das Längenwachstum zuständig ist; eine Fraktur kann bei Kindern zu einer Störung des Längenwachstums führen.


Metaplasie

Metaplasie, Gewebeumwandlung durch Anpassung, z. B. als Reaktion auf wiederholte Schädigungen. Die Schleimhaut der Bronchien bei Rauchern weist häufig Metaplasien auf (Umwandlung in Plattenepithel). Bei Zeichen der Entdifferenzierung spricht man von zellulärer → Dysplasie mit erhöhtem Krebsrisiko. Personen mit Metaplasie, z. B. des Gebärmutterhalses oder der Speiseröhre, sollten daher regelmäßig untersucht werden.


Metastase

Metastase, Tochtergeschwulst, Ableger eines malignen Tumors (Krebs). Das erste Ziel jeder Krebstherapie besteht in der Entfernung des Primärtumors, möglichst bevor sich Metastasen gebildet haben. Eine Metastase kann jedes Organ betreffen (Fernmetastase durch hämatogene oder lymphogene Streuung) und findet sich häufig in Lunge und Leber (viszerale Metastasierung), in Knochen und Gehirn. Bei regionalen Metastasen sind die regionalen Lymphknoten befallen, die bei der operativen Entfernung des Primärtumors mit entfernt werden. Metastasen können durch Röntgenaufnahmen (Lunge), Computertomografie oder Magnetresonanztomografie (Gehirn), Sonografie (Leber) und nuklearmedizinisch (Skelett) nachgewiesen werden. Auch → Metastasierung.


Metastasierung

Metastasierung, Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) eines malignen (bösartigen) Tumors durch Streuung von Krebszellen über die Blut- (hämatogene Streuung) und die Lymphbahn (lymphogene Streuung). Maligne Zellen können auch in der Bauchhöhle, im Liquor des Zentralnervensystems oder durch direkte Invasion eines Organs zu Metastasen heranwachsen.


metastatisch

metastatisch, durch eine → Metastase verursacht.


metatarsal

metatarsal, den → Metatarsus (Mittelfuß) bzw. die Mittelfußknochen (Os metatarsalia) betreffend.


Metatarsus

Metatarsus, Mittelfuß,
Metatarsus
Die Fußknochen mit dem langgestreckten von den Mittelfußknochen gebildeten Metatarsus.
Teil des Fußes zwischen der Fußwurzel und Zehen, der aus fünf Röhrenknochen besteht. Beim Stehen liegt das Körpergewicht auf der Ferse und auf den distalen Enden des ersten und fünften Metatarsalknochens.


Meteorismus

Meteorismus, Blähung, überschießende Ansammlung von Darmgasen im Verdauungstrakt. Die luftgefüllten Darmschlingen sind im Röntgenbild sichtbar.


Metformin

Metformin, ein → Biguanid, das zur Behandlung von → Diabetes mellitus eingesetzt wird.


Methadon

Methadon, synthetisches Opiat mit morphinähnlicher Wirkung, das als starkes Schmerzmittel und als Heroinersatz in kontrollierten Drogenprogrammen verwendet wird. Es hat eine längere Halbwertszeit als Morphin oder Heroin, so dass die Entzugssymptome nach Absetzen des Methadon weniger stark ausfallen.


Methämoglobin

Methämoglobin, Hämiglobin, Hämoglobin, das keinen Sauerstoff transportieren kann, durch Oxidanzien wie Anilin oder Phenacetin entsteht und dreiwertiges, oxidiertes Eisen enthält. Auch →  Methämoglobinämie.


Methämoglobinämie

Methämoglobinämie, angeborene oder erworbene Erhöhung des → Methämoglobins im Blut. Normalerweise liegt weniger als ein Prozent des Häm-Eisens in dreifach oxidierter Form vor (Methämoglobin). Oxidanzien wie Nitrit lassen den Methämoglobin-Gehalt des Bluts ansteigen; da dieses Methämoglobin keinen Sauerstoff transportieren kann, kommt es bei einem Gehalt von über zehn Prozent zu Zeichen des Sauerstoffmangels, z. B. einer → Zyanose; bei weiterem Anstieg kommen Kopfschmerzen, Übelkeit und Atemnot hinzu. Eine Methämoglobinkonzentration im Blut von 60-70% ist tödlich. Das dreifach oxidierte Eisen kann mit einem reduzierenden Gegengift wie Methylenblau oder Vitamin C in seine funktionsfähige Form zurückverwandelt werden.


Methanol

Methanol, Methylalkohol, der chemisch einfachste Alkohol. Methanol wird in der Industrie als Lösungsmittel verwendet und hat ähnliche Eigenschaften wie Ethanol, ist aber giftig. Eine Methanolvergiftung führt zu metabolischer Azidose und schädigt das Zentralnervensystem und besonders die → Retina (Erblindungsgefahr) vor allem durch die Abbauprodukte Ameisensäure und Formaldehyd; die tödliche Dosis liegt bei 30 bis 50 ml. Ethanol wirkt als Gegengift, da es den Abbau des Methanols verlangsamt.


Methionin

Methionin, eine essenzielle Aminosäure, die in vielen Proteinen enthalten ist.


Methotrexat

Methotrexat, Zytostatikum, Folsäure-Antagonist, der die Wirkung der Folsäure auf Enzymebene hemmt und somit die Synthese von Nukleinsäuren verhindert. Methotrexat ist Bestandteil zahlreicher Chemotherapieschemata zur Krebsbehandlung; in geringerer Dosierung (Low-dose-Therapie) wird es auch bei schwerer Psoriasis und bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt und darf nur unter gleichzeitiger Folsäuresubstitution gegeben werden.


Methylalkohol

Methylalkohol, → Methanol.


Methyldopa

Methyldopa, Antihypertensivum, das nach Umwandlung in Methyl-Noradrenalin den peripheren Gefäßwiderstand senkt. Als Nebenwirkungen können Müdigkeit und Alpträume auftreten.


Methylenblau

Methylenblau, Thiazinabkömmling, der in wässriger Lösung dunkelblauen Farbstoff ergibt und bei der Methylenblaufärbung in verdünnter, alkoholischer Lösung mit Kalilauge verwendet wird, z. B. zur Anfärbung von Gonokokken bei der Diagnostik einer → Gonorrhö.


Methylmorphin

Methylmorphin, → Codein.


Metoclopramid

Metoclopramid, Dopamin-Antagonist, der zur Anregung der Magen-Darm-Motorik und als → Antiemetikum gegen Übelkeit eingesetzt wird.


Metoprolol

Metoprolol, Beta1-Blocker, der bei Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung und zur Migräneprophylaxe eingesetzt wird.


Metritis

Metritis, Entzündung des Uterus mit Befall des Myometriums (Muskelschicht des Uterus). Auch → Endometritis.


Metronidazol

Metronidazol, spezielles Antibiotikum, das gegen anaerobe Bakterien und verschiedene Protozoen (z. B. Trichomonaden, Gardnerella vaginalis und Amöben) eingesetzt wird.


Metropie

Metropie, Normalsichtigkeit. Auch → Hyperopie, → Myopie.


Metroplastik

Metroplastik, eine Operation, bei der eine Fehlbildung der Gebärmutter entfernt und eine möglichst normale Gebärmutterform angestrebt wird.


Metrorrhagie

Metrorrhagie, Gebärmutterblutung außerhalb der Menstruation als Hinweis auf eine hormonelle Störung, eine Infektion oder einen Tumor.


Meulengracht-Syndrom

Meulengracht-Syndrom, eine Erbkrankheit mit einer Störung des Bilirubin-Stoffwechsels und einer Erhöhung des indirekten Bilirubins im Serum. Symptome sind unter anderem Oberbauchschmerzen und Ikterus.


Meyer-Weigert-Regel

Meyer-Weigert-Regel, Regel, nach der bei doppelter Harnleitermündung in die Blase (Missbildung) die seitliche, obere Ureteröffnung dem unteren und die mittlere, untere Ureteröffnung dem oberen Nierenbecken entspricht.


MFH

MFH, Abk. für → Magnet-Flüssigkeits-Hyperthermie.


mg

mg, Abk. für Milligramm.


Mg

Mg, Abk. für → Magnesium.


MHC

MHC, Abk. für → Major histocompatibility complex.


MI

MI, Abk. für → Myokardinfarkt oder Mitralinsuffizienz.


Miasma

Miasma, elementare, übertragbare "Urkrankheit", die sich zu verschiedenen Krankheiten entwickeln kann. Diese aus dem Altertum stammende Vorstellung wurde in der Neuzeit wieder aufgenommen und teilweise an die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst (→ Miasmenlehre). Die drei klassischen Miasmen heißen Psora, Sykose und Syphilis.


Miasmenlehre

Miasmenlehre, Theorie zur Erklärung von Krankheiten auf der Basis der → Miasmen. Eine einheitliche Miasmenlehre gibt es nicht; die verschiedenen Systeme spiegeln häufig den medizinischen Kenntnisstand zur Zeit ihrer Formulierung wider. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde als viertes Hauptmiasma die Tuberkulose postuliert. Semmelweiss hielt auch das Kindbettfieber für die Folge einer Miasmenkontamination und führte die strikte Händedesinfektion vor der Untersuchung von Gebärenden ein. Die Miasmenlehre arbeitet mit körperlichen und seelischen Begriffen (holistischer Ansatz).


Micrococcus

Micrococcus, eine Gattung von grampositiven Kugelbakterien, die im Boden, im Wasser und auf der Haut vorkommen.


Microsporum

Microsporum, eine Gattung von Pilzen, die Erreger der → Mikrosporie.


Midazolam

Midazolam, rasch und kurz wirkendes Benzodiazepin, das als Schlafmittel und als Sedativum vor medizinischen Eingriffen verwendet wird (z. B. zur Narkoseeinleitung).


Midlifecrisis

Midlifecrisis, depressive Phase um das 50. Lebensjahr, typischerweise im Zusammenhang mit Alterserscheinungen, beruflichen oder ehelichen Problemen oder mit dem Auszug der Kinder aus dem Elternhaus.


Mifegyne®

Mifegyne®, RU 486, »Abtreibungspille«, enthält den Wirkstoff Mifepriston, der eine Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut (Nidation) verhindert oder nach bereits erfolgter Nidation einen frühen Abort auslöst. Mifegyne® wird als Alternative zum chirurgischen → Schwangerschaftsabbruch (→ Curettage der Gebärmutter) eingesetzt und kann mit Blutungen, Übelkeit und Erbrechen einhergehen.


Mifepriston

Mifepriston RU 486, "Abtreibungspille", → Mifegyne®.


Migräne

Migräne,
Migräne
Diagnosekriterien für Migräne im Vergleich zu Spannungs- und Cluster-Kopfschmerz.
häufige Form des Kopfschmerzes, an dem rund ein Viertel aller Menschen leiden, Frauen dreimal häufiger als Männer. Die typische Migräne beginnt in der Jugend und geht mit wiederkehrenden, halbseitigen, klopfenden Kopfschmerzanfällen, Übelkeit, Sehstörungen oder anderen neurologischen Symptomen einher, die Stunden bis Tage dauern können. Die genaue Ursache ist unbekannt, diskutiert wird eine vorübergehende Verengung der Gehirnarterien, gefolgt von plötzlicher, massiver Weitstellung. Schmerzmittel und Ergotamin sind im Anfall wirksam; zur Vorbeugung werden neben der Vermeidung mirgäneauslösender Substanzen (Käse, Nüsse, Rotwein) Betablocker eingesetzt.


Migration

Migration, Wanderung von Körperzellen, z. B. von Stammzellen während der Embryonalentwicklung oder von Leukozyten durch → Chemotaxis an den Ort der Entzündung im Rahmen einer Immunreaktion.


mikro...

mikro..., klein, wenig; nur mit dem Mikroskop erkennbar.


Mikroangiopathie

Mikroangiopathie, krankhafte Veränderung bzw. Verengung der kleinen Blutgefäße (Durchmesser unter einem Millimeter), die zu Durchblutungsstörungen führt. Die bei weitem häufigste Ursache einer Mikroangiopathie ist der Diabetes mellitus, der gleichzeitig zu einer Atherosklerose der großen Arterien führt. Seltener sind Mikroangiopathien im Rahmen von Autoimmunkrankheiten. In schweren Fällen stirbt das betroffene Organ (z. B. Fuß, Niere, Retina) ab (→ Nekrose).


Mikrobe

Mikrobe, → Mikroorganismus.


Mikroblutanalyse

Mikroblutanalyse, biochemische Untersuchung, für die nur eine kleine Blutmenge (Tropfen) benötigt wird. Kombinierte Analysegeräte liefern zahlreiche Resultate innerhalb von Minuten.


Mikrochirurgie

Mikrochirurgie, Sammelbezeichnung für chirurgische Eingriffe an kleinen Strukturen. Neben einer ruhigen Hand benötigt der Operateur eine Lupe und besonders feine Instrumente. Mikrochirurgische Verfahren werden vor allem bei Augen-, Nerven- und Gefäßoperationen angewendet.


Mikroembolisation

Mikroembolisation, → Embolie durch kleine, im Blut zirkulierende Teilchen, z. B. Cholesterin-Kristalle aus einer atherosklerotischen Plaque. Eine gezielte Mikroembolisation mit markierten Teilchen kann auch zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken herbeigeführt werden (z. B. bei der Lungenperfusions-Szintigrafie).


Mikroglia

Mikroglia, einer der drei Zelltypen des Bindegewebes im Zentralnervensystem. Mikrogliazellen sind beweglich und können körperfremdes Material aufnehmen (Phagozytose).


Mikrografie

Mikrografie, ein Symptom, das v. a. bei der Parkinson-Krankheit auftritt: Beim Schreiben von Hand wird die Schrift immer kleiner.


Mikrogyrie

Mikrogyrie, abnorm kleine Gehirnwindungen, z. B. bei Vorliegen eines Gehirnschadens.


Mikrohämaturie

Mikrohämaturie, mikroskopische Hämaturie, Blutbeimengung im Urin, die nur durch eine mikroskopische Sedimentuntersuchung erkennbar ist. Die Erythrozyten werden in einer Zählkammer ausgezählt und auf Veränderungen untersucht. Auch → Hämaturie.


Mikroorganismus

Mikroorganismus, mit bloßem Auge nicht sichtbares Lebewesen; Bakterien wurden Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt und als Krankheitserreger erkannt. Heute unterscheidet man Bakterien, Viren, Pilze und Protozoen (kernhaltige Einzeller). In den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurden → Prionen als neue Krankheitserreger entdeckt.


Mikrophthalmie

Mikrophthalmie, Missbildung des Auges mit zu kleinem Augapfel, häufig im Rahmen eines genetisch bedingten Syndroms.


Mikropille

Mikropille, hormonales Kontrazeptivum mit reduziertem Östrogengehalt. Auch → Minipille, → Ovulationshemmer.


Mikroskop

Mikroskop,
Lichtmikroskop
Die Grafik stellt den Weg des Lichts durch das komplexe Linsen- und Filtersystem eines Lichtmikroskops dar.
Gerät zur Vergrößerung kleiner Strukturen. Mit dem → Lichtmikroskop kann eine 400fache (mit Ölimmersion: 800fache) Vergrößerung erreicht werden. Das → Elektronenmikroskop ermöglicht Vergrößerungen bis auf molekulare Ebene (300.000fach) nach aufwendiger Vorbereitung des Präparats.


mikroskopisch

mikroskopisch, nur mit dem (Licht-)Mikroskop erkennbar; sehr klein.


Mikrosomie

Mikrosomie, → Kleinwuchs.


Mikrosporie

Mikrosporie, Infektion der Haut durch den Hautpilz Microspora, typischerweise auf der Kopfhaut von Kindern, die zu kahlen, schuppenden Stellen am Kopf führt, weil die befallenen Haare abbrechen.


Mikrotubuli

Mikrotubuli, Zellorganellen, röhrenförmige Strukturen im Zellinnern, die als Bestandteile des Zytoskeletts für die Form und Stabilität der Zelle mitverantwortlich sind; bei der Kernteilung bilden sie die Teilungsspindel aus und sind auch an Stoffwechselvorgängen innerhalb der Zelle beteiligt, z. B. dem Transport von synaptischen Bläschen innerhalb der Nervenzellen. Die Mikrotubuli fungieren aber auch als Bauelemente von Bewegungsorganellen wie Zilien (Wimpern), z. B. im Flimmerepithel der Eileiter.


Mikroverkalkung

Mikroverkalkung, eine Kalkablagerung in der Brustdrüse. Mikroverkalkungen können mit einer Mammografie nachgewiesen werden und sind so lange als ein Hinweis auf Brustkrebs zu betrachten, bis das Gegenteil bewiesen werden kann (durch eine Biopsie und eine Untersuchung des entnommenen Gewebes).


Mikrovilli

Mikrovilli, Kleinzotten der Darmschleimhaut, der Nierenkanälchen und des → Plexus choroideus. Mikrovilli sind feine, ca. ein Tausendstel Millimeter lange Ausstülpungen der Zelloberfläche, die im Dünndarm den sog. Bürstensaum bilden und die Darmoberfläche auf ca. 100 Quadratmeter vergrößern. In den Mikrovilli des Dünndarms werden Nährstoffe durch aktiven und passiven Transport resorbiert.


Mikrowellen

Mikrowellen, elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge im Zentimeter- bzw. Gigahertz-Bereich; Mikrowellen erwärmen Wasser und wasserhaltiges Gewebe ohne Ionisation (nichtionisierende Strahlung).


Mikrowellentherapie

Mikrowellentherapie, Einsatz von Mikrowellen in der physikalischen Therapie. Mikrowellen erzeugen je nach Wellenlänge an der Oberfläche oder in der Tiefe des Körpers Gewebserwärmung, z. B. einer Muskelpartie bei Sportverletzungen. Durch die Erwärmung werden Verkrampfungen gelöst und die Durchblutung gefördert.


Mikrozephalie

Mikrozephalie, eine Verkleinerung des Schädels und des Gehirns, z. B. als Folge einer → Dysostose oder einer angeborenen Erkrankung des Gehirns.


Mikrozirkulation

Mikrozirkulation, Teil des Blutkreislaufs in den kleinen Gefäßen und Kapillaren. Eine schwere Störung der Mikrozirkulation. im ganzen Körper tritt z. B. bei einer → Sepsis auf und ist lebensbedrohlich. Die Mikrozirkulation wird durch Hormone und das vegetative Nervensystem gesteuert.


Mikrozyt

Mikrozyt, abnormal kleiner Erythrozyt mit vermindertem Volumen, meist als Hinweis auf einen Eisenmangel oder chronischen Blutverlust.


Miktion

Miktion,
Miktion
Steuerung der Miktion über Dehnrezeptoren und Muskulatur der Blasenwand.
Entleerung der Harnblase durch Kontraktion der Harnblasenmuskulatur, während sich die Schließmuskulatur am Boden der Harnblase öffnet. Diese Muskeln werden sowohl willkürlich als auch unwillkürlich innerviert. Um den Druck in der Harnblase zu erhöhen, wird zusätzlich die Bauchmuskulatur eingesetzt.


Miktionsstörung

Miktionsstörung, Störung der Harnblasenentleerung, z. B. In Form einer mechanisch oder neurologisch bedingten → Harninkontinenz. Als Pollakisurie wird die häufige Abgabe von kleinen Urinmengen bezeichnet, als Dysurie Schmerzen oder Brennen während der Miktion, typischerweise bei einem Harnwegsinfekt. Das → Harnstottern oder das → Nachträufeln von Harn nach beendeter Miktion sind typische Symptome bei einer Prostatavergrößerung.


Miktionsurografie

Miktionsurografie, Ausscheidungsurografie, Röntgenuntersuchung der Harnwege während der Miktion zur Darstellung des Blasenhalses und der Harnröhre durch Kontrastmittel, das in eine Vene gespritzt oder retrograd in die Harnblase eingebracht wird; die Röntgenbilder werden in kurzem Abstand angefertigt, um den Abfluss verfolgen zu können. Durch die Miktionsurografie können Fehlbildungen der Harnwege bzw. eine Verengung durch Steine oder Tumoren diagnostiziert werden. Auch → Zystourethrografie.


Milbe

Milbe, Acari, kleines, kugeliges Spinnentier mit acht Beinen, das zahlreiche parasitäre Krankheiten auslösen kann. Die Krätzmilbe befällt die Haut und verursacht → Skabies. Die → Hausstaubmilbe führt bei Allergikern zu Asthma, wenn der Milbenkot eingeatmet wird. Die Stiche der → Herbstgrasmilbe führen zu stark juckenden Schwellungen, besonders an den unteren Extremitäten, und übertragen wahrscheinlich auch das FSME-Virus. Viele Tiermilben stechen bei Gelegenheit auch Menschen. Die gebräuchlichen Insektenschutzmittel halten auch Milben fern.


Milch

Milch, das Sekret, das bei Säugetieren in den Milchdrüsen gebildet wird. Die Zusammensetzung der Milch entspricht genau den Bedürfnissen des Säuglings. Auch → Muttermilch.


Milchdrüse

Milchdrüse, milchproduzierende Drüse der weiblichen Brust. Der Drüsenkörper besteht aus 12 bis 20 Lappen, deren Milchgänge einzeln in der Brustwarze münden. Unter dem Einfluss von Östrogen und Progesteron wächst die Milchdrüse; Prolaktin regt die Milchproduktion an.


Milchdrüsenentzündung

Milchdrüsenentzündung, → Mastitis.


Milcheinschuss

Milcheinschuss, Beginn der Muttermilchproduktion in der Brustdrüse kurz nach der Geburt. Gegen Ende der Schwangerschaft entsteht in der Brustdrüse die Vormilch; zum Milcheinschuss kommt es unter dem Einfluss von Prolaktin und Oxytocin.


Milchfluss

Milchfluss, → Galaktorrhö.


Milchgebiss

Milchgebiss,
Milchgebiss
Die ersten Zähne brechen etwa im Alter von sechs Monaten durch. Das so genannte Milchgebiss ist im Alter von etwa drei Jahren vollständig. Mit ungefähr sechs Jahren werden die Milchzähne allmählich von den bleibenden Zähnen ersetzt. Das bleibende Gebiss, das aus 32 Zähnen besteht, ist mit dem Erscheinen des dritten Mahlzahnpaars, den so genannten Weisheitszähnen, vollständig. Dies geschieht in der Regel zwischen dem 17. und 21. Lebensjahr.
der erste der beiden Zahnsätze des Menschen mit 20 Zähnen, die ab dem sechsten Lebensjahr durch die bleibenden Zähne ersetzt werden. Auch → Milchzahn.


Milchleiste

Milchleiste, eine Verdickung der oberen Hautschichten, die beim Embryo in den ersten Lebenswochen von der Brust bis zur Leiste ausgebildet ist. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft bildet sich die Milchleiste wieder zurück, und es bleiben nur die beiden Brustwarzen mit den darunter liegenden Milchdrüsen übrig. Wenn sich die Milchleiste nicht vollständig zurückbildet, können eine oder mehrere zusätzliche Milchdrüsen entstehen (→ Mamma, akzessorische).


Milchsaft

Milchsaft, → Chylus.


Milchsäure

Milchsäure, → Lactat.


Milchsäurebakterium

Milchsäurebakterium, → Lactobazillus.


Milchsäurediät

Milchsäurediät, eine alternativmedizinische Krebsdiät, die auf der Vorstellung beruht, dass die Krebszellen durch den Verzehr von viel Milchsäure für Sauerstoff empfindlicher werden. Bei der Milchsäurediät werden viele Milchprodukte (Käse, Joghurt) und gekeimter Weizen gegessen. Eine Wirkung der Milchsäurediät ist nicht nachgewiesen.


Milchschorf

Milchschorf, Gesichtsekzem beim Säugling, evtl. nässend und verkrustend, meist als erstes Hautzeichen einer Atopie. Auch → Neurodermitis.


Milchstau

Milchstau, Rückstau der Muttermilch in die Milchdrüsen und Milchgänge infolge eines Abflusshindernisses mit erhöhtem Risiko für eine → Mastitis.


milchtreibendes Mittel

milchtreibendes Mittel, Mittel zur Förderung der Milchproduktion und des Milchflusses in der Stillzeit, z. B. → Oxytocin als Nasenspray (Mastitisprophylaxe) oder Stilltees aus Kümmel, Anis und Brennnessel.


Milchzahn

Milchzahn, Zahn des → Milchgebisses. Milchzähne sind im Vergleich zu den bleibenden Zähnen kleiner, bläulich und etwas durchscheinend.


Milchzucker

Milchzucker, → Lactose.


Miliaria

Miliaria, Hitzepickel, juckender, hirsekornartiger Bläschenausschlag nach starkem Schwitzen infolge einer Verlegung der Ausführungsgänge der Schweißdrüsen.


Miliartuberkulose

Miliartuberkulose, schwerste Form der → Tuberkulose, bei der die Tuberkulosebakterien über den Blut- oder Lymphweg über ganze Organe oder den ganzen Körper gestreut werden und zu zahlreichen kleinen Tuberkuloseherden führen. Die Miliartuberkulose entwickelt sich meist zwei Wochen nach der Primärinfektion als akute fiebrige Erkrankung, kann aber auch nach Jahren noch auftreten und geht mit schwerem Krankheitsgefühl, → Meningismus, Kopfschmerzen (Befall der Hirnhäute) und Atemnot (Befall der Lungen) einher. Unbehandelt führt die Miliartuberkulose zum Tode. Bei einer Immunschwäche werden atypische Verläufe einer Miliartuberkulose beobachtet, z. B. nach Reaktivierung einer früher abgelaufenen Tuberkulose.


Milieu

Milieu, soziales Umfeld eines Menschen.


Milieu

Milieu, pH-Wert eines Gewebes, z.B. saures Milieu in der Vagina.


Milium

Milium, Hirsekorn, Hautgrieß, kleine mit Hornperlen gefüllte Hautzysten, die meist spontan abheilen.


Milz

Milz, Lien, Splen, weiches, faustgroßes Organ im linken Oberbauch, das aus roter (weite Blutkapillaren, Milzsinus) und weißer Pulpa (Lymphfollikel) und einer umgebenden Bindegewebskapsel besteht. Die Lymphozyten in den Lymphfollikeln gehören zu den aktiven Immunzellen. In der gut durchbluteten roten Pulpa werden gealterte Erythrozyten herausgefiltert und abgebaut (sog. Blutzellmauserung). Bei ungenügender Blutbildung im Knochenmark können Blutstammzellen in der Milz die Produktion unterstützen. Die operative Entfernung der Milz (→ Splenektomie), z. B. infolge einer → Milzruptur, hat bei einem sonst gesunden Menschen abgesehen von einer möglicherweise leicht erhöhten Infektanfälligkeit keine gravierenden Folgen.


Milzbrand

Milzbrand, → Anthrax.


Milzexstirpation

Milzexstirpation, → Splenektomie.


Milzfollikel

Milzfollikel, Malpighi-Körperchen, Lymphfollikel in der Milz, weiße Pulpa der Milz, die T-Lymphozyten enthalten. Sie entsprechen weitgehend den Lymphfollikeln in den Lymphknoten und sind Teil des Immunsystems.


Milzinfarkt

Milzinfarkt, akute Durchblutungstörung der Milz, meist als Folge einer arteriellen Embolie.


Milzpulpa

Milzpulpa, das eigentliche Milzgewebe (Parenchym), das den größten Teil der Milz ausmacht. Die rote Pulpa ist weich, blutreich und wird von weiten Blutkapillaren (den Milzsinus) gebildet. Die weiße Pulpa besteht aus zahlreichen Lymphfollikeln (→ Milzfollikel), die als wenige Millimeter große, helle Kügelchen in der Milz sichtbar sind. Insgesamt macht die weiße Pulpa rund ein Viertel, die rote Pulpa drei Viertel des Milzvolumens aus.


Milzruptur

Milzruptur, Milzkapsel- und Parenchymriss mit starker innerer Blutung, entweder einzeitig (Blutung unmittelbar nach der Verletzung) oder zweizeitig (Blutung in die Kapsel mit beschwerdefreiem Intervall von Stunden bis Wochen, später Kapselriss und Blutung in die Bauchhöhle). Die Milz kann direkt verletzt werden, z. B. durch eine gebrochene Rippe, oder indirekt durch stumpfes Bauchtrauma. Bei Blutungen muss die Milzruptur operativ versorgt werden; meist ist eine → Splenektomie erforderlich.


Milztumor

Milztumor, gutartiger oder bösartiger Tumor der Milz, z. B. aus Gefäßzellen (Hämangiom, Lymphangiom) oder Bindegewebe (Fibrom, Lipom). Bei bösartigen Milztumoren handelt es sich meist um Lymphome. Auch → Splenomegalie.


Mimik

Mimik, Zusammenspiel der Gesichtsmuskulatur, wichtiger Teil der nonverbalen Kommunikation. Die Mimik gibt Hinweise auf die Gemütslage eines Menschen, bei typischen Veränderungen auch über organische Erkrankungen, z. B. bei einer →  Fazialislähmung oder bei der → Parkinson-Krankheit (Maskengesicht). Auch → Facies.


Minderung der Erwerbsfähigkeit

Minderung der Erwerbsfähigkeit, Abk. MdE, Angabe über das Ausmaß der Beeinträchtigung durch eine → Behinderung. Diese Angabe ist u. a. wichtig für die Einschätzung bzw. Anordnung und Kostenübernahme von Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung.


Minderwertigkeitskomplex

Minderwertigkeitskomplex, Mangel an Selbstvertrauen; das Gefühl, in allen Belangen weniger wert zu sein als die Mitmenschen, sehr häufig im Rahmen von depressiven Erkrankungen.


Minderwuchs

Minderwuchs, unterdurchschnittliches Körperwachstum, z. B. infolge eines Somatotropinmangels (Wachstumshormonmangel), durch Krankheiten, die zu Gedeihstörungen führen, und Ernährungsstörungen bzw. Fehl- oder Mangelernährung im Kindesalter. Auch → Kleinwuchs.


Mineral

Mineral, gesteinsbildende chemische Verbindung. Mineralien entstehen, wenn sich das flüssige Erdmagma abkühlt und erstarrt. Unter günstigen Bedingungen wachsen große Einzelkristalle heran. Mineralsalze sind essenzielle Mikronährstoffe, z. B. Natrium, Kalzium, Kalium und Chlorid, und müssen regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden. Auch → Elektrolyte, → Spurenelement.


Mineralcorticosteroid

Mineralcorticosteroid, → Mineralokortikoid.


Mineralisation

Mineralisation, Einbau von Mineralsalzen in ein Körpergewebe. Der Einbau von Kalziumphosphat (mit Spuren von Magnesium, Carbonat und Fluor) festigt Knochen und Zähne.


Mineralokortikoid

Mineralokortikoid, Mineralcorticosteroid, Steroidhormon mit Einfluss auf den → Elektrolythaushalt bzw. Mineralstoffwechsel. Das Hauptmineralkortikoid ist das → Aldosteron aus der Nebennierenrinde. Mineralokortikoide stimulieren den aktiven Transport von Natrium aus den Nierentubuli zurück in den Kreislauf und gewinnen damit auch Wasser zurück. Indirekt werden Kalium und Protonen (Säure) unter Einfluss von Mineralkortikoiden vermehrt mit dem Urin ausgeschieden.


Mineralstoffwechsel

Mineralstoffwechsel, → Elektrolythaushalt.


Mineralwasser

Mineralwasser, Trink- oder Heilwasser aus natürlichen Quellen mit einem Mineralsalzgehalt von über einem Gramm pro Liter. Die genaue chemische Zusammensetzung ist auf der Flaschenetikette angegeben.


Minipille

Minipille, orales, östrogenfreies Kontrazeptivum mit reduziertem Gestagengehalt, das die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindert, nicht aber den Eisprung. Die Minipille ist nicht ganz so zuverlässig wie die klassischen Kombinationspräparate und führt zu häufigen Zwischenblutungen. Auch → Mikropille, → Ovulationshemmer.


minor

minor, kleiner, der Kleinere.


Minoxidil

Minoxidil, ursprünglich gefäßerweiterndes Antihypertensivum, das in der Aufbereitung als Lotion bei lokaler Anwendung auch gegen den männlichen Haarausfall (Alopecia androgenetica) helfen soll.


Minusglas

Minusglas, → Konkavlinse.


Miosis

Miosis, Verengung der Pupille bei Lichteinfall. Die Iris wird dabei von dem ringförmigen Musculus sphincter pupillae als Blende über der Linse zusammengezogen. Eine pathologische Miosis findet sich bei neurologischen Störungen (→ Horner-Syndrom) und als typische Nebenwirkung nach Opiateinnahme. Auch → Lichtreflex, → Mydriasis.


Miotikum

Miotikum, Augentropfen oder -salben, die zu einer Engstellung der Pupille führen und zur Senkung des Augeninnendrucks bei → Glaukom und vor Augenoperationen eingesetzt wird. Miotika wirken als Parasympathomimetika direkt am Sphinktermuskel der Iris.


Mischgeschwulst

Mischgeschwulst, → Mischtumor.


Mischinsulin

Mischinsulin, Injektionslösung mit einer Kombination aus einem schnell und einem langsam wirkenden Insulin. Das gelöste Insulin wirkt innerhalb von 30 Minuten für acht Stunden, → Depotinsulin innerhalb von 90 Minuten für 24 Stunden. Mit Mischinsulin kann ein → Diabetes mellitus mit weniger Injektionen pro Tag behandelt werden als mit Einzelpräparaten. Auch → Insulin.


Mischkost

Mischkost, natürliche Ernährungsform des Menschen, bei der grundsätzlich alle Nahrungsmittelgruppen eingenommen werden: Getreideprodukte, Früchte, Gemüse, Pflanzenöle, Milchprodukte, Fleisch und Fisch enthalten zum Teil unterschiedliche Nahrungsfaktoren und Spurenelemente, die sich gegenseitig ergänzen. Die Hälfte des Kalorienbedarfs sollte mit Kohlenhydraten, ein Viertel mit Fett bzw. Öl und ein Viertel mit Protein gedeckt werden.


Mischtumor

Mischtumor, Mischgeschwulst, ein Tumor, an dem mehrere Gewebearten beteiligt sind und die evtl. unterschiedliches Wachstumsverhalten zeigen, z. B. ein embryonales → Teratom.


Miserere

Miserere, Koterbrechen, Stuhlerbrechen, das Erbrechen von Darminhalt bei komplettem Ileus (Darmverschluss) als Zeichen einer ungünstigen Prognose.


Misoprostol

Misoprostol, Prostaglandin zur Therapie und Prophylaxe von Magen- und Duodenalgeschwüren, insbesondere bei Einnahme von nichtsteroidalen Entzündungshemmern. Prostaglandine verstärken den Säureschutzmantel der Magenschleimhaut.


Missbildung

Missbildung, vorgeburtliche Störung der Organbildung oder Organausreifung, die isoliert oder im Rahmen eines Syndroms auftritt und bereits bei Geburt äußerlich erkennbar sein kann (z. B. → Fallot-Tetralogie) oder sich erst später manifestiert (z. B. ein leichter Herzfehler). Viele Missbildungen sind chirurgisch korrigierbar (z. B. Lippenspalte, Analatresie), bei anderen ist das Neugeborene nicht lebensfähig. Aus der Art der Missbildung lässt sich auf den Zeitpunkt der Störung in der Embryonal- oder Fetalentwicklung schließen. Missbildungen entstehen auf verschiedene Weise (genetisch, durch Abschnürung mit Amnionfäden, teratogene Substanzen, Virusinfektionen, ionisierende Strahlung), meist findet sich jedoch keine Ursache. Auch → Thalidomid-Embryopathie.


Missbrauch

Missbrauch, → Abusus.


Missbrauch, sexueller

Missbrauch, sexueller, Form der Misshandlung, bei der ein Kind oder Jugendlicher von einem Erwachsenen durch sexuelle Handlungen bedrängt oder verletzt wird. Der Begriff sexueller Missbrauch reicht von der Nötigung des Opfers, den Täter zu berühren, bis zum erzwungenen Geschlechtsverkehr. Außerdem fallen darunter erzwungene sexuelle Handlungen des Opfers mit einem Dritten. Sexueller Missbrauch ist grundsätzlich strafbar; das Ausmaß der Strafe hängt vom Alter des Opfers, der Art der Handlung und dem Ausmaß der Schädigung ab, ferner davon, ob der Täter ihm untergeordnete Personen (Unzucht mit Abhängigen) oder widerstandsunfähige Personen missbraucht hat. Sexueller Missbrauch ist juristisch von sexueller Nötigung und Vergewaltigung abzugrenzen.


Missempfindung

Missempfindung, → Dysästhesie.


Mistel

Mistel, Viscum album, immergrüne, parasitäre Pflanze, die auf dem Holz von Laub- und Nadelbäumen wächst. Die Wirkung der unterschiedlichen Mistelextrakte wird noch erforscht. Dennoch wird Mistel komplementärmedizinisch in der Krebsbehandlung eingesetzt, weil man ihr eine immunstimulierende Wirkung zuschreibt. Homöopathen verordnen sie außerdem bei Bluthochdruck, Atherosklerose und rheumatischen Erkrankungen.


Mitesser

Mitesser, → Comedo.


Mitochondrien

Mitochondrien, für die zelluläre Sauerstoffatmung und Energiegewinnung zuständige Zellorganellen mit einer äußeren und einer gefältelten inneren Membran, in denen ein großer Teil des → Citratzyklus abläuft. Durch Zuckerverbrennung entsteht in den Mitochondrien unter Sauerstoffverbrauch Adenosintriphosphat (ATP), das die Energie für zahlreiche biochemische Vorgänge liefert. Die → Cytochrome auf der inneren Membran und ihre Enzyme katalysieren die Reaktionen der → Atmungskette; einige Zellgifte (z. B. Zyanid) wirken über die Blockierung dieser Enzyme. Mitochondrien sind vom restlichen Zellstoffwechsel weitgehend unabhängig und vermehren sich selbständig. Vermutlich stammen die Mitochondrien von Zyanobakterien (blaugrüne Algen) ab und wurden von Einzellern vor rund zwei Milliarden Jahren als Energiefabriken einverleibt (Endosymbionten-Hypothese).


Mitose

Mitose,
Mitose
Schematischer Ablauf der Zellteilung (Mitose)
Teilung kernhaltiger Zellen nach identischer DNA-Verdopplung. Man unterscheidet fünf Mitosephasen: Pro-, Prometa-, Meta-, Ana- und Telophase. Zu Beginn der Mitose liegen die verdickten (spiralisierten) Chromosomen in der Mittelebene der Zelle und werden durch den Spindelapparat am Zentromer auseinander gezogen (Anaphase). Nach abgeschlossener Kern- und Plasmateilung liegen zwei genetisch identische Tochterzellen vor, die sich differenzieren oder erneut in den Mitosezyklus eintreten. Auch → Meiose.


Mitosegift

Mitosegift, Antimitotikum, Mitosehemmer, Wirkstoff, der die Zellteilung hemmt, entweder durch Veränderung der Chromosomen bzw. des für die Ausrichtung der Chromosomen wichtigen Spindelapparates oder durch Verhinderung der abschließenden Teilung in zwei Tochterzellen. Zu diesen Substanzen gehören Alkaloide wie Colchicin oder Vincristin, die zum Teil auch als Zytostatika in der Krebstherapie verwendet werden.


Mitoserate

Mitoserate, Teilungs- und Vermehrungsgeschwindigkeit von Zellen im Körper oder in einer Zellkultur. Die Mitoserate wird durch Zählung der sich in Teilung (Mitose) befindenden Zellen unter dem Mikroskop bestimmt. Zu den Körpergeweben mit hoher Mitoserate zählen z. B. die Epidermis, die Dünndarmschleimhaut und das Knochenmark. Bösartige Tumoren haben extrem hohe Mitoseraten, daher reagieren ihre Zellen besonders empfindlich auf Mitosegifte. Dieser Umstand wird in der Zytostatikatherapie genutzt.


Mitralklappe

Mitralklappe, Valva atrioventricularis sinistra, Valva mitralis, Bikuspidalklappe, zweizipflige Segelklappe, die als Ventil zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer liegt. Zu Beginn der Systole schließt sich die Mitralklappe durch die Druckerhöhung in der Herzkammer passiv, so dass kein Blut aus der Herzkammer zurück in den linken Vorhof gelangt. Die beiden Segel sind über Sehnenfäden und Papillarmuskeln an der Innenwand der linken Herzkammer befestigt. Auch → Herzklappe, → Herzklappenfehler.


Mitralklappenfehler

Mitralklappenfehler, → Mitralvitium.


Mitralklappeninsuffizienz

Mitralklappeninsuffizienz, Erschlaffung der Mitralklappe mit Blutrückstrom in den linken Vorhof während der Systole. Durch die Mehrbelastung der linken Herzhälfte und die Drucksteigerung im Lungenkreislauf kommt es zu Atemnot und einem → Lungenödem. Eine Mitralklappeninsuffizienz ist entweder angeboren oder entsteht nach rheumatischem Fieber oder einem → Myokardinfarkt im Bereich der Papillarmuskeln. Ein Riss der Sehnenfäden (Chordae tendineae) bei bakterieller Endokarditis führt zu einer schweren akuten Mitralklappeninsuffizienz. Durch die reaktive Vergrößerung des überlasteten Herzens verschlimmert sich die Mitralklappeninsuffizienz, da die Klappensegel im ausgeweiteten Herz noch schlechter schließen. Das Ausmaß der Regurgitation (Blutrückfluss in den Vorhof) lässt sich mittels Doppler-Echokardiografie bestimmen. Mit gefäßerweiternden Mitteln kann das Herz zwar entlastet werden, eine schwere Mitralklappeninsuffizienz erfordert jedoch eine operative Korrektur, z. B. mit Klappenersatz.


Mitralklappenstenose

Mitralklappenstenose, Verengung der Mitralklappe mit resultierendem Druckanstieg im linken Vorhof und damit auch im Lungenkreislauf, häufig infolge eines → rheumatischen Fiebers; die Symptome treten erst Jahre nach der akuten Erkrankung auf, wenn sich die angegriffene Klappe verdickt und verkalkt hat. Bei körperlicher Belastung steigt der Druck im Lungenkreislauf an und führt zu einem akuten Lungenödem als Erstmanifestation einer Mitralklappenstenose. Durch die pulmonale Hypertonie kommt es zu Bluthusten und Rechtsherzinsuffizienz. Eine leichte Mitralklappenstenose kann mittels Herzkatheter aufgedehnt werden; kompliziertere Formen bedürfen der operativen Versorgung.


Mitralsegelprolaps

Mitralsegelprolaps, meist angeborene Vorwölbung eines oder beider Mitralklappensegel in den linken Vorhof nach Klappenschluss, die bei der Herzauskultation während der Systole als Klick zu hören ist. Ein Mitralsegelprolaps ist in der überwiegenden Zahl der Fälle harmlos, kann aber zu einer minimalen bis ausgeprägten →  Mitralklappeninsuffizienz führen.


Mitralvitium

Mitralvitium, Mitralklappenfehler, Verengung (→ Mitralklappenstenose) oder Erschlaffung (→  Mitralklappeninsuffizienz) der Mitralklappe. In ca. 30% liegen beide Phänomene vor (kombiniertes Mitralvitium).


Mittelblutung

Mittelblutung, in der Regel harmlose, schwache Zwischenblutung aus der Gebärmutter zur Zeit des Eisprungs.


Mittelfuß

Mittelfuß, → Metatarsus.


Mittel, galenisches

Mittel, galenisches, → Galenikum.


Mittelhand

Mittelhand, → Metacarpus.


Mittelmeeranämie

Mittelmeeranämie, → Thalassämie.


Mittelmeerfieber

Mittelmeerfieber, familiäres Mittelmeerfieber, erbliche, vermutlich autoimmunbedingte Krankheit mit wiederholten Fieberattacken und Schmerzen in Bauch, Brustkorb und Gelenken. Die Krankheit kommt besonders bei Völkern des Nahen Ostens vor. Für die Lebenserwartung ist eine lebenslange Anfallsprophylaxe mit Colchicin entscheidend, da die Anfälle das Risiko eines Nierenversagens drastisch erhöhen.


Mittelmeerfieber

Mittelmeerfieber, → Brucellose, Malta-Fieber, eine durch Brucella melitensis verursachte, bakterielle Infektionskrankheit.


Mittelohr

Mittelohr, Auris media, der zwischen Trommelfell und Innenohr gelegene Abschnitt des Gehörorgans. Das Mittelohr ist eine lufthaltige Einbuchtung in der Schädelbasis und vom Innenohr, vom Gehirn und von der Vena jugularis nur durch eine dünne Knochenschicht getrennt. In der Paukenhöhle (Tympanum) liegen die drei →  Gehörknöchelchen, die die Trommelfellvibrationen an das Innenohr weitergeben. Nach vorn steht das Mittelohr über die Tuba auditiva mit dem Rachen in Verbindung, hinten geht die Paukenhöhle in die Kammern des Mastoids über. Zwei Muskeln, die an den Gehörknöchelchen ansetzen, regulieren über ihre Spannung die Verstärkung der Schallwellen.


Mittelohrentzündung

Mittelohrentzündung, → Otitis media.


Mittelohrschwerhörigkeit

Mittelohrschwerhörigkeit, Beeinträchtigung des Gehörs aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung des Mittelohrs. Eine Schallleitungsstörung im Mittelohr entsteht z. B. bei einem Riss des Trommelfells, bei Mittelohrentzündung oder bei einem Cholesteatom (gutartige Geschwulst aus verhornendem Plattenepithel). Zerstörte Gehörknöchelchen können mittels → Tympanoplastik ersetzt werden. Auch →  Innenohrschwerhörigkeit, →  Schallempfindungsschwerhörigkeit.


Mittelschatten

Mittelschatten, Bezeichnung für das → Mediastinum in der Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax), das sich beim Gesunden deutlich vom Lungengewebe abhebt. Auf der Thoraxaufnahme sind die Umrisse des Herzens und der großen Blutgefäße (z. B. Aortenbogen) sowie die Wirbelsäule und das Brustbein zu erkennen.


Mittelschmerz

Mittelschmerz, harmloser, evtl. einseitiger Unterleibsschmerz zum Zeitpunkt des Eisprungs.


Mittelstrahlurin

Mittelstrahlurin, Urinprobe, die in der Mitte des Wasserlassens gewonnen wird, damit Bakterien, die sich evtl. in der Harnröhrenöffnung befinden, nicht in die Probe gelangen. Dadurch wird die bakteriologische Untersuchung aussagekräftiger.


Mixtur

Mixtur, flüssige Arzneimischung. Schüttelmixturen müssen zur homogenen Verteilung der Inhaltsstoffe vor Gebrauch geschüttelt werden.


Mnemotechnik

Mnemotechnik, Lernmethode zur Verbesserung der Gedächtnisleistung.


mnestisch

mnestisch, das Gedächtnis betreffend. Auch → Amnesie.


Mo

Mo, Abk. für Molybdän, chemisches Element (Schwermetall) und essenzielles Spurenelement für den Menschen.


Mo

Mo, die klinische Abkürzung für → Morphin (Opiat).


Mobbing

Mobbing, ungerechtfertigte, systematische Ausgrenzung und Verspottung von Einzelpersonen durch eine Gruppe, besonders in Schulklassen oder am Arbeitsplatz. Die betroffenen Personen entwickeln infolge der psychischen Probleme häufig psychosomatische Beschwerden wie Schmerzen, Müdigkeit, Depressionen oder Magen-Darm-Krankheiten.


mobil

mobil, beweglich, in der Medizin oft im Sinne von "zu beweglich" verwendet.


Mobilisationstherapie

Mobilisationstherapie, die Wiederherstellung der Gelenkbeweglichkeit nach einer Verletzung oder Erkrankung. Im engeren Sinn bezeichnet die Mobilisationstherapie das passive Durchbewegen versteifter Gelenke mit gezielter Kraftanwendung zur Lösung von synovialen Verklebungen. Im weiteren Sinn versteht man unter Mobilisationstherapie auch andere physiotherapeutische Übungen zur Verbesserung einer eingeschränkten Gelenkfunktion.


Mobilisierung

Mobilisierung, stufenweise körperliche Aktivierung nach langer Bettlägerigkeit, einer Operation oder einem Herzinfarkt. Der Begriff Mobilisierung kann auch nur ein Gelenk betreffen: → Mobilisationstherapie.


Mobilität

Mobilität, Grad der Beweglichkeit eines Patienten, insbesondere der Gehfähigkeit. Die Einschränkung der Mobilität kann durch Krankheit oder Unfall verursacht oder zur Schonung verordnet werden, z. B. nach Herzinfarkt. Unter Gelenkmobilität versteht man die Beweglichkeit einzelner Gelenke.


Modalität

Modalität, die Art und Weise, wie sich Krankheitssymptome im Alltag beeinflussen lassen (in der Homöopathie).


Modalität

Modalität, subjektive Qualität von Empfindungen.


MOF

MOF, Abk. für "Multiple organ failure", → Multiorganversagen.


Mohn

Mohn, Papaver somniferum, Pflanzengattung mit mehreren Arten, darunter der Klatschmohn und der Schlafmohn (Papaver somnium). Aus dem Milchsaft der Fruchtkapsel des Schlafmohns wird Opium gewonnen.


Mol

Mol, internationale Zähleinheit der Stoffmenge in der Chemie. Ein Mol einer chemisch einheitlichen Substanz enthält 6,023 x 10 23 Teilchen (Atome oder Moleküle). Zum Abmessen eines Mols, z. B. für eine chemische Reaktion, wiegt man die Menge einer Substanz in Gramm ab, die ihrem Molekulargewicht entspricht. Das Mol ist über den Kohlenstoff (Atomgewicht 12) definiert; 12 Gramm Kohlenstoff entsprechen damit einem Mol.


Molalität

Molalität, Molanzahl eines gelösten Stoffes pro Kilogramm Lösungsmittel. Auch → Molarität.


molar

molar, die Mahlzähne (Backenzähne) betreffend ( → Molar ).


molar

molar, die → Molarität betreffend: Konzentration einer Substanz in einem Liter Lösungsmittel.


Molar

Molar, Mühlstein, Mahlzahn (Backenzahn) des bleibenden Gebisses mit zwei- bzw. dreiteiliger Wurzel. Im Ober- und Unterkiefer rechts und links sind jeweils drei Molaren vorhanden. Der hinterste Molar (sog. Weisheitszahn) erscheint nicht vor dem 16. Lebensjahr und ist auch nicht bei allen Menschen ausgebildet.


Molarität

Molarität, Konzentration einer Substanz in einem Liter Lösungsmittel, mol/l (nicht Kilogramm). Auch → Molalität.


Molekül

Molekül, aus zwei oder mehr Atomen bestehender Verband, der durch kovalente, "chemische" Bindungen zusammengehalten wird und nicht weiter teilbar ist, ohne seinen Eigenschaften zu verändern. Chemisch reine Substanzen bestehen aus identischen Molekülen. Viele anorganische Moleküle setzen sich aus wenigen Atomen zusammen; organische Moleküle zeichnen sich durch Kohlenstoffketten und -ringe aus und können sehr groß sein (z. B. DNS-Strang, d. h. ein Chromosom). Diese von Lebewesen hergestellten, komplexen Verbindungen werden auch als Biomoleküle bezeichnet.


Molekularbiologie

Molekularbiologie, Fachrichtung der Biologie, die den molekularen Aufbau von Lebewesen und ihre biochemischen Reaktionen untersucht, z. B. die Struktur und Funktion von Nukleinsäuren und Enzymen, Transportmechanismen in der Zellmembran und die genauen Wirkmechanismen von Medikamenten. Heutzutage ist man davon überzeugt, dass in lebendigen Organismen dieselben Naturgesetze gelten wie in der unbelebten anorganischen Materie. Auch → Genetik.


Molenschwangerschaft

Molenschwangerschaft, → Blasenmole.


Molke

Molke, fett- und kaseinfreie Milch, die bei der Käseherstellung anfällt. Kasein ist das Hauptprotein der Milch; es kann durch Säurezugabe ausgeflockt werden ("Milchgerinnung"). Molke ist kalorienarm und enthält Laktose, Proteine, Vitamine und Spurenelemente.


Molkekur

Molkekur, befristete Reduktionsdiät mit viel frischer Molke (sog. Molkefasten) zur Gewichtsabnahme.


Molluscum contagiosum

Molluscum contagiosum, Dellwarze, Hautinfektion durch ein Virus der Pockengruppe, das durch direkten Kontakt übertragen wird und weiche Hautpapeln mit einer zentralen Delle von zwei bis fünf Millimetern Durchmesser verursacht. Die Papeln treten oft gruppiert auf und verschwinden nach Wochen, manchmal auch erst nach Jahren.


Monarthritis

Monarthritis, Entzündung eines einzelnen Gelenks im Gegensatz → Polyarthritis, z. B. bei Tuberkulose oder Gonorrhö.


Monatsblutung

Monatsblutung, → Menstruation.


Mönchspfeffer

Mönchspfeffer, Agnus castus, eine Pflanze aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae), deren Inhaltsstoffe den Hormonhaushalt (z. B. Prolaktin) beeinflussen.


Mongolenfleck

Mongolenfleck, ein tief in der Haut (Dermis) liegender großer, bläulich erscheinender Nävus (Nävus caeruleus) oberhalb des Gesäßes ohne Krankheitswert, wie er häufig bei asiatischen Völkern nach der Geburt zu beobachten ist.


Mongolismus

Mongolismus, → Down-Syndrom.


Monitoring

Monitoring, Überwachung, kontinuierliche, über einen längeren Zeitraum durchgeführte Beobachtung und Aufzeichnung lebenswichtiger Funktionen bei Risikopatienten (z. B. auf einer Intensivstation), aber auch aus diagnostischen Gründen (z. B. in einem Schlaflabor). Die registrierten Parameter beziehen sich vor allem auf Atmung und Kreislauf, bei Bedarf können aber weitere Daten wie EEG, Hirndruck, Körpertemperatur, Körperposition oder Muskelaktivität registriert, an eine zentrale Rechnereinheit geleitet und dort auf einem Bildschirm sichtbar gemacht werden. Der Computer kann so programmiert werden, dass bei Über- oder Unterschreitung bestimmter Grenzwerte ein Alarm ausgelöst wird. Während einer Operation mit Narkose werden beim Monitoring zusätzlich die Sauerstoff-, Kohlendioxid- und Narkosegas-Konzentrationen in der Atemluft gemessen. Im weiteren Sinn bezeichnet Monitoring jegliche Art von Überwachung oder regelmäßiger Kontrolle.


mono...

mono..., einzel, einzeln, ein. Auch → poly..., → multi...


Monoaminoxidase

Monoaminoxidase, → MAO.


Monoaminoxidase-Hemmer

Monoaminoxidase-Hemmer, → MAO-Hemmer.


Monoarthritis

Monoarthritis, → Monarthritis.


Monochromasie

Monochromasie, seltene, angeborene Farbsinnstörung, bei der nur einer der drei Zapfentypen, meist der blaue, in der Netzhaut vorhanden ist. Monochromaten können gewisse Farbtöne erkennen bzw. erraten, sind also nicht komplett farbenblind. Ein vollständiges Fehlen der Sehzapfen führt zur totalen Farbenblindheit (ebenfalls selten) mit reinem Schwarzweiß-Sehen: → Achromatopsie oder Monochromasie im weiteren Sinn.


monoklonal

monoklonal, von einem einzigen Zellklon abstammend, z. B. monoklonale → Antikörper. In den Siebzigerjahren wurden Methoden entwickelt, um einzelne B-Lymphozyten in der Zellkultur zu vermehren und zur Produktion monoklonaler Antikörper anzuregen. Diese Antikörper sind untereinander identisch, damit sehr spezifisch und werden therapeutisch und diagnostisch genutzt. Bei der natürlichen Immunantwort im Körper produzieren die B-Lymphozyten polyklonale Antikörper. Auch → Klon.


monokular

monokular, nur ein Auge betreffend; mit nur einem Auge (z. B. Sehtest). Auch → binokular.


Mononeuritis

Mononeuritis, Mononeuropathie, Entzündung eines einzelnen Nervs. Sind mehrere voneinander unabhängige Nerven betroffen, spricht man von Mononeuritis multiplex. Auch → Polyneuritis.


Mononucleosis infectiosa

Mononucleosis infectiosa, Pfeiffer-Drüsenfieber, Monozytenangina, Kissing disease, Drüsenfieber, Kusskrankheit, grippeähnliche Erstinfektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), die im Kindesalter in der Regel kaum bemerkt wird, bei Infektion im jungen Erwachsenenalter jedoch zu Fieber, Rachenentzündung mit schmutzig-grauen Belägen auf den Rachenmandeln und schmerzhaften Lymphknotenschwellungen im Halsbereich führt. Das Virus wird durch Speichel übertragen (daher Kusskrankheit) und vermehrt sich in den B-Lymphozyten des Rachenraums. Die Mononukleose, also der Nachweis von 60% bis 80% leukämieähnlicher, großer, einkerniger lymphoider Leukozyten (Downey-Zellen) im Blutbild bei Erhöhung der Gesamtleukozytenzahl auf 25.000/mm³, resultiert aus der Ausschleusung reaktiv veränderter, atypischer T-Lymphozyten aus den infizierten lymphatischen Geweben. Die Diagnose wird durch den Nachweis spezifischer Antikörper (im Schnelltest) bestätigt. Komplikationen (hämolytische Anämie, Milzschwellung und -riss, Gehirn- und Herzmuskelentzündung) sind selten.


Mononucleotide

Mononucleotide, einzelne Nukleinsäuren, aus denen durch Polymerisation die DNS- und RNS-Ketten aufgebaut werden. Ein Mononucleotid besteht aus drei Untermolekülen: einer Base (Adenin, Guanin, Thymin, Uracil oder Cytosin), einem Zucker (Ribose oder Desoxyribose) und einer Phosphatgruppe.


mononukleär

mononukleär, einkernig (besonders Leukozyten), eine Zelle mit einem einzelnen, unsegmentierten Zellkern (im peripheren Blut Lymphozyten und Monozyten).


Mononukleose

Mononukleose, Vermehrung von (evtl. abnormen) einkernigen (mononukleären) Leukozyten im Blutbild, z. B. bei Leukämie und bei der → Mononucleosis infectiosa (Pfeiffer-Drüsenfieber).


Monoparese

Monoparese, → Monoplegie.


Monoplegie

Monoplegie, Lähmung einer einzelnen Muskelgruppe bzw. einer einzelnen Extremität, z. B. durch Schädigung eines Nervs oder einer Spinalwurzel. Auch → Hemiplegie, → Paraplegie.


Monosaccharid

Monosaccharid, Einfachzucker, Grundmoleküle der zusammengesetzten → Kohlenhydrate. Die verschiedenen Monosaccharide unterscheiden sich in der Anzahl der Kohlenstoffatome und der räumlichen Anordnung der OH-Gruppen. Aus Monosacchariden bilden sich unter Abspaltung von Wasser Di-, Oligo- und Polysaccharide. Viele Monosaccharide schmecken süß, z. B. Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Galaktose.


Monotherapie

Monotherapie, medikamentöse Behandlung mit nur einem Wirkstoff, das Gegenteil der Kombinationstherapie.


monozygot

monozygot, eineiig, aus einer einzigen befruchteten Eizelle (Zygote) entstanden, z. B. Zwillinge.


Monozyt

Monozyt, Vorläuferzelle der → Makrophagen mit unsegmentiertem Kern, die rund drei Tage im peripheren Blut kreisen, bevor sie in verschiedene Gewebe einwandern und dort zu gewebsspezifischen, ortsständigen Makrophagen ausreifen. Die Monozyten machen ca. fünf Prozent der Gesamtleukozyten im peripheren Blut aus.


Monozytenangina

Monozytenangina, → Mononucleosis infectiosa.


Monozytopenie

Monozytopenie, eine Verminderung der Monozyten im Blut; die untere Normgrenze liegt bei 200 Zellen pro Mikroliter.


Monozytose

Monozytose, Erhöhung der Monozyten im Blut auf mehr als 8%, z. B. in der Erholungsphase nach einer Infektion oder Chemotherapie (monozytäre Abwehrphase), aber auch bei → Malaria oder → Hepatitis.


Mons pubis

Mons pubis, anatomische Bezeichnung für das Fettpolster im Bereich der Schambehaarung bzw. der Symphyse ("Venushügel") bei Frauen.


Montezumas Rache

Montezumas Rache, umgangssprachliche Bezeichnung für Durchfallerkrankungen während oder nach einer Reise in südliche Länder. Auch → Reisedurchfall.


Moorbad

Moorbad, Liegebad in einer warmen bis heißen, halbflüssigen Torf-Wasser-Mischung mit hoher Wärmekapazität. Als Vorstufe der Braunkohle besteht Torf aus anaerob abgebautem Pflanzenmaterial und enthält u. a. Huminsäuren, Gerbsäure, Mineralsalze und Östrogene. Moorbäder werden vor allem bei rheumatischen Erkrankungen und gynäkologischen Hormonstörungen eingesetzt.


Moorpackung

Moorpackung, lokale Anwendung einer heißen Torf-Wasser-Mischung als Wickel. Auch → Moorbad.


Moos, isländisches

Moos, isländisches, Lichen islandicus, Flechte mit Schleim- und Bitterstoffen mit appetitanregender und leicht antimikrobieller Wirkung.


Mora-Therapie

Mora-Therapie, → Bioresonanztherapie, bei der schwache elektromagnetische Schwingungen an der Körperoberfläche abgeleitet, verarbeitet und dem Organismus wieder zugeführt werden. Dadurch sollen störende Schwingungen neutralisiert werden.


morbid

morbid, krank; in schlechtem Allgemeinzustand.


Morbidität

Morbidität, Prozentsatz einer Bevölkerung, die an einer bestimmten Krankheit leidet. Auch → Inzidenz, → Prävalenz.


Morbilli

Morbilli, → Masern.


morbilliform

morbilliform, masernähnlicher Ausschlag, z. B. bei allergischer Reaktion. Auch → Masern (Morbilli).


Morbus

Morbus, Krankheit, Krankheitsbild, das nach dem Erstbeschreiber benannt wird, z. B. Morbus Basedow, Morbus Crohn oder Morbus Wilson.


Morbus Addison

Morbus Addison, → Addison-Krankheit.


Morbus Basedow

Morbus Basedow, Basedow-Krankheit, autoimmunentzündliche Erkrankung der Schilddrüse mit gesteigerter Produktion von Schilddrüsenhormonen, die zu Nervosität, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Tremor, Wärmeunverträglichkeit und Gewichtsabnahme trotz gesteigertes Appetits führt. Das auffälligste klinische Zeichen ist der → Exophthalmus (vortretende Glanzaugen). Beim Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Schilddrüse zu übermäßiger Hormonproduktion stimulieren. Die Therapie erfolgt medikamentös, durch Bestrahlung mit Radioiod oder operativ.


Morbus Crohn

Morbus Crohn, Crohn-Krankheit, Enteritis regionalis, chronisch-entzündliche, schubförmig verlaufende Erkrankung des Dünn- und Dickdarms, selten unter Einbeziehung von Magen und Speiseröhre, vermutlich aufgrund einer immunologischen Dysregulation. Die Darmschleimhaut ist stellenweise ödematös aufgetrieben (sog. Pflastersteinrelief) und über lange Strecken geschwürig verändert. Die Erkrankung geht mit teilweise heftigen Schmerzzuständen, schweren, manchmal blutigen Durchfällen, Gewichtsverlust, Fieber, Abszessen in der Analgegend und den typischen Fistelbildungen einher. Die Therapie erfolgt überwiegend medikamentös (Mesalazin, Sulfasalazin, Immunsuppressiva, in akuten Schüben Kortisonpräparate lokal und systemisch). Manchmal ist eine chirurgische, möglichst sparsame Resektion von besonders schwer befallenen Darmabschnitten nicht zu umgehen.


Morbus haemolyticus neonatorum

Morbus haemolyticus neonatorum, Neugeborenenerythroblastose, hämolytische Anämie des Neugeborenen durch mütterliche Antikörper gegen die kindlichen Erythrozyten, z. B. wenn die Mutter Rhesus-negativ und das Kind Rhesus-positiv ist. In leichten Fällen kommt es durch den Erythrozytenabbau nur zu einer Anämie mit Bilirubinerhöhung im Blut des Kindes. In schweren Fällen erschöpfen sich die Blut bildenden Organe, so dass sich eine schwere → Anämie entwickelt, die zu Sauerstoffunterversorgung und Schäden des ganzen Organismus führt. Bei hohen Bilirubinwerten besteht darüber hinaus die Gefahr eines Hirnschadens (→ Kernikterus). Die Erkrankung beginnt bereits während der Schwangerschaft durch Plazentapassage der vom mütterlichen Immunsystem gebildeten Antikörper. Bei leichten Fällen reicht eine → Fototherapie aus, in schwereren Fällen ist eine Austauschtransfusion erforderlich. Auch →  Rhesus-Inkompatibilität.


Morbus Parkinson

Morbus Parkinson, → Parkinson-Krankheit.


Morbus Wilson

Morbus Wilson, Wilson-Syndrom, Kupferspeicherkrankheit, hepatolentikuläre Degeneration, autosomal rezessiv vererbte Störung des Kupferstoffwechsels infolge einer gestörten Coeruloplasminsynthese. Coeruloplasmin hat die Aufgabe, Kupfer zu binden und zu transportieren; 95% des Serumkupfers liegen normalerweise gebunden vor. Aufgrund des Coeruloplasminmangels lagern sich freie Kupferionen über Jahre im gesamten Körper ein und führen u. a. zu einem Zerfall von → Ganglienzellen im Nervensystem mit überschießender Bildung abnormer → Gliazellen in den Stammganglien, bräunlicher Hautverfärbung und Leberschäden. Daraus resultieren motorische und psychische Störungen mit ausgeprägten intellektuellen Einbußen, Hepatitis und Leberzirrhose sowie der charakteristische Kayser-Fleischer-Ring der Hornhaut (grünbräunliche, ringförmige Kupferablagerungen). Mit Kaliumsulfat zur Hemmung der Kupferaufnahme und Penicillamin zur Förderung der Kupferausscheidung lässt sich ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern.


moribund

moribund, sterbenskrank.


Morning-after-Pille

Morning-after-Pille, "Pille danach", hochdosierte Progesteron-Östrogen-Kombination, die bis zu zwei Tagen nach erfolgter Befruchtung eine Schwangerschaft verhütet, indem sie die Einnistung des befruchteten Eis in die Gebärmutterschleimhaut verhindert. Aufgrund der hohen Hormonbelastung sollte diese Art der Schwangerschaftsverhütung Ausnahmefällen vorbehalten bleiben, da sie meist mit starken Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen) einhergeht. Auch → Interzeption.


Moro-Reflex

Moro-Reflex, physiologischer Primitivreflex des Neugeborenen und Säuglings, der durch kurzzeitiges Kippen des Kopfes nach hinten in Rückenlage in Form einer Umklammerungsbewegung der Arme ausgelöst wird ("Schreckreflex" durch Vestibularisreizung). Der Moro-Reflex verschwindet nach dem vierten bis sechsten Lebensmonat.


Morphe

Morphe, Form, Erscheinungsbild.


Morphin

Morphin, Morphium, Hauptinhaltsstoff des Schlafmohns bzw. Opiums mit hohem Suchtpotenzial und Prototyp der Opiate; hochwirksames Schmerzmittel, das der →  Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung unterliegt und speziell nach Operationen, bei Tumorschmerzen und bei Herzinfarkt eingesetzt wird. Außerdem wirkt es sedierend, ein Nebeneffekt, der manchmal erwünscht, manchmal unerwünscht ist. Zu den Nebenwirkungen gehören Pupillenverengung, Verstopfung, Atemdepression (bei Überdosierung Atemlähmung) und eine Verlangsamung des Herzschlags (Bradykardie). Morphin bindet als reiner Agonist an verschiedene Typen von Opiatrezeptoren im Rückenmark und Gehirn und ist chemisch eng mit Heroin verwandt.


Morphinantagonist

Morphinantagonist, → Opiatantagonist.


Morphium

Morphium, Morphin, Morphinum, veraltete Bezeichnung für → Morphin.


Morphologie

Morphologie, Erscheinungsform, die Gestalt.


Morphologie

Morphologie, in der Zoologie der anatomische Vergleich verschiedener Organismen.


Mortalität

Mortalität, Sterberate, Sterbeziffer, Anteil der Bevölkerung, der innerhalb eines definierten Zeitraums an bestimmten Erkrankungen verstorben ist (Sterbefälle pro 100.000 Männer bzw. Frauen und Jahr, aufgeteilt nach Todesursachen). Die Mortalität einer Krankheit kann durch bessere Behandlungsmethoden oder geeignete Vorbeugungsmaßnahmen gesenkt werden. Klinisch wird der Begriff auch im Sinne von → Letalität verwendet; dabei werden die Todesfälle nur auf erkrankte Personen bezogen.


Morula

Morula, Maulbeere, Bezeichnung für den menschlichen Keim in den ersten Tagen ("Maulbeerstadium"), nachdem die befruchtete Eizelle begonnen hat, sich zu teilen und bevor die Anlagen für den eigentlichen Embryo und die Plazenta in der → Blastozyste ("Bläschenstadium") erkennbar werden.


Moskito

Moskito, Stechmücke, Stechfliege, Überträger zahlreicher tropischer Infektionskrankheiten, z. B. Malaria, Filariose, Gelbfieber und anderer hämorrhagischer Fieber. Zu den biologischen Gattungen von medizinischer Bedeutung zählen u. a. Culex (Gehirnentzündungen), Anopheles (Malaria), Tsetse (Schlafkrankheit) und Aedes (Gelbfieber, Dengue-Fieber etc.).


Motilität

Motilität, Bewegungsaktivität der glatten Muskulatur, meist des Magen-Darm-Trakts. Die Magen-Darm-Motilität kann medikamentös gesteigert (z. B. bei Obstipation) oder gehemmt werden (z. B. bei Durchfall).


Motologie

Motologie, Lehre der Bewegungsabläufe und -vorgänge beim Menschen und der entsprechenden Funktionen des Bewegungsapparats. Der akademische Grad Diplom-Motologe wird nach einem entsprechenden Studium verliehen; er ermächtigt zur Mototherapie - also der Behandlung von Bewegungsstörungen. Auch → Motopädie.


Motoneuron

Motoneuron, efferente Nervenzelle, die direkt die willkürliche Muskulatur versorgt. Die Zellkörper der Motoneurone liegen im Vorderhorn des Rückenmarks (bzw. im Hirnstamm). Sie erhalten erregende und hemmende Impulse aus dem motorischen System, insbesondere "Befehle" aus dem motorischen Kortex über die Pyramidenbahn. Das Axon des Motoneuron verläuft als motorische Faser in den Nerven und bildet für eine Gruppe von Muskelzellen die motorischen Endplatten. Spezielle Motoneurone innervieren die Muskelspindeln. Auch → Muskeldehnungsreflex, → Pyramidenbahn, → Reflexbogen.


Motopädie

Motopädie, der Mototherapie nahe stehende Behandlung von Patienten mit Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen, die sich auch auf das psychische Befinden auswirken kann. Die berufliche Qualifikation beruht auf einer Zusatzausbildung nach Abschluss eines anderen Heilberufes, z. B. Krankengymnastik.


Motorik

Motorik, Fähigkeit, die willkürlichen Muskeln gezielt und koordiniert zu bewegen; daran sind das Gehirn (Rinde, Kleinhirn, Hirnkerne), das Rückenmark, die peripheren Nerven und die Muskeln beteiligt. Komplexe motorische Störungen liegen z. B. bei der → Parkinson-Krankheit, einer → Cerebralparese und bei einigen psychischen Erkrankungen vor.


motorisch

motorisch, die → Motorik bzw. das motorische System betreffend.


Mototherapie

Mototherapie, Behandlung von Bewegungsstörungen. Auch → Motopädie.


Mouches volantes

Mouches volantes, fliegende Mücken, optische Erscheinung durch Trübungen im Glaskörper des Auges ("Mückensehen").


Moxibustion

Moxibustion, Moxa, ostasiatische Therapieform, bei der Heilkräuter an bestimmten Körperstellen verbrannt werden, z. B. getrocknete Beifußblätter, und die hauptsächlich der Konstitutionsstärkung und der Vorbeugung von Krankheiten dient.


MPA

MPA, Abk. für → Praxisassistentin, medizinische.


MRI

MRI, Abk. für Magnetic resonance imaging, → Magnetresonanztomografie.


m-RNA, m-RNS

m-RNA, m-RNS, Messenger-RNS, einsträngige, komplementäre Ribonukleinsäure-Kopie des DNS-Doppelstrangs. Diese "Boten"-RNS trägt die Geninformation aus dem Zellkern ins Plasma, wo im endoplasmatischen Retikulum gemäß der m-RNS-Basensequenz spezifische Proteine entstehen. Zwischen der → Transkription und der → Translation wird die m-RNS verarbeitet, d. h. es werden Abschnitte herausgeschnitten. → Auch Ribonucleinsäure.


MRT

MRT, Abk. für → Magnetresonanztomografie.


MS

MS, Abk. für → Multiple Sklerose.


MSA

MSA, Abk. für → Multisystematrophie.


MTA

MTA, Abk. für medizinisch-technischer Assistent / medizinisch-technische Assistentin.


Mucin

Mucin, Muzin, Sammelbezeichnung für (in Verbindung mit Wasser) schleimbildende Substanzen, z. B. Zucker-Protein-Komplexe unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung.


Mücken

Mücken, → Anopheles, → Moskito.


Mückensehen

Mückensehen, → Mouches volantes.


muco...

muco..., → muko...


Mucolyticum

Mucolyticum, → Mukolytikum.


Mucopolysaccharid

Mucopolysaccharid, Substanz aus einer Gruppe chemischer Verbindungen, die aus einer Kohlenhydratkette mit verschiedenen sulfat- und aminhaltigen Gruppen bestehen. Mucopolysaccharide bilden die Grundsubstanz für muköse Sekrete (Schleim) und das lockere Bindegewebe.


Mucopolysaccharidose

Mucopolysaccharidose, Gruppe der lysosomalen Speicherkrankheiten, bei denen ein überwiegend autosomal-rezessiv erblicher Enzymdefekt zur Akkumulation von → Mucopolysacchariden (vor allem Heparan- und Dermatansulfat) in den Zellen führt, die mit Knochen- und Gelenkschäden, Hornhauttrübung und - bei einigen Formen - mit geistiger Behinderung einhergeht; die Klinik ist jedoch sehr variabel. Eine Therapie ist nicht möglich. Betroffene Familien können durch pränatale Gendiagnostik erfahren, ob das ungeborene Kind den Enzymdefekt geerbt hat.


Mucosa

Mucosa, → Mukosa.


Mucus

Mucus, → Mukus.


Müdigkeitssyndrom

Müdigkeitssyndrom, → Chronic Fatigue Syndrome.


muko...

muko..., muco..., schleimartig, Schleim betreffend.


mukokutan

mukokutan, Haut und die Schleimhäute betreffend.


Mukolytikum

Mukolytikum, Mucolyticum, Expektorans, Sekretolytikum, Substanz bzw. Medikament, das bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr zähen Schleim in den Atemwegen löst und das Abhusten erleichtert.


mukös

mukös, schleimig, schleimproduzierend. Drüsen mit viskösem Sekret werden als mukös, Drüsen mit wässrigem Sekret als serös bezeichnet.


Mukosa

Mukosa, Schleimhaut, nicht verhornendes Epithel der inneren Körperoberflächen, z. B. des Mundes, des Magen-Darm-Trakts und der Bronchien. Die Mukosa enthält Zellen oder Drüsen, deren Schleim die Oberfläche feucht hält und sie vor schädigenden Einflüssen schützt. Zudem dient die Mukosa der Abgabe und Aufnahme von Substanzen im Magen.


Mukoviszidose

Mukoviszidose, zystische Fibrose, CF, häufigste schwere, autosomal-rezessiv vererbte genetische Erkrankung in Europa. Der Gendefekt betrifft ein Ionentransport-Protein in der Zellmembran. Er führt dazu, dass die → exokrinen Drüsen sehr zähes, salzreiches Sekret produzieren, das besonders in den Bronchien (→ Bronchopneumonien), im Darm (→ Malabsorption), in der Leber (→ Leberzirrhose) und in der Bauchspeicheldrüse (→ Pankreasinsuffizienz) Probleme verursacht. Im Kindesalter häufen sich Infektionen der Luftwege, die im Laufe der Jahre zu einer Lungenfibrose mit pulmonaler Hypertonie und Rechtsherzversagen (Cor pulmonale) führt. Mit der Zeit kommt eine Pankreasinsuffizienz hinzu, die medikamentös und diätetisch bis zu einem gewissen Grad behandelbar ist; bei Neugeborenen ist ein Darmverschluss z. B. als → Mekoniumileus möglich. Die Diagnose wird über den Nachweis eines erhöhten Salzgehalts im Schweiß gestellt. Heute ist die Diagnose auch pränatal durch genetische Untersuchungen möglich. Die Krankheit verläuft trotz verbesserter Therapie tödlich; etwa 80% der Patienten erreichen das 30. Lebensjahr.


Mukozele

Mukozele, Zyste, die durch Schleimretention in einer Drüse entstanden ist, z. B. durch ein mechanisches Hindernis im Ausführungsgang oder zu zähes Sekret.


Mukus

Mukus, Schleim, Mucus, von Schleimdrüsen und Schleimzellen produziertes, zähflüssiges Sekret, das die Schleimhaut überzieht, sie vor schädlichen Einflüssen schützt und z. B. im Verdauungstrakt als Gleitmittel dient.


Mull

Mull, steriler, lockerer Verbandsstoff, der als Tupfer, Kompressen o.ä. verwendet wird.


multi...

multi..., poly..., mehrfach.


multifaktoriell

multifaktoriell, eine Krankheit oder ein Symptom, das durch mehrere Faktoren bedingt ist.


Multifokalglas

Multifokalglas, spezielles Brillenglas, das scharfes Sehen in mehreren Entfernungen ermöglicht. Das Bifokalglas ist für die Nah- und Fernsicht getrennt geschliffen.


Multiinfarktdemenz

Multiinfarktdemenz, hochgradige intellektuelle Einschränkung aufgrund von zahlreichen kleinen → Hirninfarkten infolge ausgeprägter Arteriosklerose der kleinen Hirnarterien, die mit auffälliger Vergesslichkeit einhergeht. Die Therapie beschränkt sich auf eine Verzögerung des Prozesses.


Multimorbidität

Multimorbidität, gleichzeitiges Vorliegen mehrerer Erkrankungen bei einer Person, die sich teilweise überschneiden oder in ihrer Auswirkung auf die Gesundheit gegenseitig verstärken. Bei einem multimorbiden Patienten sind die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt, da Interaktionen zwischen verschiedenen Medikamenten berücksichtigt werden müssen.


Multiorganversagen

Multiorganversagen, akutes Versagen mehrerer Organe gleichzeitig bei einem Kreislaufschock oder einer Vergiftung. Die mangelhafte Blut- und Sauerstoffzufuhr im Organismus führt zum Funktionsverlust vitaler Organe wie Gehirn, Nieren, Leber, Lunge und Herz; bei längerer Dauer kommt es zu bleibenden Schäden zum Hirntod. Mit intensivmedizinischer Unterstützung (Beatmung, Flüssigkeitskontrolle usw.) ist eine Erholung unter Umständen möglich.


Multipara

Multipara, eine Frau, die mehrere Kinder geboren hat.


Multiple-Chemical-Sensitivity-Syndrom

Multiple-Chemical-Sensitivity-Syndrom, Abk. MCS-Syndrom, vielfache Chemikalienüberempfindlichkeit. Weitgehend ungeklärtes Krankheitsbild. U. a. können Abgeschlagenheit, Atemwegsbeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten, Herz-Kreislauf- u. Verdauungsprobleme Symptome der Erkrankung sein. Als Ursache werden eine Vielzahl chemischer Umweltfaktoren diskutiert.


Multiple Sklerose

Multiple Sklerose,
Multiple Sklerose
Eine Schädigung der schützenden Markscheiden führt zu Multipler Sklerose. Makrophagen (weiße Blutkörperchen) entfernen die beschädigten Abschnitte der Markscheiden, so dass die Nervenfasern freiliegen und Nervenimpulse schlecht oder gar nicht weitergeleitet werden können.
Abk. MS, schubförmig verlaufende oder primär progrediente demyelinisierende entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems unbekannter Ursache; vermutet wird eine, evtl. viral bedingte, Autoimmunreaktion. Die Entmarkungszonen (Plaques, im Magnetresonanztomogramm erkennbar) sind unregelmäßig über die weiße Substanz des Gehirns und Rückenmarks verteilt. Zu den vielfältigen neurologischen Störungen, die oft im Alter zwischen 20 und 40 Jahren erstmals auftreten, gehören typischerweise die → Optikusneuritis (auch isoliert), spastische Muskellähmungen, Blasenfunktionsstörungen und Sensibilitätsstörungen. Bei der schubförmig verlaufenden Form bilden sich die Störungen teilweise wieder zurück, bei der primär progredienten Form findet sich eine kontinuierliche Verschlimmerung des Zustandes ohne freie Zeitintervalle. Eine Heilung ist nicht möglich. Glukokortikoide, Interferon beta, Immunsuppressiva und einige weitere Wirkstoffe verkürzen die Schubdauer. Wichtig sind auch physikalische Therapie, psychosoziale Unterstützung und Selbsthilfegruppen.


Multisystematrophie

Multisystematrophie, Abk. MSA, Erkrankung mit Degenerationserscheinungen und Verlust von Nervenzellen in mehreren Strukturen des zentralen Nervensystems.


Mumifikation

Mumifikation, Konservierung einer Leiche aus rituellen Gründen, wie es aus dem alten Ägypten und aus Andenkulturen bekannt ist; die Konservierung kann auch unabsichtlich, z.B. durch Kälte oder rasche Austrocknung, stattfinden.


Mumifikation

Mumifikation, "trockenes", infektionsfreies Absterben eines Körperteils, meist wegen mangelnder Durchblutung. Auch → Gangrän.


Mumps

Mumps, Ziegenpeter, akute Virusinfektion (Kinderkrankheit) mit Befall der Speicheldrüsen und manchmal der Bauchspeicheldrüse, der Hoden, des Gehirns und anderer Organe. Die Übertragung erfolgt durch Speichel (Tröpfcheninfektion); nach einer Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen kommt es zu Fieber und einer schmerzhaften Entzündung der Speicheldrüsen, besonders der Ohrspeicheldrüsen (Parotitis). Zwar verläuft eine Mumpsinfektion oft harmlos, wegen der möglichen Komplikationen (z. B. Infertilität bei Jungen durch Hodenbeteiligung oder Taubheit durch Nervenschädigung) wird die aktive Immunisierung dringend empfohlen. Mumps ist eine hochinfektiöse Erkrankung und breitet sich daher in Kindergärten und Schulen rasch aus. Auch →  Mumps-Meningoenzephalitis, → Mumps-Orchitis.


Mumps-Meningoenzephalitis

Mumps-Meningoenzephalitis, Befall der Hirnhäute und des Gehirns als Komplikation einer Mumpsinfektion. Eine leichte Entzündungsreaktion im Liquor (Pleozytose) mit gering ausgeprägtem → Meningismus tritt bei ca. 30% der Fälle auf und bleibt ohne Folgen. Eine schwere Enzephalitis kann zu einem → Hirnödem, Krämpfen, bleibender Taubheit und als Spätkomplikation zu einem → Hydrocephalus führen.


Mumps-Orchitis

Mumps-Orchitis, Befall der Hoden als Komplikation bei einer Mumpsinfektion; tritt bei ca. einem Viertel der Fälle auf. Die schmerzhafte Entzündung dauert einige Tage und verschwindet meist ohne Folgen. Sind beide Hoden betroffen, kann sich eine Hodenatrophie mit resultierender Sterilität entwickeln.


Münchhausen-Syndrom

Münchhausen-Syndrom, psychiatrische Erkrankung, bei der die Betroffenen eine Krankheit vortäuschen und sich selber körperliche Schäden zufügen, um (medizinische) Aufmerksamkeit zu erregen und eine stationäre Behandlung oder eine Operation zu erzwingen. Häufig handelt es sich um Personen aus medizinischen Berufen. Das Münchhausen-Syndrom gilt nicht als Simulation oder Versicherungsbetrug, sondern als Ausdruck einer behandlungsbedürftigen neurotischen Fehlentwicklung.


Mundbeatmung

Mundbeatmung, lebensrettende Notfallmaßnahme bei bewusstlosen Patienten ohne selbstständige Atemtätigkeit, z. B. bei Schädel-Hirn-Trauma oder Vergiftung. Dabei bläst der Helfer im normalen Atemrhythmus Luft durch den Mund in die Lungen des Patienten (→ Mund-zu-Mund-Beatmung oder → Mund-zu-Nase-Beatmung). Bei stabilem Kreislauf und freien Atemwegen erhält der Bewusstlose damit genügend Sauerstoff, um das Überleben zu sichern, bis er wieder spontan atmet oder maschinell beatmet werden kann.


Mundentzündung

Mundentzündung, → Stomatitis.


Mundfäule

Mundfäule, ungenaue Bezeichnung für eine schwere, ulzeröse Infektion der Mundhöhle, besonders bei bakterieller (Super-)Infektion oder einer → Stomatitis durch Herpesviren.


Mundgeruch

Mundgeruch, Geruch der Ausatmungsluft, der in vielen traditionellen Medizinsystemen und auch in der modernen Medizin diagnostisch verwertet wird (Foetor). Die menschliche Nase erkennt flüchtige Stoffe wie Ethanol (nach Alkoholgenuss), Amine (bei Leberversagen), Ammoniak (bei Nierenversagen) oder Ketone (bei diabetischem Koma).


Mundgeruch

Mundgeruch, bei mangelnder Mundhygiene oder chronischen bakteriellen Infektionen der Luftwege oder Mundhöhle (z.B. Tonsillitis) entsteht ein unspezifischer, unangenehmer Mundgeruch.


Mundtrockenheit

Mundtrockenheit, → Xerostomie.


Mundwasser

Mundwasser, → Speichel, besonders das seröse Speicheldrüsensekret, das in Aussicht auf eine Mahlzeit vermehrt produziert wird.


Mundwasser

Mundwasser, Lösung zur Mundspülung mit desinfizierender Wirkung.


Mundwinkelrhagade

Mundwinkelrhagade, schmerzhafter entzündlicher Hauteinriss im Bereich der Mundwinkel, z. B. bei Gebissproblemen, einer Candida-Infektion, Vitaminmangel oder bei → atopischer Dermatitis.


Mund-zu-Mund-Beatmung

Mund-zu-Mund-Beatmung, Methode der → Mundbeatmung, bei der die Hilfsperson nach Nasenblockade (Zuhalten) die Luft durch den Mund des Bewusstlosen in die Lungen bläst.


Mund-zu-Nase-Beatmung

Mund-zu-Nase-Beatmung, die Methode der → Mundbeatmung, bei der die Hilfsperson die Luft durch die Nase des Bewusstlosen in die Lungen bläst. Dazu wird der Kopf des Patienten leicht nach hinten gekippt und sein Mund mit der Hand geschlossen.


mural

mural, die Wand eines Hohlorgans betreffend. Auch → intramural.


Musculus

Musculus, Muskel, Abk. M., sämtliche Bezeichnungen für Muskeln des menschlichen Körpers beginnen in der anatomischen Nomenklatur mit Musculus.


Musiktherapie

Musiktherapie, Behandlungsform, die die Auswirkungen von Musik auf den Menschen gezielt nutzt, entweder allgemein zur Beruhigung und Entspannung (z. B. bei Kindern vor einer Operation) oder spezieller zur Therapie schwerkranker Menschen. Dazu gehören u. a. Patienten, die lange bewusstlos waren oder psychisch Kranke, deren Fähigkeit, Kontakt mit der Umwelt aufzunehmen, durch eine Musiktherapie erleichtert oder erst (wieder) hergestellt wird. Musiktherapie kann man an verschiedenen Hochschulen oder privaten Schulen studieren.


Muskarin

Muskarin, giftige Ammoniumverbindung, die in verschiedenen Pilzen (z. B. Fliegenpilz) vorkommt und zu gefährlichen körperlichen und seelischen Ausfällen führt. Die Wirkung kann mit Atropin aufgehoben werden.


Muskat

Muskat, Myristica fragrans, eine Baumart, deren Samen (Muskatnuss) als Gewürz und zur Herstellung von Heilmitteln verwendet werden. Traditionellerweise werden Muskatnuss-Zubereitungen zur Behandlung von Durchfall und Verdauungsstörungen eingesetzt. Eine Überdosierung kann zu psychischen Symptomen wie Bewusstseinsveränderungen und Halluzinationen führen.


Muskel

Muskel, Musculus,
Muskulatur
Entsprechend ihrer Aufgabe ist die Muskulatur spezifisch geformt: spindelförmig für ausgiebige, gefiedert für kraftvolle und zweiköpfig für koordinierte Bewegungen.
Antagonist
Die zum Heben benötigten Beuge- und Streckmuskeln sind Antagonisten, d.h. sie haben entgegengesetzte Aufgaben.
Bewegungsapparat
Hunderte von Muskeln sorgen für die Beweglichkeit des menschlichen Körpers.
Muskel
Der menschliche Körper wird von mehr als 640 Muskeln bewegt. Alle wichtigen Skelettmuskeln der Körpervorder- und Körperrückseite haben ihren eigenen Namen, wobei die Benennung der meisten Muskeln nach ihren Charakteristika erfolgt. So hat ein Bizeps zwei, ein Trizeps drei Verbindungen mit seinem Knochen. Ein Muskel mit der Bezeichnung Deltoideus ähnelt einem Dreieck.
funktionell und anatomisch definiertes Organ, dessen Zellen infolge von Nervenimpulsen kontrahieren. Man unterscheidet die glatte (unwillkürliche, z. B. Darmmuskulatur), die quer gestreifte (willkürliche) Skelett-Muskulatur und die quer gestreifte Herzmuskulatur (die über ein eigenes System der Erregungsleitung verfügt). Die Muskeln des Bewegungsapparats sind über Sehnen fest mit der Knochenhaut verbunden; im Normalfall besitzen sie einen rumpfnahen Ursprung und einen → distalen Ansatz.


Muskelatrophie

Muskelatrophie, Muskelschwund, Amyotrophie, Abnahme der Muskelmasse oder einer Muskelgruppe, z. B. infolge Trainingsmangels nach Ruhigstellung einer Extremität (Gipsverband). Eine Denervation eines Muskels, also die Schädigung seines Motoneurons durch Verletzung oder Krankheit führt ebenfalls zu einer Atrophie. Auch amyotrophische → Lateralsklerose.


Muskelbiopsie

Muskelbiopsie, Entnahme einer Muskelprobe mit einer Hohlnadel o.ä. zur mikroskopischen und biochemischen Untersuchung, z. B. zur Diagnose einer neuromuskulären Erkrankung oder in der Sportmedizin.


Muskeldehnungsreflex

Muskeldehnungsreflex, Sehnenreflex, unwillkürlicher einfacher Reflex, dessen Bahn weitgehend bekannt ist: Die kurzfristige Dehnung eines Muskels (z. B. durch sanften Schlag auf seine Sehne mit einem Reflexhammer oder der Handkante) löst über die Muskelspindeln einen afferenten Impuls im Hinterhorn des Rückenmarks aus. Dieser Impuls wird im Rückenmark direkt an das Motoneuron des gedehnten Muskels weitergegeben, der sich daher als Reaktion auf die Dehnung zusammenzieht. Über Zwischenneurone werden gleichzeitig die antagonistischen Muskeln gehemmt. Auch → Patellarsehnenreflex, → Reflex.


Muskeldystrophie

Muskeldystrophie, heterogene Gruppe von Muskelerkrankungen, die zu allgemeiner Muskelschwäche führen. Die häufigste Muskeldystrophie ist das → Duchenne-Syndrom.


Muskeleigenreflex

Muskeleigenreflex,
Muskeleigenreflex
Nervenverschaltung beim Patellarsehnenreflex, dem bekanntesten Muskeleigenreflex.
Reflex, bei dem ein Muskel auf einen Dehnungsreiz reagiert, indem er sich zusammenzieht. Auch → Eigenreflex, → Fremdreflex.


Muskelentspannung nach Jacobson

Muskelentspannung nach Jacobson, → Relaxation, progressive.


Muskelentspannung, progressive

Muskelentspannung, progressive, → Relaxation, progressive.


Muskelerkrankung, progressive

Muskelerkrankung, progressive, Sammelbezeichnung für eine unaufhaltsam fortschreitende Muskeldystrophie, z. B. die Duchenne-Dystrophie (→ Duchenne-Syndrom).


Muskelfaser

Muskelfaser, Muskelzelle,
Muskelfaser
Jede einzelne Muskelfaser besteht wiederum aus Tausenden von Fäserchen, den Muskel- oder Myofibrillen, die in Längsrichtung verlaufen. Myofibrillen enthalten die Proteine Myosin und Aktin, die für die Kontraktion des Muskels verantwortlich sind.
spezialisierte Zellen des Muskelgewebes mit mehreren Kernen, zahlreichen Mitochondrien und → Myofibrillen als kontraktile Zellelemente. Manche Muskelfasern sind mehrere Zentimeter lang. Die Fasern der Skelettmuskeln werden über sog. motorische → Endplatten innerviert. Ein Nervenimpuls löst einen intrazellulären Kalziumanstieg aus, der zur Kontraktion der Myofibrillen führt.


Muskel, glatter

Muskel, glatter, Muskeltyp der unwillkürlichen viszeralen Muskulatur (Eingeweidemuskulatur). Mikroskopisch sind die Myofibrillen kaum erkennbar, die Muskelzellen erscheinen glatt. Glatte Muskulatur wird vom vegetativen Nervensystem innerviert und ist in vielen Hohlorganen als Teil der Organwand vorhanden, z. B. im Magen-Darm-Trakt.


Muskelkater

Muskelkater, leichte bis ausgeprägte Schmerzen im Anschluss an eine Überbelastung der Muskulatur. Die Schmerzen treten meist am Folgetag auf, verstärken sich evtl. und verschwinden nach einigen Tagen wieder. Als Ursache des Muskelkaters vermutet man diffuse mikroskopische Faserrisse im ermüdeten Muskel mit resultierenden Ödemen.


Muskelkontraktion

Muskelkontraktion, Zusammenziehen eines Muskels mit Kraftfortleitung auf die Sehnen bzw. deren Ansatzpunkte. Unwillkürliche Kontraktionen eines Skelettmuskels werden als Zucken oder Krämpfe bezeichnet.


Muskelkrampf

Muskelkrampf, Spasmus, unwillkürliche, willentlich nicht beeinflussbare, schmerzhafte Kontraktion eines Skelettmuskels, häufig durch ungenügende Blutzufuhr in einem statisch arbeitenden Muskel. Ein Muskelkrampf wird durch festen, stetigen Gegendruck gelöst.


Muskel, quer gestreifter

Muskel, quer gestreifter, Muskeltyp der willkürlichen Skelettmuskulatur und des Herzens. Mikroskopisch bilden die ausgerichteten Myofibrillen deutliche Querstreifen. Quer gestreiftes Muskelgewebe ist leistungsfähiger als glattes und feiner innerviert. Die Herzmuskulatur ist quer gestreift, besitzt aber ein besonderes Reizleitungssystem und einen eigenen Impulsgenerator.


Muskelreflexzonenmassage

Muskelreflexzonenmassage, Therapieform, bei der durch Anregung bestimmter Muskelgruppen (als sog. Projektionszonen) die inneren Organe beeinflusst werden. Die Muskelreflexzonenmassage wird vor allem bei Schmerzzuständen angewendet.


Muskelrelaxans

Muskelrelaxans, Substanz zur Senkung des Muskeltonus. Zentral (über das Gehirn) wirkende Muskelrelaxantien werden als Spasmolytika bei neuromuskulären Erkrankungen eingesetzt. Peripher wirkende Substanzen blockieren die Signalübertragung in der motorischen Endplatte (curareähnliche Wirkung); sie führen zu einer kompletten Lähmung und werden nur bei Operationen mit Vollnarkose eingesetzt.


Muskelschwund

Muskelschwund, → Muskelatrophie.


Muskelspindel

Muskelspindel, Dehnungsrezeptor aus fünf bis zehn speziellen Muskelzellen, der in unterschiedlicher Zahl im Muskelgewebe vorhanden ist. Die intrafusalen Muskelfasern, also die in der Spindel gelegenen Zellen, werden gesondert motorisch innerviert. Bei Dehnung des Muskels bzw. der Muskelspindel entsteht ein afferenter Nervenimpuls. Durch die Muskelspindeln ist es möglich, die Lage des Körpers oder von Körperteilen im Raum wahrzunehmen.


Muskeltest, kinesiologischer

Muskeltest, kinesiologischer, ein wichtiger Test in der → Kinesiologie. Dabei wird z. B. die Haltekraft des ausgestreckten Arms getestet, um eine Krankheitsursache (z. B. ein Allergen) zu eruieren oder das beste Heilmittel zu wählen.


Muskeltonus

Muskeltonus, Grundspannung eines Muskels. Ein Haltemuskel (z. B. Nackenmuskulatur) weist über lange Zeit einen relativ hohen Tonus auf. Eine pathologische Erhöhung des Muskeltonus wird je nach Form als Rigidität oder Spastizität bezeichnet. Der Muskeltonus ist die Summe der Einzelkontraktionen der Muskelzellen; er kann mit der Elektromyografie genau bestimmt werden.


Muskelzelle

Muskelzelle, → Muskelfaser.


Muskelzerrung

Muskelzerrung, Muskelverletzung, bei der Muskelfasern überdehnt werden oder sogar reißen. Eine Muskelzerrung entsteht infolge eines Traumas, z. B. beim Sport ohne genügendes vorheriges Aufwärmen, und geht mit Schmerzen im betroffenen Muskel, evtl. auch einem sichtbaren Bluterguss einher. Behandelt wird mit Ruhigstellung und Kühlung. Eine Muskelzerrung heilt innerhalb weniger Tage bis Wochen ab.


Muskelzittern

Muskelzittern, → Tremor.


muskulär

muskulär, die Muskeln betreffend, durch die Muskeln bedingt. Auch → neuromuskulär.


Muskulatur

Muskulatur,
Muskulatur
Entsprechend ihrer Aufgabe ist die Muskulatur spezifisch geformt: spindelförmig für ausgiebige, gefiedert für kraftvolle und zweiköpfig für koordinierte Bewegungen.
Gesamtheit der Muskeln; im engeren Sinn die willkürliche Skelettmuskulatur, die individuell sehr variabel ausgebildet ist.


Mutagen

Mutagen, eine chemische Substanz, ein Virus oder eine Strahlung (z. B. radioaktive Strahlung), die Veränderungen (Mutationen) am Erbgut (DNS) verursachen. Eine mutagene Substanz birgt große Gesundheitsrisiken; man vermutet, dass Mutagene auch als → Karzinogene wirken.


Mutation

Mutation, Erbgutänderung. Mutationen spielen eine zentrale Rolle in der Genetik und der biologischen Evolution; sie sind für das plötzliche Auftreten neuer Erbmerkmale in einer Population verantwortlich. Einzelmutationen kommen durch den Austausch eines einzigen Basenpaars in der DNS (und damit einer Aminosäure) zustande (z. B. Sichelzellenanämie). Durch das Verschieben eines ganzen Genblocks (sog. springende Gene) entstehen ebenfalls Mutationen. Eine Mutation in einem Onkogen kann eine einzige Zelle zum Krebswachstum anregen. Mutationen in Körperzellen sind nicht vererbbar. Auch → Chromosomenaberration, → Chromosomenmutation.


Mutilation

Mutilation, Verstümmelung, vor allem an Händen und Füßen. Mutilationen kommen z. B. bei → Lepra, → Sklerodermie und manchen Formen der → Porphyrie vor, Selbstverstümmelungen bei psychisch schwer kranken Menschen.


Mutismus

Mutismus, Verweigerung bzw. Unfähigkeit, trotz funktionstüchtigem Sprechorgan zu sprechen, z. B. bei verschiedenen psychischen Erkrankungen (Depressionen, Schreckstarre, Stupor). Der akinetische Mutismus ist eine spezielle Form der Hirnschädigung.


Mütterberatung

Mütterberatung, individuell ausgerichtete medizinische und soziale Empfehlungen für Frauen mit einem neugeborenen Kind, die auf der → Schwangerenberatung aufbauen. Mit Kleinkindern unerfahrene Frauen lernen in den Tagen vor und nach der Geburt, wie sie ihr Kind am besten ernähren und pflegen und welche Unterstützungsmöglichkeiten sie bekommen können.


Mutterkorn

Mutterkorn, Claviceps purpurea, ein auf Getreide (vor allem Roggen) wachsender Pilz, der einen braunvioletten Zapfen bildet. Die im Mutterkorn enthaltenen sog. → Mutterkornalkaloide können zu Vergiftungen führen, besonders zu Gefäßkonstriktionen mit Ischämie (→ Ergotismus oder Sankt-Antons-Feuer) und werden daher in vorsichtiger Dosierung zur Blutstillung bei Gebärmutterblutungen eingesetzt.


Mutterkornalkaloid

Mutterkornalkaloid, Inhaltsstoff des Mutterkorns. Mutterkornalkaloide bestehen aus einem vierteiligen Ergolinring. Natürliche und (halb-)synthetische Mutterkornalkaloide wirken über verschiedene Rezeptortypen (u. a. über Serotonin- und Dopaminrezeptoren) und werden als Medikamente eingesetzt, z. B. Ergotamin (als Migräneprophylaxe), Bromocriptin (ein Dopamin-Agonist) oder Methylergometrin (bei Uterusnachblutung). Auch → Alkaloid.


Mutterkuchen

Mutterkuchen, → Plazenta.


Muttermal

Muttermal, → Nävus.


Muttermilch

Muttermilch, Frauenmilch, Sekret der weiblichen Brustdrüsen, das dem Säugling in den ersten Lebensmonaten als ausschließliche Nahrung dient. Die sog. reife Muttermilch wird erst ab dem zehnten bis fünfzehnten Tag nach der Geburt gebildet, zuvor wird die Flüssigkeit als Kolostrum und Übergangsmilch bezeichnet. Im Vergleich zur Kuhmilch enthält die Muttermilch mehr Laktose (sie schmeckt süßer) und weniger Proteine. Mit der Muttermilch nimmt der Säugling auch Antikörper auf. Viele fettlösliche Substanzen im Körper der Mutter, z. B. Medikamente oder Gifte, können über Muttermilch auf den Säugling übertragen werden.


Muttermund

Muttermund, Öffnung der Gebärmutter zur Vagina. Bei einer Frau, die noch nie geboren hat, ist der Muttermund punktförmig auf der → Cervix uteri sichtbar, nach einer oder mehreren Geburten strich- oder sternförmig. Die Öffnung des Muttermundes unter der → Geburt ist für den Geburtshelfer ein wichtiger Hinweis darauf, wie weit die Geburt schon fortgeschritten ist. Bei komplett "verstrichenem" Muttermund (Öffnung größer als zehn Zentimeter) beginnt die Austreibungsphase.


Mutterpass

Mutterpass, nach einem bestimmten Muster gefertigtes Heft, in das der behandelnde Arzt Angaben zu jeder Schwangerschaft, Entbindung und zum Zustand des Neugeborenen macht. Der Mutterpass enthält u. a. die Ergebnisse von Blutuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen, dem Zustand des Kindes, möglichen Risikofaktoren für die Schwangerschaft oder Entbindung usw.


Mutterschaftsrichtlinien

Mutterschaftsrichtlinien, gesetzliche Richtlinien für die ärztliche Betreuung von Schwangeren und Frauen nach der Entbindung. Dazu gehören u. a. die Feststellung der Schwangerschaft, die regelmäßige Untersuchung der Schwangeren, die Beratung über Schwangerschaft und Geburt und die Ausstellung eines Mutterpasses. Auch → Schwangerenberatung, →  Schwangerenvorsorgeuntersuchungen.


Mutterschutzgesetz

Mutterschutzgesetz, Abk. MuSchG, besonderer rechtlicher Schutz für Schwangere und Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen. Nach dem Mutterschutzgesetz darf die Schwangere bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausüben (z. B. Nachtdienste), sie muss während der Zeit des Mutterschutzes über einen bestimmten Zeitraum vor und nach der Geburt nicht arbeiten, erhält jedoch einen finanziellen Ausgleich (Mutterschaftsgeld). Zusätzlich unterliegen die Schwangeren bzw. Mütter einem besonderen Kündigungsschutz und haben Recht auf Elternzeit.


Müttersterblichkeit

Müttersterblichkeit, Anzahl der Todesfälle im Zeitraum des Wochenbetts, die auf eine Schwangerschaft, eine Entbindung oder deren Folgen zurückzuführen sind, pro 100.000 Lebendgeborenen.


Muzin

Muzin, → Mucin.


muzinös

muzinös, schleimig.


Myalgie

Myalgie, Schmerzen in einem Muskel oder der gesamten Muskulatur. Der Muskelkater ist eine häufige und harmlose Form der Myalgie. Eine Muskelprellung verursacht heftige Schmerzen bei der Kontraktion des verletzten Muskels. Eine diffuse Myalgie ist typisch für grippale Infekte. Eine Myalgie tritt auch als Symptom bei rheumatischen Erkrankungen auf (sog. Weichteilrheumatismus), z. B. bei der → Polymyalgia rheumatica und dem systemischen Lupus erythematodes. Bei rheumatischen Erkrankungen sind oft auch die Muskelsehnen und deren Ansatzstellen betroffen.


Myasthenia gravis

Myasthenia gravis, Muskelschwäche aufgrund einer autoimmunen Schädigung der motorischen Endplatten der Skelettmuskulatur. Die → Autoantikörper sind gegen die Acetylcholin-Rezeptoren gerichtet; deren Zahl bei der Myasthenia gravis vermindert ist. Es kommt zu rascher Ermüdbarkeit und Kraftlosigkeit. Als erste Muskeln sind oft die Augenlider (Ptose) und die Augenmuskeln (Doppelbilder) betroffen. Besonders gefürchtet sind Schluck- und Atemlähmungen. Der Verlauf ist variabel; durch die Gabe von Acetylcholinesterase-Hemmern (z. B. Prostigmin) und Immunsuppression kann der Krankheitsprozess meist verlangsamt werden.


Myasthenie

Myasthenie,
Myasthenie
Ursache der Muskelschwächekrankheit Myasthenie ist eine Störung der Impulsübertragung vom Nerv auf den Muskel. Der Botenstoff Acetylcholin, der von den synaptischen Endknöpfchen der Nervenfortsätze freigesetzt wird, findet normalerweise passende ›Andockstellen‹ an der Muskelzelle, die so genannten Membranrezeptoren. Bei der Myasthenie sind diese Andockstellen durch Autoimmunprozesse zerstört, so dass die Muskelzellen nicht stimuliert werden.
Muskelschwäche, z. B. als Folge einer Muskelentzündung, einer Virusinfektion oder einer → Autoimmunkrankheit. Auch → Myasthenia gravis.


Mycet

Mycet, → Pilz.


myc...

myc..., myco..., myk(o)..., Wortteil mit der Bedeutung Pilz.


Mycobacterium

Mycobacterium, vielfältige und weit verbreitete Bakteriengattung mit säurefester Zellwand, die einen hohen Lipidanteil hat (Wachshülle). In der Anfärbung erscheinen Mykobakterien als rote Stäbchen. Mycobacterium tuberculosis ist Erreger der Tuberkulose; seine Oberflächenlipide verhindern die erfolgreiche Phagozytose (die Bakterien überleben in den Makrophagen) und sind für den immunologisch komplexen Verlauf der → Tuberkulose verantwortlich. Die Lepra wird von einem ähnlichen Erreger, dem Mycobacterium leprae, verursacht. Eine Reihe anderer Mykobakterien sind nur unter bestimmten Umständen pathogen (atypische Mycobakteriose, z. B. bei Immunschwäche).


Mycosis fungoides

Mycosis fungoides, bösartige Erkrankung der T-Lymphozyten (Non-Hodgkin-Lymphom) mit Infiltrationen der Haut, die sich als gerötete Knoten manifestieren. In einem späteren Stadium können Tumornekrosen auftreten. Die Mycosis fungoides spricht nur mäßig auf Chemotherapie an.


Mydriasis

Mydriasis, Mydriase, Pupillenerweiterung, physiologischerweise bei geringem Lichteinfall, also beim Dämmerungssehen, mit verminderter Tiefenschärfe. Die Mydriase kommt durch die Kontraktion des sympathisch innervierten Pupillenmuskels zustande. Die Einnahme stimulierender Substanzen, z. B. Kokain, führt ebenfalls zu einer Mydriasis. Auch → Miosis, → Mydriatikum.


Mydriatikum

Mydriatikum, Medikament (meist in Form von Augentropfen) zur Erweiterung der Pupille (Mydriasis) vor einer Augenuntersuchung. Die parasympatholytischen Mydriatika (Atropin, Scopolamin) lähmen auch den Ziliarmuskel und verursachen somit eine Akkommodationsstörung; therapeutisch werden sie eingesetzt, um den vorderen Augenabschnitt bei einer Entzündung ruhig zu stellen. Die Wirkung der Sympathomimetika wie Phenylephrin ist auf die Pupille beschränkt.


Myelin

Myelin, lipidhaltige Grundsubstanz, die Nervenaxone als → Myelinscheide umgibt. Das myelinhaltige Gewebe in Hirn und Rückenmark entspricht der weißen Substanz. Die Multiple Sklerose führt als sog. demyelinisierende Krankheit zu lokalisierten Myelinverlusten (Plaques) und damit zu neurologischen Ausfällen.


Myelinscheide

Myelinscheide, Markscheide, Nervenscheide, Hülle um Nervenaxone, die im ZNS von den Oligodendrozyten und in den peripheren Nerven von den Schwann-Zellen gebildet wird. Die Hilfszellen umgeben die Axone mit einer mehrfachen Doppelschicht aus Zellmembran, die in regelmäßigen Abständen Lücken (Ranvier-Schürringe) für die saltatorische Erregungsübertragung im Nerven aufweist.


Myelitis

Myelitis, Entzündung des “Marks“. 1. → Osteomyelitis, eine meist bakterielle Infektion des Knochenmarks. 2. Entzündung des Rückenmarks, z. B. nach einer viralen Infektion, mit Rückenschmerzen und neurologischen Ausfällen, z. B. Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen. Auch → Meningomyelitis.


myelo...

myelo..., Wortteil mit der Bedeutung "Mark", entweder Knochen- oder Rückenmark.


Myeloblast

Myeloblast, jüngste Vorläuferzelle der Granulozyten im Knochenmark. Myeloblasten gehen direkt aus den Knochenmarkstammzellen hervor und reifen im Markraum heran.


Myeloblastenschub

Myeloblastenschub, Myeloblastenkrise, akute Vermehrung und Ausschwemmung undifferenzierter weißer Frühformen in das periphere Blut bei einer chronischen myeloischen → Leukämie. Eine Chemotherapie bewirkt kaum etwas in dieser Situation; ein Blastenschub endet oft tödlich.


Myelodysplasie

Myelodysplasie, → myelodysplastisches Syndrom.


myelogen

myelogen, aus dem Knochenmark stammend.


myelogen

myelogen, durch eine Rückenmarkschädigung verursacht.


Myelografie

Myelografie, konventionelle radiologische Darstellung des Rückenmarks und der Spinalwurzeln nach Injektion von Röntgenkontrastmittel in den Epi- oder Subduralraum bei Verdacht auf Verengungen im Wirbelkanal, z. B. durch einen Tumor oder eine Diskushernie. Die Myelografie wurde zunehmend durch die Magnetresonanztomografie abgelöst.


myeloisch

myeloisch, das Knochenmark betreffend. Auch → myelogen.


myeloische Leukämie

myeloische Leukämie, → Leukämie.


Myelom

Myelom, ein von Knochenmarkzellen ausgehender solider Tumor. Im engeren Sinn das von den B-Lymphozyten ausgehende multiple Myelom oder → Plasmozytom.


Myelopathie

Myelopathie, Myelose, Oberbegriff für eine Schädigung oder Erkrankung des Knochenmarks oder des Rückenmarks.


Myelose, funikuläre

Myelose, funikuläre, Erkrankung der Nervenbahnen des Rückenmarks, meist als Komplikation einer megaloblastären Anämie bei Vitamin-B 12 -Mangel durch Störung der Myelinsynthese, die zu irreversiblen Sensibilitätsstörungen, Missempfindungen, Bewegungskoordinationsstörungen, Lähmungen und einer Polyneuropathie führt. Die Therapie besteht in der Gabe von Vitamin B12. Auch → Spinalerkrankung.


Myelozele

Myelozele, → Meningomyelozele.


Myelozyt

Myelozyt, Vorläuferzelle der Granulozyten im Knochenmark. Myelozyten stammen von den Myeloblasten ab und kommen normalerweise im peripheren Blutbild nicht vor.


Myiasis

Myiasis, Hauterkrankung durch Fliegenlarven. Die Maden der in Europa vorkommenden Fliegenarten können sich meist nur in abgestorbenem Gewebe entwickeln, z. B. in einer Wunde. Durch ihre Beweglichkeit können die Maden auch Umgebung eindringen.


myko...

myko..., → myco...


Mykologie

Mykologie, Pilzkunde, Spezialgebiet der Infektiologie. Auch → Mykose.


Mykoplasma

Mykoplasma, relativ kleine (unter 0,5 Mikrometer), zellwandlose Bakterie aus der Familie der Mykoplasmen. Mycoplasma pneumoniae verursacht eine grippeähnliche Infektion der Luftwege oder eine atypische → Pneumonie. Andere wie Mycoplasma hominis oder Ureaplasma urealyticum sind für unspezifische Genitalinfektionen bei Mann und Frau verantwortlich. Da Mykoplasmen keine Zellwand haben, sind Antibiotika vom Penicillintyp unwirksam; die Therapie erfolgt mit Erythromycin oder Tetrazyklinen.


Mykose

Mykose, Pilzinfektion, durch einen → Pilz verursachte Erkrankung. Häufig und relativ harmlos sind die → Dermatomykosen. Die selteneren (zum Teil endemischen) systemischen Mykosen (z. B. durch Cryptococcus oder Histoplasma) verursachen schwere Infektionen mit → Meningitis und Lungenentzündung. Opportunistische Mykosen (z. B. durch Candida oder Aspergillus) entstehen vor allem bei Immunschwäche.


mykotisch

mykotisch, durch einen Pilz verursacht.


myo...

myo..., Wortteil mit der Bedeutung Muskel.


Myofibrille

Myofibrille, aus kurzen Proteinfäden, den sog. → Myofilamenten, aufgebaute Untereinheit einer quer gestreiften Muskelzelle. Myofibrillen befinden sich im Plasma der Muskelzelle und sind für die Kontraktion der Muskulatur verantwortlich.


Myofilament

Myofilament, fadenförmiges Muskelprotein, das die Kontraktur eines Muskels ermöglicht. Man unterscheidet → Actin und → Myosin. Auch → Muskel, → Myofibrille.


Myogelose

Myogelose, tastbare, schmerzhafte Verhärtung in einem Muskel bei chronischer Fehlbelastung.


Myoglobin

Myoglobin, hämoglobinähnliches Protein im Plasma der Muskelzellen mit eisenhaltigem Häm-Molekül; Myoglobin bindet Sauerstoff stärker als Hämoglobin und deckt den hohen Sauerstoffbedarf der Zellen bei Muskelarbeit.


Myoglobinämie

Myoglobinämie, Auftreten von Myoglobin im Blut beim Untergang von Muskelzellen (z. B. bei einer Muskelverletzung).


Myoglobinurie

Myoglobinurie, Auftreten von Myoglobin im Urin bei Untergang von Muskelgewebe, z. B. bei einer Muskelverletzung oder bei → Polymyositis, das mit dem Urin-Schnelltest für Blut (Hämoglobin) nachgewiesen wird. Eine schwere Myoglobinurie kann zu Nierenschäden führen (Crush-Syndrom).


Myokard

Myokard, Herzmuskel, der die Hauptmasse des Herzens ausmacht; das Myokard besteht aus den quer gestreiften Herzmuskelzellen und dem Erregungsleitungssystem. Das Myokard der linken Herzkammer ist deutlich dicker als das der Vorhöfe und der rechten Kammer. Wegen seiner ununterbrochenen Pumparbeit ist das Myokard auf eine kontinuierliche Blut- und Sauerstoffversorgung über die Koronararterien angewiesen. Auch → Herz.


Myokardinfarkt

Myokardinfarkt, Herzinfarkt, Abk. HI. Untergang von Herzmuskelgewebe wegen einer Durchblutungsstörung in den Koronargefäßen infolge einer → koronaren Herzkrankheit durch → Arteriosklerose. Meist entsteht ein Myokardinfarkt durch die akute Thrombosierung einer vorgeschädigten (verengten) Koronararterie, die zu einer Nekrose in einem umschriebenen Bereich des Herzmuskels führt. Der Myokardinfarkt ist eine der häufigsten medizinischen Notfallsituationen und eine der häufigsten Todesursachen im Erwachsenenalter. Durch die Nekrose wird die Pumpfunktion des Herzens verschlechtert, am Rand der nekrotischen Zone entwickeln sich häufig gefährliche → Arrhythmien. Das Kardinalsymptom des Myokardinfarkts ist der starke, anhaltende Brustschmerz, der in den linken Arm, den Hals oder das Abdomen ausstrahlen kann; bei Diabetes mellitus kann ein Myokardinfarkt aber infolge der Nervenschädigung (diabetische Polyneuropathie) auch schmerzlos ablaufen. Der Myokardinfarkt geht mit Schweißausbruch, Todesangst, Übelkeit, Erbrechen und Atemnot einher. Bei Frauen sind die meisten Symptome unspezifischer und ein Infarkt ist schwieriger zu diagnostizieren. Im Elektrokardiogramm können die meisten Myokardinfarkte erkannt, lokalisiert und datiert werden. Im Blut sind lösliche Bestandteile der zerstörten Herzmuskelzellen nachweisbar, allerdings erst einige Stunden nach dem Ereignis (Creatinkinase (CK), Laktatdehydrogenase (LDH) und Troponin T). Die Therapie besteht in einer Schonung des Herzens durch Bettruhe, Schmerzbekämpfung (Morphin), Sauerstoffgabe und Betablocker. Mit Heparin und thrombolytischen Substanzen (→ Fibrinolysetherapie) wird versucht, den frischen Thrombus in der Koronararterie aufzulösen. Wegen der Arrhythmiegefahr müssen Myokardinfarkt-Patienten auf der Intensivstation überwacht werden. Nach dem akuten Stadium wird mittels Belastungs-EKG, Sonografie des Herzens und Koronarangiografie das genaue Ausmaß des Infarkts und der zu Grunde liegenden koronaren Herzkrankheit festgestellt. Auch → koronare Herzkrankheit.


Myokardischämie

Myokardischämie, Durchblutungsstörung des Herzmuskels, meist im Rahmen einer koronaren Herzkrankheit, die zu → Angina pectoris oder zu einem Myokardinfarkt führen kann. Eine symptomlose Ischämie kann im (Belastungs-)Elektrokardiogramm oder mittels → Myokardszintigrafie nachgewiesen werden.


Myokarditis

Myokarditis, Entzündung des Herzmuskels, z. B. durch Viren (Coxsackie, Grippeviren); oft ist eine Myokarditis nur im Elektrokardiogramm zu erkennen, sie kann aber auch zu einer → Herzinsuffizienz und zu → Arrhythmien mit Atemnot, niedrigem Blutdruck, Schwindel, Müdigkeit oder Ohnmachtsanfällen führen. Auch bei einer bakteriellen → Endokarditis ist ein Übergreifen der Infektion auf das Myokard möglich.