A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

H

H, chemisches Symbol für Wasserstoff (Hydrogen).


H

H, Abk. für Histamin (z.B. H2-Rezeptorenblocker), Histidin oder Histokompatibilität.


HA

HA, → Hämagglutination.


HA

HA, → Hepatitis A.


HA

HA, → Humanalbumin.


Haar

Haar,
Haarausfall
Haarausfall
Haar
Kopfhaar wächst pro Monat etwa einen Zentimeter. Zu Beginn der Wachstumsphase stimuliert die Haarwurzel zunächst das Wachstum der Haarzwiebel, dann des Haarschafts. Im weiteren Verlauf des Wachstumszyklus zieht sich die Haarzwiebel langsam von der Haarwurzel zurück. Nach einer gewissen Zeit fällt das Haar aus.
ein aus Hornsubstanz bestehendes Hautanhangsgebilde. Haare dienen der Wärmeisolierung und der Tastempfindung. Man unterscheidet das → Lanugohaar (auch Wollhaare) des Neugeborenen (pigmentarme Haare, die beinahe die gesamte Körperoberfläche bedecken) vom Terminalhaar, das sich im Bereich des Kopfes, der Achseln und im Schambereich befindet. Seine Verteilung wird durch Hormoneinfluss geschlechtsspezifisch bestimmt. Das Haar ist durch die Haarwurzel in der Kopfhaut verankert, die ihrerseits in der Wurzelscheide steckt, in die eine Talgdrüse mündet. Die Haarwurzel ist am unteren Ende zur Haarzwiebel aufgetrieben, die Melanozyten für die Pigmentierung des Haares enthält. Die Haarzwiebel sitzt der aus gefäßreichem Bindegewebe bestehenden Haarpapille auf, über die Papille das Haar ernährt wird. Haarzwiebel und Papille werden zusammen mit dem umliegenden Bindegewebe als Haarfollikel bezeichnet. Das Haar wächst durch Zellteilungen im Bereich der Haarzwiebel. Die entstehenden Zellen werden mit dem Pigment Melanin beladen und zur Hautoberfläche geschoben. Bei diesem Prozess verhornen die Haare und entwickeln sich zu dem vor allem Horn bestehenden Haarschaft, der außerhalb der Haut zu sehen ist.


Haarausfall

Haarausfall, Effluvium capillorum,
Haarausfall
Haarausfall
Haarverlust von krankhaftem Ausmaß im Gegensatz zu dem physiologischen Haarwechsel mit einem Verlust von ca. 50 Haaren pro Tag. Der Haarausfall kann - je nach Ursache - auf einen gewissen Zeitraum begrenzt sein oder andauern. Als Ursachen kommen ein Eisenmangel, Infektionen, Entzündungen, Vergiftungen, Medikamente (insbesondere Zytostatika) und Strahlenbehandlungen in Frage. Die häufigste Ursache für Haarausfall ist eine genetische Disposition beim männlichen Geschlecht (androgenetischer Haarausfall) Auch → Alopecia areata, → Alopezie.


Haarfollikel

Haarfollikel, Bezeichnung für den Haarbalg, also die bindegewebige Wurzelscheide des Haars und die darin liegende äußere und innere Wurzelscheide aus Epithel.


Haargefäß

Haargefäß, → Kapillare.


Haarleukoplakie

Haarleukoplakie, eine → Leukoplakie, die im Rahmen einer HIV-Infektion auftreten kann: Am Rand und an der Unterseite der Zunge bilden sich weißliche, längliche, nicht abwischbare Beläge. Die Ursache ist vermutlich eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus.


Haarmineralanalyse

Haarmineralanalyse, Methode zum Nachweis von Mangelzuständen des Körpers an Mineralstoffen und Spurenelementen. Die Haarmineralanalyse dient auch zur Erfassung von Schwermetallbelastungen. Das Verfahren basiert auf spektralanalytischen Untersuchungen.


Haarpapille

Haarpapille, gefäßreiches Bindegewebe, in das die Haarwurzel eingebettet ist und die Blutversorgung gewährleistet. Auch → Haar.


Haarschaft

Haarschaft, der Teil des Haares, der die Hautoberfläche überragt. Der Haarschaft besteht zum größten Teil aus Hornmaterial, das aus den pigmentierten Zellen der Haarwurzel entsteht. Die Haarfarbe wird vor allem durch das Melanin (Pigment) bestimmt. Das Ergrauen des Haarschafts ist die Folge verringerter bzw. erloschener Pigmentbildung unterschiedlichster Ursache. Die Hornsubstanz des Haarschafts kann durch Wärme und Feuchtigkeit (z. B. beim Föhnen) verformt werden. Auch → Haar.


Haarschuppen

Haarschuppen, Kopfschuppen, kleine Teilchen der Hornhaut, die sich im Bereich der behaarten Kopfhaut ablösen. Die übermäßige Bildung von Haarschuppen kann auf eine Hauterkrankung hinweisen, die medizinisch abgeklärt werden sollte.


Haarveränderung

Haarveränderung, eine Veränderung der Farbe oder der Beschaffenheit des Haarschafts. Die meisten Haarveränderungen treten als Normvarianten oder als Folge einer falschen Haarpflege auf und haben keinen Krankheitswert, z. B. die Bildung von Schlingen in den Haaren (Trichonodose), das Aufsplittern der Haare (Trichoschisis) oder eine verstärkte Brüchigkeit der Haare (Trichoklasie). Das Ergrauen der Haare im Alter gehört zu den natürlichen Haarveränderungen.


Haarwuchsmittel

Haarwuchsmittel, ein Präparat, welches das Wachstum der Haare anregen soll. Es gibt nur wenige wirklich wirksame Haarwuchsmittel (z. B. Hormonpräparate zur äußerlichen Anwendung), und auch diese wirken meistens nur, wenn sie im Anfangsstadium von Haarausfall regelmäßig angewendet werden.


Haarwurzel

Haarwurzel, der schräg in der Haut steckende Haaranteil. Der Zellaufbau der Haarwurzel entspricht etwa dem der Oberhaut. Die Haarwurzel ist in die Wurzelscheide eingebettet, die unteren Ende aufgetrieben ist; dieser Teil wird als Haarzwiebel (Bulbus) bezeichnet. Auch → Haar.


Haarzellen

Haarzellen, Hörzellen, die Sinneszellen im Corti-Organ der Gehörschnecke. Die Haarzellen tragen Zilien und stehen mit den Neuronen des Hörnervs in Verbindung. Es gibt eine Reihe innerer und drei bis fünf Reihen äußerer Haarzellen.


Haarzellen

Haarzellen, die im Blut vorkommenden, leukämisch veränderten B-Lymphozyten (mit Ausläufern) bei der sog. Haarzellleukämie.


Haarzell-Leukämie

Haarzell-Leukämie, ein bösartiges → Lymphom, das sich durch das Auftreten von Lymphozyten mit schmalen Fortsätzen (»Haarzellen«) im Blut auszeichnet. Symptome sind eine Vergrößerung der Milz und eine Verminderung der Blutkörperchen.


HAB

HAB, Abk. für homöopathisches → Arzneibuch.


habituell

habituell, ständig, gewohnheitsmäßig.


habituell

habituell, verhaltenseigen (Psychologie).


Habitus

Habitus, Aussehen, Erscheinungsbild, Konstitution. Auffälligkeiten im äußeren Erscheinungsbild einer Person lassen evtl. auf eine Krankheit rückschließen, z. B. Stammfettsucht beim Cushing-Syndrom.


Hacken

Hacken, Ferse, → Calcaneus.


Hackenfuß

Hackenfuß, Pes calcaneus, angeborene oder erworbene Missbildung des Fußes, bei der der Fuß nach oben gebeugt ist und die Ferse nach unten zeigt (Hackenform). Behandelt wird ein Hackenfuß durch einen Zug- oder Gipsverband, der den Fuß in der anatomisch richtigen Stellung fixiert; eine Operation ist selten nötig.


Hackengang

Hackengang, Gangbild bei Lähmung des Nervus tibialis, bei der die Ferse als Auftrittsfläche dient.


haemato...

haemato..., Vorsilbe mit der Bedeutung "Blut".


Haemoccult-Test

Haemoccult-Test, ein Test zum Nachweis von nicht sichtbaren (okkulten) Blutbeimengungen im Stuhl. Eine Stuhlprobe wird auf ein mit Guajak beschichtetes Filterpapier aufgetragen und mit Wasserstoffperoxid betropft. Die Peroxydasewirkung des Hämoglobins wandelt das Guajakharz in Anwesenheit von Wasserstoffperoxid und ergibt blaue Farbstoffe und Wasser. Vor dem Test muss drei Tage lang auf Fleisch- oder Fischgerichte sowie die Einnahme eisenhaltiger Medikamente verzichtet werden.


Haemophilus

Haemophilus, gramnegative, unbewegliche Stäbchenbakterien, die sich auf blut- oder hämoglobinhaltigen Nährböden anzüchten lassen. Der bekannteste Vertreter der Gruppe ist Haemophilus influenzae (Pfeiffer-Influenzabakterium). Eine Infektion mit Haemophilus influenzae führt zu einer eitrigen Laryngitis, Meningitis, Endokarditis oder Pneumonie. Vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter können diese Infektionen lebensgefährlich werden. Deswegen gehört die Schutzimpfung gegen Haemophilus influenzae b (Hib) zu den dringend empfohlenen Impfungen. Zur Gattung Haemophilus gehören weiterhin Haemophilus ducreyi, der Erreger des → Ulcus molle (weicher Schanker), und Haemophilus parainfluenzae, der zu akuten Rachenentzündungen und Herzinnenhautentzündungen führt.


Hafer

Hafer, Avena sativa, eine Getreidepflanze, die auch als Heilpflanze eingesetzt wird. Traditionellerweise werden Haferzubereitungen bei der Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Gicht und rheumatischen Krankheiten angewendet. Aufgüsse aus Haferstroh werden äußerlich bei der Behandlung von juckenden und entzündlichen Hautkrankheiten eingesetzt.


Hafnia

Hafnia, eine Gattung von gramnegativen Stäbchenbakterien. Der einzige Vertreter ist Hafnia alvei, ein Keim, der v. a. in Wasser und Boden vorkommt.


Haftschale

Haftschale, → Kontaktlinse.


Hagebutte

Hagebutte, Rosa canina / Rosa pendulina, Strauch aus der Familie der Rosengewächse. Die Früchte enthalten sehr viel Vitamin C und werden deshalb zur Vorbeugung eines Vitamin-C-Mangels, bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten eingesetzt.


Hagelgeschwulst

Hagelgeschwulst, → Hordeolum.


Hagelkorn

Hagelkorn, → Chalazion.


Haglund-Exostose

Haglund-Exostose, ein Knochensporn, der sich an der Ferse (→ Calcaneus) am Ansatz der Achillessehne bilden kann (z. B. bei Läufern infolge einer Überbelastung). Die Symptome sind Schmerzen und eine Schwellung der Ferse. Die Behandlung besteht in der Anpassung der Belastung und der Schuhe (evtl. spezielle Einlagen). Unter Umständen muss der Knochensporn operativ entfernt werden.


Hairless-woman-Syndrom

Hairless-woman-Syndrom, → Feminisierung, testikuläre.


Hakenwurm

Hakenwurm, → Ancylostoma.


Halbantigen

Halbantigen, → Hapten.


Halbbad

Halbbad, ein Bad, bei dem das Wasser dem Patienten nur bis zum Ansatz des Brustkorbs reicht.


Halbseitenlähmung

Halbseitenlähmung, → Hemiplegie.


Halbwertszeit

Halbwertszeit, Zeitraum, in dem in einem Organismus die Atommenge eines Nuklids durch radioaktiven Zerfall halbiert wird (physikalische Halbwertszeit).


Halbwertszeit

Halbwertszeit, Zeitraum, in dem in einem Organismus Substanzen (z.B. Arzneimittel, radioaktive Substanzen) durch Abbauvorgänge oder Ausscheidung auf die Hälfte reduziert oder körpereigene Substanzen erneut gebildet werden (biologische Halbwertszeit).


Halbwertszeit

Halbwertszeit, Als effektive Halbwertszeit bei radioaktiven Substanzen wird die Kombination aus biologischer und physikalischer Halbwertszeit bezeichnet.


Hallux

Hallux, die große Zehe.


Hallux valgus

Hallux valgus, eine x-förmige Fehlstellung der Großzehe mit Ballen- und Schwielenbildung. Die Großzehe knickt zur Außenseite des Fußes hin ab. Diese Fehlstellung begünstigt Schleimbeutelentzündungen und führt zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung im Grundgelenk der Großzehe. Ein Hallux valgus tritt vor allem bei Spreiz- und Plattfüßen auf und wird durch schlecht sitzendes Schuhwerk (enge, spitz zulaufende Schuhe) begünstigt. Die Therapie besteht in der Anfangsphase in dem Tragen von Einlagen oder einer Hallux-valgus-Nachtschiene zur Stellungskorrektur der Großzehe. Bei starken Beschwerden im fortgeschrittenen Stadium besteht die Möglichkeit einer operativen Korrektur.


Halluzination

Halluzination, Sinnestäuschung, vermeintliche Wahrnehmung eines Reizes (Stimme oder Erscheinung), der nicht existiert. Eine Halluzination kann alle Sinnesbereiche betreffen (z. B. Gehör, Sehen, Tasten, Geruch) und kommt hauptsächlich bei Psychosen, im Delirium, bei Reizzuständen des Gehirns im Rahmen von Krampfanfällen, bei Vergiftungen oder nach der Einnahme von Drogen (→ Halluzinogen) vor. Typisch für eine Schizophrenie sind z. B. Halluzinationen in der Form von Stimmen.


Halluzinogen

Halluzinogen, Psychomimetikum, Psychedelikum, eine Substanz, nach deren Einnahme es zu traumhaft veränderter Wahrnehmung von Sinnesreizen ohne Bewusstseinsverlust kommt. Zu den Halluzinogenen zählen z. B. Mescalin-Abkömmlinge (dazu gehört z. B. auch die Designerdroge "Ecstasy"), Haschisch, Marihuana und LSD. Halluzinogene haben zum Teil erhebliches Suchtpotenzial und dürfen deshalb nach dem Betäubungsmittelgesetz nur in der psychologischen und medizinischen Forschung verwendet werden.


Halogen

Halogen, ein Element der VII. Hauptgruppe des Periodensystems (→ Periodensystem der Elemente). Zu den Halogenen zählen Fluor, Chlor, Brom und Jod. Halogene bilden mit Metallen Salze, sog. Halogenoide: Fluoride, Chloride, Bromide und Jodide.


Halogenkohlenwasserstoff

Halogenkohlenwasserstoff, Kohlenwasserstoff, bei dem die Wasserstoffatome ganz oder teilweise durch Halogene ersetzt wurden, z. B. Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff und Jodoform. Halogenkohlenwasserstoffe kommen als Löse- und Reinigungsmittel, Narkosemittel, Kampfgifte und Treibmittel zur Anwendung. Sie sind nieren- und leberschädigend und wirken toxisch auf das zentrale Nervensystem.


Haloperidol

Haloperidol, Medikament aus der Wirkstoffgruppe der → Neuroleptika mit stark antipsychotischer Wirkung.


Halothan

Halothan, flüchtiges Narkosemittel, das zur → Inhalationsnarkose verwendet werden kann. Wird wegen häufiger unerwünschter Nebenwirkungen heute nur noch sehr selten eingesetzt.


Hals

Hals, derjenige Körperteil, der den Kopf mit dem Rumpf verbindet. Die sieben Halswirbel der Wirbelsäule bilden das knöcherne Skelett des Halses. Im Hals liegen der Kehlkopf, die Schilddrüse, der obere Teil der Luftröhre, die Zungenwurzel, ein Teil der Speiseröhre, verschiedene Blutgefäße (z. B. die Halsschlagadern), Nerven und Lymphknoten. Für die Beweglichkeit sorgen die verschiedenen Halsmuskeln. Auch → Cervix, → Collum.


Halsentzündung

Halsentzündung, eine Entzündung der Halsschleimhäute durch Viren oder Bakterien. Auch → Angina, → Laryngitis, → Pharyngitis, → Tonsillitis.


Halslymphknoten

Halslymphknoten, die Lymphknoten im Bereich des Unterkiefers, am Hals und über dem Schlüsselbein. Eine Schwellung der Halslymphknoten tritt häufig bei Infektionen des Rachens, des Kehlkopfs oder der Tonsillen auf.


Halsrippe

Halsrippe, eine zusätzliche, rudimentäre Rippe der Halswirbelsäule, die meist am siebten Halswirbelkörper ansetzt und bei ca. ein Prozent aller Menschen vorkommt. Die Halsrippe ist oft nur einseitig ausgebildet und ist manchmal lediglich ein Teil weiterer Skelettveränderungen. Eine Halsrippe kann zu Wirbelsäulendeformitäten und zum Abdrücken von Nerven und Gefäßen im Bereich der oberen Thoraxöffnung führen.


Halsschlagader

Halsschlagader, die Arteria carotis oder → Karotis.


Halsschmerzen

Halsschmerzen, Schmerzen im Bereich des Rachens, meistens als Symptom einer → Pharyngitis oder → Laryngitis.


Halswirbelsäule

Halswirbelsäule, HWS,
Atlas
Der erste und zweite Halswirbel, Atlas und Axis, haben eine von den übrigen Wirbeln abweichende Form. Gemeinsam ermöglichen sie die Rotationsbewegungen des Kopfes.
der obere, beweglichste Teil der Wirbelsäule. Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln und weist eine physiologische Lordose, d. h. eine Verbiegung nach vorne auf.


Halszyste

Halszyste, sackartige, meist schleimgefüllte Geschwulst im Halsbereich. Man unterscheidet eine mediane Halszyste und eine lateralen Halszyste. Eine mediane Halszyste liegt in der Mittellinie des Halses zwischen Kehlkopf und Zungenbein und ist ein Überrest des in der Embryonalzeit angelegten Schilddrüsenzungengangs. Eine laterale Halszyste ist seitlich am Hals als prall-elastische Geschwulst tastbar. Sie entsteht aus dem ebenfalls in der Empryonalperiode angelegten sog. zweiten Schlundbogen. Komplizierend können Halszysten zu Infektionen und Abszessen, zum Abdrücken anderer Halsorgane und selten auch zur Entwicklung eines bösartigen Tumors führen und werden deshalb operativ entfernt.


Halteapparat

Halteapparat, die Gesamtheit der Bänder, die ein Organ halten, z. B. Halteapparat der Gebärmutter.


Haltung

Haltung, die Körperhaltung beim aufrechten Stand auf beiden Füßen. Diese aufrechte Haltung unterscheidet den Menschen von allen anderen Säugetieren. Das wichtigste »Haltungsorgan« ist die Wirbelsäule - von ihrer Form hängt die Haltung ab. Fehlstellungen der Wirbelsäule führen zu → Haltungsfehlern.


Haltung

Haltung, Die seelische Einstellung einer Person zu Sachverhalten des Lebens. Die Haltung wird u.a. durch Eigenschaften wie Stolz, Schüchternheit, Einfühlungsvermögen usw. bestimmt. Auch → Charakter.


Haltungsanomalie

Haltungsanomalie, eine ungewöhnliche Geburtslage.


Haltungsanomalie

Haltungsanomalie, → Haltungsfehler.


Haltungsfehler

Haltungsfehler, eine Fehlhaltung der Wirbelsäule, die durch Muskelarbeit voll ausgeglichen werden kann, z. B. ein Hohlkreuz oder ein Rundrücken. Die normale Haltung ist durch eine Brustkyphose und eine Lendenlordose (Krümmung der Wirbelsäule nach hinten bzw. nach vorn im Verhältnis zur Körperachse) charakterisiert. Bei einem Hohlrücken ist die Lendenlordose, bei einem Rundrücken die Brustkyphose verstärkt. Die seitliche Abweichung der Wirbelsäule wird → Skoliose genannt. Haltungsfehler können, wenn sie über längere Zeit bestehen, zu Beschwerden wie Rücken- oder Nackenschmerzen führen und eventuell einen Haltungsschaden nach sich ziehen.


Haltungsreflex

Haltungsreflex, reflektorische Anspannung von Muskelpartien zur Rückführung des Körpers oder eines Körperteils in seine Grundhaltung. Haltungsreflexe, die in verschiedenen Gebieten des Nervensystems koordiniert werden, sind vor allem notwendig, um dem Körper in aufrechter Haltung auszubalancieren.


Haltungsschaden

Haltungsschaden, eine fixierte Fehlhaltung der Wirbelsäule, die allein durch Muskeltraining nicht mehr ausgleichbar ist, z. B. infolge eines nicht oder nur unzureichend behandelten → Haltungsfehlers.


Häm

Häm, der Farbstoffanteil des → Hämoglobins und des → Myoglobins. Häm enthält zweiwertiges Eisen, das für den Sauerstoff- und Kohlendioxidtransport im Blut von Bedeutung ist.


Hämagglutination

Hämagglutination, Zusammenballung von roten Blutkörperchen. Eine Hämagglutination kann durch Hämagglutinine im Rahmen einer → ABO-Unverträglichkeit oder durch Viren ausgelöst werden. Das Prinzip der Hämagglutination findet vor allem Anwendung in der Blutgruppendiagnostik.


Hamamelis

Hamamelis, Hamamelis virginiana, Heilpflanze; Als Arznei werden entweder das Wasserdampfdestillat der Zweige und Blätter, die getrocknete Rinde oder getrocknete Blätter verwendet. Hamamelis wird äußerlich zur Förderung der Wundheilung, zur Behandlung von lokalen Entzündungen der Haut und der Schleimhäute und in der Therapie von Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt. Traditionell werden die Blätter innerlich bei akuten Durchfallerkrankungen und äußerlich bei Schwellungen (traumatisch oder entzündlich) eingesetzt.


hämangio...

hämangio..., ein Blutgefäß betreffend.


Hämangiom

Hämangiom, Blutschwamm, eine gutartige Blutgefäßgeschwulst vor allem in der Haut und den Schleimhäuten, aber auch in inneren Organen. Kavernöse Hämangiome werden auch als Kavernome bezeichnet. Hämangiome sind meist angeboren und können sich in den ersten Lebensjahren spontan zurückbilden.


Hämangiosarkom

Hämangiosarkom, eine seltene, bösartige Geschwulst, die aus entarteten Zellen von Blutgefäßen hervorgeht.


Hämarthros

Hämarthros, ein Bluterguss in einem Gelenk. Ein Hämarthros entsteht z. B. im Rahmen von Verletzungen mit Einriss von Blutgefäßen innerhalb eines Gelenks. Bei der Bluterkrankheit kommt es oft auch ohne Trauma zur Ausbildung eines Hämarthros.


Hamartom

Hamartom, eine tumorartige Fehlbildung, die während der Embryonalentwicklung aus Gewebe des Keims entsteht.


Hämatemesis

Hämatemesis, Bluterbrechen, das Erbrechen von Blut nach einer frischen Blutung in der Speiseröhre (hellrot) oder dem Magen (dunkel). Durch Einwirkung der Magensäure wird das Blut kaffeesatzartig und dunkelbraun.


hämat...

hämat..., hämato..., häm(o).., Wortteil mit der Bedeutung "Blut".


hämatogen

hämatogen, aus dem Blut stammend.


hämatogen

hämatogen, Blut bildend.


Hämatokrit

Hämatokrit, Abk. HK, Hkt, der Anteil der zellulären Bestandteile an der Gesamtblutmenge. Der Hämatokrit wird als Hämatokritwert in Volumenprozent gemessen. Die Normwerte betragen für Frauen 37-48%, für Männer 40-52%. Der Hämatokrit ist bei → Polyglobulie und Exsikkose erhöht, bei Anämie vermindert.


Hämatokritwert

Hämatokritwert, → Hämatokrit.


Hämatologie

Hämatologie, die Lehre vom Blut und den Erkrankungen des Blutes.


Hämatom

Hämatom, Bluterguss, blauer Fleck,, eine Einblutung in Weichteile oder Zwischengewebsräume, unter der Haut als "blauer Fleck" sichtbar, der sich später infolge der Hämoglobinabbauprodukte grünlich gelblich verfärbt.


Hämatom, epidurales

Hämatom, epidurales, ein zwischen harter Hirnhaut und dem Schädelknochen liegender Bluterguss. Ein epidurales Hämatom entsteht durch eine arterielle Blutung (Arteria meningea media), meist im Bereich des Schläfenbeins als Folge einer Schädelverletzung. Komplizierend führen epidurale Hämatome bereits wenige Stunden nach Blutungsbeginn zu → Hirndruckzeichen. Die Behandlung erfolgt durch eine operative Entlastung und Blutstillung.


Hämatometra

Hämatometra, eine mit Menstruationsblut gefüllte Gebärmutter. Während der Regelblutung austretendes Blut kann aufgrund eines Hindernisses im Bereich des Muttermundes bzw. der Scheide nicht abfließen. Auch → Atresie.


Hämatom, subdurales

Hämatom, subdurales, ein Bluterguss zwischen den Hirnhäuten (→ Arachnoidea und → Dura mater). Ursache ist meist ein Trauma mit Verletzung von venösen Gefäßen in diesem Bereich. Nach einer Verletzung oder einer traumatischen Geburt besteht zunächst ein Tage bis Wochen dauerndes symptomfreies Intervall. Danach entwickeln sich Hirndruckzeichen ( → Hirndruck ) bis zur Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. Bei schwachen Blutungen kann sich ein "chronisches" subdurales Hämatom mit einer Entzündung der Dura mater ausbilden. Die Liquoruntersuchung zeigt klare, gelbliche Gehirnflüssigkeit. Die Diagnose wird mittels Computertomografie mit oder ohne Kontrastmittel bzw. durch Angiografie (Kontrastmitteldarstellung der Gehirngefäße auf dem Röntgenbild) gestellt, beim Neugeborenen auch durch Ultraschalluntersuchung. Bei Hirndruckzeichen muss operiert werden. Ohne Hirndruckzeichen besteht die Therapie zunächst in konservativen Maßnahmen wie Entwässerung und Ruhigstellung.


Hämatopoese

Hämatopoese, → Hämopoese.


Hämatostatikum

Hämatostatikum, Hämostatikum,, Blutstillungsmittel.


Hämatothorax

Hämatothorax, Blutansammlung in der Brusthöhle, im engeren Sinn im Raum zwischen den beiden Brustfellblättern. Eine Blutung in der Brusthöhle entsteht durch Gefäßverletzungen in diesem Bereich, z. B. durch Stich- oder Schussverletzungen oder durch Rippenbrüche, aber als Folge von Lungenembolien und bösartigen Tumoren im Bereich der Lunge oder des Brustfells. Die Therapie des Hämatothorax besteht neben der Behandlung der Ursache in der Entlastung durch eine Punktion oder durch Einlegen einer Drainage.


Hämatotympanon

Hämatotympanon, ein Bluterguss in der Paukenhöhle ohne Blutaustritt aus dem Gehörgang, z. B. bei einem Felsenbeinbruch. Das intakte Trommelfell erscheint bei der Ohrenspiegelung bläulich. Ein Hämatotympanon kann zu Schwerhörigkeit und Ohrensausen führen.


Hämaturie

Hämaturie, Ausscheidung von roten Blutkörperchen im Urin infolge einer Schädigung im Bereich der Nieren oder der ableitenden Harnwege, z. B. durch Entzündungen des Nierengewebes mit Schädigung der kleinen Gefäße und der Nierenkörperchen, Nieren- und Blasensteine, Tumoren im Bereich der Harnwege oder Verletzungen. Eine makroskopische Hämaturie erkennt man mit bloßem Auge (Blutbeimengung im Urin), eine mikroskopische nur durch eine Untersuchung mit dem Mikroskop.


Hämaturie, makroskopische

Hämaturie, makroskopische, → Makrohämaturie.


Hämaturie, mikroskopische

Hämaturie, mikroskopische, → Mikrohämaturie.


Hämiglobin

Hämiglobin, → Methämoglobin.


Hammer

Hammer, → Malleus.


Hammerzehe

Hammerzehe, fixierte, hammerförmige Fehlstellung einer Zehe durch Überstreckung im Grundgelenk und einer Beugung im Mittel- und Endgelenk bei Fußfehlstellungen wie Platt- oder Hohlfüßen, Lähmungen oder durch unpassendes Schuhwerk. In seltenen Fällen ist sie angeboren. Die Behandlung besteht in einer operativen Entfernung eines der betroffenen Gelenke.


häm...

häm..., hämo..., Wortteil mit der Bedeutung Blut.


Hämochromatose

Hämochromatose, Eisenspeicherkrankheit, eine wahrscheinlich vererbte Eisenresorptionsstörung mit resultierender Eisenüberladung des Körpers, die zu Eisenablagerungen in den Geweben und inneren Organen führt und mit Schädigungen des Herzmuskels, der Bauchspeicheldrüse (Diabetes mellitus, → Bronzediabetes) und der Leber (Leberzirrhose) einhergeht. Die Haut ist typischerweise graubraun verfärbt (Melanin). Die Behandlung besteht in regelmäßigen Aderlässen und der Gabe von eisenbindenden Medikamenten.


Hämodialyse

Hämodialyse, Blutwäsche,
Hämodialyse
Schematische Darstellung des Ablaufs einer Hämodialyse.
eine Nierenersatztherapie, bei der mit Hilfe eines Gerätes (Hämodialysator) das Blut schwer nierenkranker Menschen außerhalb des Körpers entgiftet wird. Das Blut wird entweder über einen speziellen, in eine große Körpervene eingelegten Katheter oder über einen für die H. angelegten → Dialyseshunt entnommen, in ein Schlauchsystem geleitet, dort mit gerinnungshemmenden Mitteln (Heparin) versetzt und über eine Pumpe in den Hämodialysefilter gepumpt. Hier erfolgt die eigentliche Blutwäsche: Die harnpflichtigen Substanzen und das überschüssige Wasser werden über Ultrafiltration an der semipermeablen Membran des Hämodialysators dem Blut entzogen und das gereinigte Blut in den Körper des Patienten zurückgeleitet. Eine Hämodialyse-Behandlung dauert durchschnittlich vier bis fünf Stunden. Patienten ohne eigene Nierenfunktion müssen zwei- bis dreimal wöchentlich eine Hämodialyse-Behandlung durchführen lassen. Nach entsprechender Schulung ist die Blutwäsche auch als Heimdialyse möglich. Auch → Dialyse, → Peritonealdialyse.


Hämodilution

Hämodilution, Blutverdünnung, Erhöhung des Plasmavolumens im Vergleich zum Volumen der Blutzellen. Eine Hämodilution entsteht durch verminderte Wasserausscheidung im Rahmen eines Nierenversagens, wird aber auch aus therapeutischen Gründen durch Infusionen herbeigeführt, z. B. zur Durchblutungsverbesserung der kleinen Blutgefäße (→ Mikrozirkulation).


Hämodynamik

Hämodynamik, die Lehre vom Blutfluss im Gefäßsystem. Die Hämodynamik gibt Aufschluss über Strömungen, Widerstände und Druckverhältnisse in den Blutgefäßen. Kenntnisse über die Hämodynamik sind vor allem in der → Kardiologie wichtig.


Hämoglobin

Hämoglobin,
Hämoglobin
Die aus vier Eiweißketten bestehende Molekülstruktur des Hämoglobin.
Abk. Hb, der in den Erythrozyten enthaltene, rote Blutfarbstoff. Das Hämoglobin besteht zu ca. 94% aus dem Eiweiß Globin und zu sechs Prozent aus dem eisenhaltigen, farbgebenden Porphyrin Häm, das für den Sauerstoff- und Kohlendioxidtransport zuständig ist. Das Hämoglobin dient außerdem als Puffersubstanz bei der pH-Regulierung des Blutplasmas. Hämoglobin wird in den Vorstufen der roten Blutkörperchen gebildet und nach Untergang der Erythrozyten vom retikulohistiozytären System abgebaut. Das so gewonnene Eisen wird wieder für die Neubildung von Hämoglobin genutzt. Ein Hämoglobinmolekül besteht aus vier Eiweißketten mit je einem Häm. Nach der Zusammensetzung der Eiweißketten unterscheidet man verschiedene Varianten des Hämoglobins. Hb-A1 (adultes Hb) macht bis zu 98% des Gesamthämoglobins aus. Bei Neugeborenen besteht das Hämoglobin zu 60-80% aus Hb-F (fetales Hämoglobin). Auch → Anämie.


Hämoglobingehalt

Hämoglobingehalt, Hämoglobingehalt des Blutes: Normwerte für Frauen 12-16 Gramm/100 Milliliter Blut (g/dl), für Männer 14-18 Gramm/100 Milliliter Blut.


Hämoglobingehalt

Hämoglobingehalt, Hämoglobingehalt des einzelnen Erythrozyten: → MCV.


Hämoglobingehalt

Hämoglobingehalt, der mittlere Hämoglobingehalt aller Erythrozyten: → MCHC.


Hämoglobinopathie

Hämoglobinopathie, eine Erkrankung, bei der das → Hämoglobin aufgrund einer genetischen Veränderung nicht normal gebildet wird. Es gibt verschiedene Hämoglobinopathien, die bekanntesten sind die → Sichelzellenanämie und die → Thalassämien. Ob eine Hämoglobinopathie Krankheitssymptome verursacht oder nicht, hängt von dem Ausmaß der Hämoglobinschädigung ab. Bei manchen Hämoglobinopathien treten keine Beschwerden auf, bei anderen kommt es zur Ausbildung einer → hämolytischen Anämie.


Hämogramm

Hämogramm, → Blutbild.


Hämolyse

Hämolyse, die Auflösung von Erythrozyten innerhalb oder außerhalb des Körpers, z. B. in einem Reagenzglas zur Hämglobinbestimmung. Die Lebensdauer eines Erythrozyten im Blut beträgt ca. 120 Tage. Ein gewisses Maß an Hämolyse ist daher physiologisch. Eine vermehrte Hämolyse bedeutet eine verkürzte Lebensdauer der Erythrozyten. Das Knochenmark kann eine leicht gesteigerte Hämolyse durch vermehrte Bildung von Erythrozyten ausgleichen. Reicht dies nicht aus, kommt es zu einer hämolytischen Anämie. Als Ursache für eine gesteigerte Hämolyse kommen Erythrozytendefekte, Einwirkungen giftiger Substanzen, vermehrter Abbau von Erythrozyten in Leber oder Milz oder Autoantikörper gegen Erythrozyten in Betracht.


Hämolyseschock

Hämolyseschock, schweres Krankheitsbild aufgrund einer akut einsetzenden → Hämolyse im Gefäßsystem, vor allem als Transfusionszwischenfall bei Blutgruppenunverträglichkeit, mit Schwindel, Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen vor allem im Bereich der Nieren und des Kopfes bis hin zum Kreislaufkollaps, der unbehandelt tödlich ausgeht.


hämolysierend

hämolysierend, eine → Hämolyse auslösend, z. B. hämolysierende → Streptokokken.


hämolytisch

hämolytisch, die → Hämolyse betreffend, durch Hämolyse bedingt oder ausgelöst.


Hämopathie

Hämopathie, ein Sammelbegriff für Erkrankungen des Blutes und der Blutbildung.


Hämoperfusion

Hämoperfusion, Verfahren zur Elimination giftiger Substanzen aus dem Plasma. Der Ablauf bei der Hämoperfusion ähnelt dem der → Hämodialyse. Das Blut wird jedoch nicht durch einen Hämodialysefilter, sondern durch einen Aktiv-Kohle-Filter gepumpt. Die speziell vorbehandelte Kohle besitzt hohe Adsorptionsfähigkeit. Mit Hilfe der Hämoperfusion können lipophile und proteingebundene Substanzen wie organische Lösungsmittel, Pilzgifte oder Schlafmittel aus dem Blut entfernt werden.


Hämophilie

Hämophilie, Bluterkrankheit, die häufigste erbliche Störung des Gerinnungssystems. Die Erkrankung wird rezessiv auf dem X-Chromosom vererbt, sodass Männer mit einem solchen Gen immer erkranken, Frauen mit dem Gen auf nur einem X-Chromosom hingegen lediglich Überträgerinnen (Konduktorinnen) sind. Ca. 30% der Konduktorinnen leiden aber unter Gerinnungsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes (große Schwankungsbreite), z. B. in Form einer diskret erhöhten Blutungsneigung bei der Periodenblutung oder bei Operationen. Frauen erkranken an einer Hämophilie nur, wenn das entsprechende Gen auf beiden X-Chromosomen vorliegt. Man unterscheidet zwei Formen der Hämophilie: 1. Die Hämophilie A, auch als klassische Hämophilie bezeichnet, beruht auf einem Mangel an Faktor VIII. 2. Bei der Hämophilie B (auch Deuterohämophilie, Christmas-Krankheit) besteht ein Faktor-IX-Mangel. Die Symptome sind bei beiden Formen gleich und bestehen vor allem in Muskel- und Gelenkblutungen ohne oder nach geringem Trauma. Typisch ist das Nachbluten bei operativen Eingriffen oder Verletzungen. Die Behandlung der Hämophilie besteht in der Gabe von Blutkonserven, Plasma oder der Substitution von Faktor VIII bzw. IX.


Hämopoese

Hämopoese, Hämatopoese, Blutbildung, die Bildung der Blutkörperchen. Die Hämopoese findet nach Abschluss der Embryonalphase nur im Knochenmark und den lymphatischen Organen wie Milz, Thymus und Lymphknoten statt. Man unterscheidet die → Erythropoesec, → Granulozytopoese und die → Thrombopoese. Die Hämopoese geht von pluripotenten Blutstammzellen aus.


hämopoetisch

hämopoetisch, Blut bildend, die → Hämopoese betreffend.


Hämoptoe

Hämoptoe, Blutsturz, das Aushusten von mehr als 50 ml Blut bei einer Blutung in den Atemwegen oder der Lunge. Meist handelt es sich um venöse Blutungen, beispielsweise bei Lungen- oder Bronchialtumoren, Lungentuberkulose oder Aspergillom


Hämoptyse

Hämoptyse, Bluthusten, das Aushusten geringer Blutmengen (weniger als 50 ml) oder Blutbeimengungen im Sputum aus dem Rachen, dem Bronchialsystem oder der Lunge, z. B. bei einer Lungenembolie, Lungenentzündung, Lungenabszess, Tuberkulose, Autoimmunerkrankungen oder einer Lungenstauung im Rahmen einer Herzinsuffizienz (kardiale Hämoptyse).


Hämorrhagie

Hämorrhagie, → Blutung.


hämorrhagisch

hämorrhagisch, zu Blutungen führend, Blutungen betreffend.


Hämorrhoidalblutung

Hämorrhoidalblutung, hellrote Blutung aus Hämorrhoiden.


Hämorrhoidalprolaps

Hämorrhoidalprolaps, Vorfall innerer → Hämorrhoiden nach außen.


Hämorrhoiden

Hämorrhoiden,
Hämorrhoiden
Die Einteilung der Schwerestadien von Hämorrhoiden im Analbereich bestimmt auch die Therapie.
knotenförmige, krampfadernartige Erweiterungen der Arterien (Arteria rectalis superior) und Venen (Vena rectalis superior) im Rektum auf dem Boden einer Bindegewebsschwäche, die durch Pressen bei Patienten mit chronischer Verstopfung zunimmt. Anfangs sind die Hämorrhoiden nur bei der Mastdarmspiegelung zu erkennen und führen zu Blutbeimengungen beim Stuhlgang, Juckreiz, aber noch nicht zu Schmerzen. Bei Größenzunahme der Hämorrhoiden werden sie am After sichtbar und fallen beim Pressen nach außen vor. Dann treten vermehrt Schmerzen und Stuhldrang auf, möglicherweise begleitet von Geschwürbildung, Abszessen oder Thrombosen. Die Behandlung besteht anfangs in der Gabe von entzündungs- und schmerzhemmenden Salben und einer Umstellung der Ernährung, die zu weichem Stuhl führt, insbesondere bei chronischer Verstopfung. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, werden die Hämorrhoiden mittels verschiedener Verfahren (Gummibandligatur, Sklerosierung, Infrarotkoagulation, Kryotherapie) verödet, in schweren Fällen operativ entfernt.


Hämosiderin

Hämosiderin, ein Eiweiß, das Eisen bindet (ähnliche Funktion wie → Ferritin). Hämosiderin hat eine gelbbraune Farbe und ist wasserunlöslich. Es wird bei der miskroskopischen Untersuchung von Knochenmarkausstrichen ohne spezielle Anfärbung sichtbar, kann jedoch auch mit der → Berliner-Blau-Reaktion nachgewiesen werden.


Hämosiderose

Hämosiderose, vermehrte Eisenablagerungen im Organismus in Form des Speichereisens Hämosiderin. Eine Hämosiderose kann sich infolge vermehrter Eisenaufnahme (durch Nahrung, Bluttransfusionen oder Eisenpräparate), eines chronischen Zerfalls der roten Blutkörperchen (z. B. bei chronischer hämolytischer Anämie) oder durch Leberschäden entwickeln. Eine Sonderform stellt die örtliche Hämosiderose bei chronischer venöser Insuffizienz dar, bei der es zu bräunlicher Verfärbung der Haut vor allem an den Unterschenkeln kommt. Die lokale Hämosiderose entsteht durch wiederholte Kapillarblutungen mit Ablagerungen von Hämosiderin im umliegenden Gewebe.


Hämostase

Hämostase, Blutstillung bzw. Blutgerinnung aufgrund des Zusammenwirkens von Thrombozyten, Gefäßendothel und zahlreicher plasmatischer Gerinnungsfaktoren. Auch → Blutgerinnung.


Hämostatikum

Hämostatikum, Hämatostatikum, blutstillendes Mittel.


Hämostyptikum

Hämostyptikum, blutstillendes Mittel; Substanz, die Blutungen entgegenwirkt. Dazu gehören u. a. Thrombinpräparate, Hemmstoffe der → Fibrinolyse und Substanzen, die zur Verengung von Blutgefäßen führen, z. B. Adrenalin oder Noradrenalin.


Hämotherapie

Hämotherapie, Verabreichung einer Bluttransfusion (Vollblut oder Blutbestandteile). Eine Hämotherapie ist notwendig bei starkem Blutverlust oder schwerem Mangel an einzelnen Blutbestandteilen wie roten Blutkörperchen, Thrombozyten, Gerinnungsfaktoren usw.


Hand

Hand, Manus, ein Teil der oberen Extremität. Die Hand besteht aus der Handwurzel, der Mittelhand und den Fingern.


Handauflegen

Handauflegen, Form der menschlichen Zuwendung, Anteilnahme bei Krankheit.


Handauflegen

Handauflegen, Professionelles Handauflegen im Rahmen alternativer Heilverfahren zur vermeintlichen Übertragung von heilender Energie. Auch → Reiki.


Händedesinfektion

Händedesinfektion, Abtöten von Keimen auf den Händen und Unterarmen durch Waschen mit Seife und anschließender Einwirkung von Antiseptika bzw. Alkohol auf der Haut. Die Händedesinfektion ist besonders wichtig vor operativen Eingriffen und wird hier nach genauen Regeln und Zeitvorgaben durchgeführt.


Handelsname

Handelsname, der Name eines Arzneimittels, unter dem es - patentgeschützt - vertrieben wird. Präparate mit gleichen Wirkstoffen können unterschiedliche Handelsnamen haben. Das Symbol RRR nach dem Namen steht für eingetragenes Warenzeichen. Auch → Freiname.


Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Hand-Fuß-Mund-Krankheit, eine durch Coxsackie-Viren ausgelöste Infektionskrankheit. An den Händen und Füßen bilden sich kleine, weißliche Bläschen, auf der Mundschleimhaut Aphthen. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit heilt in der Regel innerhalb einer Woche ohne Komplikationen ab.


Handphlegmone

Handphlegmone, Eiteransammlung in der Hohlhand oder im Bereich der Sehnenscheiden der Hand, z. B. infolge Hautverletzungen, mit Rötung, Schwellung und starken Schmerzen. Die Therapie besteht im Ableiten des Eiters und der Gabe von Antibiotika. Im weiteren Sinn auch → Panaritium.


Handprothese

Handprothese, eine künstliche Hand als Handersatz nach einer Amputation oder bei einer Handfehlbildung. Man unterscheidet zwischen Handprothesen, welche die Hand nur optisch ersetzen, und funktionellen Handprothesen, z. B. einem myoelektrischen Handersatz, mit dem Greifbewegungen durchgeführt werden können.


Hand-Schüller-Christian-Krankheit

Hand-Schüller-Christian-Krankheit, Histiozytose X, eine Erkrankung, bei der sich → Histiozyten unkontrolliert vermehren und Cholesterin in Immunzellen gespeichert wird. Symptome sind ein → Exophthalmus, ein → Diabetes insipidus, Knochenveränderungen (v. a. am Schädel), eine Vergrößerung der Milz und der Leber sowie eine Hypercholesterinämie. Die Behandlung besteht in der Gabe von Zytostatika und evtl. einer Strahlentherapie.


Handwurzel

Handwurzel, Carpalia, Carpus, der aus acht → Handwurzelknochen bestehende hintere Teil der Hand. Die Handwurzelknochen sind räumlich so angeordnet, dass die Handwurzel zum Handrücken hin vorgewölbt ist. In der Handinnenfläche verlaufen die Nerven und Sehnen, die vom Unterarm in die Hohlhand ziehen.


Handwurzelknochen

Handwurzelknochen, acht kleine Knochen, die gelenkig miteinander verbunden die Handwurzel bilden. Die Handwurzelknochen sind in zwei Reihen angeordnet. Zur Seite des Unterarms gerichtet liegen Os scaphoideum, Os lunatum, Os triquetrum und Os pisiforme. In der zweiten, mittelhandnahen Reihe liegen Os trapezium, Os trapezoideum, Os capitatum und Os hamatum.


Hanf

Hanf, → Cannabis.


Hängebauch

Hängebauch, eine schürzenförmig herabhängende Bauchwand. Die häufigste Ursache für einen Hängebauch ist eine starke Adipositas: Die Fettanhäufung in der Bauchwand geht oft mit einer Schwäche der Bauchmuskulatur einher, was mit der Zeit zu einer Ausbildung eines Hängebauchs führt. Auch bei Frauen kann nach mehreren Schwangerschaften ein Hängebauch auftreten. Vorbeugend wirkt die Rückbildungsgymnastik zur Stärkung der Bauchmuskulatur nach jeder Entbindung.


Hang-over

Hang-over, "Kater", unangenehme Nachwirkung von Medikamenten, z. B. von Beruhigungs- bzw. Schlafmitteln und Alkohol oder von Bestrahlungen mit ionisierenden Strahlen, z. B. im Rahmen einer Strahlentherapie, mit Müdigkeit, Schlappheit oder Kopfschmerzen.


Hantavirus

Hantavirus, ein Virus aus der Familie Bunyaviren. Hantaviren werden durch die Ausscheidungen von Nagetieren auf den Menschen übertragen und können ein hämorrhagisches (zu Blutungen führendes) Fieber auslösen.


haploid

haploid, einfacher Chromosomensatz im Zellkern der Keimzellen (Eizellen und Spermien). Die übrigen Körperzellen enthalten einen doppelten Chromosomensatz ( → diploid). Der haploide Chromosomensatz entsteht aus dem diploiden durch Reduktionsteilung. Auch → Meiose.


Haploidie

Haploidie, das Vorhandensein eines einfachen Chromosomensatzes in einem Organismus oder einer Zelle. Durch die Reduktionsteilung entstehen beim Menschen aus diploiden Zellen die haploiden Keimzellen, also die Eizellen mit dem mütterlichen und die Spermien mit dem väterlichen Chromosomensatz.


Hapten

Hapten, Halbantigen, eine Substanz mit niedrigem Molekulargewicht, die, um im Körper eine Immunantwort auslösen zu können, an ein großes Molekül, z. B. ein Eiweiß, gebunden sein muss. Ein Hapten kann jedoch auch mit bereits gebildeten Antikörpern spezifisch reagieren.


Haptoglobin

Haptoglobin, ein Glykoprotein, das in der Leber gebildet wird und dem Transport von freiem Hämoglobin dient. Eine Verminderung des Haptoglobinwerts im Serum deutet auf eine → Hämolyse hin.


Harn

Harn, Urin, Flüssigkeit, die über die Nieren und die ableitenden Harnwege ausgeschieden wird. Der Harn enthält u. a. (Zwischen-)Produkte des Eiweiß-, Purin- und Muskelstoffwechsels, die bei Anreicherung im Körper schädlich sind. Diese Stoffwechselprodukte werden als harnpflichtige Substanzen bezeichnet. Die Harnbildung spielt außerdem eine wichtige Rolle in der Regulation des Säure-Basen- und des Wasser-Elektrolyt-Haushalts. Pro Tag werden durchschnittlich 1 bis 1,5 Liter Harn ausgeschieden.


Harnabflussstörung

Harnabflussstörung, Harnstauung, der Abfluss des Harns wird durch eine Verlegung der Nierenkelche, des Nierenbeckens oder der ableitenden Harnwege behindert, z. B. infolge von Harnsteinen, Tumoren, entzündlichen Veränderungen, Fehlbildungen der ableitenden Harnwege oder durch Kompression, die das Lumen des harnableitenden Systems einengt, z. B. durch einen benachbarten Tumor.


Harnapparat

Harnapparat, Oberbegriff für die harnproduzierenden Nieren und die harnableitenden Organe (Harnleiter, Harnblase, Harnröhre).


Harnausscheidung

Harnausscheidung, → Miktion.


Harnbereitung

Harnbereitung, die Bildung des sog. → Primärharns, der aus Blut in den Glomeruli der Nieren entsteht und täglich etwa 180 Milliliter beträgt, dessen weitere Verarbeitung in der Niere zum sog. Endharn, der in einer Menge von etwa 1,5 Litern täglich ausgeschieden wird und schädliche Stoffwechselendprodukte enthält.


Harnblase

Harnblase, Vesica urinaria,
Miktion
Steuerung der Miktion über Dehnrezeptoren und Muskulatur der Blasenwand.
Allantois
Aus der Allantois (Urharnsack) geht während der Embryonalentwicklung die Harnblase hervor.
Harnblase
Frontalschnitt durch die Harnblase einer Frau mit den zuführenden Harnleitern und der abführenden Harnröhre.
ein muskulöses, dehnbares Hohlorgan im kleinen Becken, das der Speicherung und Ausscheidung von Harn dient. In der Harnblase wird der Urin aus den Harnleitern gesammelt und bei der → Miktion durch die Harnröhre entleert. Das Füllungsvolumen ist individuell unterschiedlich, liegt jedoch im Mittel bei ca. 350 Milliliter. Man unterscheidet die Blasenspitze (Apex), den Blasenkörper (Corpus) und den Blasengrund (Fundus). Der Blasenfundus enthält ein dreieckiges glattes Feld (Trigonum vesicae), dessen Eckpunkte von den Einmündungsstellen der Harnleiter und die Ausflussöffnung der Harnröhre (Urethra) gebildet werden.


Harnblasenentzündung

Harnblasenentzündung, → Zystitis.


Harndrang

Harndrang, vermehrte Blasenspannung, Miktionsreiz. Gehäufter bzw. schon bei geringeren Urinmengen (Pollakisurie) bestehender Harndrang kommt z. B. bei Harnblasenentzündung, Reizblase oder neurogenen Blasenentleerungsstörungen sowie in der Spätschwangerschaft vor.


harnfähig

harnfähig, harngängig, über die Nieren im Urin ausscheidbar.


Harnfarbe

Harnfarbe, die Farbe des Urins. Die Harnfarbe hängt von der Menge und der Art der mit dem Harn ausgeschiedenen Substanzen ab. Bei großer Harnausscheidung (z. B. wenn man viel trinkt oder bei Diabetes insipidus) ist die Harnfarbe beinahe farblos bis hellgelb. Bei geringer Harnausscheidung (z. B. nach Dursten) ist die Harnfarbe dunkelgelb bis bräunlich. Eine rötliche Farbe kann auf eine Ausscheidung von Blut mit dem Urin hinweisen.


harngängig

harngängig, über die Nieren im Urin ausscheidbar.


Harngewinnung

Harngewinnung, das Auffangen des Harns, um diesen labormedizinisch untersuchen zu können. Dabei muss der Patient in ein steriles Gefäß Wasser lassen. Besonders geeignet zur bakteriellen Analyse ist der Mittelstrahlurin. Zur Gewinnung von sterilem Blasenharn wird eine Blasenkatheterisierung durch die Harnröhre oder eine suprapubische Punktion der Blase durchgeführt. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird der Harn in einem Plastikbeutel aufgefangen. Eine besondere Methode zur Harngewinnung ist die → Dreigläserprobe.


Harngrieß

Harngrieß, viele kleinste Harnkonkremente. Auch → Harnstein.


Harninkontinenz

Harninkontinenz, Blaseninkontinenz,
Harninkontinenz
Vorbereitung, Anlegen und Sicherung des Tropfenfängers bei harninkontinenten Männern.
unwillkürlicher Harnabgang. Man unterscheidet verschiedene Formen: 1. eine Harninkontinenz aufgrund einer neurologischer Schädigung, z. B. bei Querschnittslähmung, Polyneuritis, multipler Sklerose usw. (neurogene Harninkontinenz). 2. eine anatomisch bedingte Harninkontinenz durch unzureichenden Verschlussmechanismus der Blase aufgrund einer Bindegewebsschwäche, durch Verletzungen oder Blasenfisteln. Auch → Stressinkontinenz, → Urge-Inkontinenz.3. eine Harninkontinenz kann auch im Rahmen psychischer Störungen und Erkrankungen vorkommen. Auch → Inkontinenz.


Harnkonkrement

Harnkonkrement, → Harnstein.


Harnleiter

Harnleiter, → Ureter.


Harnleiterkatheter

Harnleiterkatheter, schlauchförmiges Instrument, das in einen oder beide Harnleiter eingeführt und bis ins Nierenbecken vorgeschoben wird, z. B. zur Gewinnung einer Harnprobe aus einem Nierenbecken, zur Kontrastmittelgabe ins Nierenbecken, zum Harnabfluss bei Harnstau, zur Auflösung von Harnsteinen usw. Die Einlage des Harnleiterkatheters erfolgt mit Hilfe eines Zystoskops (Instrument zur Blasenspiegelung). Auch → Ureterkatheterismus.


Harnleiterstein

Harnleiterstein, → Ureterstein.


Harnleiterstenose

Harnleiterstenose, → Ureterstenose.


harnpflichtige Substanzen

harnpflichtige Substanzen, im Organismus gebildete Stoffwechselprodukte (z. B. des Eiweiß- und Muskelstoffwechsels), die bei Gesunden über die Nieren ausgeschieden werden. Eine eingeschränkte Nierenfunktion führt zur Anreicherung dieser Substanzen (z. B. Harnstoff, Kreatinin) im Blut mit den typischen Symptomen der → Urämie.


Harnretention

Harnretention, Harnverhaltung, Harnsperre, Ischurie, das Unvermögen, trotz gefüllter Harnblase Wasser zu lassen. Durch die Harnretention kommt es zur Überdehnung der Blase und zum Rückstau des Harns bis ins Nierenbecken. Auch → Harnabflussstörung.


Harnröhre

Harnröhre, → Urethra.


Harnröhrendivertikel

Harnröhrendivertikel, eine Ausstülpung (Divertikel) aus der Wand der Harnröhre. In einem Harnröhrendivertikel staut sich der Harn, der bakteriell besiedelt werden kann. Dadurch werden Entzündungen der Harnröhre ausgelöst, die unter Umständen in die Blase aufsteigen und zur Inkontinenz führen können.


Harnröhrenentzündung

Harnröhrenentzündung, → Urethritis.


Harnröhrenspalte

Harnröhrenspalte, eine Missbildung der Harnröhre und des Penis als → Hypospadie oder → Epispadie.


Harnröhrenstenose

Harnröhrenstenose, Einengung der Harnröhre z. B. durch Narben nach Verletzungen, Harnsteinen oder durch Druck aufgrund von Tumoren oder einer Prostatavergrößerung. Eine Harnröhrenstenose kann zur → Harnretention führen.


Harnruhr

Harnruhr, → Diabetes insipidus.


Harnsäure

Harnsäure,
Harnsäure
Harnsäure
Endprodukt des Purinstoffwechsels. Die im Körper anfallende Harnsäure wird über die Nieren ausgeschieden. Sie stammt aus der Nahrung oder entsteht beim Abbau von purinhaltigen (Nukleinsäuren und Nukleoproteine enthaltenden) Zellen. Eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut wird als → Hyperurikämie bezeichnet und ist die Ursache der → Gicht. Der Harnsäurespiegel steigt bei vermehrtem Zelluntergang (z. B. bei Leukämie) und nach Strahlen- oder Zytostatikatherapie. Im sauren pH des Urins fällt die Harnsäure als Salz in Form von kleinen Kristallen aus. Die Normalwerte im Serum betragen für Frauen 2-6,3 Milligramm/100 Milliliter, für Männer 2,6-6,5 Milligramm/100 Milliliter.


Harnsediment

Harnsediment, die festen, nicht gelösten Bestandteile des Urins. Im gesunden Urinsediment finden sich nur Epithelzellen und vereinzelte Leukozyten, bei Nieren- oder Harnwegserkrankungen kommen Erythrozyten, vermehrt Leukozyten (evtl. als Zylinder), Proteinzylinder und Kristalle hinzu. Das Harnsediment wird zur Diagnostik von Harnwegs- und Nierenerkrankungen durch Zentrifugation gewonnen und mikroskopisch untersucht.


Harnsepsis

Harnsepsis, → Urosepsis.


Harnsperre

Harnsperre, → Harnretention.


Harnstauung

Harnstauung, → Harnabflussstörung.


Harnstauungsniere

Harnstauungsniere, → Hydronephrose.


Harnstein

Harnstein, Harnkonkrement,, in der Niere oder den ableitenden Harnwegen entstandenes, steinartiges Gebilde. 80% der Harnsteine bestehen aus Kalziumoxalat, 15-20% aus Urat (Salz der Harnsäure) und weiteren Mineral- bzw. organischen Salzen. Ursachen für eine Harnsteinbildung sind z. B. Störungen des Harnsäurestoffwechsels, des Kalzium-Phosphat-Haushalts (→ Hyperparathyreoidismus) oder der Ernährung (zu wenig Flüssigkeitszufuhr, eiweiß- und fettreiche Nahrung). Meist sind diese Störungen kombiniert mit Erkrankungen der Nieren wie Harnwegsinfekten oder Harnstau. Die Symptome des akuten Harnsteinleidens (→ Urolithiasis) sind kolikartig auftretende Bauchschmerzen, die in die Leistengegend ausstrahlen, und Blutnachweis im Urin. In schweren Fällen kann es zum Versagen der Nierenfunktion kommen. Zur Verhinderung weiterer Steinbildung sollte der Patient viel trinken und eine spezielle Diät einhalten (je nach Ursache und Steinzusammensetzung). Unter Umständen ist auch eine medikamentöse Therapie erfolgreich. Bei akuten Koliken hilft die Einnahme von krampflösenden Schmerzmitteln. Harnsteine können je nach Lage, Größe und Beschaffenheit mittels einer Schlingenextraktion, der medikamentösen Auflösung der Steine, der →  Stoßwellenlithotripsie oder im Rahmen eines operativen Eingriffs entfernt werden.


Harnsteinauflösung

Harnsteinauflösung, → Urolitholyse.


Harnstoff

Harnstoff, Carbamid, Urea, das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels. Harnstoff entsteht in der Leber durch Eiweißabbau und wird über den Harn ausgeschieden. Der Normwert für Harnstoff im Serum beträgt 10-50 Milligramm/100 Milliliter. Bei erhöhtem Eiweißabbau oder eingeschränkter Nierenfunktion steigt die Harnstoffkonzentration im Serum an. Im Urin beträgt die normale Ausscheidung pro Tag 18-35 Gramm.


Harnstottern

Harnstottern, ein unterbrochener Harnstrahl beim Wasserlassen. Die Ursachen sind meist organisch bedingt, zum Beispiel durch Verlegung der Harnröhrenlichtung mit Harnsteinen, durch einen Tumor, eine gutartige Prostatahyperplasie oder ein Harnröhren-Divertikel.


Harnsystem

Harnsystem,
Miktion
Steuerung der Miktion über Dehnrezeptoren und Muskulatur der Blasenwand.
Urogenitaltrakt des Mannes
Der Urogenitaltrakt des Mannes (ohne Nieren).
Urogenitaltrakt der Frau
Der weibliche Urogenitaltrakt (ohne Nieren).
alle Strukturen und Organe, die an der Bildung, Verarbeitung und Ausscheidung des Harns beteiligt sind. Dazu gehören die Nieren mit ihren Strukturen, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre.


Harnträufeln

Harnträufeln, ein unwillkürlicher, tropfenweiser Harnabgang. Harnträufeln tritt bei echter Harninkontinenz infolge unzureichender Funktion des Blasenschließmuskels auf, aber auch bei chronischen, mechanisch bedingten Blasenentleerungsstörungen (z. B. bei vergrößerter Prostata) mit einem Harnstau (Überlaufblase).


harntreibendes Mittel

harntreibendes Mittel, → Diuretikum.


Harnuntersuchung

Harnuntersuchung, die labormedizinische Analyse des Harns. Zunächst werden u. a. das spezifische Gewicht und der pH-Wert des Harns bestimmt, anschließend die Inhaltsstoffe des Harns untersucht. Die Harnanalyse erfolgt meistens als Schnelltest mit einem Teststreifen. Damit können u. a. der Gehalt an Blut, Glucose, Proteinen, Bilirubin, Leukozyten und Nitrit im Harn rasch bestimmt werden. Auch → Urinstatus.


Harnvergiftung

Harnvergiftung, → Urämie.


Harnverhaltung

Harnverhaltung, → Harnretention.


Harnwege, ableitende

Harnwege, ableitende, Hohlraumsystem, das den aus der Niere kommenden Urin auffängt, weiterleitet und ausscheidet. Die ableitenden Harnwege bestehen aus den Nierenkelchen, dem Nierenbecken, den Harnleitern, der Harnblase und der Harnröhre.


Harnwegsinfektion

Harnwegsinfektion, HWI, meist bakterielle Entzündung der Harnwege. Die Keimeinschleppung in den Harntrakt erfolgt entweder auf dem Blut- oder Lymphweg oder direkt über die Harnwege als aufsteigende Infektion, z. B. nach Anwendung eines Blasenkatheters. Harnwegsinfektionen treten gehäuft bei Patienten mit Harnstau, Zuckerkrankheit oder Abwehrschwäche auf. Frauen sind wegen ihrer kürzeren Harnröhre häufiger betroffen als Männer. Eine Entzündung der unteren Harnwege äußert sich in häufigem und schmerzhaftem Wasserlassen. Eine Entzündung des Nierenbeckens zeichnet sich durch heftige Flankenschmerzen, Fieber und starke Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes aus (→ Pyelonephritis). Eine Harnwegsinfektion wird durch das Vorhandensein von Entzündungszellen und Bakterien im Urin nachgewiesen. Die Therapie besteht in der Gabe von Antibiotika und reichlicher Flüssigkeitszufuhr.


Harnzwang

Harnzwang, schmerzhafter Harndrang bei krampfartige Blasenschmerzen. Harnzwang tritt vor allem bei schweren Entzündungen der Harnblase bzw. der Harnröhre auf, ist aber auch ein Symptom der → Urge-Inkontinenz.


Harnzylinder

Harnzylinder, mikroskopisch sichtbare Eiweißausgüsse der unteren Abschnitte der Nierenkanälchen, die im Harn nachweisbar sind. Man unterscheidet hyaline (homogen, hell) und granulierte (dunkel, gekörnte Oberfläche) Zylinder. Je nach Art der Auflagerungen auf diesen Zylindern unterteilt man in Epithel-, Erythrozyten-, Leukozyten-, Fett- und Bakterienzylinder. Die einzelnen Formen der Harnzylinder erlauben Rückschlüsse auf die Art der vorliegenden Nierenerkrankung. Harnzylinder nach schwerer körperlicher Anstrengung sind in der Regel ohne Krankheitswert.


Harpagophytum procumbens

Harpagophytum procumbens, → Teufelskralle.


Härtefallregelung

Härtefallregelung, Regelung, die eine Befreiung oder Verringerung der Zuzahlungen u. a. zu Arznei-, Heil- und Verbandsmitteln oder Fahrtkosten vorsieht. Nach der sog. Überlastungsklausel müssen Versicherte einer gesetzlichen Krankenversicherung nur bis zu zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens an Zuzahlungen bzw. Selbstbeteiligung leisten, chronisch Kranke ein Prozent; eine eventuelle Differenz erstattet die Krankenkasse am Ende eines Kalenderjahres nach Vorlage der Abrechnungsbelege. Grundlage der Berechnung des Einkommens ist das Familienbruttoeinkommen, von dem pro Familienmitglied bestimmte Freibeträge abgezogen werden.


Hartspann

Hartspann, eine Verhärtung im Bindegewebe oder in einem Muskel, häufig von Schmerzen begleitet. Ein Hartspann wird durch eine Über- oder Fehlbelastung der Muskulatur begünstigt. Ein Hartspann wird in der Regel mit Wärme oder Massagen behandelt.


Hartstrahltechnik

Hartstrahltechnik, eine Röntgenaufnahmetechnik mit hoher Röhrenspannung. Durch die Hartstrahltechnik wird der Kontrast zwischen verschiedenen Geweben (z. B. Knochen und Weichteilen) vermindert, was eine Beurteilung von unterschiedlichen Geweben auf dem gleichen Röntgenbild erlaubt. Weitere Vorteile der Hartstrahltechnik sind die geringere Strahlenbelastung des Patienten und eine größere Schärfe des Bildes.


Haschisch

Haschisch, Extrakt aus dem Harz von → Cannabis. Haschisch ist ein Rauschmittel, das meist geraucht wird und individuell unterschiedlich wirkt. Haschisch kann u. a. zu Euphorie, Dämmerzuständen, Unruhe, Halluzinationen, vermeintlich gesteigerter Wahrnehmungsfähigkeit und erhöhter sexueller Erregbarkeit führen. Chronischer Missbrauch führt zu Persönlichkeitsveränderungen und psychischer Abhängigkeit.


Hasenauge

Hasenauge, → Lagophthalmus.


Hasenscharte

Hasenscharte, → Cheiloschisis.


Hashimoto-Thyreoiditis

Hashimoto-Thyreoiditis, Autoimmunthyreoiditis, eine Schilddrüsenentzündung, die durch eine autoimmunologische Fehlreaktion hervorgerufen wird. Die Hashimoto-Thyreoiditis tritt vor allem bei Frauen in der zweiten Lebenshälfte auf und ist oft kombiniert mit anderen Autoimmunerkrankungen wie einer perniziösen Anämie oder Myasthenie. Durch diffuse Einlagerung von Entzündungszellen in die Schilddrüse und bindegewebigen Umbau entwickelt sich allmählich eine Struma mit Untergang des Schilddrüsengewebes und verminderter Produktion von Schilddrüsenhormonen (→ Hypothyreose). Im Serum finden sich Antikörper gegen Schilddrüsengewebe. Die Behandlung zielt vor allem auf die Vermeidung einer Hypothyreose ab und kompensiert den Hormonmangel durch regelmäßige L-Thyroxin-Gaben in Tablettenform.


Haubenmeningitis

Haubenmeningitis, eine bakterielle Meningitis, bei der sich der Eiter über den beiden Großhirnhemisphären ausbreitet.


Hauffe-Schweninger-Armbad

Hauffe-Schweninger-Armbad, eine spezielle Form von Armbad, bei dem man die Wassertemperatur innerhalb von 15-20 Minuten von 32°C auf 39°C steigert. Dies soll zu einer Erweiterung der Koronargefäße führen. Das Hauffe-Schweninger-Armbad wird in der naturheilkundlichen Behandlung einer Bronchitis oder einer koronaren Herzkrankheit angewendet.


Hauhechel

Hauhechel, Ononis spinosa, eine Heilpflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Zubereitungen aus den Wurzeln des Hauhechels werden zur Behandlung von Harnwegsinfektionen und Nierensteinen eingesetzt.


Hausapotheke

Hausapotheke, Sammelbegriff für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, die auf Vorrat gehalten und bei leichten Erkrankungen oder Beschwerden ohne besondere medizinische Kenntnis verwendet werden können.


Hausarzt / Hausärztin

Hausarzt / Hausärztin, ein für die primäre Krankenversorgung zuständiger, niedergelassener Arzt. Hausärzte sind meist Ärzte für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin. Gegebenenfalls überweisen sie an einen anderen Facharzt.


Hausgeburt

Hausgeburt, Entbindung in der eigenen Wohnung. Voraussetzung für eine geplante Hausgeburt ist ein komplikationsloser Verlauf der Schwangerschaft und die Betreuung durch eine erfahrene → Hebamme.


Hausmittel

Hausmittel, allgemeiner, umgangssprachlicher Begriff für Arznei- und Heilmittel oder krankheitslindernde Maßnahmen, die bei leichten Erkrankungen oder Beschwerden ohne ärztliche Anweisung im Rahmen der Selbstbehandlung angewendet werden. Auch → Hausapotheke.


Hausstauballergie

Hausstauballergie, allergische Reaktion auf meist inhalative Allergene, die im Hausstaub enthalten sind. In ca. 70% der Fälle werden die allergischen Reaktionen durch die Ausscheidungen der → Hausstaubmilbe ausgelöst, weitere Allergene im Hausstaub sind u. a. Pollen, Pilzsporen und Hautzellen von Tieren. Schwere Hausstauballergien können zu allergischem → Asthma bronchiale führen. Die Therapie besteht möglichst weit gehenden Vermeidung von Hausstaubansammlungen, z. B. durch Verzicht auf Teppiche und Vorhänge in der Wohnung, häufiges Staubwischen und die Benutzung von Bettwäsche und evtl. Kleidern aus Kunstfasern.


Hausstaubmilbe

Hausstaubmilbe, eine → Milbe, die von den Hautschuppen von Menschen und Tieren lebt und im Hausstaub vorkommt. Die Ausscheidungen der Hausstaubmilbe sind das Hauptallergen der → Hausstauballergie.


Haut

Haut, Cutis, Integument,
Dermis
Die von Gefäßen und Nerven durchzogene Dermis liegt zwischen der Ober- und Unterhaut.
Haut
Ein Schnittbild zeigt den Aufbau der Haut. Sie besteht aus der äußeren Schicht, der Oberhaut (Epidermis), an die sich nach innen die Lederhaut (Corium) anschließt. In der Oberhaut liegen die Zellen (Melanozyten), die die Hautfarbe bestimmen. In der Lederhaut verläuft ein Netzwerk an Blutgefäßen, sensorischen Nervenendigungen, Schweißdrüsen, Haarfollikeln und Muskeln. Fasern sorgen für die Elastizität der Haut. Unterhalb der Lederhaut liegt das isolierende Unterhautfettgewebe.
das größte Organ des Körpers mit einer Oberfläche von rund 1,5-2 Quadratmeter. Die Haut besteht aus drei Gewebsschichten - der Oberhaut (→ Epidermis), der derben Lederhaut (→ Dermis) und dem Unterhautfettgewebe (→ Subkutis) - und den versorgenden Blutgefäßen und Nervengeflechten. Zu den Hautanhangsgebilden gehören die Nägel, die Haare und die Drüsen. Aufgabe der Haut ist der Schutz des Körpers vor mechanischen und chemischen Einwirkungen, vor Austrocknung, Hitze- und Lichtreizen. Darüber hinaus reguliert die Haut die Körpertemperatur durch Wärmeabgabe an die Umgebung. Sie vermittelt außerdem Schmerz-, Tast- und Temperaturreize.


Hautanhangsgebilde

Hautanhangsgebilde, Oberbegriff für Nägel, Haare und Drüsen im Bereich der Haut.


Hautatrophie

Hautatrophie, Schwund von Hautgewebe, der alle Hautschichten betrifft. Eine Hautatrophie ist z. B. Symptom einer Sklerodermie.


Hautausschlag

Hautausschlag, → Exanthem.


Hautblase

Hautblase, → Bulla.


Hautblutung

Hautblutung, der Oberbegriff für eine Reihe von unterschiedlichen Blutungsformen im Bereich der Haut: → Hämatom, → Petechien, → Purpura, → Suffusion, → Sugillation.


Hautemphysem

Hautemphysem, die Ansammlung von Luft oder Gas in der Unterhaut. Ein typisches Symptom eines Hautemphysems ist das hörbare Knistern beim Betasten der Haut. Ein Hautemphysem entsteht meistens infolge einer Verletzung eines lufthaltigen Organs (z. B. des Magens oder der Lunge). Sehr selten, aber äußerst gefährlich ist ein Hautemphysem infolge einer Infektion mit gasbildenden Bakterien (→ Gasbrand).


Hautentzündung

Hautentzündung, → Dermatitis.


Hautflora

Hautflora, das physiologisch vorhandene Keimspektrum auf der Haut. Auch → Bakterienflora.


Hautfriesel

Hautfriesel, → Miliaria.


Hauthorn

Hauthorn, Cornu cutaneum, hornförmige, verhornende Wucherung im Bereich der Haut. Ein Hauthorn entwickelt sich oft auf dem Boden einer vorbestehenden Hautveränderung (z. B. Basaliom, Warze, Altershaut).


Hautjucken

Hautjucken, → Pruritus.


Hautkarzinom

Hautkarzinom, Oberbegriff für bösartige, von den Epithelzellen der Haut abstammende Geschwulstbildungen. Als Hautkarzinome werden das spinozelluläre Karzinom (→ Spinaliom) und im weiteren Sinn das nicht metastasierende, invasiv wachsende Basalzellkarzinom (→ Basaliom) bezeichnet.


Hautkrebs

Hautkrebs, Oberbegriff für alle bösartigen Tumoren im Bereich der Haut. Unter Hautkrebs werden das → Hautkarzinom, das maligne → Melanom und im weiteren Sinn auch Hautmetastasen zusammengefasst.


Hautlappenplastik

Hautlappenplastik, ein körpereigener Hautlappen, der zur plastischen Deckung eines Hautdefekts verwendet wird. Der Hautlappen stammt entweder aus einem benachbarten Hautbezirk oder wird an einer anderen Körperstelle entnommen.


Hautleisten

Hautleisten, die typischen Linien in der Haut der Finger, der Handfläche und der Fußsohlen. Die Form der Hautleisten ist bei jedem Menschen verschieden, daher können Fingerabdrücke zur Identifikation von Personen verwendet werden.


Hautmaulwurf

Hautmaulwurf, → Larva migrans.


Haut-pH

Haut-pH, der Säurewert der Hautoberfläche. Der Haut-pH beträgt durchschnittlich 5,5-6,5, d. h. die Hautoberfläche reagiert sauer (→ Säureschutzmantel der Haut). Der Haut-pH wird durch die Bakterienflora sowie den Talg- und Schweißgehalt der Haut aufrechterhalten.


Hautpigmentierung

Hautpigmentierung, die Tönung der Haut. Die Hautpigmentierung beruht auf individuell unterschiedlicher Bildung und Ablagerung von Melaninpigmenten in der Haut.


Hautpilz

Hautpilz, → Dermatomykose.


Hautplastik

Hautplastik, die operative Deckung eines Hautdefektes durch Hautverpflanzung. Man unterteilt die verschiedenen Formen derHautplastik nach dem Entnahmeort: 1. Bei der Verschiebeplastik wird Haut zusammen mit dem Unterhautfettgewebe aus der näheren Umgebung der Wunde auf den Defektbereich verschoben. Eine Hautbrücke zur Entnahmestelle bleibt erhalten. 2. Freie Plastik: Die Deckung erfolgt durch Hautgewebe, das an entfernter Stelle entnommen wird (Hauttransplantation).


Hautreflex

Hautreflex, ein durch die Berührung der Haut ausgelöster polysynaptischer Reflex, z. B. der → Bauchhautreflex.


Hautschuppe

Hautschuppe, Squama, ein Teil der obersten verhornten Hautschicht, der abgestoßen wird.


Hautschutzmittel

Hautschutzmittel, Substanz, die Haut vor aggressiven Einflüssen schützt, z. B. Sonnencreme zum Schutz vor UV-Strahlung.


Hautsegment

Hautsegment, → Dermatom.


Hautsinn

Hautsinn, Sinnesreiz, der über Rezeptoren in der Haut wahrgenommen wird: Tastsinn (über Mechanorezeptoren), Temperatursinn (über Thermorezeptoren) und Schmerzsinn (über Nozirezeptoren).


Hauttalg

Hauttalg, → Talg.


Hauttransplantation

Hauttransplantation, plastische Deckung von Wundgebieten, z. B. nach Verbrennungen. Je nach Größe und Beschaffenheit des Wunddefektes besteht die Möglichkeit der Transplantation mit Vollhaut (→ Vollhauttransplantation), Spalthaut (→ Spalthauttransplantat) oder einem Mesh-Transplantat.


Hauttumor

Hauttumor, die Bezeichnung für eine gutartige oder bösartige Geschwulst, die von den Zellen der Haut ausgeht, z. B. ein Basaliom, ein Spinaliom oder ein malignes Melanom.


Hautturgor

Hautturgor, der Spannungszustand der Haut. Der Hautturgor wird vor allem durch den Flüssigkeitsgehalt der Haut bedingt. Ein verminderter Hautturgor weist auf Flüssigkeitsmangel hin. Zur Prüfung des Hautturgors nimmt man eine Hautfalte, z. B. am Handrücken, zwischen zwei Finger. Bleibt die Falte nach dem Loslassen erhalten (sog. stehende Hautfalte), dann ist der Hautturgor vermindert.


Hautunreinheit

Hautunreinheit, → Seborrhö.


Hautwiderstandsmessung

Hautwiderstandsmessung, ein diagnostisches Verfahren aus der Alternativmedizin mit Anwendung von Gleichstrom. Ein erniedrigter Hautwiderstand findet sich in der Reflexzone eines erkrankten Organs.


HAV

HAV, Abk. für → Hepatitis-A-Virus.


Hay-Trennkost

Hay-Trennkost, eine Diät, die nicht auf einer verminderten Nahrungsaufnahme, sondern auf einer Trennung von Kohlenhydraten und Eiweißen bei der Nahrungsaufnahme beruht. Fette sind bei allen Mahlzeiten erlaubt. Diese Ernährungsform soll die Verdauung verbessern und einer Übersäuerung des Körpers vorbeugen. Die Ernährung ist reich an Obst, Gemüse und Milchprodukten.


Hb

Hb, Abk. für → Hämoglobin.


HbE

HbE, Bezeichnung für den mittleren Hämoglobingehalt eines einzelnen roten Blutkörperchens. Der Normwert beträgt 27-33 Picogramm.


HBV

HBV, Abk. für → Hepatitis-B-Virus.


HCG

HCG, Abk. für human chorionic gonadotropin, humanes → Choriongonadotropin.


HCl

HCl, Abk. für → Salzsäure.


HCV

HCV, Abk. für → Hepatitis-C-Virus.


HDL

HDL, Abk. für → High-Density Lipoprotein.


HDV

HDV, Abk. für → Hepatitis-D-Virus.


Head-Zone

Head-Zone, Hautbezirk, dem eines oder mehrere innere Organe zugeordnet werden können. Die sensiblen Fasern der Head-Zone entspringen demselben Rückenmarkssegment wie die des entsprechenden Organs, so daß bei einer Erkrankung über einen sog. viszerokutanen Reflex eine Überempfindlichkeit im Bereich der entsprechenden Head-Zone auftritt, z. B. in den linken Oberarm ausstrahlende Schmerzen bei → Angina pectoris.


Hebamme / Entbindungspfleger

Hebamme / Entbindungspfleger, nichtärztliche Geburtshelferin. Berufszweig mit der Aufgabe, Frauen während und nach der Schwangerschaft zu beraten und zu betreuen sowie normale bzw. unkomplizierte Geburten zu leiten, die Geburt zu dokumentieren und Neugeborene und Wöchnerinnen zu versorgen. Hebammen werden nach dem Hebammengesetz ausgebildet und arbeiten in gynäkologischen Kliniken, Hebammenpraxen oder Geburtshäusern. Komplizierte Geburten überwachen bzw. leiten in der Geburtshilfe ausgebildete Klinikgynäkologen, laut Hebammengesetz ist der Arzt jedoch dazu verpflichtet, bei jeder Entbindung eine Hebamme hinzuzuziehen. Männliche nichtärztliche Geburtshelfer werden Entbindungspfleger genannt.


Hebephrenie

Hebephrenie, veraltete Bezeichnung für eine → Schizophrenie, die erstmals in der Adoleszenz (15.-25. Lebensjahr) auftritt.


Heberden-Knoten

Heberden-Knoten, erbsengroße, druckschmerzhafte, knorpelig-knöcherne Knoten an den Fingerendgelenken. Heberden-Knoten kommen bei der → Heberden-Polyarthrose vor.


Heberden-Polyarthrose

Heberden-Polyarthrose, erbliche Form der → Arthrose, die vor allem die Fingerendgelenke des zweiten bis fünften Fingers (selten den Daumen) befällt. Charakteristisch ist das Auftreten von → Heberden-Knoten, also erbsenförmigen Verdickungen an den betroffenen Gelenken.


Hedera helix

Hedera helix, → Efeu.


Hefe

Hefe, Faex, einzelliger Pilz, der sich überwiegend durch Sprossung und Spaltung vermehrt. Hefen können ihren Energiebedarf bei Sauerstoffmangel teilweise durch Gärung decken. Medizinisch bedeutsam sind die menschenpathogenen Arten Candida, Torulopsis, Trichosporon, Cryptococcus u. a. (→ Mykose) sowie die zu Heilzwecken verwendete → Faex medicinalis.


Heftpflaster

Heftpflaster, einseitig mit Klebematerial (z. B. Zinkoxid-Kautschuk) bestrichener Baumwollstreifen zum Fixieren von Verbänden auf der Haut. Meist trägt der der Haut zugewandte Teil eine Mullschicht zum Abdecken von Wunden.


Hegar-Stifte

Hegar-Stifte, Metallstifte mit verschiedenen Durchmessern, die vor einer Kürettage zur Erweiterung des Muttermundes eingesetzt werden. Dabei wird der Muttermund zunächst mit dem Hegar-Stift mit dem kleinsten Durchmesser gedehnt, danach folgen die Hegar-Stifte mit zunehmendem Durchmesser.


Heidekraut

Heidekraut, Calluna vulgaris, eine Pflanze, deren Blätter, Blüten und Triebe zur Behandlung von Erkrankungen der Harnwege eingesetzt werden.


Heidelbeere

Heidelbeere, Vaccinium myrtillus, eine Pflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse. Die Früchte der Heidelbeere haben eine adstringierende Wirkung. Die ganzen Beeren oder Beerenabsude werden zur Behandlung von Durchfall sowie von Entzündungen der Mundschleimhaut eingesetzt.


Heilbad

Heilbad, ein Kurort mit natürlichen Heilquellen, Heilschlamm- oder Moorvorkommen, denen heilende oder krankheitslindernde Eigenschaften nachgewiesen sein müssen.


Heilbehandlung

Heilbehandlung, Heilverfahren, Krankenbehandlung gemäß der Definition der gesetzlichen Unfall- und Krankenversicherung; im engeren Sinn auch die → Anschlussheilbehandlung.


Heilerde

Heilerde, Ton oder Lehm mit adsorbierenden und lokal reizenden Wirkungen. Heilerde wird äußerlich z. B. bei entzündlichen Hautveränderungen angewendet, innerlich zur Behandlung von Durchfallerkrankungen.


Heiler / Heilerin

Heiler / Heilerin, ethnomedizinischer Begriff für eine Person, die sich mit der Heilkunst in ihrem jeweiligen kulturspezifischen System befasst, z. B. der Medizinmann in der indianischen Kultur, der Schamane in der sibirischen Kultur, der Hakim als persischer Heiler oder der Zima, ein westafrikanischer Priesterheiler. Im westlichen Kulturkreis versteht man unter Heilern die Angehörigen der Heilberufe, z. B. Ärzte, Krankenpfleger und Heilpraktiker.


Heileurythmie

Heileurythmie, in der anthroposophischen Medizin angewendete Bewegungstherapie, die aus der Bewegungskunst Eurhythmie hervorging.


Heilfasten

Heilfasten, das unter ärztlicher Überwachung durchgeführte Fasten von einer bis drei Wochen Dauer. Zunächst werden zwei bis drei Obsttage eingelegt, gefolgt von einer Zeit, in der nur Tee und heißes Zitronenwasser zugeführt werden (Saftfasten). Am Ende des Heilfasten steht ein langsamer Kostaufbau.


Heilgymnastik

Heilgymnastik, → Physiotherapie.


Heilkunde

Heilkunde, im engeren Sinn die praktische Tätigkeit von Ärzten bzw. Zahnärzten. Nach dem Heilpraktikergesetz können auch Heilpraktiker eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde erhalten. Nach diesem Gesetz ist die Heilkunde jede berufsmäßig ausgeübte "Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird". Die Heilkunde im engeren Sinn erfordert aufgrund komplexer Zusammenhänge und einer möglichen, evtl. deutlichen Gefährdung des Patienten medizinisches Fachwissen; die Heilkunde im weiteren Sinn kann dagegen auch von nichtärztlichem Personal im Sinne einer "Heilhilfstätigkeit" ausgeübt werden. Ärzte, Zahnärzte bzw. Heilpraktiker dürfen bestimmte Tätigkeiten somit auf nichtärztliches Personal übertragen (→ Anordnung). Grundsätzlich ist der Arzt jedoch auch für die delegierte Tätigkeit verantwortlich.


Heilmagnetismus

Heilmagnetismus, komplementärmedizinisches Verfahren, bei dem ein Heiler durch das Auflegen seiner Hände oder eines Magneten eine heilende Wirkung ausübt.


Heilmittel

Heilmittel, → Arzneimittel.


Heilmittel

Heilmittel, Heilmittel im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherungen sind Maßnahmen, die zur Behandlung von Krankheiten äußerlich angewendet werden, z.B. physikalische Therapie, Sprach- und Ergotherapie.


Heilnahrung

Heilnahrung, diätetisches Nahrungsmittel, das zur Krankenernährung verwendet wird. Heilnahrung im engeren Sinn bezeichnet die laktosearme und mit mittelkettigen Triglyzeriden angereicherte Säuglingsheilnahrung. Sie wird zur Behandlung von Durchfallerkrankungen im Säuglingsalter eingesetzt.


Heilpädagogik

Heilpädagogik, Spezialgebiet der Pädagogik, das sich mit der Förderung und Erziehung von geistig oder körperlich Behinderten sowie von Menschen mit Verhaltensstörungen befasst.


Heilpflanze

Heilpflanze, Pflanze, die im Rahmen der → Phytotherapie verwendet wird.


Heilpraktiker / Heilpraktikerin

Heilpraktiker / Heilpraktikerin, Berufsbezeichnung für Personen, die die Heilkunde ohne ärztliche Approbation auf der Grundlage des Heilpraktikergesetzes ausüben dürfen. Ein Heilpraktiker darf im Gegensatz zum Arzt bestimmte Behandlungsformen nicht ausführen. Dazu zählen die Behandlung meldepflichtiger Erkrankungen, die Geburtshilfe, die Leichenschau, die Verordnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und Betäubungsmitteln sowie die Anwendung von Röntgenstrahlen. An den Heilpraktiker werden grundsätzlich dieselben Sorgfaltsanforderungen gestellt wie an den Arzt. Auch der Heilpraktiker hat gegenüber seinen Patienten eine Aufklärungs- und Dokumentationspflicht.


Heilquelle

Heilquelle, natürlich vorkommende warme oder heiße Quelle, evtl. mit mineralstoffreichem Wasser, z. B. in einem Kurort. Auch → Kurortmedizin.


Heil- und Kostenplan

Heil- und Kostenplan, → Behandlungsplan.


Heilung

Heilung, Bezeichnung für das Verschwinden einzelner Krankheitssymptome bis hin zur völligen Beschwerdefreiheit.


Heilverfahren, alternative

Heilverfahren, alternative, Komplementärmedizin, ein Sammelbegriff für verschiedene Therapieformen, die sich als Alternativen zur Schulmedizin verstehen und deren Behandlungsstrategien nicht oder nur teilweise naturwissenschaftlich belegt sind. Bei den alternativen Heilverfahren steht in der Regel die Behandlung des gesamten Organismus anstelle der isolierten Therapie eines erkrankten Organsystems im Vordergrund. Besonderer Wert wird auf die Förderung der Selbstheilungskräfte des Körpers gelegt. Die Therapie soll unschädlich für den Organismus sein. Als Maß für den Therapieerfolg gilt in erster Linie das subjektive Befinden des Patienten. Zu den alternativen Heilverfahren zählen u. a. Naturheilkunde, Hypnose, autogenes Training, Phytotherapie und Erfahrungsheilkunde.


Heilwasser

Heilwasser, Wasser aus natürlichen Heilquellen, das zur Behandlung von Krankheiten genutzt wird. Heilwasser hat im Unterschied zu herkömmlichem Süßwasser meist einen besonders hohen oder niedrigen Gehalt an Mineralien, Thermalwasser auch eine höhere Temperatur oder andere physiko-chemische Besonderheiten wie hohe Eisen-, Kohlensäure-, Arsen-, Jod- oder Radonkonzentrationen.


Heimdialyse

Heimdialyse, eine Dialysebehandlung, die vom Patienten selbst oder speziell geschulten Angehörigen zu Hause durchgeführt wird. Der Vorteil liegt in der größeren zeitlichen Unabhängigkeit für den Patienten.


Heimlich-Handgriff

Heimlich-Handgriff, eine Erste-Hilfe-Maßnahme bei Erstickungsgefahr durch einen die Atemwege verlegenden Fremdkörper. Der stehende oder sitzende Patient wird von hinten mit beiden Armen auf Höhe des unteren Brustkorbes umfasst. Die übereinander liegenden Hände werden über der Magengrube positioniert und der Körper des Patienten kräftig gegen den Körper des Helfers gepresst. Durch den entstehenden Überdruck im Brustkorb soll der Fremdkörper aus den Luftwegen ausgestoßen werden. Liegt der Patienten auf dem Rücken, dann kniet der Helfer über dem Bauch und presst beide Hände in die Magengrube des Patienten.


Heinz-Innenkörperchen

Heinz-Innenkörperchen, bei gewissen → Hämoglobinopathien in den Erythrozyten vorkommende, mit einer Spezialfärbung nachweisbare Körperchen. Die Heinz-Innenkörperchen bestehen aus abgebautem Hämoglobin.


Heiserkeit

Heiserkeit, eine klanglose, belegte, raue oder fehlende Stimme. Heiserkeit liegt bei Entzündungen, Lähmungen oder Geschwülsten der Kehlkopfschleimhaut oder der Stimmbänder vor. Am häufigsten tritt Heiserkeit im Rahmen einer Erkältungskrankheit auf.


heißer Knoten

heißer Knoten, ein Schilddrüsenknoten, der im Szintigramm vermehrt Radiojod speichert. Ein heißer Knoten im Szintigramm entspricht einem Bereich mit vermehrter Produktion und Speicherung von Schilddrüsenhormon. Es handelt sich meist um ein autonomes Adenom der Schilddrüse (→ Schilddrüsenadenom), seltener um einen hormonaktiven bösartigen Tumor.


Heißhunger

Heißhunger, Gefräßigkeit, Anfall von Essgier, besonders bei der → Bulimie.


Heißluftbad

Heißluftbad, eine trockene Heißluftbehandlung, der eine Abkühlung und Massage folgt. Ein Heißluftbad wird auch als Teilbad in Form von Heißluftduschen, in Heißluftkästen oder mittels Glühlampen durchgeführt. Die Lufttemperatur beträgt dabei 70-95°C. Medizinische Indikationen für ein Heißluftbad sind beispielsweise Arthrose, Muskelverspannungen und Gelenkkontrakturen.


Heißluftsterilisation

Heißluftsterilisation, Sterilisation von hitzestabilem Material mittels trockener Heißluft. Die Sterilisationstemperatur beträgt 180-200°C. Zur sicheren Keimfreiheit wird die Heißluftsterilisation über einen Zeitraum von 30 Minuten durchgeführt. Auch → Dampfsterilisation.


He-La-Zellen

He-La-Zellen, besonders schnell wachsende Zellen, die weltweit in der zytologischen Forschung eingesetzt werden, z. B. zur Testung von Zytostatika oder in der Virusdiagnostik. Die He-La-Zellen stammten ursprünglich aus dem Krebsgewebe einer Patientin mit den Initialen H. L. und sind daher nach ihr benannt.


Helferberufe

Helferberufe, umgangssprachlicher Begriff für alle Berufsgruppen, die mit Ärzten oder Zahnärzten unterstützend zusammenarbeiten, z. B. Arzt-, Zahnarzt-, Tierarzthelferin oder die pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (frühere Bezeichnung: Apothekenhelferin). Die Ausbildung erfolgt nach den Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes.


Helfersyndrom

Helfersyndrom, der übermäßige Drang zum Umsorgen anderer Personen. Vom Helfersyndrom betroffene Menschen leiden meist unter einem unterentwickelten Selbstwertgefühl.


Helfer-T-Zellen

Helfer-T-Zellen, eine Subpopulation der → T-Lymphozyten. Helfer-T-Zellen sind aktiv an der zellvermittelten Immunität beteiligt, fördern die Reifung und Differenzierung von B-Zellen, die Produktion von Antikörpern und spielen bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle.


Helichrysum arenarium

Helichrysum arenarium, → Ruhrkraut.


Helicobacter pylori

Helicobacter pylori, Campylobacter pylori, gramnegatives Stäbchenbakterium, das bei einem sehr großen Teil aller Patienten mit chronischer Magenschleimhautentzündung, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren auf der Magenschleimhaut zu finden ist. Helicobacter pylori kann durch Freisetzen zellschädigender Stoffe zu Schleimhautentzündungen und Geschwürbildung führen, ist jedoch nicht der alleinige Grund für das Entstehen eines Magengeschwürs. Der Keim wurde auch bei zahlreichen beschwerdefreien Menschen gefunden. Helicobacter pylori kann durch einen → Urease-Schnelltest, histologisch in einer Gewebebiopsie oder durch Antikörpern im Serum nachgewiesen werden. Die Therapie einer Infektion besteht in der Gabe von zwei verschiedenen Antibiotika in Kombination mit einem Säurehemmer (Tripeltherapie, Eradikationstherapie).


Heliotherapie

Heliotherapie, die Behandlung von vor allem Hauterkrankungen durch direkte Einwirkung des Sonnenlichtes. Auch → Lichttherapie.


Helix

Helix, der äußere Rand der Ohrmuschel.


Hell-Dunkel-Anpassung

Hell-Dunkel-Anpassung, → Dunkeladaptation.


HELLP-Syndrom

HELLP-Syndrom, eine selten auftretende Schwangerschaftserkrankung (→ Gestose), die mit → Hämolyse (H), erhöhten Leberwerten (E, L) und einer niedrigen Thrombozytenzahl engl. low platelets; L, P) einhergeht. Sie führt zu Komplikationen wie vorzeitige → Plazentalösung, → Nierenversagen und starken Blutungen nach einem → Kaiserschnitt.


Helminthen

Helminthen, Würmer, Vermes, mehrzellige Organismen, die im menschlichen oder tierischen Organismus als Parasiten leben. Die am häufigsten vorkommenden Helminthen sind Saugwürmer (Trematoden), Fadenwürmer (Nematoden) und Bandwürmer (Cestoden).


Helminthiasis

Helminthiasis, Wurmkrankheit, eine Erkrankung, die durch den Befall mit Würmern ausgelöst wird, z. B. eine Trichinose.


Hemeralopie

Hemeralopie, im engeren Sinn Tagblindheit mit Lichtscheu und gutem Sehvermögen in der Dämmerung; im Deutschen schließt der Begriff fälschlicherweise die Nachtblindheit mit deutlich eingeschränkter Sehfähigkeit in der Dämmerung bzw. im Dunkeln bei uneingeschränkter Sehfähigkeit im Hellen ein. Ursache der Hemeralopie liegt in einer Störung der → Stäbchenzellen der Netzhaut. Hemeralopie kann vererbt sein oder im Rahmen von Kurzsichtigkeit, Optikusatrophie oder Vitamin-A-Mangel auftreten.


hemi...

hemi..., halbseitig, einseitig, eine Körperseite betreffend.


Hemiagnosie

Hemiagnosie, die Störung bzw. der Verlust der Sinneswahrnehmung auf einer Körperseite bei intaktem Sinnesorgan. Eine Hemiagnosie kommt z. B. bei Halbseitenlähmung vor.


Hemianopsie

Hemianopsie, halbseitiger Gesichtsfeldausfall auf einem oder beiden Augen. Eine Hemianopsie tritt bei Sehbahnstörungen auf, z. B. bei Kompression des → Chiasma opticum durch einen Tumor. Bei Schädigung des Chiasmas kommt es zu einem Ausfall der äußeren Gesichtsfeldhälften beider Augen (heteronyme bitemporale Hemianopsie). Ein Defekt im weiteren Verlauf der Sehbahn führt zu beidseitigen Gesichtsfeldausfällen entweder der rechten oder der linken Seite (homonyme Hemianopsie). Eine einseitige Hemianopsie tritt bei Schädigung des Sehnervs kurz vor dem Chiasma opticum auf.


Hemikranie

Hemikranie, einseitiger Kopfschmerz; der Begriff Hemikranie wird auch als Synonym für die → Migräne gebraucht.


Hemiplegie

Hemiplegie, Halbseitenlähmung,
Hemiplegie
Ist der Übermittlungsweg zwischen Gehirn und ausführender Muskulatur unterbrochen, kommt es zu einem Verlust der gesteuerten Bewegung, der als Lähmung bezeichnet wird. Im Gegensatz zu einer Halbseitenlähmung sind bei einer Beinlähmung Beine und ein Teil des Rumpfs, bei einer vollständigen Lähmung alle vier Gliedmaßen und der gesamte Rumpf betroffen.
vollständige Lähmung einer Körperhälfte, z. B. durch Schlaganfall oder Hirnblutung. Bei Schädigung der motorischen Nervenzellen im Gehirn kommt es zu einer Störung der willkürlichen Bewegung auf der gegenseitigen Körperhälfte.


hemiplegisch

hemiplegisch, mit den Zeichen einer → Hemiplegie einhergehend, eine Hemiplegie betreffend.


Hemisphäre

Hemisphäre, eine der beiden Hälften des Kleinhirns (Hemisphäre cerebelli) oder des Großhirns (Hemisphäre cerebralis). Bei den Großhirnhemisphären unterscheidet man eine dominante Hemisphäre und eine untergeordnete, inferiore Hemisphäre. Auf der dominanten Hemisphäre befinden sich die Zentren für Sprache, die Wiederholung erlernter Handlungen (z. B. Rechnen, Schreiben, Lesen) und für das mit der Sprache verbundene Erkennen. Nur bei ca. 10% der Menschen ist die rechte Hemisphäre dominant.


Hemmstoff

Hemmstoff, → Antagonist.


Hemmungsfehlbildung

Hemmungsfehlbildung, eine Fehlbildung, die durch den vorzeitigen Entwicklungsstillstand eines Organs oder eines Körperteils ausgelöst wird. Ein Beispiel für eine Hemmungsfehlbildung ist die Spina bifida.


Henle-Schleife

Henle-Schleife, der U-förmig von der Nierenrinde ins Nierenmark und wieder zurück verlaufende Teil des Nierenkanälchens (→ Nierentubulus). Der ins Nierenmark absteigende Teil dient der Harnkonzentrierung nach dem → Gegenstromprinzip. Im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife wird dem Harn im Wesentlichen Natrium entzogen.


Henna

Henna, Lawsonia inermis, ein afroasiatischer Strauch, der zu den Blutweiderich-Gewächsen gehört. Der aus Stängel und Blättern gewonnene rote Farbstoff wird kosmetisch genutzt. Die getrockneten Blätter wirken harntreibend und adstringierend. Henna wird traditionell zur Behandlung von Magen- oder Duodenalgeschwüren, bei Hautgeschwüren, Ekzemen und Pilzbefall sowie bei Krätze eingesetzt.


Hepar

Hepar, → Leber.


Heparin

Heparin,
Hämodialyse
Schematische Darstellung des Ablaufs einer Hämodialyse.
ein gerinnungshemmender Stoff, der prophylaktisch und therapeutisch zur Antikoagulation verwendet wird. Die gerinnungshemmende Wirkung tritt sehr rasch ein, hält jedoch nicht lange an. Heparin kommt in verschiedenen Organen und in Mastzellen vor. Neben der gerinnungshemmenden Wirkung besitzt Heparin auch fibrinolytische Eigenschaften. Zur therapeutischen Nutzung wird Heparin aus Organen von Schweinen isoliert.


Heparinisierung

Heparinisierung, die Behandlung eines Patienten mit → Heparin zur Therapie oder Vorbeugung einer Thrombose. Das Heparin wird dabei injiziert. Eine Heparinisierung wird z. B. bei einem Herzinfarkt, einer tiefen Venenthrombose, einer Lungenembolie oder nach bestimmten Operationen durchgeführt.


Heparinoid

Heparinoid, eine Substanz, die ähnlich wie → Heparin eine blutgerinnungshemmende Wirkung ausübt. Heparinoide werden als Wirkstoffe meist in Salben zur äußerlichen Anwendung verarbeitet.


Hepatektomie

Hepatektomie, die operative Entfernung der gesamten Leber im Rahmen einer Lebertransplantation.


Hepatica nobilis

Hepatica nobilis, → Leberblümchen.


Hepatisation

Hepatisation, die leberähnliche Veränderung von Lungengewebe bei einer Pneumonie. Durch die Auffüllung der Lungenalveolen mit Entzündungszellen und Flüssigkeit nimmt die Lunge eine leberähnliche Konsistenz an.


hepatisch

hepatisch, die Leber betreffend.


Hepatitis

Hepatitis, Leberentzündung, Die Leber reagiert auf verschiedene Schädigungen mit einer relativ einheitlichen Entzündungsreaktion, die letztlich zu Leberzelluntergang führt. Als Auslöser einer Hepatitis kommen Viren, Bakterien, Protozoen, Alkohol, Giftstoffe, Medikamente oder Sauerstoffmangel in Betracht. Auch → chronische Hepatitis, → akute Hepatitis, → Hepatitisvirus, → Virushepatitis.


Hepatitis, akute

Hepatitis, akute, eine plötzlich einsetzende Entzündung des gesamten Lebergewebes, meist durch eines der fünf bekannten, krankheitsauslösenden Viren (Hepatitis A-E), seltener als Begleiterkrankung bei anderen Infektionen, Tumoren, Stoffwechselerkrankungen oder als Folge von Vergiftungen, Alkoholmissbrauch oder Medikamenten. Zu den Leitsymptomen der akuten Hepatitis gehören Abgeschlagenheit, leichte Temperaturerhöhung, Appetitmangel, Übelkeit, Druckschmerz im rechten Oberbauch und häufig eine Gelbsucht (→ Ikterus). Infolge des Leberzelluntergangs steigen die leberspezifischen Enzyme → SGOT und → SGPT im Serum an. Das Ausmaß des Enzymanstiegs zeigt den Grad der Leberschädigung an. Eine akute Hepatitis kann ausheilen, in eine → chronische Hepatitis mit Leberzirrhose und -fibrose übergehen oder sogar zum kompletten Leberausfall (→ fulminante Hepatitis) führen.


Hepatitis, alkoholische

Hepatitis, alkoholische, eine Leberentzündung infolge von Alkoholmissbrauch. Ein über Jahre fortgeführter, regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum kann über eine Leberverfettung allmählich zu einer alkoholischen Hepatitis mit entzündlicher Reaktion und Leberzelluntergang führen. Die Empfindlichkeit der Leber gegenüber Alkohol ist individuell verschieden. Sie liegt für Männer bei ca. 60 Gramm Alkohol täglich und für Frauen bei ca. 30 Gramm. Im Anfangsstadium einer alkoholischen Hepatitis sind die meisten Patienten beschwerdefrei. Später kommt es zur Vergrößerung der Leber mit Kapselspannungsschmerz im rechten Oberbauch, zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gelbsucht (50% der Fälle) und Fieber. Im Spätstadium führt der fortgesetzte Alkoholkonsum zu einem bindegewebigen Umbau der Leber (→ Leberzirrhose). Die Therapie besteht in erster Linie in absoluter Alkoholabstinenz. Im Anfangsstadium sind die Leberveränderungen noch rückbildungsfähig.


Hepatitis-A-Virus

Hepatitis-A-Virus, HAV, ein RNS-Virus, Auslöser der Hepatitis A (→ Virushepatitis). Infektionsgefahr besteht vor allem in Ländern mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen und in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen etc. Die Übertragung erfolgt meist über verunreinigtes Wasser oder Nahrungsmittel. Nach einer durchgemachten Infektion besteht lebenslange Immunität.


Hepatitis-B-Virus

Hepatitis-B-Virus, HBV,
Hepatitis-B-Virus
Die schematische Darstellung des Hepatitis-B-Virus zeigt seinen komplexen Aufbau.
ein DNS-Virus, Auslöser der Hepatitis B (→ Virushepatitis). Die Übertragung erfolgt vor allem über Blut oder Blutprodukte oder durch Sexualkontakt. Eine Infektion von der Mutter auf das Kind während der Geburt ist ebenfalls möglich. Das Hepatitis-B-Virus kann auch nach einer durchgemachten Infektion bei klinisch Gesunden lebenslang persistieren (→ chronische Hepatitis). In diesen Fällen ist das Risiko eines Leberzellkarzinoms erhöht.


Hepatitis, chronische

Hepatitis, chronische, eine Entzündung der Leber, die länger als sechs Monate dauert. Eine c.H. verläuft häufig ohne Symptome oder nur mit geringen Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit und Leistungsschwäche. Während eines akuten Schubes gleichen die Symptome denen einer akuten Hepatitis (Fieber, Krankheitsgefühl, Ikterus usw.). eine c.H. kommt hauptsächlich vor:1. bei Infektion mit Hepatitisviren, in erster Linie Hepatitis-B-Viren, aber auch Hepatitis-C- und -D-Viren. Eine chronische Virushepatitis führt zu einer Leberzirrhose. Eine spezifische Therapie existiert nur für die Hepatitis C (Interferontherapie). 2. bei einer Autoimmunerkrankung, die insbesondere bei jungen Frauen mit genetischer Veranlagung auftritt. Oft liegt zusätzlich eine Entzündung anderer Organe vor. 3. bei toxischer Einwirkung, z. B. bei chronischem Alkoholkonsum, bei gewissen chemischen Substanzen oder Medikamenten. Die Therapie einer chronischen Hepatitis richtet sich nach der zu Grunde liegenden Ursache.


Hepatitis-C-Virus

Hepatitis-C-Virus, HCV, ein RNS-Virus, Auslöser der Hepatitis C (→ Virushepatitis). Die Übertragung erfolgt über infizierte Blutprodukte, sexuell oder selten auch perinatal. Das Hepatitis-C-Virus kann nach Ausheilung der akuten Erkrankungsphase lebenslang im Körper verbleiben (→ chronische Hepatitis) und steigert das Risiko für ein Leberzellkarzinom. Die Behandlung erfolgt heute als Kombinationstherapie mit Interferon Alpha und einem Virostatikum. Sie ist langwierig, aufwendig und oft mit starken Nebenwirkungen belastet, führt aber häufig zu einer deutlichen Verminderung der Entzündungsaktivität. Eine Impfung gegen das Hepatitis-C-Virus steht nicht zur Verfügung.


Hepatitis-D-Virus

Hepatitis-D-Virus, Abk. HGV, Flavivirus, ähnelt dem → Hepatitis-C-Virus. Übertragung durch Blut und Blutprodukte, wahrscheinlich auch von der Mutter auf das Kind und möglicherweise auch sexuell. Krankheitsfälle wurden bisher nicht bekannt.


Hepatitis-D-Virus

Hepatitis-D-Virus, HDV, Delta-Virus, ein inkomplettes RNS-Virus, Auslöser der Hepatitis D (→ Virushepatitis). HDV benötigt für seine Vermehrung das → Hepatitis-B-Virus und befällt daher nur Patienten mit einer Hepatitis-B-Infektion, die durch die zusätzliche Infektion kompliziert wird. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt auch gegen Hepatitis D.


Hepatitis-E-Virus

Hepatitis-E-Virus, Abk. HEV, ein RNS-Virus, gehört zur Familie der Herpesviren, Auslöser der enteral übertragenen Hepatitis E (→ Virushepatitis). Die Übertragung erfolgt vor allem über verunreinigtes Wasser und Nahrungsmittel, vor allem in Indien, Nordafrika sowie Mittel- und Südamerika. Ein Impfstoff steht bisher nicht zur Verfügung.


Hepatitis, fulminante

Hepatitis, fulminante, eine schwere, meist tödlich verlaufende Form der Virushepatitis mit massivem Leberzelluntergang, Blutungen und Entwicklung eines Leberkomas.


Hepatitis, infektiöse

Hepatitis, infektiöse, im engeren Sinn die durch Viren ausgelöste Leberentzündung (→ Virushepatitis). Im weiteren Sinn fallen alle durch übertragbare Erreger ausgelösten Hepatitiden darunter, z. B. die Hepatitis im Rahmen von Gelbfieber, Röteln, Cytomegalie, Tuberkulose oder Herpes simplex-Infektionen.


Hepatitis, toxische

Hepatitis, toxische, eine durch Medikamente oder Giftstoffe ausgelöste, meist akut verlaufende Hepatitis (→ Hepatitis, akute).


Hepatitisvirus

Hepatitisvirus, Oberbegriff für die Erreger der infektiösen → Virushepatitis. Auch → Hepatitis-A-Virus, → Hepatitis-B-Virus, → Hepatitis-C-Virus, → Hepatitis-D-Virus, → Hepatitis-E-Virus.


hepat...

hepat..., hepato..., die Leber betreffend.


hepatogen

hepatogen, in der Leber gebildet (auf Substanzen wie z.B. die Gallenflüssigkeit bezogen).


hepatogen

hepatogen, von der Leber ausgehend (z.B. auf Krankheiten bezogen).


Hepatolith

Hepatolith, ein Gallenstein, der sich in einem Gallengang innerhalb der Leber befindet.


Hepatom

Hepatom, eine von den Leberzellen ausgehende Geschwulst. Zu den Hepatomen wird sowohl das gutartige → Leberadenom als auch das bösartige → Leberzellkarzinom gezählt.


Hepatomegalie

Hepatomegalie, eine Vergrößerung der Leber, z. B. infolge Hepatitis, Fettleber, Rechtsherzinsuffizienz mit Leberstauung, Tumoren, Speicherkrankheiten u. a.


Hepatopathie

Hepatopathie, Erkrankung der Leber.


Hepatosplenomegalie

Hepatosplenomegalie, die Vergrößerung von Leber und Milz bei verschiedenen Erkrankungen, z. B. bestimmten Formen der Leukämie.


hepatotoxisch

hepatotoxisch, die Leberzelle schädigend. Zu den hepatotoxische Substanzen (→ Lebergifte), von denen einige sogar zum Leberzelluntergang führen können, gehören Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff, Phosphor, Alkohol, manche Zytostatika sowie verschiedene Pilze, insbesondere der Knollenblätterpilz.


hepatozellulär

hepatozellulär, von der Leberzelle ausgehend, die Leberzelle betreffend.


hepatozelluläres Karzinom

hepatozelluläres Karzinom, → Leberzellkarzinom.


Herba

Herba, Kraut, ein pharmazeutischer Begriff, der getrocknete Blüten, Blätter und Triebe (seltener Stängel) von Pflanzen bezeichnet, die als Medikamente oder Gewürze verwendet werden.


Herbstgrasmilbe

Herbstgrasmilbe, Milbenart, die gelegentlich den Menschen befällt, vor allem im Sommer und Herbst. Die Milbenbisse führen zu juckenden, geröteten Papeln, meistens an den Beinen. Auch → Milbe.


Herbstzeitlose

Herbstzeitlose, Colchicum autumnale, eine Pflanze aus der Familie der Liliengewächse. Medizinisch genutzt werden die Samen der Herbstzeitlosen, die → Colchizin enthalten. Diese Substanz wird zur Behandlung von akuten Gichtanfällen eingesetzt.


Herd

Herd, ein örtlich klar begrenzter Krankheitsprozess, z. B. ein Abszess.


Herdsymptom

Herdsymptom, ein Symptom, das auf einen lokal begrenzten Krankheitsprozess hinweist. Der Begriff wird vor allem für Prozesse im Gehirn verwendet.


hereditär

hereditär, erblich, die Vererbung betreffend.


Heredität

Heredität, die Erblichkeit, z. B. von Krankheiten.


Hermaphroditismus

Hermaphroditismus, Zwittrigkeit, eine Anomalie, bei der ein Mensch Merkmale beider Geschlechter trägt (Zwitter). Man unterscheidet den äußerst seltenen Hermaphroditismus verus (bei den Betroffenen sind sowohl Eierstöcke als auch Hoden vorhanden) und den Hermaphroditismus spurius (Pseudohermaphroditismus), bei dem die Betroffenen die Keimzellen und Keimdrüsen (Eierstöcke oder Hoden) des einen Geschlechts, aber davon abweichende, nicht eindeutige äußere Geschlechtsmerkmale aufweisen.


Hernie

Hernie, Bruch, Eingeweidebruch, Ausstülpung von Organen bzw. Organteilen aus einer Körperhöhle durch eine Bruchpforte (angeborene oder erworbene Lücke) nach außen bzw. in eine Nachbarhöhle, am häufigsten als Leistenbruch (Inguinalhernie), bei dem sich ein Teil des Darms, umgeben von einem Bruchsack (Bauchfell), in den Leistenkanal vorwölbt. Hernien kommen aber auch als Bauchwand-, Schenkel-, Zwerchfell-, Lungen- oder Gehirnhernien vor. Man unterscheidet Brüche, deren Bruchinhalt noch zurückgedrückt werden kann (reponibel) und solche, bei denen das nicht mehr möglich ist (irreponibel). Der Extremfall einer irreponiblen Hernie ist die eingeklemmte Hernie, bei der es aufgrund von Durchblutungsstörungen zum Gewebsuntergang des Bruchinhalts kommt. Bei einem Teil der Hernien (z. B. der Leisten-, Bauchwand- und Schenkelhernien) kann bei körperlicher Untersuchung eine Bruchgeschwulst getastet oder sogar mit dem bloßen Auge gesehen werden. Die Beseitigung einer Hernie ist nur operativ möglich (→ Herniotomie). Falls eine Operation nicht unbedingt erforderlich und eine Operation riskant ist, wird die Hernie zurückgedrückt (reponiert) und mit Hilfe eines Bruchbandes zurückgehalten.


Hernie, eingeklemmte

Hernie, eingeklemmte, inkarzerierte Hernie, eine Hernie mit eingeklemmtem, nicht mehr durchblutetem Bruchsack. Es kommt zu Gewebsuntergang (bei Baucheingeweidehernien z. B. zu Darmwandnekrosen mit Darmverschluss, Bauchfellentzündung usw.). Eine eingeklemmte Leistenhernie verursacht akute, heftigste Bauchschmerzen, Kreislaufprobleme, Zeichen eines Darmverschlusses und muss sofort operativ behandelt werden.


Hernie, gleitende

Hernie, gleitende, → Gleithernie.


Herniotomie

Herniotomie, Bruchoperation, Operation zur Entfernung bzw. Korrektur einer → Hernie. Bei einer Leistenhernie z. B. eröffnet der Chirurg die Bruchregion mit einem Hautschnitt, reponiert den Bruch und verstärkt das darüber liegende Gewebe z. B. mit einem Kunststoffnetz, um einer erneuten Hernie vorzubeugen. Ein ähnlicher Eingriff kann auch per Endoskopie erfolgen.


Heroin

Heroin, Diacetylmorphin, ein Acetylderivat des Morphins. Heroin besitzt im Vergleich zu Morphin eine deutlich stärkere, vor allem euphorisierende und schmerzhemmende Wirkung, ist gut fettlöslich und erreicht daher schnell das Gehirn, wo es zu einer starken Beeinträchtigung des Atemzentrums führt. Heroin hat ein äußerst hohes Suchtpotenzial (→ Heroinabhängigkeit) und wird aus diesem Grund nicht therapeutisch eingesetzt.


Heroinabhängigkeit

Heroinabhängigkeit, Heroinsucht, die psychische und körperliche Abhängigkeit von Heroin. Eine zwei- bis dreimalige Injektion von Heroin reicht meist aus, um körperliche Abhängigkeit zu erzeugen. Die Wirkung von Heroin ist vorwiegend euphorisierend und schmerzstillend. Nach Abklingen der Wirkung setzen schwere Entzugserscheinungen wie Schmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Zittern, Schwitzen und ein starkes Verlangen nach Heroin ein. Auch → Drogenabhängigkeit.


Herpangina

Herpangina, eine Infektion mit dem → Coxsackie-Virus, die vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern in den Sommermonaten auftritt. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis sechs Tage. Die Herpangina geht mit Bläschenbildung und Ulzerationen im Bereich der Mundhöhle einher. Die Kinder erkranken akut mit hohem Fieber, Kopf- und Halsschmerzen sowie Schluckbeschwerden. In der Regel klingt die Krankheit nach fünf Tagen ab. Die Therapie beschränkt sich auf die Linderung der Symptome.


Herpes

Herpes, ein durch Bläschenbildung charakterisierter Hautausschlag. Im engeren Sinn ist mit der Bezeichnung Herpes → Herpes simplex oder → Herpes zoster gemeint.


Herpesenzephalitis

Herpesenzephalitis, eine Enzephalitis aufgrund einer Infektion mit → Herpes-simplex-Viren, z. B. bei Patienten mit einer Störung der Immunabwehr.


Herpes genitalis

Herpes genitalis, Genitalherpes, Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2. Herpes genitalis äußert sich durch Bläschenbildung und starke Schmerzen im Bereich der Geschlechtsorgane. Die Übertragung der Erkrankung erfolgt durch Sexualkontakt, 10-30% der erwachsenen Bevölkerung sind infiziert, aber nur wenige erkranken manifest. Eine Übertragung von der Mutter auf das Kind im Mutterleib oder unter der Geburt kann zu einer lebensbedrohlichen Infektion des Neugeborenen führen. Die Behandlung des Herpes genitalis besteht bei schweren Schüben in intravenöser Aciclovir-Gabe, bei weniger schweren in der Einnahme von Aciclovir-Tabletten und bei leichten in der lokalen Anwendung von Aciclovir-haltigen Salben (auch → Aciclovir).


Herpes labialis

Herpes labialis, Fieberbläschen, Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus Typ 1. Nach dem ersten Kontakt mit dem Herpes simplex Typ 1 im Kindesalter verbleiben die Viren in den örtlichen Nervenganglien. Durch eine Schwächung des Immunsystems infolge anderer Infektionen, Fieber, Sonnenbestrahlung, hormoneller Veränderungen oder Stress können die Viren, die in den Nervenganglien quasi einen "Winterschlaf" halten, reaktiviert werden und einen akuten Herpes labialis auslösen. Die ersten Symptome sind Brennen und Spannen der Lippe an einer umschriebenen Stelle, an der es innerhalb von ein bis zwei Tagen zur Bildung von Bläschen kommt, die mit klarem Sekret gefüllt sind. Die Bläschen verschorfen später und heilen ohne Narbenbildung ab. Etwa 33% aller Menschen leiden unter wiederholtem Auftreten von Herpes labialis. Die Behandlung besteht in Aciclovir-haltigen Salben.


Herpessepsis

Herpessepsis, eine schwere Verlaufsform einer Infektion mit → Herpes-simplex-Viren bei Neugeborenen. Die Viren werden meistens unter der Geburt von der infizierten Mutter auf das Kind übertragen. Symptome sind Fieber, Bindehautentzündung, die Bildung von Bläschen auf der Haut und Gelbsucht. Die Behandlung besteht in der sofortigen Gabe von Aciclovir. Um eine Herpessepsis zu vermeiden, werden die ungeborenen Kinder von Schwangeren mit einer Herpes-simplex-Infektion per Kaiserschnitt entbunden.


Herpes simplex

Herpes simplex, → Herpes genitalis, → Herpes labialis.


Herpes-simplex-Virus

Herpes-simplex-Virus, Abk. HSV, Virus aus der Gruppe der → Herpesviren, das durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen übertragen wird. Man unterscheidet HSV-Typ 1 und Typ 2. Bei HSV 1 erfolgt die Ansteckung über Tröpfcheninfektion. Die Durchseuchung beginnt im Kindesalter, bei Erwachsenen sind mehr als 95% aller Personen infiziert. Die Erstinfektion mit HSV 1 verläuft meistens ohne Symptome, manchmal kann es auch zu einer → Stomatitis herpetica kommen. Danach verbleibt das Virus in den Nervenganglien, bis es reaktiviert wird und sich durch → Herpes labialis manifestiert. HSV 2-Infektionen werden sexuell oder auf dem Geburtsweg übertragen. 10-30% der Erwachsenen sind mit HSV 2 infiziert. Der Primärinfekt äußert sich bei Erwachsenen in einer äußerst schmerzhaften Entzündung der Genitalorgane mit Bläschenbildung, bei Neugeborenen kommt es zu schwersten generalisierten Infektionen. Die Reaktivierung des HSV-2-Infekts führt zum → Herpes genitalis. Die Behandlung bei Herpes simplex-Infektionen besteht in der Verabreichung der antiviral wirkenden Substanz Aciclovir, je nach Ausmaß der Erkrankung lokal oder systemisch.


Herpesvirus

Herpesvirus, Virus aus der Familie Herpesviren (DNS-Viren), zu der ca. 100 verschiedene Herpesviren gehören; für sieben davon ist der Mensch der natürliche Wirt. Dazu zählen das → Varicella-zoster-Virus, die → Herpes-simplex-Viren Typ 1 und 2, das → Epstein-Barr-Virus, das → Cytomegalie-Virus, das humane Herpesvirus 6 (Erreger des Dreitagefiebers, Exanthema subitum), das humane Herpesvirus 7 und das Kaposi-Sarkom-Herpesvirus, das bei der Entstehung von Non-Hodgkin-Lymphomen und von Kaposi-Sarkomen eine Rolle spielt. Herpesviren bleiben nach der Infektion in den Ganglien des menschlichen Nervensystems, ohne eine Krankheit auszulösen. Bei Störungen des Immunsystems werden sie reaktiviert und führen zu akuten Krankheitsbildern. Beispiele für solche sekundäre Virusinfektionen sind der → Herpes labialis und der → Herpes zoster.


Herpes zoster

Herpes zoster, Gürtelrose, Zoster, Reaktivierung bzw. erneute Infektion beim nicht ausreichend immunisierten Erwachsenen mit dem → Varicella-zoster-Virus. Die Erkrankung zeichnet sich durch heftige Schmerzen und Bläschenbildung in einem oder mehreren Dermatomen (meist einseitig) aus. Häufig kommt es auch zu Fieber, Appetitlosigkeit und Gliederschmerzen. Die nach durchgemachten Windpocken in den Spinalganglien verbleibenden Viren können vor allem beim immungeschwächten und älteren Menschen zu einem Rezidiv führen. Weitere Auslöser sind Stress und bösartige Tumoren. Die neuralgischen Schmerzen im Bereich des betroffenen Spinalganglions können sowohl vor als auch nach Abklingen der Bläschen bestehen (Zosterneuralgie). Am häufigsten tritt der Zoster im Bereich des Brustkorbs und im Lendenbereich auf, kann aber auch das Gesicht (Zoster ophthalmicus, Zoster oticus) oder bei sehr stark reduzierter Immunabwehr generalisiert die gesamte Haut, die inneren Organe und das Gehirn in Mitleidenschaft ziehen. Die Behandlung besteht je nach Ausmaß der Erkrankung in der lokalen bzw. systemischen Therapie mit Aciclovir.


Herz

Herz, Cor,
Erregungsleitungssystem
Das Erregungsleitungssystem führt seine Impulse bis zu den Muskelfasern der Herzkammern.
Bypass
Hier wurde ein Bypass zur Umgehung der verschlossenen Koronararterie mit Hilfe eines Venenimplantats angelegt.
Herz
Das Herz ist eine Pumpe, die aus vier Muskelkammern besteht. Die linke Herzhälfte pumpt sauerstoffreiches Blut, die rechte sauerstoffarmes Blut. Das sauerstoffreiche Blut gelangt durch die Lungenvenen in das Herz und verlässt es wieder über die Aorta. Das sauerstoffarme Blut wird über die untere und obere Hohlvene vom Herzen angesaugt und über die Lungenarterie in die Lunge gepumpt.
ein muskulöses Hohlorgan, das im Brustkorb hinter dem Brustbein zwischen den beiden Lungenflügeln auf dem Zwerchfell liegt. Das Herz hat die Aufgabe, durch koordinierte Kontraktion und Erschlaffung den Blutstrom aufrechtzuerhalten. Das Herz unterhält zwei Blutkreisläufe: den kleinen Lungen- und den großen Körperkreislauf. Physikalisch gesehen entspricht das Herz einer Saug-Druck-Pumpe, in der Ventile (die Herzklappen) die Strömungsrichtung bestimmen. Als Systole wird die Anspannungsphase mit Ausstrom des Blutes aus dem Herzen, als Diastole die Erschlaffung und Füllung des Hohlorgans bezeichnet. Die Herzmuskelschicht (Myokard) ist außen und innen von einer serösen Haut überzogen (Peri- und Epikard). Die innerste Herzschicht bildet die mehrschichtige Innenhaut (Endokard), aus der auch die Herzklappen hervorgehen. Durch Scheidewände ist das Herz vertikal in eine linke und rechte Herzhälfte, durch die Herzklappen (Trikuspidal- und Mitralklappe) horizontal nochmals in einen Vorhof bzw. eine Herzkammer unterteilt. Die Scheidewand, die die Vorhöfe voneinander trennt, wird als Vorhofseptum, die zwischen den Herzkammern liegende Scheidewand als Kammerseptum bezeichnet. Die Aorten- und Pulmonalklappe trennen die Herzkammern von der Ausflussbahn in die großen Gefäße. Der rechte Vorhof nimmt das sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf über die beiden Hohlvenen auf. Von der rechten Herzkammer wird es über die Pulmonalarterien in die Lungen gepumpt und mit Sauerstoff angereichert. Von den Lungen aus gelangt das Blut aus den beiden Lungenvenen in den linken Vorhof, dann in die linke Herzkammer, von dort aus wird es über die Hauptschlagader (Aorta) in den Körperkreislauf gepumpt. Für die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels sind die Koronararterien zuständig. Die Herzschlagfrequenz wird über das Erregungsleitungssystem gesteuert.


Herzachse

Herzachse, die räumliche Orientierung des Herzens im Brustkorb. Die anatomische Herzachse besteht in einer gedachten Verbindungslinie zwischen der Eintrittspforte der oberen Hohlvene cava superior und der Herzspitze. Die sog. elektrische Herzachse (Ventrikelachse) wird aus dem → Elektrokardiogramm ermittelt, indem man die QRS-Komplexe in den einzelnen Brustwand- und Extremitätenableitungen vergleicht; bei einem gesunden Herzen stimmen die beiden Herzachsen weitgehend überein.


Herzanfall

Herzanfall, Herzattacke, Bezeichnung für akut einsetzende, heftige Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot oder Herzklopfen aufgrund einer beeinträchtigten Herzfunktion im Rahmen einer → Angina pectoris, →  Herzrhythmusstörungen oder eines → Myokardinfarkts.


Herzasthma

Herzasthma, → Asthma cardiale.


Herzattacke

Herzattacke, → Herzanfall.


Herzauskultation

Herzauskultation, das Abhören der Herztöne bzw. -geräusche mit dem Stethoskop. Klassisch wird bei der Herzauskultation an fünf Stellen auskultiert: an den Projektionsstellen der vier Herzklappen und über dem → Erb-Punkt. Durch eine Herzauskultation können unregelmäßige Herzaktionen, Herzgeräusche aufgrund von z. B. Herzklappendefekten, Septumdefekten und veränderte oder pathologische Herztöne festgestellt werden.


Herzautomatismus

Herzautomatismus, die automatische, von äußeren Einwirkungen unabhängige Erregungsbildung im Herz. Der normale Herzrhythmus ist ein Sinusrhythmus mit durchschnittlich 70 Herzschlägen pro Minute.


Herzbeschwerden

Herzbeschwerden, subjektive Beschwerden infolge einer gestörten Herzfunktion, z. B. Herzstolpern, Herzrasen, Schmerzen oder Engegefühl in der Brust. Bei Sauerstoffmangel des Herzmuskels strahlen die Schmerzen in den linken Arm, den Hals oder den Rücken aus. Unter funktionellen Herzbeschwerden versteht man psychosomatisch bedingte Beschwerden ohne organische Störung.


Herzbeutel

Herzbeutel, → Perikard.


Herzbeutelentzündung

Herzbeutelentzündung, → Perikarditis.


Herzbeuteltamponade

Herzbeuteltamponade, Herztamponade, eine Flüssigkeitsansammlung im Perikard, die von außen Druck auf das Herz ausübt, so dass die Kammern sich nicht ausreichend füllen können. Meist liegt einer Herzbeuteltamponade eine Blutansammlung zugrunde, z. B. nach einem Herzinfarkt oder infolge eines Unfalls. Durch die Behinderung der diastolischen Herzerschlaffung mit vermindertem Bluteinstrom ins Herz kommt es zu einer Einflussstauung vor dem rechten Herzen und zu einem verminderten Blutauswurf aus dem Herzen. Zu den klinischen Zeichen gehören vor allem Tachykardie, Atemnot und Blutdruckabfall bis hin zum Schock. Im EKG sieht man typische Veränderungen (Niedervoltage). Die Behandlung besteht in einer Perikardpunktion.


Herzblock

Herzblock, eine Störung der Erregungsausbreitung im Herzen mit der Folge von Herzrhytmusstörungen. Als Ursachen kommen eine koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, medikamentöse Nebenwirkungen, Myokarditis, Verletzungen, Elektrolytstörung (v. a. stark erhöhte Kaliumspiegel) u. a. in Betracht. Zur Abklärung wird ein EKG bzw. ein Langzeit-EKG abgeleitet. Je nach Lokalisation der Störung unterscheidet man:1. Sinuatrialer Block, gestörte Erregungsleitung vom Sinusknoten zur Vorhofmuskulatur. 2. Atrioventrikulärer Block (AV-Block), gestörte Erregungsleitung vom Vorhof zu den Herzkammern. 3. Intraventrikulärer Block (Schenkelblock), gestörte Reizleitung in den Herzkammern. Der Schenkelblock wird nach den jeweiligen EKG-Befunden unterteilt in Rechtsschenkelblock oder Linksschenkelblock. Der Schweregrad der unterschiedlichen Blockierungen reicht von einer verzögerten Erregungsleitung über eine intermittierende Leitungsunterbrechung bis zur vollständigen Blockierung (1.-3. Grades). Die Therapie richtet sich nach dem Grad und der Art der Blockierung und reicht vom Absetzen der dafür verantwortlichen Medikamente über die Gabe von Antiarrhythmika bis zum Einsetzen eines Herzschrittmachers.


Herzchirurgie

Herzchirurgie, Spezialgebiet der Thoraxchirurgie für operative Eingriffe am Herzen. In der Herzchirurgie werden u. a. Schrittmacher implantiert, Herzfehler und Herzgefäßanomalien korrigiert, defekte Herzklappen rekonstruiert oder ersetzt, Bypassoperationen und Herztransplantationen vorgenommen. Wichtig für Operationen am Herzen ist die Aufrechterhaltung des Blutkreislaufs für die anderen Organe des Körpers mittels der → Herz-Lungen-Maschine.


Herzdämpfung

Herzdämpfung, ein Phänomen, das bei der Perkussion (Abklopfen) des Brustkorbs hörbar wird: Über dem Herzen ist der Schall gedämpft. Mithilfe der Herzdämpfung lässt sich die Größe des Herzens perkutorisch ungefähr feststellen.


Herzdiagnostik

Herzdiagnostik, Herzuntersuchung, die Gesamtheit der Verfahren, die zur Abklärung von Herzkrankheiten eingesetzt werden. Dazu gehören u. a. die Auskultation (Abhören), Perkussion (Abklopfen)und Palpation (Abtasten) des Herzens, Röntgenaufnahmen des Thorax, Elektrokardiogramm, Echokardiogramm, Angiographie der Herzkranzgefäße sowie Myokard-Szintigrafien und Magnetresonanzaufnahmen des Herzens.


Herzdilatation

Herzdilatation, Erweiterung der Herzinnenräume und damit Vergrößerung des ganzen Herzens, z. B. bei Sportlern. Eine krankhafte Herzdilatation, z. B. infolge einer Herzklappenschwäche, kann zu einer Herzinsuffizienz führen.


Herzenge

Herzenge, → Angina pectoris.


Herzentzündung

Herzentzündung, eine Entzündung der verschiedenen Strukturen des Herzens. Man unterscheidet eine Entzündung des Herzmuskels (→ Myokarditis), eine Entzündung der Herzinnenhaut (→ Endokarditis) und eine Entzündung des Herzbeutels (→ Perikarditis).


Herzerkrankung, koronare

Herzerkrankung, koronare, koronare → Herzkrankheit.


Herzfehler

Herzfehler, Herzvitium, angeborene oder erworbene Fehlbildung des Herzens oder der großen Herzgefäße. Je nach Ausprägung kann ein angeborener Herzfehler ohne Symptome bleiben, zu schwachen oder starken Beschwerden (z. B. Zyanose, Atemnot) oder zum baldigen Tod des Neugeborenen führen. Viele angeborene Herzfehler lassen sich bereits bei Säuglingen operieren. Zu den häufigsten angeborenen Defekten gehören der Ventrikelseptumdefekt, der Vorhofseptumdefekt, eine Pulmonalstenose und eine Fallot-Tetralogie. Erworbene Herzfehler betreffen meist Veränderungen an den Herzklappen mit unvollständigem Schluss oder einer Verengung, z. B. eine → Aortenstenose oder eine →  Mitralklappeninsuffizienz.


Herzfehlerzellen

Herzfehlerzellen, pigmentierte Zellen im Auswurf herzkranker Patienten. Aufgrund einer Herzerkrankung (meist Mitralklappenfehler) kommt es zur Lungenstauung mit Blutaustritt in die Lungenbläschen. Das Hämosiderin aus zerfallenen roten Blutkörperchen wird von den Makrophagen der Lungenbläschen aufgenommen. Die abgeschilferten Zellen sind im Auswurf nach Berliner-Blau-Färbung nachweisbar.


Herzflattern

Herzflattern, → Kammerflattern, → Vorhofflattern.


Herzflimmern

Herzflimmern, → Kammerflimmern, → Vorhofflimmern.


Herzfrequenz

Herzfrequenz,
Herzfrequenz
Die Steuerung der Herzfrequenz erfolgt durch das vegetative Nervensystem. Die Befehle gehen vom Hypothalamus aus über bestimmte Nerven an den Herzmuskel. Nervenendigungen im Herzmuskel sorgen für eine korrekte Schlagfolge.
Anzahl der Herzaktionen pro Minute. Die durchschnittliche Herzfrequenz beim Erwachsenen beträgt 60-80 Schläge pro Minute, beim Kleinkind im Mittel 100-140 Schläge pro Minute. Bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung kann die Herzfrequenz stark ansteigen. Nicht immer stimmt die Herzfrequenz mit der Pulsfrequenz überein (Pulsdefizit), z. B. wenn die Kontraktionen des Herzens zu schwach sind, um als Puls in der Peripherie tastbar zu sein.


Herzgeräusch

Herzgeräusch, zusätzliches Geräusch, das bei der Herzauskultation zwischen den normalen Herztönen auffällt. Herzgeräusche sprechen für einen veränderten Blutfluss im Herzen, z. B. bei Herzklappenveränderungen oder Defekten in der Herzscheidewand. Je nach Klang und Lokalisation des Herzgeräusches kann der Arzt auf die Veränderungen im Herzen rückschließen.


Herzgespann

Herzgespann, Leonurus cardiaca, eine Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Das Kraut hat eine krampflösende und beruhigende Wirkung. Zubereitungen von Herzgespann werden zur Behandlung von nervösen Herzbeschwerden eingesetzt.


Herzglykosid

Herzglykosid, → Digitalisglykosid.


Herzhypertrophie

Herzhypertrophie, eine Herzvergrößerung mit Zunahme des Herzgewichts. Eine Herzhypertrophie wird durch chronische Mehrbelastung des Herzens hervorgerufen, z. B. bei Herzklappenfehlern oder länger bestehendem Bluthochdruck hervorgerufen. Sie entsteht durch Vergrößerung der Herzmuskelzellen.


Herzinfarkt

Herzinfarkt, → Myokardinfarkt.


Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz, Herzschwäche, akut oder chronisch verminderte Förderleistung des Herzens, die nicht mehr durch Kompensationsmechanismen wie eine erhöhte Herzfrequenz ausgeglichen werden können. Die Herzmuskelschwäche kann nur eine Herzhälfte (→ Linksherzinsuffizienz oder → Rechtsherzinsuffizienz) oder das gesamte Herz (Globalinsuffizienz) betreffen. Je nach Ausmaß und Schwere der Herzinsuffizienz treten Leistungsminderung, Schwindel, Atemnot, Lungenödem, Beinödeme, schmerzhafte Lebervergrößerung, Magenbeschwerden, nächtliches Wasserlassen und Nierenschäden auf. Bei der akuten Herzinsuffizienz kommt es zum plötzlichen Herzversagen mit Schocksymptomatik (kardialer Schock). Man unterscheidet eine Herzinsuffizienz, die bei Belastung auftritt (Belastungsinsuffizienz), und eine, die bereits im Ruhezustand vorhanden ist (Ruheinsuffizienz). Die Einteilung in vier Stadien erfolgt nach den Kriterien der NYHA (New York Heart Association). Stadium I: Beschwerdefreiheit und noch normale körperliche Belastbarkeit. Stadium II: eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei mittlerer körperlicher Belastung; Stadium III: deutliche Leistungseinschränkung bereits bei leichter Belastung. Stadium IV: Ruheinsuffizienz. Eine Herzinsuffizienz entwickelt sich als Folge eines Herzinfarkts, einer Myokarditis, eines langfristigen und unbefriedigend eingestellten Bluthochdrucks, aufgrund von Herzfehlern oder Herzrhythmusstörungen. Die Behandlung erfolgt je nach Ausmaß und Ursache der Herzinsuffizienz und umfasst kochsalzarme Ernährung und ausschwemmende Medikamente neben spezifisch auf den Herzmuskel wirkenden Präparaten (→ ACE-Hemmer, → Digitalisglykosid, → Nitroglycerin). Bei einer schweren Herzinsuffizienz ist unter Umständen eine Herztransplantation erforderlich.


Herzjagen

Herzjagen, → Tachykardie.


Herzkammer

Herzkammer, → Ventrikel.


Herzkatheter

Herzkatheter, ein schlauchförmiges, röntgenkontrastgebendes Instrument, das über die großen Blutgefäße bis zum Herzen vorgeschoben vorgeschoben wird. Das Einlegen des Herzkatheters erfolgt unter Röntgenkontrolle. Über das Katheterlumen können Kontrastmittel zur Röntgendiagnostik oder Medikamente, z. B. zum Auflösen eines frischen Blutgerinnsels, in die Herzkranzgefäße gegeben werden. Mit Hilfe von über den Herzkatheter eingeführten Instrumenten werden auch Eingriffe am Herzen vorgenommen, z. B. die Aufsprengung von verengten Herzklappen oder die Aufdehnung verengter Herzkranzgefäße (→ PTCA).


Herzkatheterisierung

Herzkatheterisierung, Untersuchung des Herzens bzw. therapeutischen Maßnahme mittels → Herzkatheter.


Herzklappe

Herzklappe, Valva,
Segelklappe
Die Herzklappen haben eine wichtige Aufgabe im Blutkreislauf. Sie sorgen dafür, dass das Blut immer nur in einer Richtung durch das Herz gepumpt wird, indem sie ein Zurückfließen unmöglich machen. Zu Beginn der Kammerkontraktion verhindern die Sehnenfäden der Segelklappen ein Zurückschlagen der Segel unter dem Druck des Bluts in der Herzkammer.
eine der vier Klappen im Herzen mit Ventilfunktion. Man unterscheidet zwei Segelklappen, die → Mitralklappe und die → Trikuspidalklappe, und zwei Taschenklappen, die → Pulmonalklappe und die → Aortenklappe. Die Mitralklappe besteht aus zwei "Segeln" und bildet die Trennung zwischen linkem Vorhof und linker Kammer. Die Trikuspidalklappe besteht aus drei "Segeln" und trennt den rechten Vorhof und die rechte Kammer. Beide Klappen verhindern, dass das Blut während der Systole in die Vorhöfe zurückfließt. Die beiden Taschenklappen sind aus drei halbmondförmigen Taschen zusammengesetzt. Sie haben die Aufgabe, während der Diastole den Rückstrom des Blutes in die Kammern zu verhindern. Die Pulmonalklappe sitzt zwischen der rechten Herzkammer und dem Beginn der Pulmonalarterie, die Aortenklappe zwischen der linken Herzkammer und dem Beginn der Aorta.


Herzklappe, künstliche

Herzklappe, künstliche, → Herzklappenprothese, → Valvuloplastik.


Herzklappenfehler

Herzklappenfehler, angeborener oder aufgrund von meist entzündlichen Erkrankungen ( → Endokarditis) erworbener Defekt einer Herzklappe. Herzklappenfehler führen entweder zu einer Verengung (Klappenstenose) oder zu einem unzureichenden Klappenschluss (Klappeninsuffizienz) der betroffenen Herzklappe. Bei einem kombinierten Herzklappenfehler liegt sowohl eine Stenose als auch eine Insuffizienz der Herzklappe vor.


Herzklappeninsuffizienz

Herzklappeninsuffizienz, → Klappeninsuffizienz.


Herzklappenplastik

Herzklappenplastik, → Valvuloplastik.


Herzklappenprothese

Herzklappenprothese, künstliche Herzklappe, Ersatz einer krankhaft veränderten Herzklappe durch eine künstliche (Alloprothese) oder eine Bioprothese. Bei den Bioprothesen unterscheidet man die homologe (von einem menschlichen Spender) und die xenologe (von Schweinen oder Rindern). Künstliche Herzklappen halten ca. 25 Jahre, Bioprothesen nur zehn bis 15 Jahre. Eine Herzklappenprothese entspricht in ihrem Aufbau einem Ventil. Man unterscheidet Kugelventilprothesen, Scheibenprothesen und Kippscheibenprothesen. Patienten mit Kunststoffprothesen müssen lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, um eine Thrombenbildung an der Herzklappenprothese zu verhindern. Nach Transplantation einer Bioprothese ist nur eine kurzfristige Gerinnungshemmung erforderlich. Auch → Valvuloplastik.


Herzklappensprengung

Herzklappensprengung, die Eröffnung bzw. Erweiterung einer verengten Herzklappe (Herzklappenstenose) mittels eines Ballons, der an einem Katheter in das entsprechende Gefäß eingeführt und dann durch die verengte Klappe gezogen wird, vor allem bei Aorten- und Pulmonalisstenose.


Herzklappenstenose

Herzklappenstenose, die angeborene oder durch eine Erkrankung erworbene Verengung einer Herzklappe, die sich nicht mehr vollständig öffnen kann. Um den Kreislauf aufrecht zu erhalten, muss der Herzmuskel - vor allem der linke Ventrikel bei einer Aortenstenose - verstärkt arbeiten, wird also stärker belastet. Die Behandlung besteht entweder in einer → Herzklappensprengung oder in einem operativen Herzklappenersatz. → Herzklappenprothese.


Herzklopfen

Herzklopfen, → Palpitation.


Herzkrankheit, koronare

Herzkrankheit, koronare, Abk. KHK, CAD, alle akuten und chronischen Herzerkrankungen, die auf einer Verengung oder auf einem Verschluss eines oder mehrerer Äste der Koronararterien beruhen, zumeist aufgrund einer → Arteriosklerose. Die daraus resultierende Sauerstoffunterversorgung des Herzmuskelgewebes führt bereits bei geringer Belastung zu einem Engegefühl (→ Angina pectoris) mit Schmerzen in der Brustmitte, das bei entsprechenden Gegenmaßnahmen (Nitro-Spray) nur wenige Minuten andauert. Beim → Myokardinfarkt hingegen tritt plötzlich ein vernichtender Schmerz in der Brustmitte mit Ausstrahlung vor allem in den linken Arm und den Hals auf, der unbehandelt über Stunden anhält. Die Ursache ist der Verschluss eines Koronararterienastes mit nachfolgendem Gewebeuntergang. Je nach Größe und Lage des Myokardinfarkts entwickeln sich gefährliche →  Herzrhythmusstörungen oder eine → Herzinsuffizienz.


Herzkranzgefäß

Herzkranzgefäß, → Koronararterie.


Herz-Kreislauf-Erkrankung

Herz-Kreislauf-Erkrankung, Oberbegriff für alle Erkrankungen, die mit einer gestörten Herz- oder Blutkreislauffunktion einhergehen, z. B. Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Bluthochdruck.


Herz-Kreislauf-Stillstand

Herz-Kreislauf-Stillstand, → Herzstillstand.


Herz-Lungen-Maschine

Herz-Lungen-Maschine, Gerät, das in der Herzchirurgie eingesetzt wird, um vorübergehend die Herz- und Lungenfunktion des Patienten zu ersetzen. Dabei wird das Blut des Patienten aus der oberen Hohlvene in das Gerät abgeleitet, im Oxygenator mit Sauerstoff angereichert bei gleichzeitiger CO2 -Eliminierung und anschließend dem Patienten über ein großes arterielles Gefäß wieder zugeführt.


Herz-Lungen-Transplantation

Herz-Lungen-Transplantation, Einpflanzung von Herz und Lunge eines hirntoten Spenders in die Brusthöhle eines Empfängers. Der Eingriff wird bei schweren, medikamentös oder operativ nicht behandelbaren, kombinierten Herz-Lungen-Erkrankungen durchgeführt. Auch → Herztransplantation, → Transplantation.


Herzmassage

Herzmassage, Wiederbelebungsmaßnahme zur Wiederherstellung der Herzaktionen bei akutem Kreislaufstillstand. Dazu wird ein Handballen bei einem Erwachsenen ca. 60 mal pro Minute rhythmisch gegen das untere Brustbeindrittel gepresst. Der Druck wird durch die andere Hand unterstützt. Bei Kleinkindern und Säuglingen erfolgt die Herzmassage in der Brustbeinmitte mit den Fingern ca. 100 bis 120 mal pro Minute. Die Herzmassage ist Teil der kardiopulmonalen → Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand.


Herzminutenvolumen

Herzminutenvolumen, Abk. HMV, das Blutvolumen, das vom Herzen pro Minute ausgeworfen wird. Beim ruhenden Gesunden beträgt das Herzminutenvolumen ca. 4,5 bis 5 Liter. Das Herzminutenvolumen berechnet sich aus der Herzfrequenz multipliziert mit der pro Herzschlag ausgeworfenen Blutmenge.


Herzmuskel

Herzmuskel, → Myokard.


Herzneurose

Herzneurose, psychische Erkrankung, die mit Herzrasen und Angst vor einem Herzstillstand oder einem Herzinfarkt einhergeht, obwohl keine krankhaften Veränderungen am Herzen vorliegen. Eine Herzneurose ist oft Bestandteil einer psychischen Erkrankung, z. B. einer Angsterkrankung.


Herzpflanze

Herzpflanze, → Cardiospermum.


Herzrhythmusstörung

Herzrhythmusstörung, Erregungsleitungsstörung, krankhafte Abweichung der von der Norm hinsichtlich der Häufigkeit bzw. Regelmäßigkeit. Die Ursache einer Herzrhythmusstörung liegt in einer gestörten Reizbildung oder Erregungsleitung im → Erregungsleitungssystem des Herzens. Die Diagnose einer Herzrhythmusstörung wird mittels → EKG gestellt. Mögliche Ursachen für die gestörte Reizbildung bzw. -leitung im Herzen sind Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, Myokarditis oder eine direkte Störung im Erregungsleitungssystem (z. B. → Sick-Sinus-Syndrom). Eine Herzrhythmusstörung kann auch durch die Überdosierung von Medikamenten, Alkohol oder Nikotin, durch einen pathologisch verändertem Kaliumspiegel im Blut durch Schilddrüsenfunktionsstörungen hervorgerufen werden. Je nach Herzfrequenz werden verlangsamte (bradykarde) und beschleunigte (tachykarde) Herzrhythmusstörungen unterschieden.


Herzrhythmusstörung, bradykarde

Herzrhythmusstörung, bradykarde, Herzrhythmusstörung mit einer Herzfrequenz von weniger als 60 Schlägen pro Minute mit oder ohne Unregelmäßigkeit in der Schlagfolge. Die bradykarde Herzrhythmusstörung kann geht mit Schwindel, Bewusstseinsverlust oder auch mit Zeichen einer → Herzinsuffizienz einher. Die Behandlung einer akuten bradykarden Herzrhythmusstörung besteht in der Gabe von → Atropin, zur Dauertherapie werden vor allem Herzschrittmacher eingesetzt. Bei Sportlern und Personen mit einer erhöhten vagalen Aktivität können ebenfalls Herzfrequenzen von weniger als 60 Schlägen pro Minute auftreten. Bei diesen Personen hat die Bradykardie keinen Krankheitswert.


Herzrhythmusstörung, tachykarde

Herzrhythmusstörung, tachykarde, Herzrhythmusstörung mit einer Herzfrequenz über 100 Schlägen pro Minute mit oder ohne Unregelmäßigkeit in der Schlagfolge. Symptome einer tachykarden Herzrhythmusstörung sind Herzjagen, Schwindel und Bewusstseinsverlust bis hin zum Herzstillstand sein. Mit Hilfe des → EKG wird die Reizbildungs- bzw. Reizleitungsstörung im Herzen genauer untersucht. Erst dann ist eine entsprechende Therapie möglich. Zu den tachykarden Herzrhythmusstörungen zählen u. a. die → Sinustachykardie, die tachykarde Herzrhythmusstörung bei → Vorhofflimmern oder → Vorhofflattern, die Kammertachykardie und das → Kammerflimmern.


Herzruptur

Herzruptur, Riss in der Herzwand nach Verletzungen oder Schädigung der Herzwand durch ein Aneurysma der Herzwand oder eine Herzmuskelerweichung (Myomalazie).


Herzschlag

Herzschlag, eine Herzaktion.


Herzschlag

Herzschlag, der akute → Herztod.


Herzschlag

Herzschlag, → Herzton.


Herzschmerz

Herzschmerz, bei einer Minderdurchblutung des Herzens auftretender, drückender oder brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der anfallsweise (→ Angina pectoris) oder - z. B. bei einem Herzinfarkt - längerfristig auftritt und vor allem in den linken Arm, den Unterkiefer, den Hals oder den Rücken ausstrahlt. Im weiteren Sinn zählen zu Herzschmerzen auch subjektive Beschwerden ohne organische Ursache (→ Herzneurose).


Herzschrittmacher

Herzschrittmacher, körpereigener Herzschrittmacher: → Erregungsleitungssystem.


Herzschrittmacher

Herzschrittmacher,
Herzschrittmacher
Über eine große Vene werden die Elektroden des Herzschrittmachers in das Herz geführt.
künstlicher Herzschrittmacher: Pacemaker, Schrittmacher, ein elektronischer Impulsgenerator, der zur Elektrostimulation des Herzmuskels eingesetzt wird, vor allem bei Herzrhythmusstörungen mit zu geringer Herzfrequenz (→  Herzrhythmusstörungen, bradykarde). Zur vorübergehenden Schrittmachertherapie kann ein externer Schrittmacher verwendet werden, der die Impulse über äußerlich angebrachte Elektroden auf das Herz überträgt. Interne, dauerhafte Schrittmacher sind kleine, batteriebetriebene Generatoren, die ins Unterhautfettgewebe eingepflanzt werden. Sie sind mit Elektroden verbunden, die über eine große Vene zum Herzen führen und dort verankert sind. Der Impuls wird vom Generator über die Elektrode an den Herzmuskel übertragen und löst so eine Herzaktion aus. Es gibt Herzschrittmacher, die eine konstante Herzfrequenz (Festfrequenz-Herzschrittmacher) induzieren und solche, die sich nach der Reizbildung im Herzmuskel richten (→ Demand-Schrittmacher). Auch →  Schrittmacherimplantation.


Herzschwäche

Herzschwäche, → Herzinsuffizienz.


Herzschwiele

Herzschwiele, die Narbe im Herzmuskel, die sich nach einem Herzinfarkt bildet.


Herzspitze

Herzspitze, anatomischer Begriff für einen Teil des Herzens. Das Herz ist oben breiter und läuft nach unten in der abgerundeten Spitze aus, die bei natürlicher Lage des Herzens im Brustkorb nach links, vorn und unten zeigt.


Herzspitzenstoß

Herzspitzenstoß, tastbarer, zum Teil sogar sichtbarer Stoß an der Brustkorbwand im vierten bis fünften Zwischenrippenraum links. Ausgelöst wird der Herzspitzenstoß durch ein Anstoßen der Herzspitze an der Brustwand bei den Herzaktionen.


Herzstillstand

Herzstillstand, Herz-Kreislauf-Stillstand, akutes Herzversagen durch Ausbleiben der Herzaktionen (Asystolie) bzw. Auftreten von → Kammerflimmern. Ein Herzstillstand geht mit plötzlicher Bewusstlosigkeit, Pulslosigkeit, Atemstillstand, Blässe, bläulicher Verfärbung der Lippen sowie weiten, reaktionslosen Pupillen einher. Zum Herzstillstand kommt es u. a. bei ausgedehntem Herzinfarkt, Vergiftungen, Stromschlag oder einer → Herzbeuteltamponade. Bei Vorliegen eines Herzstillstands muss sofort mit einer → kardiopulmonalen Reanimation begonnen werden, ansonsten tritt nach wenigen Minuten der Tod ein.


Herzstolpern

Herzstolpern, subjektives Empfinden von unregelmäßigen Herzaktionen, meist im Zusammenhang mit dem Auftreten von → Extrasystolen.


Herzstromkurve

Herzstromkurve, → Elektrokardiogramm (EKG).


Herzszintigrafie

Herzszintigrafie, Szintigrafie mit entsprechenden für die Diagnostik am Herzen geeigneten Radioisotopen. Je nach Fragestellung wird eine → Myokardszintigrafie oder eine → Ventrikelszintigrafie durchgeführt. Auch → Szintigrafie.


Herztamponade

Herztamponade, → Herzbeuteltamponade.


Herztod

Herztod, Herzversagen, Tod durch Herzversagen, z. B. ein Herzinfarkt, Kammerflimmern oder Asystolie. Auch akuter → Herztod.


Herztod, akuter

Herztod, akuter, Herzschlag, Sekundenherztod, plötzlich eintretender Tod durch akutes Herzversagen, z. B. infolge Kammerflimmern, Kammerflattern, hochgradigen Erregungsleitungsstörungen oder einer Asystolie bei vorbestehender koronarer Herzkrankheit oder reflektorisch ausgelöst bei Badeunfällen. Auch koronare → Herzkrankheit.


Herzton

Herzton, Abk. HT, kurze Schallerscheinung, die aufgrund der Schwingungen der Herzklappen entsteht. Einer Herzaktion lassen sich grundsätzlich zwei Herztöne zuordnen. Der erste Herzton entsteht vor allem durch Schluss der Mitral- und Trikuspidalklappe und ist am besten über der Herzspitze zu hören. Der zweite Herzton ist der Schlusston der Aorten- und Pulmonalklappe. Er kann physiologisch gedoppelt sein und ist am besten über der Herzbasis zu hören. Im Kindesalter sind manchmal noch ein dritter und vierter Herzton zu hören, denen kein Krankheitswert zukommt. Die → Auskultation der Herztöne gehört zu jeder ärztlichen Untersuchung des Thorax.


Herztransplantation

Herztransplantation, die operative Einpflanzung eines gesunden Herzens von einem hirntoten Spender bei einem Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz. Man unterscheidet die orthotope Herztransplantation, bei der das gesunde Herz an die Stelle des zuvor entnommenen, kranken Organs eingepflanzt wird, und die heterotope Herztransplantation, bei der das Spenderherz zusätzlich zum eigenen Herz in die Brusthöhle implantiert wird (Huckepackherz) Nach einer Herztransplantation müssen die Patienten zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion lebenslang immunsuppressive Substanzen einnehmen.


Herztumor

Herztumor, eine gutartige oder bösartige Geschwulst, die sich im Herzen bildet. Primäre Herztumoren sind sehr selten. In drei Vierteln der Fälle handelt es sich um gutartige Tumoren wie Myxome, Lipome oder Fibrome. Häufiger findet man im Herzen Metastasen von bösartigen Geschwülsten anderer Organe (z. B. eines Mammakarzinoms oder von Lungentumoren). Ein Herztumor kann Herzrhythmusstörungen oder eine Störung des Blutflusses mit entsprechenden Symptomen verursachen.


Herzuntersuchung

Herzuntersuchung, → Herzdiagnostik.


Herzverfettung

Herzverfettung, ungenaue Bezeichnung für die An- oder Einlagerung von Fett im Herzbereich infolge unterschiedlicher Erkrankungen. Auch → Fettherz.


Herzversagen

Herzversagen, → Herzinsuffizienz, → Herztod.


Herzvitium

Herzvitium, → Herzfehler.


Herzvolumen

Herzvolumen, der Rauminhalt des normalen Herzens. Das durchschnittliche Herzvolumen beträgt 650 bis 800 Milliliter, bei Sportlern etwa 700 bis 900 Milliliter.


Herzwandaneurysma

Herzwandaneurysma, eine Aussackung aus der Herzwand. Ein Herzwandaneurysma behindert die Beweglichkeit und die Aktionen des Herzens. Außerdem staut sich in einem Herzwandaneurysma das Blut und es besteht die Gefahr, dass sich eine Thrombose bildet, die mit dem Blutstrom verschleppt wird (Embolie). Ein Herzwandaneurysma entsteht häufig nach einem Herzinfarkt an der Stelle des Narbengewebes.


Herzwiederbelebung

Herzwiederbelebung, Maßnahmen, die bei Herzstillstand die Herztätigkeit wieder in Gang bringen sollen, z. B. die → Herzmassage oder die → Defibrillation. Auch → Reanimation.


hetero...

hetero..., Wortteil mit der Bedeutung andersartig, verschieden.


Heterodontie

Heterodontie, ein Gebiss, das aus verschiedenartigen Zähnen besteht, z. B. das Gebiss des Menschen.


heterogen

heterogen, verschiedenartig, uneinheitlich, im Gegensatz zu → homogen.


heterolog

heterolog, abweichend, nicht übereinstimmend, nicht von der gleichen Art stammend.


Heterophorie

Heterophorie, ein latentes Schielen, das durch Kompensation nicht zu Doppelbildern führt. Wenn eine Heterophorie zu Beschwerden führt (z. B. Kopfschmerzen durch dauernde Überanstrengung der Augen), kann eine Prismenbrille Abhilfe schaffen.


Heterosexualität

Heterosexualität, sexuelles Interesse am anderen Geschlecht.


heterozygot

heterozygot, mischerbig; bezogen auf die Erbanlagen von Zellen oder Individuen, die von ihrer Elterngeneration bezüglich eines Gens unterschiedliche Allele erbten. Der Gegensatz zu heterozygot ist homozygot.


Heublumen

Heublumen, Blüten, Früchte und andere Teile von Gräsern. Aus Heublumen werden ätherische Öle gewonnen, die durchblutungsfördernd und muskelentspannend wirken, z. B. als Heublumenbad bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und als Heublumensack, einer heißen Packung mit gedämpften Heublumen bei Muskelschmerzen.


Heufieber

Heufieber, → Heuschnupfen.


Heuschnupfen

Heuschnupfen, Pollinosis, Heufieber, eine allergische Erkrankung, die auf einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen verschiedene Pollensorten beruht. Vor allem in den Monaten Mai und Juni während des Pollenflugs leiden die Betroffenen unter Beschwerden wie Niesattacken, vermehrter, wässriger Sekretion und Schleimhautschwellung der Nase, juckende Entzündung der Augenbindehaut und in schweren Fällen unter Asthma, manchmal begleitet von Fieber. Die Behandlung besteht im akuten Stadium vor allem in der Anwendung von → Antihistaminika oder → Corticosteroiden. Zur Vorbeugung können auch Mastzellstabilisatoren eingesetzt werden.


HEV

HEV, → Hepatitis-E-Virus.


Hexenmilch

Hexenmilch, eine harmlose, durch die mütterlichen Hormone bedingte, milchähnliche Absonderung aus den Brustdrüsen Neugeborener.


Hexenschuss

Hexenschuss, → Lumbago.


Hg

Hg, chemisches Symbol für Quecksilber.


HGH

HGH, Abk. für Human Growth Hormone, → Somatotropin.


HHL

HHL, Abk. für → Hypophysenhinterlappen.


HHL

HHL, Abk. für → Hinterhauptslage.


Hiatus

Hiatus, Spalt, Öffnung, z. B. der Hiatus oesophageus, Öffnung im Zwerchfell für den Durchtritt der Speiseröhre.


Hiatushernie

Hiatushernie, Zwerchfellhernie, ein Zwerchfellbruch, durch den Magenteile durch das Zwerchfell in den Brustkorb gleiten. Der Bruch schiebt sich durch den Hiatus oesophageus, die Durchtrittsstelle für die Speiseröhre und den paarigen zehnten Hirnnerven. Die Hiatushernie kann angeboren sein oder im Zuge einer allmählichen Erweiterung des Hiatus oesophageus entstehen. Häufig verursacht eine Hiatushernie keine Symptome und verläuft unbemerkt. Je nach Ausmaß kann es aber zu Sodbrennen infolge eines Aufstoßens von Mageninhalt (Reflux), zu Schluckstörungen, Schmerzen hinter dem Brustbein oder Atemnot kommen, komplizierend auch zu einer Entzündung der Speiseröhre durch den Rückfluss des sauren Magensaftes in die Speiseröhre (→ Refluxösophagitis). In ausgeprägten Fällen wird der Bruchinhalt eingeklemmt, so dass Magengewebe infolge Durchblutungsmangels untergeht. Die Therapie besteht bei leichten Formen in der diätetischen und medikamentösen Behandlung der Refluxösophagitis. In schweren Fällen ist eine operative Korrektur mit Zurückdrücken des Magens in den Bauchraum und Fixation an der Bauchwand erforderlich.


Hibiskus

Hibiskus, Hibiscus sabdariffa, eine Pflanze aus der Familie der Malvengewächse. Tee oder Aufgüsse aus Hibiskusblüten werden zur Behandlung von Erkältungen, Infektionen der Atemwege und Appetitlosigkeit eingesetzt.


hidr...

hidr..., Wortteil mit der Bedeutung Schweiß.


Hidradenitis

Hidradenitis, Schweißdrüsenentzündung, Schweißdrüsenabszess, eine vor allem bei Männern auftretende, tief greifende, eitrige Staphylokokkeninfektion der großen Schweißdrüsen, meist in der Achselhöhle, seltener im Anal- oder Genitalbereich, die häufig chronisch verläuft. Bei abwehrgeschwächten Säuglingen kommt eine Hidradenitis der kleinen Schweißdrüsen vor, die den ganzen Körper, bevorzugt jedoch Nacken und Rücken befällt. Auch → Abszess.


Hidrosis

Hidrosis, Schweißabsonderung, schwitzen.


Hidrotikum

Hidrotikum, schweißtreibendes Mittel, wirkt über den Parasympathikus.


High-Density Lipoprotein

High-Density Lipoprotein, Abk. HDL, ein → Lipoprotein mit hoher Dichte.


Hildegard-Medizin

Hildegard-Medizin, komplementärmedizinische Heilmethoden und Heilmittel, die unter Berufung auf die Überlieferungen der Hildegard von Bingen eingesetzt bzw. angewendet werden, z. B. Edelsteintherapie oder bestimmte Ernährungsformen. Die Hildegard-Medizin ist äußerst umstritten, da die verwendeten Mittel keine wissenschaftlich belegten Heilwirkungen haben.


Hilfeleistung, unterlassene

Hilfeleistung, unterlassene, Straftatbestand; Missachtung der Verpflichtung zur zumutbaren und erforderlichen Hilfeleistung gegenüber hilflosen oder kranken Personen. Bei einem Notfall gilt die Pflicht zur Hilfe für alle Anwesenden, in bestimmten Situationen nur Personen mit einer speziellen, z. B. ärztlichen Ausbildung. Bei der Betreuung schwerkranker Patienten liegt eine unterlassene Hilfeleistung auch dann vor, wenn die versorgende Person grundsätzliche lebenserhaltende Maßnahmen mit dem Ziel unterlassen hat, das Leben des Patienten zu verkürzen (auch passive → Sterbehilfe).


Hilfskrankenhaus

Hilfskrankenhaus, Abk. HKH, Krankenhaus, das in Notfall- bzw. Katastrophensituationen gemäß der Vorsorgemaßnahmen des Gesundheitswesens im Zivilschutz errichtet wird, um z. B. für den Verteidigungsfall genügend Krankenhausbetten sicherzustellen.


Hilfsmittel

Hilfsmittel, ein Begriff, der von den gesetzlichen Krankenversicherungen definiert wurde. Er bezeichnet Sachleistungen, die entweder dem Ausgleich einer Behinderung oder der Sicherung eines Heilerfolges (auch → Heilmittel) dienen. Hilfsmittel sind z. B. Hörhilfen, Brillen, Körperersatzteile, orthopädische Hilfen usw.


Hilus

Hilus, Einziehung an der Oberfläche eines Organs, z. B. der Leber, der Lungen, der Milz und der Nieren. Im Hilus verlaufen die zu- und abfließenden Gefäße, Nerven und Ausführungsgänge strangförmig zusammen in das Organ hinein bzw. aus ihm heraus, z. B. die Lungengefäße und Bronchien im Bereich des Lungenhilus.


Hilusschatten

Hilusschatten, Verschattung im Bereich des Lungenhilus auf einer Röntgenaufnahme des Brustkorbes. Der Hilusschatten entsteht durch die Absorption der Röntgenstrahlung von dort vorhandenen Strukturen (Lungengefäße, Bronchien, Nervengeflechte und Lymphknoten).


Himbeerzunge

Himbeerzunge, Erdbeerzunge, eine für → Scharlach typische Zungenveränderung. Nach anfänglich weißlichen Zungenbelägen fällt am dritten bis vierten Krankheitstag eine leuchtend rote Zunge mit verdickten Papillen auf.


Hinken

Hinken, ein- oder beidseitige, dauerhafte oder intermittierende Störung des Gangbildes. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen vor allem Störungen des Bewegungsapparates (z. B. versteifte Gelenke, Muskelschädigungen, Trauma), des Nervensystems (Hinken aufgrund von Lähmungen), des Gefäßsystems (→ Claudicatio intermittens) und gelegentlich auch psychische Störungen.


Hinterhauptslage

Hinterhauptslage, Abk. HHL, Schädellage des ungeborenen Kindes in der Gebärmutter; das Kind beugt den Kopf auf die Brust und liegt mit dem Hinterkopf Richtung Gebärmutterausgang, meist als vordere, auch regelrecht oder dorsoanterior genannte Hinterhauptslage; der Hinterkopf ist nach vorn, d. h. zur Bauchseite der Mutter gerichtet. Seltener ist die hintere, auch dorsoposteriore, Hinterhauptslage, bei der der Hinterkopf zum Rücken der Mutter liegt.


Hinterhorn

Hinterhorn, im Querschnitt des → Rückenmarks sichtbar werdender, hornförmiger Teil der → grauen Substanz, der "hinten", also rückennah liegt.


Hinterhorn

Hinterhorn, Hinterhorn der Seitenventrikel im Gehirn. Die Seitenventrikel sind im Großhirn eingebettete Hirnkammern, die in unterschiedliche Abschnitte mit einzelner Bezeichnung eingeteilt sind; einer dieser Ventrikelabschnitte wird als "Horn" bezeichnet. Der in den Hinterhauptlappen eingebettete Teil wird Hinterhorn genannt.


Hinterstrang

Hinterstrang, Teil der → weißen Substanz des Rückenmarks, der "hinten" (rückennah) gelegen ist. Hier verlaufen die Nervenfasern, die für die Wahrnehmung von Druck-, Berührungs- und Vibrationsreizen und die Tiefensensibilität zuständig sind. Auch → Rückenmark.


Hinterwandinfarkt

Hinterwandinfarkt, Myokardinfarkt im Bereich der Hinterwand des Herzens. Ein Hinterwandinfarkt wird durch Verschluss oder hochgradige Einengung einer diesen Bezirk versorgenden Herzkranzarterien verursacht.


Hinterwurzel

Hinterwurzel, die hintere → Spinalwurzel im Rückenmark; führt die sensiblen Nervenfasern zum Rückenmark. Eine Schädigung der Hinterwurzel hat Schmerzen, Gefühlsausfälle und die Abschwächung von Eigenreflexen im Bereich des entsprechenden Rückenmarksegments zur Folge.


Hippel-Lindau-Syndrom

Hippel-Lindau-Syndrom, eine seltene Erbkrankheit, bei der sich v. a. in der Netzhaut und im Kleinhirn Angiome bilden. Auch andere Organe wie Leber, Nieren oder Pankreas können betroffen sein. Die Symptome hängen von der Lokalisation der Tumoren ab. Häufig sind Sehstörungen (evtl. Erblindung durch Netzhautblutungen) und Bewegungsstörungen. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Einzelne Angiome können operativ entfernt oder bestrahlt werden.


Hippocampus

Hippocampus, Hippokampus, sichelförmiger Teil des Hirnmantels; Teil des limbischen Systems. Der Hippocampus führt zu einer Vorwölbung der mittleren Wände der Seitenventrikel.


Hippokratischer Eid

Hippokratischer Eid, Eid des Hippokrates, Eidesformel, die auf den griechischen Mediziner Hippokrates zurückgeht und zentrale Regeln für die Ausübung des ärztlichen Berufs enthält. Dem hippokratischen Eid ist jeder Arzt verpflichtet, er wurde 1948 vom → Weltärztebund als Genfer Ärztegelöbnis modernisiert und ist der Berufsordnung für Ärzte vorangestellt. In der Neufassung liegt der Schwerpunkt auf dem Gebot der Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit, der gleichen Behandlung aller Patienten, die Aufrechterhaltung der Berufsehre, Achtung des Lehrers, Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben von der Empfängnis an und der Einhaltung des Gebotes der Menschlichkeit selbst bei Bedrohung der ärztlichen Kunst.


Hippotherapie

Hippotherapie, Reittherapie, besondere Form der Krankengymnastik, die den Umgang mit speziell ausgebildeten Pferden und das Reiten therapeutisch nutzt. Die Hippotherapie ist z. B. für rollstuhlpflichtige Patienten sinnvoll, deren Körper auf einem Pferd ähnlich wie beim Selbstgehen durchbewegt wird. Physiotherapeuten können sich im Rahmen einer Weiterbildung zum Reittherapeuten (Hippotherapeut) ausbilden lassen.


Hirn

Hirn, → Gehirn.


Hirnangiografie

Hirnangiografie, röntgenologische Darstellung der hirnversorgenden Gefäße mittels Kontrastmittelinjektion. Die Hirnangiografie dient vor allem zur Diagnostik von Tumoren, Gefäßmissbildungen und Durchblutungsstörungen im Gehirn. Die Hirnangiografie wurde früher häufiger durchgeführt, heute zunehmend durch Computertomografie oder Magnetresonanztomografie ersetzt. Auch → Angiografie.


Hirnanhangsdrüse

Hirnanhangsdrüse, → Hypophyse.


Hirnarterie

Hirnarterie, Gefäß, das einen Teil des Gehirns mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Die wichtigsten Hirnarterien gehen aus der Arteria carotis (Karotis) und der Arteria vertebralis hervor.


Hirnatrophie

Hirnatrophie, Degeneration von Hirnzellen im ganzen Gehirn (diffuse Hirnatrophie) oder in einzelnen Bereichen (umschriebene Hirnatrophie). Die sog. präsenile Hirnatrophie tritt bei Menschen im höheren Lebensalter auf und führt zu psychischen Veränderungen und neurologischen Symptomen (→ Alzheimer-Krankheit).


Hirnbasis

Hirnbasis, die flache untere Seite des Gehirns. Hier treten die → Hirnnerven durch.


Hirnbiopsie

Hirnbiopsie, Entnahme einer Gehirngewebeprobe: Nach Anlage eines Bohrlochs durch den knöchernen Schädel wird mit Hilfe einer Nadel eine Gewebeprobe des Gehirns entnommen und anschließend auf krankhafte Veränderungen untersucht. Auch → Biopsie.


Hirnblutung

Hirnblutung, → Enzephalorrhagie.


Hirndruck

Hirndruck, der im Schädelinneren bestehende (intrakranielle) Druck. Eine Erhöhung des Hirndrucks wird durch raumfordernde Prozesse im Schädelinneren verursacht, z. B. durch einen Hydrozephalus, ein Hirnödem, eine Hirnschwellung, Hirntumoren oder Hirnblutungen. Symptome eines erhöhten Hirndrucks (Hirndruckzeichen) sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Pulsverlangsamung bis hin zu Krampfanfällen, Bewusstseinstrübung und Atemstörungen. Bei der Augenspiegelung sieht der Arzt typischerweise eine → Stauungspapille. Die Therapie besteht neben der Behebung der Ursache in zusätzlichen entwässernden und entzündungshemmenden Maßnahmen oder in der direkten Entlastung durch ein Bohrloch.


Hirndruckzeichen

Hirndruckzeichen, Symptome, die durch eine Druckerhöhung im Gehirn (→ Hirndruck) entstehen. Dazu gehören Kopfschmerzen, Erbrechen, Ausfälle bestimmter Hirnnerven (vor allem der Augenmuskelnerven), Störungen der Atmung und des Bewusstseins bis zur Bewusstlosigkeit und die Verlangsamung des Herzschlags. Bei der Augenspiegelung findet sich eine → Stauungspapille. Bei langsamem Anstieg des Hirndrucks fallen die Patienten zunächst durch Antriebsstörungen, eine Verlangsamung sowie eine Störung der Aufmerksamkeit und der Orientierung auf.


Hirndurchblutungsstörung

Hirndurchblutungsstörung, unzureichende Blutzufuhr zum Gehirn mit der Folge einer unzureichenden Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des betroffenen Hirnareals. Dementsprechend äußert sich eine Hirndurchblutungsstörung durch einen vorübergehenden oder bleibenden Ausfall von Hirnfunktionen in Form von Lähmungen, Bewusstseinsveränderungen, Sprach- oder Sehstörungen. Auch § Multiinfarktdemenz, venöse → Thrombosen, → Sinusthrombose.


Hirnembolie

Hirnembolie, Verlegung eines Hirngefäßes durch ein Blutgerinnsel mit resultierender →  Hirndurchblutungsstörung, z. B. einem Schlaganfall. Die Gerinnsel stammen meist aus dem Herzen oder der Karotisarterie.


Hirnerschütterung

Hirnerschütterung, → Commotio cerebri.


Hirnerweichung

Hirnerweichung, → Enzephalomalazie.


Hirnhäute

Hirnhäute, → Meningen.


Hirnhautentzündung

Hirnhautentzündung, → Meningitis.


Hirninfarkt

Hirninfarkt, Schlaganfall, der Untergang von Hirngewebe infolge unzureichender Sauerstoff- und Nährstoffversorgung (→  Hirndurchblutungsstörung). Ein Hirninfarkt entsteht infolge einer Mangeldurchblutung (ischämischer Hirninfarkt) oder einer Hirnblutung (hämorrhagischer Hirninfarkt). → Apoplexie.


Hirnkammer

Hirnkammer, → Hirnventrikel.


Hirnnerven

Hirnnerven,
Hirnnerven
Aufsicht (von unten) auf die zwölf aus der Unterseite des Hirnstamms austretenden Hirnnerven.
zwölf paarige, an der Unterseite des Hirnstamms austretende Nerven. Sie werden nach der Reihenfolge ihres Austritts mit den römischen Ziffern I-XII belegt. Die Hirnnerven enthalten motorische, sensorische, sensible, sympathische und parasympathische Nervenfasern und versorgen den Kopf einschließlich der Sinnesorgane sowie Hals-, Brust- und Bauchorgane (Nervus vagus).


Hirnnervenlähmung

Hirnnervenlähmung, die Lähmung eines → Hirnnerven. Die Symptome einer Hirnnervenlähmung hängen von den Funktionen des entsprechenden Nervs ab (z. B. Schluckbeschwerden bei der Lähmung des Glossopharyngeusnervs). Am häufigsten tritt die → Fazialislähmung auf.


Hirnödem

Hirnödem, Hirnschwellung, eine Hirnvolumenvermehrung, die durch eine Zunahme des Flüssigkeitsgehaltes in den Gewebsspalten (Liquor) oder in den Hirnzellen hervorgerufen wird. Durch eine erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäße kann Flüssigkeit ins Hirngewebe übertreten und die Liquormenge erhöhen. Eine Elektrolytstörung vermehrt die intrazelluläre Flüssigkeitsmenge. Folge eines Hirnödems ist eine lokale oder generalisierte Erhöhung des → Hirndrucks mit Schädigung des umliegenden Hirngewebes. Ein generalisiertes Hirnödem entsteht beispielsweise infolge eines Schlaganfalls oder einer Gehirnentzündung (→ Enzephalitis), ein lokal begrenztes bei Hirntumoren, Hirnabszessen oder Hirnverletzungen.


Hirnrinde

Hirnrinde, → Cortex cerebri.


Hirnschaden

Hirnschaden, Sammelbegriff für Schädigungen des Gehirns. Unter einem frühkindlichen Hirnschaden versteht man eine Schädigung des Gehirns, die zwischen dem sechsten Schwangerschaftsmonat und dem sechsten Lebensjahr eintritt. Häufige Ursachen sind Sauerstoffnot (Hirnischämie), Infektionen, Verletzungen sowie die Schädigung durch Giftstoffe oder Stoffwechselprodukte (Bilirubinenzephalopathie). Die Symptome reichen von leichten Auffälligkeiten in der Persönlichkeitsentwicklung bis hin zu schwersten neurologischen Ausfallserscheinungen. Wichtig ist das frühzeitige Erkennen leichterer Hirnschäden, um durch rechtzeitige pädagogische, krankengymnastische und psychologische Therapie Besserungen herbeizuführen. Auch → Enzephalopathie, → Hirnverletzung.


Hirnschlag

Hirnschlag, → Apoplexie.


Hirnschwellung

Hirnschwellung, → Hirnödem.


Hirnstamm

Hirnstamm, Stammhirn, Großhirn ohne Hirnmantel (Pallium). Der Hirnstamm umfasst die Bereiche des verlängerten Rückenmarks (Medulla oblongata), der Brücke (Pons) und des Mittelhirns (Mesencephalon). Im Hirnstamm liegen außerdem die Kerne des II.-XII. Hirnnerven. Vom Hirnstamm aus werden Kopf, Hals, Brust und Bauchorgane mit Nerven versorgt und die Herz-, Kreislauf- und Atmungsfunktionen reguliert. Im Hirnstamm erfolgt außerdem die Koordination von Halte- und Stellreflexen, die u. a. für die aufrechte Körperhaltung nötig sind.


Hirnstammsyndrom

Hirnstammsyndrom, Krankheitsbild, das durch Schädigungen im Bereich des Hirnstamms ausgelöst wird. Die Symptome sind abhängig von der Lokalisation der Schädigung. Auch → Bulbärparalyse, → Enthirnungsstarre.


Hirntod, zentraler

Hirntod, zentraler, der endgültige Ausfall aller Hirnfunktionen bei möglichem Fortbestehen der Herzaktivität. Der zentrale Hirntod entspricht dem Tod des Individuums. Kriterien sind fehlendes Bewusstsein, erloschene Spontanatmung, fehlende Auslösbarkeit von Reflexen, weite und reaktionslose Pupillen sowie das Fehlen jeglicher hirnelektrischer Aktivität im Elektroenzephalogramm über 30 Minuten. Sicheres Zeichen des Hirntodes ist der Nachweis einer fehlenden Durchblutung aller Hirnarterien mittels Angiografie der Hirngefäße. Die Diagnostik des zentralen Hirntods spielt vor allem in der Transplantationsmedizin eine zentrale Rolle: Der Hirntod ist eine der Voraussetzungen für eine Organentnahme.


Hirntrauma

Hirntrauma, Hirnverletzung, eine Schädigung des Gehirns durch äußere Einwirkung von Gewalt oder andere schädigende Einflüsse (z. B. Hitze, elektrischer Strom). Unter einem offenen Hirntrauma versteht man Verletzungen mit Eröffnung der harten Hirnhaut und der Schädelkalotte (→ Schädel-Hirn-Trauma) mit Liquoraustritt (z. B. durch den Gehörkanal), der sichtbare Vorfall von Gehirnstrukturen, Blutungen nach außen oder → Hirndruckzeichen. Ein stumpfes oder gedecktes Hirntrauma liegt vor, wenn bei der Hirnverletzung die Schädelkalotte und die harte Hirnhaut intakt bleiben, z. B. bei der → Commotio cerebri, der → Contusio cerebri oder einer → Hirnblutung. Die Symptome des Hirntraumas hängen vom Ausmaß und der Lokalisation der Verletzung ab. Nach einem schweren Hirntrauma bleiben oft neurologische Ausfälle zurück (z. B. Lähmungen, Bewusstseins- oder Persönlichkeitsveränderungen, Ausfall der Sinnesorgane).


Hirntumor

Hirntumor, → Gehirntumor.


Hirnvenenthrombose

Hirnvenenthrombose, → Sinusthrombose.


Hirnventrikel

Hirnventrikel, Hirnkammern, mit → Liquor cerebrospinalis gefüllte Hohlräume im Gehirn, die Fortsetzung des Rückenmarkkanals im Gehirn. Man unterscheidet vier Hirnventrikel: die beiden großen Seitenventrikel, den dritten Ventrikel und den vierten Ventrikel. Eine Behinderung des Liquorabflusses aus dem Ventrikelsystem führt zur Ausbildung eines → Hydrozephalus.


Hirnverletzung

Hirnverletzung, → Hirntrauma.


Hirnwasser

Hirnwasser, → Liquor cerebrospinalis.


Hirnwindung

Hirnwindung, → Gyrus.


Hirschsprung-Krankheit

Hirschsprung-Krankheit, Megacolon congenitum, eine angeborene Fehlbildung des Dickdarms, bei der in manchen Darmabschnitten keine Ganglien ausgebildet sind. In dieser sehr engen Darmregion fehlt die Darmperistaltik. In den Darmabschnitten vor der Fehlbildung staut sich der Kot und führt zu einer Darmerweiterung. Die betroffenen leiden vom Säuglingsalter an unter schwerster Verstopfung mit Aufblähung des Bauches. Die Behandlung besteht in der operativen Entfernung des fehlgebildeten Darmanteils. Auch → Megakolon.


Hirsekorn

Hirsekorn, → Milium.


Hirsutismus

Hirsutismus, ein männlicher Behaarungstyp bei Frauen, entweder anlagebedingt bei vermehrter Empfindlichkeit der Haarfollikel für Testosteron oder als Folge von Erkrankungen, bei denen es zu einer vermehrten Bildung männlicher Geschlechtshormone kommt (z. B. bei Tumoren der Nebennierenrinde oder der Eierstöcke). Auch → Virilisierung.


Hirudin

Hirudin, blutgerinnungshemmende Substanz aus dem Speichel von Blutegeln, ein Thrombininaktivator. Hirudin wird therapeutisch als Salbe bei Thrombophlebitis oder großen Blutergüssen verwendet.


Hirudinea

Hirudinea, Egel, zu den Anneliden zählende Ringelwürmer. → Blutegel (Hirudo medicinalis).


Hirudo medicinalis

Hirudo medicinalis, → Blutegel, → Blutegeltherapie.


His-Bündel

His-Bündel, atrioventrikuläres Bündel, ein Abschnitt des → Erregungsleitungssystems des Herzens, der vom Atrioventrikularknoten in die Ventrikel zieht und sich dort in die beiden sog. Tawara-Schenkel aufteilt.


Histamin

Histamin, biogenes Amin, ein in Gewebsmastzellen, basophilen Granulozyten und Thrombozyten gespeichertes Gewebshormon. Histamin ist in den Zellen an Heparin gebunden. Bei allergischer Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp (→ Allergie) wird Histamin freigesetzt und führt über Bindung an H2- und H2-Rezeptoren u. a. zu Blutdrucksenkung, Juckreiz, Hautrötung, Verengung der Bronchien, Erhöhung der Herzfrequenz und Steigerung der Drüsensekretion des Magens. Zur Hemmung der Histaminwirkung bei allergischen Reaktionen werden → Antihistaminika eingesetzt.


Histidin

Histidin,
Histidin
Histidin
eine bedingt essenzielle Aminosäure. Für kurze Zeit kann der Mensch ohne Histidin in der Nahrung leben, längere Ernährung ohne Histidinzufuhr führt zu Leberzellschädigung. Histidin ist Bestandteil von tierischem und pflanzlichem Eiweiß.


Histidinämie

Histidinämie, eine Erbkrankheit, bei der das Enzym zum Abbau von → Histidin fehlt. Histidin wird im Blut und im Gewebe akkumuliert und mit dem Urin ausgeschieden. Unter Umständen kann eine Histidinämie zu Entwicklungsstörungen und epileptischen Anfällen führen. Die Behandlung besteht in einer speziell histidinarmen Diät.


Histiozyt

Histiozyt, eine bewegliche Zelle, die zu den Gewebsmakrophagen zählt. Histiozyten kommen im Bereich des lockeren Bindegewebes und der kleinen Blutgefäße vor und sind an der körpereigenen Abwehr beteiligt. Auch → Makrophage.


Histiozytose X

Histiozytose X, → Hand-Schüller-Christian-Krankheit.


histo...

histo..., Wortteil mit der Bedeutung Gewebe.


Histogenese

Histogenese, die Entstehung der verschiedenen Körpergewebe.


Histoinkompatibilität

Histoinkompatibilität, Gewebeunverträglichkeit. Auch → Histokompatibilität.


Histokompatibilität

Histokompatibilität, Gewebeverträglichkeit bei einer → Transplantation. Die Histokompatibilität des Transplantatempfängers und des Spenders beruht vor allem auf der möglichst hohen Übereinstimmung der →  Histokompatibilitätsantigene der Gewebe und der Blutgruppen (→ AB0-Blutgruppensystem).


Histokompatibilitätsantigen

Histokompatibilitätsantigen, Abk. HLA, auf der Oberfläche von Zellen gelegene Struktur, die nach Konfrontation mit einem Organismus eines anderen HLA-Musters - z. B. im Rahmen einer → Transplantation - eine Immunreaktion auslöst. Histokompatibilitätsantigene sind genetisch festgelegte Strukturen, die auf allen kernhaltigen Zellen vorkommen außer auf Spermien. Die Histokompatibilitätsantigene werden vor allem zur Prüfung der Gewebeverträglichkeit vor einer Transplantation (bei Spender und Empfänger) bestimmt. Die wichtigsten Histokompatibilitätsantigene sind das → AB0-Blutgruppensystem und das → HLA-System.


Histologie

Histologie, Gewebelehre, die Wissenschaft vom Feinaufbau der Körpergewebe, auch Histopathologie genannt.


His-Winkel

His-Winkel, der Winkel zwischen dem unteren Teil der Speiseröhre und dem obersten Teil des Magens. Im Normalfall ist dieser Winkel spitz, was sich im Röntgenbild darstellen lässt. Vergrößert sich der His-Winkel über 90° (stumpfer Winkel), ist dies ein Hinweis auf eine → Kardiainsuffizienz des Magens, die einen Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre mit entsprechenden Beschwerden zur Folge haben kann.


Hitzepickel

Hitzepickel, → Miliaria.


Hitzesterilisation

Hitzesterilisation, das Beseitigen aller Mikroorganismen auf Gegenständen durch starke Hitzeeinwirkung, z. B. im Rahmen der → Dampfsterilisation oder →  Heißluftsterilisation. Auch → Sterilisation.


Hitzewallung

Hitzewallung, → Wallung.


Hitzschlag

Hitzschlag, schwere, zum Teil lebensbedrohliche Erhöhung der Körpertemperatur durch äußere Temperatureinwirkung, kombiniert mit einer unzureichenden Wärmeabgabe an die Umgebung (Wärmestau). Symptome eines Hitzschlags sind Kopfschmerzen, Übelkeit, schneller Pulsschlag und Bewusstlosigkeit bis hin zum Kreislaufversagen. Die Haut ist gerötet, heiß und trocken. Die Behandlung besteht in der sofortigen Kühlung des Betroffenen, z. B. durch kalte Umschläge. Bei schwerem Hitzschlag kann die Gabe von Elektrolytinfusionen, manchmal auch eine maschinelle Beatmung notwendig werden.


HIV

HIV,
AIDS
Das HI-Virus baut seine eigene Erbinformation in die der Helfer-T-Zelle ein.
Abk. für human immunodeficiency virus, (humanes Immunschwäche-Virus, HIV-1 und HIV-2), Erreger der AIDS-Erkrankung (→ AIDS). HIV ist ein → Retrovirus. Die Übertragung erfolgt durch Austausch von Körperflüssigkeiten, z. B. über infiziertes Blut bzw. Blutprodukte und beim Sexualkontakt. Nach der Infektion befällt das Virus hauptsächlich Lymphozyten und Makrophagen, insbesondere die T-Helfer-Zellen (auch: CD4-Zellen) des Immunsystems, die für die Abwehr von Viren zuständig sind, vermehrt sich in ihnen und zerstört sie schließlich. HIV-Infizierte entwickeln Antikörper gegen das HIV, durch deren Nachweis (HIV-Test) eine → HIV-Infektion diagnostiziert werden kann. Die Antikörper haben jedoch keine schützende Wirkung.


HIV-Infektion

HIV-Infektion,
AIDS
Das HI-Virus baut seine eigene Erbinformation in die der Helfer-T-Zelle ein.
eine durch das Human immunodeficiency virus (humanes Immunschwäche-Virus, → HIV) hervorgerufene Infektion. Das HI-Virus führt zu einer direkten Schädigung des Immunsystems, vor allem durch Zerstörung der → T-Helfer-Zellen. Nach Infektion mit dem Virus kommt es bei einem Teil der Patienten innerhalb eines halben Jahres zu einer akuten Erkrankung mit u. a. Fieber, Lymphknotenschwellungen und Milzvergrößerung (Lymphadenopathie-Syndrom, LAS, Stadium 1). Antikörper sind erst zwei bis sechs Wochen nach der Infektion nachweisbar, manchmal erst Monate später und in seltenen Fällen gar nicht. Die Produktion von Antikörpern führt bei der HIV-Infektion nicht wie bei anderen Infektionen zu einer Elimination der Viren. Auf die erste akute Erkrankungsphase folgt gewöhnlich ein asymptomatisches Stadium, das von sechs Monaten bis zu zehn Jahren oder länger andauern kann (Stadium 2). Anschließend kommt es zu einer → Lymphadenopathie mit länger andauernden, nicht nur in der Leistenregion auftretenden Lymphknotenschwellungen, Nachtschweiß, allgemeiner Schwäche, Haut- und Schleimhautveränderungen (sog. AIDS-related-complex, Stadium 3). Das Stadium 4 der Erkrankung entspricht dem Vollbild von → AIDS.


HIV-Test

HIV-Test, der Nachweis einer → HIV-Infektion mittels einer Blutanalyse. Als Suchtest nach Antikörpern gegen das HI-Virus im Blut wird eine ELISA genannte Technik verwendet. Ein positives Ergebnis muss durch einen weiteren Test (Western-Blot) aus der gleichen Blutprobe bestätigt werden. Der Bestätigungstest soll das seltene Vorkommen falsch positiver Befunde im Suchtest ausschließen. Zum Ausschluss einer Probenverwechslung wird bei positivem Befund zusätzlich eine zweite Blutprobe untersucht. Ein negativer HIV-Test schließt eine Infektion, die kürzer als sechs Monate zurückliegt, nicht vollständig aus. Der Direktnachweis des HI-Virus bzw. der HIV-RNA ist möglich (PCR-Test). Das Verfahren ist sehr genau aber auch sehr aufwendig und wird daher nicht routinemäßig durchgeführt. Ein HIV-Test darf nur mit dem Einverständnis des Patienten durchgeführt werden.


Hkt

Hkt, Abk. für → Hämatokrit.


HLA-System

HLA-System, (Human leucocyte antigen system), System von Eiweißen, die auf der Zelloberfläche aller kernhaltigen Zellen mit Ausnahme der Spermien vorkommen. Außerdem gehören zum HLA-System Komponenten des Komplementsystems, die bei der Immunabwehr eine Rolle spielen. Der Aufbau dieser Proteine (HLA-Antigene) ist individuell völlig unterschiedlich. Das HLA-System dient dem Organismus u. a. zur Unterscheidung von körpereigenen und körperfremden Zellen. Die genetische Information über den Aufbau des HLA-Systems befindet sich auf dem Chromosom 6. Auch →  Histokompatibilitätsantigene.


HLP

HLP, Abk. für →  Hyperlipoproteinämie.


HMV

HMV, Abk. für → Herzminutenvolumen.


HNO

HNO, Kurzbezeichnung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.


Hochdruck

Hochdruck, → Hypertonie.


Hochdruckkrise

Hochdruckkrise, hypertensive → Krise.


Hochdrucksystem

Hochdrucksystem, der arterielle Teil des großen Körperkreislaufs. Das Hochdrucksystem umfasst die linke Herzkammer während der Systole, die Aorta und die großen Körperarterien und hat die Funktion, das aus der Lunge kommende, sauerstoffreiche Blut in die peripheren Gewebe zu leiten. Im Gegensatz zum → Niederdrucksystem enthält das Hochdrucksystem nur einen geringen Teil des gesamten Blutvolumens (ca. 15%).


Hochfrequenztherapie

Hochfrequenztherapie, ein Heilverfahren, bei dem durch elektromagnetische, hochfrequente Wellen im Bereich der Unterhaut und der eher oberflächlich gelegenen Muskeln Wärme erzeugt wird. Die Hochfrequenztherapie findet u. a. Anwendung bei einer Reihe von Muskelerkrankungen, degenerativen Gelenkveränderungen und rheumatischen Erkrankungen. Zur Hochfrequenztherapie zählen die → Kurzwellentherapie, → Mikrowellentherapie und → Ultrakurzwellentherapie.


Hochpotenz

Hochpotenz, stark verdünntes homöopathisches Arzneimittel. In der Homöopathie werden Arzneimittel in hochpotenzierten Verdünnungen (Potenzen) verabreicht. Ist ein Arzneimittel höher als D 12 potenziert, d. h. in einer Trägersubstanz um mehr als 1:1.000.000.000.000 verdünnt, liegt eine Hochpotenz vor. Auch → Potenzierung.


Hochschulmedizin

Hochschulmedizin, der Teil der → Schulmedizin, der in den medizinischen Fakultäten bzw. Einrichtungen der Universitäten in Forschung, Lehre und Studium betrieben wird.


Hochwuchs

Hochwuchs, → Großwuchs.


Hockerstellung

Hockerstellung, Hockstellung, typische Körperstellung zur Kreislaufentlastung bei angeborenen Herzfehlern mit unzureichender Sauerstoffversorgung der Körpergewebe (Zyanose). In der Hocke wird der Oberkörper nach vorne, nah an die Oberschenkel gebeugt. Häufig werden der Kopf auf die Knie und die Arme um die Beine gelegt. Durch die Erhöhung des Gefäßwiderstandes im Körperkreislauf und die Verminderung des venösen Rückflusses zum Herzen vermindert sich der Rechts-Links-Shunt, so dass die Sauerstoffsättigung im aortalen Blut steigt. Die Hockerstellung ist typisch bei Kindern mit → Fallot-Tetralogie.


Hoden

Hoden, Testis, Orchis,
Descensus
Der Descensus des Hodens aus dem Leistenkanal in den Hodensack sollte im 1. Lebensjahr abgeschlossen sein.
Epididymis
Die Epididymis, der aus gewundenen Kanälchen bestehende Nebenhoden, dient den reifen Spermien als Wartesaal.
paarig angelegte Keim- bzw. Geschlechtsdrüse des Mannes. Die beiden Hoden liegen durch eine bindegewebige Scheidewand getrennt im Hodensack (Skrotum). In den Hoden werden die Spermien gebildet, in den Leydig-Zwischenzellen das männliche Geschlechtshormon Testosteron und in sehr geringen Mengen auch → Östrogen. Das Hodengewebe baut sich aus mehr als 200 Läppchen auf, die durch Bindegewebe voneinander getrennt sind. Jedes Läppchen enthält ein mit Keimepithel ausgekleidetes Hodenkanälchen. Die Hodenkanälchen münden in die ableitenden Samenwege.


Hodenbiopsie

Hodenbiopsie, Entnahme einer Gewebeprobe aus den Hoden nach Einschnitt in das Skrotum. Eine Hodenbiopsie wird vor allem zur Untersuchung der Spermienbildung bzw. der ableitenden Samenwege oder bei Verdacht auf einen Hodentumor durchgeführt.


Hodenbruch

Hodenbruch, → Skrotalhernie.


Hodenentzündung

Hodenentzündung, → Orchitis.


Hodenhochstand

Hodenhochstand, → Kryptorchismus.


Hodenkrebs

Hodenkrebs, bösartige Geschwulst, die von Hodengewebe ausgeht. Der Hodenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern zwischen 20 und 34 Jahren. Zum Hodenkrebs zählen die von den Keimzellen ausgehenden Tumoren Chorionkarzinom, → Seminom und → Teratom sowie die vom Stroma des Hodens ausgehenden Tumoren Leydig-Zelltumor, Sertoli-Zelltumor und Granulosazelltumor. Bei Kindern kommen am häufigsten das Chorionkarzinom und das Teratom vor, bei Männern zwischen 30 und 50 Jahren überwiegend das Seminom. Anfangs besteht ein derber, nicht schmerzhafter Knoten bzw. ein einseitig vergrößerter Hoden, der mit Schweregefühl verbunden ist. Bei einem Teil der Patienten treten jedoch erst Beschwerden nach Metastasierung auf (z. B. in den Lungen). Ein hormonproduzierender Tumor führt zu einer → Gynäkomastie. Die Behandlung des Hodenkrebses besteht in der operativen Entfernung des befallenen Hodens und der entsprechenden Lymphknotenregionen. In schweren Fällen erfolgt zusätzlich eine Chemo- bzw. insbesondere bei dem sehr strahlenempfindlichen Seminom eine Radiotherapie.


Hodensack

Hodensack, → Skrotum.


Hodentorsion

Hodentorsion, meist mehrfache Längsdrehung eines Hodens im Skrotum mit Abschnürung der Gefäßversorgung und des Samenstrangs infolge ungewöhnlicher Beweglichkeit, die unbehandelt zum Absterben des Hodengewebes (Nekrose) führt. Die Hodentorsion tritt vor allem bei Jungen vor bzw. während der Pubertät auf. Typisch ist ein plötzlich einsetzender, heftiger Schmerz mit Rötung und Schwellung des Skrotums, häufig verbunden mit Übelkeit. Eine operative Korrektur der Hodentorsion muss innerhalb von vier bis sechs Stunden nach Beginn der Symptome erfolgen, um eine Nekrose zu vermeiden. Bei der Operation wird zur Verbeugung einer erneuten Hodentorsion der betroffene und meist zur Sicherheit auch der nicht betroffene am Skrotum fixiert.


Hodentumor

Hodentumor, gutartige oder bösartige Geschwulst des Hodens. Auch → Hodenkrebs.


Hodgkin-Lymphom

Hodgkin-Lymphom, → Lymphogranulomatose.


Höhenkrankheit

Höhenkrankheit, Krankheitserscheinungen, die durch Sauerstoffmangel beim Aufenthalt in großen Höhen ausgelöst werden. Erste Warnsymptome sind vermehrtes Schlafbedürfnis, Willensschwäche, Appetitlosigkeit, Schwindel, Erbrechen oder Kopfschmerzen. Im weiteren Verlauf kann sowohl ein vollkommen apathischem Verhalten als auch ein krankhafter Höhenwahn und Bewusstlosigkeit eintreten. Je nach Akklimatisation und Konstitution des Patienten ist das Krankheitsbild unterschiedlich stark ausgeprägt. In der Regel beginnen die Symptome ab einer Höhe von 2000 bis 4000 Metern. Ab 4000 Meter bis ca. 7000 Meter ist mit Blutdruckabfall, Muskelzuckungen und Atemnot bis hin zu Bewusstlosigkeit zu rechnen. Ab einer Höhe von ca. 7000 Meter ist der Sauerstoffgehalt der Luft so gering, dass die Gefahr schwerer Hirnschäden bis hin zum Höhentod besteht.


Höhenkurort

Höhenkurort, Kurort, der aufgrund seiner klimatischen Verhältnisse in Gebirgslagen günstige Auswirkungen auf Patienten mit Lungenerkrankungen hat.


Höhenrausch

Höhenrausch, krankhaft euphorische Wesensveränderung, die durch Sauerstoffmangel in großen Höhen ausgelöst wird. Der Höhenrausch tritt im Rahmen der → Höhenkrankheit auf.


Höhensonne

Höhensonne, Natürliche Höhensonne: die Sonneneinstrahlung im Hochgebirge mit hohem UV-Anteil.


Höhensonne

Höhensonne, Künstliche Höhensonne: Quecksilberdampf-Lampe, die Licht mit hohem UV-Strahlen-Anteil erzeugt. Eine Höhensonne wurde früher zur Behandlung verschiedener Hautkrankheiten, Rachitis, psychischer Verstimmungen oder auch zur kosmetischen Hautbräunung angewendet. Die Geräte stehen heute in Verdacht, das Hautkrebsrisiko zu erhöhen und werden nicht mehr hergestellt.


Hohlfuß

Hohlfuß, Pes excavatus,
Fußgewölbe
Kommt es durch Veränderungen am Fußgewölbe (z.B. durch Einbruch oder Überhöhung des Längsgewölbes) zu Fehlstellungen, verliert der Fuß seine notwendige Elastizität.
angeborene oder als Folge anderer Erkrankungen (z. B. Lähmungen) auftretende Fehlstellung des Fußes. Der Vorfuß ist gegen den hinteren Teil des Fußes abgeknickt, die Zehen zeigen eine leichte Krallenstellung. Die Behandlung des Hohlfußes besteht in einer Korrektur durch Fixationsverbände oder einer Operation.


Hohlkreuz

Hohlkreuz, → Hohlrundrücken.


Hohlorgan

Hohlorgan, ein Organ, das einen Hohlraum bildet, u. a. die Gebärmutter, das Herz, die Gefäße, der Magen-Darm-Trakt, die Harnblase usw.


Hohlrundrücken

Hohlrundrücken, Hohlkreuz, ein Haltungsfehler der Wirbelsäule mit ausgeprägter → Lordose der Lendenwirbelsäule und verstärkter → Kyphose der Brustwirbelsäule. Ein Hohlrundrücken führt aufgrund der ungleichen Belastung der Wirbelkörper zu Rückenschmerzen und Haltungsschäden mit Veränderungen der übrigen Wirbelgelenke.


Hohlvene

Hohlvene, → Cava.


Hohlzahn

Hohlzahn, Galeopsis segetum, eine Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Das Kraut wird in der Naturheilkunde häufig zur Behandlung von Infektionen der oberen Atemwege eingesetzt.


holo...

holo..., Wortteil mit der Bedeutung ganz, vollständig, komplett.


holokrin

holokrin, als holokrin wird eine Art der Sekretion von Drüsen bezeichnet. Holokrine Drüsen setzen ihr Sekret durch die Einschmelzung der Drüse selbst frei, z. B. Talgdrüsen. Auch → endokrin, → exokrin.


holosystolisch

holosystolisch, während der Dauer der gesamten → Systole auftretend. Dieser Begriff wird vor allem bei der Beschreibung von Herzgeräuschen verwendet. Ein charakteristisches holosystolisches Herzgeräusch ist mit Hilfe eines Stethoskops z. B. bei der Mitralklappeninsuffizienz über dem Herzen zu hören.


Holzbock

Holzbock, → Zecke.


homogen

homogen, gleichmäßig bzw. gleichartig aufgebaut, einheitlich.


homolog

homolog, entsprechend, übereinstimmend. Der Begriff wird u. a. im Zusammenhang mit einer → Transplantation (von der gleichen Spezies) oder einer künstlichen → Insemination verwendet.


homo...

homo..., homöo..., Wortteil mit der Bedeutung gleich, gleichartig im Gegensatz zu hetero.


Homöopathie

Homöopathie, alternative Heilmethode, die auf dem → Ähnlichkeitsprinzip beruht. In der Homöopathie wird dasjenige Arzneimittel bei einer Erkrankung angewendet, das beim Gesunden der Krankheit ähnliche Symptome hervorruft. Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden (Similia similibus curantur). Die Arzneimittelgrundsubstanzen werden in der Homöopathie verdünnt verabreicht. Die Verdünnung des Medikaments mit einer Trägersubstanz bezeichnet man als Potenzierung. Sie wird entweder in Zehnerschritten (D-Potenz) oder seltener in Hunderterschritten (C-Potenz) angegeben. D 12 bedeutet beispielsweise eine Verdünnung eines Arzneimittels im Verhältnis von 1:1.000.000.000.000. Durch die Verdünnung einer Substanz soll sich dabei ihre Wirkung potenzieren, d. h. erhöhen.


homöopathisch

homöopathisch, die Homöopathie betreffend.


homöopathisches Arzneibuch

homöopathisches Arzneibuch, → Arzneibuch.


Homöostase

Homöostase, Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts im Organismus mit Hilfe von Regelmechanismen, z. B. die Konstanthaltung der Körpertemperatur, die Regulation des Blutdrucks, der Körperflüssigkeit oder der Hormonspiegel im Blut.


Homosexualität

Homosexualität, sexuelle Orientierung auf das gleiche Geschlecht. Eine homosexuelle Veranlagung kommt bei rund 5-15% der Bevölkerung vor. Auch → Heterosexualität.


homozygot

homozygot, reinerbig, mit identischer Erbinformation auf den entsprechenden Stellen eines Chromosomenpaares. Individuen, die für eine Eigenschaft h. sind, haben von beiden Elternteilen gleiche → Allele geerbt. Auch → heterozygot.


Homunculus

Homunculus, schematische Darstellung der motorischen bzw. der sensiblen Repräsentation der Körperabschnitte auf der Großhirnrinde.


Honig

Honig, von der Honigbiene aus Nektar und Honigtau gebildeter, zuckerhaltiger Stoff. Honig besteht aus Invertzucker, Eiweiß, Pollen, Vitaminen, Enzymen, Carotin, Acetylcholin, organischen Säuren, Dextrin und Wachs. Honig fördert die Wundheilung, wirkt bakterizid und wird (in gereinigter Form) aufgrund seiner hustenlindernden Eigenschaft als Zusatz für Hustensäfte verwendet.


Hopfen

Hopfen, Humulus lupulus, ein Hanfgewächs. Hopfenzapfen (die Blütenstände des Hopfens) werden zur Herstellung von Tee oder Arzneien verwendet. Hopfen hat beruhigende und schlaffördernde Wirkung. In der Homöopathie findet der Hopfen Anwendung bei Schlafstörungen und zur Behandlung von Herpes.


Hörapparat

Hörapparat, → Hörhilfe.


Hörbereich

Hörbereich, Bereich der Schallwellen, die das menschliche Gehör wahrnehmen kann (Frequenzen von 16 Hertz bis 20.000 Hertz). Die höchste Empfindlichkeit des Gehörs besteht für Frequenzen zwischen 2000 und 5000 Hertz. Die obere Grenze des Hörbereichs kann im Alter unter 5000 Hertz sinken.


Hordeolum

Hordeolum, Gerstenkorn, eine akute bakterielle Entzündung der Liddrüsen am Lidrand mit hochroter und schmerzhafter Schwellung des Lides, später Eiterentleerung. Das Auftragen von antibiotikahaltigen Salben auf das betroffene Areal verhindert die weitere Ausbreitung der Infektion. Gelegentlich muss die Eiterkuppe eröffnet werden, um die Entleerung des Eiters zu fördern. Gehäuft tritt ein Hordeola bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) auf.


Hören

Hören, → Gehörsinn.


Hörgerät

Hörgerät, → Hörhilfe.


Hörgeräteakustik

Hörgeräteakustik, die Lehre vom Bau und der Anpassung von Hörgeräten an die individuellen Bedürfnisse hörgeschädigter Personen.


Hörhilfe

Hörhilfe, Hörgerät, Hörapparat für schwerhörige Patienten. Hörhilfen bestehen aus einem Mikrofon, einem Verstärker und einem Lautsprecher. Der Schall wird vom Mikrofon aufgefangen, über Transistoren verstärkt und an den Lautsprecher weitergeleitet, der in einem eigens für den Patienten angefertigten Ohrpassstück untergebracht ist. Es gibt besonders kleine Geräte, die im Brillenbügel (Hörbrille), hinter dem Ohr oder im Gehörgang Platz finden. Bei Kindern werden oft Taschengeräte verordnet. Die Auswahl einer Hörhilfe richtet sich nach den Ergebnissen der verschiedenen Hörprüfungen. Das Gerät wird von einem Hörgeräteakustiker angepasst.


Hörkurve

Hörkurve, → Audiogramm.


Hormon

Hormon,
Endokrine Drüsen
Das System der endokrinen Drüsen reguliert mit seinen Hauptboten, den Hormonen, die unterschiedlichen Stoffwechselprozesse.
Hormon
Übersicht über die Hormone produzierenden endokrinen Drüsen im menschlichen Körper von Frau und Mann.
chemischer Botenstoff des endokrinen Systems. Hormone entstehen in endokrinen Drüsen oder speziellen Zellgruppen (z. B. den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse). Sie werden mit dem Blutstrom vom Ort ihrer Bildung zu allen Organen transportiert. Hormone wirken spezifisch durch die Bindung an einen entsprechenden Hormonrezeptor. Die Bindung löst eine Informationsübertragung an das Erfolgsorgan aus. Hormone wirken in zahlreichen Regelkreisen des Körpers mit. Meist wird die Hormonausschüttung durch einen Reiz im Gehirn ausgelöst. Die Hormonausschüttung des Hypothalamus wirkt sich auf die Hormonausschüttung der Hypophyse (Vorder- oder Hinterlappen) aus. Die Hormone der Hypophyse fördern oder unterdrücken die Hormonbildung in den peripheren endokrinen Drüsen. Man teilt die Hormone abhängig von ihrem Bildungsort ein in neurosekretorische (von Nervenzellen wie z. B. dem Hypothalamus abgesonderte) bzw. glanduläre (aus endokrinen Drüsen freigesetzte) Hormone und Gewebshormone. Gewebshormone haben meist nur lokale, d. h. auf den Ort ihrer Freisetzung begrenzte Wirkungen. Nach ihrem chemischen Aufbau werden folgende Hormone unterschieden:1. Steroidhormone, z. B. Aldosteron, Glucocorticoide und Testosteron. 2. Polypeptidhormone, z. B. die Hormone des Hypothalamus, der Hypophyse und des Pankreas (Insulin und Glucagon). 3. Amine, z. B. die Katecholamine und die Hormone der Schilddrüse. 4. Hormone aus ungesättigten Fettsäuren nennt man Prostaglandine.


hormonell

hormonell, durch → Hormone bedingt, von Hormonen ausgehend, Hormone betreffend.


Hormonrezeptor

Hormonrezeptor,
Hormonrezeptor
Wirkungsweise von Hormonen
Eiweißkörper (Rezeptor) an der Oberfläche von Zellen, an den ein Hormon bindet und damit Informationen an die Zelle übermittelt. Auch bestimmte bösartige Tumoren, z. B. der Brustdrüse oder der Prostata, tragen Hormonrezeptoren auf ihren Zelloberflächen, z. B. Östrogen, das auf einen bösartigen Brustdrüsentumor und dessen Tochtergeschwülste wachstumsfördernd wirkt. Eine Blockade der Östrogenrezeptoren durch antiöstrogene Substanzen kann das Wachstum von rezeptortragenden Tumorzellen hemmen. Medikamente mit antiöstrogener Wirkung werden daher bei der Behandlung solcher Tumoren eingesetzt.


Hormontherapie

Hormontherapie, die Anwendung von Hormonen zur Behandlung von Krankheiten. 1. Substitutionstherapie: Bei Hormonmangelzuständen wie z.B. Hypothyreose, Diabetes mellitus oder Osteoporose nach den Wechseljahren wird das entsprechende Hormon - meist in Tablettenform - verabreicht (substituiert). 2. Hormontherapie zur Behandlung von hormonabhängigen Tumoren. Auch Hormonrezeptor.


Horn

Horn, → Cornu.


Horn

Horn, Substanz, die bei der → Verhornung der Haut entsteht. Horn findet sich in Haaren, Nägeln und in der obersten Hautschicht.


Horner-Syndrom

Horner-Syndrom, Horner-Komplex, Horner-Trias, Erkrankung, bei der es durch Schädigung des Sympathikus zur Lähmung der sympathisch innervierten Augenmuskeln kommt. Daraus resultiert eine Pupillenverkleinerung, Lidsenkung und ein Zurücktreten des Augapfels (Miosis, Ptosis, Enophthalmus). Auch → Horton-Neuralgie.


Hornhaut

Hornhaut, → Cornea.


Hornhaut

Hornhaut, Bezeichnung für eine Hornschwiele, eine flächige Verdickung der obersten Hautschicht. Die Hornhaut besteht aus flachen kernlosen Hornzellen und entsteht an Hautstellen mit starker mechanischer Beanspruchung.


Hornhautentzündung

Hornhautentzündung, → Keratitis.


Hornhauterosion

Hornhauterosion, Epitheldefekt der Hornhaut am Auge. Die Ursachen für eine Hornhauterosion sind mechanische (z. B. eine verschmutzte Kontaktlinse), chemische (z. B. Säureunfall) oder thermische Reizungen (z. B. Verbrennung). Die Betroffenen leiden unter starkem Fremdkörpergefühl, Schmerzen und vermehrtem Tränenfluss. Die Hornhauterosion heilt in der Regel spontan und schnell ab.


Hornhautgeschwür

Hornhautgeschwür, eine u. a. infektiös bedingte Verletzung der Hornhautoberfläche des Auges, die sich bei Störungen des Lidschlusses entwickelt, z. B. im Rahmen einer Fazialislähmung. Ein Hornhautgeschwür verursacht Fremdkörpergefühl, Schmerzen und Tränenfluss. Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Die Behandlung muss zügig erfolgen, um Narbenbildung oder eine Erblindung zu vermeiden.


Hornhautnarbe

Hornhautnarbe, undurchsichtiges oder milchig-trübes Narbengewebe auf der Hornhaut des Auges. Eine Hornhautnarbe kann z. B. nach Entzündungen oder Verletzungen der Hornhaut zurückbleiben und beeinträchtigt das Sehvermögen des betroffenen Auges. Bei ausgeprägten, stark sehbehindernden Narben kann eine Hornhauttransplantation in Erwägung gezogen werden. Auch → Hornhautgeschwür.


Hornhauttransplantation

Hornhauttransplantation, → Keratoplastik.


Hornhautverkrümmung

Hornhautverkrümmung, → Keratokonus, → Astigmatismus.


Hörorgan

Hörorgan, → Gehörorgan.


Hörprüfung

Hörprüfung, Die Prüfung der Hörfähigkeit. Durch eine Hörprüfung werden Art, Schwere, Lokalisation und Ursache einer Hörstörung festgestellt. 1. Zur klassischen Hörprüfung zählen die Stimmgabelprüfung (→ Rinne-Versuch, → Weber-Versuch) und die Hörweitenprüfung (Testung des Gehörs bei Flüster- bzw. Umgangssprache aus unterschiedlichen Entfernungen). 2. Die elektroakustische Hörprüfung: → Audiometrie.


Hörrohr

Hörrohr, früher verwendete Hörhilfe.


Hörrohr

Hörrohr, Bezeichnung für das → Stethoskop.


Hörschwelle

Hörschwelle, Schalldruck, der beim Menschen gerade noch eine Hörempfindung auslöst. Der Schalldruck wird in → Dezibel (dB) gemessen. Bei einer Frequenz von 1000 Hertz beträgt die untere Hörschwelle, d. h. die geringste noch wahrnehmbare Schallintensität, beinahe 0 dB. Gehörschäden können ab ca. 90 dB auftreten. Die obere Hörschwelle wird bei einem Schalldruck von 120 dB erreicht. Intensitäten über 120 dB führen zur Schmerzempfindung.


Hörstörung

Hörstörung, → Schwerhörigkeit.


Hörsturz

Hörsturz, plötzlich auftretender, einseitiger Hörverlust. Patienten klagen typischerweise über ein Druckgefühl im Ohr, Ohrgeräusche (Tinnitus) oder das Gefühl, "Watte im Ohr" zu haben. Mögliche Ursachen für einen Hörsturz sind Durchblutungsstörungen (z. B. bei Herzerkrankungen, bei Verkrampfung oder Verschluss der versorgenden Blutgefäße im Bereich des Ohres oder bei Kreislaufregulationsstörungen), Virusinfektionen, allergische Reaktionen, Stoffwechselerkrankungen (wie z. B. Diabetes mellitus) oder auch psychische Belastungssituationen. Die Behandlung des Hörsturz besteht vor allem in Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutung mittels Infusion von durchblutungsfördernden Medikamenten.


Horton-Neuralgie

Horton-Neuralgie, Cluster-Kopfschmerz, Horton-Syndrom,, schwere einseitige Kopfschmerzattacken, die Minuten bis wenige Stunden andauern und vorzugsweise bei Männern auftreten. Die Schmerzen sind von brennendem bzw. bohrendem Charakter, besonders im Augen- und Schläfenbereich, manchmal mit umschriebener Rötung und Schweißbildung, oft kombiniert mit einseitig tränendem Auge und Ausfluss aus der Nase. Auch eine Pupillenverengung und ein begleitendes → Horner-Syndrom wurden beobachtet. Die Kopfschmerzattacken treten phasenweise gehäuft (als Cluster) auf. Bei der Entstehung der Horton-Neuralgie spielen Serotonin, Histamin und Testosteronspiegel eine wichtige Rolle. Manchmal wird eine Kopfschmerzattacke durch Nikotin oder Alkohol ausgelöst.


Hörzellen

Hörzellen, → Haarzellen.


Hospital

Hospital, Bezeichnung für: 1. Krankenhaus. 2. Alten- oder Pflegeheim.


Hospitalisierung

Hospitalisierung, die Verlegung eines Patienten in ein Krankenhaus oder Pflegeheim.


Hospitalismus

Hospitalismus, Oberbegriff für alle durch Krankenhaus- bzw. Heimaufenthalt entstandenen psychischen und/oder körperlichen Krankheiten oder Schädigungen. Man unterscheidet: 1. infektiösen Hospitalismus: → Nosokomialinfektionen. 2. Deprivationssyndrom.


Hospitalkeim

Hospitalkeim, → Nosokomialinfektion.


Hospiz

Hospiz, eine Institution, in der schwerkranke bzw. todkranke Patienten und ihre Angehörigen Ruhe und eine würdevolle Pflege und Betreuung finden, so dass ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod möglich ist. In einem Hospiz arbeiten Ärzte, Pfleger, Sozialarbeiter, Seelsorger u. a. eng zusammen. Zentrale Organisationen der Hospize sind z. B. die Deutsche Hospizhilfe e. V. oder das Hospiz-Bildungswerk e. V. Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf einen Zuschuss zu einer vollständigen oder teilstationären Versorgung in einem Hospiz, wenn eine Behandlung im Krankenhaus oder zu Hause nicht möglich, nicht sinnvoll oder unerwünscht ist.


Hospiz-Bewegung

Hospiz-Bewegung, zusammenfassende Bezeichnung für alle Aktivitäten bzw. Initiativen, die die Einrichtung von sog. → Hospizen fördern.


Host-versus-Graft-Reaktion

Host-versus-Graft-Reaktion, Abstoßungsreaktion nach einer Organtransplantation, bei der sich das Immunsystem des Empfängers gegen das Spenderorgan wendet. Eine medikamentöse immunsuppressive Behandlung im Rahmen einer Transplantation soll das Risiko einer Host-versus-Graft-Reaktion verringern. Auch →  Transplantatabstoßung.


H1-Rezeptorenblocker

H1-Rezeptorenblocker, H1-Antagonisten, H1-Blocker, Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der → Antihistaminika. H1-Rezeptorenblocker sind Medikamente, die die Wirkungen von → Histamin an den sog. H1-Rezeptoren blockieren. H1-Rezeptorenblocker werden eingesetzt, um allergische Reaktionen zu verhindern oder abzuschwächen.


H2-Rezeptorenblocker

H2-Rezeptorenblocker, H2-Antagonisten, H2-Blocker, Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der → Antihistaminika. H2-Rezeptorenblocker sind Medikamente, die (H2-)Rezeptoren für → Histamin blockieren. Sie führen dadurch u. a. zu einer Verminderung der Salzsäureproduktion im Magen und werden daher zur Therapie von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren eingesetzt, z. B. Cimetidin und Ranitidin.


HSV

HSV, Abk. für → Herpes-simplex-Virus.


HT

HT, Abk. für → Herzton.


HTLV

HTLV, Abk. für Human T-cell leucemia (bzw. lymphoma) virus, ein Retrovirus, das menschliche T-Zellen infiziert. Man kennt drei Typen von HTLV. HTLV I und II zählen zu den → Tumorviren und wurden bei unterschiedlichen Lymphom- bzw. Leukämie-Formen gefunden. HTLV III (HIV, früher LAV-I) ist der AIDS-Erreger.


Hufeisenniere

Hufeisenniere, Anomalie mit einer Verbindung der unteren Nierenpole durch Nieren- und Kapselbindegewebe. Wenn das Nierenbecken ebenfalls betroffen ist, entsteht eine Harntransportstörung, die Niereninfektionen begünstigt. Eine Hufeisenniere wird sonografisch oder mittels Röntgenbild (Pyelografie) diagnostiziert.


Hüftarthrose

Hüftarthrose, → Coxarthrose.


Hüftdysplasie

Hüftdysplasie, Hüftgelenkdysplasie, angeborene Fehlentwicklung eines oder beider Hüftgelenke, bei der die Gelenkpfanne im knöchernen Becken zu flach ausgebildet ist, um den Hüftkopf sicher zu halten. Dadurch besteht die Gefahr einer → Hüftgelenksluxation. Das konstante Abspreizen der Beine mit Hilfe einer Spreizhosen in den ersten Lebensmonaten ermöglicht die Nachreifung der Gelenkpfanne. Eine Hüftdysplasie ist bei Mädchen deutlich häufiger als bei Jungen und wird bei Neugeborenen mittels Ultraschall festgestellt.


Hüfte

Hüfte, Coxa, die Verbindung zwischen Oberschenkelknochenkopf und Hüftpfanne. Die normale Neigung des Knochenschafts zum Oberschenkelknochenkopf beträgt beim Erwachsenen etwa 125 Grad. Auch → Hüftgelenk.


Hüftgelenk

Hüftgelenk, das Gelenk zwischen Hüftbein und dem Kopf des Oberschenkelknochens. Auch → Hüfte.


Hüftgelenkdysplasie

Hüftgelenkdysplasie, → Hüftdysplasie.