A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

A

A, Abk. für Arterie.


A

A, Abk. für die Blutgruppe A.


A

A, Vorangestellter Laut bei Begriffen, die sich auf nicht, un- oder leer beziehen, z.B. abakteriell.


Aa

Aa, Abk. für Arterien (lat. arteriae).


Aase-Syndrom

Aase-Syndrom, eine angeborene Erbkrankheit, bei der Missbildungen und eine Störung der Blutbildung (rote Blutkörperchen) mit einer nachfolgenden Anämie auftreten.


ab...

ab..., Wortteil mit der Bedeutung weg, entfernt von.


abakteriell

abakteriell, nicht durch Bakterien verursacht.


Abasie

Abasie, die Unfähigkeit zu gehen. Eine Abasie tritt z. B. bei einer Paraplegie der Beine nach einem Schlaganfall oder bei anderen neurologischen Krankheiten auf. Auch → Ataxie.


Abbausyndrom

Abbausyndrom, die Veränderung und Verarmung von psychischen und intellektuellen Leistungen, z. B. infolge einer Alzheimerkrankheit, einer chronischen Alkoholkrankheit oder einer chronischen Psychose. Symptome sind u. a. Persönlichkeitsveränderungen, Gedächtnisstörungen, Verlust von kognitiven Funktionen und Affektstörungen. Auch → Demenz.


abbildendes System des Auges

abbildendes System des Auges , die Teile des Auges, die an der Entstehung eines Bildes auf der Netzhaut beteiligt sind. Dazu gehören die Hornhaut, die Linse, der Glaskörper, das Kammerwasser und die Regenbogenhaut.


abbinden

abbinden, den Blutstrom durch starke Kompression einer Arterie oder Vene unterbrechen. Dies kann z. B. durch strammes Abschnüren einer ganzen Extremität geschehen. Heute wird vom Abbinden abgeraten, da es zu Schädigungen des Gewebes durch Sauerstoffmangel führen kann. Stattdessen wird empfohlen, das betroffene Körperteil hoch zu halten und einen Druckverband anzulegen.


AB0-Blutgruppensystem

AB0-Blutgruppensystem , das 1901 entdeckte System der menschlichen Blutgruppen. Diese beruhen auf an der Oberfläche der Erythrozyten vorhandenen Antigenen A, B und 0 (Null). Die vier existierenden Blutgruppen sind A, B, AB und 0. Menschen mit der Blutgruppe A bilden reguläre Antikörper gegen das nicht vorhandene B-Antigen in ihrem Blut (sog. Alloagglutinine) ( → Agglutination). Angehörige der Blutgruppe B bilden Antikörper gegen das ihnen fehlende A-Antigen. Personen mit der Blutgruppe AB tragen die Antigene A und B auf ihren Erythrozyten, bilden aber keine regulären A- oder B-Antikörper (Universalempfänger). Personen mit der Blutgruppe 0 haben weder A- noch B-Antigene auf den Erythrozyten, ihre Blutkörperchen werden deshalb vom Immunsystem einer Person mit anderer Blutgruppe nicht zerstört. Die Blutgruppe 0 kann deshalb auf alle Empfänger mit einer anderen Blutgruppe übertragen werden (Universalspender). Die häufigste Blutgruppe in Mitteleuropa ist A (44%), gefolgt von 0 (38%) und B (12%). Auch → Blutgruppenbestimmung, → Blutgruppeninkompatibilität, → Rhesusfaktor, → Transfusionszwischenfall.


Abbruchblutung

Abbruchblutung , menstruationsähnliche Blutung aus der Gebärmutter, hervorgerufen durch einen Mangel an den Geschlechtshormonen Östrogen und/oder Gestagen (sog. Hormonentzugsblutung). Eine Abbruchblutung kann u. a. auftreten, wenn Hormontabletten, z. B. die Pille, plötzlich abgesetzt werden. Auch → Zyklus, → Zyklusstörungen.


ABC-Maßnahmen

ABC-Maßnahmen, das Schema zur Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen. A = Atemwege frei machen, B = Beatmen, C = Cirkulation (Kreislauf) in Gang bringen, z. B. durch eine Herzmassage. Auch → erste Hilfe, → Reanimation.


Abdecktest

Abdecktest, eine Untersuchungsmethode, mit der das Ausmaß einer Schielstellung der Augen festgestellt werden kann. Beim Abdecktest fordert der Arzt den Patienten auf, ihm in die Augen zu schauen. Dann deckt der Arzt zuerst das eine, dann das andere Auge des Patienten ab. Da ein schielender Patient immer nur mit einem Auge fixiert, schnellt das schielende Auge beim Abdecken des fixierenden Auges in die Fixierstellung. Diese Bewegung wird für den Arzt sichtbar. Mit dem Abdecktest kann unter Umständen auch latentes Schielen aufgedeckt werden.


Abdomen

Abdomen, Bauchraum , Das Abdomen enthält die Verdauungsorgane (Magen, Dünndarm, Dickdarm, Leber und Bauchspeicheldrüse) und die Milz. Auch → akutes Abdomen.


Abdomenübersicht

Abdomenübersicht , eine Röntgenaufnahme des gesamten Bauchs. Sie dient zur Suche nach pathologischen Flüssigkeitsspiegeln oder Gas-/Luftansammlungen und zur Beurteilung von Organkonturen. Eine Abdomenübersicht im Stehen wird z. B. zur Suche nach Flüssigkeits-/Luftspiegeln bei Verdacht auf einen Darmverschluss (Ileus) angefertigt.


abdominal

abdominal, zum Abdomen gehörend, vom Abdomen ausgehend, vom Abdomen herkommend.


Abdominalreflex

Abdominalreflex, → Bauchdeckenreflex.


Abducens

Abducens, → Abduzens.


Abduktion

Abduktion, die Seitwärtsbewegung eines Körperteils oder einer Extremität; z. B. leitet die Abduktion eines Beines einen Schritt zur Seite ein. Auch → Adduktion.


Abduktor

Abduktor, ein Muskel, der eine → Abduktionauslöst.


Abduktorlähmung

Abduktorlähmung, die Lähmung eines Muskels, der für eine → Abduktionzuständig ist. Eine Abduktorlähmung ist z. B. die Lähmung des Musculus cricoarytenoideus posterior im Kehlkopf; dieser Muskel öffnet normalerweise durch eine Seitwärtsbewegung die Stimmritze.


Abduzens

Abduzens, die Kurzform für Abduzensnerv, den sechsten Hirnnerv, der den äußeren geraden Augenmuskel innerviert. Auch → Abduzenslähmung.


Abduzenslähmung

Abduzenslähmung, eine Lähmung des seitlichen Augenmuskels, des Abduzens, meist bedingt durch eine Schädigung des sechsten Hirnnervs, der für die Beweglichkeit dieses Muskels zuständig ist (Abduzensnerv). Zu einer Abduzenslähmung kann es bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen kommen, z. B. bei einem Gehirnschlag, einer multiplen Sklerose oder einem Gehirntumor. Die Folgen einer Abduzenslähmung sind Schielen und das Sehen von Doppelbildern.


aberrant

aberrant, abweichend, z. B. ein vom normalen anatomischen Verlauf abweichendes Gefäß.


Aberration

Aberration, das Abweichen vom Normalzustand, z. B. eine Aberration der Chromosomenzahl beim → Down-Syndrom, eine Aberration der Milz bei Vorliegen einer Nebenmilz usw. Auch → Ektopie.


Abführmittel

Abführmittel, → Laxans.


Abgeschlagenheit

Abgeschlagenheit , geistige und/oder körperliche Müdigkeit bzw. Schwäche, die verschiedene Ursachen haben kann, z. B. die Abgeschlagenheit im Rahmen einer Grippe.


Abhängigkeit

Abhängigkeit , das Angewiesensein auf ein bestimmtes Medikament oder eine suchterzeugende Substanz. Die entsprechenden Substanzen müssen dem Körper regelmäßig zugeführt werden, sonst treten gesundheitliche Störungen bzw. Entzugserscheinungen auf. Beim insulinabhängigen Diabetes besteht z. B. eine Abhängigkeit des Diabetikers von Insulin, beim Alkoholismus eine Abhängigkeit vom Alkohol. Der Begriff Abhängigkeit wird heute in der Regel für den unwiderstehlichen Drang nach Drogen oder anderen Suchtmitteln verwendet. Abhängigkeit erzeugende Substanzen wie Amphetamine, Cannabis, Kokain, Opioide, Barbiturate, Alkohol, Nikotin und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine). Es wird zwischen körperlicher und psychischer Abhängigkeit unterschieden. Von Abhängigkeit spricht man auch im Zusammenhang mit bestimmten Verhaltensweisen z. B. Spielabhängigkeit. Auch → Drogenabhängigkeit, → Sucht.


Abhängigkeitspotenzial

Abhängigkeitspotenzial, Bezeichnung für die Fähigkeit eines Arzneimittels, eine → Abhängigkeitauszulösen. So ist z. B. das Abhängigkeitspotential von Opiaten oder Benzodiazepinen sehr hoch.


Abhärtung

Abhärtung, ein körperlicher Trainingsprozess, der zu erhöhter immunologischer Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen, z. B. Erkältungskrankheiten, führt. Verschiedene Maßnahmen sind zur Abhärtung des Körpers geeignet, z. B. Saunagänge, Kneipp-Therapien oder Sport.


Abhören

Abhören, → Auskultation.


AB0-Inkompatibilität

AB0-Inkompatibilität, die Unverträglichkeit der Blutgruppen A, B, AB und 0 untereinander. Wird z. B. Blut der Gruppe A auf einen Empfänger mit der Blutgruppe B übertragen, so zerstört dessen Immunsystem die fremden Blutkörperchen, es kommt zu einem lebensgefährlichen → Transfusionszwischenfall. Auch → Agglutination.


Abklatschkarzinom

Abklatschkarzinom , die Metastase eines bösartigen Tumors, die sich auf der Kontaktseite eines Organs mit einem anderen angesiedelt hat und dort vermutlich durch Berührung mit dem Primärtumor entstanden ist.


Ablaktation

Ablaktation, Abstillen , Entwöhnung des Säuglings vom Stillen durch Umstellung von der Muttermilch auf eine andere Ernährungsform, z. B. Flaschen- oder Breinahrung.


Ablatio

Ablatio, Ablösung, Abtragung. Eine Ablatio kann operativ durchgeführt werden, z. B. als Ablatio einer Brust bei Brustkrebs (Amputation der Brust, Ablatio mammae), oder durch eine Krankheit entstehen, z. B. eine Ablatio der Retina ( → Netzhautablösung).


Ablatio retinae

Ablatio retinae, → Netzhautablösung.


Ableitung

Ableitung, die Aufzeichnung der Aktionspotenziale des Herzens (im Rahmen eines EKG, → Elektrokardiogramm) von einer bestimmten Körperstelle aus. So kann man die elektrischen Ströme z. B. von verschiedenen Stellen der Brustwand (Brustwandableitungen) oder der Arme und Beine (Extremitätenableitungen) ableiten.


Ablepharie

Ablepharie , angeborene Missbildung, bei der das Augenlid vollständig oder teilweise fehlt.


Abmagerung

Abmagerung, eine extreme Gewichtsabnahme. Eine Abmagerung kann durch eine Diät absichtlich herbeigeführt werden, aber auch durch eine Krankheit entstehen, z. B. ein Tumorleiden, → Kachexie. Auch → Anorexie, → Anorexia nervosa, → Bulimie.


Abnabelung

Abnabelung, die Durchtrennung der Nabelschnur nach der Geburt. Die Abnabelung sollte möglichst steril erfolgen, damit durch den Nabel keine Krankheitskeime in den Organismus des neugeborenen Kindes eindringen können.


Abnutzungsquote

Abnutzungsquote, eine Bezeichnung für die Menge an Proteinen, welche pro Tag im Organismus abgebaut wird (ungefähr 15 mg pro kg Körpergewicht).


Abort

Abort, Fehlgeburt , das Ende einer Schwangerschaft vor der Geburt eines lebensfähigen Kindes. Ein Abort kann durch Komplikationen während der Schwangerschaft zustande kommen, z. B. bei einer → Toxoplasmoseinfektionoder durch eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Fetus und Mutter. Ein Abort kann aber auch aus medizinischen Gründen oder bei einer ungewollten Schwangerschaft ärztlich herbeigeführt werden. Man unterscheidet zwischen einem Frühabort (in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft) und einem Spätabort (ab dem vierten Schwangerschaftsmonat). Es gibt verschiedene Verlaufsformen eines Aborts: Beim einzeitigen oder vollständigen Abort (meistens ein Frühabort) wird der Embryo zusammen mit den Eihäuten vollständig ausgestoßen. Beim zweizeitigen oder unvollständigen Abort (meistens ein Spätabort) werden Fetus und Plazenta ähnlich wie bei einer Geburt erst nach einem Blasensprung und unter Wehen ausgestoßen. Häufig bleiben beim zweizeitigen Abort Teile der Plazenta oder der Eihäute in der Gebärmutter. Um Infektionen zu vermeiden, wird in einem solchen Fall eine Nachkürettage durchgeführt. Auch → Schwangerschaftsabbruch.


Abortinduktion

Abortinduktion, die Auslösung einer künstlichen Fehlgeburt ( → Abort) mittels Medikamenten (Abortiva). Auch → Schwangerschaftsabbruch.


abortiv

abortiv , unvollständig, abgekürzt verlaufend. Beispielsweise erreicht ein abortiv verlaufender Typhus nicht das volle Ausmaß der Krankheit und bessert sich ungewöhnlich schnell.


Abortivei

Abortivei, Windmole,Windei , eine in ihrer Entwicklung gestörte, befruchtete Eizelle, die nicht oder nur kurzzeitig lebensfähig ist und deshalb bis zur achten Schwangerschaftswoche ausgestoßen wird. Gründe für ein Abortivei können sowohl genetische Schäden sein als auch äußere Faktoren wie Sauerstoffmangel, Vergiftungen oder Strahlenschäden. Auch → Abort.


Abortivum

Abortivum, Abtreibungsmittel; eine Maßnahme, meist ein Medikament, zur Auslösung einer Fehlgeburt. Ein medikamentöses Abortivum wirkt in der Regel wehenerzeugend, so dass die Frucht abgestoßen wird. Zu den Abortiva gehören z. B. Mutterkornalkaloide, Chinin und Prostaglandine. Auch → Mifepriston.


Abrasion

Abrasion, Abrasio,Ausschabung , das Abtragen oder Abkratzen oberflächlicher Gewebestrukturen mit einem scharfen, löffelähnlichen Instrument (Curette). Die Abrasion kann zu diagnostischen Zwecken vom Arzt durchgeführt werden, z. B. das oberflächliche Abstragen einer Geschwulst zur Gewinnung von Untersuchungsmaterial. Meist bezieht sich der Begriff jedoch auf die Ausschabung der Gebärmutter, entweder nach einem unvollständigen Abort oder zur Gewinnung von Diagnosematerial zur Abklärung von Uterusblutungen. Auch → Curettage.


Abrasionszytologie

Abrasionszytologie, die zytologische Untersuchung von Zellen, die durch eine → Abrasiongewonnen wurden.


Abreibung

Abreibung , eine Form der Hydrotherapie. Hierbei wird der Körper ganz oder teilweise in ein kaltes oder warmes nasses Leinentuch eingewickelt und anschließend trockengerieben. Die Abreibung dient der Stärkung, der Abhärtung und dem Kreislauftraining. Kalte Abreibungen werden z. B. bei Fieberkranken vorgenommen. Warme oder heiße Abreibungen dienen der Wärmezufuhr von außen, z. B. bei Unterkühlung.


Abrissfraktur

Abrissfraktur, ein Knochenbruch im Bereich von Sehnen oder Bändern. Aufgrund hoher Zugkräfte, die auf die Sehne oder das Band einwirken, wird ein mit der Sehne oder dem Band verbundenes Knochenstück abgerissen. Eine Abrissfraktur kommt z. B. bei Frakturen im Knöchelbereich vor.


Abschirmung

Abschirmung , der Einsatz von strahlenabsorbierenden Teilen zum Schutz vor ionisierender Strahlung. In der Röntgendiagnostik werden z. B. Bleischürzen zur Abschirmung der Geschlechtsorgane verwendet.


Abschuppung

Abschuppung, → Desquamation.


Absence

Absence , eine anfallsartige, 10 bis 30 Sekunden dauernde Bewusstseinstrübung mit anschließender Amnesie. Meist handelt es sich dabei um die Sonderform eines epileptischen Anfalls ("petit mal"). Auch → Epilepsie.


Absiedlung

Absiedlung, → Metastase.


Absonderung

Absonderung, Isolierung , die räumliche Trennung von Patienten mit ansteckenden Krankheiten von den übrigen Patienten eines Krankenhauses bzw. von Gesunden, um eine Übertragung des Erregers zu vermeiden. Die Absonderung ist laut Bundesseuchengesetz eine zulässige bzw. erforderliche Maßnahme, um die Ausbreitung von Infektionen zu bekämpfen. Sie kann unter Umständen auch gegen den Willen der erkrankten Patienten erfolgen ( → Unterbringung).


Absorption

Absorption, die Aufnahme von Stoffen durch Zellwände und Membranen in den Körper, u.a. die Absorption von Medikamenten, z.B. die Absorption von Östrogen aus Östrogenpflastern durch die Haut.


Absorption

Absorption, die Abschwächung einer Strahlung (Licht, Röntgenstrahlen, elektromagnetische Strahlen) beim Durchqueren eines Stoffes, z.B. eines Körpergewebes. Auch → Resorption.


Absorptionsspektrum

Absorptionsspektrum,
Prisma
Ein Absorptionsspektrumzeigt die Bestandteile des Lichts, das von einem glühenden Körper (oben), von heißem Gas (Mitte) oder von einer mit kühlem Gas verdeckten Lichtquelle (unten) ausgeht.
die Aufteilung eines Lichtstrahls oder eines elektromagnetischen Strahls in seine Bestandteile beim Durchtritt durch eine Materie. Ein Lichtstrahl wird z. B. beim Durchtritt durch dickes, absorbierendes Glas gemäß seinem Absorptionsspektrum in farbige Lichtstrahlen zerlegt.


Abstammungsbegutachtung

Abstammungsbegutachtung, die Beurteilung einer Vaterschaft, Mutterschaft oder von verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen einzelnen Personen. Bei einer Abstammungsbegutachtung werden verschiedene vererbbare Eigenschaften (wie z. B. Blutgruppe oder Rhesusfaktor) oder eine DNA-Analyse beurteilt.


absteigend

absteigend, → descendens.


Absterben der Finger

Absterben der Finger, volkstümlicher Ausdruck für das Auftreten von Durchblutungsstörungen in den Fingern. Durch extrem verengte Arterien gelangt kaum mehr sauerstoffreiches Blut in einen oder mehrere Finger, deshalb verfärben sich die Finger weiß und beginnen zu schmerzen. Solche Durchblutungsstörungen treten v. a. bei großer Kälte auf. Sobald die Finger gewärmt werden, erweitern sich die Arterien und es strömt sauerstoffreiches Blut ins Gewebe, was eine reaktive Rötung der Haut zur Folge hat.


Abstillen

Abstillen, → Ablaktation.


Abstinenz

Abstinenz, Enthaltsamkeit, meist gegenüber Genuss- oder Suchtmitteln, z. B. Alkoholabstinenz.


Abstinenzsyndrom

Abstinenzsyndrom, → Entzugssyndrom.


Abstoßungsreaktion

Abstoßungsreaktion, die gegen ein Fremdgewebe, z. B. ein Transplantat gerichtete Immunabwehr des Empfängers. Man unterscheidet verschiedene Verlaufsformen: Bei einer perakuten Abstoßungsreaktion stirbt das Transplantat innerhalb weniger Tage vollständig ab. Bei einer akuten Abstoßungsreaktion, die innerhalb von Wochen bis Monaten nach der Transplantation auftritt, führen Gefäßveränderungen innerhalb des Transplantats zu einem Funktionsverlust und schließlich zu einer Abstoßung. Bei einer chronischen Abstoßungsreaktion. kommt es im Verlauf von Monaten bis Jahren ebenfalls zu einem Funktionsverlust des Transplantats. Auch → Graft-versus-Host-Reaktion, → Transplantatabstoßung.


Abstrich

Abstrich, Smear , die oberflächliche Entnahme von Haut- oder Schleimhautmaterial zu diagnostischen Zwecken, z. B. ein Rachenabstrich zur Untersuchung des gewonnenen Materials auf Bakterien oder ein Abstrich vom Gebärmutterhals (Cervix uteri) zur Untersuchung der Zellen auf Krebsvorstufen (Zellatypien).


Absud

Absud, veraltete Bezeichnung für eine abgekochte Flüssigkeit.


Abszess

Abszess, eine abgekapselte Eiteransammlung. Ein Abszess wird meist durch Bakterien, gelegentlich auch durch Pilze hervorgerufen. Ein Abszess kann überall im Körper auftreten, z. B. im Gehirn, in der Lunge oder in der Haut ( → Furunkel). Je nach Größe und Lokalisation kann ein Abszess Schmerzen, Fieber und örtliche Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung) hervorrufen (heißer Abszess). Bei einem sog. kalten Abszess, der meist durch Tuberkulosebakterien hervorgerufen wird, treten keine Entzündungszeichen auf. Die Behandlung besteht nach Möglichkeit in einer chirurgischen Eröffnung des Abzesses, damit der Eiter abfließen kann, und gegebenenfalls in einer antibiotischen Behandlung. Wird ein Abszess nicht fachgerecht behandelt, kann es unter Umständen zu einer Ausbreitung der Erreger über den ganzen Körper kommen (Sepsis).


Abszess, paranephritischer

Abszess, paranephritischer, ein Abzess in der Umgebung der Niere.


Abszess, periproktitischer

Abszess, periproktitischer, ein Abszess im Afterbereich. Der meist sehr schmerzhafte periproktitische Abszess muss eröffnet werden, sonst kann sich der Eiter in der gesamten Analgegend ausbreiten und zu schweren Komplikationen führen.


Abszess, subphrenischer

Abszess, subphrenischer , ein Abszess im Bauchraum unterhalb des Zwerchfells. Ein subphrenischer Abszess wird oft durch eine Operation im Bauchraum oder eine Organperforation ausgelöst (z. B. bei einem Magengeschwür oder einer Gallenblasenentzündung). Symptome sind hohes Fieber sowie atemabhängige Schmerzen im Brust- und Schulterbereich. Ein subphrenischer Abszess muss sofort eröffnet, drainiert und mit Antibiotika behandelt werden, da sonst schwere Komplikationen wie eine Peritonitis oder eine Sepsis auftreten können.


Abtreibung

Abtreibung, → Schwangerschaftsabbruch.


Abtreibungspille

Abtreibungspille, der umgangssprachliche Ausdruck für ein Medikament zum Abbruch einer Schwangerschaft in den ersten Tagen oder Wochen. Auch → Mifegyne®.


Abusus

Abusus , Missbrauch eines Medikaments oder Suchtmittels, z. B. Analgetikaabusus, Alkoholabusus. Auch → Abhängigkeit.


Abwehr

Abwehr, alle Vorgänge und Reaktionen des Körpers, die dazu dienen, den Organismus vor einer Schädigung z. B. durch fremde Substanzen oder Krankheitserreger zu schützen. Zu der Abwehr gehören die Vorgänge des → Immunsystems, aber auch physische Reaktionen wie erhöhte Alarmbereitschaft des Körpers sowie psychische Reaktionen wie Angst und Aufregung. Abwehrmechanismus, psychische Reaktion, die zum Schutz des eigenen Ichs vor einer Frustration abläuft. Abwehrmechanismen werden im Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung erlernt. Zu den häufigsten Abwehrmechanismen gehören u. a. Verdrängung, Rationalisierung, Regression, Sublimierung und Verleugnung.


Abwehrmechanismus

Abwehrmechanismus , psychische Reaktion, die zum Schutz des eigenen Ichs vor einer Frustration abläuft. Abwehrmechanismen werden im Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung erlernt. Zu den häufigsten Abwehrmechanismen gehören u. a. Verdrängung, Rationalisierung, Regression, Sublimierung und Verleugnung.


Abwehrreflex

Abwehrreflex, ein → Reflex, der das Individuum vor einer Schädigung schützen soll, z. B. der Fluchtreflex.


Abwehrschwäche

Abwehrschwäche, → Immundefekt.


Abwehrspannung

Abwehrspannung, krampfartige, reflektorische Anspannung der Bauchmuskulatur bei einem entzündlichen Prozess im Bauchraum, z. B. bei einer Appendizitis (Blinddarmentzündung). Das Auftreten einer Abwehrspannung bedeutet, dass das Bauchfell durch eine Entzündung gereizt oder mitbetroffen ist.


Acanthosis

Acanthosis, → Akanthose.


Acari

Acari, → Milbe.


Acaridosis

Acaridosis, eine durch → Milbenhervorgerufene Hauterkrankung, z. B. → Skabies(Krätze).


Accessorius

Accessorius , Kurzform für Nervus accessorius, der elfte Hirnnerv, der die Hals- und Teile der Schultermuskulatur anregt.


ACE

ACE, Abk. für → Angiotensin-converting enzyme.


ACE-Hemmer

ACE-Hemmer , ein Hemmstoff des Angiotensin-converting-Enzyms, das einen Blutdruckanstieg bewirkt. ACE-Hemmer stellen eine wichtige Gruppe der blutdrucksenkenden Medikamente dar. Sie werden auch zur Behandlung einer Herzinsuffizienz eingesetzt. Ihre wichtigsten Vertreter sind u. a. Captopril, Enalapril, Lisinopril und Ramipril. ACE-Hemmer können Nebenwirkungen wie Husten, Geschmacksstörungen oder Veränderungen des Blutbilds auslösen. Auch → Antihypertensivum.


Acephalus

Acephalus , eine schwere Form einer embryonalen Missbildung mit fehlender oder nur rudimentärer Anlage des Kopfes oder des Gehirns eines Kindes.


Acetabulum

Acetabulum, die knöcherne Pfanne des Hüftgelenkes.


Acetazolamid

Acetazolamid, ein Medikament, das im Auge die Bildung des Kammerwassers hemmt und dadurch den Augeninnendruck senkt. Mit Acetazolamid wird das → Glaukombehandelt.


Acetessigsäure

Acetessigsäure, ein Metabolit des Kohlenhydratstoffwechsels. Acetessigsäure wird in der Leber gebildet und gehört zu den Ketonkörpern. Es entsteht vermehrt bei Hunger und bei einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus. Auch → Ketonkörper.


Aceton

Aceton , eine farblose, nach Obst riechende Flüssigkeit. Im Körper entsteht Aceton im Stoffwechsel bei lang anhaltendem Hunger oder bei einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus. Aceton wird mit dem Urin oder über die Atmung ausgeschieden. Auch → Ketonkörper.


Acetonämie

Acetonämie, → Ketoazidose.


Acetonurie

Acetonurie, → Ketonurie.


Acetylcholin

Acetylcholin , chemische Substanz, die aus den Nervenendigungen freigesetzt wird und als Neurotransmitter wirkt. Acetylcholin bewirkt u. a. eine Weitstellung der Gefäße (Vasodilatation) und damit eine Blutdrucksenkung, ein Zusammenziehen der Bronchialmuskulatur und eine Tonussteigerung des Darmes.


Acetylcholinesterase

Acetylcholinesterase, Enzym, das Acetylcholin zu dem viel weniger wirksamen Cholin abbaut. Auch → Acetylcholinesterase-Hemmer.


Acetylcholinesterase-Hemmer

Acetylcholinesterase-Hemmer, Parasympathikomimetikum , Substanz, die das Acetylcholin abbauende Enzym hemmt. Dadurch steht Acetylcholin länger und in größeren Mengen zur Verfügung. Reversible Hemmstoffe der Acetylcholinesterase werden therapeutisch genutzt, z. B. bei der Behandlung der → Myasthenia gravis. Irreversibel wirkende Hemmstoffe werden als Insektizide verwendet und sind für den Menschen giftig.


Acetyl-Coenzym A

Acetyl-Coenzym A, Acetyl-CoA , → Acetyl-Koenzym A..


Acetylcystein

Acetylcystein , Abk. ACC, eine schleimverflüssigende Substanz. Acetylcystein verflüssigt auch zähes Bronchialsekret und wird deshalb therapeutisch in Medikamenten als Expectorans eingesetzt.


Acetyl-Koenzym A

Acetyl-Koenzym A, Acetyl-CoA , eines der wichtigsten → Koenzymeder A-Gruppe im Körper. Acetyl-CoA ist praktisch bei allen Stoffwechselvorgängen und in jeder lebenden Zelle unentbehrlich. Mangelerscheinungen sind nicht bekannt. Auch → Coenzym.


Acetylsalicylsäure

Acetylsalicylsäure, Abk. ASS, ein ursprünglich als Schmerzmittel und fiebersenkende Substanz entwickeltes Medikament, von dem inzwischen auch die Wirksamkeit als → Antiphlogistikumund → Thrombozytenaggregationshemmerbekannt ist. Vor allem wegen der letztgenannten Wirkung wird Acetylsalicylsäure vielfach zur Prophylaxe und zur Nachbehandlung der Arteriosklerose und ihrer Folgeschäden eingesetzt, z. B. zur Vorbeugung eines Herzinfarkts oder zu dessen Nachbehandlung. Als Nebenwirkung kann Acetylsalicylsäure die Schleimhaut des Gastrointestinaltraktes schädigen und bei Asthmatikern einen Asthmaanfall auslösen.


Achalasie

Achalasie, durch eine Nervenerkrankung bedingte Verkrampfung der glatten Muskulatur von Hohlorganen. Die Muskeln können sich nicht mehr entspannen, so dass das Lumen eingeengt wird. Eine Achalasie der Speiseröhre (Ösophagusachalasie) z. B. ruft ein Druckgefühl im Brustkorb und schmerzhafte Schluckstörungen hervor. Achalasien kommen auch im Darm und im Harntrakt vor. Die Therapie besteht in einer Aufsprengung des verengten Bezirkes mit Hilfe eines kleinen, aufblasbaren Ballons.


Achillessehne

Achillessehne , die Sehne, die den Wadenmuskel mit dem Knochen der Ferse, dem Fersenbein, verbindet.


Achillessehnenreflex

Achillessehnenreflex, die Verkürzung der Wadenmuskulatur und Beugung des Fußes nach Beklopfen der Achillessehne. Der Achillessehnenreflex wird zur Beurteilung des Nervensystems herangezogen. Fällt er zu stark oder zu schwach aus, liegt der Verdacht auf eine Schädigung innerhalb des Nervensystems vor. Auch → Pyramidenbahn.


Achillessehnenruptur

Achillessehnenruptur, teilweiser oder vollständiger Riss der → Achillessehne. Eine Achillessehnenruptur entsteht an einer vorgeschädigten Sehne oder bei einer extremen Belastung der Wadenmuskeln, z. B. bei einem Spurt. Nach einer Achillessehnenruptur ist die Fußsohlenflexion weitgehend aufgehoben, d. h. Zehenstand ist nicht mehr möglich. An der Stelle des Risses ist äußerlich eine Delle zu sehen. Eine Achillessehnenruptur wird durch Zusammennähen der beiden Sehnenenden behandelt; nach sechs Wochen kann die Wade in der Regel wieder normal belastet werden.


Achillodynie

Achillodynie, Schmerzen im Bereich der Achillessehne, z. B. bei einer Sehnenscheidenentzündung, einer Fußfehlstellung oder einer Überlastung der Fußgelenke.


Achlorhydrie

Achlorhydrie, Anazidität , eine auch nach Stimulation mit Gastrin (Pentagastrin) fehlende Produktion von Salzsäure durch die Drüsenzellen des Magens, Fehlen der Salzsäure im Magensaft. Salzsäure wird im Magen von den Belegzellen gebildet und hält den Magensaft bei 1,0 bis 1,5 pH. Bei einer Störung dieser Zellen vermindert sich der Gehalt an Salzsäure. Eine Achlorhydrie kann bei verschiedenen chronischen Magenerkrankungen auftreten, z. B. bei bösartigen Tumoren, perniziöser Anämie oder Autoimmunerkrankungen der Magenschleimhaut. Die Achlorhydrie selbst verursacht keine Beschwerden.


Acholie

Acholie, die fehlende Sekretion von Galle in den Darm, z. B. bei Verlegung des Gallenganges durch einen Gallenstein oder durch einen Tumor. Durch die Acholie ist der Stuhl hell und kalkfarben, d. h. reich an unresorbierten Fetten und Fettsäuren. Auch → Steatorrhö.


Achondroplasie

Achondroplasie, Chondrodysplasie,Chondrodystrophie , angeborene Erkrankung des Knorpelgewebes. Durch die stark eingeschränkte Bildung von Knorpel wird auch die Entstehung von Knochengewebe stark verzögert; die betroffenen Kinder bleiben sehr klein. Bereits bei der Geburt fallen die kurzen Arme und Beine sowie evtl. typische Veränderungen des Schädels auf. Die geistige Entwicklung der Kinder ist normal.


Achromatopsie

Achromatopsie, angeborene völlige Farbenblindheit. Die Patienten können nur Schwarz, Weiß und verschiedene Grautöne unterscheiden. Die Achromatopsie beruht auf einem Defekt der Zapfenzellen auf der Netzhaut.


Achsel

Achsel, die muldenartige Vertiefung unterhalb des Schultergelenkes. Die Achsel ist mit Duft-, Talg- und Schweißdrüsen ausgestattet. In der Achselhöhle liegen auch viele Lymphknoten, durch die die Lymphe aus den Armen und dem Brustbereich fließt. In diesen Lymphknoten siedeln sich bei einer Krebserkrankung der Brustdrüse die ersten Metastasen an. Deshalb werden die Achsellymphknoten bei einer Brustkrebsoperation zum Teil mit entfernt.


Achseldrüsen

Achseldrüsen , die zahlreichen, in der Achselhöhle liegenden Duft-, Schweiß und Talgdrüsen.


Achselhöhle

Achselhöhle, → Achsel.


Achsellymphknoten

Achsellymphknoten , die Lymphknoten, die im Bereich der Achsel und der Achselhöhle liegen. Besondere Bedeutung haben die Achsellymphknoten bei der Diagnose, der Behandlung und Prognose von Brustkrebs, da sich bei Brustkrebs in den Achsellymphknoten die ersten Metastasen ansiedeln. Bei einer Brustkrebs-Operation werden deshalb in der Regel auch einige Achsellymphknoten entnommen und untersucht.


Achsenametropie

Achsenametropie, eine Fehlsichtigkeit, die durch abnorme Verkürzung oder Verlängerung des Augapfels hervorgerufen wird ( → Achsenhyperopie, → Achsenmyopie). Auch → Ametropie.


Achsenhyperopie

Achsenhyperopie, eine angeborene → Hyperopiedurch einen zu kurzen Augapfel.


Achsenmyopie

Achsenmyopie, eine angeborene → Myopiedurch einen zu langen Augapfel. Die Achsenmyopie nimmt in der Regel bis zum Ende der Pubertät zu.


Achylie

Achylie, das Fehlen der Verdauungssäfte. Auch → Achlorhydrie.


Aciclovir

Aciclovir, ein Virustatikum zur Behandlung von Herpesinfektionen. Aciclovir hemmt die DNS-Synthese der Viren.


acid...

acid..., acido... , Wortteil von Begriffen, die sich auf sauer oder Säure beziehen, z. B. anacid, nicht sauer.


Acidum

Acidum, Säure, z. B. Acidum aceticum (Essigsäure), Acidum ascorbicum (Askorbinsäure), Acidum carbonicum (Kohlensäure), Acidum hydrochloricum (Salzsäure), Acidum salicylicum (Salizylsäure) oder Acidum sulfuricum (Schwefelsäure).


Acinus

Acinus, → Azinus.


Acne

Acne, → Akne.


Acquired immune deficiency syndrome

Acquired immune deficiency syndrome, → AIDS.


Acrodermatitis

Acrodermatitis, → Akrodermatitis.


Acrodermatitis chronica atrophicans

Acrodermatitis chronica atrophicans , eine seltene Hautmanifestation (Spätstadium) der Lyme-Krankheit ( → Lyme-Borreliose). Viele Wochen bis Jahre nach der Infektion mit Borrellien kommt es, besonders im Bereich der Extremitäten, zu einer Atrophie der Haut und des subkutanen Fettgewebes.


Acrylamid

Acrylamid, Acrylsäureamid , CH 2=CH-CO-NH 2, giftige und Krebs erzeugende organische Verbindung, die bei bestimmten Erhitzungsvorgängen entsteht. Seit 2002 ist bekannt, dass Acrylamid als unerwünschtes Nebenprodukt beim Frittieren, Braten und Rösten stärkehaltiger Produkte entsteht. Daher ist es z. B. in Pommes frites, Kartoffelchips, Cornflakes, Knäckebrot und verschiedenen Keksen in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten. Der Acrylamidgehalt der Produkte kann durch Veränderungen des Produktionsvorgangs reduziert werden. Der derzeitige Wissenstand über die Wirkung von Acrylamid auf den menschlichen Organismus reicht noch nicht aus, daher wurden noch keine Grenzwerte festgelegt.


Acrylsäure

Acrylsäure, eine einfache ungesättigte Fettsäure mit einem starken, stechenden Geruch.


ACTH

ACTH , Abk. für adrenocorticotropes Hormon. ACTH wird im Hypophysenvorderlappen gebildet und stimuliert die Nebennierenrinde zur Bildung von Cortison. Die Bereitstellung von ACTH und Cortison unterliegt einem Regelkreis, in dem der Bedarf und die Menge an Cortison die Bildung und Freisetzung von ACTH reguliert. ACTH wird als Diagnostikum zum Test der Leistungsfähigkeit der Nebennierenrinde benutzt (ACTH-Test). Therapeutisch wird es bei Cortisonmangel und gelegentlich bei bestimmten anderen Krankheiten verwendet. Auch → Addison-Krankheit.


ACTH-Test

ACTH-Test, ein Diagnoseverfahren zur Überprüfung der Funktion der → Nebennierenrinde. ACTH wird entweder gespritzt oder über eine Infusion verabreicht. Vor und nach der ACTH-Gabe werden im Urin die Cortisonwerte analysiert. Steigt die Cortisonproduktion nach der Zufuhr von ACTH nicht an, so liegt eine primäre → Nebennierenrindeninsuffizienzvor. Auch → Cortison, → Nebenniere.


Actin

Actin, Aktin, ein Protein der Muskelzelle, das für die Kontraktionsfähigkeit des Muskels wichtig ist. Auch → Myofilament.


Actinobacillus

Actinobacillus , eine Gattung von gramnegativen Stäbchenbakterien. Es gibt fünf Spezies des Actinobacillus, die häufigste ist Actinobacillus actinomycetem, der natürlicherweise die Mundhöhle des Menschen besiedelt.


Actinomyces

Actinomyces, ein grampositives Stäbchenbakterium in der Mundhöhle, Erreger der → Aktinomykose. Actinomyces wächst nur unter Luftabschluss und reagiert auf Antibiotika empfindlich, z. B. auf Penicillin und Ampicillin.


Actinomycin

Actinomycin, ein Antibiotikum/Zytostatikum, das u. a. zur Behandlung von Krebserkrankungen des lymphatischen Systems eingesetzt wird, z. B. bei Lymphogranulomatose und chronisch lymphatischer Leukämie. Auch → Leukämie.


Actinomycose

Actinomycose, Aktinomykose , eine Infektionskrankheit, deren Erreger v. a. Bakterien der Gattung Actinomyces israelii sind. Es gibt verschiedene Formen der A.: 1. zervikofaziale Actinomycose, eine Infektion mit Bildung einer blauroten Schwellung in der Haut des Gesichts und des Halses. 2. Lungenaktinomykose, eine Infektion des Lungengewebes mit Aktinomyzeten. 3. Darmaktinomykose, eine Infektion im Bereich des ileozökalen Übergangs oder des Wurmfortsatzes.


acusticus

acusticus, das Gehör betreffend, vom Gehör ausgehend.


ad...

ad..., Vorsilbe oder Wort mit der Bedeutung für, hinzu oder nach, z. B. ad libitum, nach Belieben.


Adaktylie

Adaktylie, das angeborene Fehlen einzelner oder mehrerer Finger bzw. Zehen.


Adamantoblast

Adamantoblast, Zelle in der Zahnanlage. Adamantoblasten bilden den Zahnschmelz. Sobald die Zähne durchbrechen, sterben die Adamantoblasten ab.


Adamsapfel

Adamsapfel, die Vorwölbung des Schildknorpels (Kehlkopf) beim Mann (sekundäres Geschlechtsmerkmal). Ausbildung und Größe des Adamsapfels sind hormonabhängig.


Adams-Stokes-Syndrom

Adams-Stokes-Syndrom, kurzer, aber lebensbedrohlicher Bewusstseinsverlust, hervorgerufen durch das Aussetzen des Herzschlages, z. B. durch eine Herzrhythmusstörung. Ein Adams-Stokes-Syndrom kommt durch eine Minderdurchblutung mit Sauerstoffmangel im Gehirn zustande. Symptome sind Schwindel, Blässe und Bewusstlosigkeit.


Adaptation

Adaptation, Anpassung,Gewöhnung , Anpassung des Organismus an veränderte Bedingungen, z.B. die Erhöhung der Atemfrequenz und der Herzschlagfrequenz bei körperlicher Anstrengung.


Adaptation

Adaptation, Anpassung,Gewöhnung , Adaptation des Auges an die herrschenden Lichtverhältnisse, z.B. an das Sehen im Dunkeln. Auch → Dunkeladaptation.


Adaptationssyndrom

Adaptationssyndrom, Anpassungsreaktion des Körpers auf lang andauernde bzw. häufige Stresssituationen. Stress auslösende Reize sind z. B. Zustände, die über längere Zeit zu psychischen oder körperlichen Belastungen führen. Der Körper reagiert u. a. mit einer vermehrten Freisetzung von → Adrenalinund der → Glucocorticoiden. Als Folge der gesteigerten Glucocorticoidproduktion kommt es zu einer Vergrößerung der Nebennierenrinde. Die gesteigerte Hormonfreisetzung entspricht einer Notfallreaktion des Körpers und führt zu einer Mobilisierung von Leistungsreserven. Nach anfänglich gesteigerter Leistungsfähigkeit entwickelt sich später ein Erschöpfungszustand. Typische Symptome des Erschöpfungsstadiums sind Schlafstörungen, Kreislaufprobleme und Leistungsminderung.


adaptierte Säuglingsnahrung

adaptierte Säuglingsnahrung, eine an die Bedürfnisse des Säuglings und die kindlichen Verdauungsverhältnisse angepasste Flaschennahrung.


Addison-Krankheit

Addison-Krankheit, Morbus Addison , der chronische Funktionsausfall beider Nebennierenrinden, vor allem als Produktionsstätte für Cortison. Ursache kann u. a. eine Autoimmunkrankheit (ca. 50%), eine Tuberkulose der Nebennieren (ca. 30%) oder ein Tumor sein. Die Addison-Krankheit führt zu Gewichtsverlust, einer Braunverfärbung der Haut (Bronzehaut), Schwäche, Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfen, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen. Körperliche Belastungen, Stress oder eine Infektionskrankheit können bei einem Addison-Kranken lebensgefährliche Schockzustände herbeiführen, sog. Addison-Krisen. Die Therapie der Krankheit besteht u. a. in einer vorsichtigen Cortisonsubstitution.


additiv

additiv, hinzufügend, zusätzlich.


Adduktion

Adduktion , die Bewegung zur Körpermitte oder zur Körperachse hin, z. B. das Heben der Zehen ist eine Adduktion der Fußspitze. Auch → Abduktion.


Adduktor

Adduktor, ein Muskel, der eine → Adduktionbewirkt, z. B. an der Hand oder an den Füßen.


Adduktorenkanal

Adduktorenkanal, Muskelrinne, in der im Oberschenkel die Arteria und Vena femoralis verlaufen.


Adduktorenreflex

Adduktorenreflex, das Anziehen des Beines oder Armes nach einem Schlag auf den medialen Knochenvorsprung der langen Röhrenknochen in Armen und Beinen. Der Adduktorenreflex dient der Überprüfung des Nervensystems; ist er nicht auslösbar, so besteht der Verdacht auf eine Schädigung des Gehirns. Auch → Reflex.


Adduktorenspasmus

Adduktorenspasmus, eine ausgeprägte Spastik der Adduktorenmuskeln an der Innenseite des Oberschenkels. Ein Adduktorenspasmus hat zur Folge, dass das betroffene Bein innenrotiert und an das andere Bein gepresst wird, dieses evtl. sogar überkreuzt. Die Folge sind Gang- und Haltungsstörungen. Ein Adduktorenspasmus kommt z. B. bei einer infantilen Zerebralparese oder einer amyotrophen Lateralsklerose relativ häufig vor. In schweren Fällen wird bei einem Adduktorenspasmus eine → Adduktorentenotomiedurchgeführt.


Adduktorentenotomie

Adduktorentenotomie, die Durchtrennung der Sehnen der Hüftadduktoren. Eine Adduktorentenotomie wird manchmal zur Behandlung eines → Adduktorenspasmusvorgenommen, um den Gang zu verbessern und einer spastischen Hüftgelenkluxation vorzubeugen.


Adenin

Adenin,
Adenin
Adenin
eine Purinbase und Teil des Nucleosids Adenosin. Adenin ist einer der vier Bausteine, die für die Codierung der Erbinformation in der DNS verantwortlich sind. Auch → Desoxyribonucleinsäure, → genetischer Code.


Adenitis

Adenitis, Drüsenentzündung, z. B. ist eine Lymphadenitis eine Entzündung und Schwellung der Lymphdrüsen, meist als Begleitreaktion bei einer entzündlichen Erkrankung.


Adenofibrom

Adenofibrom, ein gutartiger Tumor mit drüsigen und fibrösen Anteilen. Adenofibrome kommen vor allem in den Ovarien vor.


Adenohypophyse

Adenohypophyse, → Hypophyse.


adenoid

adenoid, drüsenähnlich.


Adenoide

Adenoide, → Rachenmandelhyperplasie.


adenoide Vegetationen

adenoide Vegetationen, → Rachenmandelhyperplasie.


Adenokarzinom

Adenokarzinom, eine Krebsgeschwulst, die aus entartetem Drüsengewebe besteht. Bei Brust-, Magen- oder Dickdarmkrebs handelt es sich meist um ein Adenokarzinom.


Adenom

Adenom , eine primär gutartige Geschwulst, die von Drüsen- oder Schleimhautgewebe ausgeht. Manche Adenome, z. B. solche, die im Kolon auftreten, haben die Tendenz, sich mit der Zeit bösartig (maligne) zu verändern. Auch → Dickdarmpolypose.


Adenomatose

Adenomatose , das vermehrte, überschüssige Wachstum von Drüsengewebe, z. B. in der Prostata. Meist ist mit Adenomatose jedoch die Entwicklung mehrerer Adenome gleichen Typs gemeint. Eine Adenomatose ist in der Regel gutartig, kann jedoch bösartig werden. Auch → Dickdarmpolyp.


Adenomyom

Adenomyom, eine Mischgeschwulst aus glatten Muskelzellen und Drüsengewebe. Ein Adenomyom kann z. B. in der Gebärmutter vorkommen.


Adenopathie

Adenopathie, die meist entzündliche Erkrankung einer oder mehrerer Drüsen. Auch → Lymphadenitis.


Adenosarkom

Adenosarkom, ein bösartiger Mischtumor aus Drüsengewebe, z. B. das embryonale Adenosarkom der Niere (Nephroblastom, → Wilms-Tumor), das hauptsächlich bei Kindern auftritt.


Adenosin

Adenosin, einer der vier Bausteine der Desoxyribonucleinsäure. Adenosin setzt sich aus der Purinbase Adenin und dem Zucker Ribose zusammen. Auch → Desoxyribonucleinsäure.


Adenosin-5-monophosphat

Adenosin-5-monophosphat, Abk. AMP, das Abbauprodukt von Adenosin-5-triphosphat.


Adenosin-5-triphosphat

Adenosin-5-triphosphat, Adenosintriphosphorsäure , Abk. ATP, einer der wichtigsten chemischen Energiespeicher; Energielieferant und -überträger bei allen energieabhängigen Stoffwechselvorgängen im menschlichen Körper. ATP wird innerhalb der Zellen in den Mitochondrien produziert.


Adenotomie

Adenotomie, Mandeloperation , die chirurgische Entfernung der Rachenmandeln, meistens wegen einer Vergrößerung oder wegen häufiger Entzündungen der Mandeln.


adenotrop

adenotrop, auf Drüsen wirkend, z. B. bestimmte Hormone.


Adenovirus

Adenovirus, DNS-Virus aus der Familie der Adenoviren mit 31 verschiedenen Typen. Adenoviren rufen u. a. Erkrankungen der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts hervor, die spontan wieder abheilen. Die Therapie einer Infektion mit Adenoviren ist daher lediglich symptomatisch.


Adeps

Adeps, Fett, Fettgewebe.


Adeps lanae

Adeps lanae, → Wollwachs.


Ader

Ader,
Ader
Der Aufbau von Arterien, Venen und Blutkapillaren unterscheidet sich aufgrund ihrer verschiedenartigen Funktionen. Die Arterienwände besitzen eine kräftige Muskelschicht, da sie dem großen Druck des vom Herzen ausgeworfenen Bluts standhalten müssen. Die Venen verfügen über ein Klappensystem, das den Rückfluss des Bluts verhindert. Die Gefäßwände der Kapillaren sind außergewöhnlich dünnwandig und erlauben so den Durchtritt der Blutkörperchen.
Blutgefäß, entweder eine Arterie oder eine Vene.


Adergeschwulst

Adergeschwulst, → Hämangiom.


Aderhaut

Aderhaut, → Choroidea.


Aderlass

Aderlass, die Entnahme von ca. 500 Milliliter Blut aus einer Vene. Die Menge bei einer Blutspende entspricht einem Aderlass. Aderlässe dienen u. a. zur Behandlung der → Hämochromatose. Weiterhin werden Aderlässe in der Naturheilkunde zur Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt. Als unblutigen Aderlass bezeichnet man die Stauung von venösem Blut in den Gliedmaßen durch Staubinden. Der unblutige Aderlass verhindert, dass zu viel venöses Blut zum Herzen zurückfließt und den Lungenkreislauf belastet (z. B. bei Herzinsuffizienz). Auch → ausleitende Verfahren.


ADH

ADH, Abk. für → antidiuretisches Hormon, ein Hormon, das im Hypothalamus gebildet wird. ADH bewirkt in den Nieren die Konzentration des Harns und damit eine Verminderung der Wasserausscheidung. Alkohol hemmt die ADH-Ausschüttung. Bei einem Mangel an ADH kommt es zu einem → Diabetes insipidus.


ADH

ADH, Abk. für das Enzym → Alkoholdehydrogenase.


adhärent

adhärent, anhaftend, angewachsen, verwachsen. Auch → Adhäsion.


Adhäsin

Adhäsin, eine Substanz, die von einem Mikroorganismus produziert wird und diesem die → Adhäsionan verschiedene menschliche Zellen erlaubt. Unterschiedliche Keime erzeugen auch unterschiedliche Adhäsine. Das Adhäsin eines jeden Keims erlaubt die Adhäsion an einem bestimmten Ort im Körper. So fixieren z. B. die Adhäsine der Streptokokken ihre Keime an die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums.


Adhäsion

Adhäsion , das Aneinanderhaften oder -kleben von Zellen oder Organen bzw. Organteilen. Eine Adhäsion kann z. B. durch entzündliche Vorgänge nach Operationen entstehen (Verwachsung). Nach Bauchoperationen kommt es gelegentlich zu Adhäsionen der Darmschlingen untereinander (Briden). Eine Adhäsion von Thrombozyten untereinander oder an einer Gefäßwand kann zu einem Thrombus führen. Auch → Thrombozytenaggregation.


ADHS

ADHS, Abkürzung für → Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.


Adiadochokinese

Adiadochokinese, die Unfähigkeit, rasch aufeinander folgende, entgegengesetzte Bewegungen durchzuführen, z. B. beim Aufdrehen eines Schraubverschlusses. Eine Adiadochokinese tritt bei einer Schädigung des Kleinhirns auf. Auch → Diadochokinese.


Adie-Syndrom

Adie-Syndrom, eine Erkrankung, die mit einem Verlust von Ganglienzellen einhergeht. Die Symptome sind u. a. Abschwächung der Muskelreflexe an den Beinen, eine Verminderung der Schweißproduktion und abgeschwächte Pupillenbewegungen. Das Adie-Syndrom tritt vor allem bei jüngeren Frauen auf.


adipös

adipös, übergewichtig, verfettet, fettleibig, fettsüchtig.


Adipositas

Adipositas, eine generalisierte Vermehrung von Fettgewebe, die mit Fettleibigkeit und → Übergewichteinhergeht. Eine Adipositas entsteht meistens durch eine Fehlernährung, in eher seltenen Fällen können auch Krankheiten (z. B. Störungen des Hormonstoffwechsels) für eine Adipositas verantwortlich sein.


Adipozyt

Adipozyt, Fettzelle , große, runde Zelle des Fettgewebes, die Fett in Form von einzelnen (sog. weißes Fett) oder mehreren Tröpfchen (sog. braunes Fett) enthält, die den Zellkern an den Rand der Zelle drängen. Auch → Fettgewebe.


Adiuretin

Adiuretin, → antidiuretisches Hormon, ADH.


Adjuvans

Adjuvans, eine Substanz, die selbst unwirksam ist, aber die Wirkung einer anderen verstärkt. Adjuvanzien werden häufig bei der Herstellung von Arzneimitteln verwendet, um die Wirksamkeit eines Medikaments zu verbessern. Manche Eisentabletten enthalten als Adjuvans z. B. Askorbinsäure, um das Eisen vor Oxidation zu schützen, weil nicht oxidiertes Eisen besser aus dem Darm aufgenommen wird.


adjuvant

adjuvant, unterstützend, z. B. eine adjuvante Chemotherapie zur Ergänzung einer Krebstherapie mittels Operation oder Bestrahlung.


Adnexe

Adnexe, Anhangsgebilde; meist wird der Begriff für die inneren Geschlechtsorgane der Frau (Eileiter und Eierstöcke) verwendet. Auch → Adnexitis.


Adnexektomie

Adnexektomie, die operative Entfernung eines oder beider Eierstöcke, z. B. aufgrund eines Karzinoms. Auch → Ovarektomie.


Adnexitis

Adnexitis, die ein- oder beidseitige Entzündung der Eileiter und Eierstöcke, meist durch eine bakterielle Infektion, die aus der Scheide oder dem Uterus aufsteigt. Eine Adnexitis ist meist sehr schmerzhaft und muss antiphlogistisch und antibiotisch behandelt werden. Manchmal verklebt der Eileiter auf der betroffenen Seite. Geschieht dies in beiden Eileitern, ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich, da das Ei nach dem Eisprung nicht mehr durch die Tube in den Uterus wandern kann. Auch → Salpingitis.


Adnextumor

Adnextumor, eine gut- oder bösartige Geschwulst des Ovars oder Eileiters, z. B. bei Endometriose oder Karzinom.


Adoleszenz

Adoleszenz, das Jugendalter. Es ist zeitlich nicht genau definiert und liegt zwischen der Pubertät und dem 21. bis 25. Lebensjahr.


adrenal

adrenal, von der Nebenniere ausgehend, die Nebenniere betreffend.


Adrenalektomie

Adrenalektomie , die operative Entfernung einer oder beider Nebennieren, z. B. bei einem Nebennierentumor.


Adrenalin

Adrenalin, ein Hormon, das überwiegend im Nebennierenmark gebildet wird. Adrenalin wirkt bei zahlreichen Vorgängen im Gehirn als Neurotransmitter und wird bei Stress vermehrt ausgeschüttet. Im Kreislauf wirkt Adrenalin gefäßverengend und blutdrucksteigernd, es beschleunigt auch den Herzschlag. Ferner erweitert Adrenalin die Bronchien, die Pupillen und fördert den Sauerstoffverbrauch im Organismus. In der Leber führt Adrenalin dazu, dass vermehrt Glykogen abgebaut wird. Therapeutisch wird Adrenalin bei Wiederbelebungsmaßnahmen eingesetzt, um den Herzschlag anzuregen. Nebenwirkungen einer Adrenalinanwendung sind z. B. Erhöhung des Blutdrucks, rascher Herzschlag, Zittern, Nervosität und Angst. Auch → Catecholamin, → Sympathomimetikum.


adrenalotrop

adrenalotrop, auf das Nebennierenmark wirkend.


Adrenarche

Adrenarche, der Beginn der vermehrten Androgenproduktion in der Pubertät. Die Adrenarche bewirkt u. a. das Wachstum von Achsel- und Schamhaaren.


adrenerg

adrenerg, durch Freisetzung von Adrenalin oder auf Adrenalinrezeptoren wirkend.


adrenocorticotropes Hormon

adrenocorticotropes Hormon, → ACTH.


adrenogenital

adrenogenital, die Nebenniere und die Keimdrüsen betreffend. Das → adrenogenitale Syndromist eine Krankheit, die durch eine übermäßige Produktion von Nebennierenrindenhormonen ausgelöst wird.


Adrenolytikum

Adrenolytikum, → Sympatholytikum.


Adrenomimetikum

Adrenomimetikum, → Sympathomimetikum.


Adsorbens

Adsorbens , Pulver oder Granulat, das andere Stoffe physikalisch bindet, z. B. Kohle, die Giftstoffe an sich bindet und damit inaktiviert. Auch → Adsorption.


Adsorption

Adsorption, die physikalische oder chemische Anlagerung oder Anreicherung von Substanzen auf oberflächenaktiven Feststoffen oder in oberflächenaktiven Flüssigkeiten, z. B. die Adsorption von Bakterien und Bakteriengiften an Kohle, die oft wegen dieser Wirkung zur Behandlung einer infektiösen Diarrhö eingesetzt wird.


Adstringens

Adstringens, eine Substanz, die durch Verklebung der obersten Eiweißschicht eines Gewebes auf diesem eine Schutzmembran gegen Infektionen, Austrocknung oder zur Blutstillung bildet. Viele Gurgelmittel gegen Halsentzündungen und Mittel zur Wundbehandlung wirken u. a. auf diesem Weg.


adult

adult, erwachsen, ausgewachsen.


Adult respiratory distress syndrome

Adult respiratory distress syndrome, ARDS,Schocklunge , ein akutes Lungenversagen, das mit höchster Atemnot und einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff einhergeht. Ein ARDS kann bei einer Sepsis, einem schweren Trauma oder bei einem Schock vorkommen. Es entsteht aufgrund einer Schädigung der Lungenbläschen und der kleinen Gefäße durch zahlreiche Entzündungsmediatoren und freie Radikale. Ein ARDS ist lebensgefährlich und muss intensivmedizinisch behandelt werden. Die Therapie besteht in erster Linie aus einer speziell angepassten Beatmung, der medikamentösen Vorbeugung von Komplikationen wie → Embolieund → Lungenentzündungund vor allem in der Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit.


Adventitia

Adventitia, Kurzbezeichnung für Tunica adventitia, die Außenschicht u. a. der Eingeweide oder der Blutgefäße, die hauptsächlich aus Bindegewebe besteht.


Adynamie

Adynamie, Kraft- und Energielosigkeit, Schwäche, z. B. bei einer Addison-Krankheit oder bei einer Muskeldystrophie.


Aedes

Aedes , eine Gattung von Stechmücken, die verschiedene Tropenkrankheiten übertragen können, z. B. Gelbfieber.


aer...

aer..., aero... , Vorsilbe mit der Bedeutung Luft, Nebel, Gas. Auch → Aerosol.


aerob

aerob , auf das Vorhandensein von Sauerstoff angewiesen. Z. B. sind aerobe Bakterien nur in Gegenwart von Sauerstoff überlebens- und vermehrungsfähig. Auch → Aerobier, → Anaerobier.


Aerobier

Aerobier, ein Bakterium, das zum Überleben Sauerstoff benötigt, z. B. Strepto- und Staphylokokken. Auch → Anaerobier.


aerogen

aerogen, aus der Luft stammend, mit der Luft übertragbar, Gas bildend. Aerogen sind z. B. Tröpfcheninfektionen mit Viren oder Gas bildende Bakterien.


Aeromonas

Aeromonas , eine Gattung von Gas bildenden, begeißelten Stäbchenbakterien, die in Gewässern vorkommen. Aeromonas kann verschiedene nosokomiale Infektionskrankheiten auslösen, z. B. Lungenentzündungen, Wundinfekte, Durchfallerkrankungen oder Mandelentzündungen. Vor allem abwehrgeschwächte Menschen werden von einer Aeromonasinfektion betroffen. Die Therapie besteht in der Verabreichung von Antibiotika.


Aerootitis

Aerootitis, heftige Ohrbeschwerden wie Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit und Schwindel, die bei plötzlichen Luftdruckänderungen auftreten, z. B. beim Fliegen oder Tauchen. Die Ursache für eine Aerootitis ist ein Verschluss der Tube und ein daraus resultierender Unterdruck im Mittelohr.


Aerosol

Aerosol, Sprühnebel , feinste feste oder flüssige Teilchen (Schwebstoffe), die in einem Gas verteilt sind. Als Medikament wird die galenische Form des Aerosols für Substanzen benutzt, die direkt auf die Schleimhaut der Atmungsorgane einwirken sollen. Dabei wird der Wirkstoff mit Hilfe eines Treibmittels vernebelt. Bei der Asthmabehandlung werden z. B. Kortikosteroide, die tief in die Atemwege gelangen sollen, als Aerosol verabreicht. Auch → Dosieraerosol, → Inhalation.


Aerosoltherapie

Aerosoltherapie, eine Inhalationstherapie mit als Aerosol zubereiteten Arzneien, z. B. das Inhalieren von Kortikosteroiden zur Asthmabehandlung.


Aescin

Aescin , ein Saponingemisch aus ca. 30 Einzelsubstanzen, das aus dem Samen der Rosskastanie gewonnen wird. Aescin wird bei Venenleiden angewandt, hauptsächlich bei Erkrankungen der Beinvenen, um Ödeme, Schmerzen und Schweregefühl zu lindern. Eine mögliche Nebenwirkung ist die Schleimhautschädigung des Gastrointestinaltraktes.


Aesculus hippocastanum

Aesculus hippocastanum, → Rosskastanie.


afebril

afebril , fieberfrei, ohne Fieber verlaufend.


Affekt

Affekt, Gefühlswallung, eine kurzdauernde, sehr heftige Gemütserregung, z. B. Wut oder Euphorie, die häufig auch mit körperlichen Symptomen wie Blässe, Herzklopfen oder einem Schweißausbruch einhergeht.


Affekthandlung

Affekthandlung, eine Handlung bei einer heftigen Gemütserregung, meistens ein aggressiver Akt, bei dem die Einsicht in die möglichen Folgen fehlt.


Affektkrampf

Affektkrampf , ein heftiger Wutanfall bei Kleinkindern, der mit einem Atemstillstand und einer Zyanose bis hin zur Bewusstlosigkeit einhergehen kann. Es handelt sich dabei um eine vasomotorische Störung infolge eines Erregungszustandes, eine organische Ursache liegt nicht vor.


Affektlabilität

Affektlabilität, Bezeichnung für einen psychischen Zustand, bei dem rasche und starke Gefühlsschwankungen auftreten. Der betroffene Patient hat Mühe, seine Emotionen zu kontrollieren. Eine Affektlabilität ist häufig ein Symptom einer Psychose (z. B. einer Alkoholkrankheit) oder einer Demenz (z. B. Alzheimer).


Affektstarre

Affektstarre , die Unfähigkeit, Emotionen zu modulieren und einer neuen Situation anzupassen. Eine Affektstarre tritt vor allem bei Psychosen auf, z. B. bei einer Schizophrenie oder bei Depressionen.


afferent

afferent, hinführend (im Gegensatz zu efferent, wegführend), z. B. die afferenten Nervenbahnen, die Nervenimpulse von der Peripherie ins Zentralnervensystem leiten.


Afferenz

Afferenz, eine zu einem Organ oder zum Nervensystem hin verlaufende Blut- oder Nervenbahn.


Aflatoxin

Aflatoxin , Gift von schimmelbildenden Aspergillus-Pilzen. Aflatoxin ist schon in geringen Mengen Krebs erregend. Es wird vor allem in verschimmelten Nüssen und Getreiden gebildet; der Schimmelbefall ist dabei nicht immer sichtbar.


AFP

AFP, Abk. für → Alphafetoprotein.


After

After, → Anus.


Afterjucken

Afterjucken, ein heftiger Juckreiz am Anus, hervorgerufen z. B. durch Hämorrhoiden, ein Analekzem oder Wurmbefall.


Afterload

Afterload, der Widerstand, der vom Herzen bei der Austreibung des Blutes in den Körperkreislauf überwunden werden muss. Der Afterload entspricht vereinfacht dem in der Aorta herrschenden Druck, der seinerseits vom Widerstand der peripheren Gefäße abhängig ist. Auch → Preload.


Afterloading-Verfahren

Afterloading-Verfahren, Nachladetechnik , Methode der Strahlentherapie. Zuerst wird ein leerer Applikator in dem zu bestrahlenden Gewebe platziert. Anschließend wird, meist ferngesteuert, für eine definierte Zeit eine Strahlenquelle eingebracht. Ermöglicht die gezielte Bestrahlung des Tumorgewebes mit geringer Belastung des umliegenden Gewebes.


Afterwurm

Afterwurm, → Enterobius vermicularis.


Ag

Ag, Abk. für Antigen.


Agalaktie

Agalaktie, das Ausbleiben der Milchsekretion nach der Geburt oder in der Stillzeit. Ursache einer Agalaktie können hormonelle Störungen sein. Auch → Laktation.


Agammaglobulinämie

Agammaglobulinämie, ein angeborener (fast) vollständiger Mangel an Antikörpern (Gammaglobulinen). Eine Agammaglobulinämie schlägt sich in vermehrten, meist bakteriellen Infektionen wie Lungenentzündungen und Bronchitiden nieder. In den ersten Lebensmonaten sind die betroffenen Kinder noch durch die Gammaglobuline der Mutter geschützt, deshalb treten erste Symptome in der Regel erst nach dem sechsten Lebensmonat auf. Die Therapie besteht in einer Substitution von Gammaglobulinen. Auch → Gammaglobulin.


Aganglionose

Aganglionose, eine Entwicklungsstörung der Ganglienzellen im End- und Dickdarm. Infolge einer Aganglionose sind die entsprechenden Darmabschnitte stark verengt, was bei den betroffenen Kindern zu einem Darmverschluss führt.


Agar

Agar, Agar-Agar , geruch- und farbloser Extrakt aus Meeresalgen, der unter Zugabe von Wasser geliert. Agar wird überwiegend in der Bakteriologie als Nährboden zur Züchtung von Bakterien verwendet. Agar ist auch in manchen Abführmitteln enthalten und kommt in der Küche als Geliermittel zum Einsatz.


Agenesie

Agenesie, die fehlende Anlage oder Entwicklung eines Organs oder Körperteiles, z. B. eine Agenesie einer Niere oder einer Zahnanlage. Auch → Aplasie.


Agens

Agens, ein wirksamer Stoff, ein wirksames Prinzip. Bei einem Agens kann es sich um den Wirkstoff eines Arzneimittels, aber auch um eine krankmachende Substanz oder einen krankmachenden Faktor handeln. Z. B. ist das Bakterium Helicobacter pylori das zugrundeliegende Agens zahlreicher Magengeschwüre.


Agent orange

Agent orange, ein Herbizid, das vor allem im Vietnamkrieg zur Entlaubung der Wälder eingesetzt wurde. Agent orange enthält extrem giftige Substanzen, die bereits in geringsten Dosen Vergiftungserscheinungen auslösen, z. B. Leberschäden, Veränderungen der Blutzellen, Schädigungen der Atemwege und der Herzkranzgefäße, Störungen des Nervensystems oder Depressionen.


Agglomeration

Agglomeration, → Aggregation.


Agglutination

Agglutination, die Verklumpung antigentragender Teilchen oder Zellen durch gegen ihre Antigene gerichtete Substanzen, z. B. durch Antikörperbildung gegen Blutkörperchen einer unverträglichen Blutgruppe. Auch → Antigen-Antikörper-Reaktion, → Hämagglutination.


Agglutinationsreaktion

Agglutinationsreaktion, eine → Antigen-Antikörper-Reaktion. Antigentragende Teilchen (z. B. Erythrozyten) verklumpen nach Kontakt mit entsprechenden Antikörpern. Die Reaktion wird bei serologischen und bakteriologischen Untersuchungen angewandt ( → Agglutination).


Agglutinin

Agglutinin, eine Substanz, die Antigene zur Agglutination (Verklumpung) bringen kann.


Agglutinogen

Agglutinogen, ein zellspezifisches Oberflächenantigen, das sich an Antikörper binden kann und dadurch eine Agglutination auslöst.


Aggravation

Aggravation, Verschlimmerung, Übertreibung. Der Begriff kann sich sowohl auf die Verschlechterung einer Krankheit beziehen, z. B. die Aggravation einer Herzinsuffizienz, wie auch auf die übertriebene Darstellung von Symptomen durch einen Patienten. Auch → Hypochondrie.


Aggregation

Aggregation, eine Anhäufung, Zusammenballung von Teilchen, z. B. Blutplättchen. Im Gegensatz zu einer Agglutination lässt sich eine Aggregation wieder auflösen. Auch → Thrombozytenaggregation, → Thrombozytenaggregationshemmer.


Aggregatzustand

Aggregatzustand , der feste, flüssige oder gasförmige Zustand einer Materie. Bei Temperaturen unter 0°C liegt Wasser z. B. als Eis in einem festen Aggregatzustand vor, über 0°C ist der Aggregatzustand flüssig, ab 100°C ist der Aggregatzustand des Wassers gasförmig.


Aggression

Aggression, ein Angriffsverhalten bei Mensch oder Tier. Es gibt verschiedene Theorien, warum aggressives Verhalten existiert. Welche davon richtig ist, ist nicht bekannt. Ein verstärkter oder abgeschwächter Aggressionstrieb kann bei verschiedenen psychischen Krankheiten auftreten, z. B. bei Neurosen oder Psychosen.


Agitation

Agitation, → Agitiertheit


Agitiertheit

Agitiertheit, Agitation, großer körperlicher Bewegungsdrang, motorische Unruhe. Die Betroffenen können sich nicht ruhig verhalten. Eine Agitation tritt z. B. bei Psychosen und im Delirium auf.


Agnosie

Agnosie , eine Beeinträchtigung der elementaren Wahrnehmungsfähigkeit, das Nichterkennen oder Falschzuordnen von Geräuschen, Bildern oder Reizen. Eine Agnosie wird durch Störungen in der Hirnrinde hervorgerufen, z. B. bei einer Demenz. Die visuelle Agnosie (Seelenblindheit) ist eine Störung, bei der ein Patient trotz intakter Sehorgane nicht sehen bzw. Gesehenes nicht erkennen und einordnen kann. Bei der akustischen Agnosie (Seelentaubheit) sind die Hörorgane intakt, der Patient erkennt Gehörtes aber trotzdem nicht oder kann es nicht interpretieren.


Agnus castus

Agnus castus, → Mönchspfeffer.


Agonie

Agonie, Todeskampf , das einer tiefen Ohnmacht ähnliche Stadium vor dem Tod. Es ist gekennzeichnet durch das zunehmende Versagen lebenswichtiger Körperfunktionen, von denen der Herzschlag und die Atmung zuletzt ausfallen. Auch → Tod.


Agonist

Agonist, ein Muskel, der in Koordination mit seinem Gegenspieler, dem Antagonisten, eine bestimmte Funktion bewirkt.


Agonist

Agonist, eine Substanz, z.B. ein Medikament, das gleichsinnig wirkt wie ein anderes Medikament oder ein körpereigener Stoff. Das Asthmamedikament Salbuterol ist z.B. ein Beta-2-Agonist, d.h. es führt ebenso wie Adrenalin durch Interaktion mit den Beta-2-Rezeptoren der Bronchialmuskulatur zur Erweiterung der kleinen Bronchien. Auch → Antagonist.


Agoraphobie

Agoraphobie, Platzangst; ausgeprägte Angstgefühle und Panikattacken beim Betreten offener Plätze. Die Agoraphobie ist oft von körperlichen Symptomen wie Schwäche, Schweißausbrüchen oder Zittern begleitet. Auch → Angsterkrankung, → Phobie.


Agrafie

Agrafie, eine schwere Störung der Schreibfähigkeit bis hin zur Schreibunfähigkeit. Die Ursache einer Agrafie liegt nicht in motorischen Problemen der Hand, sondern in einer Störung im Gehirn. Eine Agrafie tritt z. B. nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma auf.


Agrammatismus

Agrammatismus , eine Sprachstörung, bei der Satzbau und Grammatik fehlerhaft oder eingeschränkt sind. Kennzeichnend für einen Agrammatismus sind kurze, evtl. auch fehlerhafte Sätze (Telegrammstil), fehlerhafte Konjugationen und Deklinationen sowie das Verwenden von Infinitiven. Agrammatismus tritt als Symptom bei einer Aphasie oder einer geistigen Behinderung auf.


Agranulozytose

Agranulozytose , eine hochgradige Verminderung oder das komplette Fehlen von Granulozyten im Blut oder Knochenmark. Eine Agranulozytose kann bei Leukämien auftreten oder infolge einer medikamentösen Krebsbehandlung. Sie kann auch durch chemisch-toxische Schädigungen und Allergien ausgelöst werden. Symptome einer Agranulozytose sind z. B. Fieber, Herzklopfen und Abgeschlagenheit. Schon früh im Krankheitsverlauf treten Schleimhautgeschwüre auf, z. B. in der Mundhöhle oder im Darm. Viele der Patienten sterben infolge einer Lungenentzündung oder einer Blutvergiftung (Sepsis).


Agrimonia eupatoria

Agrimonia eupatoria, → Odermennig.


AHB

AHB, Abk. für → Anschlussheilbehandlung.


Ähnlichkeitsprinzip

Ähnlichkeitsprinzip , der therapeutische Grundsatz der Homöopathie, wonach Heilmittel, die bei einem Gesunden bestimmte Symptome hervorrufen würden, eben diese Beschwerden bei einem Kranken heilen können. Auch → Homöopathie.


Ahornsirupkrankheit

Ahornsirupkrankheit , eine erbliche Störung im Aminosäurenstoffwechsel. Bereits im Säuglingsalter fallen die betroffenen Kinder durch eine Trink- und Muskelschwäche, Atemstörungen und Krämpfe auf. Charakteristisch für die Krankheit ist der Geruch des Urins nach Karamell bzw. Ahornsirup. Die Therapie besteht in einer lebenslangen Diät mit verminderter Zufuhr bestimmter Aminosäuren (Valin, Leucin und Isoleucin). Die Ahornsirupkrankheit ist schon vor der Geburt diagnostizierbar (Pränataldiagnostik).


AIDS

AIDS,
AIDS
Das HI-Virus baut seine eigene Erbinformation in die der Helfer-T-Zelle ein.
Abk. für acquired immune deficiency syndrome, eine erstmals 1981 beschriebene Viruserkrankung, die zu schweren Störungen des Immunsystems führt und dieses schließlich völlig ausschaltet. Auslöser der Krankheit ist das HI-Virus (HIV= Humanes Immundefizienz-Virus). Eine Ansteckung mit diesem Erreger kann auf verschiedenen Wegen erfolgen: durch direktes Einbringen des Bluts eines Infizierten in die Blutbahn einer anderen Person (z. B. durch kleine Haut-/Schleimhautwunden, Bluttransfusionen oder Injektionsnadeln), durch sexuelle Kontakte mit Austausch von Samen- oder Vaginalflüssigkeit oder durch die Übertragung des Virus einer infizierten Mutter auf ihr ungeborenes Kind. Antikörper gegen das HIV lassen sich manchmal schon drei Wochen nach seiner Übertragung nachweisen, manchmal auch erst nach einem halben Jahr. Nach der Infektion befällt das Virus hauptsächlich Lymphozyten und Makrophagen, insbesondere die T-Helfer-Zellen (auch: CD4-Zellen) des Immunsystems, die für die Abwehr von Viren zuständig sind, vermehrt sich in ihnen und zerstört sie schließlich.Die Erkrankung verläuft in vier Stadien. 1. Die ersten Krankheitssymptome treten kurz nach der Infektion in Form einer meist generalisierten Lymphknotenschwellung auf, evtl. auch mit Fieber und grippalen Symptomen. 2. Danach folgt eine asymptomatische Zeit, die zehn Jahre und länger dauern kann. 3. Im dritten Krankheitsstadium treten erneut Lymphknotenschwellungen auf, meist am Hals und im Nacken. Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Durchfall kommen meist hinzu. Dieses Stadium wird auch als Lymphadenopathie-Syndrom oder AIDS-related Complex bezeichnet. 4. In der vierten Phase kommt es schließlich zum Vollbild der AIDS-Krankheit mit Abnahme der Leistungsfähigkeit, Gewichtsverlust, Fieberschüben und gehäuften Infektionen, z. B. mit Herpesviren. Auch opportunistische Erreger wie Pneumocystis carinii, Cytomegalie-Viren oder atypische Mykobakterien führen in dieser Zeit zu schweren, potenziell tödlichen Infektionen. Auch bestimmte bösartige Neubildungen, hauptsächlich maligne Lymphome und Kaposi-Sarkome, werden im Stadium IV gehäuft beobachtet.AIDS ist nicht heilbar. Die Therapie besteht in einer Kombination von Medikamenten zur Hemmung der Virusvermehrung (verschiedene Hemmstoffe der Reversen Transkriptase und der Protease und Fusionshemmer). Mit dieser Behandlung lässt sich die Entwicklung der Erkrankung deutlich verlangsamen. Ein zuverlässiger Impfstoff gegen AIDS existiert noch nicht, auch eine passive Immunisierung ist nicht möglich. Der beste Schutz vor einer Ansteckung besteht in der möglichst sparsamen Verwendung sorgsam getesteter Blutkonserven bzw. Eigenbluttransfusionen, geschütztem Sexualverkehr und sauberem Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum. Auch → HIV, → HIV-Infektion, → Immunsystem.


AIDS-Beratungsstelle

AIDS-Beratungsstelle , Sammelbegriff für staatliche und nichtstaatliche Institutionen, deren Ziel und Aufgabe es ist, die Bevölkerung hinsichtlich der Verbreitung und Übertragung von AIDS aufzuklären sowie HIV-Infizierte oder AIDS-Kranke zu beraten und zu betreuen. Bundesweit zählen dazu die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Berlin), der Nationale AIDS-Beirat des Bundesgesundheitsministeriums, das Robert-Koch-Institut (Berlin), die Deutsche AIDS-Hilfe e. V. in Berlin sowie die Arbeitsgemeinschaft deutscher AIDS-Stiftungen, zu der u. a. die Deutsche AIDS-Stiftung "Positiv leben" in Köln gehört. Auf der Ebene der Länder und Gemeinden bieten die Gesundheitsämter AIDS-Beratung und Betreuung an; zudem gibt es zahlreiche nichtstaatliche Stiftungen oder Verbände.


AIDS-Infektionsregister

AIDS-Infektionsregister, AIDS-Fallregister , Register, in dem alle Infektionen mit HIV bundesweit registriert werden. Das AIDS-Infektionsregister wird vom Robert-Koch-Institut in Berlin geführt, dem Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Auch für bestimmte andere Infektionskrankheiten gibt es entsprechende Register; Ärzte, Kliniken und Gesundheitsämter haben die Pflicht, diese Erkrankungen bzw. Infektionen zu melden.


AIDS-related Complex

AIDS-related Complex, das Stadium der AIDS-Erkrankung, in dem vermehrt generalisierte Symptome auftreten, vor allem Lymphknotenschwellungen. Auch → AIDS.


Aitken-Klassifikation

Aitken-Klassifikation, die Einteilung von gelenknahen Knochenbrüchen bei Kindern. Bei einer → Epiphysiolyse(Aitken 0) genügt meistens eine Reposition und Ruhigstellung. Bei zunehmender Beteiligung der → Epiphysenfuge(Aitken I-III) muss die Fraktur meistens operativ behandelt werden, da es sonst zu frühzeitigen Verknöcherungen und damit zu Fehlstellungen in den Gelenken kommen kann. Bei einer Kompressionsfraktur der → Epiphysenfuge(Aitken IV) muss das Kind noch bis zum Abschluss des Wachstums nachkontrolliert werden, damit Wachstumsstörungen am Ort der Fraktur frühzeitig erkannt und gegebenenfalls korrigiert werden können.


AK

AK, Abk. für → Antikörper.


Akalkulie

Akalkulie , Rechenschwäche.


Akanthokeratose

Akanthokeratose, eine Verdickung der Stachelzell- und Hornschicht der Haut, z. B. bei älteren Menschen.


Akanthom

Akanthom, Stachelzellgeschwulst , ein gutartiger Tumor, der aus Keratinozyten der Haut besteht. Auch → Haut.


Akanthose

Akanthose, Acanthosis , eine Verdickung der Haut durch eine übermäßige Wucherung der Stachelzellen.


Akanthosis nigricans

Akanthosis nigricans, eine Hauterkrankung, bei der sich hyperpigmentierte, braun verfärbte Stellen bilden, vor allem im Nacken, an den Achseln und im Genitalbereich. Die Ursachen sind z. B. bestimmte Medikamente oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. Eine Akanthosis nigricans kann auch als → Paraneoplasieauftreten, z. B. bei Vorliegen eines Adenokarzinoms.


Akanthozyt

Akanthozyt, rotes Blutkörperchen mit kleinen Ausläufern (so genannte Stechapfelform). Akanthozyten im Blut können z. B. bei hämolytischen Anämien oder nach der Anwendung bestimmter Medikamente auftreten.


Akathisie

Akathisie, die Unfähigkeit stillzusitzen. Eine Akathisie kann bei Hirnerkrankungen auftreten, z. B. bei der Parkinson-Krankheit, oder als Nebenwirkung von Medikamenten, z. B. Neuroleptika. Auch → Hyperkinesie.


Akinesie

Akinesie, die fehlende Mimik des Gesichts durch starre Gesichtsmuskulatur oder die ausbleibende bzw. herabgesetzte Beweglichkeit von Armen und Beinen, auch die fehlende Mitbewegung der Extremitäten beim Gehen. Die Akinesie wird nicht durch muskuläre Störungen, sondern durch eine zerebrale Beeinträchtigung hervorgerufen. Sie ist ein häufiges Symptom der Parkinson-Krankheit.


akinetisch

akinetisch, starr, bewegungslos.


Akklimatisierung

Akklimatisierung , die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen wie Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit oder Luftdruck, z. B. auf einer Reise. Eine vorsichtige Akklimatisierung ist vor allem beim Aufstieg in große Höhen notwendig, sonst kann es infolge Sauerstoffmangels zu verschiedenen Beschwerden kommen (Höhenkrankheit).


Akkommodation

Akkommodation,
Akkommodation
Durch Akkomodationkann beim Weitsehen ein entfernter Gegenstand (grüner Punkt) durch die Streckung der Augenlinse scharf auf der Netzhaut abgebildet werden, während der Schärfepunkt eines nahen Objekts (violetter Punkt) dahinter liegt. Beim Nahsehen sorgt die gewölbte Linse dafür, dass der nahe Gegenstand (grüner Punkt) scharf auf der Netzhaut abgebildet wird, während sich die Abbildung des weiten Objekts (violetter Punkt) vor der Netzhaut befindet und daher unscharf wahrgenommen wird.
die Fähigkeit des Auges, die elastische Augenlinse zur scharfen Darstellung eines Bildes auf der Netzhaut gemäß der Entfernung des abzubildenden Gegenstandes zu verformen. Bei großem Abstand nimmt die Linse deshalb eine mehr elliptoide, bei kurzer Distanz eine eher kugelige Form an. Die ellipsenartige Abflachung der Augenlinse wird durch den Zug der ringförmigen Zonulafasern bewirkt, ihre Kontraktion zur Kugel durch den → Ziliarmuskel. Im Alter nimmt die Fähigkeit zur Akkommodation ab ( → Presbyopie).


Akkommodationslähmung

Akkommodationslähmung , das Unvermögen des Auges, nahe liegende Bereiche scharf auf der Netzhaut abzubilden. Eine Akkommodationslähmung ist meist durch eine Schädigung der Hirnnerven bedingt und kann z. B. bei einem Diabetes mellitus vorkommen.


Akkomodationsspasmus

Akkomodationsspasmus, eine Verkrampfung des Ziliarmuskels im Auge mit einer Naheinstellung (extreme Kurzsichtigkeit). Ursachen eines Akkomodationsspasmus sind u. a. pupillenverengende Medikamente oder Augenverletzungen.


Akme

Akme, der Gipfel, z. B. Höhepunkt einer Fieberkurve oder einer fieberhaften Erkrankung.


Akne

Akne, → Akne vulgaris.


Akne vulgaris

Akne vulgaris,
Akne vulgaris
Verstopfte und entzündete Talgdrüsen
eine meist in der Pubertät auftretende Hautkrankheit. Bei der Akne vulgaris kommt es durch vermehrte Talgbildung zu Verstopfungen der Hautfollikel, vor allem im Bereich von Gesicht, Nacken, Brust und Rücken, und der Ausbildung von Komedonen (Mitessern). Durch bakterielle Besiedlung können die Mittesser zu entzündlichen Pusteln und Papeln werden, die häufig bei der Abheilung kosmetisch störende Narben hinterlassen. Zur Therapie ist neben der Hautreinigung mit geeigneten Waschlotionen und der lokalen Behandlung mit Benzoylperoxid und Antibiotika manchmal auch eine systemische antibiotische Behandlung nötig. In schweren Fällen wird die streng kontrollierte Verabreichung von Retinoiden (Vitamin A-Abkömmlingen) angewendet.


Akoasma

Akoasma, die Halluzination von Geräuschen, z. B. Pfeifen, Zischen oder Rauschen. Akoasmen treten vor allem bei schizophrenen Patienten auf.


akral

akral, an den → Akren, die distalen Körperteile betreffend.


Akranie

Akranie, angeborene Missbildung mit vollständigem Fehlen des Schädels und des Gehirns.


Akren

Akren, die am weitesten von der Körpermitte entfernten Körperteile. Zu den Akren zählen die Endglieder von Fingern und Zehen, die Ohrmuscheln, die Nase und das Kinn.


Akrodermatitis

Akrodermatitis, → Acrodermatitis chronica atrophicans.


Akrodynie

Akrodynie, chronische Quecksilbervergiftung bei Kindern. Die häufigsten Symptome sind Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schuppung und bläuliche Verfärbung der Haut, Muskelhypotonie, Schmerzen und Schwellungen an Händen und Füßen, erhöhter Blutdruck und Tachykardie.


Akromegalie

Akromegalie, ein Wachstum der Akren im Erwachsenenalter. Charakteristisch ist dabei die Vergrößerung der Schädelknochen sowie der Hände und Füße. Das Krankheitsbild wird meist durch ein Adenom im Hypophysenvorderlappen hervorgerufen, das vermehrt das Wachstumshormon Somatotropin produziert. Der Überschuss an Somatotropin kann auch zu einem Diabetes mellitus oder zu einer Hypertonie führen. Wenn das Adenom auf die Sehnerven im Gehirn drückt, treten Sehstörungen auf. Die Therapie besteht in einer operativen Entfernung des Tumors.


Akromikrie

Akromikrie, Kleinheit der Akren, durch einen Mangel an Wachstumshormonen hervorgerufen.


Akropigmentation

Akropigmentation , die Hyperpigmentierung der Akren (Hände, Füße, Gesicht), z. B. bei einer Hypothyreose.


Akrozephalie

Akrozephalie, eine Missbildung, bei der sich infolge einer frühzeitigen Verwachsung der Schädelnähte beim betroffenen Kind ein lang gezogener Schädel bildet (Turmschädel).


Akrozyanose

Akrozyanose, Akrocyanose, eine bläuliche Verfärbung der Haut an den Akren (Finger, Zehen, Nase, Ohren) bei kalter Umgebungstemperatur oder bei Durchblutungsstörungen.


Aktin

Aktin, → Actin.


Aktinomykose

Aktinomykose, → Actinomycose.


Aktionspotenzial

Aktionspotenzial, die Signalfortleitung z. B. in den Nerven durch die kurzzeitige Änderung des Membranpotenzials erregbarer Zellen. Das Aktionspotenzial besteht aus einer kurzen Depolarisationsphase und einer längeren Repolarisationsphase.


Aktivitäten des täglichen Lebens

Aktivitäten des täglichen Lebens, ATL , in der Krankenpflege gebräuchlicher Begriff, der die Grundbedürfnisse des menschlichen Lebens zusammenfasst. Dazu zählen Atmen, Essen und Trinken, Waschen, Ankleiden, Schlafen, Kommunizieren, Bewegen, Regulieren der Verdauung und Körpertemperatur, Gestalten des Tages, sich als Mensch/Person erleben. Indem die ATL z. B. eines Patienten oder Heimbewohners einzeln beurteilt werden, lässt sich eine individuelle, ganzheitliche Pflege entwickeln, bei der die einzelnen Schwächen und Stärken des Patienten berücksichtigt und behoben bzw. gefördert werden.


Aktivkohle

Aktivkohle, → Carbo medicinalis.


Akupressur

Akupressur, eine Form der chinesischen Massage, bei der mit einer stumpfen Nadel oder mit den Fingern Druck auf bestimmte Punkte ausgeübt wird, die auf einem der → Meridianeliegen. Auch → Akupunktur.


Akupunktmassage

Akupunktmassage, eine Mischform aus Akupressur und Vibrationsstimulation bestimmter → Meridiane. Das Verfahren wird bei funktionellen Störungen und chronischen Schmerzen eingesetzt.


Akupunktur

Akupunktur, eine Heilmethode der chinesischen Medizin und eine der weltweit am meisten verbreiteten Behandlungsmethoden. Akupunktur basiert auf dem System der → Meridiane, auf denen, gemäß dem Konzept der traditionellen chinesischen Medizin, die energetischen Ströme des Körpers fließen. Bei unterschiedlichen Gesundheitsstörungen werden Akupunkturnadeln entlang der Meridiane verschieden tief in die Haut eingestochen, um die gestörten Energieströme wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Insgesamt gibt es weltweit über 20 verschiedene Techniken der Akupunktur. Die Akupunktur wird auch in der westlichen Welt zunehmend von Ärzten und Heilpraktikern angewandt, häufig in Kombination mit modernen Techniken, z. B. als Elektro- oder Laserakupunktur. Auch → traditionelle chinesische Medizin.


Akupunkturnadel

Akupunkturnadel, rostfreie Edelstahlnadel, die zur → Akupunktureingesetzt wird.


Akustikus

Akustikus, Bezeichnung für den Nervus acusticus, den VIII. Hirnnerven, der für das Gehör und das Gleichgewicht zuständig ist.


Akustikusneurinom

Akustikusneurinom, ein gutartiger Tumor, der von den Nervenscheiden des VIII. Hirnnerven ( → Akustikus) ausgeht. Ein Akustikusneurinom verursacht Ohrgeräusche, eine Hörminderung und Schwindel. Ein lange bestehendes und wachsendes Akustikusneurinom kann durch Druck den Nerven schädigen. Die Therapie des Akustikusneurinom besteht in einer chirurgischen Entfernung.


akustisch

akustisch, über das Gehör vermittelt, das Gehör betreffend oder mit dem Gehör zusammenhängend.


akut

akut , im medizinischen Sprachgebrauch eine Störung oder Krankheit mit einem plötzlichen Beginn. Zum Beispiel ist eine akute Blinddarmentzündung durch das plötzliche Einsetzen der Symptome gekennzeichnet.


Akute-Phase-Proteine

Akute-Phase-Proteine, verschiedene Eiweiße, die in der Leber gebildet werden und deren Konzentration im Blut bei einer Entzündung stark zunimmt. Zu diesen Proteinen gehören z. B. das C-reaktive Protein und das Albumin. Die Akute-Phase-Proteine spielen eine wichtige Rolle bei der Immunreaktion. Die entsprechenden Serumwerte geben dem Arzt Hinweise darauf, in welchem Stadium einer Erkrankung sich ein Patient befindet. Eine Heilung der Krankheit geht in der Regel mit einer Normalisierung des Spiegels der Akute-Phase-Proteine einher.


akutes Abdomen

akutes Abdomen , ein plötzlich einsetzendes Krankheitsbild mit Abdominalschmerzen, Erbrechen oder Blähungen als Zeichen einer ernsten Störung im Bauchraum. Je nach der zugrunde liegenden Ursache, z. B. einer Darmperforation oder einer Eileiterschwangerschaft, können beim akuten Abdomen auch Fieber oder ein Kreislaufschock auftreten. Das akute Abdomen ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der eine notfallmäßige Abklärung und eine sofortige Therapie (meistens eine Operation) erforderlich macht.


Akutkrankenhaus

Akutkrankenhaus , Klinik, die Patienten eine rasche, intensive, meist kurzzeitige Behandlung (wenige Wochen) ihrer Erkrankung bietet. Akutkrankenhäuser gibt es für die verschiedenen Fachrichtungen der Medizin, jedoch kann auch ein Allgemeinkrankenhaus als Akutkrankenhaus fungieren. Nach der ärztlichen und pflegerischen Betreuung wird der Patient entweder geheilt oder deutlich gebessert entlassen oder in ein peripheres Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung verlegt.


Akutmittel

Akutmittel, ein homöopathisches Arzneimittel, das zur Behandlung einer akuten oder wiederauftretenden Erkrankung eingenommen wird.


Akzeleration

Akzeleration, Beschleunigung , z. B. im Vergleich zum vorigen Jahrhundert die Akzeleration des Längenwachstums der Menschen. Heute werden die Menschen durchschnittlich fünf bis zehn Zentimeter größer als noch vor 100 Jahren. Man nimmt an, dass dieses Phänomen mit der besseren Ernährung und den hygienischeren Lebensumständen zusammenhängt.


akzessorisch

akzessorisch, überzählig, zusätzlich, z. B. eine akzessorische (eine dritte) Brustwarze.


Akzessoriuslähmung

Akzessoriuslähmung , Schiefhals durch die Lähmung des Nervus accessorius, des XI. Hirnnerven. Die Symptomatik besteht in einer Neigung des Kopfes zur gesunden und einer Drehung des Kinns zur kranken Seite durch die Lähmung eines der Kopfdrehermuskeln. Häufig ist die Ursache iatrogen, z. B. eine Verletzung des Nerven bei der diagnostischen Entnahme eines Lymphknotens.


akzidentell

akzidentell, zufällig, unbedeutend. Ein akzidentelles Herzgeräusch ist eines ohne pathologische Bedeutung.


Alalie

Alalie, die Unfähigkeit, artikulierte Laute zu bilden. Die Alalie kommt vor allem bei einer verzögerten Sprachentwicklung vor, z. B. bei einer geistigen Behinderung.


Alanin

Alanin , eine Aminosäure aus der Gruppe der nicht essenziellen Aminosäuren. Alanin dient u. a. als Baustein der Pantothensäure. Auch → Aminosäure.


Alaninaminotransferase

Alaninaminotransferase, ALAT,Glutamat-Pyruvat-Transaminase,GPT , ein Enzym, das die Umwandlung von Glutamat und Pyruvat zu Alanin katalysiert und das nahezu in jedem Gewebe des menschlichen und tierischen Körpers vorkommt. Wegen des gehäuften Vorkommens in Leber- und Herzmuskelzellen hilft die Bestimmung der Serumkonzentration der Alaninaminotransferase bei der Diagnose von Lebererkrankungen (vor allem Hepatitis) und beim Herzinfarkt.


ALAT

ALAT, Abk. für → Alaninaminotransferase.


albicans

albicans, weißlich.


Albinismus

Albinismus, die Farblosigkeit von Haut, Haaren oder der Iris durch fehlende Bildung des Pigments Melanin. Die Ursachen eines Albinismus sind meistens genetischer Natur. Menschen oder Tiere mit einem Albinismus haben weißblonde Haare, hellblaue oder rötliche Augen und eine hellrosafarbene Haut. Oft leiden sie auch unter Lichtscheu, Nystagmus (Augenzittern) und einer verminderten Sehschärfe. Auch → Melanin, → Vitiligo.


Albino

Albino, ein Lebewesen, das unter → Albinismusleidet.


Albumin

Albumin , Serumalbumin , ein Eiweiß, das den Hauptteil der Serumproteine bildet. 50-60% der Serumproteine bestehen aus Albumin. Es dient als Trägerstoff z. B. für Fettsäuren, Vitamine, Spurenelemente und viele Pharmaka und ist ein wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks in den Blutgefäßen. Eine Verminderung der Albuminkonzentration im Blut ist ein Hinweis auf verschiedene Erkrankungen, z. B. eine Leberzirrhose oder Tuberkulose.


Albumin-Globulin-Quotient

Albumin-Globulin-Quotient, das Verhältnis von Albumin und Globulin in Blut oder Liquor. Bei Albuminverlusten, z. B. bei manchen Leber- oder Nierenerkrankungen, ist der Albumin-Globulin-Quotient erniedrigt.


Albuminurie

Albuminurie , eine erhöhte Albuminausscheidung mit dem Urin. Zur Albuminurie kommt es z. B. bei manchen Nierenerkrankungen, u. a. beim nephrotischen Syndrom. Normalerweise werden pro 24 Stunden im Urin weniger als 20 Milligramm Albumin ausgeschieden. Auch → Proteinurie.


Alcea rosea

Alcea rosea, Stockrose.


Aldehyd

Aldehyd , das Oxidationsprodukt eines primären Alkohols. Aldehyde spielen bei zahlreichen biochemischen Vorgängen im Körper eine wichtige Rolle.


Aldehyddehydrogenase

Aldehyddehydrogenase, ein in der Leber vorkommendes Enzym, das am Abbau von Alkohol beteiligt ist.


Aldosteron

Aldosteron, ein Hormon der Nebennieren, das zur Gruppe der Mineralokortikoide gehört. Aldosteron hat eine wichtige Funktion bei der Regulation des Wasserhaushalts im Körper. Es steuert nicht nur die Wasserausscheidung bzw. -retention, sondern über das → Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systemauch das extrazelluläre Flüssigkeitsvolumen und die Menge des Blutplasmas und damit den Blutdruck. Auch → Aldosteronantagonist, → Mineralokortikoid.


Aldosteronantagonist

Aldosteronantagonist, Substanz, die der Wasser retinierenden (zurückhaltend) Wirkung von Aldosteron in der Niere entgegenwirkt. Aldosteron-Antagonisten werden als Medikamente u. a. zur Behandlung der arteriellen Hypertonie eingesetzt, denn durch vermehrte Wasserausscheidung sinkt das Plasmavolumen und damit der Blutdruck. Zu den Medikamenten aus der Gruppe der Aldosteron-Antagonisten gehören z. B. Spironolacton und Triamteren. Auch → Aldosteron.


Aldosteronismus

Aldosteronismus, → Hyperaldosteronismus.


Aldosteron stimulierendes Hormon

Aldosteron stimulierendes Hormon, → Angiotensin II.


Aleukie

Aleukie, → Agranulozytose.


Alexander-Technik

Alexander-Technik, ein komplementärmedizinisches Verfahren zum richtigen Einsatz von Haltung und Bewegung. In der Alexander-Technik wird gelehrt, körperliche Fehlreaktionen oder falsche Bewegungsabläufe bewusst wahrzunehmen und zu korrigieren.


Alexander-Technik

Alexander-Technik, ein Synonym für die → Eutonienach Gerda Alexander.


Alexie

Alexie, das Unvermögen zu lesen. Die Alexie beruht nicht auf einer Störung des Sehvermögens, sondern auf einer Fehlfunktion des Gehirns. Sie ist Folge von einer Hirnverletzung oder Schlaganfall.


Algesie

Algesie, die Schmerzhaftigkeit, das Schmerzempfinden. Auch → Analgesie.


...algie

...algie, Wortteil mit der Bedeutung Schmerz.


Algodystrophie-Syndrom

Algodystrophie-Syndrom, → Sudeck-Dystrophie.


Algopareunie

Algopareunie, das Auftreten von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, besonders bei der Frau. Eine Algopareunie kann durch anatomische Besonderheiten ausgelöst werden (z. B. Narben oder Entzündungen im Genitalbereich), hat oft aber auch eine psychosomatische Komponente.


Algurie

Algurie, Schmerzen beim Wasserlassen, z. B. bei einer Harnröhren- oder einer Blasenentzündung.


alimentär

alimentär, von der Ernährung abhängig, durch die Ernährung bedingt, mit der Ernährung zusammenhängend.


Alimentation

Alimentation, die Ernährung.


alkalisch

alkalisch, basisch , das Gegenteil von azid bzw. sauer. In einem alkalischen Milieu überwiegen laugenartige Bestandteile. Der Verdauungssaft des Pankreas ist z. B. leicht alkalisch, sein pH-Wert liegt bei etwa 8. Auch → Lauge, → pH, → Säure.


Alkaloid

Alkaloid, basischer Pflanzenstoff mit einer ausgeprägten pharmakologischen Wirkung. Alkaloide bilden den Wirkstoff zahlreicher Medikamente, z. B. von Morphinpräparaten.


Alkalose

Alkalose , das Überwiegen von basischen Komponenten im Blut mit einem Anstieg des arteriellen pH über 7,44. Eine Alkalose kann durch den Verlust von Säureionen entstehen, z. B. bei Erbrechen von saurem Magensaft (metabolische Alkalose). Wird in der Lunge über eine vermehrte Atmung, z. B. durch Atemnot bei einer Lungenentzündung, zu viel saures Kohlendioxid abgegeben, entsteht eine respiratorische Alkalose. Das Gegenteil der Alkalose ist die → Azidose. Auch → Säure-Basen-Haushalt.


Alkalose, kongenitale

Alkalose, kongenitale, eine angeborene Stoffwechselstörung, bei welcher der Säure-Basen-Haushalt nicht ausgeglichen ist. Es werden vermehrt Säuren ausgeschieden, daher kommt es zu einer metabolischen Alkalose, kongenitale. Die betroffenen Kinder leiden schon als Neugeborene unter starkem Durchfall. Mit einer angepassten Diät entwickeln sich die Kinder normal.


Alkalose, metabolische

Alkalose, metabolische , die Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichtes im Blut in Richtung Basenüberschuss, bedingt durch den Verlust saurer Komponenten, z. B. bei Erbrechen, oder die übermäßige Zufuhr basischer Substanzen. Eine ausgeprägte metabolische Alkalose muss mit der intravenösen Gabe saurer Substanzen behandelt werden. Auch → Alkalose, → Säure-Basen-Haushalt.


Alkalose, respiratorische

Alkalose, respiratorische, die Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichtes im Blut in Richtung Basenüberschuss, bedingt durch den übermäßigen Verlust von Kohlendioxid über die Lunge bei Atemnot und vermehrter Atmung, z. B. bei einer Lungenentzündung. Auch → Alkalose, → Säure-Basen-Haushalt.


Alkaptonurie

Alkaptonurie , eine seltene, autosomal-rezessive Erbkrankheit, bei der eine Störung im Aminosäurenstoffwechsel vorliegt. Wegen einer fehlenden oder gestörten Enzymaktivität können Phenylalanin und Tyrosin nicht vollständig abgebaut werden, sodass es zur vermehrten Ausscheidung von Homogentisinsäure im Urin kommt. Typischerweise verfärbt sich der Urin beim Stehenlassen dunkelbräunlich. Durch Ablagerung von Pigment können sich Hornhaut sowie Knorpel von Auge, Nase und Ohr dunkel verfärben. Im Erwachsenenalter treten oft degenerative Gelenkerkrankungen auf.


Alkohol

Alkohol , Kohlenwasserstoff, bei dem die H-Ionen durch OH-Gruppen ersetzt sind. Je nach Anzahl der Kohlenstoffatome gibt es verschiedene Alkohole, z. B. Äthylalkohol, die Grundlage der alkoholischen Getränke. Eine Übermäßiger Alkoholkonsum führt zu psychischen Symptomen wie Euphorie und Rausch, zur Steigerung der Diurese, Gangstörungen und Blutdruckabfall. Auch → Alkoholkrankheit, → Alkoholvergiftung.


Alkoholabusus

Alkoholabusus, der übermäßige Konsum von Alkohol bzw. alkoholischen Getränken. Fortgesetzter Alkoholabusus kann zu psychischer und physischer Abhängigkeit vom Alkohol und zu schweren Gesundheitsschäden führen. Auch → Alkoholkrankheit.


Alkoholdehydrogenase

Alkoholdehydrogenase, Abk. ADH, das Enzym (organische Verbindung), das in der Leber für den Abbau von Alkohol verantwortlich ist.


Alkoholdelir

Alkoholdelir, Alkoholpsychose , Delirium tremens, eine durch chronischen Alkoholmissbrauch hervorgerufene Psychose mit Halluzinationen, Unruhe sowie örtlicher und zeitlicher Desorientierung. Das Alkoholdelir kann von körperlichen Symptomen wie Zittern, Schwitzen oder Herzklopfen begleitet sein. Der Zustand ist lebensbedrohlich wegen der Gefahr eines Herz-Kreislauf-Versagens. Auch → Alkoholkrankheit.


Alkoholembryopathie

Alkoholembryopathie, Missbildung und Schädigung des ungeborenen Kindes durch Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft. Zu den Symptomen der Alkoholembryopathie gehören u. a. eine Wachstumsverzögerung, Retardierung der geistigen Entwicklung und typische Gesichtsveränderungen (breiter Nasenrücken, kurze Lidspalten, schmales Lippenrot).


Alkoholismus

Alkoholismus, → Alkoholkrankheit.


Alkoholkrankheit

Alkoholkrankheit, Alkoholismus ,
Alkoholkrankheit
Leberschädigung durch Alkohol
die gesundheitliche, psychische und soziale Schädigung eines Menschen durch chronischen Alkoholabusus. Eines der Hauptsymptome der Alkoholkrankheit ist das Auftreten von Entzugserscheinungen bei Abstinenz. Bei den alkoholbedingten Organschäden stehen die Alkoholhepatitis bzw. -fettleber und die Leberzirrhose im Vordergrund. Zu den organischen Manifestationen der Alkoholkrankheit gehören aber auch eine akute oder chronische Pankreatitis, eine Ösophagitis, Gastritis, Kardiomyopathie und Schädigungen des Gehirns oder der Nerven. Zu den körperlichen Schädigungen bringt die Alkoholkrankheit zahlreiche soziale Probleme im privaten Bereich und am Arbeitsplatz mit sich. Die Therapie besteht in einer stationären Alkohol-Entgiftungsbehandlung, gefolgt von einer Entziehungskur, die ambulant oder in einer Fachklinik durchgeführt werden kann. Rückfälle treten häufig auf, sie mindern die langfristigen Erfolgschancen jedoch nicht, so dass weder der Kranke noch seine Angehörigen die Hoffnung auf eine dauerhafte Abstinenz aufgeben sollten. Die Veranlagung zur Alkoholkrankheit bleibt allerdings auch nach erfolgreicher Therapie lebenslänglich bestehen. Ehemalige Alkoholkranke dürfen nie wieder Alkohol trinken, da sonst ein Rückfall in das süchtige Trinken droht. Auch → Abhängigkeit, → Entzug.


Alkoholpolyneuropathie

Alkoholpolyneuropathie , eine Schädigung der peripheren Nerven durch langjährigen Alkoholmissbrauch. Zuerst kommt es an den Extremitäten zu strumpfförmigen Parästhesien (Kribbeln, Ameisenlaufen) und Sensibilitätsminderungen, später können Muskelatrophien und Lähmungen auftreten.


Alkoholpsychose

Alkoholpsychose, → Alkoholdelir.


Alkoholvergiftung

Alkoholvergiftung , eine durch Alkohol ausgelöste Vergiftungsreaktion. Man unterscheidet eine akute und eine chronische Form. Die akute Alkoholvergiftung (Rausch) tritt bei einer schnellen und hochdosierten Alkoholzufuhr (mehr als 100 g) auf. Beim Patienten zeigt sich eine Störung der Kleinhirnfunktion mit Schwanken und Stampfen, Lallen, Verwirrtheit, in fortgeschrittenem Stadium Bewusstlosigkeit bis hin zur Atemlähmung. Bei schwerer Alkoholvergiftung sollte zur Entfernung von Restalkohol eine Magenspülung erfolgen. Die lebenswichtigen Körperfunktionen müssen mit intensivmedizinischen Maßnahmen aufrechterhalten, der Alkoholspiegel im Blut gegebenenfalls durch Dialysebehandlungen gesenkt werden. Unter einer chronischen Alkoholvergiftung versteht man das Krankheitsbild der → Alkoholkrankheit.


ALL

ALL, Abk. für akute lymphatische → Leukämie.


Allantois

Allantois,
Allantois
Aus der Allantois(Urharnsack) geht während der Embryonalentwicklung die Harnblase hervor.
der Urharnsack des Embryos. Er bildet sich im Verlauf der Embryonalentwicklung wieder zurück.


Allel

Allel , ein Paar einander entsprechender Gene, die auf homologen Chromosomen (je eines von Mutter und Vater) liegen. Die Erbanlagen, die auf diesen Genen lokalisiert sind, können sich leicht voneinander unterscheiden. Jeder Elternteil gibt ein Allel eines Allelpaars an das Kind weiter. Auch → heterozygot, → homozygot.


Allergen

Allergen,
Allergie
Entstehung einer allergischen Reaktion
eine Substanz, die eine Allergie auslösen kann. Allergene sind z. B. Gräserpollen, die bei empfänglichen Personen zu Heuschnupfen führen. Allergene können durch Einatmen (Inhalationsallergen, z. B. Pilzsporen), Nahrungsaufnahme (Nahrungsmittelallergie), Injektion (Medikamentenallergie, Insektenstich) oder Hautkontakt (Kontaktekzem) in den Körper gelangen. Auch → Allergie.


Allergenkarenz

Allergenkarenz , die Meidung oder Ausschaltung von Allergenen, z. B. der Verzicht auf bestimmte, allergische Symptome auslösende Nahrungsmittel oder die Hausstaubsanierung einer Wohnung. Die Allergenkarenz ist die wirkungsvollste Maßnahme zur Vermeidung von allergischen Beschwerden.


Allergentestung

Allergentestung, eine diagnostische Maßnahme zur Feststellung der Ursache einer Allergie. Die Allergentestung erfolgt durch einen ärztlich kontrollierten Kontakt mit dem verdächtigten Allergen, z. B. durch Einspritzen unter die Haut. Bei einem positiven Ergebnis rötet sich das Gebiet um die Einstichstelle herum und bildet eine Quaddel.


Allergie

Allergie,
Allergie
Ablauf einer allergischen Reaktion vom Eindringen eines Antigens bis zur Reaktion.
die Überempfindlichkeit des Organismus mancher Menschen bei bestimmten, an sich nicht krank machenden Reizen, z. B. Gräserpollen oder den Kot der Hausstaubmilbe. Bei der Allergie werden durch den Allergenreiz IgE-Antikörper gebildet, die im Blut zirkulieren und bei einem Kontakt mit dem Allergen zu einer Reaktion des Immunsystems führen. Man unterscheidet vier Arten der Allergie.1. Allergie vom Soforttyp, wobei es innerhalb von Minuten nach dem Allergenkontakt zu Reaktionen kommt wie Niesen und Augentränen bei Heuschnupfen. Auch allergisches Asthma und Nesselfieber gehören zu dieser Gruppe. Schwere Reaktionen, z. B. bei Bienenallergikern auf einen Bienenstich, können lebensbedrohliche Symptome wie einen Kreislaufschock hervorrufen (anaphylaktischer Schock). 2. Allergie vom zytotoxischen Typ, bei der es innerhalb von sechs bis zwölf Stunden zu einer Reaktion des Körpers kommt. Ein typisches Beispiel ist die Reaktion des Organismus nach einem Transfusionszwischenfall. 3. Allergie vom Immunkomplextyp. Der Antigen-Antikörperkomplex wird in verschiedenen Geweben aktiv. Die allergische Reaktion erfolgt nach sechs bis zwölf Stunden, ein Beispiel ist die allergische Vaskulitis. 4. Allergie vom Spättyp: Diese Allergieform wird hauptsächlich durch Allergen-sensibilisierte Lymphozyten ausgelöst: Stunden bis Tage nach dem Kontakt mit dem Allergen kommt es zu einer Reaktion, die sich meist an der Haut zeigt, z. B. in Form eines Ausschlages bei der Arzneimittelallergie.


allergisch

allergisch, überempfindlich, zur Allergie bei bestimmten Reizen neigend, z. B. allergisch gegen Gräserpollen.


Allergologie

Allergologie, Zweig der Medizin, der sich mit der Entstehung und Behandlung von Allergien befasst (meistens ein Teilgebiet der Dermatologie). Der Begriff wird manchmal auch für die wissenschaftliche Erforschung von Allergien verwendet.


Allgemeinmedizin

Allgemeinmedizin , Fachrichtung der Medizin, die sich mit der Diagnose und Behandlung der alltäglichen und mit der Weichenstellung zur Abklärung und Behandlung spezieller Krankheiten befasst. Zur Allgemeinmedizin gehören auch die Vermittlung einer gesunden Lebensführung und die Krankheitsvorsorge. Der typische Vertreter der Allgemeinmedizin ist der Hausarzt.


Allgemeinnarkose

Allgemeinnarkose, → Narkose.


Allgemeinsymptom

Allgemeinsymptom , ein Begriff aus der Homöopathie für ein Symptom, das den gesamten Organismus betrifft, z. B. ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Ein Allgemeinsymptom gibt Auskunft über den Gesamtzustand des Patienten. Dementsprechend erfolgt die Auswahl der Arzneien. Der Begriff wird aber auch in der Schulmedizin für "allgemeine", unspezifische Symptome wie Fieber, Schwäche und Müdigkeit gebraucht. Auch → Lokalsymptom.


Allgemeinzustand

Allgemeinzustand , Abk. AZ, grobe Beschreibung des körperlichen und psychischen Zustandes des Patienten bei der Untersuchung durch einen Arzt. Der Allgemeinzustand gibt Auskunft darüber, inwiefern der Patient durch seine Erkrankung beeinträchtigt wird. Er wird mit "gut" oder "reduziert" beschrieben.


Allium cepa

Allium cepa, → Zwiebel.


Allium sativum

Allium sativum, → Knoblauch.


Allium ursinum

Allium ursinum, → Bärlauch.


allo...

allo..., Vorsilbe mit der Bedeutung verschieden, anders, fremd.


Alloantigen

Alloantigen, ein auf Zelloberflächen befindliches Antigen, das nicht bei allen Menschen vorkommt und deshalb bei denjenigen, denen das Antigen fehlt, eine Immunreaktion auslöst, z. B. die Blutgruppenantigene.


allogen

allogen, homolog , von einer Spezies der gleichen Art stammend, z. B. wird bei einer allogenen Nierentransplantation eine menschliche Niere verpflanzt.


Allopathie

Allopathie , ein Begriff aus der Homöopathie für eine Heilmethode, die einzelne Symptome mit Mitteln behandelt, die dem Symptom entgegenwirken, z. B. Fieber mit fiebersenkenden Medikamenten. Der Begriff Allopathie wird auch als Synonym für → Schulmedizinverwendet.


Alloplastik

Alloplastik, eine plastische Operation, bei der körperfremdes, aber gewebefreundliches Material wie Metall verwendet wird. Auch → Endoprothese.


Allopurinol

Allopurinol, eine Substanz zur Hemmung von Harnsäure. Als Medikament wird Allopurinol deshalb zur Behandlung der Gicht eingesetzt. Auch → Gicht, → Urikosurikum.


Aloe

Aloe, der eingedickte Saft meist tropischer Aloe-Pflanzen. Aloe wird als Abführmittel verwendet. In vielen Kosmetika ist Aloe wegen seiner antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften enthalten. In der Homöopathie wird Aloe zu Behandlung von Entzündungen des Magen-Darm-Trakts und bei Durchfall eingesetzt.


Alopecia areata

Alopecia areata, Pelade , kreisrunder Haarausfall. Die Ursache ist nicht bekannt. In der Regel bildet sich die Alopecia areata innerhalb weniger Monate oder Jahre von selbst zurück, tritt aber bei der Hälfte der Fälle später erneut auf.


Alopezie

Alopezie, genereller oder lokalisierter, vermehrter → Haarausfall, Haarlosigkeit. Es gibt verschiedene Ursachen für eine Alopezie. Die am weitesten verbreitete ist die androgenetische Alopezie bei Männern, die durch die männlichen Geschlechtshormone ausgelöst wird. Die Veranlagung zur androgenetischen Alopezie wird vererbt. Meist beginnt der Haarausfall auf beiden Seiten der Stirn ("Geheimratsecken"), später ist auch der Hinterkopf betroffen. Die androgenetische Alopezie kann auch bei Frauen auftreten; ein mehr diffuser Haarausfall beginnt dann meist nach den Wechseljahren.


Alpers-Krankheit

Alpers-Krankheit, eine schwere Erbkrankheit, bei der die Großhirnrinde degeneriert. Erste Symptome wie epileptische Anfälle und Bewegungsstörungen treten bereits bei den betroffenen Säuglingen auf. Die Kinder sterben nach einigen Monaten bis Jahren.


Alphablocker

Alphablocker, → Alpharezeptorenblocker.


Alphafetoprotein

Alphafetoprotein , Abk. AFP, ein normalerweise während der Schwangerschaft vom Fetus produzierter Eiweißkörper. Der Nachweis erhöhter Alphafetoprotein-Werte im Fruchtwasser ( → Amniozentese) kann auf einen → Neuralrohrdefektdes Fetus hinweisen (z. B. Spina bifida). Alphafetoprotein kann auch vom Erwachsenen bei bestimmten Lebererkrankungen und bei Tumoren vermehrt gebildet werden, z. B. bei Leberzell- und Ovarialkarzinomen. Alphafetoprotein wird daher als diagnostischer Marker für diese Krebserkrankungen genutzt. Auch → Tumormarker.


Alpha-Fetoprotein

Alpha-Fetoprotein , Abk. AFP, ein normalerweise während der Schwangerschaft vom Fetus produzierter Eiweißkörper. Der Nachweis erhöhter Alpha-Fetoprotein-Werte im Fruchtwasser ( → Amniozentese) kann auf einen → Neuralrohrdefektdes Fetus hinweisen (z. B. Spina bifida). Alpha-Fetoprotein kann auch vom Erwachsenen bei bestimmten Lebererkrankungen und bei Tumoren vermehrt gebildet werden, z. B. bei Leberzell- und Ovarialkarzinomen. Das Alpha-Fetoprotein wird daher als diagnostischer Marker für diese Krebserkrankungen genutzt. Auch → Tumormarker.


Alpharezeptor

Alpharezeptor , Rezeptor für Katecholamine. Man unterscheidet Alpha-1- und Alpha-2-Rezeptoren. Durch die Signale der Alpha-1-Rezeptoren erfolgt eine Arterienverengung (Blutdrucksteigerung), über die Alpha-2-Rezeptoren hingegen eine Erweiterung der Gefäße. Alpha-2-Rezeptoren vermitteln auch eine Tonusminderung der glatten Muskulatur, z. B. im Magen-Darm-Trakt und im Uterus. Auch → Alpharezeptorenblocker, → Sympathomimetikum.


Alpharezeptorenblocker

Alpharezeptorenblocker, Substanzen, die sich zwar an Alpharezeptoren binden, dort aber kein Signal auslösen. Durch die Besetzung des Rezeptors verhindern sie die Bindung von Katecholaminen an ihren Rezeptor. Da Alpha-1-Rezeptoren eine Rolle bei der Hypertonie spielen, werden sie u. a. als Medikamente zur Blutdruckregulierung eingesetzt, z. B. Phentolamin. Auch → Alpharezeptor, → Katecholamine.


Alphastrahlung

Alphastrahlung , Form ionisierender Strahlung; Korpuskularstrahlung, die beim Alphazerfall von Radionukliden hoher Ordnungszahl abgestrahlt wird.


Alphateilchen

Alphateilchen, Elementarteilchen, die beim → Alphazerfallfrei werden. Alphateilchen bestehen aus zwei Protonen und zwei Neutronen und sind daher zweifach positiv geladen.


Alphawellen

Alphawellen, langsame Wellen in einem → Elektroenzephalogramm. Alphawellen haben eine Frequenz von acht bis zwölf Hertz.


Alphazerfall

Alphazerfall, radioaktiver Zerfall mit Abgabe eines Alphateilchens.


Alpinia officinarum

Alpinia officinarum, → Galgant.


ALS

ALS, Abk. für amyotrophe → Lateralsklerose.


Altenpflege

Altenpflege , Berufsgebiet, das zur Altenhilfe gehört. Altenpfleger beraten, betreuen und versorgen alte hilfsbedürftige Menschen; Altenpfleger sind in der gesundheitlichen Vorsorge, Krankenpflege, Rehabilitation und der ambulanten Betreuung Hilfsbedürftiger tätig. Altenpfleger unterstützen alte Menschen auch im sozialen Bereich und begleiten Sterbende bis zum Tod (Endpflege).


Alter

Alter, Lebensphase des Menschen, das "letzte Lebensdrittel". Wann beim Einzelnen das Alter beginnt, kann nicht genau festgelegt werden. Auch → Altern.


Alteration

Alteration, Veränderung, z. B. von physischen oder psychischen Funktionen. In der Regel wird der Begriff für krankhafte Abweichungen vom Normalen gebraucht.


Altern

Altern, ein Vorgang, bei dem die Rückbildungsprozesse gegenüber den Wachstums- und Aufbauprozessen im Organismus überwiegen. Die typischen Folgen des Alterns sind z. B. Erschlaffung der Haut, Brüchigwerden der Knochen, Abnahme der Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane (Alterssichtigkeit, Altersschwerhörigkeit), Abnahme der Muskelmasse etc. Wie schnell und in welchem Ausmaß Alterungsprozesse verlaufen, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.


alternans

alternans , abwechselnd, z. B. bezeichnet Pulsus alternans einen Wechsel zwischen starken und schwachen Pulsqualitäten.


Alternativmedizin

Alternativmedizin, → Komplementärmedizin.


Altersdiabetes

Altersdiabetes , Diabetes mellitus, der sich erst in höherem Alter manifestiert (Diabetes Typ 2). In der Regel beruht der Altersdiabetes nicht auf einer verminderten Insulinproduktion, sondern auf einer relativen Unempfindlichkeit der Insulinrezeptoren gegen Insulin (periphere Insulinresistenz). Häufig ist eine Verbesserung des Krankheitsbildes durch Gewichtsabnahme möglich. Auch → Diabetes mellitus.


Alterseffekt

Alterseffekt , Begriff, der die Finanzierung der Krankenversicherung umschreibt. Der Alterseffekt vergleicht die Anteile der erwerbstätigen Versicherten und der Rentner sowie die Ausgaben, die die jeweilige Gruppe verursacht, mit der Anzahl der Versicherten insgesamt. Durch die zunehmende Zahl alter Menschen in der Gesellschaft steigt der Anteil der von ihnen verursachten Kosten unverhältnismäßig, der Alterseffekt erhöht sich.


Altersfleck

Altersfleck, harmloser brauner Pigmentfleck, der besonders im Alter an lichtexponierten Körperstellen (Hände, Gesicht) auftritt.


Altersherz

Altersherz , Bezeichnung für Veränderungen des Herzens, die mit dem Altern einhergehen. Typischerweise nehmen das Bindegewebe und das Gewicht des Herzens im Alter zu, während es infolge einer Arteriosklerose der Koronararterien zu einer Mangeldurchblutung des Herzmuskels kommt.


Alterspigment

Alterspigment, → Lipofuszin.


Altersschwäche

Altersschwäche , die allgemeine Minderung der Leistungsfähigkeit im Alter als Folge von Alterungsvorgängen.


Altersschwerhörigkeit

Altersschwerhörigkeit, → Presbyakusis.


Alterssichtigkeit

Alterssichtigkeit, → Presbyopie.


Alterswarze

Alterswarze, eine gutartige, im Alter auftretende, gelbbräunliche bis dunkelbraune Hautveränderung in Form einer Warze.


Altinsulin

Altinsulin, ein Insulinpräparat mit kurzer Wirkdauer (bis zu acht Stunden). Auch → Insulin, → Insulinpräparat.


Aluminiumhydroxid

Aluminiumhydroxid, eine Substanz mit hoher Säurebindungsfähigkeit. Aluminiumhydroxid ist deshalb in vielen Antazida enthalten.


Aluminiumlunge

Aluminiumlunge, Aluminose , Lungenfibrose infolge des Einatmens von Aluminium. Die Aluminiumlunge ist eine seltene Berufskrankheit.


alveolär

alveolär, von den Lungenbläschen (Alveolen) ausgehend, die Alveolen betreffend oder mit ihnen in Zusammenhang stehend.


alveolär

alveolär, den Alveolen ähnlich, z.B. die alveoläre Struktur der Zahnfächer im Kiefer.


Alveolarektasie

Alveolarektasie, eine Erweiterung des Alveolarraums im Lungengewebe, wie sie bei der Entstehung eines Lungenemphysems (Überblähung) vorkommt.


Alveolarepithel

Alveolarepithel, das einschichtige Plattenepithel, mit dem die Innenseite der Alveolen ausgekleidet ist. Auch → Alveolen.


Alveolarluft

Alveolarluft, der Anteil der Luft beim Einatmen, der in die Alveolen gelangt und dort am Gasaustausch teilnimmt.


Alveolarzellkarzinom

Alveolarzellkarzinom, eine seltene Form von Lungenkrebs.


Alveole

Alveole,
Alveole
Schematische Darstellung des Austauschs von Sauerstoff (O 2) und Kohlendioxid (CO 2) in den Alveolen.
das Lungenbläschen, durch dessen dünne Wände in der Lunge der Gasaustausch stattfindet. Die Gesamtoberfläche aller Alveolen einer Lunge beträgt ca. 80 Quadratmeter. Auch → Lunge.


Alveolitis

Alveolitis , eine Entzündungsreaktion der Lungenbläschen. Eine Alveolitis kann z. B. durch infektiöse oder allergische Schadstoffe (Noxen) ausgelöst werden. Die Symptome äußern sich u. a. als trockener Husten, Fieber und Schmerzen. Eine chronische Alveolitis tritt oft als Berufskrankheit auf (z. B. Farmerlunge, Vogelzüchterlunge) und kann zu einer Lungenfibrose mit schweren Lungenfunktionsstörungen führen. Die Behandlung ist schwierig, in erster Linie gilt eine strikte Allergenkarenz.


Alzheimer-Krankheit

Alzheimer-Krankheit , eine in der zweiten Lebenshälfte auftretende und chronisch fortschreitende Demenzerkrankung, bedingt durch eine Hirnatrophie. Die Krankheit beginnt in der Regel mit Gedächtnisstörungen, vor allem des Kurzzeitgedächtnisses. Im weiteren Verlauf kommt es u. a. zu Unruhe, Orientierungs-, Sprach- und Wahrnehmungsstörungen. Teilweise stehen auch psychische Veränderungen wie Euphorie oder Depression im Vordergrund. Die meisten Patienten verlieren innerhalb von ca. fünf bis zehn Jahren beinahe alle intellektuellen Fähigkeiten und werden voll pflegebedürftig. Die Ursache der Alzheimer-Krankheit ist noch unklar, diskutiert werden u. a. genetische Faktoren und Störungen im Proteinstoffwechsel. Häufig finden sich im Gehirn von Alzheimerkranken vermehrt Amyloidablagerungen. Die Diagnose kann nur anhand der Symptome, manchmal mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, vor allem aber nach Ausschluss anderer möglicher Ursachen einer Demenz gestellt werden. Eine Heilung ist bisher nicht möglich. Durch → Acetylcholinesterase-Hemmerlässt sich der Prozess aber etwas verzögern.


Amalgam

Amalgam , eine Legierung aus Quecksilber und anderen Metallen, die für Zahnfüllungen verwendet wird. Die Verträglichkeit von Amalgamfüllungen ist umstritten. Allerdings erreicht die tägliche Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen, selbst wenn diese zahlreich und großflächig sind, nur einen Bruchteil der mit der Atemluft und der Nahrung aufgenommenen Menge an Quecksilber. In seltenen Fällen kommt es zu allergischen Reaktionen. Amalgam wird heute oft durch Füllstoffe aus Porzellan oder Kunststoff ersetzt.


Amanita

Amanita, eine Pilzgattung mit zum Teil sehr giftigen Arten. Zu den Amanita-Pilzen gehören z. B. der Fliegenpilz und der Knollenblätterpilz.


Amanita phalloides

Amanita phalloides, → Knollenblätterpilz.


Amantadin

Amantadin, eine ursprünglich gegen Viruserkrankungen entwickelte Substanz, die auch bei der Parkinson-Krankheit gute Wirkung zeigt. Amantadin erhöht die Konzentration des bei der Parkinson-Krankheit verminderten Dopamins im Gehirn und ist deshalb in einigen Medikamenten zur Behandlung dieser Krankheit enthalten. Auch → Parkinson-Krankheit.


Amaurose

Amaurose schwarzer Star , → Blindheit.


Amaurosis fugax

Amaurosis fugax, eine kurz, evtl. nur Sekunden dauernde Erblindung. Verursacht wird die Amaurosis fugax meist durch eine Embolisierung der Gehirnarterien, die das Auge versorgen (kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn). Amaurosis fugax kann ein Vorbote eines Schlaganfalls sein und sollte deshalb vom Arzt abgeklärt werden.


amaurotisch

amaurotisch, blind, erblindet.


Ambivalenz, affektive

Ambivalenz, affektive , das gleichzeitige Auftreten zweier widerstreitender Gefühle, z. B. Liebe und Hass. Eine krankhafte affektive Ambivalenz kommt z. B. bei der Schizophrenie vor.


ambly...

ambly..., Wortteil mit der Bedeutung schwach.


Amblyopie

Amblyopie, Amblyopsie , eine funktionelle Verminderung des Sehvermögens ohne eindeutige organische Ursache. Die Amblyopie kommt häufig bei Strabismus (Schielen) vor. Zur Unterdrückung der Doppelbilder, die beim Schielen entstehen, wird die Information des schwächeren Auges im Gehirn ausgeschaltet, so dass langfristig auf diesem Auge eine Amblyopie entsteht. Durch wechselseitiges Abdecken der beiden Augen kann man dieser Entwicklung entgegenwirken.


Amboss

Amboss, → Incus.


ambulant

ambulant, ohne Krankenhausaufenthalt erfolgend, nicht mit einer Hospitalisierung einhergehend, d. h. nach einer ambulanten Behandlung kann der Patient wieder nach Hause gehen. Das Gegenteil von ambulant ist stationär.


Ambulanz

Ambulanz, eine Krankenhausabteilung zur ambulanten Behandlung. Auch → Poliklinik.


Ambulanz

Ambulanz, Bezeichnung für einen Wagen zum Krankentransport.


Ambulatorium

Ambulatorium, Praxis oder praxisähnliche, einem Krankenhaus angeschlossene Einrichtung für ambulante Behandlungen.


Ameisenlaufen

Ameisenlaufen, → Parästhesie.


Ameisensäure

Ameisensäure, eine farblose, stechend riechende Säure, die brennende Schmerzen auslöst, wenn sie auf die Haut gelangt. Ameisensäure wird von Ameisen ausgeschieden und ist auch in Brennnesseln enthalten.


amelanotisch

amelanotisch, ohne Melanin, kein Melanin enthaltend, z. B. ein amelanotisches Melanom.


Amelie

Amelie, das angeborene Fehlen eines oder mehrerer Gliedmaßen. Auch → Thalidomid-Embryopathie.


Amenorrhö

Amenorrhö , das Fehlen oder Ausbleiben der Monatsblutung. Hat die Menses sich bis zum 18. Lebensjahr nicht spontan eingestellt, spricht man von primärer Amenorrhö. Die Ursache sind meistens Fehlbildungen der Geschlechtsorgane oder Chromosomenstörungen. Bleibt die Periodenblutung bei einer erwachsenen Frau, die bereits menstruiert hat, mehr als sechs Monate aus, handelt es sich um eine sekundäre Amenorrhö. Auslöser einer sekundären Amenorrhö sind, sofern keine Schwangerschaft vorliegt, meist Hormonstörungen. Zur Therapie einer Amenorrhö kann die Gabe von Hormonpräparaten notwendig sein.


Ametropie

Ametropie, Fehlsichtigkeit ,
Ametropie
Kurzsichtigkeitist die Folge eines zu langen Augapfels oder einer zu stark gewölbten Linse. Dadurch vereinigen sich die Lichtstrahlen vor der Netzhaut. Weiter entfernte Gegenstände erscheinen daher verschwommen. Bei Weitsichtigkeitist entweder der Augapfel zu kurz oder die Linse zu flach, so dass der Brennpunkt der eintreffenden Lichtstrahlen hinter der Netzhautebene liegen würde. Gegenstände in der Nähe erscheinen deshalb unscharf.
Unvermögen, scharf zu sehen. Man unterscheidet Kurz- und Weitsichtigkeit. Die Ursache liegt entweder in einer fehlerhaften Länge des Augapfels oder einer zu starken oder zu schwachen Lichtbrechung der Linse, so dass die gebrochenen Lichtstrahlen nicht genau auf der Netzhaut auftreffen. Eine Ametropie liegt auch vor, wenn die Linse fehlt (Aphakie) oder die Lichtstrahlen durch eine fehlerhaft gekrümmte Hornhaut nicht so gebrochen werden, dass sie auf einen einzigen Punkt fallen (Astigmatismus, Stabsichtigkeit). Eine Ametropie kann meist mit einer entsprechenden Sehhilfe (Brille oder Kontaktlinsen) gebessert oder vollständig korrigiert werden. Auch → Myopie, → Hypermetropie.


AMG

AMG, Abk. für → Arzneimittelgesetz.


...ämie

...ämie, Wortteil mit der Bedeutung Blut.


Amilorid

Amilorid, ein Kalium sparendes Diuretikum. Amilorid hemmt in der Niere nicht nur die Rückresorption von Natrium und Wasser, sondern auch die Ausscheidung von Kalium. Auch → Diuretikum.


Amimie

Amimie, Maskengesicht , Gesichtszüge ohne Bewegung. Eine Amimie kommt durch Fehlfunktionen im Gehirn zustande. Sie kann z. B. bei einer Parkinson-Krankheit auftreten.


Amin

Amin, Verbindung, die aus Ammoniak entsteht. Amine spielen bei zahlreichen Funktionen des Organismus eine wichtige Rolle. So gehören z. B. die Hormone Adrenalin und Dopamin zu den Aminen. Auch → Amin, biogenes.


Amin, biogenes

Amin, biogenes, ein Amin, das in Pflanzen, Tieren und Menschen natürlicherweise vorkommt und aus dem Umbau von Aminosäuren entsteht. Beispiele für biogene Amine sind Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin, Melatonin, Histamin, Cysteamin, Gammaaminobuttersäure, Propanolamin.


amino...

amino..., Wortteil bei Begriffen, die sich auf → Aminoder Substanzen beziehen, die Amine enthalten.


Aminoglykosid

Aminoglykosid, ein Glykosid, das Bestandteile von Aminen und Zucker enthält. Digitalispräparate gehören zu den Aminoglykosiden. Eine besondere Substanzgruppe sind die Aminoglykosid-Antibiotika, die aus glykosidisch verbundenen Aminozuckern bestehen. Beispiele sind Neomycin, Spectinomycin oder Gentamycin. Aminoglykosid-Antibiotika haben ein breites Wirkungsspektrum, können jedoch das Hörvermögen und die Nieren schädigen.


Aminopeptidase

Aminopeptidase, ein Enzym, das eine Aminosäure von Proteinen abspalten kann. Für diesen Vorgang benötigt eine Aminopeptidase ein zweiwertiges Metallion als Kofaktor. Aminopeptidasen kommen beispielsweise in der Darmschleimhaut, in der Leber und in der Augenlinse vor.


Aminopterin-Embryopathie

Aminopterin-Embryopathie , schwere Missbildungen beim Fetus wie z. B. ein → Hydrocephalusoder Fehlbildungen von Armen und Beinen, die durch eine Behandlung der Mutter in der Frühschwangerschaft mit Folsäure-Antagonisten verursacht werden.


Aminosäure

Aminosäure,
Aminosäure
Aminosäure
ein Grundbaustein der Proteine. Man unterscheidet essenzielle und nichtessenzielle Aminosäuren, wobei die essenziellen nicht vom Körper selbst gebildet werden können. Von den insgesamt 25 für den Menschen wichtigen Aminosäuren sind zehn essenziell. Zwei aneinander gehängte Aminosäuren werden ein Dipeptid, über zehn kombinierte Aminosäuren ein Polypeptid genannt. Auch → Protein.


Aminosäure, essenzielle

Aminosäure, essenzielle, Aminosäure, die nicht vom Körper selbst hergestellt werden kann und deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Zu den essenziellen Aminosäuren gehören z. B. Phenylalanin, Methionin und Histidin.


Aminosäuren, glukoplastische

Aminosäuren, glukoplastische , diejenigen Aminosäuren, die im Organismus zu Mono- und Dicarbonsäuren abgebaut werden, aus denen dann Glucose aufgebaut werden kann. Beispiele für glukoplastische Aminosäuren sind Alanin, Arginin, Asparaginsäure, Cystein, Glutaminsäure, Glycin, Histidin, Hydroxyprolin, Methionin, Prolin, Serin, Threonin und Valin.


Aminosäuren, ketoplastische

Aminosäuren, ketoplastische, diejenigen Aminosäuren, die zu Acetessigsäure oder aktivierter Essigsäure abgebaut werden. Diese Abbauprodukte tragen zur Bildung von Ketonen bei. Beispiele für ketoplastische Aminosäuren sind Leucin und Lysin.


Aminosäurensequenz

Aminosäurensequenz, die Reihenfolge der Aminosäuren in der Primärstruktur eines Proteins. Durch die Aminosäurensequenz wird festgelegt, um welches Protein es sich handelt, z. B. um Albumin. Auch → Aminosäure, → Protein.


Aminotransferase

Aminotransferase, → Transaminase.


Amiodaron

Amiodaron, ein Antiarrhythmikum mit verschiedenen Wirkmechanismen. Amiodaron kann bei verschiedenen Formen von Herzrhythmusstörungen verwendet werden. Die Substanz wirkt sehr gut und zuverlässig, kann aber zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen.


Amitriptylin

Amitriptylin , ein trizyklisches Antidepressivum, das vor allem zur Behandlung von ängstlich-agitierten Depressionen eingesetzt wird.


AML

AML, Abk. für akute myeloische → Leukämie.


Ammoniak

Ammoniak , eine farblose, in höheren Konzentrationen giftige Substanz mit stechendem Geruch. Ammoniak entsteht im Körper als Abfallprodukt zahlreicher Stoffwechselprozesse, z. B. beim Abbau von Aminosäuren. Ammoniak wird in der Leber entgiftet und zu Harnstoff umgewandelt. Erhöhte Ammoniakwerte im Blut treten vor allem bei Lebererkrankungen auf.


Amnesie

Amnesie, Gedächtnislücke , Erinnerungsstörung, Störung des Gedächtnisses, die sich entweder als Ausfall einer Erinnerung oder als Erinnerungsverfälschung bemerkbar macht. Die Amnesie tritt häufig im Zusammenhang mit Bewusstlosigkeit auf, und zwar für deren Dauer, die Zeit vor der Bewusstlosigkeit oder für die erste Zeit danach. Als psychogene Amnesie bezeichnet man Verdrängungen von Erlebnissen ins Unterbewusste. Zu einer Amnesie kann es auch bei Psychosen, epileptischen Anfällen oder Vergiftungen kommen.


Amnesie, anterograde

Amnesie, anterograde, eine Amnesie, bei der die Erinnerung an eine bestimmte Zeit nach dem auslösenden Ereignis fehlt, z. B. ein Schädel-Hirn-Trauma oder ein epileptischer Anfall. Während dieser Zeit können sich die Betroffenen ganz normal verhalten, z. B. ansprechbar sein und Gespräche führen, sich aber zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr an das Vorgefallene erinnern.


Amnesie, retrograde

Amnesie, retrograde, eine Form der Amnesie, bei der sich die Betroffenen nicht mehr erinnern können, was in einer bestimmten Zeit vor dem auslösenden Ereignis geschehen ist. Bei Gehirnerschütterungen z. B. kann es zu einer retrograden Amnesie kommen.


amnestisches Syndrom

amnestisches Syndrom, ein das Gedächtnis betreffendes → Syndrom.


Amnion

Amnion, die Innenhaut der Fruchtblase. Das Amnion umgibt den Embryo und bildet das Fruchtwasser.


Amnionflüssigkeit

Amnionflüssigkeit, → Fruchtwasser.


Amnioskopie

Amnioskopie , die Betrachtung des Fruchtwassers in der Spätschwangerschaft durch ein Endoskop, das in den Gebärmutterhals eingeführt wird. Durch das Amnioskop lassen sich bei intakter Fruchtblase Aussehen und Qualität des Fruchtwassers beurteilen. Grün verfärbtes Fruchtwasser (durch die Beimischung von Mekonium) kann z. B. einen Sauerstoffmangel des Fetus bedeuten. Auch → Fruchtwasserdiagnostik.


Amniozentese

Amniozentese , die Punktion der Fruchtblase, meist durch die Bauchdecke der Schwangeren, zur diagnostischen Entnahme von Fruchtwasser. Die Untersuchung wird meist zur Gewinnung von kindlichen Zellen zur → pränatalen Diagnostikdurchgeführt. Als Komplikation kann dabei eine Verletzung der Nabelschnurgefäße oder der Plazenta vorkommen.


Amöbe

Amöbe , ein einzelliger Parasit, zu dessen Gattung mehrere Arten gehören. Viele von ihnen verursachen keine Krankheiten. Manche Amöben, z. B. Entamoeba histolytica, führen hingegen zu schweren Krankheitsbildern, meist des Gastrointestinaltraktes. Auch → Amöbiasis.


Amöben-Meningoenzephalitis

Amöben-Meningoenzephalitis, eine meist tödlich verlaufende, nekrotisierende Meningoenzephalitis durch Amöben. Die Ansteckung erfolgt meist über Wasser, das beim Baden in Gewässern geschluckt wird.


Amöbenruhr

Amöbenruhr, → Amöbiasis.


Amöbiasis

Amöbiasis, Amöbenruhr,Dysenterie , eine Darminfektion mit dem Parasiten Entamoeba histolytica. Bleibt die Infektion auf den Darm beschränkt, verläuft sie symptomlos oder mit leichten Durchfällen. Die Amöben können aber auch die Darmwand durchdringen, sich in der Leber ansiedeln und dort zu Abszessen führen. Als Symptome treten dann Verstopfung oder Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen auf. Die Therapie ist antibiotisch, meist mit Metronidazol. Amöbenabszesse können manchmal chronisch werden oder rezidivieren (wiederkehren).


amorph

amorph, formlos, ohne genau umrissene Begrenzung.


Amotio

Amotio, Ablatio , Ablösung, z. B. Amotio retinae (Netzhautablösung).


Amotio retinae

Amotio retinae, → Netzhautablösung.


Amoxicillin

Amoxicillin, ein dem Penizillin verwandtes Antibiotikum mit einem breiten Wirkspektrum gegen unterschiedliche grampositive und gramnegative Bakterien.


AMP

AMP, Abk. für Adenosinmonophosphat.


Amphetamin

Amphetamin, Weckamin , Substanz mit einer adrenalinähnlichen, anregenden Wirkung. Die Einnahme von Amphetaminen, die z. B. auch als Dopingmittel oder Drogen verwendet werden, führt schnell zur Abhängigkeit. Alle Amphetamine unterliegen deshalb dem Betäubungsmittelgesetz. Auch → Abhängigkeit.


amphorisches Atmen

amphorisches Atmen , ein hohl klingendes Atemgeräusch, ähnlich den Lauten, die beim Blasen über eine leere Flasche oder Kanne entstehen. Das amphorische Atmen entsteht durch große Lungenkavernen oder Abszesshöhlen in der Lunge, z. B. während oder nach einer Tuberkulose.


Amphotericin

Amphotericin, ein Antimykotikum, das gegen alle für den Menschen pathogenen (krankheitzerzeugende) Pilze wirkt. Amphotericin kann als Tablette, Suspension, Salbe oder intravenös verabreicht werden.


Ampicillin

Ampicillin, ein halbsynthetisches Penizillin-Antibiotikum mit einem breiten Wirkungsspektrum gegen grampositive und gramnegative Bakterien.


Ampulle

Ampulle , Ein kleines, geschlossenes Glasgefäß mit einem abtrennbaren Hals. Es dient als Behältnis für injizierbare Medikamente.


Ampulle

Ampulle, Ein Hohlorgan mit einer ampullenähnlichen Form, z.B. Ampulla recti, der unterste Teil des Enddarms.


Amputation

Amputation, die Entfernung eines Organs oder Körperteiles. Eine Amputation kann chirurgisch durchgeführt werden, z. B. eine Unterschenkelamputation aufgrund von Durchblutungsstörungen, oder von Knochenkrebs, oder im Rahmen eines Traumas vorkommen, z. B. eine Unterschenkelamputation bei einem Unfall. Ein amputiertes Glied kann Teilweise durch eine Prothese ersetzt werden.


Amputationsneurom

Amputationsneurom , die schmerzhafte Verdickung eines Nervenstumpfes in einer Amputationsnarbe. Auch → Phantomschmerz.


Amtsarzt / Amtsärztin

Amtsarzt / Amtsärztin , Leiter eines Gesundheitsamtes. Amtsarzt / Amtsärztin können Ärzte werden, die an einer Akademie für Staatsmedizin bzw. öffentliches Gesundheitswesen einen Lehrgang abgeschlossen und eine staatsärztliche Prüfung bestanden haben. Amtsärzte werden als Beamte eingestellt und arbeiten im Bereich der Hygiene, gesundheitlichen Vorsorge und Beratung oder Begutachtung. Sie sind selten als Therapeuten tätig. Auch → Vertrauensarzt.


Amygdala

Amygdala, Mandelkern , ein Kern des Großhirns in der Innenseite des Schläfenlappens, der funktionell zum limbischen System gehört.


Amylase

Amylase, Enzym, das durch Spaltung von Stärkeverbindungen zur Verdauung beiträgt. Amylasen sind im Speichel und vor allem im Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) enthalten. Eine Konzentrationserhöhung im Blut oder Urin deutet auf eine Pankreaserkrankung hin.


Amylnitrit

Amylnitrit, eine flüchtige Substanz, die eine gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung hat. Amylnitrit wird zur Inhalation bei Angina pectoris eingesetzt. Früher wurde Amylnitrit auch als Spasmolytikum bei Asthma bronchiale und Migräne verwendet.


Amyloid

Amyloid, Komplex aus Polysacchariden und Proteinen. Amyloid ist eine Substanz, deren krankhafte Ablagerung zu schweren Organschäden führen kann. Vermehrte Amyloidablagerungen werden im Gehirn von Alzheimerkranken gefunden, Entstehung und Bedeutung der Ablagerungen für diese Krankheit sind Anfang des 21 Jahrhunderts ungeklärt. Auch → Amyloidose.


Amyloidose

Amyloidose, die krankhafte Ablagerung von → Amyloidin verschiedenen Organen. Die betroffenen Organe vergrößern und verhärten sich, ihre Funktion wird stark eingeschränkt. Eine Amyloidose kann sekundär bei chronischen Entzündungen, z. B. rheumatoider Arthritis, oder bei B-Zell-Tumoren auftreten. Eine primäre Form der Amyloidose liegt beim Mittelmeerfieber vor, dessen Ursache weitgehend unklar ist. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und abhängig von den jeweils befallenen Organen, z. B. Herzinsuffizienz bei kardialer Manifestation. Die Therapie ist meist wenig erfolgversprechend, es sei denn, es gelingt, die Grundkrankheit zu behandeln (sekundäre Amyloidose).


Amyloidosis cutis

Amyloidosis cutis, die Ablagerung von Amyloid in der Haut, z. B. bei Hautveränderungen im Alter oder im Rahmen einer Amyloidose.


Amyotonie

Amyotonie, ein abgeschwächter oder gar fehlender Muskeltonus, z. B. infolge unterschiedlicher Stoffwechselerkrankungen.


Amyotrophie

Amyotrophie, → Muskelatrophie.


ana...

ana..., Wortteil mit der Bedeutung aufwärts, nochmals.


ANA

ANA, Abk. für → antinukleäre Antikörper.


Anabol

Anabol, aufbauend, speziell den Eiweißstoffwechsel fördernd. In einem anabolen Stoffwechsel werden Eiweißstoffe gebildet; im Gegensatz dazu baut der Körper bei einem katabolen Stoffwechsel Eiweißstoffe ab ( → Katabolismus), z. B. bei schweren Erkrankungen, Unterernährung oder Abmagerungskuren.


Anabolikum

Anabolikum, den Eiweißstoffwechsel fördernde und damit die Muskulatur aufbauende Substanz. Dazu gehören die körpereigenen → Steroidhormone, vor allem die → Androgene, sowie künstlich hergestellte, ähnlich aufgebaute Substanzen. In der Medizin gibt es kaum eine Indikation für Anabolika; sie werden hauptsächlich im Sport zum Aufbau von Muskeln missbraucht (Doping). Die Einnahme von Anabolika hat eine ganze Reihe von zum Teil gefährlichen Nebenwirkungen, z. B. Vermännlichung bei Frauen (Tieferwerden der Stimme, Bartwuchs, Zurückbildung der Brüste), Rückbildung der Hoden bei Männern, Sterilität, Akne, Erhöhung der Blutfettwerte, Störungen der Leberfunktion und psychische Veränderungen.


Anabolismus

Anabolismus, der aufbauende Stoffwechsel, speziell die Eiweißstoffe - und damit die Muskulatur - betreffend. Im Gegensatz dazu steht der → Katabolismus.


anaerob

anaerob, ohne Sauerstoff lebend. Anaerobe Organismen sind Lebewesen, die ohne Sauerstoff (fakultativ anaerob) bzw. nur unter Sauerstoffabschluss leben können (obligat anaerob). Dazu gehören bestimmte Bakterien wie die → Clostridien.


Anaerobier

Anaerobier, Bakterienstämme, die entweder ohne Sauerstoff leben können (fakultative Anaerobier) oder müssen (obligate Anaerobier). Dazu gehört z. B. der Keim → Clostridium.


Anagenhaar

Anagenhaar, Vorstufe des "ausgewachsenen" Haars. Ein Anagenhaar besitzt noch keine Wurzelscheide. Auch → Haar.


Anakusis

Anakusis, Taubheit.


anal

anal, den Anus (After) betreffend.


Analatresie

Analatresie, angeborenes Fehlen der Enddarmöffnung (anorektaler Verschluss). Stattdessen kann ein dünner Gang vom Darm nach außen ausgebildet sein ( → Fistel); der Darm kann jedoch auch mit den Harnwegen verbunden sein und z. B. in die Harnblase münden. Eine Analatresie muss operativ behandelt werden. In vielen Fällen können die Patienten danach den Stuhlgang kontrollieren (Kontinenz).


Analbuminämie

Analbuminämie, eine seltene erbliche Störung, bei der im Blut keine Albumine auftreten. Eine Analbuminämie ist kaum mit Beschwerden verbunden.


Analekzem

Analekzem , Hautveränderung im Bereich des Afters, die mit geröteter, zum Teil trockener, meist juckender Haut einhergeht. Ursache ist häufig eine Entzündung des Darms oder Enddarms, eine Pilzinfektion des Afters, eine → Analfisteloder ein → Analprolaps; es kommen jedoch auch Kontaktallergien gegen bestimmte Stoffe, Salben oder Waschmittel vor ( → Kontaktekzem). Bei der Behandlung sind hautberuhigende oder desinfizierende Sitzbäder neben der Beseitigung des Auslösers sinnvoll.


Analeptikum

Analeptikum, eine Substanz, die auf das Gehirn insgesamt oder bestimmte Bereiche des Gehirns (z. B. das Atemzentrum) anregend wirkt. Dazu gehören u. a. Koffein, Amphetamine oder Adrenalin. In hoher Dosierung können Analeptika Krampfanfälle auslösen.


Analfissur

Analfissur, Einriss der Haut oder Schleimhaut im Bereich des Afters. Eine Analfissur ist sehr schmerzhaft und reicht in die Tiefe des Gewebes bis zum inneren → Schließmuskel. Eine Analfissur ist meist durch eine Verletzung, z. B. durch sehr harten Stuhlgang, oder durch Fremdkörper bedingt; der Schließmuskel verkrampft sich schmerzbedingt. Bei der Behandlung wird der Schließmuskel des Afters vorsichtig gedehnt.


Analfistel

Analfistel , kleines Gangsystem im Bereich des Afters, das entweder eine Verbindung zwischen der Darmschleimhaut nach außen herstellt (komplette Fistel), oder nur nach innen zur Darmschleimhaut oder außen auf die Haut mündet (ähnlich einer Sackgasse). Eine Analfistel kann die Folge einer Darmentzündung mit der Ausbildung eines Abszesses oder einer Analfissur sein. Besonders häufig treten Analfisteln beim → Morbus Crohnauf. Die Betroffenen klagen über Schmerzen in der Analgegend, bei kompletten Fisteln kann Kot aus der Öffnung treten. Die Behandlung besteht in einer Operation.


Analgesie

Analgesie, die Ausschaltung von Schmerzen bzw. der Schmerzempfindung. Eine Analgesie entsteht entweder durch eine Verletzung oder Erkrankung von Nervenfasern, die die Schmerzempfindungen zum Gehirn leiten, oder durch verschiedene Medikamente. Diese Medikamente setzen Ärzte entweder bei einer Narkose oder zur Behandlung von dauerhaften, starken Schmerzen ein. Auch → Analgetikum.


Analgesie, kongenitale

Analgesie, kongenitale , das angeborene Fehlen einer jeglichen Empfindung von Schmerzen. Die betroffenen Kinder sind oft schwer beeinträchtigt, da sie Verletzungen oder Krankheiten nicht wahrnehmen und sich deshalb nicht schonen. Dies kann zu Fehlbildungen und lebensgefährlichen Erkrankungen führen.


Analgetika-Kopfschmerz

Analgetika-Kopfschmerz, zum Teil heftige Kopfschmerzen, die nach einer längeren Einnahme von Analgetika beim Absetzen der Medikamente auftreten und den Patienten deshalb oft dazu bringen, erneut Schmerzmittel einzunehmen.


Analgetika-Nephropathie

Analgetika-Nephropathie, Nierenschädigung infolge von jahrelangem Analgetikamissbrauch. Eine Analgetika-Nephropathie kann bis zur terminalen (endgültigen) Niereninsuffizienz führen.


Analgetikum

Analgetikum, Schmerzmittel ,
Analgetikum
Ein Analgetikumwirkt zentral oder im gesamten Körper auf die Schmerzempfindung ein.
Medikament, das die Schmerzempfindung mindert oder beseitigt. Analgetika hemmen entweder bestimmte Substanzen, die für die Übermittlung von Schmerzen im Körper zuständig sind (z. B. Prostaglandine), oder sie wirken auf Schmerzzentren im Gehirn. Zu den ersteren gehört z. B. die Acetylsalicylsäure, die bei längerem Gebrauch zu Magen-Darm-Beschwerden, Blutungen, Nieren- und Leberschäden führen kann. Zu den letzteren zählen die mit dem Opium verwandten Opiate und Opioide (z. B. Morphin), die eine Abhängigkeit hervorrufen können. Manche Kopfschmerzen entstehen (paradoxerweise) durch die langfristige Verwendung von Analgetika und bessern sich erst, wenn der Betroffene auf die auslösenden Medikamente verzichtet (sog. Analgetika-Kopfschmerz).


Analkarzinom

Analkarzinom , bösartiger Tumor im Bereich des Afters. Analkarzinome sind im Vergleich zu anderen Tumoren des Darms eher selten. Bei der operativen Behandlung wird der Anus, evtl. auch Teile des Rektums, entfernt und durch einen künstlichen Darmausgang ( → Anus praeter) oder durch Einfügen eines anderen Darmstücks ersetzt. Auch Strahlentherapie und Chemotherapie sind möglich.


Analprolaps

Analprolaps , Vorfall der Schleimhaut des Analkanals durch den Schließmuskel. Ein Analprolaps kann als Folge ausgeprägter Hämorrhoiden, eines geschädigten Schließmuskels u. a. auftreten. Am After wird die Schleimhaut sichtbar, sie kann sich entzünden, schmerzen und bluten. Bei der Behandlung werden z. B. Substanzen zur Verengung der Gefäße (der Hämorrhoiden) gespritzt oder es wird operiert.


Analrhagade

Analrhagade, oberflächlicher Hautdefekt im Bereich des Anus. Analrhagaden, die starke Beschwerden wie Schmerzen oder Brennen auslösen können, treten oft in Kombination mit einem → Analekzemoder Hämorrhoiden auf.


Analstenose

Analstenose, eine angeborene Fehlbildung mit einem stark verengten Analkanal. Auch → Analatresie.


Analverkehr

Analverkehr, Geschlechtsverkehr, bei dem der Penis in den Anus (After) eingeführt wird.


Analyse

Analyse, Untersuchung einer Substanz oder eines Substanzgemisches mittels chemischer oder physikalischer Untersuchungsmethoden, z.B. Chromosomenanalyse.


Analyse

Analyse, → Psychoanalyse.


Anämie

Anämie, Blutarmut ,
Anämie
Die häufigsten Formen der Anämiesind die Eisenmangelanämie, die durch einen Hämoglobinmangel in den roten Blutkörperchen entsteht, sowie die hämolytische Anämie, die auf einem stark beschleunigten Abbau der roten Blutkörperchen beruht und entweder durch eine Sichelzellenanämie, eine anderweitige Schädigung oder eine Infektion wie Malaria verursacht wird.
die durch eine Verminderung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) oder durch unzureichende Hämoglobinbeladung bedingt ist. Ursachen einer Anämie sind Blutverlust, verminderte Bildung von Erythrozyten - etwa durch Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen, Störungen des Eisenstoffwechsels u. a. Auch ein gesteigerter Abbau der Erythrozyten führt zu einer Anämie, z. B. infolge angeborener Funktionsstörungen der Erythrozyten oder des Hämoglobins sowie bei Autoimmunkrankheiten (sog. autoimmunhämolytische Anämie). Eine chronische Anämie führt zu Sauerstoffmangel im Körper, entsprechend zu körperlicher Schwäche, Blässe, Atemnot bei Belastung und evtl. durch die Minderversorgung des Herzmuskels bedingte Schmerzen (Angina pectoris). Bei raschem Blutverlust kommt es oft zu einem Schock. Um die verschiedenen Arten einer Anämie bei normalem Gesamtblutvolumen zu unterscheiden, bestimmt man die Zahl, Größe und das Aussehen der Erythrozyten, die Menge des Blutfarbstoffes (Hämoglobin), den Hämoglobingehalt des einzelnen Erythrozyten sowie den Anteil der Erythrozyten am gesamten Blut (sog. Hämatokrit).


Anämie, aplastische

Anämie, aplastische, Blutarmut durch Verminderung des Blut bildenden Knochenmarks und die dadurch bedingte Verminderung aller Zellreihen im Blut (Panzytopenie). Ursachen für eine aplastische Anämie sind angeborene Störungen (z. B. Fanconi-Anämie), eine medikamentös oder durch Insektizide bedingte Schädigung des Knochenmarks, Strahlenschäden, Virusinfektionen u. a. Auch → aplastisches Syndrom; im klinischen Sprachgebrauch werden beide Begriffe häufig gleichgesetzt.


Anämie, hämolytische

Anämie, hämolytische, durch erhöhten Abbau von roten Blutkörperchen ausgelöste → Anämie, z. B. durch Anomalien der roten Blutkörperchen wie die vererbbaren Erkrankungen → Sphärozytoseoder → Thalassämie. Eine hämolytische Anämie kann außerdem durch mechanische Schädigung der Erythrozyten z. B. durch künstliche Herzklappen ausgelöst werden oder als Folge von Infektionskrankheiten (z. B. Malaria) entstehen. Außerdem kann ein erhöhter Erythrozytenabbau durch Medikamente oder Vergiftungen, mit z. B. Arsenwasserstoff, verursacht werden.


Anämie, makrozytäre

Anämie, makrozytäre, Blutarmut, die sich durch normal rundliche, aber vergrößerte Erythrozyten mit eingeschränkter Funktion auszeichnet, deren Volumen und meist auch Gehalt an Hämoglobin erhöht ist (Makrozyten). Die Ursachen der Funktionsstörung sind ein Mangel an Vitamin B12 und Folsäure bei der Blutbildung, z. B. durch Fehlernährung, erhöhten Vitaminbedarf oder (beim B12-Mangel) durch Erkrankungen des Magens oder Darms. Der Vitaminmangel führt zu einer Reifungsstörung der Blutzellen im Knochenmark; bei der Behandlung der makrozytären Anämie werden Vitamin B12 und Folsäure ersetzt.


Anämie, megaloblastische

Anämie, megaloblastische, Blutarmut, die sich durch vergrößerte, in ihrer Struktur veränderte Vorläuferzellen der Erythrozyten im Knochenmark, die sog. Megaloblasten, auszeichnet. Durch den Mangel an Vitamin B12 und/oder Folsäure wird die Reifung der Erythrozyten (und Granulozyten) im Knochenmark gestört, die entstehenden Blutzellen sind zwar ihrer Zahl nach unauffällig, jedoch in ihrer Funktion gestört. Bei der Behandlung müssen Vitamin B12 und Folsäure ersetzt werden.


Anämie, megalozytäre

Anämie, megalozytäre, Blutarmut, die sich durch etwas oval verformte, vergrößerte, in ihrer Funktion gestörte Erythrozyten mit meist erhöhtem Gehalt an Hämoglobin (Megalozyten) im Blut auszeichnet. Die megalozytäre Anämie tritt oft mit der megaloblastischen Anämie kombiniert auf; Ursachen und Therapie sind dieselben wie bei der makrozytären Anämie.


Anämie, mikrozytäre

Anämie, mikrozytäre, Form der → Anämie, bei der die roten Blutkörperchen einen verminderten Durchmesser aufweisen. Ein Beispiel für die mikrozytäre Anämie ist die → Eisenmangelanämie.


Anämie, nephrogene

Anämie, nephrogene, Form der → Anämie(Blutarmut), die bei einer chronischen Niereninsuffizienz auftritt. Hauptursache sind die verminderte Produktion von → Erythropoetinin der erkrankten Niere und die verkürzte Lebensdauer der roten Blutkörperchen durch die Dialyse.


Anämie, normochrome

Anämie, normochrome, Blutarmut, die sich durch Erythrozyten mit einem normalen Gehalt an Hämoglobin auszeichnet, die jedoch in ihrer Anzahl vermindert sind. Ist der Hämoglobingehalt erhöht, spricht man von hyperchromer Anämie (z. B. auch bei der makrozytären Anämie), ist er erniedrigt, von hypochromer Anämie.


Anämie, perniziöse

Anämie, perniziöse, Perniziosa,Morbus Biermer , eine wichtige Form der Anämien, die durch den Mangel an Vitamin B12 bedingt sind. Der Mangel beruht nicht auf verminderter Zufuhr mit der Nahrung, sondern auf dem Fehlen des sog. → Intrinsic Factorsim Darm, der die Aufnahme des Vitamins ermöglicht. Ursache ist meist eine → Autoimmunkrankheit, durch die die Magenschleimhaut, deren Zellen den Intrinsic Factor bilden, geschädigt wird und atrophiert. Die Betroffenen weisen neben der Anämie evtl. eine Vergrößerung von Leber und Milz, spezifische Veränderungen der Zunge mit glatter Oberfläche, Durchfälle oder Verstopfung, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und neurologische Störungen auf. Die Behandlung besteht in Vitamin B12-Injektionen.


Anämie, renale

Anämie, renale, → nephrogene Anämie.


Anämie, sideroachrestische

Anämie, sideroachrestische, → Anämieinfolge einer Eisenverwertungsstörung. Die Erythrozyten werden schon im Knochenmark nicht richtig aufgebaut. Die sideroachrestische Anämie kann angeboren sein (Erbkrankheit) oder als sekundäre Krankheit auftreten, z. B. bei Vitaminmangel, Alkoholkrankheit, Bleivergiftung, nach der Behandlung mit bestimmten Medikamenten oder im Rahmen von anderen Krankheiten (Krebs, rheumatoide Arthritis). In 15-20% der Fälle geht eine sideroachrestische Anämie in eine Leukämie über, deshalb müssen die Patienten häufig kontrolliert werden.


anämisch

anämisch, eine → Anämiebetreffend, blutarm.


Anamnese

Anamnese , Befragung des Patienten, bei der es um seine aktuellen Beschwerden, die Vorgeschichte der Erkrankung und Begleitumstände geht, wie z. B. psychische Faktoren bei körperlichen Erkrankungen. Die sog. Familienanamnese umfasst zusätzlich Informationen über Erkrankungen der nahen Verwandten, die soziale Anamnese Fragen zum sozialen Umfeld. Wenn möglich, berichtet der Patient selbst von sich (Eigenanamnese), im Notfall eine möglichst nahe stehende Person ( → Fremdanamnese).


Anankasmus

Anankasmus , zwanghaftes Verhalten, Verhaltensweisen, die stark von Angst, Genauigkeit und Pflichtbewusstsein geprägt sind - etwa Waschzwang oder Putzzwang. Dem Anankasmus liegen häufig psychische Störungen im Sinne einer (Zwangs-)Neurose zugrunde. Bei besonders heftiger Ausprägung dieses Zwangs können die Betroffenen sich sozial völlig isolieren und vereinsamen.


Anaphrodisiakum

Anaphrodisiakum, Substanz, die den Geschlechtstrieb bzw. die Potenz vermindert. Diese Wirkung wird z. B. Hopfen und Mönchspfeffer nachgesagt. Das Gegenstück zu einem Anaphrodisiakum ist ein → Aphrodisiakum.


anaphylaktisch

anaphylaktisch, eine Reaktion betreffend, die als → Anaphylaxieabläuft.


Anaphylaxie

Anaphylaxie , eine bestimmte Form einer allergischen Überempfindlichkeitsreaktion, die besonders rasch und ausgeprägt verläuft: Die Betroffenen entwickeln Rötung, Schwellung und Juckreiz der Haut, Atemnot und Blutdruckabfall. Es kommt evtl. zu einem anaphylaktischen Schock, der unbehandelt tödlich enden kann. Die auslösenden → Antigenesind Medikamente, körperfremde Substanzen wie etwa Insektengifte u. a. Diese Antigene führen zur Bildung von spezifischen Antikörpern vom Typ IgE, die sich an bestimmte Bindungsstellen von sog. Mastzellen anlagern. Diese setzen daraufhin Substanzen frei (vor allem das → Histamin), die die allergische Reaktion auslösen. Eine Anaphylaxie ist ein medizinischer Notfall, die betroffenen Patienten müssen sofort behandelt werden, u. a. mit kreislaufstützenden und antiallergischen Medikamenten. Auch → Allergie.


Anaplasie

Anaplasie, Übergang von differenziert ausgebildeten Zellen mit bestimmten Funktionen in ein weniger differenziertes Stadium (etwa das einer Vorläuferzelle). Eine Anaplasie geht oft mit dem Wachstum bösartiger Tumoren einher.


Anarthrie

Anarthrie , Sprechstörung, die die Artikulation betrifft. Eine Anarthrie ist durch eine Schädigung der Nervenstrukturen bedingt, die die Sprechmuskulatur versorgen; die Sprachstörung ist so ausgeprägt, dass das Sprechen oder überhaupt Lautäußerungen praktisch unmöglich werden. Eine weniger starke Störung nennt man Dysarthrie, dabei sind ausgeprägte Heiserkeit, gestörte Sprachmelodie, verwaschene Sprache u. a. möglich. Sprechstörungen lassen sich logopädisch behandeln. Auch → Aphasie, → Logopädie.


Anasarka

Anasarka, ausgeprägte Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe im Sinne eines Ödems. Anasarka treten meist abhängig von der Schwerkraft auf; beim dauerhaft liegenden Menschen etwa am Rücken oder den Unterseiten der Extremitäten. Ursachen sind z. B. eine Herzinsuffizienz oder ein Eiweißmangel im Blut, z. B. durch eine Nierenschädigung mit hohem Eiweißverlust.


Anästhesie

Anästhesie , eine Art der Betäubung, bei der man gegenüber Schmerz-, Berührungs- oder Temperaturreizen unempfindlich ist. Ursache ist entweder eine Störung des Nervensystems oder die Wirkung von bestimmten Medikamenten, die z. B. bei einer Narkose eingesetzt werden. Die Anästhesie kann sich nur auf ein bestimmtes Körpergebiet (Lokalanästhesie) oder den gesamten Körper (Narkose) beziehen.


Anästhesiologie

Anästhesiologie, Teilgebiet der Medizin mit den Schwerpunkten Erforschung, Lehre und Durchführung der (medikamentösen) Anästhesie. Dazu gehört die Einleitung und Überwachung einer Narkose, die Betreuung der Patienten kurz vor und nach der Narkose sowie die Durchführung von Schmerztherapien.


Anästhetikum

Anästhetikum, Medikament, mit dem sich eine → Anästhesieauslösen lässt. Auch → Lokalanästhetikum, → Narkotikum.


Anastomose

Anastomose, Verbindung zwischen zwei Organteilen, die entweder natürlich im Körper vorkommt oder künstlich bei einer Operation hergestellt wird.


Anastomose, arteriovenöse

Anastomose, arteriovenöse, eine Verbindung zwischen Arterien und Venen bzw. Arteriolen und Venolen, die in manchen Organen direkt hintereinander geschaltet sind, ohne - wie üblich - über sog. Kapillargefäße ( → Kapillare) verbunden zu sein. Eine arteriovenöse Anastomose kann auch künstlich (meistens am Unterarm) angelegt werden, um eine Hämodialyse-Behandlung zu erleichtern. Auch → Shunt.


Anastomose, portokavale

Anastomose, portokavale, eine chirurgisch hergestellte direkte Verbindung (Shunt) zwischen dem Pfortadersystem und der unteren Hohlvene bei portaler Hypertonie. Die portokavale Anastomose führt einen Teil des Blutes an der (meist zirrhotischen) Leber vorbei, um den Hochdruck in der Pfortader zu senken.


Anatomie

Anatomie , Teilgebiet der Medizin, die Lehre von Entwicklung, Aufbau und Struktur des (menschlichen) Körpers und seiner Organe, die sowohl deren makroskopisches Aussehen als auch die mikroskopische Struktur (Zellen) umfasst. In der systematischen Anatomie werden die einzelnen Organe als Systeme zusammengefasst und beschrieben; verschiedene Organe bilden aufgrund von Funktion oder Entwicklung eine Einheit (z. B. das Urogenitalsystem, das Harn- und Geschlechtsorgane einschließt). In der topographischen Anatomie beschreibt man die räumlichen Beziehungen der Organe zueinander. Die funktionelle Anatomie beinhaltet die Funktion von Organen und Geweben. Grundlage der Anatomie ist die Untersuchung von Leichen bzw. Gewebeteilen, die nach bestimmten Regeln zergliedert bzw. aufgearbeitet werden.


Anatoxin

Anatoxin , Bakteriengift, das durch chemische Zusätze (z. B. Formaldehyd) entgiftet wurde, das aber immer noch antigene Eigenschaften aufweist. Anatoxine werden zur aktiven Schutzimpfung verwendet. Auch → Impfung.


Anazidität

Anazidität, → Achlorhydrie.


Ancylostoma

Ancylostoma, bestimmte Art eines Fadenwurms. Ancylostoma duodenale, der sog. Hakenwurm, befällt als Parasit den Dünndarm und führt zu einer chronischen Erkrankung verschiedener Organe, der → Ancylostomatosis. Die Larven des Wurmes können sich durch die Haut bohren und wandern mit dem Blut über die Atemwege in den Dünndarm, wo sie sich vermehren. Ancylostoma brasiliense bewohnt als Parasit den Dünndarm von Fleisch fressenden Tieren in den Tropen; seine Larven reizen beim Menschen die Haut mit Rötung und Entzündung, wenn sie Haut und Gewebe durchwandern.


Ancylostomatosis

Ancylostomatosis , eine durch die Parasiten Ancylostoma duodenale und Necator americanus verursachte chronische Erkrankung, die meist in den Tropen vorkommt. Die Larven der Würmer bohren sich durch die Haut (der Füße) und lösen bei ihrer Wanderung durch den Körper eine Entzündung der Atemwege mit Bronchitis sowie eine Darmentzündung mit Durchfällen aus. Im weiteren Verlauf entwickeln die Patienten eine Blutarmut, die körperliche Schwäche, Abwehrschwäche gegenüber anderen Erkrankungen sowie Entwicklungsstörungen nach sich zieht. Die Erkrankung wird mit Anthelminthika behandelt. Zur Vorbeugung sind ausreichende Hygiene und feste Schuhe wichtig.


andro...

andro..., Wortteil mit der Bedeutung Mann, männlich.


Androgen

Androgen , männliches Geschlechtshormon. Zu den Androgenen gehören u. a. Testosteron, Androstendion und Androsteron. Androgene werden vor allem in bestimmten Zellen des Hodens ( → Leydig-Zwischenzellen), aber auch im Eierstock und der Nebennierenrinde gebildet. Androgene führen im Körper zu einer verstärkten Synthese von Proteinen (anabole Wirkung) und fördern die typisch männlichen Merkmale an Haut, Behaarung und Geschlechtsorganen sowie die Reifung der Spermien.


Androgenisierung

Androgenisierung, die Auswirkungen einer vermehrten Androgenwirkung auf den Organismus, z. B. bei Tumoren, die Hormone produzieren. Auch → Virilisierung.


Andrologie

Andrologie, die Heilkunde von Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane; Schwerpunkt der Andrologie ist die Behandlung von Störungen der Fertilität.


Androsteron

Androsteron , männliches Geschlechtshormon, das im Stoffwechsel aus dem Hormon Testosteron entsteht und mit dem Harn ausgeschieden wird. Auch → Androgen.


androtrop

androtrop, das männliche Geschlecht betreffend.


Androtropie

Androtropie, das vermehrte Auftreten von bestimmten Krankheiten beim männlichen Geschlecht. Beim weiblichen Geschlecht heißt das Gynäkotropie.


Anenzephalie

Anenzephalie, schwere angeborene Fehlbildung des fetalen Schädels mit fehlendem Schädeldach und erheblichen Anlagestörungen des Gehirns. Die Anenzephalie ist Folge eines Neuralrohrdefekts. Das Neuralrohr - die Anlage von Rückenmark und Gehirn - im Bereich des Kopfes, meist auch des Halses, schließt sich nicht. Die betroffenen Neugeborenen sind meist nicht lebensfähig oder überleben nur kurze Zeit. Auch → Neuralrohrdefekt.


Anergie

Anergie, fehlende immunologische Reaktion auf ein Antigen.


Anergie

Anergie, Fehlen des psychischen Antriebs, z.B. im Rahmen einer Depression.


Anethum graveolens

Anethum graveolens, → Dill.


Aneurysma

Aneurysma , Aussackung bzw. Erweiterung eines Blutgefäßes unterschiedlicher Form und Größe. Das Gefäß kann entweder als Ganzes erweitert sein (echtes Aneurysma) oder das Aneurysma betrifft nicht alle Wandschichten, so dass in der Gefäßwand ein Spalt entsteht (Aneurysma dissecans). Aneurysmen werden oft sehr spät erkannt und führen durch die pulsierende Bewegung zu Schmerzen oder verursachen Durchblutungsstörungen, wenn sich in ihnen Blutgerinnsel bilden. Große Aneurysmen können aufreißen und massive Blutungen auslösen (z. B. im Gehirn oder von der Aorta ausgehend). Ursachen für ein Aneurysma sind u. a. angeborene Fehlbildungen der Gefäße (vor allem im Gehirn), eine Arteriosklerose, Entzündungen der Gefäße oder Erkrankungen, die Gefäße in Mitleidenschaft ziehen, z. B. die Syphilis. Die Therapie symptomatischer oder großer Aneurysmen besteht in einer Operation. Auch → Aortenaneurysma, → Subarachnoidalblutung.


Aneurysma dissecans

Aneurysma dissecans , Erweiterung eines Blutgefäßes, die dadurch entsteht, dass sich zwischen den Wandschichten (sog. Intima, Media und Adventitia) ein Spalt bildet, der eine zweite Gefäßlichtung verursacht. Grund ist ein Riss der innersten Schicht (Intima) mit nachfolgender Einblutung in die Wand; dieser zweite Blutweg kann wieder in das ursprüngliche Gefäß einmünden. Dissezierende Aneurysmen betreffen meist die Aorta. Der Einriss der Gefäßwand verursacht heftige Schmerzen, oft einen Schockzustand sowie mangelnde Durchblutung verschiedener Organe. Zwar können solche Aneurysmen sich von selbst verschließen, müssen jedoch häufig operiert werden.


Aneurysma, echtes

Aneurysma, echtes, Aneurysma verum , Erweiterung eines Blutgefäßes, die das gesamte Gefäß mit allen Wandschichten betrifft. Auch → Aneurysma.


Aneurysma, falsches

Aneurysma, falsches, Aneurysma spurium , Erweiterung eines Blutgefäßes, die durch ein evtl. verletzungsbedingtes Hämatom verursacht wird, das dem Gefäß aufsitzt und mit seiner Lichtung verbunden ist. Auch → Aneurysma.


ANF

ANF, Abk. für antinukleäre Faktoren ( → antinukleäre Antikörper).


Anfall

Anfall , das plötzliche Auftreten von Krankheitserscheinungen, oft aus völligem Wohlbefinden heraus. Viele Erkrankungen äußern sich mit Anfällen, z. B. Nieren- oder Gallensteinleiden (Koliken), Angina pectoris, Asthma, allergischen Krankheiten oder Migräne. Als typischste Anfallskrankheit gilt die → Epilepsie. Psychogene ("hysterische") Anfälle haben keine körperliche Störung als Ursache. Auch → Krampfanfall.


Anfallsleiden

Anfallsleiden, Erkrankung, die mit Anfällen einhergeht, z. B. die → Epilepsieoder → Migräne.


angeboren

angeboren, schon bei der Geburt vorhanden. Angeborene Krankheiten werden entweder durch krankhafte Erbanlagen verursacht (kongenitale Krankheiten, z. B. Mukoviszidose) oder während der Dauer der Schwangerschaft oder der Geburt erworben (konnatale Krankheiten, z. B. eine Alkohol-Embryopathie).


Angehörigengruppe

Angehörigengruppe, Organisation von Angehörigen meist chronisch kranker Patienten (z. B. Alkoholiker, Hirnverletzter, Psychotiker oder Alzheimer-Kranker). In der Angehörigengruppe unterstützen sich die Teilnehmer - ähnlich den Patienten in einer → Selbsthilfegruppe- gegenseitig dabei, mit der besonderen Situationen als Angehöriger eines chronisch kranken Menschen umzugehen.


Angelhakenform

Angelhakenform, die Form, mit der sich ein normaler Magen in einem Röntgenkontrastbild bei stehendem Patienten darstellt (Form wie ein J).


Angiektasie

Angiektasie, eine Erweiterung von Blutgefäßen. Auch → Aneurysma, → Teleangiektasie, → Varize.


Angiektomie

Angiektomie, die operative Entfernung eines Gefäßes oder eines Gefäßabschnittes.


Angiitis

Angiitis, Gefäßentzündung , die Entzündung der Wand eines Blut- oder Lymphgefäßes. Eine Angiitis kann zu Strömungsbehinderungen oder einer → Embolieführen. Auch → Arteriitis, → Phlebitis.


Angina

Angina, im engeren Sinn die Angina tonsillaris (akute → Tonsillitis), eine Mandelentzündung, die meist durch Bakterien (Streptokokken) verursacht wird und mit einer starken Rötung und Eiterung der Rachenmandeln einhergeht. Eine Sonderform stellt die Angina agranulocytotica dar, die sich aufgrund einer Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Granulozyten) entwickelt und zu einer Gewebsnekrose der Rachenmandeln führt. Ferner auch Bezeichnung für eine Gefäßverengung mit Schmerzen, z. B. → Angina pectoris. Ähnlich wie bei der Angina pectoris spricht man auch von einer Angina abdominalis, starken Bauchschmerzen, die durch eine Minderdurchblutung von Darmabschnitten verursacht werden. Die Schmerzen treten vor allem nach dem Essen auf.


Angina abdominalis

Angina abdominalis , starke Bauchschmerzen, die durch eine Minderdurchblutung von Darmabschnitten verursacht werden. Die Schmerzen treten vor allem nach dem Essen auf. Ausgelöst wird die Angina abdominalis meistens durch eine Stenose (Verengung) der Mesenterialarterie. Bei einem totalen Verschluss der Mesenterialarterie kommt es zu einem Mesenterialinfarkt, bei dem ein Teil des Darms abstirbt. Das nektrotische Darmstück muss operativ entfernt werden.


Angina pectoris

Angina pectoris,
Angina pectoris
Die plötzlich auftretenden Schmerzen bei Angina pectorisstrahlen in Hals, Arm und Rücken aus.
plötzlich einsetzende, stechende oder drückende Schmerzen, die meist auf der linken Seite des Brustkorbes lokalisiert sind, jedoch häufig auch ausstrahlen (linker Arm, Unterkiefer). Die Schmerzen können nach einigen Minuten verschwinden - vor allem in Ruhe nach vorausgegangener Belastung - oder anhalten und mit starkem Engegefühl, Luftnot, Übelkeit und Angst einhergehen. Ursache ist eine Minderdurchblutung des Herzmuskels infolge verengter Herzkranzgefäße; hält die Mangelversorgung an, z. B. wegen eines Gefäßverschlusses, so stirbt Herzgewebe ab - es kommt zum Herzinfarkt. In der Medizin unterscheidet man die sog. stabile Angina pectoris, bei der Schmerzen nur durch körperliche Anstrengung ausgelöst werden, von der instabilen Angina pectoris, bei der die Beschwerden auch in Ruhe auftreten. Eine Sonderform ist die sog. Prinzmetal-Angina, bei der die Schmerzen durch krampfartige Verengung der Gefäße ( → Angiospasmus) bedingt sind. Der Angina pectoris ähnliche Schmerzen können auch durch Erkrankungen der Aorta (Hauptschlagader), des Magens oder der Speiseröhre ausgelöst werden. Auch → Myokardinfarkt.


angio...

angio..., Wortteil mit der Bedeutung Gefäß.


Angioblastom

Angioblastom, Geschwulst, die aus neugebildeten Blutgefäßen besteht. Auch → Angiom, → Hämangiom.


Angiografie

Angiografie, bildliche Darstellung der arteriellen Blutgefäße durch Injektion eines Kontrastmittels, das im Röntgenbild sichtbar ist. Die Angiografie dient dazu, Veränderungen der Form oder Größe, Verengungen oder Verschlüsse vor allem von Arterien des Herzens (Koronarangiografie), des Gehirns (Karotisangiografie) oder der Extremitäten zu beurteilen. Zur Injektion des Kontrastmittels in die Arterie wird ein Katheter in das entsprechende Gefäß eingeführt; zur Untersuchung der Herzkranzgefäße wird der Katheter z. B. in die große Leistenarterie eingestochen und bis zum Herzen geschoben, um dort das Kontrastmittel zu injizieren.


Angiokardiografie

Angiokardiografie, bildliche Darstellung der Herzkammern, der großen Herzgefäße sowie der Herzkranzgefäße mittels Kontrastmittel, das im Röntgenbild sichtbar wird. Die Angiokardiografie wird oft mit der sog. Herzkatheterisierung kombiniert; dabei wird eine spezielle, dünne Sonde durch die großen Blutgefäße bis ins Herz vorgeschoben, mit der sich zunächst der Blutdruck an verschiedenen Stellen im Herzen messen und dann Kontrastmittel injizieren lassen. An der Verteilung des Kontrastmittels kann der Arzt Veränderungen der rechten oder linken Herzkammer sowie der Herzklappen beurteilen.


Angiokeratom

Angiokeratom , flache oder knötchenförmige Hautveränderung, die durch eine Wucherung der Kapillargefäße der Haut mit Störungen der Hornhaut und verstärkter Verhornung entsteht. Angiokeratome können u. a. als blaurötliche Knoten vor allem auf den Beinen vorkommen (sog. Angiokeratoma circumscriptum naeviforme) oder millimetergroße Knötchen am Hoden bilden (Angiokeratoma scroti). Eine Behandlung ist in der Regel nicht notwendig.


Angiologie

Angiologie, Lehre von den Erkrankungen der Blut- und Lymphgefäße. Das Fachgebiet, in dem die Venen im Mittelpunkt stehen, wird als → Phlebologiebezeichnet.


Angiolopathie

Angiolopathie, Erkrankung der kleinsten Gefäße, bei der die Betroffenen an einer Minderdurchblutung vor allem der Finger und Zehen leiden; Zeichen dafür sind eine bläuliche Verfärbung der Finger und Zehen (Akrozyanose) oder der Haut (Livedo reticularis), plötzliche Schwellung und Rötung der Haut, die Neigung zu Frostbeulen u. a.


Angiom

Angiom, Angioblastom,Hämangiom , Geschwulst, die aus neugebildeten Blutgefäßen besteht. Ein Angiom kann an verschiedenen Körperstellen, auch im Gesicht, flach oder erhaben wachsen. Angioblastome können sich von selbst zurückbilden, andere bleiben bestehen oder vergrößern sich rasch. Angioblastome sind meist schon bei der Geburt vorhanden; häufig ist eine Behandlung nicht notwendig, große oder störende Geschwülste können jedoch operativ oder per Laser entfernt werden.


Angiomatosis

Angiomatosis, das multiple Auftreten von Angiomen.


angioneurotisches Ödem

angioneurotisches Ödem, Angioödem , akute, ausgeprägte Haut- und Schleimhautschwellung im Gesichtsbereich, die typisch für eine allergische Reaktion ist und im Rahmen einer sog. allergischen Sofortreaktion auftritt. Bei Kontakt mit einem auslösenden → Allergenkommt es evtl. innerhalb von Minuten zur Schwellung von Augenlidern, Zunge, Lippen oder auch des Kehlkopfes mit daraus resultierender starker Atemnot.


angioneurotisches Ödem

angioneurotisches Ödem, Angioödem , Quincke-Ödem , angeborene Erkrankung vor allem bei Frauen, bei der ähnliche Hautschwellungen nicht allergisch, sondern durch den Mangel eines bestimmten Proteins (C1-Esterase-Inaktivator, → Komplementsystem) bedingt sind. Bei unbekannter Ursache spricht man von einem idiopathischen Quincke-Ödem.


Angiopathia diabetica

Angiopathia diabetica , diabetische Angiopathie, bei zuckerkranken Patienten infolge der Schädigung der Blutgefäße auftretende Gefäßerkrankungen. Mit der ständigen Erhöhung des Blutzuckers verändert sich die Wand der kleinen Gefäße, es kommt zur sog. Mikroangiopathie. Betroffen sind vor allem die Netzhautgefäße des Auges (Retinopathie) mit der Gefahr der Erblindung, die kleinen Nierengefäße (Glomerulosklerose) mit Funktionsstörung der Nieren und die Gefäße der Extremitäten, vor allem der Unterschenkel und Füße mit massiver Versorgungseinschränkung bis zum Untergang des Gewebes ( → diabetische Gangrän). Davon unterschieden wird die sog. Makroangiopathie, eine früh auftretende Arteriosklerose der größeren Gefäße. Auch → Diabetes mellitus.


Angiopathie

Angiopathie, Gefäßkrankheit , entweder die kleinen ( → Mikroangiopathie) oder die mittleren und großen ( → Makroangiopathie) Gefäße betreffend. Eine Angiopathie geht meist mit der Einengung des Gefäßlumens einher, wobei es zu Strömungsbehinderungen kommt. Häufigste Form ist die → Angiopathia diabetica.


Angiophakomatose

Angiophakomatose, eine Erkrankung, die mit angeborenen Fehlbildungen der Gefäße in verschiedenen Organen verbunden ist. Es gibt unterschiedliche Angiophakomatosen, z. B. die Sturge-Weber-Krabbe-Krankheit oder die tuberöse Sklerose.


Angioplastie

Angioplastie , Verfahren, mit dem verengte Gefäße erweitert werden, ohne dass eine große Operation (im Rahmen der Gefäßchirurgie) nötig ist. Die Gefäße werden von innen her aufgedehnt, z. B. mit einem Katheter. Er wird bis in das verengte Gebiet vorgeschoben und erweitert es mittels eines daran befestigten Ballons ( → Ballonkatheter,sog. perkutane transluminale → Katheterdilatation). Die Gefäßlichtung kann auch mittels einer kleinen rotierenden Sonde (ähnlich einem kleinen Bohrer) erweitert werden. Für eine Angioplastie eignen sich Arterien der Beine, der Niere, des Herzens und des Darms; das jeweilige Gefäß darf jedoch noch nicht vollständig verschlossen sein.


Angiorezeptor

Angiorezeptor, Reizempfänger innerhalb eines Blutgefäßes. Angiorezeptoren in der Aorta registrieren z. B. den Blutdruck.


Angiosklerose

Angiosklerose, Verengung von Gefäßen infolge einer Verdickung der Wand, die vor allem als → Arteriosklerosevorkommt.


Angiospasmus

Angiospasmus, → Vasospasmus.


Angiotensin

Angiotensin, Sammelbegriff für die Proteine → Angiotensin Iund → Angiotensin II.


Angiotensin-converting enzyme

Angiotensin-converting enzyme, ACE , Enzym, das zur Umwandlung von → Angiotensin Iin das wirksame → Angiotensin IIführt. Dieses Enzym kommt in mehreren Organen und im Blut vor und kann durch bestimmte Medikamente, die sog. → ACE-Hemmer, blockiert werden. Diese Mittel wirken daher blutdrucksenkend (antihypertensiv).


Angiotensin I

Angiotensin I , ein Protein, das aus dem in der Leber gebildeten Angiotensinogen entsteht; diese Reaktion fördert ein Enzym, das vor allem in der Niere gebildet wird, das Renin. Angiotensin I ist inaktiv, wird jedoch durch ein bestimmtes Enzym, das Angiotensin Converting Enzym (ACE), in Angiotensin II umgewandelt. Dieses Protein führt zu einer Verengung von Gefäßen. Die Abfolge dieser Reaktionen wird als → Renin-Angiotensin-Systembezeichnet. Ein wichtiger Auslöser für die Freisetzung von Renin ist eine verminderte Nierendurchblutung, die durch die Gefäßverengung infolge des Angiotensin II und den daraufhin ansteigenden Blutdruck wieder verbessert wird.


Angiotensin II

Angiotensin II, ein Protein, das aus Angiotensin I entsteht und eine ausgeprägt gefäßverengende (vasokonstriktive) Wirkung hat. Zudem fördert Angiotensin II die Sekretion des Hormons Aldosteron aus der Nebennierenrinde, das dazu führt, dass die Nieren vermehrt Natrium und Wasser zurückhalten. Beide Effekte führen zu einer Steigerung des Blutdrucks. Angiotensin II wird im Blut nach wenigen Minuten gespalten. Auch → Renin-Angiotensin-System.


Angiotensinogen

Angiotensinogen, ein Protein, das in der Leber gebildet wird und aus dem unter der Einwirkung des Enzyms → Renindas → Angiotensin Igebildet wird. Angiotensinogen wird bei Lebererkrankungen vermindert gebildet. Bei Schwangeren oder Frauen, die Kontrazeptiva einnehmen, ist die Konzentration von Angiotensinogen im Blut erhöht. Auch → Renin-Angiotensin-Aldosteron-System.


Angiotensinrezeptor-Antagonist

Angiotensinrezeptor-Antagonist , Medikament einer Ende des 20 Jahrhunderts neuen Wirkstoffgruppe, das gegen Bluthhochdruck eingesetzt wird. Die Angiotensinrezeptor-Antagonisten blockieren Angiotensin-II-Rezeptoren, greifen so in das → Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systemein und bewirken eine Blutdrucksenkung. Seltene Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, erhöhte Kaliumwerte, Leberwerterhöhung (GPT), Hautveränderungen, neurologische Störungen oder Störungen des Magen-Darm-Trakts. Husten - eine für → ACE-Hemmertypische Nebenwirkung - tritt bei Verwendung von Angiotensinrezeptor-Antagonisten nur selten auf.


Angiotonikum

Angiotonikum, gefäßverengendes Medikament.


Angst

Angst,
Angst
Die Atmung wird beim Erleben von Angst direkt beeinflusst.
starkes, unangenehmes Gefühl, das typischerweise von bestimmten körperlichen Symptomen begleitet wird: schneller Herzschlag, Blässe, Unruhe, schweißnasse Hände, verringerte Konzentrationsfähigkeit usw. Angst signalisiert eine Gefahr, deshalb versucht man, angstauslösende Faktoren möglichst abzuwehren oder zu vermeiden - ein Verhalten, das in einer völligen Lähmung und Inaktivität enden kann. Während Angst in Situationen mit einer wirklichen Bedrohung als wichtiger Schutzmechanismus wirkt, kann sie ohne reale Bedrohung auch zu psychischen Erkrankungen führen bzw. der Ausdruck solcher Krankheiten sein. Auch → Angsterkrankung, → Phobie.


Angsterkrankung

Angsterkrankung, Zustände mit krankhaft gesteigertem Angstgefühl. Bei Patienten mit einer Angsterkrankung treten gehäuft Angstzustände ohne erkennbare Auslöser auf. Man unterscheidet unter den Angsterkrankungen die → Phobien, die → Panikattackenund die frei flottierende Angst, bei der die Patienten über längere Zeit unter unbestimmten Ängsten leiden.


Angstneurose

Angstneurose, → Neurose, bei der als wichtigstes Symptom die Angst im Vordergrund steht. Auch → Angsterkrankung.


Angulus

Angulus , anatomische Bezeichnung für Winkel; z. B. der Angulus oculi, der Augenwinkel (seitlich und zur Nase gerichtet), der Angulus oris, der Mundwinkel, oder der Angulus venosus, die knickförmige Vereinigung der Venen des Schulterbereichs und Halses, in die der Lymphgang des Brustraumes mündet.


Anhidrose

Anhidrose, Anhydrosis , starke Verminderung oder Fehlen der Schweißdrüsen und damit fehlende Schweißsekretion. Anhidrose führt zu Störungen der Temperaturregulation im Körper.


anikterisch

anikterisch, ohne → Ikterusauftretend. Bezeichnung für eine → Hepatitis, die ohne Gelbsucht verläuft, wie es häufig bei Kindern vorkommt.


Anilin

Anilin , ein einfach aufgebautes Amin (Derivat des Ammoniak), das typisch riecht und giftig ist. Anilin wird als Grundlage für verschiedene Arzneimittel und Farbstoffe verwendet. Die Vergiftung mit Anilin z. B. durch Einatmen von Dämpfen führt zu Blutarmut, Kreislaufproblemen und Magen-Darm-Störungen.


Anilinkrebs

Anilinkrebs, durch dauerhafte Einwirkung von Aminen als Nebenprodukten des Anilins verursachter, bösartiger Tumor der Harnblase, der häufig erst lange nach der Exposition auftritt.


Anilinvergiftung

Anilinvergiftung , eine Vergiftung mit Anilinen (in der Regel als Berufskrankheit, z. B. in der chemischen Industrie). Die Aniline gelangen über Einatmen und über die Haut in den Körper. Bei einer akuten Anilinvergiftung treten Symptome wie Erregung, Ohnmacht und Krämpfe auf, Lippen und Haut verfärben sich bläulich. Bei einer chronischen Vergiftung kommt es zu Müdigkeit, Blutarmut, Verlangsamung des Herzschlags, Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden und evtl. sogar Lähmungserscheinungen. Die größte Gefahr einer chronischen Anilinvergiftung besteht in dem erhöhten Risiko für → Anilinkrebs.


Anion

Anion, Ion, das durch ein überschüssiges Elektron negativ geladen ist und daher zur positiven Anode hingezogen wird. Ein positiv geladenes Ion wird als Kation bezeichnet. Auch → Ion.


Aniridie

Aniridie, das angeborene oder durch eine Augenverletzung erworbene Fehlen der Iris. Eine angeborene Aniridie ist oft noch mit weiteren Missbildungen am Auge assoziiert, z. B. Katarakt, Mikrokornea oder Nystagmus.


Anisakiasis

Anisakiasis, Befall mit dem Heringswurm, Anisakis, dessen Larven durch den Genuss von rohen oder ungenügend erhitzten Fischen aufgenommen werden. Die Heringswurmkrankheit verursacht Fieber, Blähungen, Bauchschmerzen, Blutungen und einen Darmverschluss. Behandelt wird mit Anthelminthika.


aniso...

aniso..., Wortteil mit der Bedeutung ungleich.


Anisochromie

Anisochromie, ein ungleiches Verhältnis zwischen Hämoglobingehalt und Farbe der Erythrozyten.


Anisokaryose

Anisokaryose , unterschiedlich erscheinende Formen und Größen von Zellkernen in einem Gewebe. Eine Anisokaryose ist Zeichen einer überstürzten Zellbildung oder eines beginnenden Tumorwachstums.


Anisokorie

Anisokorie, verschieden weite Pupillen der beiden Augen. Eine Anisokorie kann angeboren sein, ist jedoch meist ein Hinweis auf eine Erkrankung der Augen, des Nervensystems oder des Gehirns (z. B. eine Gehirnblutung).


Anisometropie

Anisometropie, Anisometrie , verschieden ausgeprägte Fähigkeit der Augen, Lichtstrahlen zu brechen. Ursache können einseitige Augenerkrankungen oder ein völliges Fehlen der Linse in einem Auge ( → Aphakie) sein.


Anisozytose

Anisozytose, unterschiedlich erscheinende Zellformen in einem Gewebe, das normalerweise aus regelmäßig geformten Zellen besteht.


Anisozytose

Anisozytose, ein Vorkommen unterschiedlich großer Erythrozyten in einem Blutausstrich. Eine Anisozytose ist Hinweis auf eine Anämie.


ankylosans

ankylosans , versteifend, zur → Ankyloseführend.


Ankylose

Ankylose, durch Entzündungen oder andere Erkrankungen bedingte Veränderung des Knochens oder der Kapsel eines Gelenks, die zur völligen Unbeweglichkeit bzw. Versteifung des Gelenks führt.


Ankylostomatosis

Ankylostomatosis, → Ancylostomatosis.


Ankylostomiasis

Ankylostomiasis, → Ancylostomatosis.


ANLL

ANLL, Abk. für akute nichtlymphatische → Leukämie. Eher gebräuchlich ist die Abk. AML für akute myeloische → Leukämie.


Annelida

Annelida, Ringelwürmer , eine Art der Würmer. Medizinisch von Bedeutung ist der → Blutegel(Hirudo medicinalis). Auch → Egel.


Anode

Anode, positiv geladener Pol eines Stromkreislaufs, von dem Elektronen und → Anionenangezogen werden. Der negative Pol ist die Kathode.


Anodontie

Anodontie, das Fehlen jeglicher Zähne und Zahnanlagen. Eine angeborene Anodontie tritt meistens mit weiteren Entwicklungsstörungen auf.


Anomalie

Anomalie , eine Abweichung von der Norm, eine geringfügige Entwicklungsstörung.


Anonymisierung

Anonymisierung, die Bearbeitung von Daten in dem Sinne, dass von den Daten nicht mehr auf eine bestimmte Person geschlossen werden kann (Entfernung von Identifikationsdaten wie Name, Geburtstag usw.). Die Anonymisierung ist bei medizinischen Studien eine wichtige Voraussetzung zur Einbehaltung des Datenschutzes für die Studienteilnehmer.


Anopheles

Anopheles, Malariamücke , Mückenart, die weltweit vorkommt und durch ihren Stich verschiedene Krankheiten überträgt. Dazu gehören vor allem die → Malaria, aber auch → Filariosen.


Anophthalmie

Anophthalmie , Fehlen der Augen; angeborene Störung, bei der beide Augenanlagen und meist auch Sehnerven und Nervenverbindungen im Gehirn nicht ausgebildet wurden.


Anoplura

Anoplura, Läuse , Arthropoden, von denen einige Arten (Pediculidae) Krankheiten übertragen können. Anoplura sind wenige Millimeter lang, haben keine Flügel und saugen Blut von Menschen und Tieren. Menschen sind von den folgenden Arten betroffen: → Filzlaus; Kleiderlaus, die ihre Eier in Stofffasern legt und die Bakterien (Rickettsien und Borrelien) überträgt; Kopflaus, die ihre Eier an den Haaren befestigt. Auch → Pediculus humanus, → Pedikulose.


Anorchie

Anorchie, das angeborene Fehlen der Hoden. Die Anorchie muss vom → Kryptorchismusunterschieden werden, bei dem die Hoden angelegt, aber nicht in das Skrotum gewandert sind.


Anordnung

Anordnung , Weisung, die in der Regel von einem Arzt/Zahnarzt an medizinisches bzw. pflegerisch tätiges Personal gerichtet wird und die Versorgung eines Patienten betrifft. In einer Arztpraxis bestehen Anordnungen z. B. in der Blutentnahme, dem Wiegen des Patienten oder dem Anlegen von Verbänden. Im Krankenhaus zählen dazu auch die Verteilung von Medikamenten, Vorbereitung von Infusionen, physiotherapeutische oder besondere pflegerische Maßnahmen.


anorektal

anorektal, den After und das Rektum (Mastdarm) betreffend.


Anorektikum

Anorektikum, Appetitzügler , Substanz, die durch ihre Wirkung auf das Gehirn den Appetit unterdrückt und zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. Zu den Anorektika gehören u. a. → Amphetamine, die wie viele andere Anorektika anregend auf das Gehirn wirken, was zu Unruhe und Schlafstörungen führen kann. Anorektika können auch eine Abhängigkeit auslösen.


Anorexia mentalis

Anorexia mentalis, → Anorexia nervosa.


Anorexia nervosa

Anorexia nervosa, Anorexia mentalis,Magersucht , krankhafte Körperwahrnehmung mit Überschätzung des Gewichts, die zu einer zwanghaften Reduktion des Körpergewichts führt. Dabei magern die Betroffenen, meist Mädchen und junge Frauen, häufig lebensgefährlich ab und müssen künstlich ernährt bzw. in einer Klinik behandelt und überwacht werden. Hält die Anorexia nervosa lange an, verliert der Körper lebenswichtige Vitamine und Spurenelemente, der Stoffwechsel wird nachhaltig gestört. Etwa zehn Prozent der Magersüchtigen sterben an ihrer Erkrankung. Ursachen der Anorexia nervosa sind vor allem psychische Störungen, die meist von der Familie ausgelöst bzw. verstärkt werden. Ziel der Behandlung ist eine Stabilisierung des Körpergewichts; besonders wichtig ist eine psychologische oder psychiatrische Therapie. Auch → Bulimie.


Anorexie

Anorexie, Appetitlosigkeit , Störung der Nahrungsaufnahme aufgrund verminderten Appetits, z. B. infolge von Erkrankungen des Verdauungstrakts oder psychischer Störungen. Die Anorexia senilis ist die Appetitlosigkeit des alten Menschen, die durch eine Depression oder Störungen der Hirnfunktion verursacht sein kann. Auch → Anorexia nervosa.


Anorexikum

Anorexikum, → Anorektikum.


Anorgasmie

Anorgasmie , eine sexuelle Störung, bei der trotz sexueller Erregung kein Orgasmus erreicht werden kann. Eine Anorgasmie kommt häufiger bei Frauen vor und kann von der Situation oder vom Partner abhängig sein.


Anosmie

Anosmie, das Unvermögen zu riechen. Der Geruchssinn kann durch Verletzungen, Entzündungen oder Tumoren des Geruchsnervs oder des Hirngebiets aufgehoben werden, das die Gerüche verarbeitet.


Anotie

Anotie, das angeborene Fehlen des äußeren Ohrs.


anovulatorischer Zyklus

anovulatorischer Zyklus , Menstruationszyklus, der ohne eine Ovulation verläuft, dessen zweiter Abschnitt also fehlt. Ein anovulatorischer Zyklus kann so lange wie ein normaler Zyklus dauern, die Menstruationsblutung kann jedoch auch früher oder später als normal erfolgen. Anovulatorische Zyklen sind in den Monaten nach der Menarche oder in der Zeit vor der Menopause häufig. Auch kurz nach der Geburt haben Frauen in der Regel keine Ovulationen. Anovulatorische Zyklen sind eine mögliche Ursache der Sterilität und können auch durch psychische Faktoren (Stress) bedingt sein. Auch → Zyklusstörungen.


Anoxie

Anoxie, Zustand, in dem (fast) kein Sauerstoff für ein Organ oder den ganzen Organismus zur Verfügung steht. Vor allem das Gehirn kann eine Anoxie nur sehr kurze Zeit überstehen, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen. Auch → Hypoxie.


Anpassung

Anpassung, die Abstimmung des Organismus auf die Anforderungen der Umwelt. Bei überschießenden Anpassungsvorgängen kommt es zum → Anpassungssyndrom.


Anpassungssyndrom

Anpassungssyndrom , die Folgen, die aus übermäßig ausgeprägten Anpassungsmechanismen des Organismus entstehen können. Eine Anpassungsreaktion im Körper läuft in verschiedenen Schritten ab. Zunächst kommt es zu einer Alarmreaktion mit einer vermehrten Ausscheidung von ACTH und Glucocorticoiden, letztere aus der Nebennierenrinde. Dann folgt das Widerstandsstadium mit einer vermehrten Produktion von Stresshormonen. Kommt es im Widerstandsstadium nicht zu Besserung oder Heilung des Zustands, folgt das Erschöpfungsstadium. Aus überschießenden Anpassungsreaktionen können Krankheiten wie z. B. ein Magenulkus entstehen. Auch → Stress.


Anschlussheilbehandlung

Anschlussheilbehandlung, Abk. AHB, Weiterbehandlung eines Patienten, dessen akute Erkrankung therapiert und dessen Zustand stabilisiert ist, der zur völligen Wiederherstellung jedoch einer weiteren Behandlung bedarf. Die Anschlussheilbehandlung hat zum Ziel, dem Patienten die Wiederaufnahme seiner Arbeit oder die selbstständige Versorgung zu Hause im Alltag zu ermöglichen. Eine Anschlussheilbehandlung wird mit Einwilligung des Patienten vom Hausarzt oder dem behandelnden Arzt des Krankenhauses beantragt, die Verlegung in eine entsprechende Klinik erfolgt direkt oder zeitlich versetzt. Eine Anschlussheilbehandlung können Versicherte der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung in Anspruch nehmen. Auch → Rehabilitation.


Anspannungszeit

Anspannungszeit, die Zeitdauer, während der sich der Herzmuskel anzuspannen beginnt, jedoch noch das gleiche Blutvolumen behält. Die Anspannungszeit ist der erste Abschnitt der Systole. Nach der Anspannungszeit kontrahiert das Herz weiter, pumpt dabei aber bereits Blut in die großen Arterien.


ansteckende Krankheit

ansteckende Krankheit , jede Erkrankung, die von einem Lebewesen auf ein anderes übertragen werden kann. Ursache einer ansteckenden Krankheit sind Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze, Würmer). Erreger können z. B. durch die ausgeatmete Luft aus den erkrankten Lungen (Tröpfcheninfektion) oder durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Kot, Nahrungsmitteln oder der bloßen Hand übertragen werden.


Antabus

Antabus, Produktbezeichnung von → Disulfiram.


Antagonismus

Antagonismus, die Wirkung, die zwei sich gegenüberstehende bzw. einander hemmende Substanzen oder Körperteile aufeinander ausüben. Bindet sich ein Medikament z. B. an einen Rezeptor und verhindert damit die Bindung eines körpereigenen Stoffes, so ist es dessen Antagonist. Ebenso bezeichnet man die Muskelgruppen, die eine Extremität beugen, als Antagonisten der entsprechenden Streckmuskeln.


Antagonist

Antagonist, eine Substanz, die eine andere in deren Wirkung hemmt.


Antagonist

Antagonist,
Antagonist
Die zum Heben benötigten Beuge- und Streckmuskeln sind Antagonisten, d.h. sie haben entgegengesetzte Aufgaben.
ein Muskel, der einen anderen Muskel in seiner Wirkung hemmt ( → Antagonismus).


Antazidum

Antazidum, Medikament, das die Wirkung der Magensäure durch Bindung abschwächt. Antazida sind basische Verbindungen aus Magnesium, Aluminium oder Kalzium und lindern die Beschwerden bei Gastritis oder Magengeschwür. Effektiver sind Medikamente, die die Menge der freigesetzten Säure im Magen verringern, dazu gehören → H2-Blockerund → Protonenpumpenhemmer.


ante

ante, vor, nach vorne, bevor.


Anteflexio uteri

Anteflexio uteri , die natürliche Beugung der Gebärmutter nach vorne. Normalerweise bilden die Achse der Gebärmutter und die des Gebärmutterhalses (Zervix) einen Winkel von weniger als 180 Grad, so dass die Gebärmutter nach vorne gekippt ist. Zeigt sie eher zum Rücken hin, spricht man von Retroflexio uteri.


Antepositio uteri

Antepositio uteri, Vorverlagerung der Gebärmutter und der Zervix. Ursache ist entweder ein stark mit Kot gefüllter Mastdarm oder ein großer Tumor, der hinter der Gebärmutter wächst und diese nach vorne drängt.


anterio-posterior

anterio-posterior, Abk. a.-p., von vorne nach hinten verlaufend. Ein anterio-posteriorer Röntgenstrahl kommt von vorne (vom Bauch her) und durchquert den Körper in Richtung Rücken.


anterior

anterior, nach vorne gerichtet, vorne liegend. Das Gegenteil von anterior ist posterior (hinterliegend).


anterior-posterior

anterior-posterior, Abk. a. -p., von vorne nach hinten verlaufend. Ein anterior-posteriorer Röntgenstrahl kommt von vorne (vom Bauch her) und durchquert den Körper in Richtung Rücken.


Antetorsion

Antetorsion , nach vorne abgewinkelte Stellung des Oberschenkelhalsknochens in der Hüfte. Der Antetorsionswinkel ändert sich mit dem Alter: Bei Kindern beträgt er 30-50 Grad, bei Jugendlichen nur noch 15 Grad, bei Erwachsenen durchschnittlich 12 Grad. Bei einer angeborenen Hüftgelenkluxation oder einer Dysplasie des Hüftgelenks ist der Antetorsionswinkel vergrößert.


Anteversio uteri

Anteversio uteri, die normale Beugung der Gebärmutter nach vorne in Bezug auf die Achse der Scheide (Winkel zwischen Scheiden- und Gebärmutterachse rund 90°). Verläuft die Gebärmutter eher in gerader Fortsetzung der Scheidenachse, spricht man von → Retroversio uteri.


Anthelix

Anthelix, diejenige Windung beim äußeren Ohr, die dem Rand der Ohrmuschel (Helix) gegenüberliegt.


Anthelminthikum

Anthelminthikum, Wurmmittel,Antihelminthikum,Vermizid , Medikament, das gegen krankheitserregende Würmer, z. B. Bandwürmer, Ascariden oder Hakenwürmer, wirksam ist. Dazu gehören z. B. Mebendazol, Niclosamid und Piperazin. Auch aus der Phytotherapie sind einige Pflanzen bekannt, die früher zur Bekämpfung von parasitären Würmern eingesetzt wurden, z. B. Beifuß, Kürbissamen, Knoblauch usw.


Anthrachinon

Anthrachinon, chemische Verbindung, die durch Oxidation aus Anthracen entsteht und in verschiedenen Abführmitteln sowie einigen Farbstoffen bzw. Pigmenten enthalten ist. Anthrachinon reizt die Haut und Schleimhäute.


Anthrakose

Anthrakose, Kohlenstaublunge, eine Lungenerkrankung, die durch eingeatmete Ruß- und Kohlenteilchen entsteht. Diese Teilchen lagern sich in den Lungenalveolen ab und können zur Ausbildung eines Lungenemphysems führen (z. B. bei Kohlenarbeitern).


Anthrax

Anthrax, Milzbrand , die durch das Bakterium Bacillus anthracis verursachte Erkrankung verschiedener Organe. Die Patienten leiden neben einer Darmentzündung an Fieber und körperlicher Schwäche sowie einer typischen Verfärbung der Milz. Wird der Erreger nicht geschluckt, sondern infiziert die Haut, kommt es zum Hautmilzbrand mit Blasenbildung und eitriger Entzündung. Wird auch die Lunge befallen (Lungenmilzbrand), entsteht eine Lungenentzündung. Die Therapie besteht in der hochdosierten Gabe von Penizillin. Der Keim wird durch erkrankte Tiere (Rinder, Schafe, Schweine, Pferde) übertragen.


Anthropologie

Anthropologie , die Lehre vom Menschen im Allgemeinen. Man unterscheidet in der Anthropologie soziale, biologische und philosophische Aspekte. Die biologische Anthropologie beschäftigt sich mit dem Menschen als lebendem Organismus. Zur biologischen Anthropologie gehören z. B. die Stammesgeschichte des Menschen, die Humangenetik oder die Anthropometrie, die Erfassung von biologischen Merkmalen des Menschen (z. B. Puls, Blutdruck, Größe, Augen- und Haarfarbe, das Erscheinungsbild der unterschiedlichen Rassen usw.).


Anthroponose

Anthroponose, eine Erkrankung, die nur beim Menschen auftritt.


Anthroposophie

Anthroposophie , Lehre, die auf einem bestimmten Welt- und Menschenbild basiert, das Rudolf Steiner geprägt hat. Steiner richtete 1923 die "Anthroposophische Gesellschaft" ein, die ihren Sitz im "Goetheanum" in Dornach (bei Basel, Schweiz) hat. Laut Steiner ist der Mensch fähig, sich - auch durch Erziehung - laufend fortzuentwickeln und höhere Erkenntnisse zu erlangen; als Grundlage gelten - neben anderem Gedankengut - sowohl der christliche Glaube als auch die Lehren Goethes. Die Anthroposophie lässt sich auf viele Bereiche des menschlichen Lebens wie Erziehung, Kunst, Architektur, Medizin, Landwirtschaft usw. anwenden. Praktisch wird die Lehre der Anthroposophie vor allem in der Pädagogik der Waldorfschulen sowie in verschiedenen anthroposophisch geprägten Krankenhäusern angewendet. In letzterem Bereich steht die Anthroposophie der homöopathischen Medizin nahe. Auch → anthroposophische Medizin.


Anthropozoonose

Anthropozoonose, Zooanthroponose , Krankheit, die bei Menschen und Tieren vorkommt und zwischen ihnen übertragen werden kann. Zu diesen Erkrankungen gehören u. a. Milzbrand (Anthrax), Tollwut, Toxoplasmose, Brucellose, Leptospirose u. a. Auch → Zoonose.


anti...

anti..., gegen, entgegen gerichtet.


Antiadrenergikum

Antiadrenergikum, → Sympatholytikum.


Antiallergikum

Antiallergikum, Medikament, das Überempfindlichkeitsreaktionen (Allergien) und die damit verbundenen Beschwerden bekämpft, indem es in den Ablauf solcher Reaktionen an unterschiedlichen Punkten eingreift. Histamin ist als Überträgersubstanz z. B. entscheidend an allergischen Reaktionen beteiligt, daher hemmt eine wichtige Gruppe der Antiallergika speziell seine Wirkung ( → Antihistaminikum, → H2-Blocker). Kalzium wirkt als Antiallergikum, weil es Zellen unempfindlicher gegenüber Reizen - auch körpereigenen Signalen - macht. Corticosteroide unterdrücken neben zahlreichen anderen Wirkungen Zellen des Immunsystems und wirken damit einer Allergie entgegen.


Antianämikum

Antianämikum , Substanz, die einer Blutarmut entgegenwirkt bzw. den Aufbau neuer Erythrozyten fördert, z. B. Folsäure und Vitamin B12. Auch → Anämie.


antianämisch

antianämisch, gegen eine Anämie wirksam. Auch → Antianämikum.


Antiandrogen

Antiandrogen, Medikament, das der natürlichen Wirkung der Androgene entgegenwirkt. Dadurch wird vor allem das Testosteron beim Mann gehemmt mit nachfolgender Sterilität. Da einige bösartige Tumoren des Mannes durch Androgene gefördert werden, werden Antiandrogene in der Krebstherapie eingesetzt. Bei Frauen mit Hormonstörungen hemmen sie die Ausbildung männlicher Merkmale, etwa den typischen Haarwuchs (Hirsutismus).


Antiarrhythmikum

Antiarrhythmikum , Medikament, das einen krankhaft veränderten Herzrhythmus günstig beeinflusst. Antiarrhythmika hemmen je nach Typ verschiedene Ionenkanäle (Natrium, Kalium oder Kalzium) und bremsen so die Weiterleitung bzw. rasche Abfolge von Reizen auf die Herzmuskelzellen oder hemmen die Wirkung des Sympathikus auf das Herz ( → Betablocker). Je nach Angriffspunkt ordnet man die Antiarrhythmika verschiedenen Klassen (I bis IV) zu; weiterhin zählen → Herzglykosidezu den Antiarrhythmika. Da praktisch jedes Antiarrhythmikum als Nebenwirkung den Herzrhythmus auch stören kann, werden diese Medikamente nur bei bestimmten Erkrankungen verschrieben.


Antiasthmatikum

Antiasthmatikum, Medikament, das bei asthmatischen Erkrankungen günstig wirkt. Da Asthma eine allergische Erkrankung ist, zählen dazu auch Präparate gegen Allergien ( → Antiallergikum) wie Antihistaminika oder Corticoide. Daneben gehören Medikamente zu den Antiasthmatika, die die Atemnot lindern, indem sie die Bronchiolen erweitern ( → Sympathomimetikum, → Theophyllin).


Anti-Atelektasefaktor

Anti-Atelektasefaktor, → Surfactant.


antiautoritäre Erziehung

antiautoritäre Erziehung , eine Erziehungsphilosophie, nach der in der Erziehung jeder Zwang auf das Kind vermieden werden sollte. In der antiautoritären Erziehung wird z. B. auf die Forderung nach Gehorsam oder Strafe verzichtet, auch soll das Kind nicht moralischen oder religiösen Unterweisungen ausgesetzt werden, sondern selbst entdecken, in welcher Form es in der Gesellschaft leben kann und möchte.


Antiazidotikum

Antiazidotikum, ein Medikament, das zur Behandlung einer → Azidoseeingesetzt wird. In erster Linie ist dies Natriumbikarbonat.


Antibabypille

Antibabypille, → Ovulationshemmer.


Antibiogramm

Antibiogramm , die Auflistung verschiedener Antibiotika, die in ihrer Wirksamkeit gegen bestimmte Erreger im Labor getestet wurden. Nach dem Antibiogramm lässt sich das für einen bestimmten Keim eines Patienten geeignete Antibiotikum auswählen; vor allem bei seltenen Bakterien oder sehr schweren Infektionen ist das Antibiogramm entscheidend für eine erfolgreiche Therapie.


Antibiose

Antibiose, der Vorgang, bei dem durch Stoffwechselprodukte von Bakterien oder Pflanzen andere Mikroorganismen abgetötet oder zumindest in ihrem Wachstum gehemmt werden. Die Antibiose ist das Gegenteil der Symbiose.


Antibiotikaprophylaxe

Antibiotikaprophylaxe, die Gabe eines → Antibiotikumszur Vorbeugung einer Infektionskrankheit, nicht zur Behandlung einer bereits bestehenden Krankheit. Eine Antibiotikaprophylaxe ist in verschiedenen Situationen nötig, z. B. bei operativen Eingriffen im Magen-Darm-Trakt oder bei der Einpflanzung von künstlichen Gelenken. Bei Patienten mit bestimmten Herzproblemen (z. B. künstlichen Herzklappen oder Herzfehlern) ist eine Antibiotikaprophylaxe auch schon bei kleineren Eingriffen sinnvoll (zahnärztliche Maßnahme), damit das Endokarditisrisiko möglichst klein gehalten wird. Tritt bei einem Patienten eine äußerst ansteckende Krankheit auf (z. B. bakterielle Meningitis), werden die Kontaktpersonen auch vorbeugend mit Antibiotika behandelt, um jedes Erkrankungsrisiko möglichst auszuschließen. Eine Antibiotikaprophylaxe sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden, damit sich bei den antibiotikaempfindlichen Keimen keine Resistenzen bilden können.


Antibiotikaresistenz

Antibiotikaresistenz, Unempfindlichkeit von Bakterien gegenüber einem Antibiotikum oder mehreren Antibiotika. Als Folge wirkt dieses Medikament nicht mehr gegen den entsprechenden Keim. Diese Eigenschaft können die Bakterien natürlicherweise besitzen oder durch eine Mutation erwerben. Die Ursache einer Resistenz ist z. B. das Bakterienenzym Beta-Lactamase ( → Lactamase), das die chemische Struktur von bestimmten Penizillinen und Cephalosporinen zerstört und sie so unwirksam macht. Die Entwicklung von resistenten Keimen wird dadurch gefördert, dass die Erreger häufig Antibiotika ausgesetzt werden, vor allem dann, wenn die Keime durch das Antibiotikum nicht völlig beseitigt werden können und so "geeignete" Mutationen begünstigen. Um die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern, ist generell eine gezielte, keimspezifische Antibiotikatherapie anzustreben.


Antibiotikum

Antibiotikum , Medikament, das gegen Bakterien wirkt, indem es sie abtötet (bakterizide Wirkung) oder zumindest ihre Vermehrung verhindert (bakteriostatische Wirkung). Die Grundstoffe der Antibiotika werden aus Pilzen oder Bakterien gewonnen oder synthetisch hergestellt. Je nach ihrem Wirkungsmechanismus teilt man die Antibiotika in verschiedene Gruppen ein: Penizilline und Cephalosporine stören den Aufbau der Zellwand der Erreger, Aminoglykoside und Tetrazykline hemmen die Synthese der Proteine, andere Antibiotika verändern die Funktion der Zellmembran oder die Synthese der → DNSund → RNS.Breitbandantibiotika wirken nicht nur gegen einen, sondern gegen mehrere Keime; sie sollten möglichst selten verwendet werden, um die Entwicklung von Resistenzen zu vermeiden ( → Antibiotikaresistenz). Antibiotika werden zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten eingesetzt, gegen virale Infektionen (z. B. Grippe) nützen Antibiotika nichts. Eine der häufigsten Nebenwirkungen einer Antibiotikatherapie ist Durchfall - Ursache ist, dass die Medikamente auch die im Darm lebenden, für die Verdauung wichtigen Bakterien abtöten. Die Entdeckung und Entwicklung der Antibiotika ist einer der größten Erfolge der modernen Medizin; durch die Möglichkeit der Antibiotikatherapie haben viele Infektionskrankheiten, die in früheren Zeiten oft tödlich waren, ihren Schrecken verloren (z. B. bakterielle Lungenentzündungen oder Wundinfektionen). Auch → Chemotherapeutikum.


Anticholinergikum

Anticholinergikum, Mittel, das der Signalübertragung mittels cholinerger Rezeptoren und deren Transmitter Acetylcholin entgegenwirkt, z. B. → Atropinoder → Curare. Da viele Nervenendigungen des → Parasympathikusüber Acetylcholin funktionieren, wirken viele Anticholinergika als Hemmstoffe dieses Systems (Parasympatholytikum). Anticholinergika hemmen beispielsweise die Speichel- und die Magensaftsekretion, erweitern die Pupillen und erhöhen den Tonus des Blasenschließmuskels.


Antidepressivum

Antidepressivum, Medikament, das auf eine Depression günstig wirkt. Antidepressiva heben je nach Art die Stimmung, lösen Angst und Anspannung und/oder steigern oder dämpfen den Antrieb zur Aktivität. Antidepressiva wirken im Gehirn, sie verändern dort die Konzentration verschiedener Neurotransmitter. Manchmal dauert es einige Wochen, bis die Wirkung eines Antidepressivums sich am Patienten zeigt. Zu den Antidepressiva gehören z. B. → Amitriptylinoder Imipramin. Auch → Serotonin-Wiederaufnahmehemmer(SSRI).


Antidiabetikum

Antidiabetikum , Medikament, das bei Zuckerkranken günstig auf den Zuckerstoffwechsel wirkt. Als Tablette werden u. a. sog. Sulfonylharnstoffe verwendet; diese regen u. a. die Insulinfreisetzung in der Bauchspeicheldrüse an und erhöhen die Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren an den Zellen. So kann die geringe Menge Insulin, die beim Altersdiabetes noch produziert wird, ausgenutzt werden. Produziert der Erkrankte kein Insulin mehr, muss Insulin gespritzt werden - üblicherweise unter die Haut (insulinpflichtiger Diabetes).


Anti-D-Immunglobulin

Anti-D-Immunglobulin, Antikörper aus der Gruppe der Immunglobuline Typ G ( → IgG), das einer Unverträglichkeitsreaktion zwischen Mutter und ungeborenem Kind mit verschiedenen → Rhesusfaktorenvorbeugt. Ist eine rhesusnegative Frau mit einem rhesuspositiven Kind schwanger, so gelangen bei der Geburt kindliche Erythrozyten mit dem D-Antigen ins mütterliche Blut und führen dort zur Bildung von Antikörpern. Diese würden bei einer erneuten Schwangerschaft das Kind schädigen (Morbus hämolyticus fetalis). Spritzt man in diesen Fällen der Mutter während der Schwangerschaft oder sofort nach der ersten Geburt Anti-D-Immunglobuline (sog. Anti-D-Prophylaxe), werden die kindlichen Antigene gebunden und die Entstehung mütterlicher Antikörper wird verhindert. Auch → Rhesus-Inkompatibilität.


antidiuretisches Hormon

antidiuretisches Hormon, Adiuretin,Vasopressin , Abk. ADH, im Hypothalamus gebildetes und in der Hypophyse gespeichertes Hormon, das die Harnkonzentration in den Nieren steigert, so dass. weniger Flüssigkeit mit den Ausscheidungsprodukten verloren geht. Zusätzlich wirkt ADH verengend auf die Blutgefäße. Fehlt in den Gefäßen Flüssigkeit (z. B. beim Dursten), wird das Hormon vermehrt ausgeschüttet; Alkohol z. B. vermindert die Sekretion - die Folge ist eine reichliche Urinproduktion.


Antidiarrhoikum

Antidiarrhoikum, Medikament, das gegen Durchfall wirkt, indem es z. B. Bestandteile des Darminhalts bindet oder die Darmperistaltik vermindert.


Antidot

Antidot, Gegengift , Mittel, das die Wirkung eines Gifts spezifisch vermindert bzw. gänzlich aufhebt, indem es das Gift neutralisiert oder die entsprechenden Bindungsstellen im Körper blockiert. Ein Antidot gibt es gegen verschiedene Schadstoffe bzw. Gifte; z. B. Naloxon gegen Morphin, Chelatbildner gegen Schwermetalle, Vitamin K gegen Cumarin oder auch spezielle Antidote gegen Gifte von Tieren. Auch → Antitoxin.


Antiemetikum

Antiemetikum , Medikament, das Brechreiz bzw. Erbrechen entgegenwirkt. Antiemetika wirken direkt im Gehirn auf bestimmte Überträgerstoffe und/oder auf den Magen-Darm-Trakt, wo sie die Darmbewegung (Motilität und Peristaltik) beeinflussen. Antiemetika werden z. B. bei See- bzw. Reisekrankheit (sog. Kinetosen), bei Schwangerschaftserbrechen oder bei einer Krebstherapie mit zytostatikabedingter Übelkeit eingesetzt. Zu den Antiemetika gehören Scopolamin, Metoclopramid, Ondansetron u. a.


Antienzym

Antienzym, eine Substanz, die die Wirkung eines Enzyms aufheben und damit den Stoffwechsel stören kann. Manche Pflanzen- oder Nervengifte wirken als Antienzyme.


Antiepileptikum

Antiepileptikum, Antikonvulsivum , Medikament, das einen epileptischen Krampfanfall unterbindet bzw. epileptischen Anfällen vorbeugt oder deren Häufigkeit vermindert. Antiepileptika senken die Bereitschaft des zentralen Nervensystems im Gehirn, einen epileptischen Anfall auszulösen bzw. erhöhen die Reizschwelle der Nervenzellen. Um einen bestehenden Anfall zu durchbrechen, eignen sich bestimmte Benzodiazepine (z. B. Diazepam); zur Dauertherapie - je nach Art und Ursache der Epilepsie - verschiedene andere Medikamente (Carbamazepin, Valproinsäure u. a.). Auch → Epilepsie.


Antifibrillans

Antifibrillans, ein Medikament, das die Erregbarkeit des Herzens herabsetzt und daher zur Behandlung eines Vorhof- oder Kammerflimmerns eingesetzt werden kann. Antifibrillanzien gehören zu den → Antiarrhythmika.


Antiflatulans

Antiflatulans, Entschäumungspräparat , ein Medikament, das Blähungen entgegenwirkt, z. B. → Dimeticon.


Antigen

Antigen,
Antigen
In den Körper dringende Antigenewerden zunächst von Mastzellen aufgenommen und bewirken, dass spezielle Lymphozyten (T-Helfer- und B-Zellen) Antikörper bilden, die die Antigene bekämpfen.
bestimmte Substanz an den Oberflächen von Zellen oder freie Substanz, z. B. Bestandteile von Pflanzen, Nahrungsmitteln oder (andere) Proteine, die im Körper zur Bildung von speziell gegen sie gerichteten Antikörpern führen. Das Immunsystem bildet diese → Antikörperentweder natürlicherweise - z. B. zur Abwehr von fremden Substanzen oder Erregern - oder im Rahmen einer Erkrankung (Allergie oder Autoimmunkrankheit). Wird ein Antigen vom passenden Antikörper erkannt, so wird es meist durch verschiedene Mechanismen des Immunsystems zerstört, wobei - falls vorhanden - auch die antigentragende Zelle oder der Erreger beseitigt wird.


Antigen-Antikörper-Komplex

Antigen-Antikörper-Komplex, Immunkomplex , Verbindung aus einem → Antigenund dem entsprechenden → Antikörper. Solche Komplexe haften entweder an der antigentragenden Substanz (z. B. Krankheitserreger) oder schwimmen frei im Blut. Bindet ein Antigen an einen Antikörper, kann es vom Immunsystem mittels verschiedener Mechanismen gezielter und rascher bekämpft werden.


Antigen-Antikörper-Reaktion

Antigen-Antikörper-Reaktion , die Bindung eines Antikörpers an das passende Antigen. Der entstehende → Antigen-Antikörper-Komplexwird vom Immunsystem beseitigt. Die Antigen-Antikörper-Reaktion wird in vielen diagnostischen Tests zum Nachweis bestimmter Antigene oder Antikörper genutzt.


Antigendrift

Antigendrift , die allmähliche Veränderung eines Antigens über einen langen Zeitraum, in der Regel Jahre. Durch die Antigendrift verlieren Antikörper, die gegen das Antigen bei einer ersten Immunisierung gebildet wurden, ihre Wirksamkeit. Bedeutsam ist die Antigendrift z. B. bei bestimmten Influenza-Viren, die sich immer wieder verändern können. Dadurch verlieren Grippeimpfungen unter Umständen ihre Wirksamkeit. Auch → Antigenshift.


Antigenshift

Antigenshift , die plötzliche Veränderung eines Antigens bei einem Mikroorganismus, in der Regel einem Virus. Die Antigenshift ist z. B. bei den Influenza-Viren bedeutsam, wo alle paar Jahre infolge der Antigenshift neue Subtypen entstehen. Daher wirken Impfstoffe gegen die Grippe oft nur während einer kurzen Zeit. Auch → Antigendrift.


Antigestagen

Antigestagen , ein Medikament, das Progesteron- und Glukokortikoidrezeptoren blockiert und dadurch die normale Entwicklung der Uterusschleimhaut hemmt. Antigestagene verhindern die Einnistung der befruchtenten Eizelle in der Gebärmutter.


Antiglobulintest

Antiglobulintest, → Coombs-Test.


Antihelminthikum

Antihelminthikum, → Anthelminthikum.


Antihidrotikum

Antihidrotikum, schweißhemmendes Mittel , eine Salbe oder ein Puder zur Verminderung der Schweißbildung, z. B. Aluminiumchlorid.


Antihistaminikum

Antihistaminikum , Medikament, das dem Überträgerstoff Histamin entgegenwirkt, indem es dessen Rezeptoren blockiert. Für Histamin gibt es grundsätzlich zwei Rezeptortypen; die H 1-Rezeptoren sind für die Vermittlung allergischer Reaktionen wichtig, die Bindung an H 2-Rezeptoren hemmt die Produktion von Magensäure. Dementsprechend werden Antihistaminika gegen allergische Erkrankungen ( → H 1-Blocker) und gegen Entzündungen bzw. Geschwüre des Magens und Zwölffingerdarms ( → H 2-Blocker) eingesetzt.


Antihormon

Antihormon, natürliche oder synthetische Substanz, welche die Wirkung eines bestimmten Hormons aufhebt. Antihormone werden z. B. zur Behandlung von hormonabhängigen Krebsformen eingesetzt.


Antihyaluronidasetest

Antihyaluronidasetest , ein serologischer Test, mit dem Antikörper im Blut nachgewiesen werden, welche die Hyaluronidase hemmen. Die Hyaluronidase ist ein Enzym, das z. B. von bestimmten Bakterienarten gebildet wird. Der Antihyaluronidasetest dient zum Nachweis einer Streptokokkeninfektion.


Antihypertensivum

Antihypertensivum, Antihypertonikum , Medikament, das einen (erhöhten) Blutdruck über verschiedene Mechanismen senkt. Zu den Antihypertensiva zählen Mittel, die die Gefäße erweitern (z. B. → Kalziumantagonistenoder Vasodilatatoren), die den Sympathikus hemmen ( → Betablocker), die die Wasserausscheidung erhöhen ( → Diuretika) oder die Wirkung des blutdruckerhöhenden Hormons Angiotensin II verringern ( → ACE-Hemmeroder Angiotensinrezeptor-Antagonisten). Je nachdem, wie alt ein Patient ist und welche anderen Erkrankungen er neben dem Bluthochdruck hat, kommen verschiedene Antihypertensiva zur Therapie in Frage; diese werden häufig kombiniert.


Antiinfektivum

Antiinfektivum, Mittel, das gegen Infektionskrankheiten wirkt. Dazu zählen je nach Art des verursachenden Erregers → Antibiotika(gegen Bakterien), → Virostatika(gegen Viren), → Antimykotika(gegen Pilze) und → Anthelminthika(gegen Würmer).


Antikoagulans

Antikoagulans,
Cumarin
Cumarin ist Baustein eines Antikoagulans
Substanz zur Hemmung der Blutgerinnung; wird verwendet, um Blutgerinnsel zu behandeln oder diesen vorzubeugen. Eingesetzt werden Heparin bzw. verwandte Medikamente (Heparinoide) und Cumarine. Heparin hemmt den Gerinnungsfaktor Thrombin und die Verklebung der Thrombozyten (Aggregation). Cumarine wirken dem Vitamin K entgegen und hemmen so die Bildung des Gerinnungsfaktors Prothrombin. Beide Medikamente können als Nebenwirkung u. a. zu Blutungen führen. Um Blutproben im Labor ungerinnbar zu machen, setzt man neben Heparin verschiedene andere Verbindungen (z. B. Natriumcitrat, → Citratblut) ein.


Antikoagulation

Antikoagulation, Hemmung der Blutgerinnung durch entsprechende Medikamente (Antikoagulantien). Eine Antikoagulationstherapie wird vorbeugend nötig bei Patienten, die zu Thrombosen neigen, weil sie z. B. lange im Bett liegen müssen, bei Herzrhythmusstörungen oder bei künstlichen Herzklappen. Therapeutisch wird eine Antikoagulation beispielsweise. bei tiefen Beinvenenthrombosen oder bei einer Lungenembolie eingesetzt. Auch → Fibrinolyse.


Antikonvulsivum

Antikonvulsivum, → Antiepileptikum.


Antikonzeption

Antikonzeption, → Kontrazeption.


Antikonzeptivum

Antikonzeptivum, → Kontrazeptivum.


Antikörper

Antikörper,
Antigen
In den Körper dringende Antigenewerden zunächst von Mastzellen aufgenommen und bewirken, dass spezielle Lymphozyten (T-Helfer- und B-Zellen) Antikörper bilden, die die Antigene bekämpfen.
Abk. Ak, Protein, sog. Immunglobulin, das von bestimmten Zellen des Immunsystems (B-Lymphozyten und Plasmazellen) gebildet wird und speziell gegen ein → Antigengerichtet ist. Antikörper weisen chemisch stets die gleiche Grundstruktur aus zwei sog. schweren und zwei leichten Eiweißketten auf, an deren variablen Abschnitten sich mehrere Bindungsstellen für Antigene befinden können. Antikörper werden in fünf Gruppen eingeteilt: → Immunglobulineder Klassen IgM, IgG, IgA, IgD und IgE. Diese haben unterschiedliche Aufgaben im Körper; insgesamt vermitteln sie jedoch die sog. humorale Immunantwort des Körpers - im Gegensatz zur zellulären Antwort, die Immunzellen übernehmen. Antikörper binden sich an körperfremde Antigene oder auch körpereigene, entartete Zellen (z. B. Tumorzellen), was zu deren Vernichtung führt. Während solche Antikörper als komplett bezeichnet werden, sind inkomplette Antikörper solche, die sich nur an das Antigen binden, ohne Folgereaktionen auszulösen. Einige Antikörper binden sich auch an Mastzellen und regen damit die Freisetzung von Überträgerstoffen an. Letzteres wirkt sich - z. B. bei einer allergischen Reaktion - nachteilig auf den Menschen aus; ungünstig bzw. krankheitsauslösend sind Antikörper ebenfalls bei Autoimmunkrankheiten oder einer Abstoßungsreaktion gegen ein Transplantat. Gegen Antigene gebildete Antikörper bleiben im Körper lange bestehen und lassen sich nachweisen, um z. B. eine Immunität gegenüber einer bestimmten Krankheit oder den Erfolg einer Impfung festzustellen (Antikörpertiter). Zur Diagnostik und Behandlung verschiedener Erkrankungen dienen monoklonale Antikörper, die von gentechnisch hergestellten hochspezifischen Plasmazellen gebildet werden. Polyklonale Antikörper werden dagegen von verschiedenen Plasmazellen gebildet und haben Bindungsstellen, die gegen mehrere Merkmale eines Antigens gerichtet sind. Auch → ANA(antinukleäre Antikörper).


Antikörper, antinukleäre

Antikörper, antinukleäre , Abk. ANA, Antikörper, die gegen körpereigene Zellkerne gerichtet sind, u. a. gegen verschiedene Proteine und Bestandteile der DNS. Diese Antikörper kommen mit zunehmendem Alter auch bei Gesunden vor, vor allem bei Frauen, sind jedoch ab einer bestimmten Konzentration ein wichtiger Hinweis auf eine → Autoimmunkrankheit<