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Stand: August 2010
Die im Folgenden beschriebenen Krankheiten sind eine Gefahr für jeden Menschen. Die im Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) aufgeführten Impfungen schützen gegen diese Krankheiten und sind daher unverzichtbar.
Im August 2010 hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, STIKO, ihre Impfempfehlungen aktualisiert. Sie beziehen sich auf die Impfung gegen Masern, Grippe und Röteln. (nähere Informationen erhalten Sie unter NEWS)
Diphtherie
Die Erkrankung entsteht durch Diphtherie-Erreger, die sich auf den Schleimhäuten u. a. von Nase, Rachen, Kehlkopf und der Haut festsetzen und Gifte bilden. Diese führen zu Entzündungen und zum Absterben von Gewebe. Im Kehlkopfbereich sind Erstickungsanfälle die Folge. Geraten die Gifte in den Kreislauf, können z. B. schwere Herzmuskel-, Nieren- oder Nervenschäden entstehen.
FSME - Frühjahr und Sommer sind Zeckenzeit
Durch Zecken kann die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine gefährliche Hirn(haut)entzündung, übertragen werden. Menschen, die in Risikogebieten leben (insbesondere Bayern, Baden-Württemberg und Teile von Rheinland-Pfalz, sowie zunehmend auch andere Bundesländer) oder während der Zeckensaison (etwa April bis Oktober) in diese Gebiete reisen, dort wandern, campen oder andere Freizeitaktivitäten im Freien ausüben, sollten sich gegen FSME impfen lassen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist. Die Kosten der Impfung werden von der Bertelsmann BKK getragen. Nach erfolgter Impfung besteht in der Regel ein drei Jahre andauernder Impfschutz.
Weitere Informationen zum Thema FSME bietet das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite
Grippe (Influenza)
Die Erkrankung (Tröpfcheninfektion): schwere fieberhafte Infektion der Atemwege, Gefahr von Komplikationen Empfehlenswert ist die Impfung vor allem für Personen über 60 Jahre, für Personen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems bzw. mit chronischen Stoffwechselstörungen, Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche und Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind (Berufe mit hohem Publikumsverkehr, medizinisches Personal, ErzieherInnen, LehrerInnen usw.).
Aktueller Hinweis: Die Impfung wird seit August 2010 auch für Schwangere empfohlen.
Haemophilus influenzae Typ B (Hib-Erkrankungen)
Die Erkrankungen werden durch Hib-Bakterien ausgelöst, die vor allem für Babys und Kleinkinder gefährlich werden können. Sie können zwei schwere Krankheitsbilder hervorrufen: die eitrige Hirnhautentzündung und die Kehlkopfentzündung Epiglotitis.
Die Hib-Hirnhautentzündung trifft vor allem Babys im 2. Lebensjahr und ist die häufigste Ursache von erworbenen geistigen und körperlichen Behinderungen. Die Hib-Impfung schützt nicht gegen Hirnhautentzündungen, die durch andere Bakterien oder durch Viren verursacht werden. Erkrankungen durch Haemophilus influenzae in den ersten beiden Lebensjahren hinterlassen keinen Schutz, sodass sie bei ungeimpften Kindern mehrmals auftreten können.
Hepatitis B
Die Erkrankung: länger dauernde schwere Leberentzündung, Gelbsucht; Gefahr schwerer Leberschädigung. Vor allem bei infizierten Säuglingen kann die Erkrankung zu fast 90 Prozent chronisch verlaufen (Risiko Leberzirrhose, Leberkrebs). Die höchste Erkrankungsrate liegt bei 15- bis 25-jährigen Jugendlichen, einer Altersgruppe mit hoher sexueller Aktivität. Zu über 50 Prozent wird der Hepatitis-B-Erreger auf diese Weise übertragen. Ansteckung kann aber beispielsweise auch beim Tätowieren oder Piercing erfolgen.
Hepatitis B wird mit der Impfung vollständig verhütet. Seit einigen Jahren empfiehlt die STIKO die Grundimmunisierung im Säuglingsalter. Falls nicht vorhanden, muss dieser Impfschutz bei den gefährdeten 11- bis 15-Jährigen mit dreimaligem Spritzen aufgebaut werden.
HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
Keuchhusten (Pertussis)
Keuchhusten wird durch Erreger ausgelöst, die z. B. beim Anhusten (Tröpfchen-Infektion) übertragen werden. Sie besiedeln und zerstören die Schleimhäute der Atemwege; das kann zunehmend heftiger werdende Hustenanfälle und Luftnot (Stickhusten) auslösen. Babys sind vor allem durch Atemstillstände und Lungenentzündungen bedroht. Auch Krampfanfälle und Hirnschäden mit Dauerfolgen kommen vor. Keuchhusten kann ein Auslöser von Asthma sein.
Da kein Einzelimpfstoff gegen Pertussis erhältlich ist, kann diese Impfung nur in Kombination mit anderen anstehenden Impfungen erfolgen. Die STIKO empfiehlt daher, bei der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus und Diphtherie, die alle 10 Jahre zur Auffrischung oder im Rahmen der Tetanusvorbeugung nach Verletzungen empfohlen ist, einmalig auch gegen Pertussis zu impfen.
Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden. Oft ist sie damit überstanden. Einige Infektionen führen jedoch weiter zu einer Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen und Erbrechen. Anschließend kann die Zerstörung von Nervenzellen folgen, die Lähmungen auslöst. Meist sind die Beine betroffen, aber auch Lähmungen der Arme und der Atemmuskulatur kommen vor. Dagegen gibt es keine spezifisch wirkenden Medikamente.
Während früher eine dreimalige Schluckimpfung und eine Wiederholungsimpfung erfolgten, empfiehlt die Ständige Impfkommission jetzt zum Schutz vor Polio nur noch die IPV-Impfung (IPV = Inaktivierte Polio-Vakzine) per Spritze. Auch Personen mit Immunschwäche können risikolos mit IPV geimpft werden. Eine durch Schluckimpfung begonnene Grundimmunisierung wird mit IPV komplettiert. Im Juli 2009 hat die STIKO klargestellt, dass "alle Personen ohne einmalige Auffrischungsimpfung" eine Polio-Auffrischungsimpfung erhalten sollten.
Masern
Masern sind so ansteckend, dass sie jeder ungeschützte Mensch bei Kontakt bekommt. Sie beginnen mit hohem Fieber, Augenbindehaut-Entzündungen, Schnupfen und Husten. Kurz darauf tritt meist hinter den Ohren ein Hautausschlag auf, der sich auf den ganzen Körper ausbreitet. Die Erkrankung schwächt das Allgemeinbefinden und die Abwehrkräfte. In der Regel verläuft sie ohne weitere Komplikationen.
Eine durchgestandene Masernerkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität. Es gibt auch Hinweise darauf, dass das kindliche Immunsystem durch die Auseinandersetzung mit dieser typischerweise im Kindesalter auftretenden Erkrankung gestärkt wird. Dennoch können Masern auch kompliziert verlaufen und zu Mittelohr- und Lungenentzündungen oder, in manchen Fällen, auch zu Krampfanfällen und Gehirnhautentzündungen führen.
Immer wieder werden in Deutschland Masern-Ausbrüche gemeldet. Oftmals erkranken dann Jugendliche und jüngere Erwachsene, denn in diesen Altersgruppen bestehen die größten Impflücken. Um den Erreger so wirksam einzudämmen, dass er nicht mehr zirkulieren kann, müssen 95 Prozent der Bevölkerung einen sicheren Schutz besitzen. In manchen Regionen Deutschlands ist dieses Ziel bereits bei den Kindern erreicht. Die neue Empfehlung aus August 2010 soll nun dazu beitragen, den Impfschutz auch bei den jüngeren Erwachsenen zu verbessern.
Und auch bei Jugendlichen gilt es noch Impflücken zu schließen und die STIKO-Empfehlung, spätestens bis zum 18. Geburtstag fehlende Masern-Mumps-Röteln-Impfungen nachzuholen, konsequent umzusetzen.
Meningokokken Typ C
Meningokokken sind Bakterien, die verschiedene Krankheitsbilder auslösen können. Etwa zehn Prozent der europäischen Bevölkerung tragen diese Bakterien im Nasenrachenraum, ohne dabei krank zu sein. Meningokokken sind, wie auch Pneumokokken, Bakterien und werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch beim Anhusten, Niesen, aber auch Küssen übertragen. Sie heften sich an die Schleimhäute des Nasenrachenraumes, wo sie wochen- oder monatelang bleiben können. Vor allem, wenn das Immunsystem geschwächt ist, etwa durch andere Infektionen, vermehren sich die Bakterien, durchdringen die Schleimhäute und lösen Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen aus. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 700 bis 800 Menschen an einer Meningokokken-Infektion, rund 10 Prozent davon tödlich. Die STIKO empfiehlt die Impfung für Säuglinge und Kleinkinder.
Tipp: Das Deutsche Grüne Kreuz informiert auf www.agmk.de
Mumps (Ziegenpeter)
Die Erkrankung verläuft im Allgemeinen harmlos, sie befällt vorzugsweise die Speicheldrüsen. Die Folge sind geschwollene Gesichtsseiten. Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen folgt der Erkrankung eine Hirnhautentzündung, die meist gutartig verläuft. Selten entwickelt sich daraus eine Gehirnentzündung, die oft zu Hörschäden führt. Bei einer Infektion im Jugend- und Erwachsenenalter besteht die erhöhte Gefahr von Komplikationen, wie beispielsweise Hodenentzündungen.
Pneumokokken -Infektion
Die Impfungen gegen Pneumokokken und Meningokokken werden als Standard-Impfung für alle Säuglinge (Pneumokokken) und Kleinkinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr (Meningokokken) empfohlen. Diese Erreger sind die zwei häufigsten Ursachen für schwer verlaufende (invasive) bakterielle Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern.
Die Pneumokokken-Impfung wird zudem über 60jährigen und chronisch Kranken alle sechs Jahre empfohlen und kann beim selben Termin wie die Grippe-Impfung gegeben werden.
Röteln
Die Krankheit verläuft meist unkompliziert und oft unerkannt. Anzeichen sind blasser, masernähnlicher Hautausschlag. Schwellung der Lymphknoten, vor allem im Halsbereich, und bei Erwachsenen Gelenkschmerzen. Hat eine werdende Mutter nicht bereits durch eine in der Kindheit durchgemachte Rötelerkrankung oder eine Impfung Antikörper gegen Röteln gebildet und erkrankt in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten daran, ist auch das ungeborene Kind betroffen. Die Folgen können schwere Fehlbildungen sein, z. B. Taubheit, geistige Behinderungen, Augenschäden und Herzfehler.
Die Impfung dient bei Mädchen vor allem dem Schutz späterer Schwangerschaften. Sie wird aber für Jungen und Mädchen ab dem 15. Monat empfohlen, um besonders werdende Mütter vor einer Rötelinfektion durch erkrankte Kinder zu schützen. Eine Feststellung des Antikörper-Status (d. h. eine Untersuchung, mit der geprüft wird, ob ein ausreichender Schutz vor Röteln besteht) vor der Pubertät und, bei nicht ausreichendem Schutz, eine Wiederimpfung bzw. das Nachholen einer bisher versäumten Impfung, sind für jedes Mädchen sehr wichtig, damit bei einer später eintretenden Schwangerschaft der Schutz vor Röteln gewährleistet ist.
Tetanus (Wundstarrkrampf)
Der Wundstarrkrampf wird durch Erreger hervorgerufen, die sich in Schmutz, Straßenstaub oder auch Blumenerde befinden. Eine Gefahr bedeuten sie dann, wenn sie über kleine Wunden, Verbrennungen oder Bissverletzungen in den Körper eindringen. Gerade Kinder haben ja häufig Hautverletzungen. Die Erreger produzieren im Körper das Tetanusgift, das in Nervenzellen eindringen und zu schweren Muskelkrämpfen (Wundstarrkrampf) führen kann. Voraus gehen Schluck- und Trinkstörungen. Sind die Nervenzellen betroffen, gibt es kaum noch Behandlungsmöglichkeiten. Fast jeder Zweite überlebt diese Erkrankung nicht.
Windpocken
Die STIKO empfiehlt aufgrund der Komplikationsmöglichkeiten durch die Erkrankung eine Impfung für alle Kinder im 2. Lebensjahr. Die Impfung gegen Windpocken wird in der Regel im Alter von 11 bis 14 Monaten durchgeführt, entweder gleichzeitig mit der 1. MMR-Impfung oder frühestens vier Wochen nach dieser.
2009 hat die STIKO eine generelle zweite Impfung im Alter von 15 bis 23 Lebensmonaten empfohlen. Zuvor war nur auf eine mögliche zweite Impfung gemäß Herstellerangaben verwiesen worden. Die zweite Impfung ist wichtig, um Ausbrüche und Erkrankungen trotz Impfung (Durchbruchserkrankungen) zu verringern und die Übertragung des Virus auf empfängliche Personen weiter einzudämmen.
Darüber hinaus sollten wie in der bisherigen Empfehlung ungeimpfte Jugendliche zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr, die noch keine Windpocken-Erkrankung durchgemacht haben, geimpft werden.
Impfungen in besonderen Fällen
Bei einigen Infektionskrankheiten (z. B. Tollwut, Tuberkulose) sind das Infektionsrisiko und andere mit dem Verlauf der Krankheit verbundene Risiken in der Bevölkerung unterschiedlich verteilt und hängen von einer Reihe verschiedener Faktoren (z. B. Beruf, Lebensalter, allgemeiner Gesundheitszustand oder bestimmte Verhaltensweisen) ab. In besonderen Fällen können also auch Impfungen über die Standard-Impfungen hinaus wichtig und empfehlenswert sein. Einzelheiten sollten Sie mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt besprechen.