Freitag, 27. Januar 2012 13:25 Alter: 111 Tage Verwaltungskosten sind Versorgungskosten

VWK Bertelsmann BKK (2010)

In einer großen deutschen Boulevardzeitung wurden in dieser Woche die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen thematisiert. Dazu erklärt der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz: "Selbstverständlich müssen neben den Krankenhäusern, Apothekern und Ärzten auch wir Krankenkassen immer wieder schauen, wo unbürokratischer gearbeitet werden kann. Aber der Pauschalvorwurf von zu viel Bürokratie geht an der Realität vorbei. Tatsache ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2010 für jeden Versicherten laut amtlicher Statistik 136,24 Euro an Verwaltungskosten ausgegeben haben.“ 

 

Bei den privaten Krankenversicherungen waren es hingegen für jeden Vollversicherten 391,20 Euro, also rund drei mal so viel. 

Insgesamt gaben die gesetzlichen Krankenkassen 2010 laut amtlicher Statistik (s. Anlage) 9,51 Mrd. Euro bei 70 Millionen Versicherten aus. Die von der Zeitung genannten 30 Mrd. Euro sind daher falsch. 

 

Deutlich unter dem Schnitt liegt die Bertelsmann BKK „Unsere Verwaltungskosten betragen 102,78 Euro pro Kopf im Jahr 2010“, so Thomas Johannwille, Vorstandsmitglied der Bertelsmann BKK.

 

Was sind Verwaltungskosten:

 

Neben den Personal- und Mietkosten gehören auch die Erstellung von Qualitätsberichten in Krankenhäusern, die Prüfungen von Pflegeheimen oder auch eine 24-Stunden-Telefonhotline für junge Eltern zu den Verwaltungskosten. Wenn kranke Menschen im Internet nachsehen können, welches Krankenhaus gut ist oder besorgte Eltern mitten in der Nacht kompetenten Rat erhalten können, dann wird deutlich, dass Verwaltungskosten auch Versorgungskosten sind.

 

Jahr für Jahr werden zudem neue Verwaltungsaufgaben an die Krankenkassen herangetragen. So benötigen die Kassen zum Beispiel für Budgetverhandlungen mit den Krankenhäusern hoch qualifiziertes Personal. Dasselbe gilt auch für die Verhandlungen beim Einkauf von Heil- und Hilfsmitteln, wie Pflegebetten oder Rollstühle. Denn erst wenn die Mitarbeiter der Krankenkassen gute Preise ausgehandelt haben, profitieren auch die Versicherten davon. Damit die Leistungsausgaben ohne Qualitätsverlust für die Patienten begrenzt werden, müssen Kassen einen größeren Aufwand betreiben.

 

Beispiel „Chronikerprogramme“: Hier sollen die Krankenkassen noch stärker als bisher Steuerungsaufgaben in der Versorgung wahrnehmen. Die BKK haben diese Verantwortung ernst genommen und sich mit ganzer Kraft und erheblichen Kosten an die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben gemacht. Derzeit sind über 790.000 BKK Versicherte in den sogenannten Disease-Management-Programme eingeschrieben.

 

Die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung erwarten von ihren Krankenkassen zu Recht Informationen, Beratung und Hilfe auf hohem Niveau. Dieses Niveau konnten die BKK von Jahr zu Jahr steigern. 

 

Dienstleistungskosten sind daher keine "tote Last", sondern kommen den Patienten zugute. Das gilt auch beim erklärten Ziel aller politischen Akteure, Prävention und Rehabilitation zu stärken. Das bedeutet für die Kassen umfassende Aufklärung, gute Betreuung und qualifiziertes Fallmanagement. Jeder dafür ausgegebene Euro ist eine Investition in die Gesundheit der Mitglieder.


Letzte Änderung: Mittwoch, 14.03.2007

 

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