Mittwoch, 05. November 2008 12:32 Alter: 3 Jahre Psychische Belastungen im Unternehmen kosten 6 Mrd. Euro – Stressmanagement gefordert

Pressemitteilung der Kampagne "Move Europe"

 

In Deutschland entstehen durch arbeitsbedingte psychische Belastungen jährlich volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 6,3 Milliarden Euro. Darin sind laut einer aktuellen Studie des BKK Bundesverbandes 3 Milliarden Euro direkte Kosten für die Krankheitsbehandlung und weitere 3,3 Miliarden Euro Produktionsausfallkosten enthalten. Insgesamt entstehen durch arbeitsbedingte Erkrankungen und Frühberentung volkswirtschaftliche Kosten von 44 Milliarden Euro.

 

Während im Arbeitsleben die körperliche Beanspruchung immer weiter zurück geht, steigen psychische Belastung und Arbeitsverdichtung. Ein erhebliches Risiko für psychische Erkrankungen stellt ein geringer Handlungsspielraum der Arbeit dar. Insbesondere Mitarbeiter im Baugewerbe, im Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in Dienstleistungsbranchen sind zum Beispiel von monotonen Arbeiten mit geringer Entscheidungsfreiheit betroffen.

 

Die Arbeitsbedingungen sind dabei jedoch oft nicht zwingend alleinige Ursache für psychische Erkrankungen. Trotzdem können ein schlechtes Betriebsklima, Angst vor Arbeitsplatzverlust und psychomentale Belastungen wie Unter- oder Überforderung, Leistungs- und Zeitdruck Krankheitsphasen auslösen und verstärken.

 

Vor allem Führungskräfte beeinflussen die optimale Anpassung von Aufgaben und Qualifikationen, Zielvereinbarungen und Zeitabsprachen, wertschätzende Rückmeldungen über Leistungs- und Sozialverhalten, Schaffung von Entscheidungs- und Handlungsspielräumen sowie die Beteiligung und Unterstützung von Mitarbeitern. Hier sind präventive Maßnahmen des Arbeitsschutzes und vernetzte Angebote wie betriebliches Gesundheits- und Eingliederungsmanagement nötig. Unterstützung durch externe Fachdienste sowie Maßnahmen zur Stabilisierung im privaten Umfeld helfen, die Teilhabe am Arbeitsleben herzustellen. So wird die Genesung gefördert und firmenbezogenes Fachwissen gesichert.

 

Viele Unternehmen haben dies erkannt und werden präventiv tätig. Im Rahmen der europäischen Kampagne „Move Europe“ haben bereits rund 600 teilnehmende Unternehmen die psychischen Belastungsfaktoren im Rahmen ihrer betrieblichen Gesundheitsförderung analysiert. Viele von ihnen führen psychosoziale Beratung, Suchtberatung und Kurse für Konflikt- und Zeitmanagement durch, wie die Rheinenergie AG oder die Stadtverwaltung Halle. Die Pinneberger Verkehrsbetriebe helfen beispielsweise ihren Busfahrern mit einem Programm zur Stressbekämpfung, um so den Belastungen durch drängelnde Autofahrer, Verkehrschaos und lärmende Schulkinder etwas entgegenzusetzen.

 

Der BKK Bundesverband bietet über ein Kooperationsprojekt mit der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie (BApK e. V.) ein Gesamtpaket aus betrieblicher Gesund-heitsförderung, Aufklärung und Qualifizierung an. Führungskräfte, Personalverantwortliche und weitere Multiplikatoren werden befähigt, ihre Führungskompetenz im Hinblick auf psychische Erkrankungen zu erweitern und präventiv zu wirken. Das Schulungskonzept „Psychisch krank im Job“ lässt sich für Großbetriebe sowie klein- und mittelständische Unternehmen anpassen.


Informationen und Schulungen „Psychisch krank im Job“:
BApK, Christian Gredig, Telefon (0228) 965 97 57,  
E-Mail  gredig.bapk[at]psychiatrie.de

 

Move Europe ist eine Initiative des Europäischen Netzwerks zur betrieblichen Gesundheitsförderung (ENWHP). Der BKK Bundesverband koordiniert die bis 2009 angesetzte Kampagne sowohl in Deutschland als auch europaweit. Interessierte Unternehmen können ihre Gesundheitsförderungsmaßnahmen unter www.move-europe.de überprüfen und Move Europe-Partner werden.


 

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